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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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überall zu einem wertvollen Mitarbeiter und vor allem auch zu einem eifrigen Förderer der religiösen Erziehung unserer Jugend. Seiner Anregung ist insbesondere die Einführung eines Sederabends und besonderer Gottesdienste für die Jugend zu verdanken. Dem jüdischen Liberalismus ist der Jubilar stets ein hingebungsvoller Förderer gewesen, der ihm jederzeit bereitwilligst mit Rat und £at zur Seite stand. Mögen dem Geburtstagskinde, das mit jugendlichem, allzeit begeisterungsfähigem Herzen seinen Ehrentag begeht, noch viele Jahre der Freude und des Erfolges in gleicher körperlicher Frische beschieden sein. Dresden. (Landeskasse Sachsen für jüdische Wände rfür sorge.) Unter Leitung von Herrn Joseph Kahn (Chemnitz) fand Mitte Juni im Gemeindeamt der hiesigen Gemeinde die erste diesjährige Sitzung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge statt. Außer Vertretern aus den Gemeinden Annaberg, Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen, Zittau und Zwickau nahm an der Tagung Dr. Kreutzberger von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge teil. Verwaltungsdirektor Katzen st ein (Leipzig) erstattete den Kassenbericht. Die einstimmig genehmigte Abrechnung ergab einen Kassenbestand von rund 5000 Mark. Wie im abgelaufenen Geschäftsjahr, das nur neun Monate umfaßte, soll für das laufende zwölfmonatige Geschäftsjahr als Beitrag zur Landeskasse 9,3 vom Tausend des Reichseinkommensteuersolls erhoben werden. Von der Festsetzung eines höheren Beitrages kann indes nur abgesehen werden, wenn ein Teil der bisherigen Ortskassen wegfällt. Rechtsanwalt S a l i n g e r, der sich dafür einsetzte, die kleinen Kassen vorerst versuchsweise aus ein Jahr aufzulösen, bemerkte, daß die endgültige Entschließung in dieser Frage dem Sächsischen Gemeindeverband, dessen Zustimmung indes zu erwarten sei, obliege. Ein Antrag von Prag forderte, daß nur Durchwanderer tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft durchgängig nach Prag befördert werden. Es wurde beschlossen, die Klärung dieser Frage von dem Ergebnis der zwischen der Jüdischen Fürsorgestelle Prag und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge zu führenden Verhandlungen abhängig zu machen. Ueber den augenblicklichen Stand der Arbeiten zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Arbeiterkolonie berichtete Dr. Kreutzberger (Berlin). Er gab bekannt, daß die staatlichen Behörden bereit seien, die Durchführung dieses Planes, zu dem 300 000 Mark aufgebracht werden müssen, durch Gewährung eines Kredites von 60 000 Mark zu unterstützen. Es habe keinen Sinn, die Wandersürsorge weiterhin nur als Abwehrtätigkeit zu betreiben. Ihre produktive Gestaltung sei unerläßlich. Zu diesem Zweck schlug er vor, den Bestand der Landeskasse von 5000 Mark der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge zuzuweisen, damit er von dort aus für die Errichtung der landwirtschaftlichen Arbeiterkolonie Verwendung finden kann. Rechtsanwalt Sali n g e r bezweifelte, ob durch diese Kolonie die Krankheit des Manderns behoben und es den Verbänden zugemutet werden könne, für etwa 50 Leute ein so ungemein kostspieliges Werk ins Leben zu rufen. Es sei notwendig, zunächst das bisher über das geplante Unternehmen gesammelte Material dem Sächsischen Gemeindeverband und der Landeskasse vorzulegen. Anschließend führte Direktor Katze nstein aus, daß man vorerst versuchen solle, den vorhandenen Geldbestand wenigstens zum Teil für Einrichtungen der produktiven Wanderfürsorge im engeren