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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8. Jahrgang Nummer 25 ZMchMerakZeikmq Wische Köpfe Hans Lachmaun-Mofle Nur sehr selten wohl — allenfalls in Amerika, dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, wo selbst dem geringsten „Cowboy" oder „Workman" der Weg zum Milliardär offen stcht, wenn er nur die erforderlichen Gaben besitzt — ist auf europäischem Boden ein Phänomen wie der wirtschaftliche Ausstieg des Hauses Rudolf Mosse erlebt worden. Sein gegenwärtiger Vertreter und geistiger Repräsentant ist Hans Lachmann-Mosse. Als am 1. Januar 1917 eine Festschrift anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse herausgegeben ward, lauteten ihre ersten Sätze mit Fug und Recht: „Wie in jedem anderen Beruf, so ist auch in dem kaufmännischen in erster Linie die Tüchtigkeit des Inhabers für den Erfolg ausschlaggebend. Es sind ganz besondere Gaben, die einem Kaufmann eignen müssen, der sich weit über den Durchschnitt seiner Berufsgenossen zu einer führenden Stellung auf dem von ihm erwählten Sondergebiet durchringen will. Wie die Feldherrngabe auch nur auserwählten Offizieren zu eigen ist, so besitzen auch nur wenige Kaufleute die Fähigkeit, ihrem Unternehmen einen in der ganzen Welt bekannten Namen zu sichern. Vor allem sind es zwei Eigenschaften, die der Kaufmann besitzen muß: In erster Linie ein sicheres Empfinden für die Bedürfnisse seiner Zeit und dann, neben diesem Blick für das Notwendige, das von den Interessentenkreisen oft nur geahnt und unbewußt gewünscht wird, die Kraft in der Durchführung des als richtig erkannten Plans." Mil diesen Fähigkeiten und dieser besonderen iausmännischen Begabung, die man aus ihrem Gebiete schon als Gemc schlechthin bezeichnen darf, ausgerüstet, begründete am 1. Januar 186 7 der damals 2 3jährige Rudolf M o\ \ c feine Firm a. Er war am 8. Mai 1843 in dem Städtchen G r ä tz der Provinz Posen als Sohn eines Arztes geboren, besuchte bis zu seinem fünfzehnten Jahre das Gymnasium zu Lissa, um nach beendigter Schulzeit in der dazumal üblichen Weise den Buchhandel in all seinen verschiedenen Zweigen gründlichst zu erlernen. Mit begreiflichem Behagen pflegte Rudolf Mosse noch in seinem Greifenalter von den Lehrjahren seiner Jugend zu erzählen, wie er beispielsweise in der s. Zt. sehr bekannten Verlagsbuchhandlung A. Hofmann & Co., der Verlegerin des „Kladderadatsch", ohne Ansehen der Witterung auf offenem Hofe mit halberfrorenen Händen riesige Pakete verschnüren und Bücherkisten zunageln mußte. Alles gegen eine ungefähre Monachtsbesoldung von 30 Talern. Aber eben diese harte Schulung gab dem jungen Rudolf Mosse jene vor keiner Aufgabe zurückscheuende Lebenstüchtigkeit mit, die ihm sein ganzes Dasein hindurch treu bleiben sollte. Hatte it zuvor im Rahmen verschiedener Verlagsgeschäste das Zeitungs - und Zeitschriften wesen kennen gelernt, dem fortan der größte Teil seiner Lebensarbeit gewidmet werden sollte, so machte er einen weiteren Schritt vorwärts, als er im Dienste einer Leipziger Firma den ersten Versuch unternahm, der bekannten Familienzeitschrift „Die Gartenlaube" einen Anzeigenteil beizugeben. Der junge Rudolf Mosse hatte frühzeitig erkannt, daß dem Anzeigenwesen mit der zunehmenden geschäftlichen Entwicklung der deutschen Industrie erne große Zukunft blühe, wenn eine Stelle gefchaffen würde, die den Verkehr zwischen der Geschäftswelt und der Prefse vermittelte. Ta ihm iüglich nachgerühmt werden durfte, daß oas Wesen aller schöpferischen Naturen fei, „Initiative zur rechten Zeit" zu entfalten, stellte er sich frühzeitig