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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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MI»e Lille Prof. Dr. Heinrich Silbergleit Am 2. Juli 1928 vollendete Professor Dr. Heinrich Silbergleit, der vormalige Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, sein siebzigstes Lebensjahr. Ec widerlegt durch seine Persönlichkeit und durch sein Lebenswerk am überzeugendsten eines der viel verbreiteten Vorurteile, wonach dre Juden, zufolge ihrer jahrhundertelangen Abschließung von den meisten bürgerlichen Berufen, hauptsächlich für alle Arten gewerblicher Tätigkeit, ansonst noch, dank ihrer spezifischen Geistesanlagen, bestenfalls für die Disziplin der medizinischen Wissenschaft oder der Jurisprudenz qualifiziert seien. Die Statistik — eine erst, in der Neuzeit zu so hohem Ansehen gelangte Fachlehre — gehört im allgemeinen zu den sogenannten „brotlosen" Wissenschaften oder Künsten, denen man sich nur aus eingeborener Neigung und Begabung zu widmen pflegt. Die goldenen Aepsel der Hesperioen sind dem Statistiker gemeinhin nicht beschieden. Es gehört demnach zumeist schon ein hochgradiger Idealismus oder aber eine ausschließliche Eignung für eben diese Berufswahl. Heinrich Silbergleit erblickte am 2. Juli 1853 als Sohn eines Hüttenbesitzers in Oberschlesien - dieser unerschöpflichen Stätte deutscher Kraft, Tüchtigkeit, Talente und Begabung — das Licht der Welt. Nachdem der junge Forscher in Breslau, Leipzig, Berlin seine Studien absolviert hatte, widmete er sich der Mathematik und Physik, an die sich die Staatswissenschaften anschlossen. Dank einer Arbeit zu Ehren seines großen Lehrers und Vorbildes Richard Böckh, schlug er endgültig die statistische Laufbahn ein und trat zuvörderst als Volontär in das Statistische Amt der Stadt Berlin ein, wo er jedoch schon einige Monate später — mithin in sehr jugendlichem Alter — in die für ihn damals eigens begründete Stelle eines dritten wissenschaftlichen .Hilfsarbeiters befördert wurde. Am 1. September 1890 wurde er als Direktor des Statistischen Amtes nach der Stadt Magdeburg berufen, wo er dreizehn Jahre hindurch eine ebenso emsige wie fruchtbare Wirksamkeit entfalten durfte. Am 6. November 1892 reichte der schon namhafte Gelehrte der ältesten Tochter des weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus berühmten Arztes und Wissenschaftlers, Geheimrat Professor Senator, die Hand zu dem noch heute in unverminderter .Harmonie und Uebereinstimmung bestehenden Lebensbund. Ihm ward das seltene Glück zuteil, in seiner Frau Margarete, der Tochter des weltbekannten Mediziners, eingehendes Verständnis für seine Wissenschaft und freudige Teilnahme an den wachsenden Aufgaben und Erfolgen seines Lebens und Berufes zu finden. Am 1. September 1903 wurde er als Direktor des Statt st ischen Amtes nach der Stadt Schöneberg berufen (es gab dazumal noch keine Eingemeindung, und der Begriff „Groß-Berlin" existierte noch nicht). Am 1. Oktober des Jahres 190 6, für einen Wissenschaftler in einem Lebenssrühling von 48 Jahren, widerfuhr ihm die ehrenvolle Auszeichnung, als Nachfolger seines gefeierten Meisters Richard Böckh zum Direktor des Stati st ischen Amtes der Stadt Berlin erwählt zu werden. Obzwar ihm wenig Unterstützung seitens der Berliner Stadtverwaltung zuteil wurde, harrten doch gerade in seinem neuen Amt des neuen Mannes besonders wichtige Aufgaben, wie beispielsweise der Ausbau der Sozialstatistik, die Schaffung einer fortlaufenden Beobachtung des industriellen Beschäftigungsgrades, neuartige Aufnahmen des Berliner Straßenverkehrs, die