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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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8. Jahrgang Nummer 24 HMchtiberaleZe8mg Wlsche Köpfe jZakob Goldschmidt Wenn die deutsche Wirtschaft oder, besser gesagt, die Weltwirtschaft den Namen Jakob Goldschmidt hört, spitzt sie schier automatisch die Ohren, horcht und spannt, weil sie der Meinung ist, immer neuer, überraschender und verblüffender Dinge gewärtigen zu müssen. Und wer sich freiwillig der zwar reizvollen, aber nicht immer unbedenklichen Aufgabe unterwarf, die Verdienste unserer jüdischen Glaubensgenossen um deutsche Kultur und deutsche Civilisation zu würdigen, der hätte eine solche Galerie bedeutender Männer mit Fug wohl mit dem Namen Jakob Goldschmidt eröffnen müssen. Denn, gleichwie der Fußwanderer, der sich auf breiter Straße einem Dorf oder einem übersichtlichen Stadtbild nähert, zuvörderst und von fernher schon die Kirchturmspitze oder das Sinnbild, das eine beherrschende und überragende Stadtkathedrale schmückt, gewahren wird, so wird auch das Auge, das heutzutage mit eindringlicher Teilnahme auf den jüdischen „Repräsentativmen" des deutschen Reiches ruht, unwillkürlich aus einem Jakob Goldschmidt haften bleiben, der an Höhe und Weitblick eben der Kirchturmspitze gleicht, und der vielleicht eher als „Repräsentant der Menschheit", denn nur als jüdischer Repräsentant deutschen Wesens und Wirkens erachtet und betrachtet werden muß. Er ist „Primus", aber niemals „inter pares". Und wenn der Chronist trotzdem nicht damit anhub, die Wanderer durch die Zeit zuerst die Spitze eines organischen Gebildes sehen zu lassen, so tat er das gleichsam unter Verleugnung seiner eigenen Ueberzeugung, indem er sich zu einer Konzession an eben diese Spitze selbst verstand. Denn, ,nan kennt Jakob Goldschmidt nicht nur als größtes, inkommensurables Bankgenie, als Wirtschaftslönig von eigenen Gnaden, sondern auch als menschlichen Eigenbrödler, dem der scheue Stolz oder die stolze Scheu jedes wahrhaft großen Mannes verbietet, sich von den schmeichlerischen Binsenwahrheiten, oft genug auch nur byzantinischen Lobhudeleien der Gasse und Gosse umwedelt zu sehen. Jakob Goldschmidt verfügt über Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen, aber Selbstgerechtigkeit, geschweige denn Selbstgefälligkeit sind ihm m tiefster Seele zuwider. Ihm eignet die seelische Keuschheit des großen Könners, und so jung er, gemessen an seinem steil emporschießenden Werdegang, auch noch sein mag, weiß er doch, daß Männer feines Schlages sich immer hindurcharbeiten müssen durch Wolken von Weihrauch und ähnlich berauschenden Düften und — Giften. Gerade dank dieser Erkenntnis aber trachtet er, sein allzeit auf Tat und Wirksamkeit gestelltes Dasein nach Möglichkeit der vieltausendäugigen Öffentlichkeit und ihren zudringlichen Argusblicken zu entziehen. Dieser „matter-of-sact-man" hat sich eine letzte, feinste und nahezu rührende Zartheit und Schamhaftigkeit der Seele bewahrt, die unter den schamlos tastenden Fingern einer neugierig ihn umlauernden und begaffenden Mitwelt oft schmerzhaft zusammenzuckt. Vielleicht liegt es daran, daß dieser offizielle „busineßman" einen „jaroin seccet" in seinem Herzen hütet, in dem k ü n ft l e r i f ch e Neigungen manigfacher Art üppig wuchern, und in dem das Blümlein „R ü h r m i ch n i ch t a n" eine besonders sorgliche Pflege genießt. Aber gleichviel, welches auch die Motive für Jakob Goldschmidts Scheu und Abscheu vor der öffentlichen Meinung sein mögen, haben wir uns doch für verpflichtet gehalten, ihr die schuldige Ehrerbietung entgegenzubringen. Wir waren uns wohl bewußt, daß Jakob Goldschmidt nicht „Auch Einer" ist, sondern velinehr eiin Einmaliger, Unwiederbringlicher, dessen Individualität „eins und unteilbar", aller