Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 25 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mmwpm Auf den Spuren des Rabbi Löw Bon Else Dormitzer (Nürnberg). Es gibt wohl keine jüdische Figur des Mittelalters, die sich noch heute größerer Volkstümlichkeit erfreut, als die des hohen Rabbi Löw von Drag. Nicht nur in den alten Judengassen, nicht nur in den modernen Straßen dieser wunderbaren Stadt wandelt noch heute sein Schatten, spricht man noch jetzt von seiner hohen Gelehrsamkeit, von seinen Wundertaten, nein, in der ganzen zivilisierten Welt ist diese mystische Gestalt bekannt und verehrt. Dazu bedurfte es nicht erst des Meyrink'schen Romanes „Der Golem", nicht der Verfilmung dieses Wundermenschen, nein, allüberall da, wo jüdisches Leben pulsiert, jüdisches Wissen und Wesen in hohem Ansehen steht, da genießt der Vertreter dieser Eigenschaften, und dies war Rabbi Löw in hohem Maße, ein besonderes Ansehen. Aber der ganze Zauber dieser mystischen Persönlichkeit wurde mir erst gelegentlich eines Besuches in Prag ganz zu eigen. Andachtsvoll steht man vor seinem überlebensgroßen Denkmal, das in der tschechischen Hauptstadt am Neustädter Rathaus angebracht ist, ein Meisterwerk von Professor Ladislaus Saloun, der das Geheimnisvolle, das den Rabbi über die Menschheit emporhob, in wunderbarster Weise erfaßte und wiedergab. Schon die Tatsache allein, daß man einen: Juden, und mag er noch so bedeutend sein, an einem offiziellen Gebäude ein Denkmal weiht, setzt den Reisenden aus Deutschland in Erstaunen. Man erinnert sich unwillkürlich an den Kampf, der seinerzeit um Heines Denkmal entstand, an manch anderen großen deutschen Juden, der einer solchen Ehrung würdig wäre (Namen wie Hugo Preuß, Walther Rathenau tauchen auf), in unseren Zeitläuften des Nationalsozialismus und der völkischen Bewegung aber nie Aussicht auf eine solche Ehrung haben wird. Und wenn wir uns der Alt-Neuschule im ehemaligen Ghetto nahen, so kommen wir damit an die Stätte der eigentlichen Tätigkeit des Rabbi Löw. Hier hat er gepredigt und gewirkt, hier war er Tag und Nacht auf das Wohl seiner Gemeinde bedacht; von hier aus schlug er erfolgreich manch bösartigen Angriff ab, per angezettelt war, die Prager Juden zu vernichten. Immer und immer wieder gelang es ihm, die Ritualmordbeschuldigungen zu widerlegen, unermeßliches Leid von seiner Gemeinde und der ganzen Judenheit jener Tage fernzuhalten. Hier in dieser Synagoge, der ältesten existierenden, denn sie wird urkundlich im Jahre 700 erwähnt, schuf er seinen berühmten „Golem", jenen Riesen mit überirdischen Kräften, dessen er sich bediente, um Ränke und böse Machenschaften, die gegen die Prager Judengemeinde angezettelt wurden, aufzuklären. In unsichtbarer Gestalt wandelte der Golem allnächtlich durch die stillen Straßen Prags, belauschte er die Widersacher Israels, vor allem ihren schlimmsten Feind, den Mönch Taddäus, war er der getreue Diener seines Herrn, des hohen Rabbi Löw, bis er seine Mission erfüllt hatte, und Ruhe und Frieden der Prager Judengemeinde nicht mehr bedroht waren. Da vernichtete ihn der Meister, der ihn geschaffen hatte; die Sage berichtet, daß der Lehmkörper des Golem noch heute auf dem Dachboden der Alt-Neusynagoge liege, durch ein strenges Verbot des Rabbi Löw für alle Zeiten vor Nachforschungen geschützt und bewahrt. Und kommen wir dann zu dem vielhundertjähriaen jüdischen Friedhof, der noch heute unberührt inmitten des ehtz' maligen Ghetto liegt, dieses Ghetto, das längst 'modernen Straßenzügen weichen mußte, da führt uns der Weg zuerst zur letzten Ruhestätte Rabbi Löws. Bon leisem Schauer gepackt, stehen wir vor diesem schlichten Grabstein, der die Inschrift trägt: Hier ruht Rabbi Jehuda ben Rabbi Bezalel starb 18. Elul '5369 (1609). Nahezu 100 Jahre hat triefet Weise und Gerechte gelebt, von 1513—1609. Hier schläft er den letzten Schlaf, neben ihm seine treue Gattin Perl, um ihn herum all seine Schüler und Jünger. Nicht weit von ihm ein anderer Wohltäter des alten