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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-20 · 29 (20.7.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
29 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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s. Jahrgang Nummer 29 Vellage 20. Juli 1920 FMjrhÄeraleZeitilW Vorbereitungen zur Jüdisch-liberalen Wellkonferenz Einladungen an die Ortsgruppen Im Laufe der vorigen Woche ist an unsere sämtlichen Ortsgruppen-Vorstände im Reich ein Einladungsschreiben herausgegangen, in dem mitgeteilt wird, daß alle unsere Mitglieder eingeladen sind. Wir hoffen, recht zahlreiche Anmeldungen aus allen Teilen des Reiches zu erhalten. Anmeldungen und Einlatzkarlen Für sämtliche Veranstaltungen, die im Rahmen der Tagung stattfinden (mit Ausnahme der Festgottesdienfte), werden besondere, auf den Namen des Inhabers lautende Einlaßkarten ausgestellt (lt. Vorschrift der Verwaltung des ehem. Preuß. Herrenhauses). Sofern unsere Vorstandsmitglieder, Delegierten und Mitglieder mit Familienangehörigen zur Tagung erscheinen wollen, bitten wir um namentliche Anmeldung jedes einzelnen Teilnehmers. Die Anmeldungen sollen möglichst bis zum 31. Juli in unserem Besitz sein; natürlich werden wir später eingehende Anmeldungen, soweit möglich, berücksichtigen, machen indessen auf die beschränkte Platzanzahl im Herrenhaus sowie auf die bereits sehr zahlreich vorliegendenAnmeldungenaufmerksam. Sehr herzlich möchten wir darum bitten, uns keine Briefe zu schreiben, in denen die „voraussichtliche Teilnahme" angemeldet wird. Wir können nur definitiv e Anmeldungen entgegennehmen und können auch keine Eintrittskarten reservieren. Die Zustellung der Einlaßkarten erfolgt etwa am 10. August brieflich. Privatquartiere An Privatquartieren fehlt es uns noch sehr. Die wenigen, die uns bisher zur Verfügung gestellt wurden, reichen noch nicht einmal zur Unterbringung der ausländischen Delegierten aus. Es wird daher kaum möglich sein, die vielfachen an uns gelangten Bitten um Privatquartier für Nichtdelegierte Gastteilnehmer aus dem Reiche zu erfüllen. Jedem Teilnehmer wird dringendst empfohlen, für feine Unterbringung selber rechtzeitig Sorge zu tragen. Unsere Berliner -Mitglieder und Freunde bitten wir um Bereitstellung von kostenlosen Privatquartieren und nehmen diesbezügliche Anmeldungen dankbar entgegen. Bereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin SW. 48, Wilhelmstraße 147. Begründung des «Vereins jüdische Presse" Im Sitzungszimmer der Synagoge Fasanenstraße fand im Anschluß an den Aufruf des Komitees jüdischer Journalisten zur Begründung eines Verbandes jüdischer Journalisten am Montag, 9. Juli eine Besprechung statt. An ihr nahmen eine Anzahl an jüdischen Zeitungen tätiger Journalisten Berlins teil. Wie der Leiter der Besprechung, Kreindler, mitteilte, find fowohl aus dem Reiche wie aus Berlin eine Anzahl Beitrittserklärungen eingegangen, die eine gedeihliche Entwicklung des Vereins erhoffen lassen. Bei allen Anwesenden bestand Uebereinstimmung darüber, daß die Gründung einer Organisation, welche die Wahrung der Berufs¬ und Standesinteressen der an der jüdischen Presse tätigen Journalisten zur Aufgabe hat, ein dringendes Erfordernis ist. In eingehender Aussprache wurde eine Reihe von Aufgaben der Organisation skizziert, wobei festgestellt wurde, daß aufnahmefähig lediglich an jüdischen Zeitungen tätige Journalisten sind, die in einem festen Vertragsverhältnis zu einer jüdifchen Zeitung stehen. Auch die in Deutschland tätigen Vertreter ausländischer jüdischer Zeitungen, soweit sie in einem festen