Maßstäbe und Vergleiche spottet. Und wenn wir trotzdem andere vorangehen hießen, so glaubten wir damit am ehesten, den uns gleichfalls nicht unbekannten sozialen Instinkten in Jakob Goldschmidt zu dienen. Er bleibt darum nicht minder der Überragende, bis an weite Horizonte sichtbare Menschheitsturm, wenn auch vorher andere stattliche und kostbare Schöpfungsmonumente besichtigt und berücksichtigt wurden. Der Turm ist ja ohnedies immer und von allen Seiten aus zu gewahren. Er ^zieht die Blicke magnetisch an, mag seine Spitze sich noch so hoch im Aether verlieren. Aber es ist interessant und lehrreich zugleich, zu erfahren, wie solche Türme zuweilen durch die mühselige Kleinarbeit ihrer Konstruktion Jahrhunderte in Anspruch nehmen, während andere, naturgewollten Pflanzen gleich, rapide aus dem Boden schießen und unaufhaltsam auswärts in die Wolken streben. In jene Wolken, deren Höhenklima ihnen unabweisliches Bedürfnis scheint, während ihr Fundament tief und zäh im Erdboden ruht. Jakob Goldschmidt — Deutschlands grandiosester Wirtfchaftsturm, zu dessen Höhe fremde Völker staunend den Blick erheben — stammt aus der kleinen Stadt Eldagsen in der Provinz Hannover, wo er in den bescheidensten Verhältnissen, unter einer zahlreichen Geschwisterschar, aufwuchs und frühzeitig gezwungen war, sich aus eigene Füße zu stellen. Trotz geheimen musischen Neigungen erlernte er das Bankgeschäft und ward schon als junger Kommis in Hannover, wo er seine erste Stellung antrat, als e;n besonders befästgter Mensch erkannt und anerkannt. Ungewöhnliche geschäftliche Klugheit, verbunden mit einem ungemein liebenswürdigen und herzlichen Wesen, gewannen ihm seW die nüchternsten und skeptischsten Menschen, verknöcherte und versternte Existenzen, menschliche Fossilien. Ohne jegliche Protektion wagte der junge Jakob Goldschmidt schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit mit der Kühnheit des Werkenden den Sprung nach Berlin, in das brausende Zentrum der lauten Erfolge und der stummen Mißerfolge, in das böllenbaftc Gewirr der Berliner Börse. „Ern Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier auf dürrer Heide!" Der Olympier von Weimar hat dieses mit der Bibel gemein, daß man ihn für und wider alle Dinge >ttieren kann. Ader nicht jedes Zitat trifft in das Herzblatt '>-'5 Wahrheit. So steht es auch um das viel berufene Wort vorn spekulierenden Menschen. Denn — ganz im Gegensatz zur Goetheschen Auffassung — bedarf der Mensch, der — mit Erfolg — spekulieren soll und will, vor allen Dingen Phantasie und I n t u i t i o n, eines gedankenreichen Kopfes und scharfer kritischer Blicke, mit denen ec den Gesichtskreis des bürgerlichen Alltags» zu überfliegen und lveit in die Zukunft zu dringen vermag. Und seine Phantasie darf nicht etwa, wie der Laie zuweilen vermeint, nur um den „Geldkomplex" als „Ding an sich" kreisen, sondern sie muß die scheinbar abwegigen Gebiete der Politik (insbesondere der auswärtigen Politik) und Staatskunst, der Nationalökonomie und der Soziologie restlos beherrschen. Erst wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, verbunden mit unwägbaren und undefinierbaren Imponderabilien, die niemals den psychologischen Augenblick verpassen lassen, kann aus dem „dürren", d. h. unfruchtbaren Spekulanten ein produttives Finanztalcnt, womöglich ein Bankgenie von hohen Graden sich entwickeln. Alle diese Gaben — und noch jenes gewisseungewisse „je ne sais quoi", das eben das Wesen des Genies ausmacht — zeichneten schon den noch sehr jugendlichen Jakob Goldschmidt aus, der sich alsbald als Führernatur offenbaren follte. Nur wenige waren klug genug, diefe impetuose Persönlichkeit in ihren Anfängen zu erkennen und sinngemäß zu würdigen. Der Berliner Bankier Julius Schwarz darf das Verdienst einer also feinen Witterung für sich in Anspruch