Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I Milche fiiple Theodor Wolff Bon Doris Wittner. Am 2. A u g u st d s. I s. vollendete Theodor Wolff, der Chefredakteur des „Berliner Tageblatts", wie wir schon durch eine kurze Notiz vermerkten, sein sechzigstes Lebensjahr. Ein Zufall brachte diese Tatsache gewissermaßen fünf Minuten „nach Zwölf" erst zu unserer Kenntnis, denn in keinem Blatte der Reichshauptstadt — obzwar die Berliner Presse so gern mit Jubiläen und Jubilaren, seien sie selbst den weitesten Kreisen unbekannt, zur Stelle ist — war auch nur das kärgste Wörtchen über den Ehrentag dieses vorbildlichen und schlechthin unvergleichbaren deutschen Publizisten zu finden. Kein Luftzug rührte sich im deutschen Blätterwald, der sonst auf den geringsten Fingerzeig hin rauscht und braust. Schon dieser Umstand an sich bildet ein Charakteristikum Theodor Wolffs, wie er von keinem Biographen oder etwaigen Lobredner besser erfunden werden könnte. Theodor Wolfs, heutzutage wohl der einzige deutsche Journalist,^ der wirkliche Weltgeltung genießt, dessen Wort in allen — gestern vielleicht noch zu unseren Feinden rechnenden — Großstaaten Beachtung und Widerhall findet, bedarf der wohlfeilen Geste der nationalen Tagesberühmtheit nicht. In jedem Lande von älterer demokratischer Kultur, in jedem Lande vor allen Dingen, wo der Respekt vor der geistigen Leistung ein größerer und aufrichtigerer ist als bei uns, wo die sogenannte „Freie Bahn dem Tüchtigen" nichts als ein billiges Schlagwort für Gasse und Gosse darstellt, wäre ein Mann wie Theodor Wolfs der staubigen Redaktionsstube längst entrückt und aus einen kurulischen Sessel versetzt worden, wo er der „res publica" doch noch in anderem Ausmaß hätte dienen können als durch sein international anerkanntes Talent im Rahmen des, jenseits der deutschen Grenzen meist verbreiteten, deutschen Blattes. Theodor Wolff gehört keiner Schule, keinem Typus, keiner Gattung an; er bildet eine Klasse für sich, er ist „eins und unteilbar" wie die französische Republik. Sucht man aber, von einem unhemnibaren genealogischen Drange besessen, doch nach irgendwelchen geistigen Verwandten, so wird man am ehesten auf die französischen Encyclopädisten stoßen oder, sofern man nicht so weit in die Vergangenheit schweifen will, vielleicht am zutreffendsten auf den großen Anatole France, dem Wolff nicht umsonst freundschaftlich und literarisch nahe gestanden hat. Wie der große Tote, ist auch Theodor Wolff ein lächelnder Skeptiker — kein erbarmungsloser Zyniker, wie Unverständnis häufig vermeint — ein zersetzender Analytiker, gewiß aber doch ein Analytiker, dessen letztes Ziel immerdar die Synthese ist und bleibt. Theodor Wolff ist ein Meister der wohlgepflegten, graziösen und bestechenden Form. Als solcher selbstverständlich, aber nur im Nebenamt, auch ein Virtuose der scharfgeschliffenen Polemik. Wenn das französische Sprichwort: „Le style c'ost l'homme" auf irgend jemand berechtigte Anwendung finden darf, so auf Theodor Wolff wie kaum auf einen anderen neben oder außer ihm. Glasklar, durchsichtig, aber auch von der Schärfe des Bergkristalls ist seine Sprache und sein Charakter. Von unanfechtbarer Logik der Bau seiner Gedanken. Unbezwinglich aber auch die Gewohnheit, jeden Gedanken unerbittlich zu Ende zu denken. „Jusqu'au bout", wie man in Frankreich sagt. Eine universelle Bildung und ein profundes Wissen, von deren Umfang und Tiefe der deutsche Durchschnittslehrer gemeinhin kaum eine Vorstellung hat, leiht dieser Gedankenfülle Glanz und Schimmer. Jeder Artikel, in früheren Zeiten, als er noch Pariser Korrespondent des „Berliner Tageblattes" war, jedes Feuilleton stellen Kunstwerke en miniature dar, deren Wert man noch am ehesten zu ermessen vermag, wenn man ihrer mehrere, gesammelt, nach langer Zeit wieder liest. Gleichviel, ob Theodor Wolff über die Theater der Welt oder über