Vertragsverhältnis zu diesen Zeitungen stehen, sollen in die Organisation einbezogen werden; ebenso sollen die Redakteure an Gemeindeblättern, auch wenn sie nicht im Hauptamte Journalisten sind, bei denen aber die sonstigen Voraussetzungen vorliegen, ausgenommen w/rden. Nach kurzer Aussprache wurde beschlossen, den Namen „Verein Jüdische Presse" zu wählen. Zur Leitung der weiteren Arbeiten wurde ein provisorischer Vorstand eingesetzt, dem die Herren Leo Kreindler, Bruno Woyda, Michael Wurmbrand und Hermann Swet angehören. An die an den jüdischen Zeitungen Deutschlands tätigen Journalisten, an die Redakteure der Gemeindeblätter und an die Vertreter ausländischer jüdischer Zeitungen in Deutschland ergeht nunmehr die Aufforderung, sich umgehend dem „Verein Jüdische Presse", soweit dies noch nicht geschehen ist, anzuschließen. Beitrittserklärungen sind an Herrn Leo Kreindler, Berlin W15, Pfalzburger Straße 10, zu richten. Sobald der Entwurf einer Satzung, mit dessen Ausarbeitung der provisorische Vorstand beauftragt wurde, vorliegt, wird die Einberufung einer Sitzung erfolgen, in der die weiteren Maßnahmen, insbesondere die Wahl eines endgültigen Vorstandes, beschlossen werden sollen. deren Mützen der Wärter Hakenkreuze gesehen haben will, die im Begriffe waren, die Mauer zu übersteigen. Es gelang ihm, einen der Eindringlinge au fassen und gründlich zu verprügeln. Als dessen Kumpane Mühe machten, den Friedhofswärter anzugreifen, zog dieser einen Revolver. Daraufhin verließen die Kerle fluchtartig den Ort. Leider sind sie spurlos verschwunden, und es ist bisher hier ebensowenig wie am Bonntor geglückt, die Namen der Täter festzustellen. Umschau Zweierlei Maß. (Den Keren-Hajessod-Leuten ins Stammbuch.) Man erinnert sich an die häufigen Angriffe, die gegen die Gegner des Zionismus erhoben wurden, sobald diese wagten, von dem neutralen Keren Hajessod zu behaupten daß er indirekt dem Zionismus diene. Das ist natürlich, so konnte man in allen zionistischen Blättern lesen, ausgeschlossen; der Keren Hajessod ist streng neutral, und dem Zionismus kommt durch diesen Fond und seine Stärkung nichts zugute. Zwar las und hörte man es auf Zionistenkongrefsen anders, da hieß es immer, der Keren Hajessod leistet wertvolle zionistische Arbeit; aber nichtsdestoweniger möchte man natürlich für die nichtzionistische Oeffentlichkeit die Fiktion seiner Neutralität aufrechterhalten. Man sucht sogar, sie mit Zahlen zu beweisen, und macht rechnungsmäßige Aufstellungen, fest überzeugt, daß die große Masse sie nicht lesen würde. — So weit die zionistische Neutralität. Wie stellt man sich nun aber dazu, wenn auch einmal Zionistengegner Fonds schaffen, zum Beispiel einen neutralen Abwehrfonds gegen den Judenhaß? Die Antwort auf diese Frage gibt folgende Briefkastennotiz der zionistischen „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" Nr. 28 vom 13. Juli: „Leser der C. V. - Z e i t u n g. Die Notiz in der letzten Nummer der C. V.-Zeitung, wonach „die Angriffe der Jüdischnationalen gegen die Beitragsleistungen von Gemeinden an den C. V. jeder Grundlage entbehren, da beim C. V. längst ein Fonds zur Abwehr von Angriffen gegen die Lehren des Judentums besteht, den alle Beiträge neutraler Körperschaften, wie Gemeinden usw., zugesührt werden", ist uns nicht entgangen. Wir teilen natürlich Ihren Standpunkt, daß, wenn eine Fondstrennung überhaupt möglich sein sollte, der C. V. eigene Mittel, die er sonst diesem Abwehrkampfe widmen müßte, auf diese Weise für den Kampf gegen Zionismus und Palästinaaufbau freibekommt, also letzten Endes die neutralen Gemeinden indirekt diesen innerjüdischen