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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IMchMeraleZeilmg Organ -er Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle '/«jährlich 2IL 2.50 Einzelnummer 0.20. Bei freier Zusendung i. Inland 025 Für die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrage enthalten. Berantwortt. Redakteur: Bruno Woyda. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" erscheint jeden Freitag. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW 4S. Wilhelmslr. 147 Fernruf: Bergmann 3358, 3359 Postscheckkonto: Berlin 7Nv 7, 137069 (Vereinigung für da» liberale Judentum) Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung der Redamoa gestattet. Anzeigenpreise: Die 12gespaltene Nonparaillezeile 0.45 Goldmark, die Reklomezeile 3.00 Goldmark. bei Wiederholungen Rabatt. Anzeigenannahme: «Indisch-liberale Zeitung" Inferateuabteilung: Berlin SD 48, Wilhelmstrahe 142 (Bergmann: LL5S-5Ss. sowie samil. AnnonLen-Exprdttiou. Ar. 32 Berlin. 10. August 1928 S. Jahrgang Liberale Lehrbücher Von Jssi Bayer-Bingen. In Nr. 26 der Berliner Ausgabe dieses Blattes hat der Verfasser des nachstehenden Artikels daraus hingewiesen, daß — eigentlich selbstverständlich — die liberal-religiöse Erziehung bereits in der Schule zu beginnen habe. Dieser Artikel, „Liberalismus und Schule" bezeichnet, endete mit einem Aufruf zur Diskussion. Die Zuschriften, die der Verfasser darauf erhielt, waren nicht nur der Zahl nach gering, sondern in der Grundstimmung zwar zustimmend aber durchaus pessimistisch. Inzwischen hat der Verfasser selbst das Geschichtsbuch teilweise geschrieben und bittet uns um Veröffentlichung des ersten Entwurfes eines Vorwortes zu seinen geplanten Schulbüchern. Die Veröffentlichung hat den doppelten Zweck, die interessierten Kreise mit der Arbeit bekannt zu machen und sie zugleich zu einer Stellungnahme aufzufordern. Tie Schristleitung. Jede erziehliche Unterweisung der Schule geht davon aus, daß das Subjekt der Erziehung, des Unterrichts, das Kindwenn es in die formende Hand des berufsmäßigen Lehrers gegeben wird, bereits vorgeformt ist. Eine Reihe von Sinnes-' eindrücken ist bereits in Vorstellungen umgewandelt. Eine ge-' wisse Menge von Erfahrungen im Umgang mit den Dingen ist vorhanden und dieser Erfahrungsvorrat gestattet bereits, das Kind als denkfähig anzusprechen. Allgemein gesprochen: eine Wissensgrundlage, eine Denkquelle ist bereits vorhanden. Auf unseren Fall des Unterrichts m der Religionslehre und jüdischen Geschichte angewendet: es darf bei unseren Kindern, wenn sie in die Schule kommenschon mancherlei vorausgesetzt werden; insbesondere die Bekanntheit mit den äußerlichen Attributen des religiösen Lebens der Juden der Gegenwart. Einem alten erfahrungspädagogischen Satze folgend, muß von diesen bekannten Vorstellungen und dem bereits vorhandenen Wissen ausgegangen werden. Da treffen wir dann auf Vorstellungslreise wie Gott, Gebet, Gotteshaus, Frommsein, Guts ein, Vorstellungslreise, die in ihrem Kerne gleichzeitig der Religionsgeschichte, wie der lebendigen Religionslehre und Religionsübung, wie auch der eigentlichen Geschichte, der Volksgeschichte angehören. Von hier muß ausgegangen werden, wenn man wünscht, daß das Kind unsere Geschichte wirklich kennen lernt und Sinn für das Wefen geschichtlicher Ereignisse bekommen soll, wenn man erreichen will, daß es aus einem Geschichtsbericht heraus, sich die historische Wirklichkeit leibhaftiig vorstellen kann. Damit soll nicht etwa gesagt sein, daß dieser Weg der einzig-mögliche ist, sondern nur, daß er sinnfällig und klar ist. Schließlich ist die Kenntnis und die Verbreitung der Kenntnis jüdischer Geschichte nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, den Menschen, sobald er geistig reif wird, zu befähigen, die Gesamtsituation — und nicht zuletzt die religiöse — der jüdischen Gemeinschaft zu erkennen, und sich ihr bewußt und mitschaffend anschließen zu können. (Natürlich ist das nicht der alleinige Zweck.) Ein denkender Mensch erträgt es nicht, daß man zu ihm sagt: Hier ist Dein Platz! Er will auch wißen, warum er auf