Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613975--2781-2620292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

8. Jahrgang Nummer 28 Beilage 13. Iuli 1928 IMchGerakZelkmg Sprechsaal ftfir diele Rubrik übernimmt die Schriftlettung lediglich die preßü gesetzliche Verantwortung. Ein offenes Wort zur Kantorenfrage Der aus Leipzig stammende und in Nr. 25 der Jüdischliberalen Zeitung vom 22. Juni veröffentlichte inoffizielle Bericht über die „Tagung des Allgemeinen Deutschen Kantoren - Verbandes" enthält zum Schluß einen Passus, der in hohem Maße betrübend, der aber leider wahr ist . Es heißt da: „Mit Bedauern jedoch mußte konstatiert werden, daß trotz aller Bestrebungen des Verbandes, den Stand in jeder Beziehung zu heben, die 'altererbte Geringschätzung der Männer, denen man eins der höchsten Aemter des Judentums anvertraut, noch immer nicht ganz geschwunden ist. Noch immer kommt es vor, daß selbst die Verbandsleitung auf Anfragen, Eingaben und dergl. von prominenten Persönlichkeiten, großen Gemeinden und sonstigen Körperschaften keiner Antwort gewürdigt wird." In Wirklichkeit stehen wir vor keinem Rätsel, wenn wir von Zeit zu Zeit es erleben müssen, daß eine gewisse Geringschätzung unserem Stand gegenüber da und dort immer noch platzgreift. Kann es denn anders sein, als so, wie es leider in vielen Fällen noch ist, so, daß von einzelnen Erscheinungen aus gern verallgemeinert wird? — Kann es denn anders sein, wenn es heute noch Gemeinden gibt, die aus allerlei anderen Berufen, die ehemalige Opernsänger und Artisten als „Kantoren" anstellen? Kann es denn anders bei uns aussehen, wenn der letzte Rettungsanker irgend eines solchen Stimmbegabten immer noch hinreichenden Boden findet, um einer jüdischen Gemeinde „Kantor" zu sein? — So etwas dürfte auch bei uns Juden nicht Vorkommen. Sache einer korrekten Einstellung müßte es auch vielmehr für die jüdischen Gemeinden sein, nur solche Leute anzustellen, die auf ordnungsmäßigem Borbildungswege das geworden sind, wozu man sie gebraucht. Der Kantorenverband wird darum nicht rasten und nicht ruhen, bis die Zeit gekommen sein wird, in der es auch bei der Anstellung des „Kantors" für selbstverständlich gilt, seinen Werdegang und die Berechtigung, sich „Kantor" nennen zu dürfen, dokumentarisch nachzuweisen. Solange aber diese Amtsbezeichnung in den Augen der Gemeinden für vogelfrei erklärt wird, kann es nicht ausbleiben, daß die Autonomie der Gemeinden es fertig bringt, dem kantoralen Amt gegenüber und somit auch gegenüber seinem Träger zu machen, was sie will. Das sind unhaltbare Zustände, deren Abstellung das schnellste Tempo erheischt. Natürlich gibt es in dieser Beziehung auch anständige Gemeinden, die sehr wohl wissen, auch dem Kantorenstande gegenüber höflich zu sein, und die darüber hinaus wissen, daß er ein im Aufstieg begriffener Stand ist, der sein Ziel nur deshalb so schwer zu erreichen vermag, weil er durch die unliebsamen Elemente, die er immer noch in seiner Mitte beherbergt, fortgesetzt daran gehindert wird. Der Kantorenberuf ist kein „freier Beruf", wie z. B. der Beruf des Opern- und des Konzertsängers; er ist auf „amtliche" Qualifikationen genau so angewiesen, wie der Beruf des Rabbiners und des Lehrers. Und darauf müßten sich die Gemeinden endlich einmal besinnen, wenn sie sich nicht für die Dauer ins Unrecht setzen wollen. Nun soll man aber ja nicht meinen, daß an dem verminderten Ansehen, das viele Kantoren genießen, und mit dem sie dann den ganzen Stand belasten, die Gemeinden allein die Schuldigen seien. Keiner weiß es besser als wir selbst, welch widerliche Unarten in unserem Berufe zuhause sind. Ekelhafte Speichelleckerei und untertänigste Kriecherei vor den Machthabern der Gemeinde, und eine