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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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I M,I.,fl> ,.! II jfl l||l|l I tl »ff» WAi.' 8. Jahrgang Nummer 27 MOhÄmckZeitmz Vellage ö. Juli 1928 Amschau Ei« Kongreß tet palästinenfifchrn Araber. Vor kurzem ist in Jerusalem der 7. palästinensisch-arabische Kongreß zusammengetreten. Anwesend waren 210 Delegierte, unter ihnen 42 Christen. Einen großen Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der Beteiligung an einer gesetzgebenden Körperschaft (Legislative Council) ein. Es wurde beschlossen, an den Völkerbund, an das britische Kolonialamt und an führende Zeitungen Englands je zwei Telegramme zu senden: In dem ersten wird festgestellt, daß Palästina seit der britischen Okkupation ohne Parlament und ohne Selbstbestimmung ist und darum sehr zu leiden hat. In dem zweiten Telegramm wird gegen die Feststellung von Colonel Symes vor der Mandatskommission des Völkerbundes, daß sich die Lage Palästinas gebessert und das Land sich auf dem Wege zur Selbstregierung entwickelt, protestiert. Der Kongreß sandte telegraphische Glückwünsche an die Konstituierende Versammlung Syriens. Der Kongreß befaßte sich auch mit Schulfragen und anderen Problemen. Nach der Wahl einer Exekutive, in der alle an dem Kongreß beteiligt gewesenen Parteien vertreten sind, wurde der Kongreß geschlossen. Das an den Völkerbund entsandte Telegramm lautet: „In einer einstimmigen Resolution hat der in Jerusalem tagende Araberkongreß, auf dem alle arabischen Parteien, die Araber mohammedanischer und christlicher Konfession vertreten sind, beschlossen, hiermit sein Recht auf Errichtung eines demokratisch-parlamentarischen Regierungssystems zu verlangen. Es ist die Pflicht des Völkerbundes, dafür zu sorgen, daß Palästina nach zehn Jahren einer absolutistischen Kolonialverwaltung in Uebereinstimmung mit dem Völkerbundsstatut und den Versprechungen, die die alliierten Mächte den Arabern gegeben haben, ein solches Regierungssystem bewilligt erhalte. Palästina steht auf gleichem Fuße mit I den arabischen Nachbarländern, die sich einer parlamentarischen Regierung erfreuen. Das Volk Palästinas, das die absolutistische Kolonialverwaltung nicht länger dulden will, besieht mit allem Nachdruck auf der Forderung, daß eine verfassunggebende Versammlung einberufen werde, die aus eigenem Recht tagt, um so die Errichtung einer demokratischparlamentarischen Regierung zu gewährleisten." Dieses Telegramm hat das Büro des Völkerbundes dem arabischen Kongreß zurückgeschickt, weil nach der festgesetzten Prozedur Einwohner der Mandatsländer nur durch ihre Regierungen Petitionen dem Völkerbund übermitteln dürfen. Der palästinensisch-arabische Kongreß hat ferner einstimmig eine Resolution gefaßt, in der verlangt wird, daß die Ausbeutung der Kalischätze durch die Regierung erfolgen solle; unter keinen Umständen dürfe eine Konzession an Zionisten oder zionistische Organisationen gegeben werden. Dies wird in der Resolution mit der Behauptung begründet, das Schicksal der Ruthenberg-Konzession habe gezeigt, daß die Zionisten auch alle wirtschaftlichen Unternehmungen zu politischen Zwecken mißbrauchten. Die antizionistische Londoner Zeitung „Daily Expreß" spricht angesichts der Teilnahme christlicher Araber an dem palästinensisch-arabischen Kongreß von einer arabischen Einheitsfront gegen Großbritanniens prozionistische Politik und erklärt, es sei töricht für die Engländer, den Eindruck 6e* stehen zu lassen, daß man die Juden gegen die Moslemiten stützt. Die arabische Presse veröffentlicht ein Memorandum, welches eine Gruppe