Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8. Jahrgang -lummer 32 Beilage 10.Aügust1S2S Verwahrung Vorbemerkung: Der nachfolgende Aufsatz war ^esprüngllich zum Abdruck für das Israelitische Familienblatt!bestimmt. Inzwischen hat jedoch die Schriftiritung des Familienblattes uns, und in Nr. 31 ihrer Berliner Ausgabe auch ihren Lesern, mitgeteilt, daß sie „für den Aufsatz des Herrn Steinhardt keinerlei Verantwortung trägt und sich mit seinem Angriff auf Herrn Woyda nicht identifiziert". Wenngleich infolge dieser loyalen Erklärung die nachstehende Verwahrung nur an die Adresse des Herrn Steinhardt gerichtet sein kann, so glauben wir doch, unseren Lesern den Abdruck schuldig zu sein, weil in diesem Blatt der immer noch unbeantwortete Offene Brief an Herrn Dr. Oscar Cohn veröffentlicht wurde, der den Ausgangspunkt dieser Polemik bildet. Die Schristleitung. In Nr. 28 der von mir redigierten „Jüdisch-liberalen ring" veröffentlichte ich einen „Offenen Brief" an Herrn Oscar Cohn. Ich bat ihn um Aufklärung über fern Eintreten für die jüdische Schule in der Berliner Jüdischen Gemeinde, das mir einen Widerspruch zu seinem Verhalten in der allgemeinen Politik darzustellen scheint. Ich richtete am Schluß des Offenen Briefes an Herrn Dr. Oscar Cohn folgende Fragen: „Sie sind nicht in der Lage, sagten Sie in der Berliner Rcpräsentantenversammlung, außerhalb dieses Saales Sozialist zu sein und in diesem Saale nicht. Soll dieses Wort mehr sein als eine schöne Redensart, so sind Sie meines Erachtens der jüdischen Ocsscntlichkeit Aufklärung schuldig über Ihr Verhalten in der Schulsragc. Eine Aufklärung, deren Weisheit nicht in der billigen Feststellung gipfeln darf, das Judentum und deshalb auch die jüdische Schule sei ein „Ding ganz eigener Art". Sie müssen Mitteilen, welche Bestimmung der deutschen Reichsversassung die Grundlage Ihrer Forderung bildet; warum Sie diese Forderung in der Jüdischen Gemeinde und nicht bei den dafür zuständigen staatlichen Stellen erheben; wie die von Ihnen geforderte jüdische Schule geführt werden soll; wie sie sich mit der sozialistischen Forderung der weltlichen Erziehung verträgt; wie sie mit Ihrem Verhalten im Bersassungsausschuß der Deutschen Nationalversammlung in Einklang zu bringen ist. Und Sie werden zumindest die Feststellung, daß die von Ihnen geforderte jüdische Schule von der des Herrn Loeb völlig wesensverschieden ist, nicht Dritten überlassen dürfen, sondern selbst zu treffen haben. Ich richte diesen Brief an Sie, obwohl die Forderung der indischen Schule nicht nur von Ihnen, sondern schon wiederholt von zionistischen Sozialdemokraten erhoben und von Ihnen vielleicht nur übernommen worden ist. Ihre parlamentarische Tätigkeit als sozialdemokratischer Abgeordneter dürste das rechtfertigen. Ihre Aeußerung wird nicht nur für mich, nicht nur für liberale Juden, nicht nur für jüdische Sozialdemokraten von Interesse sein." Herr Dr. Cohn hat bisher noch nicht geantwortet. Jedoch meldet sich in Nr. 30 des „Israelitischen Familienblattes" Herr Steinhardt. Er schreibt da in einem Artikel „Was dem einen recht ist... „Wir wollen uns auch in diese persönliche Auseinandersetzung nicht einmischen; wir wollen dem alten, gewandten Parlamentarier Oscar Cohn überlassen, selbst die Antwort