statistische Zusammenfassung der Vororte zu einer einheitlichen Groß-Berliner Statistik. Von seinen vorkriegerischen Arbeiten sind als besonders bedeutsam zu erwähnen sein Beitrag zur Internationalen Arbeitsmarktkonferenz in Paris im Jahre 1910, sowie seine Studien über die Kindersterblichkeit in den verschiedenen Großstädten Europas. Seine Beiträge in dem Handwörterbuch der Staatswissenschaften, ebenso wie in dem Handwörterbuch der Kommunalwissenschaften, desgleichen seine Mitarbeit in dem Allgemeinen Statistischen Archiv zeichneten sich stets durch besondere Gründlichkeit der Forschungen wie auch die Präzision seiner Formulierungen aus. Neue Anforderungen von weittragender Bedeutung für die Lebensmittelversorgung Berlins brachte der Krieg. Die unter den Beamtenfamrlien der Stadt Berlin, desgleichen in den Arbeiterkreisen von Silbergleit angestellten Erhebungen über den Brot- und Mehlkonsum schufen die Grundlagen für die gesamten Rationierungsmaßnahmenwährenddes Feldzuges. An der Schaffung der Brotkarte und an der Organisation ihrer Verteilung wirkte Silbergleit als verständnisvolles und maßgebliches Mitglied der kleinen 'Kommission mit, die sich unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth seit den letzten Januartagen von 1915 fast täglich in aller Frühe versammelte. Und als endlich die Preiskontrollen einsetzten, wofür wiederum das Statistische Amt die Grundlagen zu liefern hatte, war Silbergleit abermals Mitglied aller einschlägigen Fachausschüsse. Ueber die Tätigkeit des Berliner städtischen Statistischen Amtes schreibt Käber in seinem großzügig angelegten Werk: „Berlin im Weltkrieg" (Seite 101): „Ja, seine Tätigkeit wurde für ganz Deutschland grundlegend, da ihm zuerst zuverlässige Zahlen über die im Deutschen Reich für die menschliche Ernährung verbrauchten Brotkornmengen verdankt wurden." Als dann nach Beendigung des Krieges das Preisniveau auf allen Märkten, insbesondere fühlbar im Gwiet der Lebensmittel, sich andauernd hob, ging Silberfsteit wiederum eigene schöpferische Wege der statistischen Er assung, da er im Gegensatz zu den bisherigen, stabile Verbrauchseinheiten voraussetzenden Methoden auf der Grundlage des physiologischen Notbedarfes auch die jeweiligen Beschaffungsverhältnisse in seinen Berechnungen zum Ausdruck brachte. Die wöchentlich erschienenen Silbergleit'schen „Kosten des Ernährungsbedarfs" fanden auch im Ausland eingehende Beachtung. Bei Erreichung der Altersgrenze, am 1. Oktober 1923, trat Silbergleit in den Ruhestand. Aber auch setzt noch wirkte er auf seinem Arbeitsgebiet unbeirrbar fort, insbesondere durch bevölkerungspolitische Aufsätze in der Tagespresse. Seine Artikel über die sexuelle Differenzierung der Minderjährigen fanden die Anerkennung aller interessierten Kreise. Desgleichen sein Beitrag in dem Jubiläumswerk zu Ehren Georg von Mayrs, dessen Spezialität die statistische Verfolgung des Mädchenhandels war. Um seine Glaubensgenossen hat Silbergleit sich bei der Organisation und Oberleitung einer Statistik der jüdischen Feldzugsteilnehmer durch die Objektivität seiner Feststellungen und sein mannhaftes Auftreten gegen alle demagogischen Fälschungen in hervorragenden Grade verdient gemacht. Als im vorigen Jahre bei der Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine besondere Sektion für Statistik und Wirtschaft der Juden begründet wurde, trat Silbergleit an ihre Spitze und schuf ein Programm für die bevölkerungspolitische Arbeit, mit deren Durchführung bereits begonnen worden ist. Der Erfassung des Standes der jüdischen Bevölkerung auf Grund der letzten Volks- und Berufszählung und der fortlaufenden