Kampf mitfinanzieren. Bei einigermaßen logischem Vorgehen hätte der Schreiber der Notiz zu dem gleichen Ergebnis kommen müssen." So weit sehr schön. Hat aber der zionistische Verfasser dieser Briefkastennotiz gar nicht bemerkt, daß sich der ganze Inhalt seiner Ausführungen sinngemäß auf Zionismus und neutralen Keren Hajessod anwenden läßt? Man sollte nicht immer mit zweierlei Maß messen; man sollte nicht für sich eine Neutralität in Anspruch nehmen, die man dem Gegner nicht glaubt. Wir sind niemals Freunde solcher verschwommenen Neutralität gewesen und wissen, daß reinliche Scheidung rn jeder Hinsicht das Klarste, Sauberste und Beste ist. Und wenn es einmal wieder um den Keren Hajessod geht, wollen wir an diese Briefkastennotiz erinnern. Die Verteilung der Konfessionen im Reichstag. Unter der Ueberschrift „Die Weltanschauungen im Reichstag" entwirft der Abgeordnete Hofmann-Ludwigshafen in der „Kölnischen Volkszeitung" ein Bild des neuen Reichstages in konfessioneller Beziehung. Danach sind die protestantischen Mitglieder in ihrer überwiegenden Mehrheit bei den Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und den Demokraten zu finden und bilden zwei Drittel der Wirtschaftspartei. Die Katholiken sind in geschlossener Einheit beim Zentrum und der Bayerischen Volkspartei vertreten, während die Dissidenten (ohne konfessionelles Bekenntnis) die große Mehrheit der Sozialdemokraten und Kommunisten ausmachen. Zum jüdischen Glauben bekennen sich zwei Demokraten (Dr. Ludwig Haas und Prfesosor Georg Bernhard) und zwei Sozialdemokraten, doch sind unter dm sozialdemokratischen Dissidenten noch 12 Mitglieder jüdischer Abstammung. Rückgang der deutschen Sprache in Palästina. Die Frankfurter Zeitung „Der Israelit" bringt eine Korrespondenz aus Jaffa, in der der Rückgang der deutschen Sprache im heiligen Lande beklagt wird. Vor dem Kriege nahm die deutsche Sprache in Palästina die erste Stelle ein, da damals die deutsche Judenheit in der jüdischen Welt dominierend war. Hiermit harmonierte die Stellung Deutschlands im Konzern der Weltmächte. In den Schulen wurde in der deutschen oder in der französischen Sprache unterrichtet/ je nachdem, ob eine der in Deutschland domizilierenden jüdischen Organisationen, wie der Hilfsverein der deutschen Juden, oder die Alliance Jsraelite Universelle in Paris die Verantwortung für das Budget trugen. Selbst die Söhne der arabischen Notabeln lernten deutsch. Auch die Handelsbeziehungen Palästinas tendierten damals nach .Deutschland. Heute ist Englisch gleich den beiden Landessprachen Hebräisch und Arabisch die offizielle Sprache. Die politische Führung der nur nationaljüdisch orientierten Schichten liegt heute in den Händen von Männern, die die englische Sprache beherrschen, z. B. die zionistische Exekutive. Wohl wird die deutsche Sprache in der Form des Jargon der Ostjuden im Familien- und Verkehrsleben des größten Teiles der palästinensischen Judenheit noch gesprochen; sie hat aber nur noch eine Existenz der Duldung. Versuch einer neuen Friedhofsschändung in Köln Die Erregung über die von uns in der vorigen Woche gemeldete Friedhofschändung am Bonntor hat sich noch nicht gelegt, und schon wird ein neuer Versuch zu einer Zerstörung' gemeldet. Dieses Mal hatten es die Burschen auf den jüdischen Friedhof der ehemaligen Synagogengemeinde Köln-Ehrenfeld abgesehen, der nach der Ehrenfeloer Seite hin in unmittelbarer Nähe des Melatener Friedhofes gelegen ist. Dank der Wachsamkeit des Friedhofwärters vermochten die Rohlinge ihr Vorhaben nicht auszuführen. Hierzu wird uns folgendes berichtet: Der Friedhosswärter bemerkte in den späten