Katzenbuckelei vor jedem, der die Gnade und die Herablassung besitzt, mit dem „Herrn Kantor" auch einmal außerdienstlich zu verkehren. Solche Charaktere sind nicht selten, sie sind wie die Quallen, ohne Rückgrat und ohne Knochen. Sie sind heute s o und morgen s o, während ein mit wirklichem Charakter ausgestatteter Mensch auch vor Königsthronen den nötigen Männerstolz und Mut besitzt; er ist h e u t e so und morgen so, selbst auf die Gefahr hin, mit ehrlicher Offenheit und männlicher Gesinnung auch einmal anzustoßen: im Gegensatz zu jenen gesinnungslosen Existenzen, die es nicht wagen, eine eigene Meinung zu haben, es sei denn, daß sie mit der Meinung des anderen zufällig übereinstimmt. Vielfach sind sie dann noch Geldempfänger wie die Schnorrer, und vor solchen Menschen sollen die Gemeinden Respekt haben! — Ganz undenkbar. Solche Menschen sind auch uns zuwider, und die Gemeinden haben recht, wenn sie sich ihren Vers darauf machen. Nur darf es nicht so kommen, wie es leider vielfach geschieht, indem man verallgemeinert und den ganzen Stand darunter leiden läßt. Die 'Erkenntnis von der hohen Bedeutung des kantoralen Amtes und der Wichtigkeit dessen, was der mit Wissen und Können ausgestattcte Kantor einer Gemeinde zu sein hat, muh in Zukunft von beiden Seiten, Vonseiten der Gemeinden wie vonfeiten der Kantoren, derjenige Grradmesser sein, dessen unbestechliche Auswirkung dahin führt, daß man sich endlich beiderseits auf sich selbst besinnt. Indem aber die Gemeinden würdige und beruflich gut vorgebildete Kantoren anstellen, werden solche Kantoren in der Lage sein, ihrem Stande zur Ehre zu gereichen. Dann wird man nicht mehr Klage darüber zu führen haben, daß prominente Persönlichkeiten, große Gemeinden und sonstige Körperschaften den Kantorenstand ignorieren. Die ganze Misere mußte aber einmal rücksichtslos aufgedeckt werden. Hermann Zivi, Elberfeld. Was der Berliner Gemeindevorstand zur Hebung des Synagogenbesuches tut Unzählige Kommissionssitzungen haben schon in der Berliner Jüdischen Gemeinde stattgefunden, um zu überlegm: „Was können wir zur Hebung des Synaaogenbesuches tun?", „Wie können wir besonders unseren Kindern den Sinn und das Bedürfnis für die Weihe des Gottesdienste beibringen?" Einige Freunde dieser Bewegung setzen sich freudig dafür nn, veranlassen Freunde und Bekannte, die Ansetzung des Gottesdienstes sorgsam zu studieren, und nur unser Gemeindevorstand resp. die dazu vorhandene Einrichtung kümmert sich herzlich wenig um dieses Interesse, welches wenigstens noch bei einigen Gemeindemitgliedern vorhanden ist. Wie wenig man sich dort im hohen Rat um den festgesetzten, Gottesdienst kümmert, mag folgendes ErlÄnis schildern: Seit 'Tagen versprach ich meinem achtjährigen Töchterchen, daß sie gemeinsam mit den Eltern den nächsten Jugendgottesdienst besuchen dürfe. Sie dürfe sich auch Freundinnen einladen, mitzukommen, nachdem wir im Gemeindeblatt gelesen hatten, daß am Sonnabend, den 30. Juni, 4 Uhr nachmittags in der Synagoge Fasanenstraße ein Jugendgottesdienst abgehalten würde. Um ganz sicher zu gehen, telephonierten wir nochmals im Gemeindebüro an, um die beruhigende Gewißheit zu erlangen, daß zur festgesetzten Stunde der Jugendgottesdienst in der Fasanenstraße sein wird. Wir ließen uns auch trotz des schönen Sommerwetters, welches naturgemäß viel mehr zum Spazierengehen als zum Verweilen im geschlossenen Raum eingeladen hatte, nicht verleiten, den für uns und die Kinder weiten Weg zur Fasanenstraße zu sparen, und trafen auch dort noch eine Schar anderer munterer Jungens und Mädels, denen man die Freude an dem Synagogenbesuch schon von weitem ansah. Hier wurden wir jedoch plötzlich enttäuscht, als die Synagoge in der Fasanenstraße absolut fest