auf eigene Füße und gründete am 1. Januar 1867 die yeute weltbekannte Annoncen-Expedition und streckte gleichzei- Tifj feine Fühler auf publizistischem Gebiete vor, indem er zuvörderst den tn russischer Spräche geschriebenen „Courier" nach Rußland allen bedeutenden Großkaufleuten Rußlands unter Kreuzband zustellen ließ und dieses Organ nachmals durch eine „Deutschrussische Korrespondenz" ersetzte, am Ende des Siegesjahres 1871 aber mit der Schaffung des deutschen Reiches ebenfalls ernen Schlußstein unter seine individuelle Vergangenheit setzte und kurzerhand das „Berliner Tage - bi att" gründete, dessen internationale Bedeutung und Entwicklung er damals wohl kaum vorahnen mochte. Vergangene Generationen haben die erstaunliche Expansion dieses Blattes, die uns heute eine Selbstverständlichkeit dünkt, bewundernd miterlebt. Wie der allen wahrhaft schöpferischen Unternehmungen vollzog sich auch bei der Schöpfung Rudolf Mosfes der K rist al lis at io ns proz eß schier automatisch. Andere Zeitungen, wie beispielsweise die „Berliner Bolkszeitung", die zeitweilig eine große volitische Rolle spielte und die prominente Geistesgrößen zu ihren Mrtardertern zählte, ferner die „Berliner Morgen - Z c i t u n g", für kleinbürgerliche Schichten gedacht, nebst mehreren Fachzeitungen und -Zeitschriften wurden dem Berlage angegliedert. Eine beliebte Neuerung wurde im Jahre 1912 durch dre „Wochen-Ausgabe des Berliner Tageblatt für Ausland und Uedersee" ins Leben gerufen. Da die Psychologie der Reklame seitens des Hauses Mosse rechtzeitig und in ihrem ganzen Umfange ertannt wurde, erfuhren Anzeigenwesen und Annoncenerpedltwn eine früheren Geschlechtern unvorstellbare Ausdehnung, sieben dem Berliner Hauptgeschäft erhoben sich in allen nur einigermaßen bedeutenden Städten Deutschlands und des deutschsprachigen Auslands Filialen. Ein eigener Buchverlag vertrieb interessante Werke von literarischem Wert. Einer der glücklichsten Gedanken des Hauses Mosse aber war vielleicht die B e r l a g s ü b e r n a h m e des Deutschen Re rchsadreßbuches, sowie anderer zertgemäßer Adreßbuchunternehmungen.Welche Ausdehnung die Entwicklung der Annoncen-Annahme und Jnferatenexpedition der Firma Rudolf Mosse im Laufe der Jahre und Jahrzehnte angenommen hat, beweisen am besten dre Niederlassungen für das Anzeigenwesen der Firma Moffe innerhalb und außerhalb Deutschlands. „Die Annoncen find dem Geschäft, was der Dampf für die Maschine, nämlich die bewegende Kraft." Dieser dem Engländer Lord Macaulay unterstellte Ausspruch hatte in Deutschland noch sehr wenige Gläubige gefunden, als Rudolf Mosse 1867 seine Annoncen-Expedition begründete. Selbst der geschäftliche Optimist Rudolf Mosse würde vielleicht erstaunt sein, wenn er heute das von seiner eigenen Firma herausgegebene Heft in Händen hielte, in dem nur ein Teil der 17 deutschen und 15 außeroeutschen, jedoch noch europäischen, größtenteils monumentalen Gebäude abgebildet sind, die dem Mosse'schen Jnseratengeschäft dienen Auch in der geschäftlichen Metropole der „Neuen Welt" in New Bork, hat sich die Eröffnung eines Mosse'schen Jnseratenbüros als unvermeidlich erwiesen. Solange Rudolf Mosse und seine Gattin Emilie, geborene Löwenstein, lebten, war chr Haus oder besser gefügt, ihr Palars am Leipziger Platz ebenso wie das ihnen gehörige Rittergut Schenkendorf mit dem noch von Schinkel erbauten Herrenhaus der Mittelpunkt internationaler Gesellschaft. Seine Gemäldegalerie und feine Bibliothek, heute, obwohl nach wie vor im Besitz der Familie, allgemeinen Führungen sowie Studenten der germanistischen Wissenschaft zugänglich, stellten