das große ^'wattige Welttheater (lies: Staatsleben und Politik) schreibt, niehv'a^ haben seine Worte, wie die der meisten Journalisten, in der^ .Bezeichnung ja schon die „journaliere" Flüchtigkeit ihrer (£ri7tcnä angedeutet ist, Gültigkeit nur für den Tag ihrer Entstehung, sondern immer greifen sie weit darüber hinaus in ein»." ferne, offenbar mit seherischem Blick erfaßte Zukunst. Darum haftet auch dm Sammlungen seiner feuilletonistischen wie politischen Essays - beispielsweise „Pariser Tagebuch", „^azrergänge" „Vollendete Tatsachen", „Das Vorspiel" — selbst "^ch Jahren kein Staub und Moder der Vergangenheit an. v?er Türken sie wie spielerische Weissagungen, die sich oft nichts weniger als spielerisch erfüllt "haben. i Dreizehn ^hre w Theodor Wolff in Paris, in einem Kreise rub^.g^gnter Künstler und Dichter sowie prominenter M^^er/verlebt. Und in seinen Werken, insbesondere den früheren, webt und weht immer etwas von jenem spezifischen Pariser Klima, jener linden und berauschenden Luft, die sich so viel leichter einatmet als die Luft aller anderen europäischen Großstädte. Anmut, Beschwingtheit, Taumel: alles lebt, lacht und liebt in den Fmilletons und Artikeln, die aus der Pariser Zeit Theodor Wolffs stammen. Theodor Wolff ist aber nebm dem blaurädrigen Wagen des Djaggernaut nicht etwa sorglos oder achtlos einhergeschritten, vielmehr hat er, ein Wissmder und ein Sehender, wie wir schon andeuteten, oft genug die wamende Stimme des Propheten, des Künders „kommmder Dinge" erhoben. Aber vergÄens. „Nur ein Narr wartete (im wilhelminischen Deutschland) auf Antwort." Eben darum las man sein 1926 erschienenes „Vorspiel", das weder dem Treppenwitz der Wellgeschichte entsprungen war, noch sich dazu hergab, unmoralrsche Eselstritte auszuteilm, mit einem heiteren, emem nassen Auge. Einem heiteren, weil ein Mann von Geist, Wissen und Können zu uns sprach; einem nassen, weil dieser Mann dort, wo er düster und pessimistisch in die Zukunft seines Vaterlandes und der Welt sah, und wo er die verpaßten Gelegenheiten zum Anschluß an die historische Fortuna schiwerte, von dem Leben und der Wahrheit noch in grausamer Werse übertroffen ward. Von den führenden Publizisten Deutschlands, die am sausenden Webstuhl der Zeit saßen und das Gespinst erkannten, an dem mitzuwirken sie berufen waren,' hatten bis dahin nur Maximilian Harden und der langjährige einflußreiche Politiker der „Frankfurter Zeitung", August Stein, unter dem Pseudonym „Jrenäeus" Erlebtes und Erlauchtes zn öffentlichem Bortrag gebracht. Diese Minder- oder Mindestzahl von Memoirenschreibern gerade unter der Zunft derer. deren Beruf, wenn auch nicht immer Berufung, es war, zu schreiben, konnte nicht wundernehmen in einem Lankke, wo der Journalist nicht, wie in den westlichen Demokratien, die nächste Anwartschaft zu den höchsten Staatsämtern mit sich führt, sondern, wo er vielmehr bis vor kurzem „verachtet noch und sehr gering" über den Boden der (von ihnen gemachten) öffentlichen Meinung schritt. Umso wohltuender berührte es, daß endlich einmal einer von jenen, die nicht nur berufen, sondern auserwählt sind, sein kluges und scharfsichtiges Auge rückwärts in die Vergangenheit schweifen ließ und tief in den Schacht seiner vielfältigen und kostbaren Erinnerungen tauchte, um manches geheime und heimliche Kleinod an das Licht der Weltgeschichte, die das Weltgericht sein soll, zu fördern. Theodor Wolff, der Chefredakteur des „Berliner Tageblattes", ehedem dreizehn Jahre Pariser Korrespondent des gleichen Blattes, war im wirklichen und nicht schablonenmäßigen Sinne des Wortes ein „guter Europäer". Das heißt, er zählte zu jenen, die ihr Europäertum zwar nicht ständig großsprecherisch im Munde führen (und dabei häufig des primitivsten europäischen Anstandes, von Anständigkeit ganz zu schweigen, entbehren), weil ihnen solche, Tatsache eine Selbstverständlichkeit