Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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übertreiben. Tenn schließlich ist Sprecherziehung auch Denkerziehung, ganz abgesehen davon, daß jede Unterrichtsstunde, ser es welches Fach es auch lei, der Sprecherziehung, Spracherziehung und der Entwicklung der Denkfähigkeit dienen muh. Hinzulommt, daß es Dinge und Vorgänge gibt, die man deshalb nicht in „einfacher"' Sprache jagen kann, weil dre sogenannten einfachen Ausdrücke die Ding« und Borgänge nicht umsasten, ihnen nicht gerecht werden, ihren Sinn nicht auszudrücken und auszuschöpfen vermögen. Aus diesen Erwägungen heraus behaupte ich, selbst ,auf die Gefahr zahlreichen Widerspruchs hin: die Sprache eines Lehrbuches, sec so kompliziert oder bester, so „hoch" als möglich, sei so daß das Berstehen des Kindes gerade noch heranreicht,.daß das Kind sie noch versteht, daß der Geist des Kindes sich ständig recken und dehnen mutz und sich eben dadurch lveitet. Die Prinzipien der geistigen Erziehung, man kann auch sagen der Erziehung und Entwicklung des Geistes, sind in diesem Falle gleich denen der kröperlichen Schulung. Bei ieder Altersstufe mutz sich — nicht die Kompliziertheit — die „Komprinncrtheü" des Ausdruckes steigern, muß hei gleichzeitiger Verknappung des Wortgewandes, eine Erweiterung oes Gedankengehaltes erfolgen. Biele mögen das, besonders in unserem Sonderfalle der Abfassung von Berichten der jüdischen Geschichte für nebensächlich halten oder gar für schädlich; meine persönliche Erfahrung besagt das Gegenteil. Mir drängt sich im Verlaufe systematischer Beobachtung die Meinung aus, daß wir uns, sehr zum Schaden des reinen Wissens und noch mehr zum Schaden der Fähigkeit und des Fähigmachens zum Denken, allzusehr von Pestalozzi entfernt haben, trotzdem wir diesen als unseren Meister preisen und trotzdem die neuere Pädagogik — zu recht — Denkfähigkeit und Verstehen des Stoffes dem mechanischen Lernen voranstellt. Zum Stoffe selbst, seiner Auswahl und Gliederung möchte ich zuallererst noch einmal ausdrücklich folgendes betonen: daß man nicht ber den Schöpfungssagen der Bibel beginnen kann, sollte fedem Pädagogen klar sein. Tenn oer Wirklichkeitsgehalt, der eigentliche Gedankenextrakt, die sich hier kündgckende Gedankenwelt kann auf der Unterstufe nicht gegeben werden. Und die symbolisierten oder symbolhaltigen Sagen zu simplifizieren scheint mir eine „Sünde wider Len Geist" zu fern. Wollen wir doch zum Verständnis religiösen Denkens und — uns Liberalen muß das außerordentlich wichtig sein — zur Begreislichmachung des Werden, Wachsen und Wechseln religiösen Lebens gelangen. Darum muß von der ersten Schulstunde an der Grundsatz gelten: Keine Verwischung! Trüben wir nicht das Wasser, aus dem wir selbst trrnken müssen! Wenn wir zur Klarheit führen wollen, dürfen wir nicht mit der — gar noch absichtlichen, durch angebliche pädagogische Kunst gerechtfertigten — Unklarheit beginnen. Der Verfasser hat gerade in diesen Tagen durch eine schriftliche Umfrage an Mittelschülern der Oberstufe den exakten Beweis erhalten, wie schädlich derartige Lehrmethoden sind. (Darüber einmal in einem besonderen Aufsätze!) Es gibt eben Pillen, die kann man nicht überzuckern, die müssen eben eingenommen werden. Und in unserem Falle möchte ich erklären, daß das Einnehmen — also die Aufnahme seitens der Kinder — gar nicht so schwer ist, wenn das Eingehen — also