geschlossen blieb, und sich anscheinend überhaupt niemand darum kümmerte, daß hier ein Gottesdienst angesetzt sei. Zu uns gesellte sich noch ein jüdischer Lehrer, der uns erklärte, daß er wiederum auf diesen Gottesdienst aufmerksam gemacht fei, und er deswegen auch seine Jungens zum Besuch dieses Gottesdienstes angehalten hätte und auch persönlich mitgekommen wäre. Wir entdeckten schließlich in der Fasanenstraße des Hausmeisters Töchterlein, die uns erklärte, es sei keiner da und Jugendgottesdienst wäre auch nicht, ihnen sei nichts gesagt. Auf unseren ganz ver- Sendet den fSMge« Beitrag Ar das 3. Quarta! 1928 in Höhe von Mk. 2,50 auf >as Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin Rr. 137 089 eia. wunderten Einwand, es sei doch überall angekündigt, und die Kinder kommen doch auch von allen Seiten dazu gelaufen, bekamen wir die sehr verwunderliche Antwort, ja, das käme sehr häufig vor. Sehr enttäuscht und ärgerlich traten wir mit unseren Kindern den Rückweg an. Was gibt es für ein derartiges Verhalten für eine Entschuldigung? Gar keine. Sollte sich in letzter Stunde ein Hindernis ergeben haben, so dürfte sich doch wohl bei dem großen Beamtenapparat der Jüdischen Gemeinde dessen Beseitigung sofort ermöglichen lassen. Die hier geschilderten Vorgänge verlangen ernsthafteste Nachprüfung. Bei solch einer mangelhaften Organisation, wie sie anscheinend bei Festsetzung des Gottesdienstes in unserer Gemeinde besteht, kann man den Besuch des Gottesdienstes nicht heben. A. Schönbach. * Aus den Gemeinden * Ein Ultimatum der Liberalen in Köln Wir brachten in unserer vorigen Nummer eine Mitteilung über den Konflikt, der in der Kölner Repräsentantenverjammlung zum Ausbruch gekommen ist. Die Liberale Fraktion der Kölner Repräsentanz hat in ihrer letzten Sitzung nunmehr folgende Entschließung gefaßt: „Die liberalen Mitglieder der Verwaltung, sowohl des Vorstandes wie der Repräsentanz der Synagogengemeinde Köln erblicken in den Beschlüssen der Repräsentanz vom 28. Juni 1928 eine Vergewaltigung ihrer liberal-religiösen Grundsätze. Sie sehen sich daher in eine Zwangslage versetzt und haben deshalb beschlossen, in Zukunft in der Verwaltung nur noch weiter mitzuarbeiten, wenn die verschiedenen" Kulte in den Synagogen der Großgemeinde Köln und die Bestimmung darüber getrennt werden. Sie fordern daher die konservativen und volksparteilichen Mitglieder der Verwaltung, sowohl des Vorstandes wie der Repräsentanz sowie den Vertreter der Mittelpartei auf, zu Händen des Herrn Rechtsanwalts Dr. Kaufmann bis zum 15. September 1928 ihre Stellungnahme hierzu mitzuteilen." Diese Entschließung ist den übrigen Fraktionen übermittelt worden. Wie wir hören, haben sich auch die gegnerischen Parteien in längerer Sitzung mit der Lage innerhalb der Gemeindeverwaltung nach Ablehnung des Vorstandsbeschlusses befaßt. Ueber das Ergebnis der Beratungen ist indes nichts an die Oeffentlichkeit gedrungen. Arnstadt. (Persönliche s.) Letzten Sonntag beging der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Max Lehmann, unter allgemeiner Teilnahme seinen 60. Geburtstag. Seit fast 30 Jahren hat Herr Lehmann mit großem Geschick die Interessen der Gemeinde zu wahren gewußt; die Erbauung des Gotteshauses und die Anlage des jüdischen Friedhofes sind ebenfalls seiner Anregung zu verdanken. Berlin. (Kinderfürsorge der „Ose") Wie alljährlich hat die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „O s c" auch in diesem Jahre in Berlin-Grunewald Tageskolonien für arme Kinder von aus Osteuropa stammenden Juden eröffnet. Die Ende Mai aufgenommcne erste Gruppe setzt sich aus 60 3- bis 6 jährigen Vorschulkindern zusammen. Zu Beginn der Sommcrferien wurde eine Kolonie für 100 Schulkinder eröffnet, die die gesamte