Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeder Einsichtige muß erkennen, daß die Fiktion eures Müschen Volkes die graue, weil falsche Theorie ist; che jüdische Religionsgemeinschaft kommt mit dein Leben überein. (Oder will man etwa die Neger-Juden als nationale Minderheit innerhalb des „jüdischen Volkes" konstituieren?) Gedenktafel für Ferdinand Lafsalle ln Berlin. Die Gedenktafel für Ferdinand Lassalle, deren Stiftung vom Berliner Magistrat bereits im vergangenen Jahre beschlossen wurde, ist kürzlich am Hause Bellevuestraße 13 angebracht worden. Lassalle, der bekannte Vorkämpfer und Begründer der deutschen sozialistischen Bewegung, hatte hier während der Jahre 1859 bis 1863 gewohnt. Die Gedenktafel ist aus Bronze und befindet s ich in der Mitte über dem Eingang des Hauses. Höchste Selbstmordzlffer bei Juden. Nach statistischen Ermittlungen sind in Preußen im Jahre 1926 nicht weniger als 9746 Selbstmorde festzustellen. Weit mehr als zwei Drittel der Selbstmörder waren männlich. Auf 100 000 Lebende entfielen 25,3 Selbstmörder. Berlin liegt mit 47 Selbstmorden auf 100000 Lebende fast um das Doppelte über den Durchschnitt. Der Konfession nach ist die Selbstmordhäufigkeit am geringsten bei den Katholiken, am höchsten bei den Juden; bei letzteren gleichmäßig verteilt unter beide Geschlechter^ Juden bei der Nordpol-Katastrophe. Professor AN o P o n t r e m o l t. In Rom gibt man nun denjenigen 2.ei1 der Mannschaft der Nobile-Expedition, der mit dem Rumps des Luftschiffes „Jtalra" nach der Katastrophe aus eem Eise der Arktis abgetrieben worden ist, verloren. Große Trauer herrscht um den hervorragenden jüdischen Gelehrten Professor Aldo Pontremolr aus Mailand, der sich bei dieser Gruppe befand. Pontremolr ist ein Entel des „Großen Alten Mannes" der italienischen Judenheit, des vor mehr als errrem Jahre verstorbenen früheren Ministerpräsidenten und langjährigen Finanzministers Italiens, Professor Luige Luzzatti. Pontremolis Mutter ist eine Tochter Luzzattis. Luzzattr war sehr stolz auf die großen wissenschaftlichen Leistungen fernes Enkels, der schon im Alter von 24 Jahren zum Professor für experimentelle Physik an der Universität Mailand ernannt wurde. Kurz daraus wurde er zum Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften gewählt. Er galt als eine der höchsten Autoritäten auf dem Gebiete der Physik, besonders des Erdmagnetismus und der Metallurgie. Eine grundlegende Arbeit Pontremolis über Erdmagnetismus wird in kurzem in Italien erscheinen. Als Pontremolr aus dem Wege zum Nordpol kurze Zeit in Berlin weilte (bekanntlich machte die „Jtalia" in Stolp in Pommern Station) besuchte er Professor Albert Einstein, mit den ihn schon seit langem wissenschaftliche Beziehungen verbunden haben. In Deutschland ergänzte Pontremoli auch seine für dre Nobile-Expedition gebauten Instrumente für die erdmagnetischen Messungen. Er begleitete dre Nobile- Expedition auf eine direkte Einladung der italienischen Regierung hin. Professor Samoilowrtsch. Der jetzt berühmt gewordene Lerter des Eisbrechers „Krassin" und der nach Norden abgefandten Rettungsexpedition, Pros. Rudolf Lasarewitfch Samoilowitsch, bekanntlich ein Jude, ist rn Südrußland rm Jahre 1880 geboren und hat in Freiburg rn der Bergakademie studiert. In fern Vaterland zurückgekehrt, betätigte er sich als Bergingenreur. 1908 wurde er von der „Ochranka", d. h. von der politischen Polizei, verhaftet und in das am Eismeer lregende Gouvernement Archangelsk in ein weit von der Eisenbahn gelegenes Dorf verbannt. Tort fing er feine Studrenarbeiten über den russischen Norden und dessen Bodenreichtümer an und veröffentlichte fein erstes, aussehenerregendes Wert über die berühmten Grotten von Pinega. Allmählich verbreitete er seine Forschungen immer weiter, beteiligte sich an verschiedenen Forschungsexpeditionen nach der Neuen Erde und der Insel Spitzbergen; dabei bewies er, daß er nicht nur ein tüchtiger Gelehrter, sondern auch ein hervorragender Organisator