Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'mm MW^WWWW Der Vorsitzende legt dar, daß die Anteilnahme der Herren Professor Albert Einstein. Jacob Goldschmidt und Generalkonsul Eugen -Landau die GeschLftsleitung veranlaßt habe, kte genannten Herren um den Eintritt in den Vorstand zu bitten. Auf Grund eines aus der Versammlung gemachten Vorschlags wurden d»e folgenden Herren emstimmig durch Akklamation als Vorstand der Jüdischen Altershilft Groß-Berlin E. B. gewählt: Generalkonsul Eugen Landau, Jacob Goldschmidt, Professor Dr. Albert Einstein, Maurice Glogau, Adolf Schoyer, Dr. Fritz Kahn. Berlin. (Pressekonferenz der Ort".) Die Zentralverwaltuna des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden „Ort" hat die Vertreter der Presse für Mittwoch, den 6. Juni, nachmittags nach dem Hotel „Kaiserhof" zu einem Tee geladen, um sie durch Herrn Dr. D. Lvovitch, der vor kurzem aus Rußland zurückgekehrt ist, über die Eröffnung neuer Aussichten des Aufbaus des jüdischen Wirtschaftslebens in Rußland im Zusammenhang mit dem soeben in Geltung getretenen Vertrag zwischen der Sowjetregierung und der Gesellschaft „Ort" über die zollfreie Einführung von Maschinen, Werkzeugen, und Rohstoffen auf Kosten ausländischer Organisationen, Verwandter und Freunde russischer Juden zu informieren. Der Einladung folgten zahlreiche Vertreter der deutschen, ausländischen und der jüdischen Presse, die mit großem Interesse die Darlegungen der Redner, Justizrat Dr. Brodnitz, Dr. Lvovitch, Prof. Frankfurt, Dr. L. Bramson und Wilhelm Graetz, hörten. Bezüglich des Bortrages von Herrn Dr. Lvovitch können wir unsere Leser auf den ausführlichen Artikel in der vorigen Nummer unseres Blattes verweisen. Seine Ausführungen fanden größte Beachtung und führten zu einer eingehenden Aussprache, an der sich ein großer Teil der anwesenden Pressevertreter durch Stellung sachdienlicher Fragen beteiligten. Justizrat Brodnitz gab in Beantwortung von Fragen des bekannten demokratischen Politikers und Chefredakteurs der „Welt am Montag", Helmuth v. Gerlach, sowie anderer Pressevertreter ergänzende Mitteilungen und wies auf die Bedeutung der Idee der Verwandtenhilfe hin, die den Geldstrom, der aus dem Ausland« <m arme Verwandte in Rußland fließt und — weil unproduktiv angelegt — im Sande verrinnt, nunmehr in produktive Bahnen lenken soll. Gemäß der Tradition von „Ort", bei dem konstruktiven Werk in Rußland auch der den jüdischen Kolonisten benachbarten nichtjüdischen Bevölkerung zu helfen, wird auch die Verwandtenfürsorge den Nichtjuden zur Verfügung stehen. — Nach Auskünften über rechtliche Fragen, die Prof. Frankfurt erteilte, berichtete Herr Dr. L. Bramson über das große Interesse, das die Idee der Verwandtenfürsorge in den verschiedensten Ländern gefunden hat. Herr Wilh. Graetz schloß mit einem Appell an die Presse-Vertreter, sich der guten Sache anzunehmen, die eindrucksvoll verlaufene Veranstaltung. Berlin. (6 0. Geburtstag von Berthold Israel.) Herr Berthold Israel, der Inhaber des großen Berliner Kaufhauses N. Israel, wurde am 12. Juni d. I. 60 Jahre alt. Berthold Israel ist Mitglied des Hauptausschusses des Hilssvereins der deutschen Juden und nimmt an den Aktionen des Hilfsvereins hervorragenden Anteil. In seinem Hause fand erst vor einigen Monaten eine Veranstaltung