dünkte. Und er gehörte mit Fug zu ihnen, alldieweil er bei aller inbrünstigen Vaterlandsliebe und einem besseren Deutschtum als jenem, das in Jägerwäsche und Lederjoppen mit der „Wacht am Rhein" und „Heil dir im Siegerkranz" bierselig und taktlos durch fremde Länder und Vöker stampfte und alle etwaigen „moralischen Eroberungen" im Keime zertrampelte, auch für die Mentalitäten anderer Nationen ein hellhöriges Ohr und ein feinfühliges Herz besaß. Nicht umsonst hatte dieser scharfe und mutige Geist über ein Dutzend Jahre in der aufklärerischen Atmosphäre Voltaires und Anatole Frances verweilt, hatte er die translucide Klarheit, die eisige Kunst der Folgerung und dabei den bestrickenden Esprit der französischen Sprache mit der i h m angeborenen Kunst am Worte vermählt und verschmolzen. Er hatte mit den Besten und den Größten seiner Zeit (aber nicht nur seines Landes) als Gleicher unter Gleichen verkehrt und die Frucht all dieser viel verschlungenen Beziehungen, der geistigen Bande, die von ihm und zu ihm hinüber- und Herüberspannen und die ihn vom Mittelpunkte der Welt — der „ville lumineuse", Paris, aus — Weltgeschehen zu Weltgeschichten, ja zu dräuendem Weltgeschick vorzeitig sich ballen lehrten, lag in dem von ihm „Vorspiel" betitelten Buche vor, das den verhältnismäßig kurzen, wenn auch besonders bedeutsamen Zeitraum von der Jahrhundertwende bis zum Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei alle« Postämtern Deutschlands Sturze des Fürsten Bülöw behandelt und umfaßt. Es gibt m diesem Werke einige sogenannte Sensationen — die Rosrnen in dem schmackhaften Kuchen — wie z. B. den Brief, den Wilhelm II. an den Fürsten Bülow nach dessen Entlassungsgesuch wegen des Abkommens von Björkö richtete, die seit dem Erscheinen des Buches durch die gesamte Presse zweier Welten gejagt worden sind. Aber nicht etwa in diesen ebenso sensationellen wie pikanten Enthüllungen, an denen das Buch überreich ist, liegen seine politischen, literarischen und weltgeschichtlichen Werte. Im Gegenteil! Sie sind Nonvaleurs gegenüber der individuellen Tarstellungskunst Theodor Wolffs, die ebenso meisterlich in der Beobachtung wie unübertrefflich in der Zeichnung ist, und die die gallischen Brüder in Apoll an tänzerischem Rhythmus oft übertrifft. Die tiefgründigen Kenntnisse eines Polyhistors, der sein schweres Material mit jener eleganten Leichtigkeit handhabt, womit der Prestidigitateur wuchtige Eisengeräte oder leuchtende Bälle durcheinanderwirbeln läßt, eine unbeirrbare Selbständigkeit der eigenen Meinung und eine außergewöhnliche Fähigkeit eindringlicher Urteilskraft kennzeichnen des Autors wie gerade dieses sein letztes Werk, dessen Hauptteik man immer noch sehnsüchtig erwartet. Die Porträts, die er Wilhelm II. von Bülow, von Holstein, von auswärtigeit Botschaftern, wie Münster, Radolin, Radowitz, Wolfs- Metternich oder auch von französischen Politikern wie Delcasfe, Rouvier, Paul Cambon, Clemencecm, Barrere entwarf, sind zeitgeschichtliche Dokumente von unschätzbarem Wert. Daß er selbst von den führenden Männern Europas, dje keine ostelbischen Scheuklappen trugen, in der ganzen Seltenheit und dem individuellen Charme seiner Persönlichkeit richtig eingeschätzt wurde, zeigten die zahlreichen Briefe, ja ausführlichen Episteln, die von den Prominenten einer internationalen Politik und Gesellschaft an ihn gerichtet wurden zu einem Zeitpunkt, da der geistige Arbeiter in Deutschland, zumal in Preußen, noch gleichsam als ein „Mensch zweiter Klasse" betrachtet wurde. Als die klassischen Länder des Journalismus müssen auf dem europäischen Kontinent Frankreich und Oesterreichs betrachtet werden . Jenseits der Vogesen ebenso wie innerhalb der ehemaligen Donaumonarchie waren künstlerische Erziehung und die Pflege der Form von altersher ein traditioneller Kulturbesitz, der liebevoll gehegt und gehütet ward. Paris ist die Heimat