und Geschäftsmann sei. In Spitzbergen organisierte er dre Ausnutzung des Kohlenreichtums der Insel und lieferte während des Weltkrieges Kohlen für die Petersburger Industrie- Werke. Nach dem bolschewistischen Umsturz rm November 1917 kehrte er zu seinen Forschungsarbeiten im russischen Norden zurück. Unter der Leitung der russischen Akademie der Wissenschaften und mit Unterstützung des Obersten Rates oec Volkswirtschaft in Moskau organisierte er unter Mitwirkung von hervorragenden Gelehrten — Mineralogen, Historikern usw. — wissenschaftliche Forschungen im großen Stile. Seine vielseitigen Kenntnisse aus dem Polargebiet und fein hervorragendes organisatorisches Talent wurden setzt von oer Solvsetregierung bei der gefährlichen Unternehmung des „Krassin" ausgenutzt. Die Krebserkrankungen unter den Juden. In London fand in diesen Tagen ein internationaler Kongreß für Krebsforschung statt, dem hervorragende Autoritäten aus allen Ländern der Welt beiwohnten. Prof. Dr. Moses ^ourasky hielt ein Referat über Krebserkrankungen unter den Juden, das viel Beachtung gefunden hat. Den Kernpunkt des Problems bildete die Frage: Sind die Juden als Rasse m.il besonderen Merkmalen m Bezug auf Krebserkrankungen geaekennzeichnet? Der Referent bewies nach Anführung statistischer Angaben, daß die Juden als Rasse weder weder stischer Angaben, daß die Juden als Rasse weder für Krebs prädestiniert noch gegen Krebs immun sind. Wenn auch m einzelnen Fällen bei den Juden besondere Erscheinungen in Bezug aus Krebs-Erkrankung auftreten, wie z. B. die sehr geringe Erkrankung des männlichen Geschlechtsorgans, der Gebärmutter der Frau und zum Teil auch der Zunge, andererseits die hohe, fast relordmäßigen Krebsfälle von Magen, Darm und Eingeweiden, so ist dies eher auf die Lebensweise der Juden, die auf sehr hohem Niveau stehende sexuelle Hygiene bet den jüdischen Volksmassen zurückzuführen. Im Uebrigen beweisen die vergleichenden Zahlen, daß bei den Krebserlcantungen unter den Juden der geographische Faktor mehr als der Rasfen-Faktor eine Rolle spielt. Hier eine Nerhe von Zahlen der Krebserkrantungen in sechs Hauptstädten Europas bei Juden und Nichtjuden (auf 'je 100 000 der Bevölkerung): London Amsterdam Wien Berlin Warschau Leningrad Juden: 120,6 118,1 156,2 60 76 119,7 Nichts.: 139,5 127,8 151,6 47 89 103,6 Die hohen Ziffern der Krebsfälle in Magen und Eingeweiden bei den Juden und deren Ursache sind bis heute noch nicht geklärt. * (Moses, der größte Hygieniker.) Im Zusammenhang mit dem in diesen Tagen in London abgehaltenen Kongreß für internationale Krebsforschung veröffentlicht Tr. C. W. Saleeby in der „Daily News" emen Versammlungskalender Breslau. Jli „Abraham Geiger". Montag, den 30. Juli, abends 8.15 Uhr, Kurgarten, Kürassierstraße, zwangloses Beisammensein. Bei chlechtem Weller im kleinen Saal. Aussatz, in welchem er, anknüpfend an Dr. Souraskys Referat über Krebserkrankungen unter den Juden zu dem S.chlusse kommt, daß Moses der größte Hygieniker aller Zeiten war, indem die von ihm erlassenen Speise- und Reinlichkeitsgesetze rn der Vergangenheit und in der Gegenwart unzählige jüdische Männer und noch viel mehr jüdische Frauen vor Formen der Krebserkrankungen schützen, die die Körper ihrer nichtjüdischen Nachbarn zerstören. Der Jude aber, fährt Dr. Saleeby fort, und nicht weniger die Jüdin sind den Freuden der Tafel zugetan, sie essen zu reichlich. Die für Juden charatteristischen Krankheiten sind demgemäß übermäßige Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs des Nahrungstanals. Auffallend gering ist bei den Juden die Krebserkrankungen rn jenen Körperteilen, die Moses fte zu schützen lehrte. Aus den Gemeinden Berlin. (Staatssubventionen für die Landesverbände.) Amtlicher Bericht des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Bekanntlich ist cs den Bemühungen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gelungen, sür das Jahr 19 2 7 eine Erhöhung der Beihilfen des Staats für leist ungssch wache