des Hilssvereins statt, mit der der Verein den alten Kreis seiner über Deutschland hinaus sich erstreckenden Tätigkeit wieder ausnahm. Berthold Israel bringt allen jüdischen Aufbaufragen großes Interesse entgegen. In der Berliner Handelswelt erfreut er sich als Leiter einer der größten und ältesten Kaufhäuser großen Ansehens. Berlin. (8 0. Geburtstag.) Am 15. Juni feiert Herr Albert Silbermann, Berlin NW 21, Alt Moabit 86c seinen 80. Geburtstag. Herr Silbermann, ein langjähriges Mitglied des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., ist einer der bewährtesten Vorkämpfer für das Berliner liberale Judentum und beweist trotz seines hohen Alters stets das regste Interesse für unsere Bestrebungen. Wenn er auch heute nicht mehr wie in früheren Jahren aktiv an unserer Arbeit teilnehmen kann, so ist er immerhin noch eine unserer besten Stützen im Kampfe gegen unsere Gegner. Wir wünschen Herrn Silbermann einen sonnigen Lebensabend und hoffen, daß er uns noch recht lange erhalten bleibt. Berlin. (Ein jüdischer Veteran.) Der 85jährige Veteran Markus Mannheimer, Berlin NW. 21, Crefelder Straße 3, der beim 19. Regiment den Krieg 1870/71 mitgemacht hat, wurde vom Courbiere-Bund Görlitz einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Berlin. (Die jüdischen Sportvereine im Groß- Stasfellauf Potsdam—Berlin.) Am Sonntag wurde, von dichten Zuschauerreihen auf der ganzen 25 Kilometer-Strecke umlagert, auf der klassischen Rennstrecke Potsdam—Berlin der gleichnamige Staffettenlauf ausgetragen. Im Hauptlauf über die Strecke Potsdam — Wannsee — Beelitzhos — Grunewald — Witzleben bis zum Sportplatz Tiergarten gelang es. der Mannschaft des jüdi- . schen Turn- und Sportvereins Bar Kochba, im Hauptwettbewerb als Siebenter in 1:01:36,2 hinter dem D.S.C. als erstem in 00:57:27,4 (einem neuen Rekord) die Ziellinie zu passieren (gegenüber einem zehnten Platz im Vorjahr). Recht günstig schnitten auch die Knaben- und Frauenmannschaften des Bar Kochba im abgekürzten Lauf über 10 Kilometer (Stern—Tiergarten) ab, wo Alte Herren, Knaben und Frauen — insgesamt 33 Teilnehmer — zusammen starteten. Die Knaben des Bar Kochba belegten unter den Knabenmannschaften in 24:33,5 den zweiten Platz hinter S.C.C. 1. Knabenmannschast (23:06) und unter allen Mannschaften die neunte Stelle. Die Bar Kochba- Frauen liefen unter 23 Frauenstaffeln als elfte hinter S.C.C. 1. Frauenmannschaft in 23:43,5, in der Gesamtwertung von den angegebenen 33 Mannschaften als achtzehnte, und zwar in der guten Zeit von 26:19,0 ein. Im Sonderwettbewerb für Frauenabteilungen der BCD-Vereine gingen sie als zweite hinter der komb. Mannschaft /Leiser-SB ^-Realia-B. s. K.) — diese in 26:10 — durchs Ziel. Auch die Mannschaft der Sportgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, die wie bei jedem Start immer kämpferischen Mut zeigt, konnte einen schönen Erfolg davontragen. Im Lauf über 15 Kilometer (Beelitzhof—Tiergarten) wurde der R. j. F. unter 37 startenden Vereinen im Gesamtklassement in der Zeit von 40:50 Zwanzigster hinter B. f. L.