Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fakultäten, 4,24 Mark entfallen, auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung hingegen nur 1,22 Mark. An Zuschüssen für Gehälter werden 174000,— Marl verausgabt. Zum ersten Mal werden im Etat 1928 die Hälfte der Bezüge sämtlicher Rabbiner nach Maßgabe der Besoldungsordnung vom Verband getragen. Regelmäßige Gehaltszuschüsse erhalten bl Gemeinden (23 tn Mittelsranken, 28 in Unterfranken). Bauzuschüsse werden an 34 Gemeinden in Höhe von 30000 Mark gewährt. Ruhegehälter und Hinterbliebenettbezüge wurden an 28, Sustentationen an 18 Empfänger verabfolgt. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden 150000 Mark verausgabt. Folgende Anstalten wurden mit Zuschüssen bedacht: Waisenanstalt und Realschule in Fürth, Kinderheilstätte und Kurhospiz Bad Kissingen, Landheim und wirtschaftliche Bauernschule Wolratshausen, Kinderheim München, Fürsorgeverein für Geisteskranke Äjfchaffenburg, Lehrerbildungsanstalt Würzvurg, Präparandenschule Hirschberg, die drei Rabbinerseminare, die Anstalten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Die Arbeitsgemeinschaften der jüdischen Landesverbände in Süddeutschland werden gemeinschaftlich mit dem Centralverein eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland herausgeben, deren erstes Heft im Oktober erscheint. Besonderes Interesse wendet der Verband den Siedlungsbestrebungen des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten zu, die die ebenso wie die diesbezügliche Tätigkeit der Zentralwohlfahrtsstelle auf eine Berufsumschichtung der jüdischen Jugend gerichtet sind. Trotz dieser Leistungen war es möglich, einen Betriebsfonds von 50 000 Mark, einen Landeswohlfahrtsfonds von 240000 Mark und einen Pensionssonds von 18000 Mark zu schaffen. Zur Schächtfrage könne Abschließendes noch nicht gesagt werden. Als die umfassendste und gewaltigste Aufgabe stelle sich die Bildung eines Reichsverbandes der deutschen Juden dar, nachdem vorausgegangene Verhandlungen in Nürnberg und Köln zu einem befriedigenden Abschluß geführt haben. Zu dem Verfassungsentwurf hatten nunmehr die deutschen Landesverbände Stellung zu nehmen. Als eine ic.il* würdige geschichtliche Tatsache bezeichnete der Präsident die Aufhebung der Vereinigung Amici Israel, bei welcher Gelegenheit der Papst den „Haß gegen das einst von Gott auserwählte Volk, jenen Haß nämliH, den man jetzt mit Antisemitismus zu bezeichnen pflegt", ausdrücklich verurteilt habe. Mit dem Bericht des Präsidenten schloß der Festakt. In die sachlichen Verhandlungen wurde am Nachmittag einaetreten. (Jta.) Aufruf zur Gründung eines Verbandes jüdischer Journalisten in Deutschland Ein Komitee jüdischer Journalisten erläßt den folgenden Aufruf: Die Vorarbeiten für die Jüdische Sonderschau auf der Kölner Presfa haben die Notwendigkeit ergeben, eine geschlossene Organisation der an jüdischen Zeitungen tätigen jüdischen Journalisten in Deutschland zu schaffen. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch aus anderen Gründen, es sollen insbesondere die Interessen der jüdischen Presse und der an ihr tätigen Journalisten und ständigen Mitarbeiter wahrgenommen werden. Es darf in Zukunft nicht wieder vortommen, daß wichtige Angelegenheiten der jüdischen Presse in Deutschland ohne entscheidende Mitwirkung oer on ihr tätigen jüdischen Journalisten erledigt werden. Es ergeht daher an alle an jüdischen Zeitungen tätigen Journalisten, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, die Aufforderung, sich zur Begründung eines Verbandes der jüdischen Journalisten in Deutschland zusammenzuschließen. Sobald übersehen werden kann, wie viele Interessenten vorhanden