Synagogengemeinden zwecks Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht von 250 000 RM. auf 400 000 RM. zu erwirken. Diese Beträge werden bis auf eine geringfügige Rücklage, die das Ministerium einbehält, an die beiden preußischen Landesverbände zur Verteilung an die Synagogengemeinden ausgezahlt. Auf Grund der Erhöhung sind dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden sür 1927 insgesamt 333 000 RM. (gegenüber nur 183 000 RM. für 1926) überwiesen worden. — Der zur Verfügung gestellte Betrag ist zunächst dazu verwandt worden, die Gehälter der jüdischen Religionslehrer grundsätzlich mindestens auf die Höhe der Gruppe VII der alten Reichsbesoldungsordnung zu bringen. Soweit die Beamten infolge ganz besonders niedrigen Beschästigungsumfanges nur als nebenamtlich im Kultusdienst tätig angesehen werden konnten, sind Teilausbesserungen gewährt worden. — In einer ganzen Reihe von Fällen ist die Erhöhung der Lehrergehälter mit einer organisatorischen Neuregelung der religionsunterrichtlichen Versorgung der Gemeinden verbunden worden, und zwar in der Weise, daß verschiedene Gemeinden, die jede für sich nicht in der Lage gewesen wären, einem Beamten ausreichende Tätigkeit und Besoldung zu bieten, zu einem sogenannten „Lehrerbezirk" zusammengeschlossen wurden. Auf diese Weise ist cs erreicht worden, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen, in denen die Bemühungen des Landesverbandes an der ablehnenden Stellungnahme der betreffenden Gemeindeverwaltungen scheiterten, kein schulpflichtiges jüdisches Kind in Preußen den erforderlichen Religionsunterricht entbehren muß. — Schließlich ist über die Hälfte des vom Staat zur Verfügung gestellten Betrages dazu verwandt worden, besonders überlastete Gemeinden in den durch die Beschränktheit der Mittel gegebenen Grenzen zu unterstützen. Es ist hierbei grundsätzlich 30 o/o des Reichseinkommensteuer-Solls als Entlastungsgrenze festgesetzt worden. Leider haben die verfügbaren Gelder nicht ausgereicht, dieses Prinzip in vollem Umfange durchzuführen, vielmehr mußten in einer Reihe von Fällen Abstriche vorgenommen werden. Im übrigen war die Höhe der einzelnen Beihilfe auch durch den Betrag begrenzt, den die Gemeinde selbst für die Aufrechterhaltung des Religionsunterrichtes aufgewandt hat, da lediglich Beihilfen zu den Kosten des Religionsunterrichtes gewährt werden können. Der Durchschnittsbetrag, der pro Gemeinde verwendet wurde, ist folgender: 1926: 214 Gemeinden mit durchschnittlich 855,14 RM.; 1927: 290 Gemeinden mit durchschnittlich 1148,28 RM. Berlin. (Bevölkerungspolitische Statistik des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeind en.) Einer verdienstvollen Aufgabe unterzieht sich der Bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Er hat einen von dem bekannten Statistiker Dr. Theilhaber hergestellten Fragebogen an sämtliche jüdischen Gemeinden Preußens zum Versand gebracht, um im Interesse wissenschaftlicher Erforschung und bevölkerungspolitischer Auswertung die biologischen Verhältnisse der Juden klarzustellen. Die Beantwortung der Fragen und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse erscheinen als unerläßliche Voraussetzungen, um auf den verschiedenen Gebieten der Bevülkerungspolitik eine feste Grundlage zu gewinnen, insbesondere bei der Sorge für die einzelnen Altersgruppen sowie für die ehelichen und unehelichen Mütter, und bei allen anderen Fragen, die mit dem für die Erhaltung des Judentums zentralen Nachwuchsproblem zusammenhängen. Die Statistik ist möglichst einfach gehalten und verzichtet auf viele Fragen und Aufzählungen, deren Wert sicher groß wäre. Es wird aber angenommen, daß überall dort, wo es irgend möglich ist, noch besondere Untersuchungen angestellt werden, welche etwa das Alter der Heiratenden, der Väter, des Abstandes zwischen den einzelnen Geburten, Abwanderung und Zuwanderung der Jugendlichen und Erwachsenen, Schulbesuch, Mischehen usw. behandeln. Der Landesverband verhehlt sich nicht, daß, auch