Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 28 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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hoheitsvoll ist es zugleich, so unschuldsvoll und so siegstark doch, so gütig und doch so zielbewuht. „Trocknet nicht, trocknet nicht, Tränen der ewigen Liebe. Ach nur dem halbgetrockneten Auge, wie öde, wie tot ihm die Welt erscheint." Hier sehen wir das Gluck der tiefen Träne: daß unsere Liebe noch nicht gestorben, die Liebe zu allem, was tief ist und schön, die Liebe zu allem, was Liebe verdient — das deuten wir durch die Träne an. Und wenn diese Tränen einmal versiegen, sind wir vielleicht vernünftiger geworden, doch unser Gefühl gewann dadurch nichts. In dem klassischen Erziehungsroman „Lienhard und Gertrud" spricht Pestalozzi von der Sitte der Mutter, am Ende jeder Woche nnt den Kindern die Vorkommnisse der Tage durebzugehen und fährt fort: „Gertrud segnete noch ihre Kinder und ging wieder in ihre Stube, uno ihr Herz war feierlich still, und ihre Stille war ein Gebet, das unaussprechlich ihr Innerstes bewegte. Empfindungen von Gott und feiner Güte erfüllten ihr Herz, daß sie auf ihre Knie hinfank; und ein Strom von Tränen floß ihre Wangen herunter. Und ihre Augen waren noch naß, als ihr Mann heimkam. „Warum weinst du heute, Gertrud?", fragte sie Lienhard. Gertrud antwortete: „Mein Lieber, es sind keine Tränen des Kummers. Fürchte dich nicht. Ich wollte Gott danken für diese Woche, da war mir das Herz zu voll. Ich mußte hinsinken auf meine Knie, ich konnte nicht reden, ich mußte nur weinen. Aber es war mir, als hätte ich Gott nie so gedankt. . ." Da senkte Lienhard mit einer Träne im Auge sein Haupt auf ihren Schoß, und sie hält ihr Angesicht in stiller Wehmut über das seine. Sie bleiben eine Weile rn dieser Stellung still, sinnen und schweigen." — Träne, das tiefste Zeichen des Glücks! Aber es gibt ja nicht bloß die Träne der Freude, des Glücks oder der Seligkeit — es gibt ja doch auch noch die andere, der Sorge, des Leids, des Kummers, der Trauer. Tränen gibts, die die Verzweiflung weint, Enttäuschung vergießt, die aus Sehnsucht quellen, aus Wehmut und aus Erinnerung. Und auch diese haben tiefste Bestimmung. Solange wir nämlich noch weinen können, solange ist in uns noch nichts tot, solange sind wir noch immer bewahrt vor Kälte und vor Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit, Gefühlslosigkeit. Solange aber wissen wir auch, ,daß immer noch Kraft in uns lebt und webt, Kraft, die auch noch den stärksten Schmerz schließlich besiegt und überwindet. Denn ist er erst ernmal so groß geworden, daß alle unsere Tränen erstarren, Daß wir bekennen: ich kann nicht mehr weinen — so ist das ein Zeichen furchtbarer Ohnmacht, Beweis des fast erstorbenen Lebens. Nur freilich muß man auch hier wieder sagen: geht sparsam um mit euren Tränen, spart sie für den tiefsten Schmerz aus, der wirklich bis an die Seele greift. Und seid auch schamhaft in eurem Weinen und traget es nicht zii offen zur Schau. „Die tiefsten Schmerzen sind auf Erden, die ausgeweint und ausgeschwiegen werden." Und ein Mensch, der wirklich fein empfindet, er wird die Aeußerungen seiner Seele nicht zum Schaustück machen für die Öffentlichkeit. Es muß im Schmerz sein wie in dem Glück. Nur weil wir es gar nicht mehr sagen können, wie tief er in dem Innern lebt und was er in uns aufgewühlt hat — nur deshalb soll unsere Träne fließen, die Träne, die nicht gleich wieder versiegt, wenn kurze Zeit nach dem Leide vergangen, nein immer wieder von neuem aufquillt an stillen Tagen, in stillen Stunden. Das sind die Tränen, die denn auch wreder dem Auge ihr eigenes Gepräge verleihen: ein Schleier legt sich