Abendstunden ein verdächtiges Geräusch an der Friedhofsmauer. Als er näherkam, fand er eine Reihe junger Burschen, an Ausländische Rabbinerlagungen Amerika. (ReligiösesLeben.) Die in Long Branch in diesen Tagen abgehaltene 28. Jahresversammlung der Rabbinical Assembly, die den konservativen Flügel des amerikanischen Judentums repräsentiert, wohnten etwa 100 Rabbiner, meist graduierte des Jewish Theological Seminarh of America, bei. Ter Präsident der Assembly, Rabbiner Max Drob, erklärte in seiner Eröffnungsansprache, das amerikanische jüdische gemeindliche und religiöse Leben mache nach dem Aufschwung der Kriegs- und Naäykriegsperiode, der in dem Bau neuer Synagogen und Gemeindezentren zum Ausdruck kam, nunmehr eine Periode der Ermattung durchs Alle Pläne für einen Zusammenschluß der Judenheit der Welt werden beiseite gestellt, nur die unmittelbaren Bedürfnisse der lokalen Gemeinden finden noch einiges Interesse. Es wird ein harter Kampf notwendig sein, um die in der Periode der Nachkriegsbegeisterung gewonnenen geistigen Werte au erhalten. — Im Verlaufe einer vom Präsidenten der Jewish Theological Seminary, Dr. Cyrus Adler, geleiteten Aussprache teilte Rabbi F. Landesman aus Brooklyn die Ergebnisse einer von ihm veranstalteten Expertise über den Umfang des Synagogenbesuches mit. Im allgemeinen ist der Synagoaenbesuch im Wachsen. Etwa 20 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten wohnen mindestens einmal in der Woche dem Gottesdienst bei. Von den Kongregationen, die zur Expertise herangezogeul worden sind, sind 40 Prozent orthodox, 30 Prozent konservativ und 30 Prozent liberal-reformistisch. Rabbi Louis Finkelstein hielt einen Vortrag über das Thema: „Kann Maimonides uns heute noch Führer sein?" Er kam zu dem Schlüsse, daß die Formel von Maimonides für jüdische Gesetzes-Jnterpretation noch heute gültig sei. Rabbi Dr. Mordechai M. Kaplan beschloß die Aussprache mit einem Vortrag über „Judentum und Zivilisation". (Gegen die Judenmission.) In diesen Tagen wurde in Amerika die 39. Jahresversammlung der Zentral-Konferenz amerikanischer Rabbiner (Reform-Rabbiner) abgchalten. Rabbi Solomon Foster, der Präsident der Synagogen Council os America, wies auf die Gefahren der christlichen Missionstätigkeit unter den jüdischen Schulkindern hin und betonte die Notwendigkeit energischer Gegenmaßnahmen, die sich nicht auf Proteste gegen die Missionskörperschaften beschränken, sondern darauf Hinzielen sollen, die jüdischen Kinder in der Weise gegen die geistige Infizierung zu festigen-, daß man ihnen das jüdische Bewußtsein stärkt. Auf Vorschlag des Präsidenten der Konferenz, Rabbi H. G. Enelow, wurde beschlossen, der christlichen Missionstätigkeit unter den Juden ein eingehendes Studium zu widmen. Frankreich. Im großen Saale des Israelitischen Konsortiums wurde in diesen Tagen die Generalversammlung des Verbandes französischer Rabbiner abgehalten. Es erschienen mehr als 40 Oberrabbiner und Rabbiner aus allen Teilen Frankreichs; den Vorsitz führte der Grand Rabbin des Zentral-Konsistoriums Israel Levi. Der Großrabbiner gedachte in seiner Eröffnungsansprache der seit der letzten Generalversammlung verstorbenen Kollegen: Oberrabbiner D. Haguenau- Paris, Rabbiner Julian Weil, der aus dem Elsaß nach Dijon kam, und Rabbiner Elie Kahn, der seinen Posten in Paris verlassen hatte, um die jüdische Gemeinde in Bone, Algerien, zu leiten, und der sich dort die allgemeine Achtung in einem! Maße erworben hatte, daß die Stadtgemeinde eine Straße nach ihm benannte. Er bewillkommnete sodann drei neue Kollegen: den Oberrabbiner von Constantine M. Esenbeth und die