Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Propheten hierarchisch erstarrt ist, wird eine neue Schöpfung, die nicht nötig hat, mit der Vergangenheit zu brechen, die aber ihr eigenes Löben höher bewertet und ihre Verantwortung klarer erkennt, als dies jetzt in allen Lagern des Judentums geschieht. Ter neue Vrophetismus wird nicht gesättigt sein durch die Vorschriften oer Sittlichkeit und des Sozialen, von denen manche überwunden sind, er wird sich emporschwingen in neuem Suchen und Ringen zu den Fragen der Gemeinschaft, zu den Rätseln des Lebens und des Todes, er wird uns Antwort geben müssen über den Schicksalsbegriff', über die Unsterblichkeit und Ewigkeit. Er wird sich sehr zu beschränken haben in der bisher mit unerhörter Kraft verschwendeten Pietät und Starrheit, aber er wird dafür Menschen und Taten Hervorrufen, die die Grundlage zu neuen Gesetzen, Einrichtungen und Feiern geben, uns begeistern und entflammen. Möge der Weltverband für religiös-liberales Judentum auf diesen Ruf unserer Zeit hören und in der Erweckung des Prophetismus die Voraussetzung für die Erneuerung des Judentums erblicken. Seine Aufgabe ist und bleibt die Schöpfurm neuer, guter, heiliger Gedanken! Sein Segen ist die Verbrüderung der befreiten und edlen Menschheit! Rabbi Dr. H. G. Enelow-Rewyork Von Dr. S. Samuel (Essen). Wer das religiöse Leben unserer amerikanischen Glaubensbrüder aufmerksam verfolgt hat, wird nicht überrascht gewesen sein, Dr. Enelow diesmal unter den ersten Delegierten von jenseits des Ozeans zu finden. Er ist gegenwärtig Präsident der Central Conference of American Rabbis, deren Tagungen Ereignisse, deren Protokolle Dokumente von bleibender Bedeutung sind. Wir begrüßen in ihm den Mann, der bis weit in die Kreise der Orthodoxie, ja des Zionismus hinein Achtung und Verehrung genießt, und mit Dr. Schulman und Dr. Wise ein Dreigestirn bildet, das der gesamten Judenheit leuchtet. Der Freundlichkeit eines früheren anhänglichen Schülers, des für religiösen Liberalismus warm empfindenden Dr. Ing. Franz Hirschland (Newyork) verdanke ich eine Anzahl von Schriften Dr. Enelows. Sie zeigen das Bild eines der Aufgabe des Großstadt-Rabbiners gewachsenen Mannes, der das Schlagwort und die Phrase unerbittlich bekämpft, und die Schwierigkeiten der heutigen religiösen Lage meistert. Seine Stärke liegt im Gebiete der Predigt; doch ist er auch geistreicher Essayist und moderner Jugendbildner. Rabbi Dr. Enelow redet nicht de omnibus rebus et quibusdam aliis. Er wählt ein umfassendes Thema, reiht Predigt an Predigt, so zwar, daß jede einzelne in sich abgerundet ist, und doch in dem Zyklus einen bestimmten Platz einnimmt. So hielt er während des Krieges Predigten mit dem Titel: The war and the Bible und The allied Countries and the Jews, die alles andere als militaristisch waren. Wenn er in seiner Rede „America and the Jews" seinem Vaterlande eine Huldigung darbrachte, so wird ihn dies in unfern Augen HERMANN WERNER&CO. Inhaber: Arthur Lewinsohn Buchdruckerei Berlin - Mariendorf Chausseestr. 28 - Telefon; Südring 115 und 4515 Spezialbetrieb für Hersteilung von Zeitungen und Zeitschriften Sauberste Ausführung Pünktliche Termineinhaltung mehrere Setzmaschinen Stereotypie - moderner umtangreicher Druck' maschlnenpark - Eigene Buchbinderei nur ehren. „Die Mitarbeit der Juden", sagt er, „ist in Amerika von gleichem Umfang, als die Geschichte seiner Zivilisation. Bei der schnellen Verpflanzung des Judentums nach Amerika, die eine Tat war, gab es Verluste, aber auch Gewinne. Heute besteht dort eine so mannigfache und so intensive Mitarbeit, wie sonst nirgends in der Welt." Daß es so bleibe, ruft er seinen Landsleuten zu, hängt von uns selbst vb! Andre Serien nennt Dr. Enelow: „The various beauty of the Psalms"; „The Jew and the World"; Diverse Elements of Religion; und The Adaequacy of Judaism, d. i. die Ebenbürtigkeit des Judentums. „Die Juden und die Welt" wird eröffnet durch eine