zn geben. Aber wieder, wenn nun einmal Widersprüche gezeigt werden sollen, müssen wir Herrn Woyda mit gleicher Waffe bedienen..." So weit gut. Zwar könnte ein vernünftiger Leser meiner übrigens nichts weniger als persönlichen Auseinandersetzung der Meinung sein, daß an einem widerspruchsvollen Verhalten von Herrn Dr. Cohn in der Frage der jüdischen Schule nichts gebessert tvird^ wenn sich auch mein Verhalten in dieser Frage als widerspruchsvoll erweisen sollte. Immerhin^ schon rn meinem Interesse täte ich gut, zu schweigen. Ich habe nichts dagegen, daß mich jemand „mit gleicher Waffe bedient", aber ich darf doch wohl eine ehrliche Kampfeslveise verlangen. Herr Steinhardt mokiert sich über einen in diesem Zusammenhang völlig nebensächlichen Satz meines „Offenen Briefes", den ich in nachstehender Wiedergabe durch Sperrdruck hervorheben lasse: „Und schließlich liegt es mir fern, in diesem Brief das gesamte Problem der jüdischen Schule auszurollen. Ich bin Gegner der Schaffung jüdischer Schulen, die nach meiner Ueberzeugung ein Rückwärts auf dem Wege bedeuten, den wir Juden, als Deutsche, als Menschen zu gehen haben, die ich zudem für die Erhaltung des Judentums, offenbar im Gegensatz zu Ihnen, keineswegs als ersorderlich ansehe. Nur an Ihr Wort will ich Sie erinnern: „Ich din nicht in der Lage, außerhalb dieses Saales Sozialist zu sein und in diesem Saale nicht." Und nun der von Herrn Steinhardt im „Israelitischen Familienblatt" konstruierte Widerspruch: Aber als vor nicht langer Zeit die Berliner jüdische Gemeindcknabenschule ihr 100 jähriges Bestehen feierte, schrieb doch dieselbe auch damals schon von Herrn Woyda redigierte Zeitung: „Tic ganze Festlichkeit wuchs zu einer frohen und dabei doch gleichzeitig tiefernsten Ueberschau von kulturhistorischer Bedeutung empor. Ganze Generationen haben an diesem Schulwerk aufopfernde und hingehende Arbeit geleistet, und ein wichtiger Teil der Geschichte unserer Gemeinde, der größten Deutschlands, ist mit dem Entstehen Uftd der Entwicklung dieser Anstalt sehr eng verknüpft. Unendlich viel Segen hat sie im Laufe des Jahrhunderts gestiftet, und ihren zwei Bestrebungen, in die empfänglichen Seelen der jüdischen Kinder die zwei sich harmonisch ergänzenden Geisteskomplexe: jüdische Religion und Sittlichkeit und deutsche Kultur zu pflanzen, hat sie unermüdlich gedient! —" Gegen diese Art des Kämpfens verwahre ich mich mit aller Entschiedenheit. Einmal, weil hier ein Widerspruch vorgetäuscht wird, der tatsächlich nicht besteht. Kann man doch sehr wohl den Weg der Schaffung jüdischer Schulen für verfehlt halten, auch wenn man beii Geist, der an dieser oder jener jüdischen Schule oder gar <|nt allen herrscht, für vortrefflich hält. Dann aber aus einem änderen, mir noch weit wichtigeren Grunde. Wenn Herr Steinhardt mir Widersprüche Nachweisen will, dann muß er sich schon an Aeußerungen halten, die meinen Namen tragen, chie ich das auch Herrn Dr. Cohn gegenüber getan habe. Mir aber einen Widerspruch vorzuwerfen durch Wrdergabe eines Zeitungszitates, das Nachweis lich nicht von mir stammt, erscheint mir eine unfaire Kampfesart, die ich bei dem jetzt zur Jüdischer. Volkspartei gehörenden Herrn Steinhardt einem Liberalen gegenüber bisher für unmöglich gehalten hätte. Fremde Ze