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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Jakob Goldschmidt hat seinen „soi-disant"-OptimiSnms -und seine sozialen Gedankengänge jederzeit in die Tat umgesetzt. Vielleicht gilt ihm eben darum, weil tatsächliche Borwürfe an seiner Makellosigkeit abprallen, der demagogische, nie erlahmende Haß und Angriffs g e i st (fit venia verbo) der Ultras von Rechts, der politisch verstorbenen „Völkische n". Ein besonderer Vorzug seiner charakterlichen Veranlagung ist die großzügige Betätigung aus dem Gebiete der Wohltätigkeit, und baß er auch in dieser Beziehung an der Spitze steht und oaß die Summen, dre er jährlich, nicht zuletzt für jüdische Zwecke, aufwendet, viele Hunderttausend Mark betragen. Dabei ist er ein schlichter und bescheidener Mensch geblieben, der in besonders rührender Werse an ferner Familie hängt. Jakob Goldschmidt gibt und spendet mit vollen Händen, auch ohne Ansehen der Konfession. Aus ihn trifft fürwahr das Wort von der „schenkenden Tugend" zu. Da er jedoch zu Men seltenen Naturen gehört, die, im Besitz eines für unsere Begriffe schier unvorstellbaren Reichtums, niemals ihre Herkunft zudecken oder verleugnen, so ist es nur natürliche daß er sich auch den verschiedenen jüdischen Institutionen mit besonderem Wohlwollen zugewandt und ihnen feine Förderung hat angedeihen lassen. Besonders interessiert sich Jakob Goldschmidt, dem Vernehmen nach, für die Stiftungen des Auerbach'schen Waisenhauses in Berlin, dessen Kurator er ist. Zum Gedächtnis seiner verstorbenen Gattin hat er rm vergangenen Jahre unter Ausbietung sehr erheblicher Mittel den sogenannten „Mädchcnslügel" errichtet, der in seiner Ausgestaltung und Führung als vorbildlich bezeichnet werden darf. Auch anläßlich der Begründung des Jüdischen Alterheimes für die Provinzen Brandenburg und Grenzmark in Landsberg a. d. W., hat er nicht nur kraft der ihm eigenen Generosität gespendet, sondern er zeigt auch für das Gedeihen und den Fortschritt der Arbeit daselbst ein stets reges Interesse, so daß schwer bedrängte Greise und Greisinnen von diesem unermüdlichen Wohltäter immer noch weitere Mildtätigkeit erwarten dürfen. Die „Jüdische Altershilfe" in Berlin, die vornehmlich den verarmten Alten, die einst bessere Tage für ihr Lebensende erhofften und nun verschämt beiseite stehen, Helsen will, hat ihm ob seiner großzügigen Hilse erst vor wenigen Tagen in ihren Vorstand gewählt. Desgleichen schenkt er den wissenschaftlichen Bestrebungen unserer Glaubensgemeinschaft werktätige Teilnahme und Unterstützung. So hätte beispielsweise das monumentale Werk der „Encyclopädia Judaica" ohne ihn und seine tatkräftige Förderung wohl kaum je den ihn und seine tatkräftige Förderung wohl kaum je den Weg ins Leben findm können. Und dabei vermeidet der edelmütige mütige Spender geflissentlichdaß sein Name jemals im Zusammenhang mit seinen wohltätigen Werken an die Oesfentlichkeit gelange. Auch den Bewegungen der südischen Nationalisten oder Zionisten, denen Jakob Goldschmidt ablehnend gegenübersteht, weil er sich von dem Ausharren der Juden in ihren Heimatländern am ehesten eine Erleichterung ihrer Lage verspricht, hat Jakob Goldschmidt trotzdem immer Gelegenheit zur gegenseitigen Aussprache gewährt. Es ist ja selbstverständlich, daß an einen Mann von einem höchstens mit amerikanischen Maßstäben zu messenden Vermögen, nebst einem Einkommen von ebenso phantastischer Höhe (man fabuliert allein von einigen neunzig Aussichtsratstellen), bei jedem Anlaß — und zwar nicht