des politischen Leitartikels, der Minister und Staatsmänner „seligsprechen oder verdammen" kann und der — einem geistigen Fieberthermometer gleich — den Puls des öffentlichen Lebens mißt und reguliert. In Wien, der vorgeschobenen Bastion des Okzidents gegenüber dem Orient, dem großen Staubecken germanischer, romanischer und slawischer Flüsse und Einflüsse, erreichte das Feuilleton, will sagen: das in Worte gekleidete Weltbild §rus Filigran, seinen eifrigsten Kultus und seine höchste Kultur. In der demokratischen RepMik des Westens ist die Feder ein Schwert; trägt jeder politische Journalist den Marschattstab des künftigen Volksvertreters und dereinstigenj Staatslenkers im Tornister. In Wien hingegen, wo Jahrhunderte hindurch der reaktionäre Ungeist einer absolutistischen Dynastie und eines nur durch die Interessen der Hausmacht zusammengehaltenen Nationalitätenstaates gespenstisch umging, wurde der genialste Feuilletonist — von Nürnberger und Daniel Spitzer bis auf Karl Kraus und Alfred Polgar — y höchstens zum populären Kaffeehaushel >en. Metternich, der Ton Quixotte der Legitimität, ist ein ewiger Revenant in Wien, und irgendwo vermeint man — selbst nach 'dem Zusammenbruch der habsburgischen Mor archie — in der alten Donaustadt immer noch etwas von d?en modrigen Odeurs eines unsterblichen „Vormärzes" zu riechen. Eben um dieser stagnierenden Atmosphäre willen sind viele der begabtesten österreichischen Publizisten — nicht ohne stetig brennende Sehnsucht nach der verlassenen Heimat, dem betörenden Capua aller künstlerisch empfänglichen Hirne und Herzen — ausgewandert in das Reich, auf den zielstrebigen Boden zielstrebiger Bürger. Deutschland — das wilhelminische Deutschland zumal — durfte sich nicht gleich seinen Nachbarländern einer großen und ehrenvollen wurnalistischen Ueberlieserung rühmen. Wo die Militärkaste bedingungslos prädominierte, und wo es „erstklassige Meuchen" nur im „bunten Rock" gab, war das Wort nicht frei, oder wenigstens nicht ftei genug, um einen Anspruch auf Mitwirkung an der „res publika" mit Fug anmelden zu dürfen. Und das Feuilleton — selbst in seiner höchsten künstlerischcü Vollendung — erschien dem nüchternen Norddeutschen weder zu sehr als charmante Ueberflüssigkeit, als bestenfalls reizende Arabeske des Lebens, immerhin als „quantite negl-eable", um von ihm als „Ding an sich", als Selbstzweck ds Daseins anerkannt zu werden. Dank der staatlichen unk Politischen Struktur des deutschen Reiches gab es demncu im wilhelminischen Deutschland keinen hochentwickelten Im nalismus als Beruf, sondern nur vereinzelte ungewöhnlich lentvolle Journalisten als professionelle „Brufsverfehle r", deren Aktionsradius aber auch nur feit i über die eigene Redaktionsstube hinaus und womöglich 'n die politische und kosmopolitische Hexenküche der großer Welt hinein langte. Typische Repräsentanten eines genialer Tagesschrifttums wa ren zu Beginn des 19. Jahrhunderts je beiden schier überlebensgroßen Polemiker Heine und Böae, die beide nach der französischen Hauptstadt übersiedelten, Heimat und Glauben zwangsläufig aufgebend, um neben kr Teilnahme an den journalieren Ereignissen ihrer Epoche ach noch — wie Heine selbst es bezeichnte — „verifiziertes ,'erzblut" zu vergießen. Sie wurden in Paris mit offenen Arnn ausgenommen, wäh rend ihnen im Bereich der deutscher Kleinstaaterei imme§ neue Verfolgung und schmachvollere Krmagen drohten. Die Welt ist unterdessen beinaheein Jahrhundert vorwärtsgeschritten; d. h., nur scheinbar, enn tatsächlich hat das letzte Jahrzehnt für die menschliche ntwicklung eine kulturelle Rückläufigkeit von etlichen Jahrhnderten bedeutet. Krieg und Wirtschaftskrisen sind „Parties hlleuses" des Menschengeschlechtes gewesen, die nur durch einßähe, vor nichts zurückscheuende Zusammenarbeit aller Völkeim langsamen Wandel der Zeit vielleicht ausgeglichen undjeheilt werden