sind, wird die Einberufung einer konstituierenden Versammlung unverzüglich erfolgen. Vorläufige Beitrittserklärungen sind umgehend an Herrn Leo Kreindler, Berlin W 15, Pfalzburgerstraße 10, zu richten. Berlin, den 14. Junr 1928. Leo Kreindler, I. Klinoff, Moses Waldmann, Bruno Woyda, Michael Wurmbrand. » Aus den Gemeinden * Aachen. (Ort-Aktion.) Am 12. Juni 1928 fand in Aachen unter Vorsitz von Rechtsanwalt Karl Löwenstein ein Vortrag von Dr. Michael T r a u b statt, zu dem zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde erschienen sind. Der Vorsitzende des Abends appellierte in warmen Worten an die Zuhörer, der jüdischen Bevölkerung Osteuropas, deren Wirtschaftsprobleme auch im Interesse des europäischen Wiederaufbaus eine rasche und radikale Lösung erfordern, zu Hilfe zu kommen. Dr. Traub schilderte in anschaulicher Weise den durch die Entwicklung der letzten Jahre beschleunigten Umbauprozeß des osteuropäischen Judentums und betonte die Pflicht der deutschen Juden, diesen Gesundungsprozcß nach Kräften zu fördern. — Im Anschluß an den Vortrag ist ein Aktions-Ausschuß für Aachen gebildet worden, dem unter Vorsitz von Herrn Rechtsanwalt Karl Löwenstein folgende Personen angehören: Justizrat Dr. Franäen, Hugo Kaufmann, Paul Königsberger, Otto Lippmann, R.-A. Dr. Julius Löwenstein, Alfred Pintus, Emil Rosenderg, Landgerichtsdireltor Dr. Rosenthal, Rabbiner Dr. Schönberger, Rechtsanwalt Paul Stiel. — Die mit Unterstützung des Aktions-Ausschusses und unter tätiger Mitwirkung von Herrn Leo Rosenberg nach dem Vortrage in Aachen durchgeführte Sammelaktion hatte ein sehr erfreuliches Ergebnis zu verzeichnen. Berlin. (Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt.) Im Hinblick auf die steigende Bedeutung, die die Fragen des internationalen jüdischen Kinderschutzes und der Jugendwohlfahrt gewinnen, haben sich in Berlin Menschen aus verschiedenen Kreisen jüdischer Wohlfahrtsarbeit zur Begründung einer Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlsahrt zusammengesunden. Um der Kalendarium f. die Zeit v. 23.6. b. 30. ö. 28 Juni 1928 > Tammus 5688 Sonnabend 23 1 5 Wochenabschnitt: Kaurach Haftarah: 1. Buch Samuel Kap. 11, 14—15; 12, 1-22 Sabbat-Ausgang: 9.35 Uhr Sonntag 24 6 Montag 25 7 Dienstag 26 8 Mittwoch 27 9 Donnerstag 28 10 Freitag 29 11 Sonnabend 30 12 Wochenabschnitt: Chukaß-Bolok Haftarah: Micha Kap. 5, 6—14; 6, 1—8 Sabbat-Ausgang: 9.34 Uhr Stelle weitgehende Informationen über Kinderschutz- und Jugendwohlfahrtsarbeiten und Einrichtungen sowie über besondere Notstände in den verschiedenen Ländern, ferner persönlich« Fühlungnahme mit Mitarbeitern zu ermöglichen, werden alle diejenigen, die sich für diese Arbeiten interessieren, gebeten, ihre genaue Adresse an die Auskunftsstelle für internationalen jüdischen Kinderschutz und Jugendwohlfahrt, zu Händen von Frau Bergel-Gronemann, Berlin-Wilmersdorf, Landauer Straße 11, mitzuteilen. Berlin. (Jüdisches Sind ent innen heim.) Der Jüdische Frauenbund, Verband Berlin, Berlin N. 24, Monbijouplatz 10, f berichtet uns folgendes aus dem Mädchenwohnheim II, Auguststr. 17 ’ (Studentinnenheim). Das Heim, das seit 1925 besteht und das einzige in Berlin bestehende jüdische Wohnheim für das in cher Ausbildung begriffene Mädchen ist, hat sich im vergangenen Jahre von 10 auf 12 Plätze vergrößert. In der Zeit vom 1. 4. 27—1. 4. 