die Stosfbereitung — vom Lehrer.richtig durch geführt wird. Ich meinerseits habe den Mut gefunden, selbst bei den Anhängern zu einer Darstellung dessen überzugehen, was die Wissenschaft als geschichtlich währ oder zumindestens als wahrscheinlich erkannt hat, wobei ich zuweilen auch die Resultate eigenen Nachdenkens mitverarbeitet habe. Und diese, m systematischen Versuchen, mit . parallelen Abteilungen sogar, durchgesührten Stunden ergaben, daß die Wahrheit leichter zu lchren ist als die Dichtung, daß es leicht ist, Kindern den Weg der volklichen wie religiösen Entwicklung zu zeigen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, denn diese Entwicklung, insbesondere me religiöse, vollzog sich doch vom Primitiven zum Hochstehenden, vom Einfachen zum Komplizierten, von der Reflexhandlung zum assoziativen Gedankensystem. Und wenn man bisher versucht hat, den komplizierten Status von heute verständlich zu machen, so muß es auch möglich sein, das Leben und Denken der Juden darzustellen, als es noch primitiv und einfach war. Wo unser geschichtliches Wissen lückenhaft und hypothetisch ist, muß auch dies bekannt werden. Die Ausdrücke „tmr wissen es nicht", „wir glauben", „wir vermuten", „wir stellen uns vor", „wir denken uns", kommen in meinem Religionsunterricht sehr häufig vor. Ich habe mich überhaupt me gescheut, das Märchen vom alleswissenden Lehrer zu zerstören, ohne davon und dadurch eine Schwächung der Autorität verspürt zu haben. Im Gegenteil! Gerade durch Offenheit dem Kinde gegenüber schwindet die unnatürliche Distanz und em Weg — der der Weg oer Entwicklung und Bildung des Kindes ist — wird sichtbar und begehbar. Ueberhaupt: wer dem Kinde nicht die Unvollkommenheit enthüllt, der nimmt ihm den Mut der Erhebung und der Steigerung. Man darf nicht vergessen, daß das Minus kindlicher Gedankenwelt gegenüber dem Erwachsenendenken vielfach nur im Nicht-ftchselbst-eingestehen beftcht, die Wirkung aber dennoch besteht, genau wie beim Erwachsenen. Zurücktehrend zum vorigen Abschnitt betonen wir, daß mit Weglassung der Schöpsungs- und Stammvätersagen chronologisch vorgegangen werden kann. Die Stammvätersagen sollen allerdings berührt werden. Doch soll die richtige Del'larierung, als Sage oder Wirklichkeit, nie fehlen. Es erwies sich Mir, daß hierbei das Kino keineswegs aus allen Himmeln stürzt, vielmehr, daß dem Kinde das Märchen jederzeit als das, was es ist, vorkommt. Das Märchen ist dem Kinde nichts anderes, als das Theater dem Erwachsenen; ein Spiel, das er^sich bewußt bereitet oder bereiten läßt und bewußt als Spiel und nicht als Wirklichkeit genießt. Bei d^.r Abfassung von Lehr- und Unterrichtsbüchern kann auch die Frage der weltanschaulichen Seite einer jeden lehrenden Persönlichkeit und eines jeden zu lehrenden Stoffes nicht übergangen werden. Daß es sich hier um liberale Schulbücher, d. h. um Schulbücher, getragen von liberalreligiöser Weltanschauung handelt, sei hier nochmals ausdrücklich betont. Ein liberales Lehrbuch schreiben, bedeutet aber deshalb nicht eine Polemik gegen die Orthodoxie abfassen, denn die eigene Burg aufbauen und ausbauen, heißt noch nicht eine andere Festung angreisen. Es wird Aufgabe auch des liberalsten Lehrers bleiben, auch den Gedankenkreis, die gedanklichen Grundlagen wie den gedanklichen Ausbau der Orthodoxie verständlich zu machen. Und das nicht allein, weil der Orthvdoxismus einmal zum Stoftgebiet der