bei der vorliegenden Gestaltung des Fragebogens, besonders den größeren Gemeinden, gewisse Schwierigkeiten bei der Durchführung der Statistik erwachsen werden; allein bei der außerordentlichen Bedeutung der Sache glaubt der Bevölkerungspolitische Ausschuß doch ein lebhaftes Interesse aller jüdischen Kreise voraussetzen zu dürfen. Es wird sicherlich durch die Mitarbeit der Frauenvereine, studentischen und Jugendbewegungsgruppen usw. möglich sein, die gewünschten Unterlagen zu gewinnen. Die Zustimmung vieler Gemeindevorstände, Rabbiner, Lehrer und anderer in der Gemeindearbeit tätigen Personen läßt hoffen, daß sich in jeder Gemeinde eine oder zwei Persönlichkeiten oder eine kleine Kommission finden wird, um die Durchführung der Enquete zu überwachen. An die zentralen Rabbiner-, Lehrer- und Kantorenverbände und an die Frauenvereinigungen ist in dieser Angelegenheit besonders geschrieben und ihre starke Mitarbeit erbeten worden. Berlin. (K a n t o r e n f o r t b i l d u n g s k u r s u s.) In Berlin fand in der Zeit der großen Ferien ein Kantorenfortbildungskursus statt, der sich regen Zuspruches erfreute. Aus den verschiedensten Teilen des Reiches waren Kantoren erschienen, um ihr Wissen zu bereichern. Praktische Uebungen des Kantorats, die von Oberkantor Davidsohn geleitet wurden, wie auch stimmtechnische Momente, 1>ie Oberkantor Asch unterrichtete, zeigten, wie heilvoll für die Fortbildung der im Amt befindlichen Kantoren die Kurse sind. Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy hielt Vorlesungen aus der Gebet-Literatur, während in diesem Jahre zum ersten Male für die Praxis des Kantors und für soziale Momente der bekannte Senior Deutscher Kultusbeamtcr, Prediger Lion Wolfs, wertvolle Anregungen gab. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wie auch die Berliner Jüdische Gemeinde brachten der Veranstaltung reges Interesse entgegen. Diese Kantorensortbildungskurse haben sich seit Jahren bewährt; es wäre wünschenswert, wenn der im Entstehen begriffene „Reichsverband" der Institution sein Interesse zuwenden würde, damit eine größere Zahl deutscher Kantoren jene bedeutsame Anregung für ihren Beruf empfängt, die die Teilnehmer in diesem Jahre wieder mitgenommen hat. STOliWERO( iDoh Ifchmc cke nd. =, nakrhuft. Berlin. (Todesfal l.) Dr. Arthur Kahn, der Senior der gesetzestreuen Juden Berlins, ist im 78. Lebensjahre verstorben. Seine Verdienste um die Berliner Judenheit sichern ihm ein ehrenvolles Andenken. Sein Wirken in der Chewra Kabischa, deren Wiederbegründer er war, sowie seine Tätigkeit im Bodenkulturverein bleiben unvergeßlich. — Als feingeistiger Schriftsteller ist er »veit über Berlin hinaus bekannt. Berlin. (Gottesdien st im Friedenstcmpel.) Nachdem, wie in der vorigen Woche gemeldet, der Friedenstempel von der Gemeinde übernommen worden ist, finden dort die Freitagabend- und Sabbat-Vormittag-Gottesdienste zu den gewohnten Zeiten statt. In der Beamtenfrage ist das Provisorium getroffen worden, daß vorläufig Herr Dr. Prinz als Prediger fungiert. Berlin. (Dringende Warnung!) Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge warnt vor Friedrich Noteles, geb. 18. 9. 1900 zu Nikolsburg, der sich zu Unrecht „Rabbiner" und „Doktor" tituliert und unter der Angabe, er sei in Kopenhagen Rabbiner und befände sich in momentaner Notlage, es versteht, bei deutschen Rabbinern größere Beträge zu erschwindeln. Im öffentlichen Interesse wird vor jeder weiteren Unterstützung des Noteles dringend gewarnt. Danzig. (Ernennung.) Der Gemeindevorstand hat Herrn Bernhard Alt den Titel eines Oberkantors verliehen. Herr Oberkantor Alt fungiert als Vorbeter neben seinem älteren Amtskollegen Herrn Oberkantor Jacob Meisel. Elberfeld. (Rücktritt von Oberkantor Zivi.) Nach 40 jähriger Amtstätigkeit, wovon mehr als 30 Jahre auf die Gemeinde Elberfeld entfallen, wird der Oberkantor Hermann Zivi am 1. August a. c. in den Ruhestand treten. Zivis Bedeutung als Kantor und als Musiker ist der Öffentlichkeit