Verfolgung ihrer Bewegung, Aufgabenvon außerordentlichem Wertfürdied eutscheJudenheit, widmet Silbergleit nunmehr seine ungebrochene Kraft und seine vielfältigen Erfahrungen. Rühmlich hervorgetan hat er sich auch auf dem Kongreß für Sexualforschung, der im April 1926 zu Berlin stattfand. Tie Veröffentlichungen Silbergleits sind so ungemein zahlreich, daß in diesem engen Rahmen nur eine kärgliche Auslese geboten werden kann. Aus seiner Magdeburger Zeit sind allein dreizehn Hefte der „Mit- Leitungen des Statistischen Amtes" zu nennen, Mitteilungen, die Probleme der Wohnungs-, Armen-, Arbeiter-, Finanz- und Verkehrspolitik behandeln, ferner ein Werk: „Magdeburgs Industrie, Handwerk und H a n d e l und ihre gewerbliche Steuerkraft" sowie die Denkschrift: „Die Lage der preußischen Schlachthöfe und die Freizügigkeit des frischen Fleisches". In seine Berliner Amtstätigkeit fällt die Herausgabe der „Statistischen Jahrbücher der Stadt Berlin für die Zeit von 1906 bis 1919" in vier Bänden, die Denkschrift zum hundertjährigen Jubiläum tbier Städteordnung:. „Preußens Städt e", die Herausgabe des Berichtes über die Grundstücks-, Wohnungs-, Haushaltungs- und Bevölkerungsverhältnisse nach den Erhebungen von 1905 und 1910, die Denkschrift über „Beschäftigungsgrad und Arbeitsmarkt", außerdem Beiträge zu den Schriften des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit, des Vereins für Sozialpolitik und zum „Statistischen Jahrbuch der deutschen Städte". Seit 1899 ist Silbergleit Mitglied des höchst exklusiven Internationalen Statistischen Institutes. Ende des Jahres 1901 wurde der verdiente Mann durch den P r o f e s s o r e n t i t e l ausgezeichnet. Im konkreten Falle galt es, zu beweisen, daß ein Jude auck, auf einem dem Durchschnittsbürger wahrscheinlich abwegig und nüchtern dünkenden Arbeitsgebiet Höchstleistungen im Dienste des Gemeinwohls und des Vaterlandes zu erzielen vermag. Wenn musische Naturen übrigens der Annahme zuneigen, daß die Statistik ein dürres und phantasieloses Feld der geistigen Betätigung darstelle, so hängen sie einem irreführenden Trugschluß nach. Gerade die Statistik, die so unermeßliche'Gebiete menschlichen Wirkens und sozialen Geistes umfaßt, bedarf nicht nur einer umfänglichen Bildung, sondern auch einer lebhaften Einbildungskraft und vor allem einer individualistischen Denkungsart, die freiwillig im Dien st e der sozialen Idee ihre Opfer bringt. Gerade weil diese Berufswahl keine besonderen materiellen Gewinne zu versprechen pflegt, ehrt sie den Mann, der sie fürs Leben erkor, um so höher. „Deutsch seinheißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun", besagt ein volkstümliches Wort der deutschen Nation. Der deutsche Jude Heinrich Silbergleit darf mit Fug ein gleiches sich selbst nachrühmen. Und Äen um dieser sittlichen Kraft seines Lebenswerkech willen haften wir, daß dem Jubilar noch viele fruchtbare und ertragreiche Arbcitsjahre zugunsten seines deutschen Volkes und seiner jüdischen Glaubensgenossen beschieden sein mögen. Doris Wittner. « Aus den Gemeinden Ahlem (Jubiläumstagung.) Der Verein ehemaliger ' Ahlemer feierte in der vorigen Woche fein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum durch eine Festsitzung in der Gartenbauschule in Ahlem. Direktor Albert Silberberg, der Leiter der Anstalt, der die Vereinigung der Ehemaligen begründete und sie noch heute als Vorsitzender leitet, wies einleitend auf die Tendenzen des Verbandes hin und gab gleichzeitig einen Ueberblick über das Erreichte, sowiQe über die Zukunftspläne, die in den späteren Referaten im einzelnen mehr dargelegt wurden. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein eingehendes Referat des Domänendirektors Dyck, der zunächst nicht nur Herrn Direktor Silberberg für seine Arbeit für Ahlem und die Ahlemer im Laufe eines Bierteljahrhunderts dankte, sondern der auch in wundervoller, tief ergreifender Weise der verstorbenen Gattin Silberbergs gedachte, die mit allen ehemaligen Ahlemern weit über das Grab hinaus aus immer verbunden ist. Worte des Gedenkens fand man dann für den Begründer Ahlems, Konsul Simon, für die Männer, die heute nicht mehr unter uns weilen, aber ebenfalls in der Anstalt ihr Lebenswerk sahen und schließlich für alle die Kameraden, die dem Verein im Laufe der fünfundzwanzig Jahre entrissen wurden. Domänendirektor Dyck berichtete dann über jüdische Siedlungsbeftrebungen in Deutschland, eine Angelegenheit, die nicht nur sehr aktuell ist. sondern naturgemäß die Interessen Ahlems und der Ahlemer lebhaft berührt. An das Referat knüpfte sich eine längere Aussprache, die ihren Niederschlag in folgender Resolution fand: ,^Die Mitglieder des Vereins ehemaliger Ahlemer, die heute zur 25. Generalversammlung in Ahlem versammelt sind, haben die verschiedensten Referate über di« Möglichkeit der Ansiedlung jüdischer Landwirte mit Interesse enttzegengenommen. Sie sind als Gärtner und Landwirte an diesen Fragen brennend interessiert, da in erster Linie ihre eigene Zukunft und die Zukunft kommender Ahlemer Generationen praktisch in Frage kommt. Sie bitten deshalb in dieser Entschließung alle in Frage kommenden Verbände und Vereine, alle Versuche in möglichstem Einvernehmen mit Ahlem durchzusühren, das seit beinahe einem halben Jahrhundert durch Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Landwirten praktisch in der Agrarwirtschaft arbeitet." Diese Entschließung ist inzwischen an alle diejenigen jüdischen Zentralstellen geleitet worden, die augenblicklich das Siedlungsproblem betreiben. Nachmittags sprach Friedhossinspektor Piepes über jüdische Friedhofsgärtnerei, ehr Thema, das die Mitglieder des Vereins ehemaliger Ahlemer ebenfalls »praktisch interessiert. Den Nachmittagsoerhandlungen wohnte der zweite Vorsitzende des Vorstandes der Israelitischen Gartenbauschule, Justiziar Wolfes, sowie Herr Dr. Weil bei. Die Herren nahmen Gelegenheit, auch ihrerseits zu dem schwebenden Problem Stellung zu nehmen. Ein zwangloses Beisammensein der Ehemaligen mit den augenblicklichen Schülern und Lehrlingen der Gartenbauschule schloß die gutbesuchte Tagung, die wiederum Zeugnis ablegte, von dem innigen Zusammenhang mit dem herzlichen Einvernehmen, das zwischen der Leitung und den ehemaligen Schülern herrscht, die sich im Leben auf dem Gebiete der Bodenkultur bewähren. Aurich. (Jubiläum.) Lehrer a. D. B. Wolfs beging kürzlich sein 50 jähriges Ortsjubiläum. Trotz der Zurruhesetzung betätigt sich der geistig frische und körperlich rüstige Jubilar noch fleißig durch Abhalten von Vorträgen religiösen Inhalts. Dem arbeitsfreudigen geistigen Führer wurden mancherlei Ehrungen bereitet. Berlin. (5 0. G e b u r t s t a g.) Unser langjähriges Vorstandsmitglied, .Herr Glasermeister Hermann Müller, Neukölln, Hermannstraße 56, feiert am 8. Juli seinen 50. Geburtstag. Der Jubilar ist in Neukölln einer unserer bekanntesten Glaubensgenossen. Nicht nur, daß er Vorsteher der dortigen Israelitischen Brüdergemeinde ist, untersteht seiner Leitung das Neuköllner Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Wenn man sieht, mit tvelcher Liebe Herr Müller sich dieser aufreibenden Tätigkeit als Wohlsahrtspfleger unterzieht, so ist es kaum begreiflich, daß er außerdem noch Zeit findet, bei zahlreichen