jüdischen Geschichte gehört, sondern, weil die Gedankenwelt der Orthodoxie überhaupt als menschliche und geschichtliche Erscheinungsform ' darstellenswert ist. Mir scheint es sogar eme Hauptaufgabe des liberalen Lehrers zu sein, den Orthodoxismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen darzustellen, vorzuführen ferne reine und als religiös anzusprechende Le- Vensäußerung, ebenso abex auch seine Entartngen, seine Ber- I irrungen. An dieser Stelle mutz dann die Klärung des Begriffes der Frommheit vollendet werden — vollendet besagt hier, daß die Klärung der Begriffe schon doch er eingesetzt haben muß — an dieser Stellung muß die Gegenüberstellung von Wortreligion und Tatreligion erfolgen, an dieser Stelle muß exakt und klar ausgesprochen werden, welches Leben der liberale Jude unserer Tage als religiös betrachtet und wie unser Ideal der Frömmigkeit aussieht. Unsere Theorie und unsere praktische Religiosität muß hier, getrennt aber aneinandergereiht, aufgezeigt und erörtert werden. f Damit ist ,edoch die Reihe der zu berücksichtigenden weltanschaulichen Fragestgelnete noch nicht erschöpft. Sobald die Gegenwart rn das Stoffgebiet des Unterrichts einbezogen werden muß, was in den oberen Klassen der Mittelschulen geschieht — heißt es Stellung nchmen zu den Problemen der Gegenwart, ihren Strömungen und Gegenströmungen. Ein Lehrbuch darf daran nicht vorübergehen. Wie aber dies« Klippe — denn eine Klippe ist es — umschiffen? Es bestünde die Möglichreit im Lehrbuche selbst die Exponenten oer verschiedenen jüdischen Gruppen zu Worte kommen zu lassen. Aber es ist fraglich, ob die Vertreter dieser Gruppen so über sich berichten können, daß der Schüler ein korrektes Bild über die Gruppen, ihr Verhältnis zueinander und dadurch über das jüdische Ganze gewinnt. Fraglich auch deshalb, weil das Verhältnis der Gruppen zueinander vielfach ein unklares ist,' weil momentane — man könnte sagen konjunkturellpolitische — Bindungen äußerer Art sich vielfach als innere Verbundenheit darbieten, kurz weit im öffentlichen jüdischen Leben nicht immer die erwünschte und notwendige Klarheit besteht und herrscht. Darum scheint mrr die Darstellung der verschiedenen jüdischen Gruppen durch einen berufsmäßig Lehrenden doch der beste Weg zu sein. Denn der berufsmäßige Lehrer ist daran gewöhnt, auch Sprecher für „den Anderen" zu sein. Eine Voraussetzung allerdings: der Darstellende muß davon überzeugt sein, daß jedes jüdische Gruppenleben historisch begründet ist und seine innerliche Berechtigung hat und er muß sich imstande fühlen objektiv aufzuzeigen. So erreicht er nicht nur, daß der werdende Mensch eine menschenmöglichobjektive Darstellung von Geschichte und Jetztzeit erhält — derin Geschichtskunde ist, wie wir oben schon mit anderen Worten ausgeführt — Lebenskunde — sondern er schlägt auch eine Brücke zwischen den verschiedenen Judentümern, eben dadurch, daß er die gegenseitigen Beziehungen auszeigt. Das ist zwar eine sogenannte politische Tätigkeit; aber es ist meine Meinung, daß eine solche, allen nutzbringende Politik sehr wohl zum Aufgabenbereich der Schule gehört. Jede Schute, die sich Bildungsstätte nennt, muß mehr sein, als nur ein Reflektor, obwohl das allein schon nicht wenig ist. Man sagt gewöhnlich, die Schule müsse Werte vermitteln. Aber hier wie immer hat man den Gedanken der Produktion zugunsten der Reproduktion zurückgedrängt. Die Schule muß gleichzeitig