Studie über „Jakob oder die Frage nach dem Jüdischen Charakter". .Hier behandelt der Redner in packender Weise das auch in Amerika brennende Problem der „Rasse". Weder körperlich noch seelisch, so führt er aus, besitzt der Jude der Geschichte oder der Gegenwart einen einheitlichen Typus. Semit? Nun, meint Enelow treffend, indem sich der Jude auf Grund der ihm eigentümlichen, religiösen Auffassung von der gesamten übrigen semitischen Welt trennte, war er der erste — Anti-Semit! „Nichts anderes stenrpelt den Juden zum Juden, als sein beharrliches, unerschrockenes Festhalten an seinem geistigen Idealismus!" Von besonderer Tiefe und Aktualität sind die Reden über: Die Ebenbürtigkeit des Judentums. Die einzelnen Themen heißen: „Die moderne Unzufriedenheit mit dem Judentum"; Dürfen Juden Christen — Atheisten — Anhänger der Christian Scienty — der „Ethischen Kulturgemeinschaft" — des Unitarismus werden? Warum müssen Juden Juden bleiben?" Sein immer wiederholter Ruf lautet: Lernt das Judentum besser kennen, ehe ihr es verlasset; erst dann werdet ihr entscheiden können, ob ihr wirklichetwas besseres ein^- tauschet, Vermißtes gewinnet, zu einem sittlich höheren, universelleren, schöneren Standpunkt gelanget! Das Judentum ist die einzige Religion, die ebensoviel Gemüt wie Geist hat. the hcart and the mind; und beide vollkommen befriedigt. Er warnt vor den. Verlockungen der Kirchen, Sekten, Gememschaften und der Wirkung ihrer Schlagworte, wie „wahres Heil" (salvation), „echte Heiterkeit" (screnity), „neue Ethik". Wer als Jude versucht ist, seinen Gott zu verlieren, wer da meint, ohne ihn leben zu können, der vertiefe sichk in die wunderbare, schmerzensreiche Geschichte Israels, und er wird zur Besinnung kommen. Und er blicke auf die philosophische Entwicklung, die wieder einmal den Materialismus überwunden, die Herrschaft der Materie entthront hat. Wer aber G e i st sagt, meint Enelow, sagt Gott! Warum Juden Juden bleiben sollen? Nun, aus Selbstachtung; sodann zur Vermehrung des Guten in der Welt. Nur eine neue soziale Ordnung kann die Welt retten, sagt Enelow, in Uebereinstimmung mit Männern wie Wells, Galsworthy, Keynes. Ihre Förderung liegt uns Juden vor allem ob. Unter den Essays erwähnen wir The Jewish view of Jesus. Es ist ein ebenso taktvolles wie tapferes Buch über ein Thema, das die Gemüter in Amerika mehr als bei uns beschäftigt. Enelow kann nicht zugeben, daß die Erscheinung oder die Lehre Jesu vom jüdischen Mutterboden gelöst werde. Mit größerem Rechte könne daher der Jude den Christen einladen, zum Judentum zu kommen, als umgekehrt. — Wir erwähnen noch, daß Enelows Lehrbuch The faith of Israel (Ter Glaube Israels, eine Handhabe für Konfirmanden) einer Anregung der Amerikanischen Rabbiner-Konferenz zu danken ist. Ter moderne Unterricht ist es, der Dr. Enelow gegenwärtig besonders am Herzen liegt. — Kein Zweifel, unser Ehrengast aus der Stadt der größten Judenschaft der Welt, hat auch uns deutschen Juden viel zu sagen. Besonders der religiöse Liberalismus wird seine Schriften vorbildlich und der weitesten Verbreitung würdig finden. Von Dr» Enelow und seinen Mitdelegierten dürfen wir belebende und erweckende Anregungen erwarten. Wir grüßen die Gäste von drüben aus ganzem Herzen. Berliner Tageblatt mit seinen 10 illustrierten eratis-Wochenschriften Der Welt-Spiegel Moden-Spiegel Kunst-Spiegel T echnische Rundschau Film - Zeitung Photo-Spiegel Witzblatt „ULK“ Haus Hof Garten Jede Woche Musik Jugend-Spiegel 5 M. monatlich bei allen Postanstalten; in Groß-Berlin bei täglich 2 maliger Zustellung ins Haus Das der deutschen Demokratie 9i>. Manen* ter Ss&eeker dH Llevsals 8r. 93 8rmv&*xi8ft IIN H im Roman des Welt-Spiegel er neue Adam von Noelle Roger u \wr \ Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e.'B., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. B r u n o W o y d a , Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner 6c Co., Berlin-Mariendorf. 12