Bezirk der Landeskasse zu verwenden. Uebrigens sei die Versammlung für die erforderliche Geldbewilligung nicht zuständig. Um sie errichten zu können, müsse jedoch die Hilfe privater Kreise und nicht zuletzt die Propagandaarbeit der jüdischen Presse in denkbar großem Umfange nutzbar gemacht werden. Die Verbünde könnten angesichts der Fülle der ihnen jetzt schon obliegenden Ausgaben neue Lasten jedenfalls nur schwer auf sich nehmen. Dr. Kreutzberger trat nochmals, indem er die bei den Strafentlassenen und heimatlosen Flüchtlingen herrschenden Nöte schilderte, für die Errichtung der Kolonie ein. Von privater Seite würde man kaum die Beschaffung der erforderlichen Mittel zu erwarten haben. Dies habe sich — nicht zuletzt in Anbetracht der Verarmung des jüdischen Mittelstandes — z. B. bei der Sammlung des Jüdischen Frauenbundes zur Gründung einer Lungenheilstätte gezeigt. In Anbetracht, daß der Staat einen Kredit von 60 000 Mark zusagte, müßte den sein. Die einstimmig hierzu angenommene Entschließung lautete: Verbänden die Aufbringung von mindestens 100 000 Mark möglich „Die heutige Tagung der Landeskasse Sachsen hält die Schaffung einer Arbeiterkolonie seitens der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge für unbedingt erforderlich und bittet den Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband um Bereitstellung der auf ihn entfallenden Mittel. Die heutige Tagung gibt anheim, von dem vorhandenen Ueberschuß der Landeskasse 2500 Mark für den genannten Zweck zu verwenden, die restlichen 2500 Mark für Einrichtungen der Landeskasse Sachsen zugunsten der Wandersürsorge zurückzustellen." Forst. (S y n a g o g e n s ch ä n d u n g.) Prediger Jastrow in Forst in der Lausitz hat gegen Unbekannt Strafantrag wegen Besudlung des Synagogengebäudes (öffentlich kirchlichen Gebäudes) Forst i. d. L. gestellt. Dort sind an dem Haupteingang in der Nacht vom 11. zum 12. Juni 4 Zettel völkisch-nationalen Inhalts angeklebt worden, die das Hitler-Bildnis, das Hakenkreuz, die Inschrift: „Großdeutschland erwache!" und den Satz enthielten: „Die jüdischen Paradiese dieser Welt sind stets noch Stätten des Grauens gewesen." Die „C. V.- Zeitung" nimmt an, daß die Täter in den Kreisen der Werwolf- Bewegung zu suchen sind und erklärt, der C. V. werde in Gemeinschaft mit seiner Ortsgruppe nichts unversucht lassen, „um diese heimtückischen und feigen Umtriebe der gerichtlichen Sühne entgeenzuführen". Frankfurt a. M. (B e r e in Synagoge K ö n i g st e i n e r - straße.) Der Verein Synagoge Königsteinerstraße hat seine Aufgaben im Winter 1927/28 hauptsächlich auf zwei Wegen gerecht zu werden versucht: Einmal hat er durch Ausgestaltung von Jugendgottesdiensten an besonders geeigneten Tagen sich bemüht, zum ver4 stärkten Synagogenbesuch vor allem die kommende Generation anzuregen, zumal da die Hoffnung gerechtfertigt ist, daß die Entwicklung der Kinder in zahlreichen Fallen nicht ohne Einfluß auf die Eltern ist. Zum anderen war der Verein bestrebt, sich unter den Besuchern der Synagoge einen Stamm von ständigen Interessenten für seine Arbeit zu schaffen durch Aussprachen und Vorträge, die die Verbundenheit der jüdischen Probleme mit den Störungen der Gegenwart zeigen sollten. In glücklicher Weise kam das Bedürfnis nach lebendiger Beziehung zwischen Gemeinde und. Gottesdienst in der ersten Veranstaltung zum Ausdruck in einer Aussprache über „Die Stellung der Gemeinde im Gottesdienst", eingeleitet durch ein knappes Referat von Dr. Eduard Strauß. Auf Grund der lebhaften Aussprache richtete der Verein an den Gemeindevorstand eine Eingabe um Vereinfachung der Chorgesänge, damit der Gemeinde die Aus- Ahnung des