auch Werte heranbilden, Werte schäften, indem sie durch Vertiefung und gedanklichen Ausbau den Lehrmhalt steigen und veredelt. So darf em neuzuschaftendes Lehrbuch oer Religionsgeschichte und Religionslehre gleichzeitig bemüht fern, darf und muß bemüht sein, am Ausbau dieser Religion und dieser Geschichtsdeutung mitzuarbeiten. Dies ist besonders in unserem Falle nötig, wo es sich um eine Geistesrichtung handelt, die erst in ihren Umrissen seststetzt, in ihren Einzelfragen dagegen noch kaum ausgebaut ist. (Es sei auch nt diesem Zusammenhänge nicht verschwiegen, daß sich hier eine Stärke und zugleich momentane Schwäche offenbart, eine Stärke des Liberalismus als Bekenntnis und eine Schwäche seiner Bekennerschaft. Die Stärke der Lehre, besteht in ihrem Grundcharakter, in der Tatsache, daß sie ausbaufähig rft. Die Schwäche der Bekennerschaft offenbart sich dann, daß heute noch wenig mehr, als die Grundlinien der Lehre ausgebaut sind.) An diesen Tatsachen kann ein Lehrbuch nicht vorübergehen. Bor die Wahl gestellt, den jetzigen Status des Liberalismus, seiner Grundlehren und seiner Alltagsgesetze wiederzugeben, oder den Versuch zu machen, den vorhandenen Torso auszubauen, entscheidet sich das Lehrbuch für den letzteren Weg. Allerdings schränkt die Tatsache, daß es sich um ein Schulbuch bezw. Lehrbuch handelt die Freizügigkeit bedeutend em. Dennoch scheint mir der Weg prinzipiell richtig. Denn Hoffentlich bleibt der Liberalismus immer der Vollendung bedürfend und immer der Weitersührung und des Ausbaues fähig. Darum muß etri liberales Lehrbuch msbesonders auch zwei Kriterien des Liberalismus dem Bennißtsein einhämmern, nämlich die Begriffe: Gewordenes und Werdendes. Dann dürfen wir hoffen, daß ein lebendiges religiöses Bewußtsein und Denken in der werdenden Generation entsteht und ein ewiges Bauen an einer lebendigen, blutvollen Religion. Ties zu erreichen, muß Ausgabe und Ziel moderner Religwns- und Geschichtslehrbücher sein. Amtsjubiläum von Rabbiner Professor Dr.). Ziegler, Karlsbad Am 15. August feiert Professor Dr. Ignatz Ziegler, der Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Karlsbad, sein 40 jähriges Amtsjubiläum. Zu diesem Ehrentage beglückwünschen wir den Jubilar, den rüstigen Vorkämpfer der religiös-liberalen Bewegung, von ganzem Herzen. Ihm zu Ehren veranstaltet seine dankbare Gemeinde Karlsbad in der Synagoge einen Festgottesdienst, der am Tage des Jubiläums stattsinden wird. Wer einmal als Kurgast im Weltbade Karlsbad weilte, der dürste mitempfunden haben, wie sehr die geistvollen Predigten des beredten Kanzelredners Herz und Gemüt der Erholungssuchenden erbauen. Auf Kanzel und Katheder ist der verehrte Jubilar ein Prediger großen Formates. Sein Wirken bedeutet eine Zierde für sein heiliges Amt. Als Seelsorger hat er in selbstloser, mustergültiger Weise nicht nur die ihm anvertraute Gemeinde Karlsbad jahraus jahrein betreut, sondern es ist vor allem sein Werk gewesen, daß vor mehr als 25 Jahren das israelitische Kurhospital errichtet werden konnte. In diesem finden alljährlich 500 unbemittelte Juden und Jüdinnen aus aller Herren Länder liebevolle Aufnahme. Ein von dem Jubilar seit langem gehegter Herzenswunsch, um dessen Verwirklichung er gerade jetzt bemüht ist, ist die Schaffung eines modernen großzügigen jüdischen Altenheims für seine Gemeinde. An der jüdisch-liberalen Bewegung nimmt der Jubilar seit Jahrzehnten lA>haften