28 wohnten insgesamt 20 Mädchen im Heim, die sich zu folgenden Berufen vorbereiteten: Apothekerin (1), Bibliothekarin (1), Fürsorgerinnen (5), Haushaltungsschülerin (1), Heilgymnastik (1), Hortnerinnen (2), Kunstgewerblerin (1), Jugendleiterin (1), Laborantin (1), Lehrerin (1), Putzmacherin (1), Schneiderin (1), Studentin der Medizin (1), Studentinnen der Philologie (2). Der Pflegesatz beträgt bei voller Pension Mk. 80,— monatlich. Die Zimmer werden jeweils von 2 jungen Mädchen geteilt. Aus den zahlreichen Anfragen schließen wir, daß das Heim einem starken Bedürfnis entgegenkommt. Auskunft erteilt der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin N., Monbijouplatz 10. Berlin. (Konzert von Kantor Rosenblatt.) Im überfüllten Saal des Lehrervereinshauses gab am vergangenen Dienstag Kantor R o s e n b l a t t aus New Pork sein lange angekündigtes Konzert. Rosenblatt ging ein großer Ruf als Kantor voraus und man erwartete, Außerordentliches zu hören. Wo er aus Eigenem schöpfte und sich treu blieb, ist er diesem Ruf voll gerecht geworden. Wer aber hat ihn mit diesem bunten Mischmasch von Programm beraten? Wer hieß ihn „Den Perlenfischer von Bizet", „La Campana" oder gar den „Doppelgänger von Schubert" singen? Wenn man sich bei den erwähnten Liedern mit der musikalischen Auffassung Rosenblatts auch nicht befreunden konnte, wurde man doch durch die prachtvollen stimmlichen Mittel reichlich entschädigt. Ein überaus schön und natürlich quellender Ton in der Mittellage von einer Unbekümmertheit im Ansatz, die jede Gesangschulmeisterei in die Flucht schlägt, ein Falsett von seltener Zartheit und Weichheit, das jedermann gespannt aufhorchen läßt, sind Vorzüge nichtalltäglicher Art, wenngleich auch vermerkt werden muß, daß die Höhe im Forte leichte Ermüdungserscheinungen zeigte. Den stärksten Beifall errang der Künstler mit dem Vortrage der Stücke, bei denen er sich heimisch fühlte, einem jüdisch-russischen Volkslied und den Chasonus-Pieccn „Rom w'nisso" und „Achenu kol beth Jisroel", mit denenn er auch Fäden zum Publikum hinüber knüpfte. So gab des Volkes Stimme wieder das treffende Urteil, wenn es vermerkte „dawnen, dawent er gut". Berlin. (Dr. Jeremias neuer Leiter des Jnstitut u m I u d a i c u m.) Der Professor für neutestamentliche Theologie am Herder-Institut in Riga, Dr. Lic. Jeremias, wurde als außerordentlicher Professor und Leiter des Jnstitutum Judaicum an die Berliner Universität berufen. Berlin. (Besprechung jüdischer Gelehrter.) Der Kanzler der Hebräischen Universität zu Jerusalem, Dr. I. L. Magnes, weilte in diesen Tagen in Berlin und in anderen Orten Deutschlands, um mit verschiedenen jüdischen Gelehrten und Universitätsprofessoren Besprechungen betreffs deren Unterstützung der Lehrtätigkeit der gegenwärtig in der Ausgestaltung zu einer Hochschule sich befindenden Hebräischen Universität zu pflegen. Unter dem Vorsitz von Herrn Professor Dr. M. Sobcrnhcim und im Beisein von Dr. I. L. Magnes fand in Berlin eine Besprechung jüdischer Gelehrter statt, der u. a. die Herren Professoren Mittwoch, Elbogcn, Gutmann, Marron, Professor Mann aus Cincinnati, ferner Dr. Ahlbeck, Dr. Grünberg und Dr. Fritz Baer beiwohnten. Herr Dr. Magnes gab detaillierte Aufklärungen über die Ausgestaltung der hebräischen Universität, besonders des Institutes für Judaistische Studien, die Gründung des Orientologischen Institutes, die Eröffnung des Institutes für Naturwissenschaften usw. Im Anschluß an die Darlegungen von Dr. Magnes fand eine rege Aussprache statt. Seitens der versammelten Gelehrten wurden vielfach Anregungen gegeben, die Herr Dr. Magnes mit Dank entgegennahm. Berlin. (7 5. Geburtstag.) Herr Hermann Becker, Berlin W. 30, Gossowstraße 30, feiert am 24. Juni seinen 75. Geburtstag und zugleich sein 55 jähriges Lehrerjubilüum. Breslau. (Rabbiner Dr. Sänger 50 Jahre alt.) Fern von Breslau feiert Herr Rabbiner Dr. Sänger am Sonntag, den 24. Juni, seinen 50. Geburtstag. Seit einer langen Reihe von Fahren als Rabbiner an der Neuen Synagoge