Chorgesangs zum Gemeindegefang ermöglicht werde. Die Eingabe wurde genehmigt und soll nun durchgeführt werden. Ein Vortrag von Frau Margarete Susmann (Basel) über „Die Botschaft der Religion an unsere Zeit" gab der Hinwendung zur Religion aus der Zerrissenheit unseres geistigen Lebens starken Ausdruck und zeigte die Verwandtschaft alter jüdischer Gedanken mit der modernen Haltung. Der Einklang von vollendeter Form und gedanklicher Durchdringung verfehlte nicht feine starke Wirkung auf die Zuhörer. * *n Goldner (Berlin) setzte in einem Bortrag ,1*- ^Ü^uwart" die Reihe fort. Er versuchte in gefchichtsphiwsophstcher Untersuchung die Aehnlichkeiten der heutigen Lage des deutschen Judentums mit früheren Stationen der jüdischen Geschichte aufzuzeigen — Alexandria, Spanien — und darauf aufbauend dre Besonderheiten der jüdischen Aufgabe in unserer Zeit P!ciarteium Sakheim (Frankfurt a. M.) nahm dre Buber-Rosenzweigsche Bibelübersetzung zum Anlaß, die Geschichte der Bibelubertragungen zu behandeln. Eine umfassende Darstellung fron der frühesten bis zu der neuesten Uebersetzung zeigte, wie die Eigenart der lewerligen geschichtlichen Lage das Gesicht jeder Ueberntzung bestimmte. Zwischen diesen Veranstaltungen lagen die bereits erwähnten ^ugendgottesdienste zu Simchas Thorah, Chanukah und Purim. Erne der kindlichen Haltung fein angepaßte Ansprache von Rabbiner 'm. Selrgmann erregte jedesmal große Freude und Begeisterung, ebenso wie die von Frau Marie Bloch organisierte Verteilung von angemessenen kleinen Geschenken durch den Verein (z. B. au Chanukkah jedem Jungen ein kleiner Leuchter). Das hat wohl auch -vielen Eltern Eindruck gemacht. Unmöglich wurde leider ein vorbereiteter Bortrag von Mr. Aime Palliöre (Paris), weil der Redner durch einen bedauerlichen Unfall von seiner Reise abgehalten wurde. Der Bortrag sott nun im kommenden Winter stattfinden, für den noch eine Reihe anderer Veranstaltungen in Vorbereitung ist. Hannover. (Dr. Ludwig Spanier gestorben.) Unsere Gemeinde hat in Dr. Ludtvig Spanier einen ihrer Besten verloren. Er war ein hervorragend tüchtiger, wahrhaft vornehmer Mensch, ein Arzt von seltener Pflichttreue, ein edler Menschenfreund, ein aufrechter, bewußter Jude. — Herr Schickenberg, Senator a. D., Direktor des städtischen Wohlfahrtsamtes Hannover, schreibt in der „Wohlfahrtswoche", dem amtlichen «Organ des Wohlfahrtsamtes und des Kriegs^rsorgeamtes der Stadt Hannover einen warmen Nachruf, dem wir auszugsweise folgendes entnehmen: ..Im edelsten Dienst der leidenden Menschheit, auf Familienglück und fast alle Freuden des Lebens froh verzichtend, hat sich Ludwig Spanier aufgeopfert..In der Brust dieses Arztes steckte ganz selbstverständlich das Herz des aufrichtigen Menschenfreundes; wohlzutun und mitzuteilen war ihm Lebensbedürfnis. Man frage einmal herum bei den kleinen Leuten in der Nähe des Boglersweges, wie oft ihnen der gute Doktor einen Strich durch seine eigene Rechnung gemacht hat... .... Es war deshalb nicht mehr als in der Ordnung, daß auf den Bergen von Kränzen, die sich am Donnerstag nachmittag nach einer ergreifenden Rede des jüdischen Geistlichen auf dem kleinen Bergfriedhof bei Hessisch-Oldendorf häuften, ein Kranz mit den rotweißen Farben der Skädt Hannover lag. Ja, Ludwig Spanier war Jude. Das kam manchem seiner dankbaren Patienten, die an seinem Grabe standen, ganz überraschend. Er aber, dessen entseelter Leichnam da unten lag. er hat, so hoch er auch stand, darunter gelitten, daß wir in Deutschland - immer noch Menschen haben, die dr glauben, die Juden als Volk bekämpfen und beschimpfen zu müssen. Würde ihnen jemals nur eine Ahnung aufgehen von der vornehmen Größe