jüdischer Kommunisten an den soeben stattgefundenen arabischen Kongreß gerichtet hat. Darin fordern die jüdischen Kommunisten, die sich als unparteiisch bezeichnen, den Kongreß auf, den Zionismus als den schlimmsten Feind sowohl der Araber wie der Juden zu bekämpfen. Die Juden, heißt es dann weiter, haben nicht mehr Recht auf Palästina, als die Araber auf Andalusien (die einst von Arabern bewohnt gewesene spanische Provinz). Gegen Großbritannien, heißt es zum Schluß, müsse man kämpfen, weil es die zionistischen Bestrebungen fördert. Die Arbeiter und Bauern der ganzen Welt seien Freunde des arabischen Freiheitskarnpfes. Nur ein Bündnis zwischen arabischen und jüdischen Arbeitern könne eine Wiederholung der in Palästina 1921 stattgefundenen Unruhen verhüten. Der Weltfriedenskongreß soll gegen den Antisemitismus protestieren. Ter im Jahre 1926 in Genf abgehaltene 26. Welt-Friedenskongreß hat aus Antrag der jüdischen Frauenliga eine Resolution gegen die antisemitische Bewegung, insbesondere gegen den Antisemitismus an den Universitäten und Hochschulen, angenommen. Nunmehr wandte sich die jüdische Frauenliga an den Generalsekretär des Internationalen Friedensbipcos mit dem Ersuchen, daß der gegenwärtig in Warschau tagende Welt-Friedenskongreß nicht nur die bereits in Genf gefaßte Resolution bekräftigen, sondern auch eine aus zehn Persönlichkeiten bestehende Kommission erwählen solle, die im Namen der Weltfriedensbewegung den Kampf gegen den Antisemitismus führen solle. In dem Schreiben der jüdischen frauenliga wird auf die antisemitischen Ausschreitungen, die seit 1926 in verschiedenen Ländern, insbesondere in Rumänien vorgekommen sind, hingewiesen. Der Generalsekretär des Welt-Friedensbüros teilte der jüdischen Frauenliga mit, daß die Kongreßkommission für aktuelle Angelegenheiten ihren Vorschlag in Behandlung gezogen hat. Konflikt in Köln Auf Wunsch von Besuchern der Synagoge Roonstraße hatte die Rituskommission dieser Synagoge einige unerhebliche Aenderungen der Liturgie ins Auge gefaßt. Namentlich war der Vortrag der Haftara in deutscher Sprache vorgesehen. Die Kommission, der alle Parteien angehören, leitete ihren Beschluß an den Gemeindevorstand weiter, der mit überwiegender Mehrheit zustimmte und der Repräsentanz hie Angelegenheit zur Stellungnahme vorlegte. Die Repräsentantenversammlung hat in ihrer Sitzung am Donnerstag, den 28. Juni, sämtliche Vorschläge abgelehnt. Es waren namentlich die Konservativen und ein extrem Orthodoxer^, die heftige Angriffe gegen den Liberalismus richteten.' Als einer der konservativen Herren seine Polemik ablas, verließen die Liberalen den Saal. Die in Frage stehende Angelegenheit betrifft lediglich den Ritus der liberalen Synagoge, für dessen Ausgestaltung die Rituskommission dieses Gotteshauses zuständig ist. Für die religiösen Bedürfnisse der Konservativen sorgt die Rituskommissron der konservativen Synagoge Glockengasse. Während die Liberalen, auch als sie noch die Mehrheit hatten, den Konservativen die Sorge um ihre Belange überließen, mischen sich nunmehr die Konservativen und die ihnen in religiösen Fragen folgenden Zionisten in Angelegenheiten, für deren Ordnung sie nicht zuständig sind. Der Sprecher der liberalen Fraktion, Rechtsanwalt Dr. Kaufmann, warnte in seiner Erwiderung ernstlich vor unüberlegten Schritten, forderte eine Stellungnahme der Gegner, die den Liberalen Gewissensfreiheit gewähre und kündigte sehr einschneidende Maßnahmen an für den Fall, daß man die Vorschläge des Vorstandes ablehne. Obwohl die Rede einen tiefen Eindruck hinterließ und sich der Führer der Volkspartei unter diesem Eindruck veranlaßt sah, zweimal den