allmählich darum, das Dunkel wird immer noch tiefer und tiefer, sehnend schweift es hinaus in die Ferne und blickt uns Volt Wehmut und wissend an. Irma Singer erzählt ein jüdisches Märchen: als die Königin Esther gestorben war, ging sie mit dem Tode zum Himmel hinauf. Und sie kamen in einen großen Garten, in dem man ein leises Singen hörte. „Das sind die jungen. verstorbenen Mädchen", sagte der Tod, „und sie singen das. Lied vom Leben." Dann kamen sie in einen zweiten Garten, wo junge Böglein zwitscherten. „Das sind die ganz kleinen Kindlein, sie lernen hier die Sprache Gottes." Die Königin sah fte liebend an, denn den Kindern war sie immer gut. Und nun folgte ein Hain, voll mit Zypressen. „Das srnd die jüdischen Heldenseelen." — „Nun führ mich hinaus aus dem Reich des Todes und führe mich in das Reich des Lebens." Da sprach der Tod: „Mein Reich des Lebens, das ist nicht schön, denn mir gehört alles Traurige." Mer sre gingen. Und als sie im Reich des Lebens ankamen, fanden sre dort nne Schale mit Perlen. „Die Perlen hier sind die Tränen der Juden. Die sammeln die Englein und bringen sre her." Da ließ sich die Königin eine Nadel holen und hernach ein Haar von der „Liebe" und reihte alle Tränenperlen auf diesem Haar auf — und das tut sie noch. Wer erkennt nicht des Märchens tiefinnersten Sinn? Wie jene Mädchen dort in dem Märchen, so singen tausend und abertausend das Lied des Lebens, klagend und still, ja tausend solcher Heldenseelen wandeln lebend im Reiche des Todes. Und einer Perle gleicht jede Träne, die diese Menschen vergießen müssen. Bis der kommt, der ihnen helfen kann — ein Mensch mit königlichem Gemüt, so wie es Esther dereinst gewesen, ein Mensch, der solche Perlen liebt und der sic sammelt und aufbewahrt, ein Mensch, der solche Tränen gern trocknet, weil er sie selber zu weinen weiß. Ja, der letzte Sinn des rührenden Märchens begegnet sich mit dem altjüdischen Wort: „Die Tore des Betens sind zuweilen verschlossen, die Tore der Tränen verschließen sich nie." Ein Nachtgesang (Psalm 8.) Von Dr. M. Spanier, Berlin. Gott, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name aus der ganzen Erde! Der Du Deinen Glanz an den Himmel gelegt! Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du Macht gegründet Gegenüber Deinen Gegnern, daß schweigen Feind und Widersacher. Wenn ich Deinen Himmel sehe, Mond und Sterne, die Du geschaffen, — Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkst, Der Erdgeborene, daß Du ihn beachtest. Und ließest wenig doch an Göttlichkeit ihm fehlen, Hast ihn mit Ehr' und Pracht gekrönt, Läßt ihn herrschen über Deiner Hände Werk. Alles legtest Du ihm zu Füßen, Die Schafe und die Rinder alle. Und auch das Wild des Feldes, Des Himmels Vögel und des Meeres Fische — was Pfade zieht der Meere. Gott, unser Herr. Wie herrlich ist Dein Name aus der ganzen Erde! Die beherrschende Stimmung dieses Psalmes fließt aus dem innigen Gefühl für die unendliche Erhabenheit Gottes. Der Anfangssatz gibt, wie oft in den Psalmen, den Grundton an. Das Wort addir ist der bezeichnende Ausdruck für die göttliche Eigenschaft der Erhabenheit/ Es ist die Majestät der weithin sich dehnenden, über alles sich erstreckenden Herrschergewalt, wie das Wort denn auch von den mächtigen, aus weiter Ferne heranschwellenden Wogen des Meeres gebraucht wird. Der Aufblick zum nächtlichen Himmel, an dem im Orient die Sterne noch viel strahlender leuchten als in unserer Landschaft, weckt das Gefühl des Dichters. Wie das Gewölbe, an dem des Wellenschöpfers kunstfertige Hand Sterne iwiimm STOlkWERC*{ tDoh Ifchrm'cMc. nd L nahrhaft. gleich Edelsteinen am Herrschergewand gebildet und befestigt hat, sich weithin dehnt über die ganze Erde, so