Ferienzeit in der Kolonie verbringen werden. Etwas später wird eine dritte Kolonie von Kindern im Vorschulalter eröffnet werden. Dresden. (Sächsischer israelitischer Gemeindeveb a n d.) In dem Aufsatz in Nr. 26 Ihrer Zeitung vom 29. vorigen Monats, die Sitzung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge betreffend, ist uns ein Fehler unterlaufen. Der Beitrag der Gemeinden zur Landeskasse beträgt nicht 9,3, sondern 2yi0 des Reichseinkommensteuersolls der einzelnen sächsischen Gemeinden. Frmtkfurl a. M. (Oscar F. Oppenheimer 6 0. Geburtstag.) Am 11. Juli beging Herr Oscar F. Oppenheimer, Seniorchef des Frankfurter Bankhauses Lincoln Menny Oppenheimer, seinen 60. Geburtstag. Oscar Oppenheimer ist weit über den Rahmen der von ihm auf dem Wege zu einem internationalen Bankhaus energisch und erfolgreich weitergeführten Firma hinaus von erheblicher Bedeutung für das Frankfurter Wirtschaftsleben geworden. Er führt seit 1926 die Geschäfte der Frankfurter Börse; vielseitig ist seine Tätigkeit in der Industrie und Handelskammer Frankfurt a. M.- Hanau und in den verschiedenen Gremien des Handels und der Börse. Seine Arbeit hat Anerkennung gesnnden, weit über den Rahmen seiner Vaterstadt hinaus, einmal durch seine Mitgiiedschaft im Ausschuß des Zentralverbandes des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, sodann durch seine vor wenigen Monaten erfolgte Berufung in den Zentralausschuß der Reichsbank. Seine umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen nutzte das Reich durch seine Berufung als Sachverständiger der Regierung bei den Friedensverhandlungen von Versailles im Jahre 1919 und durch seine im Austrage des Reiches erfolte Mitwirkung bei der Verwertung des deutschen Besitzes an Auslandseffekten. Die Universität Frankfurt a. M. ernannte ihn 1926 zum Ehrenbürger, im gleichen Jahre wurde er Konsul der Tschechoslowakischen Republik. Oscar F. Oppenheimer widmet sich neben seiner ausgedehnten allgemeinen philantropischen Tätigkeit besonders auch jüdischen Wohlfahrts- und Kulturwerken zu. Er erhält das von seinem Vater begründete „Oppenheimersche Waisenhaus" und gehört u. a. dem Förderer-Komitee der Encyclopaedia Judaica an. Hannover. (Sitzung des Repräsentantenkolleg iu m s.) Der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Berliner, teilt mit, daß Herr Seminardirektor a. D. Dr. Knoller um seine Versetzung in den Ruhestand gebeten hat. Das Kolleg beschließt demgemäß. — Sodann tritt man in die Beratung über die Frage der Beibehaltung der Landrabbinate ein. Die kurze Aussprache bringt im wesentlichen dieselben Gesichtspunkte wie die am 28. Juni. (Bergl. Bericht in Nr. 27.) Sie dreht sich hauptsächlich um die Feststellung des Stimmenverhältnisses der Gemeinde Hannover im Provinzialverband hannoverscher Synagogengemeinden. Schließlich gelangt folgender Antrag zur Abstimmung: „Die Synagogengemeindc Hannover lehnt die Ucbergangs- und Ausführungsbestimmungen für die Provinz Hannover zum neuen Preußischen Judengesetz, soweit sie die Einrichtung des Landrabbinats beibehalten wollen, ab." Drei Repräsentanten sind durch Reise verhindert, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Der Antrag wird mit zehn gegen vier Stimmen angenommen. Damit wird die einstündige Sitzung geschlossen. Kassel. (Kuraufenthalt für jüdische Kinder.) Die hiesige Loge hat wie in früheren Jahren auch in diesem Sommer den erholungsbedürftigen Kindern unserer Gemeinde in Kolberg, Nauheim und Kissingcn einen mehrwöchigen Kuraufenthalt ermöglicht. Einzelne Transporte sind schon zurückgekchrt; andere, die hauptsächlich für den Ferienmonat Juli vorgesehen sind, gingen vor einigen Tagen ab. Ein Teil der Erholungsbedürftigen wurde auch wieder im .Heim zu Blankenese