Vertagungsantrag zu stellen, wurden sämtliche Vorschläge abgelehnt. Die liberale Fraktion verließ hierauf zum zweiten Male den Saal. Welche Folgen sich aus dieser Haltung der Repräsentantenmehrheit ergeben werden, ist noch nicht zu übersehen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Möglichkeit einer Verselbständigung des Liberalismus und damit einer Befreiung von konservativ-zionistischer Bevormundung in greifbare Nähe gerückt ist. Etatberalung in der Berliner Gemeinde Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde verabschiedete in der vergangenen Woche in ihrer letzten Sitzung vor den Ferien den Gemeindeetat für 1928. Die Tatsache, daß die Zustimmung zu der im wesentlichen unverändert gelassenen Vorlage des Vorstandes einstimmig erfolgte, beweist wohl am besten die Berechtigung der in der Repräsentantenversammlung gemachten Feststellung, daß Sendet den fälligen Beitrag für das 3. Quartal 1928 in Höhe von Mk. 2,5v auf das Postscheckkonto der BereiuiWNg für das Nderale Judentum Berlin Nr. 137089 ein. auch die neue Mehrheit mit Wasser kochen muß. Tatsächlich ähnelt der Etat von 1928 dem des Vorjahres wie ein Ei dem anderen, nur daß er — wie der Berichterstatter des Etatausschusses, Moritz Rosenthal betonte — viel undurchsichtiger ist als sein Vorgänger, da er oft Einzelsummen durch Gesamtpositionen ersetzt. Der Etat zeugt von der Bedeutung, die der Berliner Gemeinde im Leben des deutschen Judentums zukommt. Er weist eine Gesamtendsumme von annähernd 10 Millionen Mark auf, von denen etwa 6 Millionen durch Steuern aufgebracht werden. Die Ausgaben gliedern sich im einzelnen wie folgt: Kultus- und Ritualangelegm- Heiken 2,8 Millionen, Unterrichts- und Bibliothekwesen 1,1 Million, Wohlfahrtswesen 2,9 Millionen, Allgemeine jüdische Angelegenheiten 0,4 Million (davon 350000 Mark für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden), Vermögens- und allgemeine Verwaltung 2,6 Millionen. Die Gemeindesteuer-Quote bleibt mit 10 Prozent der Reichseinkommensteuer unverändert. Für den Etatausschuß würdigte dessen Vorsitzender, der liberale Repräsentant Moritz Rosenthal, eingehend die einzelnen Positionen des Etats, wobei er . auf Grund statistischer Vergleiche mit großer Sachkenntnis die gesamte Finanzgebarung der Gemeinde durchleuchtete. Er forderte namens des Etatausschusses die Einstellung eines beamteten Kassenrevisors sowie regelmäßige Prüfungen durch eine Treuhandgesellschaft und pünktliche Vorlegung der Rechnungsabschlüsse. Schließlich verlangte er Vereinfachungen im Steuerbüro der Gemeinde, das gegenwärtig mit 71 Beamten und Angestellten arbeite, und bei der Kaschruth-Kommission, die jetzt 33 Per- .sonen beschäftige, vor dem Kriege hingegen nur acht. Bei der Besprechung der Beamtengehälter wies er darauf hin, daß bei der letzten Besoldungserhöhung offensichtlich Härten vorgekommen seien, die beseitigt werden müßten. Die großen Gehaltsempfänger seien zum Teil weit besser weggekommen als die kleinen. Die Zahl der Angestellten — die Jüdische Gemeinde beschäftigte im vergangenen Jahr 247 Beamte und 661 Angestellte — sollte verringert werden. Ferner empfahl er die Einsetzung einer ständigen Wohlfahrtsdeputation, Schaffung eines Ledigenheimes, Ueberweisung von weiteren 50 000 Mark an die Darlehnskasse und, wie bisher, von 300 000 Mark an den Kapitalerneuerungsfonds. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Geh.