Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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/-- isplanade-Motel ÜBellevuestrasse ^anz-^ee im dreien Qartenrestaurant mSjerrassen 3)ezente ZMusik 2 ^Minuten vom ehern. ZPreuß. SKerrenhause <_deutschen, ja des europäischen Judentums blicken. Die deutschen Juden nehmen durch geringe Kinderzahl uird durch Mischehe erschreckend an Zahl ab. Die eingewanderten Ostjuden folgen in der jüngeren Generation ihrem Beispiel. Sie lieben ben Sportplatz mehr als die Schule, den Ball mehr als die Bibel. Ungeklärt und unsicher steht das Chaos des Ostens vor uns. Da hoffen wir, wie einst Athen auf Rom> so aus Amerika: daß es den lebendigen Fluß jüdischen Geistes, jüdisch-religiösen Lebens erhalten wird. Ein Wort auch für die, die ihre Hoffnung für Erhaltung religiösen Strebens auf Palästina setzen: Ohne Amerika wird Palästina versanden, ohne ein empfängliches starkes Judentum außerhalb Palästinas wird jüdisches Leben in Palästina nur ein einflußloses Idyll im Winkel sein. Noch grüßen wir Euch nicht mit den Worten: Ave, Amerika, moriturr te salutant, noch hoffen wir auf eine Wandlung, daß auch die Geschlechter nach uns mit Euch noch arbeiten können. Wenn es aber anders bestimmt sein sollte, so tragt Ihr Namen, Besitz und Ehre des jüdisch-religiösen Fortschritts. Wir grüßen Euch, Ihr Vettern aus Amerika! Veranstaltung im Jüdischen Frauenbund aus Anlaß der Liberalen Wellkonferenz Am Mittwoch, den 22. d. Mts., abends 8 Uhr, veranstaltet der Jüdische Frauenbund und der Verband Berlin in den Räumen der Geschäftsstelle, Monbijouplatz 10, Port. I, eine Zusammenkunft aus Anlaß der Anwesenheit von Miß Lily H. Montagu und anderen Frauen aus England, Amerika, Frankreich. Die ausländischen Gäste und auch Frauen aus deutschen Gemeinden werden sprechen über das Thema: „Arbeit jüdischer Frauen in ihren Ländern und Gemeinden". Die Erneuerung des Judentums Bon Rabbiner Dr. Marlin Salomonfki. In unserer Heiligen Schrift erfahren wir wiederholt von einem Bunde, den unsere Ahnen mit Gott geschlossen haben. Nicht nur in der Urgeschichte Israels, sondern auch in der späteren Zeit auf dem Boden Palästinas haben solche feierlichen Akte stattgefunden, und die Führer der Nation, Könige, Priester, Propheten und Schriftgelehrte, haben in Gegenwart gewaltiger Volksscharen in erhebender Versammlung eine besondere Verpflichtung gefühlt, ausgesprochen und übernommen, die die Gesamtheit in ein näheres, reines und inniges Verhältnis zum ewigen Gott brachte und immer eine Förderung und Steigerung des jüdischen Gesamtgeistes darstellte. Es ist unerheblich, schon vorher streng zu prüfen, ob der Berliner Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum eine Aehnlichkeit mit den geschilderten gewaltigen Momenten unserer Geistesgeschichte zusteht; aber es rnu : gewünscht und darf gefordert werden, daß der Zusammentritt einer geistigen Elite jüdischer Männer und Frauen weit mehr sei als eine Kundgebung. Die Sehnsucht aller, die auf Israels Entscheidung für seine eigene religiöse Gegenwart harren, ist auf einen Erneuerungsbund gerichtet, auf einen gewaltigen Fortschritt unseres gesamten religiösen Empfindens, Denkens und Leistens. Daran mögen die Erkenntnisse und Entschließungen nicht Vorbeigehen! Das weitragendste Werk wäre zweifellos der Beginn und die Aufnahme einer jüdischen Mission. Wenn das jüdischreligiöse Gut uns wertvoll und echt ist, dann Haben wir die Verpflichtung, alle Welt damit bekannt zu machen und jedem einzelnen Menschen ausnahmslos die Segnungen des Judentums anzubieten und zu gewähren. Es darf nicht darauf gewartet werden, bis eine ferne Zeit oder ein höherer Wille dieses Himmelsglück auf Erden allen Menschen ohne unser Zutun oder auf irgend einem indirekten