Prag, der Philantrop Weisel, nach dem die noch jetzt existierende Weiselsynagoge genannt und dessen großzügige Wohltätigfeit noch heute in Prag unvergessen ist. Er war der Vorsteher der Prager Juden" gemeinde zu jener Zeit, als Rabbi Löw ihr geistiger Führer gewesen ist. 12000 Juden liegen hier begraben. Stein reiht sich an Stein. Alte Bäume beschatten sie, wildes Gesträuch, Feldblumen umranken die oft unleserlichen Namen. Aber manche Inschrift kündet von jüdischem Heldentum, wie etwa, die auf dem Grabe der beiden Spiro, jener beiden Tapferen, Vater und Sohn, die bei der Verteidigung Prags im Jahre Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands 1625 Hervorragendes leisteten und dafür vom Kaiser eine Fahne verliehen bekamen, die noch heute im jüdischen Museum zu schen ist. Zu jenem jüdischen Museum lenken wir nun unsere Schritte. Auch hier die überragende Persönlichkeit des Rabbr Löw. Wir scheu seinen Stuhl, in dem er lchrte, wir schen seinen seltsam geformten siebenarmigen Sabbathleuchter aus Silber, wir erblicken Exemplare seiner Werke, wie etwa seinen Kommentar zum Talmud, der 356 Jahre alt ist. Im Geiste schen wir ihn mit seinem Freunde, dem Dänen Tycho de Bratze, dem großen Astronomen, mit Kaiser Rudolf II. astrologische Studien treiben. Weiß man doch, wie gerade dies Studium ihn anzog und fesselte, weiß man ebenfalls, wie hoch der Kaiser den jüdischen Forscher schätzte. Leise flüsternd durchziehen die mannigfaltigen Sagen von Rabbi Löw die Straßen des alten Prag, erzählt man sie sich auch noch in den neuen Teilen dieser modernen Großstadt. Und der Abglanz der großen Persönlichkeit des hohen Rabbi Löw liegt heute noch auf der alten Prager Judengemeinde, die sein Andenken verchrungsvoll bewahrt, wo Groß und Klein, Mt und Jung, stolz ist, jener Gemetinde anzugehören, die er einst betreut und behütet hat. Rabbi Löws' Name — er ist und bleibt die Verkörperung der Wahrheit neues Dichterwortes, das da heißt: Von den Lebens Gütern allen, Ist der Ruhm das Höchste doch, Wenn der Leib zu Staub zerfallen Lebt der große Name noch! Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinde« Am 17. und 18. Juni hielt der Verband der Bayerischst! Jsraelüischer Gemeinden in Bamberg seine diesjährige Berbandstaguug ab. Am Vorabend der Tagung fand ein Vortrag von Harburger-München über „Alte Kunst bei den Juden in Bayern" statt, am Morgen folgte eine Besichtigung der Bamberget Synagoge. Am Sonntag Bormtttag wurde die Tagung durch, erneu Festakt im Kaisersaal der Residenz eröffnet, Obenandesgerichtsrat Dr. Silberschmidt begrüßte die anwesenden Behördenvertreter und die nahezu vollzählig erschienenen Mitglieder von Rat und Tagung, unter denen man auch Geh. R. Professor Willstätter-München bemerkte. Dr. Silberschmidt gedachte der verstorbenen Mitglieder von Rat und Tagung: Nathan Grünbaum-Brückenau, Moritz Neu- Pirmasens, Dr. Silberschmidt-Kissingen, Simon Dingfelder- München. Als erster Redner sprach Ministerialrat Dr. Metzger vom bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, der die besten Wünsche des Ministeriums für einen gedeihlichen Verlauf der Verhandlungen überbrachte. Ec führte aus, daß der Verband es verstanden habe, die Belange der bayerischen Juden erfolgreich wahrzunehmen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Verband auch nach Schaffung eines Reichsverbandes diese seine bayerische Tradition aufrecht erhalten werde. Als Vertreter der Kreisregierung sprach Regierungsrat v. Crailsheim. Er wies besonders auf die Wichtigkeit der Siedlungsfrage und der Wohlfahrtspflege in der diesmaligen Tagesordnung hin. Er erkannte dankbar den großen Opfersinn der israelitischen Glaubensgemeinschaft an. Für die Stadtgemeinde Bamberg sprach Oberbürgermeister Weegmann, der erklärte, die Herzlichkeit der Begrüßung müsse sich verstärken angesichts der Anfeindungen, denen die israelitischen Mitbürger gerade auch in Bamberg ausgesetzt gewesen seien. Wenn man ihn frage, wer mit Taten und nicht nur mit Worten dem Gemeindewohle