nur von Glaubensgenossen — appelliert wird. Es sind aber kaum je Weigerungen, die wohl dann gehässig genug ausgebeutet worden wären, bekannt geworden. Wir haben demnach gesehen, daß Jakob Goldschmidt die sozialen Gebote, die er in der Theorie aüfftellt, auch in eine gnadenreiche Praxis u m s e tz t. Er jedenfalls gehört nicht zu denen, die öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken. Aber sowohl der obzwar stolze, so doch immer vornehme und zurückhaltende Jude, als auch der Wohltäter Jakob Goldschmidt, der ebenfalls niemals aus seiner Reserve heraustritt, verblassen vor dem schier überlebensgroßen Genie der Weltwirtschaft, als das er diesseits und jenseits des Ozeans Ruhm und Ehre genießt. Jakob Goldschmidts Name slog zuerst über die Länder und Meere, als er sich in Transaktionen und Fusionen bewährte, die kaum ein anderer, noch so sinanzgewaltiger Wrrtschastspraktü'er gewagt hätte. Die erste Großtat auf diesem Gebiet, das fortab zum Spezialgebiet Jakob Goldschmidt's werden sollte, war die Sanierung der heillos verfahrenen und verworrenen Erbmasse von Hugo Stinnes, den ein gnädiger Tod dahinraffte, ehe die Nachricht von dem Zerfall seiner gigantischen Unternchmnngen — eines Kolosses aus tönernen Füßen — durch das verblüffte und verständnislos lauschende Deutschland brauste. Eine andere, wohl kaum minder bedeutsame, wenn auch vielleicht nicht ganz so schwierige Leistung war dre Umgruppierung und Reorganisierung des I. G.-Farben-Trusts, abermals unter der sachkundigen Hand von Jakob Goldschmidt. Ms lächelnder Sieger dürfte Jakob Goldschmidt aller Voraussicht nach auch glatt durchs Ziel gchen der dem Endspurt in dem heißen Ringen um die „Drktoria", eine der grüßten Versicherungsanstalten Deutschlands. Das Ergötzliche an eben diesem Spiel der Kräfte ist, daß dem produktiven Empiriker Jakob Goldschmidt hier ein junger und kühner, sicher auch phantasiebegabter Finanzier, des ebenfalls schon rasch bekanntgewordenen Namens: Jakob Michael, gegenübersteht. Aber auch dieser Sreg wirb, trotz der reichen Mittel und der vor keinem Coup zurückschreckenden Unternehmungslust des Benjamins Kalendarium f. die Zeit v. 16.6. b. 23.6.28 J««i 1928 Siwa« 5688 Sonnabend 16 28 Neumondweihe Wochenabschnttt: Sch'lach l'cho Haftarah: Josua 2, 1—24 Sabbat-Ausgang: 9.32 Uhr Sonntag 17 29 Jom Kippur Kolon Montag 18 30 1. Tag Rosch Cyodesch Tommus 5688 Dienstag 19 1 2. Tag Rosch Chodesch Mittwoch 20 2 Donnerstag 21 3 Freitag 22 4 Sonnabend 23 5 Wochenabschnttt: Kaurach Haftarah: 1. Buch Samuel Kap. 11, 14—15; 12, 1—22 Sabbat-Ausgang: 9.35 Uhr Versammlungskalender * Brerla«. Jli „Abraham Seiger". Montag, den 18. Juui, abends 8.15 Uhr, zwangloser Beisammensein im Kurgarie« Kürasfierstraße. Mit» glieder, die Interesse an Wanderungen und Ausflügen haben, wollen sich mit Ludwig Freund, Reudorfstraße 37, Fernsprecher: 33 320, oder Alfred Berger, Augustastraße 87, Fernsprecher: 37 754, io Verbindung setze«. Dortmund. Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum. Donnerstag, den 21. Juni, abends 8.38 Uhr, zwangloses Beisammensein im Sewerveverein (Kuhstraße), Kleiner Saal. Ludwig Meyer spricht über: Die jüdische Jugendbewegung und die Arbeit in den jüdischen Bünden. Gotterdleuste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162 aj: Freitag, den 15. Juni, abends 7.15 Uhr, Gottes, dienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonnabend, den 16. Juni, vormittags 18 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 22. Juni, abends 7.15 Ahr, Predigt, Rabbiner