ist alles unter» dem Himmel in seiner Gewalt. Daß der Name allüberall herrlich ist, bedeutet nicht, wie neuerdings wieder mit besonderem Nachdruck erklärt, wird, daß er auf der ganzen Erde gepriesen wird, sondern daß sein majestätisches Walten die Welt erfüllt. Die Demut des israelitischen Beters versteht unter dem „Namen mehr als den Namen. Es ist immer in dem Worte schon etwas vom Wesen der Allmacht, die man sich scheut, unmittelbar zu nennen. Wer kann sich der Wirkung solcher Herrlichkeit entziehen? Wer kann die Predigt des Himmels, von der ja auch der 19. Psalm Kunde gibt, überhören wollen? Es gibt solche Menschen. Der leidenschaftliche Glaubenswille des Frommen sieht in der Abkehr von solchen Gedanken, die ihm selbstverständliche Ueberzeugung sind, entweder Torheit (Psalm 92,7: „Ein Unverständiger sieht das nicht, und der Tor bedenkt es nicht") oder, wie hier, feindliche Gesinnung. Man hat gar nicht nötig, das Wort, das hier im Hebräischen an den Begriff der Rache erinnert, zu ändern. Es bedeutet in diesem Zusammenhänge gar nichts anderes als den Widersacher, der verstockt und böswillig gegen das Offenbare ankämpft. Von einer persönlichen Feindschaft, etwa dem Dichter gegenüber, ist hier gewiß nicht die Rede. Nein, es sind die hartnäckigen, übelwollenden Ungläubigen, dia wohl auch mit dem Spott auf Andersfühlende nicht zurückhalten. Sie müssen sich beschämen lassen durch die freudigen Ausbrüche des Staunens und der Bewunderung, wie sie aus Kindermund tönen, wenn die erstaunten Augen zum ersten Male mit Bewußtheit die glänzende Sternenpracht des Himmels bewundern können. Es wird uns nicht befremden, wenn von Säuglingen gesprochen wird; denn man kennt ja die verstärkende Ausdrucksweise des Orients und mag auch in Betracht ziehen, daß man die Kinder im alten Israel weit später entwöhnte, als heute üblich. Es mag daneben auch der ganz volkstümliche Gedanke mitspielen, daß das Kleine und Unscheinbare oft die großen Widerstände am ehesten überwindet. Mer daß Kindersinn schon erfaßt, was die Hartnäckigkeit und Bosheit der Großen nicht einsehen will, das ist doch der Kern des Gedankens. Selbst aus die Unmündigen wirkt die göttliche Wunderkraft, wie denn nach einer talmudischen Erzählung — übrigens mit Hinweis auf unsere Psalmstelle — die Säuglinge sangen, als Gott Israel durchs Meer geführt hatte. Wenn der Aufblick zum nächtlichen Himmel die Größe und Macht des Schöpfergottes lehrt, so empfindet doch der denkende Betrachter in dieser Unendlichkeit des Weltenraumes zugleich die eigene kaum göttlicher Beachtung werte Kleinheit. mit der aus dem Religiösen rührenden vorzüglich ethischen Einstellung der jüdischen Künstler — daß sie in ihrer Mehrzahl ein edles Streben zur hohen, sakralen, gottesdienstlichen! Art der Dichtung haben, nach einer Kunst, die nicht kleinlicher Unterhaltung dient, sondern nach den Tiefen des Seins, nach seinen metaphysischen Ursprüngen zielt. Und es hat seine gute Bedeutung, daß die widerliche Art Unterhaltungsliteratur, Fusel für geringe Geister, vielmehr Ungeister, kaum von jüdischen Courths-Mahlern fabriziert wird. Darauf seien wir stolz; allein, im übrigen sind der Unterschiede wenige. Mir scheint: es unterscheidet sich ein jüdisches Werk von einem nichtjüdischen nicht eben mehr, als sich ein niederdeutsches im Ton von einem oberdeutschen unterscheidet, als etwa Raabe von Keller oder Hesse von Stehr. Der jüdische Dichter hat eben seinen eigenen Bezirk, seinen eigenen Klang im Konzert der deutschen Wortkunst. Und obwohl zugegeben werden muß, daß manche jüdischen Dichter nicht die Anschauung der Dinge, vielmehr ihren Sinn nur geben, daß sie nicht darzustellen vermögen, so kann etwa nach Mombert und