gedient habe, so Müsse er der israelitischen Gemeinde die Palme zuerkennen. Für die israelitische Kultusgemeinde Bamberg nahm der erstü Vorstand Geh. Justizrat Dr. Werner das Wort, der darauf hinwies, daß gerade Bamberg schon vor Jahrhunderten der Ausgangspunkt jüdischer Einigungsbestrebungen gewesen sei. — Der Bamberger Rabbiner Dr. Rülf führte in einer eindrucksvollen Weiherede aus, es sei eine jüdische Aufgabe, den Kampf für die Unterdrückten zu führen als einen Kampf für Gott. Hinter diesem Kampfe stehe die messianische Sehnsucht des Judentums. Die Eröffnungssitzung schloß mit einem Bericht best Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neu^ meyer-München, der von der Versammlung mit starkem Beifall begrüßt wurde. Dem Bericht ist zu entnehmen: Im rechtsrheinischen Bayern wurden im Jahre 1927 an Umlagen 463000,— Mark erhoben, was einem Durchschnitt von 11,27 Mark pro Kopf entspricht. Die großen Gemeinden München, Nürnberg, Würzburg, Fürth, Augsburg, Bamberg, Schweinfurth, brachten 87,48 <yo der Umlagen auf. Der Staatszuschuß beträgt für die Jahre 1927 und 1928 je 60000 Mark, ein auch verhältnismäßig geringer Betrag, da auf den Kopf der christlichen Bevölkerung, abgesehen von den Aufwendungen des Staates für die katholischen Schulen und theologischen Die durch das Ableben des Herrn Rabb. Dr. David Braunschweiger s. A. vacante Stelle des ist zu besetzen. Anstellung nach staatlichen Grundsätzen. Gefäll.Meldungen mit näheren Angaben über bisheriges Wirken, rel. Richtung und Ansprüchen an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde Oppeln miiNmiiin liier iri Renovierung von Wohnungen, aeschansiohaien, Fassaden etc. Robert Gutheim W50,Kuimbaciierstr.7 Fernsprecher: LDtzow 6280 Kostenanschläge gratis Verein für Feuerbestattung in Berlin Ton 1874, e. V. verm. kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfitzowstrafie 44, Telephon: Lfitzow 960-61 und Charlottenbure, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 Israelitischer Gottesdienst in Frankfurt/M. Liberaler Ritus: Hanptsyuagoge. Freitag, d. 22. 6., abds. 7. Sonnabend, d. 23. 6., morg. 9, nachm. 4, Ausgang 9.40, Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Kömgsteiner Straße. Freitag, d. 22. 6., abds. 7, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Lazarus. Sonnabend, d. 23. 6., morg. 9. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 22. 6., abds. 7.45. Sonnabend, d. 23. 6., Frühgottesdienst 6.30, morg. 8, nachm. 4.30, Ausgang 9.40. Wochengottesdienst: morg. 6.15, nachm. 7.15. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 22. 6., abds. 7.30. Sonnabend, d. 23. 6., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 9.40. Wochengottesdienst: morg. 6.30. Israel. Krankenhaus Gagerustr. 36. Freitag, d. 22. 6.," abds. 7.45. Sonnabend, d. 23. 6., morg. 8, nachm. 4. Schriftenreihe der Vereinigung für das liberale Judentum E. V. 6mllap md Ziele des religHenlei Judeatus von Dr. Joseph Norden-Elberfeld Preis Mk. 0.76 Bestellungen beim Verlag der »Jüdisch-liberalen Zeitung* Berlin SW 48 . Wilhelmstrasse 147 Die Erste! Wellkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 ★ Preis: im Buchhandel M. 1.80 für Mitglieder d. Bereinigung, die bei uns direkt bestälen M. 1.— Vereinigung für das llberale Judentum E.V. Berlin SS 48, silhelmstraße 147 Kraftvoll — wie ein großer teurer Wagen V/- "x ' •- .. zu erstaunlich niedrigem Preis — mit zahlreichen modernen Verbesserungen Tausende in den Straßen der Großstadt zollen ihm begeisterte Bewunderung. — In allen Teilen ein großer Wagen, schnell, kraftvoll und doch zu niedrigem Preise m BEGEISTERT aufgenommen in aller Welt, bei vielen Tausenden — dieser schöne und farbenfrohe Chevrolet mit den wesentlichen Eigenschaften großer Luxuswagen. Er zeigt wichtige technische Verbesserungen — Vierradbremse, tiefen, schmalen Kühler, thermostatische Wasserkon« trolle. Zylinderkopf hat die bestimmenden Eigenschaften kostspieliger Maschinen. 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