anderen jüdischen Organisationen an leitender Stelle zu stehen. Der Verein selbständiger .Handwerker jüdischen Glaubens in Berlin zählt ihn zu seinen rührigsten Mitgliedern. Auch im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist er an leitender Stelle der Neuköllner Ortsgruppe tätig. Nur seiner intensiven Arbeit ist es zu verdanken, daß der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. seit kurzem in Neukölln eine Bezirksgruppe hat, die hoffentlich mit seiner bewährten Hilft gut gedeihen wird. Wir wünschen dem Jubilar, daß er im Kreise seiner Ange- 'hörigen noch recht lange zum Wohle des deutschen liberalen Judentums wirken möge. Berlin. (7 0. Geburtstag von Frau Er ne st ineEschelb ach er.) Am 8. Juli d. I. wird Frau Ernestine Eschelbacher, die Witwe des vor mehreren Jahren verstorbenen Gemeinderabbiners Dr. Eschelbacher, 70 Jahre alt. Ernestine Eschelbacher nimmt im jüdischen Leben Berlins eine hervorragende Stellung ein, sie gehört der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde als Abgeordnete der Religiösen Mittelpartci an, spielt in den Logen eine bedeutsame Rolle, und ihr Name wird in der freien Wohlfahrtspflege viel genannt. Sie ist erste Vorsitzende des SchMsternverbandcs der U.O.B.B.-Logen und ist auch in der Chewra Kadischa, im Frauenverein Berliner Logen, im Verbände „Ort", in der Israelitischen Union, in der Toynbce-Halle und in vielen anderen sozialen Organisationen hervorragend tätig. Breslau. (R e p r ä sc n t a n t e n s i tz u n g.) Tie Sitzung der Gemeindevertretung am 28. Juni, die letzte vor der Sommerpause, beschäftigte sich zur Hauptsache mit der Bewilligung einer einmaligen Cntschuldungsbeihilse an die Israelitische Krantenverpflegungsanstalt, für die der Gemeindevorstand Mk. 25 000, — beantragt hatte. Der Berichterstatter für diese Vorlage, Sanitätsrat Dr. Horn, legte dar, welche Mittel das Krankenhaus braucht, um auf der Höhe zu bleiben. Die finanziellen Mittet der Gemeinde erlaubten aber nicht, über den Antrag des Vorstandes hinauszugehen. Die neu entstehenden Unkosten brauchten auch nicht in einem einzigen Jahre getilgt zu werden. Bericht über die finanzielle Lage des Krankenhauses werde immer nur dann erstattet, wenn neue Mittel angesordert würden; dieser sei aber öfter nötig. Die umfangreiche Aussprache, die sich an diese Vorlage knüpfte, erörterte im besonderen, ob das Krankenhaus bei besonders großen einmaligen Ausgaben sich nicht hypothekarisch belasten und nicht die staatlichen und städtischen Behörden zur Entlastung heranziehen dürft. Schließlich erkannte man einstimmig an, daß das bereits vorhandene Defizit beseitigt werden müsse, und bewilligte den geforderten Betrag. — Die Gemeindevertretung bewilligte alsdann dem Verein Jüdisches Museum E. V. in Breslau eine einmalige Beihilfe von Mk. 3000,— für den Museumsgrundstock und einen Jahresbeitrag von Mk. 500,—, schlug ein Grabpslegevermächtnis wegen zu geringer Höhe aus und nahm den Verwaltungsbericht für die Zeit von Mitte April bis Mitte Juni ds. Js. zur Kenntnis. Den durch Erdbeben schwer heimgesuchten Juden in Bulgarien gewährte man eine Beihilfe von Mk. 300,—. In kurzer geheimer Sitzung wurde die Besoldungsvorlage vervollständigt. Insbesondere wurde beschlossen, keine Altpensionäre zu schaffen, vielmehr die Ruhegehälter auf der Grundlage der neuen Gehaltsbezüge jedesmal neu zu errechnen. Breslau. (Generalversammlung der Chewra Kadi s ch a.) Die ordentliche Generalversammlung der Chewra Kadischa fand am Sonntag, den 24. Juni ds. Js., vormittag IOV2 Uhr, im großen Saale der Lessing-Loge statt und war von mehr als 200 Mitgliedern besucht. Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes, Herr Martin Fraenkel, eröffnete die Generalversammlung, dankte den Erschienenen und begrüßte den Kommissar der Synagogen-Gemeinde, Herrn Geh. Justizrat Goldfeld, dem er auch für sein Interesse, das er den Wohltätigkeitsanstalten der Chewra Kadischa stets cntgegenbringt, dankte. Er gedachte der im letzten Jahr Verstorbenen, zu deren Ehrung sich die Erschienenen von den Plätzen erhoben. Herr Verwaltungsdirektor Levenbach brachte sodann den Verwaltungs- und Geschäftsbericht für die Jahre 1926 und 1927 zur Verlesung. Der satzungsgemäßen Aufgabe des Krankenhauses, den armen jüdischen Patienten unentgeltliche Aufnahme zu gewähren, wurde in weitestem Umfange Rechnung getragen, was auch daraus hervorgeht, daß die Zahl der für arme jüdische Kranke geleisteten Verpslegungstage im Jahre 1927: 7900 betrug. Der Berwaltungsbericht hebt sodann auch die bedeutungsvolle Stiftung eines neuen Röntgen-Institutes durch Herrn Lucius N. Littauer aus New Jork, die dieser hochherzige Philanthrop auf den Namen seines in Breslau geborenen Vaters „Nathan Littauer" errichtete, hervor. Herrn Lucius N. Littauer ist die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft verliehen worden. In den Polikliniken wurden viele Tausend Kranke ohne Unterschied des Glaubens unentgeltlich behandelt. Der Bericht erwähnt sodann ferner die Stadtkrankenpslege und hebt hervor, daß mehr als 300 arme jüdische Familien dauernd für Rechnung der Chewra Kadischa mit ärztlicher Behandlung, sowie Medikamenten und anderen Heilmitteln versorgt werden. Die Israelitische Altersversorgungsanstalt und das Siechenhaus sind den ihnen obliegenden Ausgaben in vollem Umfange nachgekommen. Der Bericht hebt weiter hervor, daß die Zahl der Mitglieder der Israelitischen Kranken-Verpslegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft sich erfreulich vermehrt hat und heute mehr als 4300 beträgt. Der Vorstand richtet die Bitte an die Gesellschaftsmitglieder, soweit sie dazu in der Lage sind, die satzungsgemäßen Mindestbeiträge von 10 Mark pro Jahr angemessen zu erhöhen. Der Berwaltungsbericht schließt mit dem Hinweis darauf, daß in der verflossenen Berichtsperiode es möglich gewesen ist, die großen Schäden der Kriegszeit und der Jnflationsjahre in weitem Umfange zu beseitigen und die Betriebseinrichtungen des Krankenhauses so zu verbessern, daß es seinen hohen Ruf, an der Spitze der Breslauer Krankenhäuser zu stehen, aufs Neue befestigen konnte. Der Bericht wird von der Versammlung ohne Debatte angenommen und nach dem Bericht der Rechnungsprüfer dem Vorstande Entlastung erteilt. Es folgt sodann die Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern. Dortmund. (Todesfall.) Dienstag, den 26. Juni, starb 83jährig Frau Johanna Cohen, geb. Rosenftld, die Ehrenvorsitzende deS Jjraeliti'chen Frauenvereins Dortmunds. — Ein Menschenalter hat sie denselben vorbildlich geleitet. Der Vorstand des Israelitischen Frauenvereins wrdmet der Verstorbenen einen sehr warm empfundenen Nachruf, in dem er ihre Unermüdlichkeit im Willen, Annen und Bedrückten zu helft», rühmt, ihr edles Herz, das es verstand. Niedergedrückt« und Verzagte seelisch zu erheben und aufzurichten. Dortmund. (BestrebungenzurGründungeinesneutralen Jugendvereins.) Seit einigen Jahren war der auf neutraler Grundlage arbeitende, früher hoch in Blüte stehende Jugendverein vollkommen von der Bildfläche der jüdischen Gemeinde Dortmunds verschwunden. — Der Gedanke der neutralen Bewegung aber lebte weiter. — D§r Verband der jüdischen Jugendvereine

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