diesen Platz beordert, wieso er dahin gelangt. Der denkende junge Jude will wissen, wieso feine Gemeinschaft ihren jetzigen religiösen Standpunkt einnimmt, welcher Weg, welcher Entwicklungsgang dahin führte. Denn sein Anschluß soll freiwillig, d. h. frei und willig geschehen und mit dem Bewußtsein, am schaffenden Leben, an der Weiterentwicklung und an der Höherschraubung dieses Standpunktes teilhaben und teilnetzmen zu können, gebend und nehmend. Darum muß der Lehrende — ausgehend von der Jetztzett und ihren — religiösen — Vorstellungen — den werdenden Menschen den Weg, den die Gemeinschaft im Verlaufe ihrer Generationen zurückgelegt, noch einmal durchlaufen lassen, muß die ganze Entwicklung an ihnen vorüberführen. Dies kann natürlich nur geschehen, soweit sich die Wegspur zurückverfolgen läßt. Hier setzt nun nn pädagogischer Streit ein. Es gibt Lehrbücher liberaler Verfasser, die den Unterricht recht kindertümlich beginnen wollen, natürlich beim ersten Kapitel des Pentateuch anfangen, somit allerschwierigste Sagen darbieten. Diese Verfasser halten es für verdienstvoll, z. B. den Schöpsungsbericht der Bibel und die ganze Genesis zu naivisieren. Ich kann nichts anderes tun, als diese Meinung mit aller Entschiedenheit zu verwerfen. Es ist zweifellos richtig, dem Kinde nur Einfaches und Verständliches zu bieten. Dann mutz man sich eben einfache, geeignete Stoffe heraussuchen. Das Verlangen der Kinder nach Einfachheit der Ge-, dankenführung, lebendiger Darstellung und Buntheit der Handlung in Ehren! Aber es muß ein für allemal gesagt werden, daß Geschichte und Geschichten zweierlei sind. Der phantastische Sinn des Kindes will Nahrung und Beschäftigung haben. Ja, muß denn dazu ausgerechnet der jüdische Geschichtsunterricht herhalten? Ist denn Religionslchre und Religionsgeschichte ein Unterhaltungsstoff? Ist nicht Religionslchre die Vorbereitung zur Religionsübung? Seien wir froh, daß uns die wissenschaftliche Forschung der historischen Wirklichkeiit nahergebracht hat und lehren wir Wahrheit. Ich glaube, daß diese Wahrheit nicht weniger farbig, bunt und lebendig Vor der liberalen Welttonserenz Rundfunkvarkrag in Berlin aus Anlaß der jüdisch-liberalen Weltkouferenz Aus Anlaß der am 18. August in Berlin zusammentretenden Delegiertentagung des „Weltverbandes für religiös-liberales Judentum" veranstaltet die Funkstunde A.-G. am Mittwoch, den 15. August, abends 7.30 Uhr, einen Rundsunkvortrag auf dem Berliner Sender, Wellenlänge 483,9. George Goetz, der Generalsekretär der deuffchen „Bereinigung für das liberale Judentum e. B.", wird in allgemeinverständlicher, für die nichtjüdische Oeffentlichkeit berechneter Weise über „Liberales Judentum" sprechen und dabei insbesondere die Beziehungen zwischen diesem und außerjüdischen religiösen Bestrebungen der Jetztzeit aufzeigen. Das Tagungsprogramm Das Programm für die Liberale Weltkonferenz steht nunmehr in allen Einzelheiten fest. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Zutritt zu den einzelnen Veranstaltungen der Konferenz nur gegen auf Namen ausgestallte Einlaßkarten gestattet ist. Die Einlaßkarten sind bereits vergriffen; lediglich für Montag, den 20. August, sind Karten in beschränkter Anzahl noch vorhanden und können vom Büro der Vereinigung für das liberale Judentum angefordert werden. Eine Kartenabgabe im Herrenhaus ist ausgeschlossen; es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem 17. August Karten nicht mehr ausgegeben werden. Das Büro der Vereinigung für das liberale Judentum bleibt vom 18. bis zum 21. August einschließlich geschlossen. Für dringende Angelegenheiten steht das im Herrenhaus eingerichtete Konferenzbüro am Sonntag, den 19. und Montag, den 20. August zur Verfügung. Sonnabend, den 18. August: 10.00 Uhr Festgottesdienst in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße 30. Predigt: Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann, Frankfurt a. M. 12.30 Uhr Empfang und Frühstück, den Delegierten und Gästen veranstaltet vom Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde im Großen Saal des Hotels „Der Kaiserhof" (Untergrundbahnhof Kaiserhof). 