tungszitate sind gerade in der Frage der jüdischen Schule besonders schlechte Beweismittel, da me Schulfrage, wie Herr Steinhardt selbst bemerkt, „nicht einmal Parieifrage ist, die Jj ice der jüdischen Schule, nament-- nch angesichts der heutige^ a lgemeinen Schulverhältnisse, Anhänger bei allen jüdischen Pa tteien hat". IWschMeraleZeitlW Würde man das von Herrn Steinhardt beliebte Verfahren, den Redakteuren ein persönlich -widerspruchsvolles Verhallen durch Zitate aus den von ihnen redigierten Zeitungen nachzuweisen, allgemein anwenden, ich glaube, ein widerspruchsloser Redakteur dürste nicht gefunden werden. Ich bin gern bereit, mich „mit gleicher Waffe bedienen" zu lassen, doch sie muß blank sein und fair geführt werden. Ich habe mich wiederholt zur Frage der jüdischen Schule geäußert, beispielsweise anläßlich des Keudellschen Schulgesetz- Entwurfes; ick muß deshalb Herrn Steinhardt bitten, mir Widersprüche aus dem nachzuweisen, was ich und nicht ein Dritter schrieb. Bruno Woyda Alfred Döblin Am 10. August wird Alfred Döblin fünfzig Jahre alt. Er ist eins der stärksten Talente unter den modernen deutschen Schriftstellern jüdischer Herkunft. Ein Dichter und ein Gelehrter, der schon auf ein erstaunlich reiches Lebenswerk zurückblicken kann, ein Künstler, der nach menschlichem Ermessen noch eine große Zukunft vor sich hat! — Bis jetzt war sein Schaffen ein einziger, ununterbrochener, rascher Aufstieg. Er entstammt einer sehr angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie, die seit dem 18. Jahrhundert in Stettin ansässig war. Kam schon als Knabe nach Berlin, studierte hier Medizin, wurde Irrenarzt und ließ sich nach dem Kriege als Neurologe und Internist in Berlin nieder. Neben einer umfassenden medizinischen Tätigkeit und wissenschaftlichen Publizistik wird er frühzeitig Hauptvertreter jener literarischen Richtungen, die man unter dem vieldeutigen Namen „Expressionismus" zusammenfaßt. Schon sein 1902 verfaßter Jugendroman „Der schwarze Vorhang" hat die schlafwandlerische Sicherheit einer genialen Leistung. In einer Fülle von Novellen und dramatischen Skizzen zeigt sich dann bei ihm eine ganz neue Art der Weltbetrachtung. Die ganze asiatische Weltanschauung und Philosophie wird in dem chinesischen Roman „Die drei Sprünge des Wang Lun" eingefangen. 1918 erschien sein zweiter großer Roman „Wodzeks Kampf mit der Dampfturbine", eine seltsame Phantasmagerie und karikaturistische Deutung unserer Zeit. — Schwer lesbar ist das dritte große Werk Döblins, der mächtige, zweibändige Wallensteinroman mit der plastischen Schilderung der alten Prager Judenschast und der schweren Bedrückungen, unter denen die damaligen Ghettobewohner leiden. Kurz daraus erschien das bedeutendste Buch Döblins „Berge, Meere und Giganten", eine gewaltige Roman-Utopie, die den Versuch darstellt, die Entwicklungslinie der nächsten Jahrhunderte zu zeichnen. Eine fast homerische Kraft ist hier am Werk. Der Versuch, überschäumende Phantasie in ein Kunstwerk von Maß und Gestalt umzugießen, ist hier geglückt. Dagegen ist die 1927 erschienene epische Dichtung „Manas" verworren und unklar. Wundervolle tiefsinnig-naturphilosophische Betrachtungen enthält die Essaysammlung „Das Ich über der Natur". Ueber Judentum und jüdische Dinge finden sich