Ludwig Spaniers, seiner stillen Geistigkeit und rührenden Selbstlosigkeit, sie würden doch vielleicht Einkehr halten bei sich selbst." Hildesheim. (Frauenvereinstagung.) Die Delegiertentagung des Provinzialverbandes Israelitischer Frauenvereine Hannovers und angrenzender Gebiete wurde zeitlich zusammengelegt mit der Jubelfeier des 75 jährigen Bestehens des israelitischen Frauenvereins Hildesheim. Bei der offiziellen Feier wurden in zahlreichen Ansprachen die großen Verdienste des festgebenden Vereins gewürdigt. Anschließend bot die Jugend heitere Aufführungen. Die Delegiertentagung vereinte den vollzählig erschienenen Vorstand, fast sämtliche Ausschußmitglieder, 29 Delegierte und zahlreiche Gäste. Arbeits- und Kassenbericht wurden mit Interesse und Dank entgegengenommen. Die turnusgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes und des Ausschusses, sowie die Verbandsvorsitzende, Frau Martha Fischer, Hannover, wurden durch Zuruf wiedergewählt, an Stelle der ans Wunsch ausscheidenden Frau Schragenheim, Verden, wurde Frau Bertha Selig, Emden, gewählt. Die lebhafte Aussprache zeigte das große Interesse an den Aufgaben der jüdischen Frau. Die Tuberkulosefürsorge und damit verbunden die Arbeit für das Heim in Wyk a. F.» die Gefährdetenfürsorge, die Frage eines zu schaffenden Bewahrungsheimes und die Förderung des Heimes des J.F.B. in Isenburg wurden besprochen, ferner: die Fragen der Gemeindeheime und Jugendvereine. Erholungsfürsorge, Gefangenen- und Gerichtshilfe und der interkonfessionellen Arbeit. Aus dem Jahresbericht 1927: In Celle hat sich ein kleiner Kreis von Frauen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden und sich dem Provinzialverband angeschlossen. Die Tuberkulosenfürsorge des P.V. konnte in zehn Fällen Beihilfen zu Erholungskuren usw. gewähren. Mehrere Verschickungen Erholungsbedürftiger in Familien wurden ermöglicht, Adoptionen wie immer in diskretester Weise bearbeitet. Fast alle Vergünstigungen kamen den kleineren Vereinen in der Provinz zu Gute. Fünf Frauen des P.V. erklärten sich bereit, Borträge in der Provinz zu halten. — Die Delegierte des J.F.B., Dr. Edith Hirsch, sprach über alle Arbeitsgebiete des J.F.B. — Nach dem Mittagessen schilderte Frau Elfriede Bergel-Gronemann, Berlin, die großen Verdienste des J.F.B. um die Erweckung der jüdischen Frau auf sozialem Gebiet. Auch gab si-e einen kurzen Bericht von der Rabbinerkonferenz, der sie als Vertreterin des J.F.B. beigewohnt hatte. Frau Bergel-Gronemanns Ausführungen gaben der harmonisch verlaufenen Tagung einen würdigen Abschluß. Karlsruhe. (Tagung des Bundes Israelitischer Wohlfahrtsvercinigungen in Baden.) Aus Anlaß der zehnten Wiederkehr des Gründungstages des Bundes Israelitischer Wohlsahrtsvereinigungen in Baden war auf Sonntag vormittag 1/210 Uhr in den Räumen der Carl-Friedrich-Loge in Karlsruhe ein Wohlfahrtstag festgesetzt, zu dem auch Vertreter staatlicher und städtischer Behörden erschienen waren. Der Vorsitzende Herr Mann eröffnete um -%10 Uhr die Tagung und entbot den erschienenen Teilnehmern aus allen Gauen Badens einen herzlichen Willkommgruß. Stadtrabbiner Dr. Schiff gab hierauf einen kurzen Rück- und Ausblick über die Entwicklung des Bundes in diesen zehn Jahren, wobei er lobend das große Verständnis des Oberrates und der Synode, das diese durch eine weitgehende finanzielle Unterstützung zeigten, hervorhob. Wie aus dem Tätigkeitsbericht zu ersehen ist. war die Arbeit des Bundes im letzten Jahr sehr-umfang- und segensreich. Insgesamt wurden 214 Familien aus dem Lande betreut. Die Wirtschaftsfürsorge umfaßte 18 laufende Unterstützungen, 14 laufende Arbeitsbeihitfeil, 8 einmalige