Wege beschert. Indessen ist die Hinäustragung des jüdischen Heils — das soll keineswegs verkannt werden — sehr erschwert; sie würde außerordentlichen Schwierigkeiten, Vorurteilen wie Anfeindungen begegnen. Umso stärker muß die Arbeit an uns selbst gestaltet werden, und echte Arbeit ist nur diejenige, die sich nicht in der Konservierung des Gewesenen erschöpft, soirdern darüber hinausgeht und die Erneuerung des Judentums vorbereitet. Wir haben neue religiöse Anschauungen, darum müssen wir sie prägen! Wir ringen mit neuen religiösen Ideen, darum müssen wir sie verwirklichen! Wir suchen neue religiöse Formen, darum müssen wir sie gestalten! Wenn dieser dreifache Versuch gelingt, dann ist das Judentum kein Gegensatz zum Leben mehr, es wird neben seinem alten Schrifttum neue Offenbarungen erzeugen und das neue, aber feste Bindemittel des geistigen Verkehrs 1 der jüdischen Menschen sein. Die Notwendigkeit einer solchen Neuordnung ist schon seit über einem halben Jahrhundert empfunden worden, und es ist zweifellos das Wahre am Zionismus, daß ihm das Dahinsiechen der jüdischen Seele — man könnte auch sagen: das zrellofe Gehenlassen — so verhaßt war. Als religiösliberale Juden suchen wir die allumfassende Erdenheimat des Juden, und diese kann nicht durch die Aufbewahrung frommer Reste, noch gar in der Studierstube erzeugt werden. SxoilwercK iDoh iSchmcxJic nd. L nahrhaft. Als die Judenheit, teils gegen ihren eigenen Willen, aus dem Ghetto in ihre Umwelt versetzt war, erhoben sich, damals vielleicht notwendige, aber ist ihrer Lebenskraft sehr schwächliche neue Gebilde. Es entstanden das Verwaltungsjudentum, das Vereinsjudentum und das Wohltätigkeitsjudentum, drei Typen, die nur eine mangelhafte Produktivität entwickeln konnten und den Bezirk der Religion weder absteckten noch anbauten. Sollen wir diesen Stand der Dinge verewigen und nicht mit der lautesten Stimme ausrufen, daß die Forderungen der Religion jetzt gehört werden müssen! Denn ist sie auch eine Gottesgabe, so ist sie doch ein menschliches Gebilde, und darum kann sie in ihrer altersgrauen Prägung keineswegs mehr heute ganz wahr und dauernd vorbildlich sein. Schon in den eingangs berührten Zeitläuften entstanden in ganz kurzen Intervallen durchaus divergierende Auffassungen innerhalb der jiidischen Gemeinschaft; um wieviel kürzer müßte in unserer Zeit, die sich doch so wesentlich gegen die alte verändert hat, das Ausruhen der Religion gestaltet sein; um wieviel schneller müßte es von Sturm, Flut und Erhebung abgelöst werden, wenn wir nicht unter der Last unseres Arbeitslebens versinken wollen! Denn die Arbeit allein ist weder der Sinn noch das Ziel dos Lebens, und um uns außer ihr ein Organ für unseren Daseinszweck zu formen, brauchen wir wie einstmals Propheten. Diese Forderung ist die einzig systematische im Judentum, und wenn ein Dogma in unserem dogmenlosen Glauben geprägt werden sollte, dann kann es nur heißen: „Judentum ist Prophetismus!" Ja, wir brauchen — das soll man den Lächlern und Verächtern mutig ins Gesicht sagen — eine besondere Kategorie nur am Judentum interessierter Menschen, wir müssen Schwärmer und Propheten haben. Schon zu Zeiten der Schrift hat man diese Vorläufer des Gottesgeistes in Schulen herangebildet. Das zeigt doch klar und deutlich, als wie notwendig das Vorhandensein dieser besonders veranlagten und geschaffenen Menschen vom Volksganzen empfunden wurde; und so brauchen wir auch heute Menschen, die keine andere Lust und Sorge kennen, als das Wort von Got^ welches in ihnen aufflammt. Werden sie erst da sein, und werden sich die Echten von den Falschen scheiden, dann wird der Kampf zur höheren Ehre des Judentums anheben, und die Gemeinde Israel, die heute wie einst in der Glanzzeit der w/// y/zz/mz yz/z/.vA m £