tätig, hat der Jubilar bereits im Kriege vorbildlich als Feldrabbiner gewirkt und sich die verdiente Anerkennung bei allen leitenden Stellen erworben. In seiner Gemeinde wirkt er mustergültig als Direktor der Religionsunterrichtsanstalt II und als Leiter der Gemeindebibliothek. Als Kanzel-j redncr und als Seelsorger ist er allseitig geschätzt und beliebt. Die« Zacharias Frankel-Loge hat ihn zu ihrem Präsidenten, die Ortsgruppe des Hilfsvereins der Deutschen Juden seit Jahren zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Die Ortsgruppe des C. B. Md der liberale Verein der Synagogen-Gemeinde zählen ihn zu ihren führenden Vorstandsmitgliedern. Neben diesen umfassenden Arbeitsgebieten hat Herr Rabbiner Dr. Sänger auch der jüdisch-liberalen Jugend seine wertvolle Unterstützung angedeihen lassen, der Jli zählt ihn zu seinen Ehrenmitgliedern. Wir wünschen dem Jubilar an der Seite seiner Gattin, die vorbildlich in der sozialen Kranlenhaussürsorge und allen Frauen- und Wohlfahrtsbestrebungen wirkt, und im Verein mit seinem Sohne, der sich auch dem theologischen Studium widmet, noch viele, viele Jahre freudigen Schaffens für unsere Gemeinschaft. Frankfurt a. M. Den „Frankfurter Nachrichten" entnehmen wir über Eingemeindungsbestrebungen der Jüdischen Gemeinde folgende Einzelheiten: „In der letzten Gemeindevertretersitzung der Frankfurter Israelitischen Gemeinde wurde auch zu den Eingemeindungen der jüdischen Vorortgemeinden Stellung genommen. Von den verschiedensten Seiten wurde diese aktuelle Frage erwogen, da gerade die jüdischen Kultusgemeinden in den Vororten sich in keiner rosigen Lage befinden und in manchen Orten für die religiösen Verhältnisse und Bedürfnisse der jüdischen Mitbürger wenig gesorgt ist. So gehören zum Beispiel Heddernheim und Rödelheim, obwohl die Orte politisch seit vielen Jahren zu Frankfurt gehören, die jüdischen Kultusgemeinden nicht zur Frankfurter Gemeinde, sondern bestehen selbständig weiter. Daß es für die dortigen Gemeindemitglieder schwer ist, die Mittel für ihre religiösen und kulturellen Belange auszubringen, ist klar. Weiterhin bestehen in einer Reihe Frankfurter Vororte wie Fechenheim, Griesheim, Schwanheim keine jüdischen Gemeinden, obwohl dort zahlreiche jüdische Familien leben. Auch mit der ansehnlichen Gemeinde Höchst muß in Verhandlungen getreten werden, wenn eine einheitliche Frankfurter Gemeinde zustande kommen soll. Allerdings wäre für dieses f Projekt eine Aufweirdung großer finanzieller Mittel notwendig, weil unter anderem wahrscheinlich ein Sonder-Rabbinat errichtet werden und weil auf der anderen Seite auch Lehrer angestellt werden müßten. Dieser Mehraufwand ist auch der Anlaß, »oarum bisher nichts Entscheidendes getan wurde. Nach der letzten Sitzung der Gemeindevertretung aber kann man den Eindruck haben, daß auf allen Seiten die Absicht besteht, eine den Zeitverhältnissen entsprechende einheitliche Vertretung der Frankfurter Israeliten zu schassen." Frankfurt a. M. (Freiherr Maximilian Benedikt von Goldschmidt-Rothschild 85 Jahre alt.) Freiherr Maximilian Benedikt von Goldschmidt-Rothschild in Frankfurt a. M. vollendete am 20. Juni sein 85. Lebensjahr. Er ist der jüngste der 7 Söhne des Großherzoglichen Toscanischen Konsuls Benedikt Hayum Salomon Goldschmidt; der Bankier hinterließ 14 Kinder. Dem Jubilar widmet Ernst Klein in der „Bossischen Zeitung" einen Aufsatz, in welchem es u. a. heißt: „... Die Freie Reichsstadt Frankfurt war damals (in der Jugendzeit des Jubilars) noch so reaktionär, daß der junge Banklehrling Maximilian Benedikt die Warnungstafel kennen lernte, die am Eingang zu den städtischen Anlagen ,^>en Juden und Hunden" den Eintritt verwehrte. Aber