Wirtschaftsbeihilfen und 5 einmalige Altersbeihilfen. Ferner wurden 9 Stellen vermittelt. Als Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge sind zu nennen: 2 laufende Unterstützungen bei Dauererkrankungen und 2 einmalige Krankheitsbeihilfen. Zu Erholungskursen wurden 6 Erwachsenen Zuschüsse gewährt; 3 Kurzuschüsse wurden vermittelt. Die Kindererholungsfürsorge wurde in den bewährten Kinderheilstätten Bad Dürrheim, Bad Kreuznach und Bad Nauheim durchgeführt. Außerdem vermittelte der Wohlfahrtsbund einige Lehr- und Pflegestätten. Prof. Dr. Stein dankte dem Wohlfahrtsbund für seine Tätigkeit. Dr. Franz Fichtl brachte Glückwünsche der Stadtverwaltung und des Bürgermeisters. Zwei interessante Vorträge, gehalten von Fräulein Ruth Fenchel und Frau Neter-Mannheim, wurden mit großem Beifall ausgenommen. Um halb 12 Uhr konnte der Vorsitzende den ersten Teil des Programms schließen. Im zweiten Teil wurden interne Angelegenheiten des Bundes erledigt. Kassel. (Zum Ableben des Kommerzienrats Gustav Plaut.) Letzten Sonnabend verstarb hier nach langem Kranksein der in allen Kreisen der Bürgerschaft hochgeachtete Kommerzienrat Gustav Plant, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, im 74. Jahre feines arbeits- und erfolgreichen Lebens, das auch nicht zum geringen Teile dem Dienste der Allgemeinheit gewidmet war. Bis zum Jahre 1914 war der Verstorbene als Leiter des Bankhauses Maurer und Plaut und nachmaliger Direktor der Filiale der Dresdner Bank ein hervorragender Kenner aller das Bankfach betreffenden Fragen. Seine gründliche Kenntnis des heimischen und allgemeinen Wirtschaftslebens, seine außerordentliche Arbeitskraft und seine persönliche Liebenswürdigkeit beriefen den Heimgegangenen schon frühzeitig in geachtete Ehrenstellungen, in denen er sich große und heute dankbar anerkannte Verdienste um die engere oder weitere Heimat erworben hat. So betteidete Gustav Plaut seit dem Jahre 1896 daS Amt eines Mitglieds der Industrie- und Handelskammer, die ihn vor 10 Jahren auch zu ihrem stellvertretenden Vorsitzenden ernannte und in warmherzigem Nachruf bekennt, daß er „den Belangen des Bezirks Dienste von unvergänglichem Wert" geleistet habe. Biele industriell« Unternehmungen wählten ihn zum Mitglied oder Vorsitzenden ihres Aufsichtsrates, die Bürgerschaft Kassel zum Stadtveroämeten und spater zum unbesoldeten Stadtrat. Beim Ausbruch des Krieges übernahm Kommerzienrat Plant ehrenamtlich die Leitung der Kasseler Kriegskreditbank, die er mit Umsicht und Weitblick zu einem segensreichen und für viele Unternehmungen wichtigen Institut ausgestaltete. Außerdem berief ihn das Vertrauen weiter Kreise in den Kommunattandtag und in das Reichsausgleichsamt als der Kasseler Vertreter in der Zweigstelle Frankfurt a. M. Trotz STOÜ:WERCl-{ LJllliq, iDohlSchmcckc nd i nahrhaft. dieser vielseitigen Inanspruchnahme durch die genannten Ehrenämter widmete der nun Verblichene seine Zeit und Arbeitskraft gern und freudig auch jüdischen Fragen. Im Vorstand der israelitischen Gemeinde und als Mitglied des Borsteheramts der Israeliten haben sein kluger Rat und sein reiches Wissen die innige Vertrautheit mit religiösen Dingen mitbestimmend oder sogar entscheidend gewirkt. Zahlreiche soziale Einrichtungen verdanken ihm ihre Förderung; jedem Hilfe oder Rat Begehrenden half er durch finanzielle Unterstützungen. Sein Andenken wird in der gesamten Bürgerschaft dauernd ein ehrenvolles bleiben. Magdeburg. (Persönliches.) Am 2. Juli begeht Herr Dr. M. Spanier, der frühere Lehrer der hiesigen Synagogengemeinde, die Feier seines 75 jährigen Geburtstages. Wir Liberalen Magdeburgs nehmen herzlich Anteil an seiner Festesfreude, und