bekannt. Die Gemeinde beabsichtigt ihm zu Ehren einen Abschieds-Festgottesdienst zu veranstalten. Zivis Nachfolger im Kantorat wird der bisherige Kantor und Lehrer, Herr Gustav S u ß m a n n; um die im Lehreramt entstehende Lücke auszufüllen, wird ein zweiter Rabbiner von der Gemeinde berufen werden. Wie wir hören, wird Herr Zivi seinen Wohnsitz in Elberfeld behalten, um sich weiterhin insbesondere den Standesinteresscn der Kantoren zu widmen. Hermann Zivi ist den Lesern unseres Blattes durch Beiträge bestens bekannt. Er spielt auch im Liberalismus als Mitglied mehrerer liberaler Körperschaften eine nicht unbedeutende Rolle und ist unserer Ortsgruppe Elberfeld stets ein Freund und Förderer gewesen. Hamburg. (Von der Universität.) 'An den durch den Tod des Philosophen Scheler verwaisten Lehrstuhl der Universität Frankfurt a. M. war der bekannte Schüler des Altmeisters Hermann Cohen, Pros. Dr. Ernst Cassirer - Hamburg, berufen worden. Cassirer hat sich nunmehr entschlossen, dem Ruse nicht zu folgen. Er bleibt damit Hamburg und seinem Kreis erhalten. Im Wintersemester 1928/29 liest Pastor Windfuhr in öffentlicher Vorlesung wöchentlich einstündig an der Universität Hamburg über „Die Juden als Kulturvermittler im Mittelalter". Hannover. (Fünf Generationen.) Der Hannoversche Anzeiger vom 22. Juli berichtet: „Unsere Mitbürgerin, Frau Fanny Neuberg, Podbielskistraße 344, konnte vor einigen Tagen das seltene Ereignis feiern, Ururgroßmutter zu werden. Dabei waltet noch ein nettes Zahlenspiel mit. Die seltener geistiger und körperlicher Frische sich erfreuende Ururahne ist 88 Jahre alt, die ebenfalls Podbielskistraße 344 wohnende Urgroßmutter Frau Jda Danziger, noch immer eine eifrige Turn- und Schwimmsportlerin, 66 Jahre, die Großmutter 44 Jahre und die Mutter 22 Jahre alt. Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige." Kassel. (Persönliches.) Im 80. Lebensjahre verstarb hier der Privatmann Otto Ehrenberg, der sich seit einem Vierteljahrhundert auf verschiedenen Gebieten gemeinnütziger Betätigung hervorragende Verdienste um die Allgemeinheit erworben hat. Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.) Wir machen unsere Mitglieder daraus aufmerksam, daß der Eintritt zur Tagung des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum für unsere Mitglieder und deren Angehörige nur gegen namentlich ausgestellte- Karten möglich ist. Wir bitten um recht baldige Meldung derjenigen Mitglieder in unserem Büro, Wilhelmstraße 147. die eine oder mehrere Karten wünschen. Gleichzeitig bitten wir um Adressenaugabe sür Privatquartiere sür in- und ausländische Delegierte. Aus der Bewegung ★: Zehuda Halevi Von Joseph Kauffmann. Ja, er war ein großer Dichter, Stern und Fackel seiner Zeit, Seines Volkes Licht und Leuchte, Eine wunderbare, große Feuersäule des Gesanges, Tie der Schmerzenskarawanc Israels vorangezogen In der Wüste des Exils. Rein und wahrhaft sonder Makel War sein Bild, wie seine Seele — Als der Schöpfer sie erschaffen, Diese Seele, selbstzufrieden Küßte er die schöne Seele, Und des Kusses holder Nachklang Lebt in jedem Lied des Dichters, Das geweiht durch seine Gnade. Mit diesen Worten schildert Heinrich Heine den größten Dichter, den uns die Glanzzeit der spanischen Epoche gebracht hat. Weit ragt sein Dichten und Schaffen über Alles hinaus, was in der Judenheit seit den Zeiten, in denen die Psalmen entstanden, bis in die. Neuzeit aus Dichtermund erklungen ist. In seiner Jugend sang er von Liebe und Freude, von Wein und Lebenslust, sah die Blumen sprießen und die Früchte glänzen, fühlte das Säuseln der Lüfte, hörte die Vöglein singen. Bald aber galt sein ganzes Singen und Wirken nur noch dem Ausdruck seiner r"-qiösen Gefühle, um zuletzt sich ganz der Trauer um die Berga, -eit, der Sehnsucht nach dem Wiederaufleben der geträumten früheren Herrlichkeit seines Stammes und dessen Mittelpunkt, Zion, zuzuwcnden. Viele Jahrhunderte waren verrauscht, in denen keine Seele mehr an eine besondere Heilig-