Anteil. Es würde zu w"'t führen, all' die Schriften und Werke anzuführen, die er v^,aßt hat. Erwähnt muß aber werden, daß er sich vor etwa fünfzehn Jahren ein besonders großes Verdienst erwarb durch die .Herausgabe einer periodischen Schriftenfolge: „Volksschriften über die jüdische Religion", in der populär-religiöse Broschüren namhafter zeitgenössischer Gelehrter herauskamen. Zur Zeit arbeitet Rabbiner Professor Dr. Ziegler an einem grundlegenden dreibändigen Werk „Die sittliche Welt des Judentums", welches er im Aufträge der tschechischen Großloge des J.O.B.B. herausgibt und von dem zwei Bände bereits erschienen sind. Dem Orden J.O.B.B. gehört Professor Ziegler schon seit Jahren als Expräsident der „Karlsbadloge" an und hat auch dort Hervorragendes geleistet. Wir wünschen Herrn Rabbiner Professor Dr. Ziegler, daß ihm beschieden sei, noch viele Jahre in Begeisterung und jugendlicher Frische seines heiligen Amtes zu walten, zum Äegen für ferne Gemeinde, und zum Segen für das gesamte Judentum ad multos annos! Jüdische Schüler auf Berliner Schulen Von Herbert Philippsthal. Das Statistische Amt der Stadt Berlin liefert der Reichshauptstadt auch die wichtigsten Unterlagen für die Konfessionsstatistik. Da es aber seine Hauptaufgabe bildet, der Allgemeinheit ohne Rücksicht auf die Konfessionen zu bienen, kann Konsessionsstatistik nur nebensächlich betrieben werden. Das Amt informiert uns vor allem über die Bevölkerunasvorgänge und das Schulwesen nach konfessioneller Ausscheidung. Das jüoische Schulwesen, das der jüdischen Gemeinde untersteht, findet keine Beachtung. Privatschulen werden überhaupt nicht statistisch erfaßt, eine Lücke, die das Zahlenbild empfindlich stört. Es wäre also Aufgabe der Berliner Jüdischen Gemeinde, dem jüdischen Steuerzahler in gewissen Zeitabständen zahlenmäßige Unterlagen über den ihr unterstellten Schulbetneb zu unterbreiten, damit er feststellen kann, wie beispielsweise der Schulbetrieb sich entwickelt, ob es sich verlohnt, den Betrieb ausrecht zu erhalten oder nicht, ob eine Ueberfüllung in Erscheinung tritt und so oie Verwaltung neue Schulgründungen planen kann usw. Tic Zahl der Schüler der öffentlichen Schulen nach der Religion am 1. November 1920 zeigt folgende Tabelle: Proz.d.jüs. ev. kath. jüd. sonstig zus. Schülerzahl .höhere Schulen 67 545 5 690 6 797 1 901 81 879 8/2 Mittelschulen 11 901 699 996 380 19 916 2.9 Volks- und Sonderschulen 221 219 28 602 5 519 16 134 271 471 2.0 zusammen 300 665 34 931 12 652 18 415 366 603 ÜX" Am 1. November 1925 betrug die jüdische Schülerzahl insgesamt 11630 (3,2o/o), sodaß m einem Jahre eine Zunahme von rund 1000 Schüler stattfand. Während die Juden mit 172 672 Seelen 4,3 Prozent der Gesamtbevölterung ausmachen, steigt das Verhältnis der Schüler auf den höheren Schulen auf fast das Zweifache, sinkt dagegen auf den Volks- und Sonderschulen um mehr als die Hälfte, ein Beweis, daß das jüdische Bildungsftreben der Vorkriegszeit auch heutigen Tages noch Geltung besitzt. Im einzelnen läßt sich hierzu sagen, daß die öffentlichen höheren Knabenschulen am 1. November 1926 eine Frequenz von 53 428 Schülern zeigten und unter ihnen befanden sich 3929 Juden oder 7,3 Prozent. Im ganzen kommen 109 Schulen in Betracht. Ueber die konfessionelle Gliederung der Lehrkräfte erfahren wir leider nichts, dürfte aber nach meiner Erfahrung einen viel geringeren Prozentsatz ausweisen. Auf den 57 