wünschen unserm verehrten Führer und Förderer unserer Bestrebungen noch viele weitere Jahre seines gesegneten Alters in Gesundheit und Rüstigkeit. Herr Dr. M. Spanier ist uns in den vielen Jahren seiner hiesigen Tätigkeit stets ein wahrer Helfer und eifriger Mitkämpfer gewesen, dessen große Arbeitsfreude und Schaffenskraft für unsere Bestrebungen uns stets von großem Wert und hohem Nutzen gewesen sind. Unsere herzlichsten Glückwünsche zu seinem Ehrentage wollen wir mit der Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß der Jubilar seiner Familie und damit auch uns noch recht, recht lange erhalten bleiben möge. Den Lesern der „Jüdisch-liberalen Zeitung" ist Herr Dr. M- Spanier aus vielfachen literarischen Beiträgen, insbesondere aus den religiös-poetischen Psalm-Uebertragungeu bestens bekannt. Treysa (Bez. Kassel). (Synagogen-Renovierung.) Die hiesige Gemeinde hat den Beschluß gefaßt, ihre seit 1818 bestehende Synagoge, die erneuerungsbedürftig ist, einem gründlichen Umbau zu unterziehen. Die dafür in Frage kommenden Kosten sind teilweise durch namhafte Beiträge der Gemeindemitglieder gedeckt; zur Beschaffung des noch fehlenden Betrages hat sich eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission an die außerhalb wohnenden ehemaligen Mitglieder der Gemeinde oder deren Nachkommen gewandt, zur Durchführung der Renovierung finanzielle Hilfe zu leisten. Geldsendungen nimmt Kaufmann Jos. Abraham, Treysa (Bez. Kassel), entgegen. * I Aus der Bewegung ★ Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten derjüdifchen Gemeinde zu Berlin E. B.) Wir bitten unsere Mitglieder, um das Inkasso-Geschäft möglichst zu vereinfachen, die am 1. Juli fälligen Mitgliederbeiträge aus unser Postscheck- Konto Berlin Nr. 14805 einzuzahlen. Halle a. S. (Liberaler Klub.) Der Vorstand der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum, die liberale Fraktion der Repräsentanten-Versammlung und die liberalen Mitglieder des Vorstandes haben sich zu einem liberalen Klub zusammengeschlossen. Dieser soll allmonatlich zur Besprechung wichtiger Gemeindefragen eine Tagung abhalten und will außerdem auch Gesellig-' feit pflegen. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Bicepräsident der Repräsentanten-Versammlung, Herr Dr. M. Hirsch, gewählt. 44»» *»♦♦+♦♦♦♦»»»+♦♦♦♦♦♦♦♦♦»4 * | Rätsel-Ecke :* Silbenrätsel a, a, as, bau, be, bel, bet, 10. bund, chem, dank, di, do, e, e, e, Jüdischer Gelehrter e, e, e, e, e, ei, er, etn, eu, 11. fei, fen, ge, ge, gel, he, hu, ja, Muse ka, kol, lab, lag, le, le, li, li, li, 12. lif, lo, lom, man, mar, mer, mi» Biblischer Männername mi, mo, na, nau, ne, ne, ni, 13. no, o, or, pe, pe, ra, re, reb, Biblisches Musikinstrument rus, sal, schal, sen, son, ta, tag, 14. ter, ter, the, ti, tul, va, va, wic, Opernkomponist win, zet, zym. 15. Aus diesen Silben sind 29 Worte Vorabend indischer Teiertaae 16 Planet von nebenstehender Bedeutung zu bilden. Die Anfangs- und End- 17. Jahreszeit buchstaben, von oben nach unten gelesen, ergeben ein in diesem Som- 18. Weiblicher Vornahme mer stattfindendes, für das liberale Judentum der ganzen Welt bedeut- 19. Trost sames Ereignis (einmal i am Ende gleich ü und ein anderes Mal 20. Blume gleich j). 1. 21. Englischer Bibelübersetzer Römischer Feldherr 2. 22. Türkischer Ehrentitel Hohepriester 3. 23. Jüdischer Freudentag Jüdischer Minister 4. 24. Biblischer Frauenname Bereinigung von Landwirten 5. 25 Amtsgenofse Baum 6. 26. Musikinstrument Syrischer Feldherr 7. 27. Biblischer Frauenname Art des Gebetes 8. 28- Religiöses Fest Hebräischer Name 9. 29. Mineralisches Salz Hebräische: Gruß

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