- Rat Stern, dankte dem Berichterstatter für seinen Bericht und für die Mühe und Arbeit, die er als Vorsitzender der Etatkommission übernommen habe., Der Finanzdezernent des Vorstandes, Kareski, geht dann auf Einzelheiten der Etatgestaltung ein und betont, daß Sparsamkeit der Grundsatz der Gemeindepolitik bleibm müsse. Bei der Erfüllung der Aufgaben der Gemeinde müsse daher eine Auswahl nach dem Gesichtspunkt der Dringlichkeit getroffen werden. Die Aussprache begann — von der parlamentarisch üblichen Reihenfolge wurde merkwürdigerweise völlig abgewichen — der Poale-Zionist R.-A. Dr. Oscar Cohn. Aus der starken Betätigung der Jüdischen Gemeinde auf sozialem Gebiet, obwohl diese gegen das Vorjahr sogar etwas zurückgegangen ist, versuchte er zu schließen, daß sich der Charakter der Gemeinde als der einer Volksgemeinde immer deutlicher auspräge. Er kritisierte scharf das Wohlfahrtsamt der Gemeinde und forderte die Schaffung und Förderung jüdischer Schulen. (Ueber diese Forderung seitens des früheren sozialdemokratischen Politikers soll in der nächsten Woche noch gesprochen werden.) Schließlich gab er den Rat, sich „nicht hinter dem Schamfetzen des deutschen Staatsbürgertums jüdischen Glaubens zu verstecken", kündigte flir die kommenden Jahre die Forderung einer Etatposition für palästinensische Arbeiterfonds an und sandte von hier aus an die Pioniere in Palästina seine Grütze. Der konservative Repräsentant, Moritz A. Loeb, trat den zionistischen Gedarttengängen Cohns mit auffallender Schärfe entgegen. Palästina sei den Konservativen teuer als Wiege der jüdischen Religion und als religiöse Zukunstshoffnung, lSer nicht als Experiment eines sozialistischen Staates, weil man anderswo kein Land zum Experimentieren in diesem Geist bekommt. . Er traf sich mit Cohn in der Forderung der Schafung jüdischer Schulen, wobei allerdings, wie Prof. Türk Ich.) mit Recht betonte, seine jüdische Schule mit der von Cohn kaum mehr als den Namen gemein haben dürste. Bon der liberalen Fraktion forderte dann noch Wilhelm Markus eine stärkere Berücksichtigung der Interessen des jüdichen Mittelstandes. Er lehnte es ab, Steuergeldcr der Berliner Jüdischen Gemeinde für Aufgaben in Palästina zu verwenden.- Dr. Fleischer (lib.) wies die Palästina- und Schulorderungen der Zionisten mit Entschiedenheit zurück. Er bemängelte, datz bei der Versteigerung der Bibliothek von Paul Nathan trotz Aufforderung kein Vertreter der Gemeinde anwesend war. Er wünscht eine jüdische Poliklinik für den Westen und das Zentrum Berlins. Das jüdische Krankenhaus beschäftige, angeblich aus religiösen Gründen, z. T. nichtjüdische Krankenschwestern, was völlig abwegig fei. Er lobt die Tätigkeit des liberalen Vorstandsdezernenten, Prof. Seligmann, und stellt zur Erwägung, ob das jüdische Krankenhaus nicht mit Rücksicht auf den Boykott jüdischer Aerzte zu einem Fortbildungsinstitut für junge jüdische Aerzte ausgebaut werden sollte. Auch empfichlt er die Ausbildung jüdischer Krankenwärter als einen Weg produktiver Fürsorge. Nach Schluß der Aussprache wurde der Etat mit Rücksicht aus die dorgeschrittene Zeit en bloc angenommen. Die Spezialreferate und die Spezialdebatte sielen aus, ein Verfahren, das wir nicht zu billigen vermögen. Neben der Verabschiedung des Etats wurden noch Beiträge bewilligt an die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, an die Hauplstelle für jüdische Wanderfürsorge, an die jüdische Orchfftervereinigung (erstmalig) und für die Berliner Turn- und Sportwoch«. Eine Vorlage betr. Subventionierung des Profanunterrichts an den beiden Schulen des jüdischen Schulvereins wurde vertagt. »Schir Zion" und Franz Schubert von M. Lang selber. Gar wenige der Millionen Verehrer des größten deutschen Lredersürsten werden es wissen, daß ihn tinft oie treueste Freundschaft mit einem hochgebildeten Juden verbanddaß der Oberkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeind«^. einer