untergebracht. Außerdem hat der Israelitische Frauenverein seinen im vorigen Jahre erstmalig unternommenen Versuch wiederholt und die Insassen des Kinderhorts im Ausflugsort „Prinzenquelle" in der Nähe von Kassel untergebracht. Die Bewirtschaftung wird vom Kinderhort unter der Leitung seiner Vorsteherin ausgeführt, während die Finanzierung dieses Unternehmens durch den Israelitischen Frauenverein erfolgt. München. (5 0. Geburtstag.) Am 4. Juli d. I. wurde Herr Justizrat Dr. Eli Straus, ein prominenter bayrisch-jüdischer Führer, 50 Jahre alt. Er ist Ehrenvorsitzender der zionistischen Ortsgruppe München, zweiter Vorsitzender des Vorstandes der Münchener jüdischen Gemeinde und Mitglied des Rates des Verbandes bayrisch-jüdischer Gemeinden. Herr Justizrat Dr. Eli Straus nimmt lebhaften Anteil an allen deutsch-jüdischen Angelegenheiten und hat sich auch um die Schaffung des Reichsverbandes der deutschen Juden bemüht. Sein verstorbener Vater, der bekannte Bankier Samuel Straus in Karlsruhe, war ein anerkannter Führer der deutschen Orthodoxie. Oppeln. (R a b b i n e r w a h l.) Zum Nachfolger des verstorbenen hiesigen Gemeinde-Rabbiners Dr. Braun schweizer wurde Rabbiner Dr. Lothar L u b a s ch, der bisherige zweite Rabbiner der Hamburger Tempelgemeinde, gewählt. Dr. Lubasch ist den Lesern dieses Blattes durch eine Anzahl literarischer Beiträge bestens bekannt. Stuttgart. (Todesfall.) Herr Gemeindevorsteher Kommerzienrat Adolf Wolf, der Mitbegründer der Weltsirma W. Wolf & Söhne, ist gestern im Alter von 73 Jahren gestorben. Wohin die Kunde von dem Tod dieses seltsamen Mannes dringen wird, wird man um ihn trauern. Schwer vermissen wird ihn das Vorsteheramt und gar sehr wird er allen Vereinen, allen Wohlfahrtsbestrebungen, wie sie auch heißen mögen, fehlen. Eine innerlich reiche Persönlichkeit, ausgezeichnet durch klares Urteil, treueste Pflichterfüllung und warme Religiosität, voll idealen Geistes, war er wie kein anderer überall mit ganzem Herzen dabei, wo es galt, gutes zu wirken. Sein Haus war in höchster Vollendung ein Vaterhaus der Liebe, mit voller Hand und freundlichem Angesicht teilte er reiche Gaben aus. Seine letzten Lebensjahre waren fast ausschließlich den Armen, dem Wohltun gewidmet. Wiesbaden. (Aus dem Gemeindcleben.) Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde beschloß die Einführung des Proportional- und Frauenwahlrechts. Alle der Gemeinde angehörigen Männer und Frauen werden in Bezug auf das Wahlrecht gleichgestellt. Ein Unterschied zwischen Reichsdeutschen und Ausländern findet nicht statt. Für das passive Wahlrecht soll eine Karenzzeit von 2 Jahren, für das aktive eine solche von 1 Jahr vorgesehen werden. Am Schabuothfest wurde das 40 jährige Amtsjubiläum des Herrn Oberkantor Nußbaum durch einen Festgottesdienst in der Hauptsynagoge am Michelsberg begangen. Die ganze Gemeinde nahm Anteil an dem Ehrentage des hier überaus beliebten Beamten. Wiesloch. (Todesfall.) Im 61. Jahre verstarb in Frankfurt a. M., wo er Heilung suchte, der Lehrer unserer Gemeinde, .Herr Albert Simon. Der Verstorbene, der viele Jahre als Erzieher der Jugend und als religiöser und geistiger Führer von jung und alt mit großem Eifer und ersprießlichem Erfolge tätig war, erfreute sich bei allen besonderer Wertschätzung. Kalendarium f. die Zeit v. 14.7. b. 21.7.28 Jul! 1928 > Tammus 5688 Sonnabend 14 26 Wochenabschnitt: Mattauß-Massei Haftarah: Jeremia 2, 4—28: 3, 4; * 1 tt. 2 Sabbat-Ausgang: 9.22 Uhr Sonntag 16 27 Montag 16 28 Dienstag 17 29 Jom Kippur Koton Ab 5688 Mittwoch 18 1 Rosch Ehaudesch Donnerstag 19 2 Freitag 20 3 Sabbat Chason Sonnabend 21 4 Wochenabschnitt: D'worim Haftarah: Jesaia 1, 1—27 Sabbat-Ausgang: 9.11 Uhr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.