-Humboldt (Zeit: 36:27,4). Außerdem belegte der R. j. F. im Sonderwettbcwerb für Vereine, die Leichtathletik als Nebensport betreiben, unter sieben startenden Teilnehmern den ersten Platz und gewann damit einen wertvollen Ehrenpreis, im Sonderwettbewerb für Vereine außerhalb des V.B.A.V. hinter dem Bund für Leibesübungen (38:21) unter neun Startenden den zweiten Platz und im Sonderwettbewerb für erstmalig teilnehmende Vereine untec sechs Startenden hinter Leiser-S.B. (37:50) die dritte Stelle. Die Organisation, die bei Bar Kochba in den Händen von Dr. Atlasz, Heinnz Nesselroth, Hans Eger und Lotte Gabriel, beim R. j. F. in den Händen von James Abrahamsohn und Hans Naher lag, hat sich voll und ganz bewährt, und stellt der umsichtigen Lertung der jüdischen Sportvereine das beste Zeugnis aus. Barmen. (Todesfall.) Plötzlich und unerwartet ist hier Frau Lina Mosheim, die auf dem Gebiete sozialer Wohlfahrt eifrig tätig war, im 60. Lebensjahre verschieden. Ihrer Anregung war die Gründung der Zentralstelle für Jüdische Adoptionsvermittlung, die sie durch zielbewußte eigene Vorarbeit in die Wege geleitet und eigener Mittel ermöglicht hatte, zu verdanken. Der Jüdische Frauenbund hat vor etwa zwei Jahren diese Einrichtung übernommen und wird sie sicher im Sinne ihrer Gründerin fortführen. Der Name der auf sozialem Gebiet verdienten Frau wird auf alle Zeiten mit ihren gemeinnützigen Werken eng verbunden bleiben. Bruchsal. (Synagogen-Renovierung.) Die Gemeinde Bruchsal hat die Notwendigkeit eingesehen, den nüchternen und wenig ansprechenden Synagogenräumen der Gründerzeit ein neues Gewand zu geben. Sie hat in dem Maler Leo «ahn einen Meister gesunden, der es verstanden hat, dieser schwierigen Aufgabe unter Berücksichtigung traditioneller Ideen im Sinn der Gegenwart, gerecht zu werden. Der bekannte Bildhauer Benno Tlkan hat Geländer und Leuchter der Borlesungs-Estrade in bemerkenswerter und neuartiger Weise zu einem Schmuckstück der Synagoge gestaltet. Prof. SpannagA hat wirkungsvolle Beleuchtungskörper hinzugefügt und so repräsentiert sich das Gebäude der 80er Jahve des vorigen Jahrhunderts im Gewände der Gegenwart und ihrer Errungenschaften. Drertze«. (Ausschuß-Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes.) Die im Saale der FraternitaÄoge stattfindende Tagung, auf der sämtliche sächsischen Religionsgemeinden vertreten waren, begann mit der Berichterstattung des Borsitzenden Rechtsanwalt S a l i n g e r. Aus den zur Verlesung gebrachten Eingängen war bemerkenswert, daß die bei der Staatsregierung unternommenen Schritte, fstr den Neubau der Synagoge in Plauen eine Beihilfe zu erlangen, zu keinem Erfolge geführt haben. Weitere behördliche Mitteilungen ergaben, daß die für die Steuereinziehung zuständigen Behörden verpflichtet sind, die Religionsgemeinden bei diesbezüglichen Zwangsmaßnahmen zu unterstützen und die Seelsorge in den Gefangenenanstalten von den Rabbinern der einzelnen) Gemeinden versehen werden kann. Eine Eingabe der jüdischen BolkSpartei betraf die Schaffung eines Normalstatuts für alle sächsischen Gemeinden. Hierzu bemerkte Pionkowski (Dresden), daß es der I. B. aus Einsetzung einer Kommission ankomme, die die Statute der einzelnen Gemeinden daraufhin nachzuprüftn hätte, ob sich in dieser Frag« nicht ein Mittelweg finden ließe. Dr. Lappe (Chemnitz) widersprach der Beratung dieses Gegenstandes unter Hinweis auf 8 2 der BerbandSsatzungen. Kahn (Chemnitz) lehnte die Entgegennahme von Vorschlägen, die der Vorsitzende in dieser Frage zulassen wollte, mit dem Bemerken