nehmen. Er war mit Jakob Goldschmidt in Geschäftsverbindung getreten, und als im Jahre 1910 die Hannoversche Bank nebst der Hildesm e r Bank an eben diesen Julius Schwarz mit dem Wunsche nach einer Kommanditierung herantraten, präsentierte er ihnen zu ihrer größten Ueberraschung seinen Sozius Jakob Goldschmidt, den Mitbegründer der Firma Schwarz, Goldschmidt & E o. als tätigen Vertreter, dessen unfehlbaren Geschäftssinn und temperamentvolle Umgangsformen selbst Schwarz charakteristischer Weise hauptsächlich aus telefonischem Verkehr her kannte und schätzte. Die Firma Schwarz, Goldschmidt & Co. erfreute sich an der Börse und in Bankkreisen immer steigender Bedeutung. Hauptsächlich verursacht wurde diese Bewertung durch die neuartige Form der Börsenberichte, die knapp nach Gründung der Firma in allen einschlägigen Kreisen zirkulierten, und als deren Verfasser Jakob Goldschmidt allgemein genannt wurde. Dazumal mag Jakob Goldschmidt sich auch die journalistischen Sporen erworben haben. Er ist noch heute ein Meister des geschriebenen Wortes und macht in wirtschaftlichen Fragen auch gerne von dieser Kunst Gebrauch. Wäre er nicht ein so großer Finanzmann geworden, hätte er ebenso gut ein bedeutender Schriftsteller werden können. Er ist ein Mann von Gedanken, der einen flüssigen Stil schreibt, und der vor allen Dingen seine Ideen stets in eine allgemein verständliche Form zu kleiden weiß. Auf diesem Gebiet seiner viel verzweigten Tätigkeit erfüllt er bedingungslos die Goethesche Forderung „mit Bedeutung auch gefällig" zu sein oder zu scheinen. Acht Jahre schritten und kämpften Jakob Goldschmidt und Julius Schwarz Schulter an Schulter. Dann aber wurde Jakob Goldschmidt der Rahmen des Privatbankhauses doch bereits zu eng und er trat in den Vorstand o e r Ration a l b a n k für Deutschland ein. Das Direktorium der Hildesheimer Bank lieh diesem Wechsel seine volle Unterstützung, dergestalt, daß auch das Kommanditverhältnis auf die Nationalbank überging. In den Jahren 1918 bis 1921 ruhte die Leitung der jungen Firma Schwarz, Goldschmidt & Co. ausschließlich aus 'den Schultern von Julius Schwarz. Erst aus Intervention von Hugo Stinnes wurden neue Sozien, und zwar Julius Perlis, der bisherige Direktor der Deutschen Bank in Königsberg, sowie Arthur Hoffmann, ein angesehener Kalispezialist in die Firma ausgenommen, beide vornehmlich, weil sie für den Stinnes-Konzern wertvolle Transattionen durchgeführt hatten. Die Entwicklungsgeschichte des Bankhauses Schwarz, Goldschmidt 8c Co. läßt mehrfach erkennen, daß die impulsive Art schnellster Geschäfts- Umstellung, zu der Jakob Goldschmidt zweifellos immer die Initiative ergriff, zu allen Zeiten das Leitmotiv für die Geschäftsführung der Firma war. Während in der Jnflationsperiode das Devisengeschäft im Vordergründe gestanden hatte, wurde mit der Markstabilisierung, als der frühere Geschäftszweig seine Existenzberechtigung einbüßte, das Effektengeschäft, speziell aber die Plazierung und Verwertung geschlossener Aktienpakete betrieben. Und gerade aus diesem Spezialgebiet haben Schwarz, Goldschmidt 8c Co. tn den letzten Jahren große Erfolge buchen können. Nachdem das Wertpapierinteresse sich auch auf die Elektrizitätsindustrie der ganzen Welt erstreckte, konnte die Firma sich ein internationales Geschäft in diesen Werten aufbauen, und im Zusammenhang damit eine Reihe wertvoller Auslandsbeziehungen anknüpfen. Im Jahre 1922 fand die Fusion zwischen zwischen der Nationalbank für Deutschland und der Bank für Handel und Industrie, der sogenannten Darmstädter Bank, statt, die nunmehr, abgekürzt als „Danatbank" in der deutschen Hochfinanz figuriert und dominiert. Als persönlich haftender Gesellschafter ging Jakob Goldschmidt, von der Nationalbank für Deutschland nunmehr in die Darmstädter und Nationalbank über, während beispielsweise