Heymann, Lissauer und Döblin nicht mehr gesagt werden, dieses Darstellungsvermögen, diese Bildhaftigkeit fehle allen. Es zeigt sich hier der Unterschied zwischen Transzendenz und Immanenz in der Kunst, d. h. von Abstraktion bei der Gestaltung und einfühlungsmäßiger Lebendigkeit; ein Unterschied und Gegensatz, den es jedoch in allen Literaturen gibt. — Heute kann nicht mehr mit Recht behauptet werden, der jüdische Dichter habe keine vertrauten Beziehungen zur Landschaft, daher komme es, daß er selten Lyriker sei; es ist wahr, seit Heine— der zur Landschaft nur ein indirektes Verhältnis hatte, das nicht aus dem Unmittelbaren kam, — zeigten sich auffallend wenig Juden, deren künstlerische Form das lyrische Gedicht war; in der neueren Zeit jedoch sind es gerade jüdische Dichter in unverhältnismäßig hoher Zahl, und zwar von einem Gewicht zum Teil, wie Heine — ich wage es auszusprechen — es nicht erreicht hat. Ich nenne hier Alfred Mombert und Franz Werfel. Ja, gerade sein wachsendes Gefühl für die Landschaft zeigt, wie sehr auch der jüdische Dichter seelisch hier eingeboren und daheim ist. Haben doch einige unter ihnen deutsche Landschaften geradezu entdeckt für die Kunst, so Robert Hehmann, der im Kriege gefallene Ostpreuße, der die Stimmung und die besondere Art der baltischen Ostsee mit Haff, Nehrung und Dünen zum ersten Male eigentlich gestaltet hat, ferner Ernst Lissauer,in seiner strengen Kunst. Die sogenannte Großstadt-Lyrik, „fortgeschrittene Lyrik", wie ihre Vertreter einmal »selbst programmartig siq nannten, hat wesentlich Juden zu ihren Schöpfern, die das Eigentümlich-Landschaftliche' unserer Riesenstädte zum ersten Male in seiner Besonderheit zu fassen vermochten; es sei' hier nur Ernst Blaß und der gleichfalls im Kriege gefallene AlfrÄ Lichtenstein erwähnt und noch darauf hingewiesen, daß vor allem das nationale Erleben des Weltkrieges jüdische Dichter außerordentlich bewegt hat. Kein Zufall kann es sein, daß sie mit die bekanntesten Strophen aus Stimmungen dieses Krieges geschrieben haben, während aus Kreisen, die mit germanischem Blute und ihrem Patriotismus prahlen, kaum ein wertvolles Gedicht entstanden, noch vor allem ins Volk gedrungen ist. — Dies wird natürlich ohne Werturteil über die Einstellung zum Kriege überhaupt gesagt, vielmehr nur im Hinblick auf die damals herrschende Geistigkeit. Der jüdische Dichter ist eine eigene Blüte im Garten der deutschen Dichtung. Er ist so gut wie einer ein deutscher Dichter; in seiner besonderen Art, die jüdisches Wesen ihm verleiht. Zur Geschichte der Familiennamen rheinischer Zuden Die Familiennamen der Christen in Deutschland sind bekanntlich bei weitem älter als die der Juden. Auf diese Tatsache weist Oberstadtsekretär Peter Gansen-Siegburg in einem Aufsatz „Familiennamen und Bürgerrecht der Juden, insbesondere in der rechtsrheinischen Rheinprovinz" (Bergische Geschichtsblätter 1928, Heft 3, S. 33 ff.) einleitend hin. Während die Christen im Westen und Süden Deutschlands etwa seit dem 12. Jahrhundert, in Mittel- und Norddeutschland seit dem 13. und 14. Jahrhundert, bis es im 16. Jahrhundert allgemein üblich geworden war, neben den Personen- oder Eigennamen, wenn auch nicht durch Gesetz dazu gezwungen, so doch aus freien Stücken Familien- oder Geschlechtsnamen führen, geht die jüdische Bevölkerung erst seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Annahme fester und erblicher Familiennamen über. Bis dahin hatten sie an dem altübernommenen Brauch festgehalten, dem Vornamen der Kinder den Vornamen — meistenteils — des Vaters gewissermaßen als Zunamen (Beinamen) beizugeben. Diese Sitte war weniger von praktischer Bedeutung M ein Zeichen des Zusammengehörigkeitsgefühls