ab, daß es den Antragstellern lediglich darum zu tun sei, das Wahlrecht umzustoßen. Nach Entgegnungen von Katz (Zwickau) ging man zur Tagesordnung über. Bei der Festsetzung des Etats für 1928 wurden zugleich die Pensionsverhältnisse in einzelnen Gemeinden in einer längeren Debatte erörtert. Die Besserung der Pensionsverhältnisse betrachten alle als eine Selbstverständlichkeit. C h a s s a n g e (Annaberg) verwies auf Mecklenburg, wo die jüdischen Gemeinden staatlichen Zuschuß erhielten. Ein Land wie Sachsen müßte dazu erst recht in der Lage sein. In Annaberg seien die Pensionsverhältnisse eines 76 jährigen Beamten noch völlig ungesichert. Goldschmidt (Leipzig) bezeichnete die Debatte als Utopie, solange dem Verband nicht Mittel zur Aufbesserung der Pensionen zur Verfügung ständen. Rabbiner Dr. Wolfs (Dresden) hob hervor, daß der Verband in dieser Frage einen Weg finden müsse, um den Beamten, die nicht Mitgefühl, sondern ihr Recht wollten, zu Helsen. Lehrer H e i m a n n führte die Leistungen von Baden und Bayern mit ihren vielen kleinen Gemeinden als nachahmenswertes Beispiel an. Der Antrag Heimanns, zwei Beamten kleinerer Gemeinden, deren Interessen er aus der Tagung vertrat, Pensionsbeihilfe zu gewähren, wurde abgelehnt. Zur Annahme gelangte der Antrag Lappe-Goldmann, die Nachprüfung der Voraussetzungen für vom Verband zu unterstützende Pensionierungen einer Kommission ju übertragen. In diese wurden Dr. Goldmann, Dr. Levy und Katz gewählt. Nach Durchberatung einzelner Etatpositionen folgte eine fast zweistündige Debatte über die Erhöhung der Berbandsbeiträge. Schließlich setzte man den Gesamtetat des Verbandes für 1928 auf M. 18 000 fest. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde für Zimmermann (Dresden) zukünftig Pionkowski (Dresden) als stellvertretender Vorsitzender gewählt. Bor den Wahlen wurde ein Antrag der Sächsischen Israelitischen Lehrervereinigung, ihr im Vorstand des Verbandes einen Sitz einzuräumen, abgelehnt. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Bestätigung des Beitritts des Verbandes zur Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände und den Bericht über deren Kölner Tagung. Rechtsanwalt Salinger wies hierbei die scharfen Angriffe Tumpowskys (Leipzig), die dieser gegen die Kölner Vertreter Sachsens wegen ihrer das Urwahlsystem ablehnenden Stellungnahme richtete, zurück. Im Laufe der ausgedehnten Debatte, die ergab, daß die meisten Redner von dem kommenden Reichsverband insbesondere eine zu große finanzielle Belastung der Gemeinden erwarteten, kam es wiederholt zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den liberalen Vertretern von Chemnitz und mehreren Bertretern der Jüdischen Volkspartei. Ausführungen von Mecklenburg (Chemnitz) standen dabei im Vordergrund der Polemik. Dr. G o l d - b e r g (Plauen), Justizrat L e b r e ch t (Leipzig), Kahn und Schendel (Chemnitz) begründeten im Zusammenhang damit ihren ablehnenden Standpunkt in der Frage der Urwahlen. Rabbiner Dr. Fuchs (Chemnitz) führte aus, was eine imposante Vertretung, der deutschen Juden zu bedeuten hätte. Dem Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände wurde zugestimmt und als Delegierte zum Rate des Reichsverbandes Rechtsanwalt Salinger, Pionkowski und Goldschmidt gewählt. Erst in der neunten Abendstunde