sein Kollege von der Nationalbank, Dr. Hjalmar Schacht, eine andere Laufbahn einschlug und im Jahre 1924 zum Reichsbankpräsidenten aufrüctte. Die Firma Schwarz, Goldschmidt 8c Co. hingegen wurde zu einer Kommandite der Darmstädter Bank, eine Tatsache, die ihr an der Börse besonderes Gewicht schenkte. Der Eintritt Jakob Goldschmidts als persönlich hastender Gesellschafter sollte diesem prominenten Bankinstitut bald ein neues Gesicht verleihen. Er durchdrang dieses Finanzgebilde mit Geist von seinem Geiste, und es konnte darum nicht weiter Wunder nchmen, daß die internationale Wirtschaftswelt sich schnell daran gewöhnte, die Bank selbst mit ihrem führenden Kopf zu identifizieren und einfach zu fragen: „Was sagt Jakob Goldschmidt dazu?" „Was denkt, was plant, was treibt Jakob Goldschmidt?" Nun denn:: Jakob Goldschmidt hatte hellseherisch erkannt, daß. wie es auch im letzten Geschäftsbericht der Danatbank ausdrücklich betont wird, „Politik und Wirtschaft nunmehr im zehnten Jahre nach Beendigung des Weltkrieges unverändert um das Ziel kämpfen, vernichtete Bei Beilage 15.3uni 1928 griffe und Grundlagen materieller, geistiger und moralischer Natur wiederherzustellen und neu aufzubauen, um dem trotz allen Erschütte-, rungen niemals verloren gegangenen Lebenswillen des deutschen Volkes gesunde, zur Volkswohlfahrt und damit zur Bolkskultur führende Daseinsformen zu schaffen." Jakob Goldschmidt's Idee und Ideal bestand darin, MerkantilismusundSozialismus nicht fürder einander feindlich befehden zu sehen, sondern vielmehr oen einen Begrift aus dem anderen aufzubauen, mittels gegenseitiger fruchtbarer Ergänzung zum Besten der gesamten Nation. Seine Devise lautet, kurz gefaßt: „Produktion, Konsum, Rentabilität." Es sollte die Möglichkeit gewonnen werden, dem verloren gegangenen und so dringend notwendigen Begriff der Rentabilität wieder Geltung zu verschaffen. Die rm letzten Jahre wiederholt beobachtete Bewegung, daß sich in Deutschland große Kapitalien zu spekulativen Zwecken an ausländische Börsen begaben, wurde von ihm als verhängnisvoll verurteilt. Wie es in dem von Goldschmidt'schen Geiste erfüllten letzten Geschäftsbericht der Danatbank heißt, wird ,hie Anerkennung des Prinzips der individuellen Leistung und der Notwendigkeit, ihr Freiheit des Wirkens und Schaffens zu gewähren nicht etwa die Folge haben, daß sich der Unternehmer sozialen Geboten und Verpflichtungen entzieht, die ihm der Geist einer neuen Zeit auferlegt. Der soziale Grundgedanke, der ohne Einschränkung immer stärker zur praktischen Anwendung gebracht werden muß, ist gekennzeichnet durch die größere Beteiligung des Arbeitnehmers an den Erfolgen und Erträgnissen der Wirtschaft in Form von Lohn und sozialer Fürsorge. Diese grundlegende Einstellung wird zur gesunden Weiterentwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung tvesentlich beitragen, die ihrerseits wiederum die Voraussetzung für die Durchführung der Aufgaben ist, die Deutschland im Rahmen der Weltwirtschaft zu lösen hat." Und der Geschäftsbericht (lies: Jakob Goldschmidt hinter den Kulissen) fährt wörtlich fort: "),Wir werden alle Kräfte aufzubieten Haben, um diese großen allgemeinen Prinzipien der individuellen Leistung und des sozialen Fortschrittes für die nächsten Jahre miteinander in Einklang zu bringen, um durch diese Synthese unsere Unternehmungen zu höchster Ertragfähigkeit zu führen und so die Möglichkeit zur Kapitalbildung zu gewinnen. Die Einsicht in diese Zusammenhänge und die praktische Auswertung der daraus resultierenden Erkenntnis wird uns schließlich zu einer höheren Stufe im Staats- und Wirtschastswesen führen." Die Danatbank, vermutlich in der Person von Jakob Goldschmidt, bekämpft den bestimmenden Einfluß, den der Staat in unserem Wirtschaftsleben an sich gerissen hat. Es wird konstatiert, daß