der ersten Interpreten und Sänger der Lieder von Franz Schubert war. Der herrliche Bariton Salomon Sulzers konnte sich so recht in den Torffchöpfungen Franz Schuberts ausleben. Einer der feinsten Musikkenner des damaligen Wien, ein virtuoser Geiger, der unglückliche Dichter Nikolaus Lenau schrieb an seinen Freund Ludwig August Frantt: „So hörte ich heute abends den Vorsänger der hiesigen Synagoge, Sulzer, der wahrscheinlich die schönste Stimme in ganz Deutschland hat!" Auch Erzbischof Pyrker, der feinsinnige Dichter der „Rudolfias", schätzte den glänzenden Bariton Sulzer über alles. Oft und oft verbarg eine Säule des Seitenstottentempels den lauschenden Kirchenfürsten. Und mchr als einmal geschah es dann, daß der Erzbischof den Raum und alles vergaß und den Sänger stürmisch umarmte. Als Salomon Sulzer fein unvergängliches, monumentales Werk „Schir Zion" schuf, das alle gottesdienstlichen Gesänge der Israeliten vereinte, da war es der junge Schullehrer vom Alsergrund, Franz Schubert, der Sulzer helfend zur Seite stand. Emen herrlichen Psalm, den 92., komponierte Franz Schubert für „Schir Zion" und widmete ihn in danKarer Anerkennung für den unvergeßlichen Bortrag Schubert'schür Lieder dem Oberkantor Salomon Sulzer. So wurde dieser Psalm nicht nur ein kunsthistorisches Denkmal, sondern auch ein historischer Beweis, daß es einst treue Freundschaft zwischen Juden und Christen gab. In dem Jahresbericht des Wiener Männer-Gesang-Bsreines von 1873 heißt es: „Am 31. März feierte der ONkwkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herr S.' Sulzer, fein 70. Geburtssest. Sulzer, ein Zeitgenosse Franz Schuberts, brachte dessen Lieder, lana ehe sie Gemeingut geworden, durch seinen vorzüglichen Vortrag zur Geltung!" Und als Salomon Sulzer sein 40-jähriges AmtsjMläum feierte, da sprach die Burgtheater-Schauspielecin Zerline Gabillon ein von S. H. Mosenthal verfaßtes Huldigungsgedicht: Wer gab wie er Franz Schuberts Weisen wieder, Der nur durch ihn so deutungsvoll erklang! Ten „Morgengruß" fang er zum Säugling nieder! „Wohin" rief er dem Jüngling bang? Der Braut sang er „Rastlose Liebe" Lieder, Den Greis einlullend fang er „Schwanengesang", Des Freundes Grab selbst schmückten seine Töne Dort fang er leis' dem „Wanderer" die Töne. Aus der Bewegung Dortmund. (Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum.) Donnerstag, den 21. Juni, vereinte sich unsere Ortsgruppe zur letzten Veranstaltung dieses Jahres und im vorweg bemerkt sei mit einer — trotz der weit vorgerückten und allen Bereinsveranstaltungen sehr ungünstigen Jahreszeit — außerordentlich starken Beteiligung der Mitglieder. — Ludwig Meyer, der erfahrene und langjährige Führer der Dortmunder Jugendgruppe der Kameraden, sprach über: „Die Ziele der deutsch-jüdischen Jugendbewegung". — Er berührte die Gesamtprobleme der Jugendbewegung und seine Ausführungen fanden regstes Interesse. — Eine sehr anregende Diskussion schloß sich dem Referate an, so daß der Leitev des Abends, Herr Lehrer Nußbaum, der tiefen Befriedigung über das Gelingen der Veranstaltung der engeren Fühlungsnahme der Ortsgruppe der liberalen Bereinigung zum Jugendbund der Kameraden Ausdruck geben konnte. Berlin. (Synagogenverein Berlin-Westend.) Die wir hören, ist beabsichtigt, in Westend einen Synagogenverein in- Leben zu rufen, um einen regelmäßigen Freitag-Abendgottesdienst (religiös-liberal) zu veranstalten. Zur Unterstützung dieser Idee werden Interessenten gebeten, ihre Adresse an Herrn Dr. Alfred Caro, Berlin-Charlottenburg 9, Ahornallee 29,, einzusenden. :r < i ( , 1! ■ 5 f . 4 1

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