erreichte die Tagung, die nur von einer etwa 11/2ständigen Mittagspause unterbrochen tvurde, ihr Ende. Duisburg. (Nach den Gemeindewahlen.) Nach den so stürmisch verlaufenen Wahlen scheint hier eine erfreuliche allgemeine Beruhigung der Gemüter eingetceten zu sein. Der „Jüdischliberale Gemeindeverein" hat in einer am 6. ds. Mts. stattgehabten Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit folgende Entschließung angenommen: „Der Jüdisch-liberale Gemeindevcrein wendet sich gegen alle Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, die gegenwärtige Lage der Synagogengemeinde, insbesondere den Wahlausgang zum Anlaß zu nehmen, aus der Synagogengemeinde auszutreten. Er empfiehlt seinen Mitgliedern und allen liberalen Kreisen dringend, die »weitere Entwicklung abzuwarten." Auch der antiliberale „Jüdische Einheitsblock" hat unter dem 6. ds. Mts. eine Erklärung veröffentlicht, in der er sich gegen den Austritt aus der Gemeinde wendet und für die Einheit der Gemeinde und das Judentum eintritt. Elze. (Jubiläum.) Aus eine 25jährige Tätigkeit als Vorsteher der hiesigen Gemeinde blickte Herr D. Wolfes zurück. Dem Jubilar, dessen Vater ebenfalls ein halbes Jahrhundert den Interessen der Gemeinde mit seltener Hingabe und Gewissenhaftigkeit gedient hatte, wurden mancherlei Ehrungen bereitet. Kassel. (Von der Zentralwohlfahrtsstelle.) Die seit drei Jahren hier bestehende Zentralwohlsahrtsstelle hatte kürzlich einen Bericht von der vielseitigen Gestalt ihrer Tätigkeit aus dem Gebietder Familien-, Wanderer-, Armen-, Kranken- und Gefährdcten-Fürsorge veröffentlicht. Mit Genugtuung war aus der Berichterstattung zu entnehmen, daß viele soziale Schäden durch rechtzeitiges Eingreifen gelindert oder beseitigt werden konnten. Besondere Beachtung verdient der Hinweis auf die Notwendigkeit der Errichtung einer Station, die dem Kinderhort angeschlossen werden und sich die Fürsorge und Pflege der wegen häuslicher oder beruflicher Verhältnisse der Eltern in dieser Station unterzubringenden Kinder angelegen sein lassen soll. Durch die bereitwillige Mitarbeit der Jugendleiterin, Kindergärtnerin und Gemeindeschwester ist auch die Gewähr für ersprießliche Arbeit innerhalb der Station gegeben. Der Vorschlag hat seitens der beteiligten Stellen wärmste Befürwortung gesunden und dürste daher Aussicht aus Verwirklichung haben. Köln a. Rhei«. (Ratstagung des Preußischen Landesverbandes.) Am 4. Juli ds. Js. trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu einer Sitzung in Köln a. Rhein zusammen. Er folgte damit einer Einladung, die sowohl der Vorstand der Synagogengemeinde Köln, als auch der Kölner Oberbürgermeister hatte ergehen lassen. Zunächst wurden verschiedene Wahlen vorgenommen; so wurde u. a. Herr Direktor Ostberg in den Gesamtvorstand der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden und die Herren Rabbiner Dr. Bleichrode und Dr. Jacobovits anstelle des verstorbenen Herrn Rabbiners Dr. Loewenthal in das Kuratorium der Schächterschule des Landesverbandes gewählt. Dann wurde in die nochmalige Beratung des Entwurfes eines Gesetzes betr. di« jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen eingetveten, an dem der Berbandstag auf Grund einer unter allen Parteien zustande gekommenen Einigung Aenderungen vorgenommen hatte. Der