im Laufe dieses gefährlichen Entwicklungsprozesses der Staat dahin gelangte, selbstherrlich „die Miete sestzusetzen, den Wohnungsbau zu bestimmen, die Eisen-, Kohlen- und Kalipreise zu bestimmen, selbst 'Unternehmungen größten Ausmaßes zu betreiben, sich in steigendem Maße im Bank- und Kreditwesen zu betätigen und daneben Steuern, nicht nur nach dem Einkommen, sondern auch von der Substanz zu erheben und dittatorifch Löhne und' Attwttszert zu dekretieren." Es wird daher ein schleuniger Abbau der hypertrophierten staatlichenFunktionen gefordert, desgleichen eine Herabsetzung der von der öffentlichen Hand erhobenen Steuern als dringend erforderlich bezeichnet. Der Staat wird ermahnt, wieder zu seinen eigentlichen Aufgaben zurückzukehren und eindringlich gewarnt, aus einer freien etwa „eine vom Staat manipulierte Wirtschaft zu machen". Die Fortentwicklung sozialer Ideen und Bestrebungen im weitesten Maße wird propagiert, der Kampf» um den Weltkonfum in den nächsten Jahren nur dann als aussichtsreich charatterisiert, wenn eine stärkere Beteiligung des Arbeitnehmers eine ertragfähige Wirtschaft oder auch vice versa eine ertragfähige Wirtschaft eine stärkere Beteiligung des Arbeitnehmers voraussetzt. Der Staat wird gescholten, daß er durch eine falsche Einstellung die sich anbahnende Entwicklung sabotiere und die Erfüllung jener sozialen Wünsche, die nach den Entbehrungen der hinter uns liegenden Zeit menschlich durchaus verständlich seien, durch gesetzliche Belastungen der Unternehmungen erschwere Rentabilität, Kapitalbildung und soziale Fürsorge gelten immer wieder als einzige Lösung der großen Gegenwartsaufgaben. Inwiefern bä derartigen Ausführungen gegensätzliche Welt- und Wirtschaftsanschauungen zwischen Jakob Goldschmidt und seinem ehemaligen Kollegen von der Nationalbank, dem heutigen Reichsbankpräsidenten, Dr. Hjalmar Schacht, zwischen den Zeilen zum Ausdruck gelangen, möge dahingestellt bleiben. Nur darin dürften die beiden großen Diktatoren der Wirtschaft übereinstimmen, daß Deutschland gegenwärtig ein natürliches Bedürfnis nach Anlagekapital für seine Wirtschaft hat, und daß dieses Kapital zum mindesten anfangs aus ausländische» Quellen, insbesondere Amerika, fließen müsse. Jakob Goldschmidt, der bisher immer den Erfolg für sich gehabt hat, (und es gibt keinen besseren Fürsprecher als — den Erfolg), heischt auch für die weitere Zukunft den Glauben an den politischen und wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands. Wir sollten nicht mit starrem Blick ausschließlich die Schwierigkeiten der Gegenwart und der nächsten Jahre berücksichtigen, sondern uns statt dessen an Hand der letzten vier Jahre kritisch vor Augen halten, welchen weiten Weg wir von dem völligen Zusammenbruch bis heute durchlaufen hätten. In einem Entwicklungsprozeß wie diesem dürste man nicht immer nur die Schattenseiten sehen. Wirtschafts- und Staatsführung müßten die Schwierigkeiten zwar erkennen unk klären, sie aber gleichzeitig mit mutigem Unternehmungsgeist zu bewältigen versuchen, ohne in Rückschlägen sofort den beginnenden Untergang zu wittern. Wenn man eine solche Einstellung als Optimismus kennzeichne, jo habe dieser Optimismus jedenfalls nichts zu tun mit einer wohlfeileren Auffassung. Die alles nur in rosigem Lichte sähe,. Das wird besonders für jene spekulativen Uebertreibungen gesagt, wie sie mit jeder Konjunktur verbunden sind und wie sie nach der Vernichtung ungeheuerer Vermögenswerte schon aus dem Bestreben, Verlorenes schnell wiederzugewinnen, naturgemäß und menschlich verständlich seien. Trotzdem müßten derlei phantastische Spekulationsprobleme beute dringend verhindert werden, well eine Gesundung nicht anders' zu erreichen sei als durch eine zunchmende Stabilisation unserer Verhältnisse. ,

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