das Geschlecht der Goldschmidts war selbst vom Schicksal nicht verwöhnt worden. Im 15. Jahrhundert von Nürnberg zurückgewandert — als erster, der geschichtlich bekannt wurde, wird 1521 Mosche Goldschmidt zum goldenen Schwan genannt —, mußten sie mit der gesamten Judenschaft 1614 die Stadt verlassen. Auf ungewissen Wegen die neue Heimat suchend — zum wievielten Mal? —, zerstreuten sie sich in die Welt. Ein Teil der Familie kehrte später von Kassel nach Frankfurt zurück, in drei Stämme sich teilend, die sich nach ihren Niederlassungen „zum Buchsbaum", „zum Apfelbaum" und „zur goldenen Wage" nannten. Nachdem 1900 das Bankhaus B. H. Goldschmidt liquidierte, gründete Maximilian Benedikt von Goldschmidt-Rothschild — er wurde 1903 durch den preußischen König nobilitiert — die Bank, die er unter eigenem Namen führte. Seit seiner Verheiratung mit der Tochter des letzten Frankfurter Rothschilds Carl Wilhelm und seiner Ehefrau Mathilde, Minka von Rothschild, im Jahre 1878 bewohnte er das schöne Heim in der Bockenheimer Landstraße, das bald zum Mittelpunkt einer vornehmen Geselligkeit wurde." Der Ehe mit Minka von Rothschild, die vor 20 Jahren verstorben ist. entstammen fünf Kinder. Zwei der drei Söhne, Freiherr Albert und Erich von Goldschmidt-Rothschild, sind Mitinhaber des Berliner Bankhauses von Goldfchmidt-Rothschild. Hamburg. ((Ablehnung eines nationalsozialistischen Antrags gegen die Schcchita.) In der Hamburger Bürgerschaft beantragten die Nationalsozialisten, den Senat zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß die Schlachttiere vor der Tötung betäubt werden. Der Antrag umi‘ >.bgelehut. Kassel. (HohesAlr. r) Hier beging die Rentnerin R. Rubeusohn, Witwe des Fabrikanten Rubensohn, der die Jute-Spinnerei in einem Kasseler Vorort errichtete, in bemerkenswerter Gesundheit den 90. Geburtstag. Die Greisin hat allen Wohlfahrtsbestrebungen stets eifriges Interesse entgegengebracht. — In dem im hiesigen Bezirk liegenden Dorfe Gilserberg kann das -älteste Mitglied der dort bestehenden kleinen jüdischen Gemeinde, M. Stahl, am kommenden Sonntag (24. Juni) in voller körperlicher und geistiger Gesundheit den 90. Geburtstag feiern. Der Jubilar hat 40 Jahre lang als Vorsteher die Interessen seiner Gemeinde gewahrt und dieses Amt vor 10 Jahren erst einem jüngeren Nachfolger übertragen. Leipzig. (Tagungdes Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes.) Der leitende Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes hielt am 28. Mai dieses Jahres in der Loge zu Leigzig feine diesjährige Tagung ab. Die dortige Hauptgemeinde hatte einen namhaften Betrag für die Bewirtung der Erschienenen zur Verfügung gestellt und ihre Herren Rabbinen Dr. Goldmann und Cohn mit der Begrüßung beauftragt. Aus dem Beratungsstoff seien besonders genannt: 1. Der weitere Ausbau des (auch Nichtmitgliedern zugänglichen) Fachorgans „Der jüdische Kantor". 2. Die auf Veranlassung des Kantorenvcrbandes vom preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden einzusetzende gemischte Prüfungskommission, die sachlich, wie sonst, ungeeignete Elemente vom kantoralen Berus fcrnhalten und die mißbräuchliche Benutzung der Amtsbezeichnung „Kantor" verhindern soll. 3. Das sich günstig fortentwickelnde, z. Zt. in Nürnberg befindliche k a n t o r a l e Archiv. 