Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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TC" WWWWWWWWWW zu wollen, als wir in Wirklichkeit sind. Tc. ‘ ' ' 'alent mit unserer Krast, Verdienst. Wir verwechseln Wir verwechseln günstiges Schicksal mit unserem den Rat und den Beistand der Freunde mit unserer eigenen Tüchtigkeit. Und weil dem so ist, so ist Danken ein Opfern, das wir uns selber abringen sollen und das seinen Werl natürlich nur hat, wenn es ein freiwilliges Opfer ist. Und wenn wir das tun, so gilt unser Wort: „Wer Dank opfert, dkr ehret mich", er ehrt sich, sein besseres Selbst. Doch früher freilich hieß es noch anders und für viele heißt es heute noch so: Dank opfern für Leben, Gesundheit und Glück — das war eine Ehrung an Gott als „den Spender". Dank für Begabung und für Verstand, das war eine Ehrung des Urhebers. Dank für die Ernte und Dank für Erfolge, es war eine Ehrung des „gütigen Schöpfers". Dank für den Frühling und für die «Sonne, es war eine Ehrung des „Lenkers der Welt". Ja, eine Fülle von Segenssprüchen sind uns nach alter Vorschrift geboten: für das Meer und den Donner, den Regenbogen, den Blitz und für die duftenden Kräuter. Und wer kann leugnen, daß sich hierin ein natürlichreligiöses Gefühl kundgibt? Der Hiirblick auf das Gegenteil all des Genannten, des Glücks, der Gesundheit und Ernte — sie drängen von selbst den Dank auf die Lippen. Und wer das tut, der „ehret mich" — er ehrt sich, indem er voll Demut seine Schwäche und Abhängigkeit anerkennt, die Ehrfurcht vor dem Geheimnis bezeugt, das in uns, um uns und über uns waltet. Doch, wie die Freude uns Dank entlockt, so die Trauer, der Schmerz, das zerbrochene Gemüt. Und darauf bezieht sich der zweite Vers: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochenes Gemüt" — zerbrochen in Reue — zerbrochen in Sehnsucht. Ein Ausspruch vergeistigter Religion, die Aufhebung förmlich alles dessen, was wir über Sündopfer in der Bibel vernehmen. Denn ein Sünder, David, war es ja, der dies Bekenntnis abgelegt hat. Und hat er nicht recht? Reue ist ein Opfer, wenn wir gesündigt. Wer könnte das nicht selber bestätigen, und wenn nicht von sich, so doch von andern? Ein Opfer, das wir unserem Stolz abringen, ein Opfer, das wir unserer Seele darbringen. Ein Opfer, weil Reue ein Eingeständnis, ein Selbstanklagen und ein Selbstrichten, — ein Opfer, weil sie ein Zugeständnis, daß wir schwächer gewesen, als wir geglaubt, daß wir uns selbst unterlegen sind. Aber gibt es denn erst, wenn wir gesündigt, das „zevbrochene Gemüt", das zerrissene Herz? Gibt es diese Opfer denn nicht auch sonst? Opfer, welche aus Sehnsucht entquellen? Und was heißt es dann, daß sie ein Opfer, daß sie ein Opfer Gottes sind? Ob es wohl Menschen gibt, die es nicht kennen — das zerbrochene Gemüt, das von der Sehnsucht zerrissene Herz? Sei es im dauernden Schmerzerlebnis, sei es im Erlebnis eines einzelnen Falles? O, es gibt Menschen, die es bestätigen: man stirbt nicht an dem gebrochenen Herzen, d. h. an dem stückweis brechenden Herzen — nur dauert es oft ein Lebelang. O, es gibt Menschen, die sie durchlebten, die Stunde der Erschütterung und des seelischen Fiebers, die Stunden des rasenden Wehs. Und diese Menschen sie wissen genau: Opfer waren das und tausendmal schwerere als alle Tier- oder Speiseopfer, Opfer, nicht freiwillig — und vielleicht doch. Opfer, bei denen auch Blut geflossen, kein Tierblut, aber das Blut unseres Herzens. Opfer an Toten und Opfer an Kranken, Opfer an Kindern und an Erwachsenen, Opfer der Liebe und Opfer des Schmerzes, Opfer der Tränen und Opfer des Stöhnens, der Verzweiflung und des furchtbaren Jammers, Opfer der Entsagung, der Rücksichtnahme. Doch, inwiefern sind auch das noch Opfer Gottes? Weil wir in ihm den Urheber sehen, nicht den äußeren, aber den inneren. Der äußere heißt Mensch oder Schicksal. Aber gerade, weil wir nur Gutes, nur Göttliches wollen, nur Ideales und nur Vollendung, sei es. für uns, sei es für andere, sei es für einzelne, sei es für die Gesamtheit — deshalb die Tränen so oft und der Jammer, deshalb und deshalb allein unser Opfer. Aber auch, weil wir in ihm den Zielpunkt sehen, sind diese Opfer „Opfer Gottes". Der Zielpunkt, zu dem solche Opfer hinführen müssen. Ja, das Göttliche in uns hat tausend Boten, in tausend Sprachen spricht es zu uns. Gott schickt nicht den Schmerz, aber er ist sofort da, sobald dieser Schmerz uns zerbrechen will. Er schickt nicht die Opfer, aber er wandelt sie um zu Opfern, die seinem Ruhm dienen sollen. Wir wollen nicht sterben am brechenden Herzen — indem wir ja sagen zu unserem Gott, obwohl das Leben UTargra/e». {Perlen . Qold . Silberwaren hinter den Xinden 21 dianonierstraße 9 & ‘Gauentzienstr. 