können. An der Spitze der neuen, weil ewicalten, Menschheitsaufgaben stehen Bylkerversöhnung und)er süße Traum vom „ewigen Frieden". Und rn dem Dienstben dieser unsterblichen Menschheitssendungen sehen wir auckheute wiederum Per- 'ynlichleiten yog ältestemMenschheitsadel. ir sehen sie emsig den Webstühl derjeit bedienen, gewahren, daß sie ständig das Ohr an den irreertep Puls unserer aus den Fugen geratenen Welt halten, dr Arzte gleich, der, unc Genesung bringen zu können, Quel! und Ursprung des erkrankten Weltorganismus beobachte: muß. Zu jenen Menschheitsärzten, dem die Wiederherstellung einer siechen und verrotteten Zeit ei' inbrünstige Lebensmission bedeutet und die mit reinen Hzen und reinen Händen ihres Amtes walten, ohne darob gel.entlich chirurgische Eingriffe zu scheuen, gehören wiederunMänner der Oefsentlichkeit, deren Worte und rteile hüben wie drüben gewogen und nicht zu leicht befunderwerden. Immer noch sind es — selbs innerhalb des neuen Deutschland — nur wenige, allzuwege Vertreter der Siebenten Großmacht, die an der Rekoialeszenz der Menschheit. Mitarbeiten dürfen! Und selbst unt diesen wenigen hat der große Schnitter Tod in den letzten »ezenien noch eine engere Auslese getroffen. Von denen, die ks Ausland aller Zungen bedingungslos anerkannte, fiel eir Walther Rathenau von meuchelmörderischer Hand, starb Mximilian Harden in der Einsamkeit des großen Pans. Neu Männer sind erstanden. Neue Namen ringen um Autorit diesseits und jenseits der Grenzen. Möglich, wahrscheinch, sicher sogar, daß der eine oder andere neue Name sie rrdient. Darob aber darf nicht vergessen werden, daß von der ltenKämpfergarde noch einer unter uns weit, dessen Ansehen im Auslande ebenso unbereitbar und unbestritten ist, wie es im Jnlandeoon hämischen Neidlingen und vorurteilsvollen „RassenschützM" gerne geschmäht und geschmälert wird. Theodor Wolfs st wohl immer noch der einzige deutsche Publizist, der sich es Ansehens eines ganzen Kosmos rühmen darf. Gleichviel, >b seit Jahren Chefredakteur des „Berliner Tageblattes" -er ehedem, in dem glückhaften Jahrhundert vor Ausbruches welterlösenden „Stahlbades" Pariser Korrespondent desgleichen Blattes, ist Wolsf von Natur ein Kampfer wider alll, was dumpf und stumpf, duckmäuserisch und pharisäisch, veogen und verbogen, dumm oder krumm auf diesem Erdbal ist. Und die Lichtstadt Paris, das große brausende Herz dc Welt, in dem dereinst die Menschenrechte verkündet wurden, >ar eine gute Lehrmeisterin für den dazumal noch jugendliche Streiter für alle Wahrheiten und Freiheiten dieser We. Immerhin: heutzutage, nach eben vollendeten sechzigsten Lebensjahr, ist Theodor Wolff nicht müder och matter geworden. Er ficht noch immer mit den feinstem und schärfsten Toledanerllingen; und er sprengt noch inner auf feurigem Zelter in jede Arena, in der die Tournier um die „Salus publica" ausgetragen werden. UnduldsamistTheodo: Wo l f f nur gegen dünkelhafte Dummheit, scheinheilige Untleranz, Obskurantentum der Herzen wie der Hirne. Dem h rt umdrängten Judentum (beiläufig nicht nur Dutschlands: denn man denke beispielsweise der siegreichen Wrtschlachten, womit er die französische Dreyfuscampagne bestellet hat) ist in Theodor Wolff jederzeit ein unerschrocener Verteidiger erstanden, der auch gelegentlich vor einem kühnen Ausfall, einer heftigen Offensive gegen den ^Sozialismus der Dummen" und seine Folgeerscheinungen: Rrssenverhetzung und Bruderzwiste, nicht zurückscheut. Ein Tei des Glorienscheines, der Theodor Wolffs Haipt draußen in der großen Welt umgibt, fälft auch auf den Stamm zurück, dem er vielleicht matche seiner hervorragendsten Eigenschaften — Geschmeidigkeit >ez Wortes, Einfühlungsvermögen in die Seelen fremder Nationen, Lauterkeit des ethischen Charakters und — nicht zu vergessen jene Defensivkraft des Geistes dankt, dir in der Devise gipfelt: „In Bereitschaft fein ist alles."