manche treffende Bemerkungen in Döblins Reisebüchern und politischen Satiren, die er unter einem Pseudonym veröffentlichte. Nicht alle Bücher dieses Dichters erschließen sich mühelos dem unbefangenen Leser. Manche sind in einem Stil geschrieben, der heute schon wieder als überwunden gilt. Vieles aber in seinem Werk ist großartig, ja zweifellos genial! Daß ihm bald eine große Dichtung, die allgemeines Volksgut wird, gelingen möge, ist an dem heutigen Tage unser herzlichster Wunsch. L. Gaßmann-Berlin. Esperanto-Gottesdienst in der Synagoge Seit einer Reihe von Jahren gehört es zn den Gepflogenheiten der Internationalen Esperantokongresse, Gottesdienste in der Synagoge, in der katholischen und der evangelischen Kirche zu veranstalten. So auch in diesem Jahre in Antwerpen. Da die Gemeinde in Antwerpen beim Gottesdienste keine Orgel spielt, war es leider nicht möglich, das Prego-Gebet von Dr. Zamenhof, dem Erfinder des Esperanto, einem jüdischen polnischen Augenarzt, der Predigt voranzuschicken. Herr Rektor F. Saphra aus Annaburg, der bereits aus früheren Esperantokongressen gepredigt hat, sprach vor etwa 100 Esperantisten darüber, daß bereits das Alte Testament viel über den Frieden geschrieben hat, und daß der Prophet Zephan ja schon vor vielen 1000 Jahren das Erscheinen einer Weltsprache angedeutet habe. Sie sollte ein Werkzeug sein, den Frieden unter den Völkern herbeizuführen. — Eine Anzahl Esperantisten wurden zur Thora aufgerufen. — Bemerkt sei noch, daß das Alte Tchament von Dr. Zamenhof selbst in Esperanto übersetzt ist. Der Aufbaufonds des Verbandes „Ott“ In der letzten Zeit fanden in der Angelegenheit des Aufbaufonds des Verbandes zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden „Ort" Beratungen statt, die der Reorganisierung dieser Institution, die seit 1925 besteht, und in der die gesamte Kredittätigkeit von „Ort" konzentriert ist, gegolten haben. Der „Ort"-Ausbaufonds soll auf neue Grundlagen gestellt werden und sein Arbeitsgebiet ausdehnen. Am 11. Juli fand in Berlin die Generalversammlung der Aktionäre des Fonds statt, in der der Finanzbericht und die Bilanz bis 31. Dezember 1927 vorgelegt wurden. Der Aufbaufonds hat bis Ende 1927 folgende Kredite gewährt: 1. Landwirtschaft (Darlehen für Beschaffung von Saatgut, Hausvieh, Pferden und für verschiedene Ameliorationen) in Rußland, Polen, Rumänien, Lettland, Litauen: 159393 Dollar; 2. Jnvestion bei der Einkaufsgesellschast (Cooperative Tool Supplh Company) in Berlin und London zwecks Versorgung der Handwerker und Landwirte in den Ländern Osteuropas mit Werkzeug und Rohstoffen: 54101 Dollar. Das Fondskapital betrug am 1. Januar 1928 265 669 Dollar. Ter Versammlung wurde ein Plan betreffend Umwandlung des Fonds, der jetzt als Aktiengesellschaft eingetragen ist, in eine andere Art Körperschaft, die den sozialen Ausgaben des Fonds mehr entsprechen würde, etwa nach dem Muster des Keren Kajemeth oder der „American Joint Reconstruction Foundation" vorgelegt. Tie Generalversammlung hat den Plan sanktioniert und das Direktorium mit dessen Durchführung beauftragt. Der Generalversammlung wurde ferner mitgeteilt, daß der Aufbausonds sich gemeinsam mit dem Verband „Ort" und dem Agro-Joint an dem Kapital der Cooperative Tool Supply Company beteiligt. Jede