kosmopolitisch berühmte Sehenswürdigkeiten der deutschen Reichshaupkstadt dar. Rudolf Mosse erwies sich stets als Förderer nicht nur der Kunst, sondern auch werdender, noch unbekannter und ungenannter Künstler. Er war ein M ä c e n im edelsten Sinne der Antike. Wohingegen Emilie Mosse ihr Interesse hauptsächlich auf die Ausbildung elternloser und unterstützungsbedürftiger Kinder veiwandte, die in der Rudolf- und Emilie -Mosse-Stiftung zu Wilmersdorf eine besonnte Jugend genossen. Diese Stiftung hat die verwitwete Frau Emilie Mosse der Stadt Berlin geschenkt, die fte im Sinne der Spenderin und Wohltäterin verwalten soll. Rudolf Mosse, der Selfmademan aus dem kleinen pofenschen Städten Grätz, dessen sämtliche Brüder beiläufig auch zii hohen Aemtern und Würden gelangten, wurde aus der Höhe femes Lebens durch die Verleihung des Heidelberger Ehrendoktorats ausgezeichnet. Auch war ihm, da der Name Moste in der Tat mehr und mehr zu einem Begriff geworden war, die Genehmigung erteilt worden, anläßlich der Vermählung seiner einzigen Tochter mit H a n s L a ch m a n n, dem Namen des Gatten den Namen M osse h i n z u z u fü g en, damit er dem Gedächtnis des deutschen Wirtschaftswesens nicht verloren ginge. Hans Lachmann, am 9. April'1885 als Sohn des Großkaufmanns Georg Lachmann, Enkel des Geheimen Kommerzienrates Salomou Lachmann in Berlin geboren, trat am 1. April 19 0 9 als Teilhaber in die Firma ein. Mit ihm kam eine fugendlich frische Kraft in das allerdings unverbraucht gebliebene Unternehmen. Mit dem ganzen Rhythmus und der motorischen Dynamit seiner 23 Jahre trachtete er mehr und mehr, dem Geiste seiner Zeit zur Geltung zu verhelfen. Und als im Jahre 19 20 Rudolf Mos se aus einem reichen und erfüllten Leben schied, erwies sich Hans Lachmann-Mosse nicht etwa nur als der „junge" oder der „neue Herr", sondern als ein ebenso sachkundiger wie schöpferischer Lenker des mittlerweile ins Gigantische gewachfenen Unternehmens. Waren schon ehedem die Wohtsahrtsernrichtnngen des Hauses Mosse, die von Rudolf und feinem zeitweilig an der Firma beteiligten Bruder Emil Moste unter der Devise „Treue um Treue" begründet und mrt den Jahren immer mehr erweitert worden waren, nahezu mustergültig gewesen, so hatte die mörderische Inflation doch selbst aus diesem sestgegründeten Boden rücksichtslos Tabula rasa gemacht. Es war darum ein besonderes Verdien st des neuen Herrn, ickß er sich sofort dem Wiederaufbau und Ausbau der Mosseschen Wohlfahrtseinrichtungen zuwandte. Tiese'Re- Organisierung der sozialen Einrichtungen des Hauses Moste hat allein viereinhalb Millionen Goldmark gekostet. Aber die Zinsen dieses außergewöhnlichen Kapitals waren darum auch nicht ziffernmäßig zu berechnen, sondern fte wurden vielmehr durch Treue und Dankbarkeit der vielen tausenden Angestellten des Hauses abgetragen. In steter Verbindung mit den zuständigen Staatsbehörden ist es Herrn Lachmann-Mosse beispielsweise gelungen, für die P e n s r o n s k a s s e des Hauses Rudolf Mosse die Rechtsfähigkeit als Ersatzlasse im Sinne des Angestelltenversicherungsgesetzes zu erwirken. Im Anschluß an die vorbildlichen Wohlfahrtseinrichtungen der Frrma Mosse sollte auch die Kriegsfürsorgetätigkeit betont werden, die seitens des „Berliner Tageblattes" wcchrend der Dauer des Weltkrieges geübt worden ist. Gerade die weite Verbreitung des „Berliner Tageblattes" mochte insbesondere geeignet sein, für die verschiedensten Zwecke der Kriegsfürsorge mit Erfolg Mittel heranzuschaffen. Es bedarf seiner Erwähnung, daß die Firma selbst stets mit Summen von anfeuernder Höhe voran ging. Hans Lachmann-Mosse