Rabbiner Paul Bauer und Salzer, die eben erst die Ecole Rabbinique absolviert haben. A. Manuel referierte über die Frage der Rabbiner-Pensionen und stellte den Antrag, daß für jeden Rabbiner von seiner Amtsiwernahme an eine gemischte Versicherung eingegangen werde, deren Prämien von dem Versicherten, der Gemeinde und dem Zentral-Konsistorium gemeinsam entrichtet werden. Der Vorsitzende berichtete sodann über den Plan der Schaffung eines Rabbiner-Handbuchs, das eine Sammlung der an Sabbath- und Festtagen sowie bei anderen Gelegenheiten auf französisch gesprochenen Gebete sowie die Texte der Gesetze und Verordnungen rabbinischer und gemeindlicher Provenienz enthalten soll. Der Plan wurde gebilligt und der Grand Rabbin mit der Verwirklichung desselben betraut. Eine Redaktions-Kommission wurde zur Sammlung und Redigierung der Texte der Lektüre und Gebete für Trauernde eingesetzt. Die Versammlung stellte sodann eine Liste alter und neuer Gebete in französischer Sprache auf, die für die verschiedenen Sabbathe des Jahres bestimmt sind; eine Kommission zur Redigierung und Auswahl der Texte wurde eingesetzt. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Frage, ob der Rabbiner dem Verwaltungsrat seiner Gemeinde angehören darf. Es wurde darauf hingewiesen, daß im Elsaß und in Lothringen die Rabbiner den Verwaltungskommissionen der Gemeinden nicht angehören. Die Versammlung kam jedoch zu dem Beschlüsse, daß es im religiösen Interesse zu wünschen sei, daß der Rabbiner Ratsmitglied ohne Votumsberechtigung sein solle. In den Rat des Rabbiner- Verbandes wurden gewählt: Nathan Levy, M. Liber und A. Manuel. Die letzten «judenfreien" Städte im Reich Bon A. S t r u k a t. Es ist erstaunlich, mit welcher Zähigkeit sich mittelalterliche Ueberbleibsel, die schon damals unbegründet waren, bis in die neueste Zeit hinübergevettet haben. Dazu gehören auch die s. Zt. einzelnen Städten verliehenen Privilegien de non tolerandis judacis, d. h. die Rechte, jüdischen Staatsbürgern das Wohnrecht in der betreffenden Stadt zu verbieten. Solche Rechte bestanden, wie es auch nicht anders zu erwarten war, noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts in den ehemals polnischen Landesteilen, besonders der Provinz Posen, die in der Zeit zwischen 1807 und 1815 wieder polnisch wurden, um dann für ein Jahrhundert in den Besitz des preußischen Staats zurück zu gelangen. Die preußische Regierung fand im Jahre 1815 eine solche heillose Verwirrung auf allen Gebieten vor, daß der unentschlossene Minister des Innern, Schuckmann, nicht wußte, wo er zuerst angreifen sollte und es der Zeit überließ, Ordnung zu schaffen. Erst auf Veranlassung Flottwells griff Minister Brenn, der Nachfolger Schuckmanns, ein und schuf durch das Judenreglement vom 1. Juni 1833 ein Uebevgangsstadium, um der jüdischen Bevölkerung diejenigen Rechte zu geben, die andere Staatsbürger auch besaßen. Zu diesen Rechten gehörte auch das Nieüerlassungsrecht und der Erwerb von Grundstücken seitens der Juden. Die Regelung dieser Angelegenheit hatte man bisher im allgemeinen den Städten überlassen, ohne diesen viel hineinzureden. Dabei ist es nicht zu verwundern, wenn manche in früheren Zeiten den Beschluß gefaßt hatten, israelitische Einwohner in ihren Mauern überhaupt nicht zu dulden. Die südpreußische Regiemng hatte nach längeren Ermittelungen, die schon 1797 begannen, durch Verordnung vom 6. Februar 1802 die Durchführung jener kommunalen Beschlüsse untersagt. Das Land wurde aber nach fünf Jahren polnisch, und als die preußischen Behörden im Jahre 1815 chre Tätig-

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