der genannten Gesellschaften träßt ein Drittel des Kapitals bei. Zum Schluß wählte die Generalversammlung das Direktorium und den Aufsichtsrat. Dem Direktorium gehören an: Dr. Nikolai Soloweitschik (Vorsitzender), Dr. L. Bramson, Justizrat Dr. I. Brodnitz, Bankier Wilhelm Graetz, Julius Hepner, Dr. D. Lvovitch, Dr. A. Singalowsky, Pros. (S. Frankfurt, Direktor der Dresdner Bank Wilhelm Kleemann (alle in Berlin), Joseph Prag (London), Agronom Zegelnizki (Moskau). « Aus den Gemeinden Bochum. (Persönliches.) In Bad Neuenahr, >vo er Heilung suchte, starb das ehemalige Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums der hiesigen Gemeinde, Herr Philipp Kahn. Ws zu seinem Wegzug nach Elberfeld hat er fast ein Vierteljahrhundert die Gemeindeinteressen mit großem Eifer und selbstloser Hingabe gedient und durch sein charaktervolles, hilfsbereites Wesen innerhalb des Kollegiums und der Gemeindeangehörigen große Sympathien erworben. Sein plötzliches Ableben hat daher überall lebhafte Teilnahme geweckt. Breslau. (R u n d f u n k v o r t r a g: Hebräische Musik.) Am Sonntag, den 19. August, 18—19 Uhr, hält Herr Dr. Oskar Guttmann im Breslauer Rundfunk einen Vortrag über ,Hebräische Musik" mit musikalischen Beispielen. Gesang: Frau Paula Guttmann. Dresden. (Vom sächsischen Gemeindeverband.) Gemeindeverordneter Egon Feuer st ein, Dresden, gehört zukünftig dem Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband als stellvertretendes Ausschußmitglied an. — Mitteilungsblatt des Verbandes ist jetzt das Dresdner Gemeindeblatt. — Auf Vorschlag des Predigers Emanuel H c i m a n n , Plauen, der im Gemeindeverband als Vertreter der Sächsischen Israelitischen Lchrervercinigung fungiert, sollen die über das Steuerrccht geltenden Bestimmungen, wobei insbesondere die Frage der Forcnsenbesteuerung zn erörtern ist, in einer Denkschrift zusammengefaßt werden. Diese wird unmittelbar nach Fertigstellung von der Vcrbandslcitung, die das Besteuerungsverfahren für mehrere kleine Gemeinden bereits angeordnet und geregelt hat, sämtlichen israelitischen Gemeinden Sachsens zur Kenntnis gebracht. Königsberg. (Gedenkfeier für Justizrat Eduard Holz s. A.) Am letzten Freitagabend veranstaltete die Synagogen- Gemeinde für den dahingegangenen Vorsitzenden des Vorstandes, Justizrat Eduard Holz, einen Gedenkgottesdienst, bei dem Gemeinderabbiner Dr. L c w i n von der Kanzel herab die Gedenkrede hielt. Gleich Mose habe der Verewigte sich nicht als ein Führer gefühlt, der von eigener Kraft an die führende Stelle gelangt ist, sondern er habe stets den Glauben gehabt, daß Gott ihm die Kraft für sein verantwortungsvolles Amt gageben habe, das er nicht zu seinem eigener» Besten, sondern zum Besten der Gesamtheit verwaltet habe. Wenn man sich mit der Frage beschäftige, wer der Nachfolger des dahingegangcnen Führers werden solle, so müsse man auch von diesem Hingabe an die Gesamtheit verlangen. Es gäbe Männer, welche die Eigenschaften besäßen, ein solches Amt zn bekleiden, denen sei aber die Ehrung, welche die jüdische Gemeinde mit diesem Amte zu ver- . geben habe, zn gering. Wenn solche Einstellung vorhanden sei, so ergäbe sich aber die Frage, ob wir es nicht unterlassen hätten, die Heranwachsende Jugend im Geiste der Hingabe an die Allgemeinheit