ist es ferner gewesen, der das ausländische Jnseratengeschäft besonders favorisierte und ihm immer neue günstige Wirtüngsstätten zu schassen wußte. (Wir haben schon, ehe wir auf den Junior- Partner der Firma zu sprechen kamen, die zahlreichen Vertretungen innerhalb und außerhalb Deutschlands hervorgehoben.) Unterdessen weiß er unermüdlich im gleichen Sinne fortzuwirken, so daß auch im Auslande der Firma Mosse titimtr neue Betätigungsfelder eröffnet werden. Auch der heutzutage schon nahezu weltumspannende R u - dols-Mofse-Code, ebenso wie die Herausgabe der ausgezeichneten und fast unentbehrlich gewordenen in- und ausländischen Adreßbücher kommen auf das Konto des allzeit ideenreichen Herrn Lachmann-Mosse. Er war es auch, der mit dem Umbau des Mosse-Hauses in Berlin durch den Architekten Mendelsohn quasi eme neue Architektur in der Reichshauptstadt inaugurierte. Besonderes Interesse wendet der jugendliche Chef, in dessen schnittiger, sportlich durchtrainierter Erscheinung man auf den ersten Blick kaum den unermüdlich tätigen Eigentümer eines Weltunternehmens wie die Firma Rudolf Mosse vermuten würde, dem Ausbau der Verlagsunternshniungen zu. Die Auflage des. „Berliner Tageblattes ^'beträgt Vellage 22. Juni 1928 am Sonntag über hi Million, die des Weltspiegels, det feit einiger Zeit auch einzeln zu haben ist, fast Million. Daneben wächst der technische Betrieb in's Ungeheure, die neuesten und besten Maschinen stehen dem Hause zur Verfügung. Vor kurzem ist auch das Haus Rudolf Mosse zum belannten 8-Uhr-Abendblatt in engere Buchung getreten.- Man sollte wähnen, daß ein Mann, der geistige und technische Bezirke von solchem Ausmaß seiner persönlichen Leitung unterworfen weiß; der überdies noch ein Landgut von außerordentlichen Dimensionen sein Eigen nennt, des ferneren unschätzbare kulturelle Werte wie die Gemäldegalerie und die Bibliothek durch sachkundige Hüter zu verwalten lassen hat, weder Zeit noch Lust für andere Gebiete menschlicher Wirksamkeit mehr übrig haben dürste. Daß dem indessen nicht so ist; daß Herr Lachmann-Mosse vielmehr die oft zitierte These illustrierrt, je mehr Aufgab e n einem Menschen gestellt werden, d e st o m e h r bürdet er sich selber auf: dafür bietet die religiös« Tätigkeit des Herrn Lachmann-Mosse ein beweiskräftiges Beispiel. Nach dem Heimgang von Rudolf Mosse, der nebst seiner Gattin, Frau Emilie Mosse, stets zu den warmen Förderern der „Jüdischen Reform-Gemeinde" zählte und bis bis zu seinem Tode dem Vorstand der „Jüdischen Reform-Gemeinde" angehörte, eine Reihe von Jahren sogar Vorsitzender des Vorstandes war, wurde Hans Lachmann-Mosse in eben diesen Vorstand der „Jüdischen Reform-Gemeinde" gewählt, dessen Mitgliedschaft er auch gern und freudig aus übt. Herr Lachmann-Mosse entfaltete im Vorstand der „Jüdischen Reform-Gemeinde" sogar stets eine sehr aktive Rolle. Wegen seines besonderen Interesses für die Ausgestaltung des Gottesdienstes übertrug man chm den D o r si tz i n d er K o m m i ssi o n zur S ch a s - fung des neuen Gebetbuches. Mit höchstem Eifer und guter Sachkunde arbeitete Hans Lachmann-Mosse persönlich in den Sitzungen. Dank privater Beschäftigung mit den Problemen des organischen Ausbaues und der einheitlichen Durchführung der L i t u r g i e gewann er bald einen so zielsicheren Blick, daß er für das neue Gebetbuch, was dessen Aufbau und äußere Form anbelangt, als M i t s ch ö p f e r gelten muß. Hans Lachmann-Mosse hat auch mit seinen Ken'nt nisse n der hebräischen Gebete und der alten synagogalen Melodien auf die musikalische Reform der Liturgie bestimmend ein wirken können und in eiugehenden