Dr. Salomooski. Berlin-Wilmersdorf-SchSneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cacilienschule, Ritolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 15. Juni. Predigt: George Goetz. der deutschen „Haute Banque" sich wahrscheinlich zu Gunsten Jakob Goldschmidt's wenden, da seine Bank, gemäß der von Goldschmidt eingeführten Tradition, ein den Gegner erdrückendes Aktienpaket des fraglichen Unternehmens in Händen hat. Es wäre müßig, noch weiterhin analoge Fälle zur Illustrierung der wirtschaftlich ausbauenden und genial organisierenden Finanztätigkeit Jakob Goldschmidts anzusühren. Es genügt wohl der Hinweis,, daß dieser heute erst in der Mitte der Vierziger Jahre stehende Selfmademan nahezu der Einzige ist, der seitens der Könige und Diktatoren von „Wall-Street" als ihresgleichen anerkannt, gewertet, geehrt und gerühmt wird. Jakob Goldschmidt nennt eine fürstliche Besitzung in Neu-Babelsberg und eine üppige Stadtwohn u n g in der H i tz i g st r a ß e sein Eigen. Für die Besitzung in Neu-Babelsberg muß er die Hälfte seiner jüdischen Steuern nach Potsdam entrichten und die dortige jüdische Gemeinde dürfte dies als Gnade des Schicksals empfinden, (Auch wenn der unverfälschte und unausrottbare „Geist von Potsdams der unsterbliche Geist des Stechschritts und der Gamaschentnöpse der unsterbliche Geist des Stechschritts und der Gamaschenknöpse, sich darob heimlich in wohlfeiler Entrüstung aufbäumen mag!), dieweil eben dieser Schloßherr von Neu-Babelsberg, wie erzählt wird, mehr jüdische Steuern entrichtet als all seine aus dem benachbarten Grund und Boden angesiedelten Glaubensgenossen zusammen. Die internationalen Beziehungen Jakob Goldschmidts aber, die er nicht nur zu den Magnaten aller ausländischen Börsenplätze von Rang, sondern, glerch den gefürsteten Bankherren der Renaissance, zu allen prominenten Persönlichkeiten der Alten und Neuen Welt unterhält, bringen es als eine Selbstverständlichkeit mit sich, daß seine Stadtwohnung ebenso wie sein Landsitz den Mittelpunkt einer zwar großartigen, aber immer geschmackvoller: und distinguierten Geselligkeit bilden. Ob hier, ob dort, stellt sein Haus immer einen Salon erster Ordnung dar, in dem zu verkehren alle M i n i st e r und führenden Staatsmänner, sowie die in Berlin beglaubigten ausländischen Diplomaten, nebst Vertretern der Wissenschaft und schönen Künste es sich zur Ehre gereichen lassen. Und Jakob Goldschmidt weiß, wie dereinst die Medici oder Chigr, in späteren Zeitläuften die Fugger und Welser, daß seine Stellung ihm auch Repräsentation größten Stiles als eine Pflicht, nicht nur seiner eigenen Position, sondern auch dem von ihm vertretenen Bankhaus und nicht minder feinem Lande gegenüber auserlegt. Jakob Goldschmidt gehört dem Staat, der Weltwirtschaft, der Menschheit und der Zeitgeschichte an. Wir freuen uns, wenn wir glauben, annehmen zu dürfen, daß uns noch ein näheres Band, nämlich das der Glaubensgenossenschaft, dieser Standardpersönlichkeit verbindet. Doris Wittner. Hauskonzert der Attershilfe Die Jüdische Altershilfe Groß-Berlin E. B. veranstaltete am 12. Juni ein Hauskonzert, zu welchem Herr R.