öffentlichen höheren Mädchenschulen Groß-Berlins zählte man in der oben angegebenen Zeit 2 808 Jüdinnen oder 9,8 Prozent. Ueber die Mittel- und Volksschulen informiert die oben dargestellte Tabelle. Tagung des Aktions-Komitees der zionistischen Weltorganisation Das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation hielt in Berlin eine in der vorigen Woche beendete Tagung ab, die sich vornehmlich mit dem von uns bereits kurz mitgeteitten Bericht der Joint Survey Commission befaßte (vgl. Nr. 26). Die Verhandlungen ließen die in der Zionistischen Organisation bestehenden Gegensätze scharf aufeinanderprallen, und es gab ein regelrechtes Mißtrauensvotum mit Rücktritt der gesamten Executive. Schließlich einigte man sich aber doch auf Beibehaltung des augenblicklichen Regimes, — ein Kompromiß, der jedoch nur als Provisorium bis zu dem nächsten Kongreß Geltung haben dürfte. Es gelang, nach tagelangen Beratungen zur Frage der Jewish Agency eine Resolution zu formulieren, die mit 41 gegen 4 Stimmen zur Annahme gelangte: A. Das Aktions-Comite der Zionistischen Organisation drückt den Mitgliedern der Joint Palestine Survey Kommission für die von ihnen geleistete wertvolle Arbeit seinen besonderen Dank aus und begrüßt, den im Bericht zam Ausdruck gekommenen Wunsch zur Zusammenarbeit aller Kreise des jüdischen Volkes beim Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina in der Erwartung, daß eine solche Zusammenarbeit zu der erwünschten Beschleunigung und Stärkung des palästinensischen Ausbauwerkes führen wird. Das A.-C. konstatiert mit Befriedigung, daß die Kommission, in Uebereinstimmung mit der Stellungnahme der Zionistischen Organisation, eine Reihe von politischen Forderungen aufgestellt hat, die sich auf die Verpflichtung der palästinensischen Administration und der Mandatarmacht beziehen, für die Schaffung solcher administrativer und wirtschaftlicher Bedingungen im Lande Sorge zu tragen, die die Errichtung des jüdischen nationalen Heimes sicherstellen. B. Im Hinblick aus die wirtschaftlichen Empfehlungen der Kommission erklärt das A.-C., daß der Bericht in einigen wesentlichen Punkten der Notwendigkeit, gewisse wirtschaftliche Methoden mit den spezifischen Aufgaben und Bedingungen der Aufbauarbeit in Palästina in Uebereinstimmung zu bringen, nicht hinreichend Rechnung trägt. 1. Die Zionistische Organisation anerkennt den K.K.L. als alleiniges Instrument der Bodenpolitik in Palästina. Demgemäß und entsprechend dem von den zionistischen Kongressen wiederholt festgestellten Prinzip der Auslösung des Bodens als Volksbesitz müssen alle aus öffentlichen Geldern der Jewish Agency zu erwerbenden Ländereien ins Gemeineigentum des jüdischen Volkes übergehen und allen Prinzipien des K7K.L., was Eigentum der Böden und ihre Vergebung an die Siedler betrifft, unterworfen rverden. Um die Integrität des K.K.L. zu wahren, soll der Erwerb von Böden aus zwei verschiedenen Fonds ausgeschlossen sein. Die Zionistische Organisation hat stets auch den privaten Bodenerwerb und die Förderung der Ansiedlung von Siedlern mit eigenen Mitteln als wichtig anerkannt. Ein diesem Zweck dienendes Institut soll indes nicht laufend aus öffentlichen Mitteln unterhalten, sondern lediglich durch einnf’^-'C finanzielle Maßnahmen aktionsfähig gemacht werden. 2. Das A.-C. 9ern^st auf das der zionistischen Kolonisationsarbeit zugrunde gelegte Prinzip der Freiheit des Siedlers in der