4. Die bevorstehende Drucklegung eines Sammelwerks preisgekrönter neuzeitlicher Synagogenkompositionen. Der gegenseitigen Belehrung und Anregung diente ein instruktiver Vortrag des Leipziger Obcrkantors L a m p e l über sein jüngst erschienenes, den ernsten Musiker verratendes Synagogengesangswerk „Kaul Sch'muel". Synagogenchor und Orgel unterstützten hierbei den Vortragenden verdienstvoll. — Mit Bedauern jedoch mußte konstatiert werden, daß — trotz aller Bestrebungen des Verbandes, den Stand in jeder Beziehung zu heben, die altererbte Geringschätzung der Männer, denen man eins der höchsten Aemter des Judentums anvertraut, noch immer nicht ganz geschwunden ist. Noch immer kommt es vor, daß selbst die Verbandsleitung auf Anfragen, Eingaben u. dgl. von prominenten Persönlichkeiten, großen Gemeinden und sonstigen Körperschaften keiner Antwort gewürdigt wird. Magdeburg. (Liberale Repräsentantenfraktion.) Bereits vor einigen Wochen hat sich die neue Repräsentantenversammlung konstituiert, die neben 5 Mitgliedern der Volkspartei, 10 Mitglieder der liberalen Richtung besitzt. Diese 10 Liberalen haben eine liberale Fraktion gebildet, deren 1. Vorsitzender der Apotheker L. Nathan, und deren 2. Vorsitzender Herr Julius Petzon ist. Bei der neuen Wahl in den Vorstand ist von liberaler Seite Herr Bernhard Nathan gewählt, dessen Vorfahren bereits hier in Magdeburg Ehrenstellungen innerhalb der Gemeinde schon vor Jahrzehnten innegehabt hatten. Mannheim. (A n s k i - u r a u f f ü h r u n g.) „Die Pest" von Anski, nach der Uebersetzung von Rosa Nossig, für die Bühne bearbeitet von Arnold Nadel, ist vom Intendanten Sioli zur Uraufführung am 9. November für das Nationaltheater in Mannheim erworben worden. Potsdam. (2 5 j ä h r i g e s S y n a g o g e n j u b i l ä u m.) Die neue Synagoge in Potsdam konnte am letzten Sonnabend auf ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. Herr Rabbiner Dr. Schreiber konnte in seiner Festansprache den Text der Thora-Vorlesung des gleichen Tages zu Grunde legen: Der Herr hat geholfen, der Herr wird auch weiter helfen. Der neue Teil des Friedhofes ist jetzt fertiggestellt und bildet eine Zierde der Gemeinde. Der Entwurf rührt von Herrn Stadtgartendirektor Kölle her. Rodheim (Frankfurt a. M). (Gedenktafel-Weihe.) Dem hiesigen Israelitischen Frauenverein war es zu verdanken, daß den im Weltkrieg gefallenen vier Mitgliedern der Gemeinde eine Gedenktafel gestiftet wurde, die in besonderem festlichen Gottesdienste ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Vorsteher Stern übernahm die geschmackvoll und schlicht ausgeführte Erinnerungstafel, während Lehrer Selig aus Friedberg die Festansprache hielt und auch den liturgischen Teil der Feier ausführte. Von dem harmonischen Zusammenleben mit den Andersgläubigen zeugte die Tatsache, daß der Bürgermeister mit dem Gemeinderat, der evangelische Geistliche und andere Bürger an der Weihe der Gedenktafel teilnahmen, und daß der Pfarrer des Ortes den Gruß seiner Gemeinde übermittelte und den Gefallenen Worte ehrenden Gedenkens widmete. Trier. (Ort-Aktion.) In einem vom Trierer Aktions- Ausschuß der „Ort"-Gesellschaft einberufcnen und von Stadtrat Sigmund Loeb geleiteten Vortragsabend sprach am 7. Juni 1928 Herr Dr. Michael T r a n b über die „Ort"-Tätigkeit und die Probleme des jüdischen Wiederaufbaus in Osteuropa. Den Vorsitz des neugebildeten Aktions-Ausschusses hat der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr S. Löwenstein, übernommen. 3Dm Vorstande gehören iz. a. an: Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann, Dr. Fritz Bernheim, Eugen Groß, Max Haas, Joses Jacobs, Moritz Jacobs, Sigmund Loeb, Franz Loeser. Rätsel-Auflösung aus voriger Rümmer M o n o 1 |h|e| i •l-l“ s a B o b ' IBIBI - a 1e IS a r E8 b a °lSiBT m 1 1 Iß8 d r m GS d ‘IBIBI* s ||§|ie d a e es i »IBIBI > »IBIu n s GS a -IBIBI« n 11511 e Z n u ES E8 ■liM' ß||g)| a ä e s a u BBIBlB m J o J * e e b u k 1 a | d | n e | * | a r Verlag: Vereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner fr To., Berlin-Mariendorf.