der engsten Familie. Jede Generation wechselt also ihren Familiennamen. Eine deutliche Unterscheidung der Personen wurde erheblich erschwert. Das machte sich namentlich seit der Wende des 18. Jahrhunderts bemerkbar, als den Israeliten in den deutschen Ländern Staatsburgerrechte verliehen und Staatsbürgerpflichten (besonders Steuerentrichtungs- und Militärdienstpflicht) auferlegt wurden. Der Staat und seine Behörden hätten daher an einer Ordnung der FamilimnamengÄNng der 'Juden großes Interesse. So kam es, daß in den alten Provinzen Preußens die Juden durch das bekannte Edikt vom 11. Marz 1812, das sie als „Einländer und preußische Staatsbürger anerkannte", u. ä. aufgefordert wurden, innerhalb einer Frist von sechs Monaten einen festen und erblichen Familiennamen anzunehmen. Dabei war es untersagt, sich solche Namen beizulegen, die von bekannten christlichen Familien geführt wurden. Erst mehr als 30 Jahre später, durch Gesetz vom 31. Oktober 1845, fand die Regelung des Namenwesens der Juden in den neuen preußischen Provinzen, zu denen auch das Rheinland gehörte, Eingang. Gänsen berichtet von einem an die Regierung zu Köln gerichteten Schreiben des Siegburger Bürgermeisters aus dem Jahre 1838, in dem er über die Namengebung der Juden, die oft „Irrungen und nachiteilige Wirkungen" erzeuge, Klage führt. Auch das Gesetz vom Jahre 1845 gewährte den jüdischen Einwohnern eine Bedenkfrist von sechs Monaten, während der sie einen festen mrd erblichen Familiennamen der Regierung zur Genehmigung Vorschlägen mußten, anderenfalls die Behörden von sich aus den Juden Familiennamen gaben. (Von dieser Maßnahme hat man in Deutschland viel seltener Gebrauch gemacht als in den östlichen' Ländern, in denen infolge des amtlichen Eingreifens so manches boshaft-komisch klingende Namengebilde entstanden ist.) Aus alten Akten gibt Gänsen die Genehmigung eines Familiennamens durch die Regierung wieder. Da heißt es: „Daß dem Mendel Levi, Kaufmann u Siegburg, Kreis Sieg, welcher vor der Polizei-Obrigkeit eines Wohnorts erklärt hat, für sich und seine Familie! den Namen „Levison" annehmen zu wollen, die Erlaubnis dazu von mir ertheilt worden ist, darüber wird demselben für sich und seine Nachkommen dieser Ausweis ertheilt. Köln, den 5. Juni 1846. Königliche Regierung. Abteilung des Inneren." Die in der Rheinprovinz rechts des Rheins wohnhaften Juden erleichterten sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl die Namengebung dadurch, daß sie der Regierung als künftigen Familiennamen einfach den Beinamen in Vorschlag brachten, den sie, wie bereits erwähnt, bis dahin geführt chattent. Ter Kölner Regierungspräsident machte am 5. Juni 1846 bekannt, daß von den jüdischen Haushaltungsvorständen im rechtsrheinischen Teil.seines Bezirks 330 die bisherigen' Beinamen zu endgültigen und erblichen Zunamen erhoben, 119 dagegen einen vollständig neuen Familiennamen gewählt hatten. Im Koblenzer Bezirk (rechtsrheinisch) lag das Verhältnis' (601:104) etwas krasser (Bekanntmachung vom 22. Juni 1846), im Bezirk Düsseldorf (rechtsrheinisch) war mit 837 :17 ein ganz besonders auffallender Unterschied zu verzeichnen (Bekanntmachung vom 26. September 1846). Die Regierungsbezirke Aachen und Trier fallen aus dem Rahmen dieser Betrachtung, weil fit in ihrer Gesamtausdehnung nt dem links des Rheins befindlichen Provinzteil liegen., j Mau darf es danvar begrüßen, wenn, sich M uüd wieder/Mch allgemeine historische Zeitschriften der? Erforschung und Darstellung der Vergangenheit der Juden ännehnten. Spllte uns das nicht ein Ansporn dazu' seich dÜS Hiudmm Ütte Heimatgeschichte, sei es KMüx-, Wirtschcttts- oder PoMMe Wchrchte, immer -ifriger zu pflegen und zu löckrM?. . '