18a nein zu uns sagt, indem wir stark bleiben mit diesem Gott, obwohl das Leben uns schwach gemacht hat, indem wir ihn lieb behalten, den Gott, obwohl uns das Leben den Haß nahelegt, indem wir groß bleiben mit unserem Gott, auch wenn uns so viel hinabzerren will. Indem wir das tun, wandeln sich Opfer, welche wir zuckend und wimmernd darbringen — zu Opfern der Freude in unserem Gott, zu Opfern des Dankes mitten im Schmerz. Wre schön drückt das alles, was wir hier gejagt, die jüdische Legende auch bereits aus: Als die Flammen des zerstörten Tempels schon zum Himmel loderten, sang ein Tempelsänger ruhig die Psalmen weiter. „Wie", riefen die andern, „wie kannst du das tun?" „Ich handle wie ein König'" entgegnete jener. Er zerstörte den Palast seines undankbaren Sohnes, ein Diener aber spielte die Flöte dazu. „Wie", riefen die andern, „wie kannst du das tun?" „Der König zerstört ja nur den Palast, aber dem Sohn selbst tut er ja nichts, deshalb spiele und singe ich", sprach der Diener. „Nun seht, auch Gott zerstört nur den Tempel. Väter und Söhne aber erhält er. Deshalb singe und spiele ich angesichts des flammenden Hauses." Großartig erhabener Zukunftsglaübe. Symbol der unzerstörbaren Kraft der Idee angesichts selbst des brennenden Lebens! Triumph des Göttlichen in unserer Brust, Triumph der Worte in unserer Schrift: „Wer Dank opfert, der ehret mich — die Opfer Gottes sind ein zerbrochenes Herz." BUCHERSCHAU Siegmund Jampel: Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion. 1. Teil: Die Methoden. . 1928. J. Kaluffrnann Verlag, Frankfurt a. M. 160 Seiten. Preis 4,— Mark. Die erste Auflage dieses Werkes ist 1913 erschienen; die zweite mit Berücksichtigung der neuesten inschriftlichen Ergebnisse auf kritisch-historischer Grundlage völUg umgearbeitete Auflage erscheint in drei Teilen. Der erste uns vorliegende Teil will über die heute vorherrschenden Untersuchungsmethoden unterrichten, der zweite soll die Vorgeschichte des israelitischen Volkes und der dritte die Vorgeschichte der israelitischen Religion behandeln. Der gelehrte Verfasser bekämpft den bibelkritischen Radikalismus, wie er besonders bei Wellhausen und Eduard M e y e r in die Erscheinung getreten ist. Er stellt ihre Richtlinien dar, um dann mit seiner Kritik einzusetzen. Der Verfasser glaubt den Nachweis geführt zu haben, daß diese „Wortführer der extremen Kritik sehr oft ihren eigenen Forschungsprinzipien untreu" geworden sind. Wir können hier in einer knappen Besprechung nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern auf das Studium des Werkes selbst, das gemeinverständlich dargestellt ist, verweisen. Jeder Religionslehrer sollte sich mit diesem Buche beschäftigen. Jampel richtet auch ein Wort an iüdisch-liberale Bibelforscher und warnt sie, „bei jeder scheinbaren Unebenheit vom Korrekturstift Gebrauch zu machen". Er exemplifiziert auf den Historiker Graetz, der sämtliche chaldäische Urkunden im Esra für durchaus unecht erklärt hat, wogegen selbst Eduard Meyer Protest eingelegt. Der Verfasser setzt sich aber auch mit den jüdisch-konservativen Bibelforschern auseinander, die die Tradition zum Wertmesser für die Kritik machen; sie sollten vielmehr die reine Vernunft auch in religionswissenschaftlichen Fragen achten, um mit ihrer Hilfe die Tradition zu läutern. Wir empfehlen das Werk nochmals zum eifrigen Studium: man gewinnt in jeder Beziehung eine Fülle von Anregungen. Dr. M. Spanier (Magdeburg). Myriam Harry: Das kleine Mädchen von Jerusalem. Roman eines Kindes. 1928. Der Heine-Bund-Berlin. Aus dem Französischen. Wir sind mit Palästina-Literatur etwas übersättigt. Als ich 1912 in Palästina war, schrieb mein Reisebegleiter auf Grund 14 tägiger Erfahrungen ein Buch über das heilige Land. Seitdem sind ungezählte Bücher, Broschüren, Aufsätze geschrieben worden: von Menschen, die aus irgend einem Lande kamen, um einige Wochen, Monate oder gar Jahre in Palästina zu leben. Fremde, die mit Augen eines Fremden das Land anschauen. Myriam Harry ist in Palästina geboren. In diesem Land der vielen Religionen, Nationen und Sprachen war sie das Kind einer Mutter, deren Vater Pastor in einem kleinen hessischen Dorf gewesen war; ihr Vater, der christliche Sohn eines russischen Juden, Kaufmann, Forscher, Sammler von Thorarollen, von der Idee besessen, das Urdeuteronomium gefunden zu haben. Sie selbst war in der anglikanischen Kapelle vom Berge Zion getauft worden. Ihr Kindermädchen, eine arabische Christin, geht mit ihr bald in die griechischen, bald in die lateinischen Klöster. Der Diener, ein Mohamedaner. „Ziona ist in einer anderen Ecke hingesunken und vermengt in ihrer Verwirrung alle Sprachen und alle Gebete: den lieben Gott nennt sie „my darling" und bringt die „Schechada" der Mohamedaner mit dem Vaterunser zusammen." „Und vielleicht war es so, daß gerade wegen dieser großen Vertraulichkeit mit <yr r tz -. %