-A. Theodor Kallmann seine Billa in Schmargendorf zur Verfügung gestellt hatte. Namhafte Künstler hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt, und das sehr zahlreich erschienene Publikum ging begeistert mit. Zuerst begrüßte der Geschäftsführer des Vereins, Herr Bacher, die Anwesenden und erinnerte an den Geist und den Zweck der Veranstaltung. Dann spielten Anna Linde (Cembalo) und Friedrich Thomas (Flöte) eine Sonate von Haendel. Der moderne Hörer muß sich erst wieder auf das Cembalo einstellen; der Kenner und Liebhaber dieses Instruments hatte seine Freude daran, mit welcher Meisterschaft es von Anna Linde in dem Duo und in den nachfolgenden Solostücken gespielt wurde. Friedrich Thomas erwies sich als vollendeter Meister seiner Flöte. Josef und Boris Schwarz — der eine hat längst einen guten Platz unter den Pianisten der Gegenwart, der andere — er ist noch sehr jung — ist auf dem besten Wege, einer unserer großen Biolinvirtuosen zu werden. Mit seelenvollem Ton spielte er das Larghetto von Haendel-Hubay und zeigte sprudelnde Technik in den anderen Solostücken. Die Sängerin des Abends war Berthe Malkin von der Städtischen Oper Berlin. Ihr machtvolles Organ erfüllte die ganzen Räume mit Wohlklang, so daß ihr das begeisterte Publikum noch 2 Zugaben abzwang. Danach trat eine Pause ein, und die Gäste zerstreuten sich im Garten der Billa, wo sie von Frau R.-A. Kallmann in überaus liebenswürdiger Weise bewirtet wurden. Nachdem man sich an dem schönen Sommerabend erquickt hatte, ging es wieder in den Musiksaal, wo zuerst Herr Rabbiner Dr. Cmil Cohn eine Ansprache hielt. Cr tankte den Künstlern und den Zuhörern für die Hingabe an deiy guten Zweck dieses Abends und schilderte, wie schwierig dieses Liebeswerk für die verschämten Armen durchzuführen ist, die einsam und verschüchtert im Leben stehen und die alle einst bessere Zeiten gesehen haben. Cr bat die Anwesenden, mitzuhelfen an dem Bau, der diesen unseren Mitmenschen eine friedvolle Heimat für ihr Alter bieten sollte. Der jung« Cellist Gregor Piatigorsky ist einer unserer Allerersten in seinem Fache. Reiser musikalischer Trust und ein Ton von seltener Klangfülle und Schönheit zeichnen sein Spiel aus. Der Abend gipfelte in einem Trio von.Arensky, gespielt von den Herren Josef und Boris Schwarz und Gregor Piatigorsky. Reicher Beifall belohnte alle Darbietungen, und man verabschiedete sich von den liebenswürdigen Gastgebern voller Dank und mit dem Vorsatz, weiter zu werben für die gute Sache und so den» Bau des Altersheimes zur Vollendung zu verhelfen. L i l i Goetz. Auch eine Monlefiore-Ehrung Ein Onkel von mir pflegt zu erzählen, daß er als Gymnasiast in einem Aufsatz über Schillers „Jungfrau von Orleans" die Redewendung gebraucht habe: „Meisterhaft hat Schiller es verstanden. . . ." Da habe ihm der Lehrer mit roter Tinte an den Rand geschrieben: „Danke ergebenst! Schiller." — Die zionistische jüdische Zeitung für Ostdeutschland" druckt in ihrer Nr. 23 vom 8. Juni o. I. eine deutsche Uebersetzung des Artikels ,Hüdischkeit" von Clauoe G. Montesiore ab, wre sie in einer Vorbemerkung hinzufügt, nicht nur anläßlich des 70. Geburtstages von Montefiore, sondern auch „als ern überaus interessantes Dokument der unaufhaltsamen Entwicklung des zeitgenössischen Judentums". Geschmackvollerweise heißt tzs dann in der redaktionellen Vorbemerkung über den Montefioreschen Auffatz weiter: „Er zeigt deutlich, wie der Nestor der liberalen Reformbewegung an seinem Lebensabend den Gedankengängen eines positiven Judentums nähergekommen rst." Tanke ergebenst! Montesiore. G.Gtz. Vereinsnachrichten Jüdischer Turnverein Berlin 1985. Sonntag, den 24. Juni d. I., Motorbootsahrt nach Ziegenhals. Restaurant Weißes Schloß (Petrick). Treffpunkt: 1/28 Uhr Schillingsbrücke (Restaurant Böhmerwalb). Abfahrt: 8 Uhr mit dem Kajütmotorboot „Oberspree". Fahrpreis: 2,50 RM. Musik an Bord. In Ziegenhals finden Wettspiele und Wettkämpfe statt. Wir rechnen auf zahlreichen Besuch. Nur Voranmeldungen sichern einen Platz im Boot. Karten bei den Tgg. .Hans Wolfs, Lothringer Straße 5 b, A. Streim, Krausnickstraßc 12 a, Alfred Löblowitz, Roscnthaler Straße 44 (Nd. 4781) sowie aus den Turnhallen. Der Vorstand, i. A.: R. Henn. ★ BÜCHERSCHAU Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Von Dr. Julius Höxter. IV. Teil: Europäische Länder in der Neuzeit. Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M. 1928. 169 Seiten. — Gebunden 1,88 M. Türkei — Holland — Italien — Polen — Deutschland: Diese fünf jüdischen Kulturzentren Europas wird man als solche den Schülern und Schülerinnen nach meiner Ueberzeugung erst dann so recht verlebendigen können, wenn man von den Jugendlichen die geschichtlichen Tatsachen aus den Quellen herausarbeiten läßt. Seitdem Höxter mit seinen Quellenbüchern hervorgetreten ist, wird die Lehrerwelt größtenteils erkannt haben, daß die blendendsten Schilderungen seitens einer Lehrkraft trotz Aufbietung aller Mittel Ciceronianischer Eloquenz nicht im entferntesten die Wirkung ausüben können wie die Quellen der Zeit selber. Denn daraus sprechen Erlebnisse von Menschen, deren Geschicke ein Stück Geschichte bedeuten; daraus schimmert uns Lichtvolles entgegen oder starrt uns das Dunkel an, das auf der Tragik der Zeiten gelagert. Um einige Beispiele anzuführen: Ein Stück aus Hans Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1553—55) zeigt uns deutlich die Unduldsamkeit gegenüber den Juden. — Eine geschickte Auswahl aus Joseph Karos „Schulchan Aruch“ erschließt uns ein Stück jüdischer Ethik und Apologetik. Diskussionsstoff und damit in natürlicher Verbindung Lernfreudigkeit sind also reichlich geboten. Oder man lese die Rechtfertigung des Rabbiners David Nieto, der des Spinozismus verdächtigt wurde, und man wird einen Einblick gewinnen in die Scheu vor dem Lichte der Aufklärung; zwischen den Zeilen wird das Ringen nach geistigen Werten herauszulesen sein: ein interessantes und bewegliches Hin und Wider, das den Geist stärkt und die Ueberzeugungstreue der Jugendlichen auf eine harte Probe stellt. Ebenso gewinnen wir aus den geschickt ausgewählten Quellen über die Geschichte Italiens, Polens und Deutschlands in der Neuzeit ein recht anschauliches Bild: neuplatonische Lehren aus der Welt der Kabbale und des Chassidismus und ihre in die Einheit Gottes sich hineinträumenden Gestalten zaubern uns trostverheißende Erlösungshoffnungen vor die Seele. Auf der anderen Seite schauen wir Bilder aus dem Reich der rauhen Wirklichkeit; Schatzgräber jüdischen Wissens offenbaren uns ihre Geistesschätze, und von dem Treiben und Leben des jüdischen Alltags, ab und zu erhellt von einem Sonnenstrahl, künden Dokumente in beredter Sprache, schlicht und ungekünstelt. Das Bucht verdient weiteste Verbreitung. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Rätsel-Ecke Kreuzworträtsel. i 2 3 4 1 1 b qr 8 S 9 mm i E 10 IE9IB i 18 B SälBS IS 19 S miß m B 11 WE IS S 121 j mm IS 14 "i 16 I ji Wagerecht: 1. Glaube an «inen Gott. 10. Tochter. 11. Flächenmaß. 12. Monat. 13. Sohn Isaaks. 15. größter Führer der Juden. 16. Eroberer Jerusalems. 17. Russischer Feldherr. Senkrecht: 1. Spanische Juden. 2. Stadt bei Jerusalem. 3. Prophet 4. Monat. 5. Nachbarvolk der Israeliten. 6. Jüdischer Nationalheld. 7. Getränk germanischer Götter. 8. Altjüdische Partei. 9. Hauptstrom Westsibiriens. 14. Monat. 18. Kennzeichnung jüdischer Wohnungen. 19. Schlachtort, wo Juda Makkabi fiel.

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