Besprechungen und.musikalischen Proben viel dazu beigetragen, Altes und Neues in harmonische Verbindung zu bringen. Auch für den Religionsunterricht der „jüdischen Reform-Gemeinde" äußert Herr Lachmann-Mosse stets besondere Teilnahme. Erführt sein« Kinder nicht nur der Einsegnung zu, sondern fördert auch ihr Streben, in den Fortbildungskursen der Religionsschule eine vertieftere Auffassung und Weiterbildung zu erlangen. Da Herr Lachmann-Mosse es nicht liebt, persönlich in den Vordergrund zu treten, so kann das Interesse, oas er sonstigen jüdischen Einrichtungen, wie dem Lehrlingsheim Pankow, besonders auch wissenschaftlicher Natur, gerne entgegenbringt, nur diskret an - gedeutet werden. Immerhin darf wohl erwähnt werden, daß die Mitteilungen der „Jüdischen Reform-Gemeinde" immer eine Spendenliste enthalten, an deren Spitze Herr Lachmann-Mosse stets mit einer bestimmten Summe verzeichnet steht, was soviel besagen will, als daß er die Druckkosten dieser Mitteilunggen aus seinen eigenen Mitteln bestreitet. Schon manchmal hat die „Jüdische Reform- Gemeinde" mit dem Gedanken geliebäugelt, sich selbständig zu machen, beziehungsweise sich von der großen jüdischen Gemeinde abzuzweigen. Und es spricht für das jüdische Solidaritätsbewußtsein des Herrn Lachmann-Mosse, daß er sich bisher allen derartigen S e - zessionsbestrebungen gegenüber ablehnend verhalten hat. Es müßte eine sehr unkluge Politik innerhalb! der großen jüdischen Gemeinde betrieben werden, beispielsweise eine Majorisierung von zionistischer Seite, um einen so guten Juden wie Lachmann-Mosse aus ihren Reihen zu vertreiben. Daß Herr und Frau Lachmann-Mosse Herz und Seele für alle ihnen nahestehenden jüdischen Bewegungen haben und öffentlich bekunden, beweist u. a. die Tatsache, daß sie anläßlich d e v i m A u g u st stattfindenden Tagung der liberalen W e l t - konierenz alle Delegierten und auswärtigen Mitglieder zu einem Fe st abend in das Mosse- Haus am Leipziger Platz eingeladen haben. Da sie auch im profanen Leben der elterlichen Tradition einer» großen und gepflegten Geselligkeit huldigen (die Feste und Empfänge des Salons Lachmann-Mosse beschäftigen lange Zeit vorher und nachher die höchsten Sphären der Berlins» Gesellschaft), braucht es nicht eben Wunder zu nehmen, daß, sie auch im Rahmen der Glaubensgemeinschaft die Spuren ehrfürchtiger Pietät verfolgen. Aber wohlverstanden: die praktische Betätigung Herrn Lachmann-Mosses auf religiösem Gebiet zeigt, daß es sich in diesem Falle nicht ausschließlich um Pietätsondern um eigene Ueberzeugung handelt. Wir sind stolz darauf, den jungen Herrn Lachmann- Mosse, der gerade kraft seiner Jugend Leben und schöpfen risches Wirken mit einer Fülle von glückhaften Perspektiven noch vor sich hat, den Unseren zu nennen. Nicht nur, weil er der Repräsentant einer der gewaltigsten, säst bis in jeden^ Erdenwinkel reichenden Weltunternehmungen ist und durch sein bisheriges Schaffen den Nachweis erbracht hat, daß er als Organisator erster Ordnung diese Weltunternehmung mit klarem Blick und phantasiereichem Kopf auszubauen versteht, sondern vor allem, weil auch er seine Abkunst als einen Adelsbrief der Menschheit anerkennt, demzufolge er bisher niemals verfehlt hat, adlig zu leben und adlig zu handeln. So jugendlich dieser Mann uns, seiner Erscheinung und schließlich auch Zeinen Jahren nach, auch noch bedünken mag, wächst chm doch schon (außer einer sechzehnjährigen Tochter) ein Sohn von sünszehn und ein jüngerer von neun Jahren heran. Niemand vermag in dre Zukunft zu schauen, aber bei den

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