zu erziehen. Aufgabe und Ziel der Gemeinde werde es sein, im Geiste des Verstorbenen zu wirken. Königsberg. (Abschieds fest im Ferienheim Ncuhäus e r.) Das jüdische Ferienheim in Ncuhäuser an der Ostsee veranstaltete für die ihm zur Pflege übergebenen Kinder und die erwachsenen Freunde und Förderer des Heims ein Abschiedsfest, an dem annähernd 300 Personen teilnahmen. Namens des Vorstandes des Heimes begrüßte Großkaufmann Artur Cohn die Erschienenen und gab einen kurzen Ueberblick über die segensreiche Tätigkeit des Ferienheims, das dieses Mal rund 100 Kindern einen Ferienaufenthalt gewährt habe. Es sei Hamit die weitaus größte charitative jüdische Einrichtung der Provinz geworden. Der Vorsitzende dankte besonders der tüchtigen Heimleiterin Frau Jenny A p p e l t aus Memmelsdorf in Untersranken für ihre hingebungsvolle Tätigkeit. Namens der Gäste dankte Frau Fried. Die Kinder erfreuten durch reizende Ausführungen. Es schloß sich eine Verlosung an, bei der den Kindern Geschenke übermittelt wurden. Königsberg. (Vom Synagogenverband Ostpreuße n.) Der Verwaltungsausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden von Ost- und Westpreußen hielt hier seine Ausschußsitzung ab, die aus allen Teilen der Provinz gut besucht war. Der stellvertretende Berbandsvorsteher Artur Cohn eröfsnete die Sitzung mit einer Denkrede auf den kürzlich dahingeschiedenen Justizrat Eduard Holz, dessen Verdienste um den Synagogcnverband Ostpreußen und um die ostpreußische Judcnheit er einer eingehenden Würdigung unterzog. Durch den Tod des Justizrat Holz war der Posten, des Verbandsvorstehers des Verbandes der Synagogengemeinden frer geworden. Die Versammlung wählte einstimmig den bisherigen stellvertretenden Vorsteher Artur Cohn zum Vorsteher. Zum stellvertretenden Verbandsvorsteher wurde Kaufmann Sigmund Wolfs- Königsberg gewählt, der der liberalen Richtung angehört. Sigmund Wolfs ist seit Jahren in der Repräsentantcnversammlung der Königsberger Gemeinde vertreten und hat sich auch im jüdischen Leben Königsbergs stark betätigt. Nach der Borstandswahl hielt Gemeinderabbiner Dr. Reinhold L c w i n - Königsberg ein Referat über die Verwendung des Ostpreußenfonds, der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden für diejenigen ostpreußischen Gemeinden zur Verfügung gestellt worden ist, die sich in besonders schwieriger Lage befinden. Die Versammlung stellte nach einer eingehenden Debatte die Richtlinien für die Verteilung dieses Fonds aus. Worms. (Den k m a l s w c i h e.) In der Nähe des Ortes Wachenheim wurde auf pfälzischem Gebiet in Gegenwart vieler rheinhessischer und pfälzischer Bewohner ein Denkmal für die Gefallenen geweiht. Neben andersgläubigen Geistlichen hat Rabbiner Dr. Holzer von hier Worte des Gedenkens für die israelitischen Kriegsopfer an die versammelten Zuhörer gerichtet. Kalendarium f. die Zeit v. 11. 8. b. 18. 6.28 August 1923 Ab 5688 Sonnabend 11 25 Ncumondweihe. Wochenabschnitt: R'ei Hastarah: Jesaia 54,11—17; 55,1—5 Sabbat-Ausgang: 8.30 Uhr Sonntag 12 26 Montag 13 27 Dienstag 14 28 Mittwoch 15 29 Jom Kippur koton Donnerstag 16 30 1. Tag Rosch chopesch Elul 5688 Freitag 17 1 2. Tag Rosch chodesch Sonnabend 18 2 Wochenabschnitt: Schoftim Hastarah: Jesaia51,12—23; 52,1—12 Sabbat-Ausgang: 8.14 Uhr