4.00 Uhr Tee, den Delegierten und Angehörigen veranstaltet von Frau Rosa Sachs, Berlin NW 87, Brückenallee 1 (Stadtbahnhof Bellevue). 8.00 Uhr Eröffnungsabend: Herrenhaus, Leipziger Straße 3. Eröffnung: Begrüßungsansprachen; Berichte aus den Mitglieds- und Korrespondenzländern. GeseHschastsanzug erwünscht. Die Sitzung beginnt mit absoluter Pünktlichkeit. Sonntag, den 19. August: 9.30 Uhr Fe st gottesdien st. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16. Predigt: The Hon. Lily H. Montagu, London. 11.00 Uhr Oeffentliche Sitzung Generälreferat: Die Botschaft des liberalen Judentums an den Juden von heute. Tr. Leo Baeck-Berlin. Referate: Tie Bedeutung des liberalen Judentums für das religiöse Leben. Claude G. Montefiore-London. Religiöses Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft. Rabbiner Dr. David Philipson-Cincinnati. Der Einfluß des liberalen Judentums aus die soziale Arbeit. Rabbiner Dr. Joseph Lehmann-Berlin. 1.30 Uhr Gemeinsames Mittagessen. 3.00 Uhr Geschäftliche Sitzung. 1. Bericht der Schriftführerin. 2. Bericht des Schatzmeisters. 3. Die Verfassung des Weltverbandes. 4. Resolutionen und Anträge. 6.30 Uhr Gedenkfeier für Bernhard Breslauer, den Gründer und Ehrenvorsitzenden der Bereinigung für das liberale Judentum E V. — Veranstaltet von der Vereinigung für das liberale Judentum E. V. 8.30 Uhr Fe st abend im Mosse-Haus, Leipziger Platz 15. Veranstaltet von Herrn und Frau Hans Lachmann-Mosse. (Hierzu besondere Einlaßkarten.) Montag, den 20. August: 10.00 Uhr Oeffentliche Sitzung. Diskussionm über die Vorträge des Sonntags. 12.45 Uhr Gemeinsames Mittagessen. 2.30 Uhr Sektions-Sitzungen: „Die Verwirklichung der Boffchaft des liberalen Judentums." 1. Sektion: Gottesdienst. Referent: Rabbi S. H. Goldenson-Pittsburg. 2. Sektion: Häusliches Leben. Referenün: Lily H. Montagu-London. 3. Sektion: Jugend. Referent: Dipl.-Jng. Ludwig Lewin-Berlin. 5.30 Uhr Schlußsitzung. Berichte aus den Sektionen (evtl. Entschließungen der Sektionen). Vorstandswahl. Schluß der Konferenz. Dienstag, den 21. August: Ausflug nachPotsdam. Gastgeber: Bankdirektor Wilhelm Kleemann - Berlin und Synagogenaemeinde Potsdam. (Das Programm des Ausfluges wird noch bekannt gegeben.) Nachbemerkung zur Delegiertenliste. Auf Vorschlag der „Liberal-jüdischen Vereinigung", Karlsruhe, welche neuerdings als Ortsgruppe der „Vereinigung für das liberale Judentum e. V." angeschlossen ist, hat diese Herrn Rabbiner Dr. Schiff zum weiteren Delegierten ernannt. Die^eremigm»Erdasliberale Zuderüume^V. ladet hiermit zu einer im Rahmen der Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum am Sonnta^ß^^9^lu^ im Plenarsaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses, Leipziger Straße 3, stattfindenden Gedenkfeier für Bernhard Breslauer ihren Gründer und Ehrenvorsitzenden. ein. Programm Harmonium-Vorspiel: Aases Tod Gesang: Herr, was ist der Mensch Edvard Grieg Albert Kellermann Gedenkrede Rechtsanwalt Heinrich Stern. Vorsitzender der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Gesang: Ueber Nacht Hugo Wolf Harmonium-Nachspiel Gesang: Oberkantor Wilhelm Friedmann Harmonium: Alexander Weinbaum ist und nicht weniger reich an Handlung. Erweist sich doch allemal das Leben spannender als die interessanteste Erdichtung. Zugegeben mutz werden, daß diese historische Wahrheit Kindern manchmal nicht dargeboten werden kann, weil ste eben zu kompliziert ist, weil sie neben dem kindlichen Horizont' zu ferne liegt. Nichts aber wäre falscher, als dann die Wirflichteit zu „vereinfachen" zu „kinbift'eren". Die Lehrpläne kennen längst die Einteilung der Stoffgebiete nach verschiedenen Altersd. h. Reise-- und Entwicklungsstufen. Mutz über solche Trivialitäten noch gesprochen werden, muß noch ausdrücklich gesagt werden, daß Stoffe, die dem kleinen Kinde unverständlich sind, eben höheren Altersstufen zur Behundlung zugewiesen werben müffen? Die Sprache eines Lehrbuches muß einfach sein; Schulbücher sind keine Romane. Möglichst einfache Darstellung und Darbietung heißt aber nicht die Simplizität einer Sprache

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