von dem Berbandstag beschlossenen Fassung des Entwurfes trat der Rat nunmehr in allen Punkten bei. Zugestimmt wurde ferner den Beschlüssen des Berbandstages hinsichtlich der Satzung des Wohlfahrts- Ausschusses. Was die Dauer der ersten Wahlperiode des Berbandstages anlangt, so hatte dieser selbst sie bis zum 31. Dezember 1928 erstreckt. Der Rat war der Ansicht, daß jede Wahlperiode gemäß der Verfassung nur am 30. September enden könne und beschloß bähalb als Endtermin der ersten Wahlperiode den 30. September 1929. Hierauf fand eine Aussprache über die Frage der rituellen Verpflegung in Krankenanstalten und Erholungsheimen statt. Dieser Angelegenheit wird der Landesverband auch forthin seine Aufmerksamkeit zuwenden. Zum Schluß wurde eingehend über den «erwaltungsbericht beraten, den der Verband der Synagogengemeinden der Provinz Riederschlesien für das Jahr 1927/28 herau-gegeben hat, und der sich mit der Tätigkeit des Landesverbandes in verschiedener Hinsicht besaßt. Zu einer Beschlußfassung kam eS nicht; die Angelegenheit wird noch weiter die zuständigen Stellen des Landesverbandes beschäftigen. (Amtlich.) KR«. (Besprechung der Schriftleiter der Gemeindeblätter in Köln.) Am 4. Juni traten Vertreter der an den Gemeindeblättern interessierten Kreise anläßlich der Press« in Köln zu einer Besprechung der die Gemeindeblätter betreffenden Fragen zusammen. Vertreten waren die in Aachen, Anhalt (Dessau), Dresden, Frankfurt a. Main, Hamburg, Hessen, Mainz, Leipzig. Mannheim erscheinenden Gemeindeblätter, sowie die in Brannschweig, Chemnitz, Erfurt, Halle, Hannover, Kassel, Magdeburg und Wiesbaden erscheinenden jüdischen Wochenblätter. Die Vertreter der in Berlin, Breslau, Nürnberg-Fürth und Königsberg erscheinenden Gemeindeblätter waren durch wichtige Gründe am Erscheinen behindert, hatten jedoch grundsätzlich ihr starkes Interesse an der Zusammenkunft zum Ausdruck gebracht. In Köln selbst bekundeten der Vorstand der jüdischen Gemeinde und die Rheinland-Loge durch Herrn Gemeinde-Vorsteher B l u m e n a n das Rabbinat, vertreten durch Herrn Gemeinderabbiner Dr. Kober, ihr« Anteilnahme an den Beratungen. Es hatten ferner der Preußisch«» Landesverband und die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden zum Ausdruck gebracht, welche große Bedeutung sie dieser Veranstaltung beimaßen. Die Verhandlungen wurden durch Herrn Gemeinderabbiner G. Cohn aus Leipzig geleitet, der auch einen großen Teil der Vorverhandlungen geführt hatte. Zugrunde gelegt wurden einige Thesen, die im wesentlichen die ungeteilte Zustimmung fanden. In der Aussprache wurden dann eine Reihe von praktischen Anregungen gegeben, die im wesentlichen darauf hinausliefen, ein stärkeres Zusammengehen der einzelnen Gemeindeblätter, sowohl hinsichtlich des Inhalts, als auch in der wirtschaftlichen Fundierung, durch Beschaffung der Inserate herbeizuführen. Beschlossen wurde ein viergliedriger Ausschuß, der sich mit der Frage einer solchen Interessengemeinschaft zur Erreichung eines Artikelaustausches, Beschaffung von Bildmaterial, Erörterung von gemeindlichen Rechtsangelegenheiten, Zusammenstellung von Bibliographien wie überhaupt allem Material, das für die Gemeindeblätter in gleicher Weise geeignet ist, befassen soll. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren Rabbiner G. Cohn-Leipzig, Rabbiner Dr. S. Levy-Mainz, Syndikus Dr. Meyer-Frankfurt a. M. und Jacob Sternlicht-Dresden. Es wurde als eine besonderwichtige Aufgabe erachtet, in die kleineren Gemeinden, die nicht in der Lage sind, eigene Gemeindeblätter herauszugeben, die Organe der benachbarten größeren Städte zu senden, da vielfach die Juden, di« in diesen kleinen Städten von allem jüdischen Leben so ungewöhnlich abgeschlossen sind, infolge des Mangels an jüdischen Anregungen dem jüdischen Denken und Fühlen leicht verloren gehen. Auch sollen die Gemeindeblätter in weiterem Umfange an Rabbiner, Prediger und Lehrer gelangen, um diesen Kenntnis von den Vorgängen in den einzelnen Gemeinden zu vermitteln. Zum Schluß der Zusammenkunft wurde allgemeine Befriedigung über den Gedanken und über den Verlaus der Zusammenkunft ausgesprochen, und es wurde der Wunsch laut, daß der einmal begonnene Gedankenaustausch häufiger wiederholt werde. Kil«. (Einweihung des alten jüdischen Friedhofs am Bonner Tor.) Am Mittwoch, den 13. Juni, fand dje feierliche Einweihung des alten jüdischen Friedhofes am Bonner Tor in seiner endgültigen Gestalt in Gegenwart von geladenen Gästen beider Synagogen-Gemeinden statt. Diese Erinnerungsstättc an den aus dem 11. bis 16. Jahrhundert datierenden Friedhof ist nach dem Plan des Architekten Robert Stern mit einer Mauer umgeben worden, in deren Innenseite die alten Grabsteine, die von dem früheren Friedhof herrühren, eingesenkt worden sind Ferner wurde auf dem Friedhof für die Abhaltung der jüdische. Gedenkfeiern eine Halle errichtet. Landrberg d. W. (Einweihung der Friedhofshalle.) Die jüdische Synagogengemeinde in Landsberg (Warthe) hatte zu Sonntag, den 10. Juni, zur Einweihung der neuerrichteten Friedhofshatte, die sich auf sanfter Höhe unmittelbar seitlich des Friedhofes selbst befindet, eingeladen und viele Teilnehmer waren erschienen. Die neue Friedhofshalle, zu der ein paar Stufen hinaufführen, ist im Orientstil gehalten und von sehr schönen gärtnerischen Anlagen umgeben. Hinter der Kapelle steigen sanft Hügel auf, so daß man einen schöneren Naturrahmen für die Halle sich wohl kaum hätte aussuchen können. In goldenen Lettern leuchten in hebräischer Schrift die Worte aus dem Hohen Lied: „Stärker wie der Tod ist die Liebe." Bon den Anlagen aus auf der Höhe der Treppe ergriff Bankier Reichmann das Wort, um im Namen der Verwaltung und der Baukommission als Vorsitzender dieser Kommission die Erschienenen zu begrüßen. Er begrüßte insbesondere den Warenhausbescher Simon Schocken- Zwickau, der mit dem Neubau der Friedhofshalle eng verbunden gewesen sei und der Gemeinde mit Rat und Tat geholfen habe. Er übergab die Friedhofshalle an den 1. Vorsitzenden der jüdischen Synagogengemeinde, Stadtrat N 0 a ck. Es erfolgte sodann der Einzug der Teilnehmer in die Friedhofshalle unter sanftem Harmoniumspiel. Das Innere der Friedhofshalle machte auf die Anwesenden sichtlich einen tiefen Eindruck. Die Wände sind lichtgrün, nur die Hintere Wand ist dunkel gehalten. Von ihr ruft der bedeutungsvolle Spruch den Eintretenden die Worte zu: Gepriesen sei der gerechte Weg. In lichter Farbe erhebt sich 6V2 Meter hoch die Kuppel empor, um die die Inschrift aus Psalm 103: „Der Mensch, der Blume gleich sind seine Tage, wie des Feldes Blüte...." Durch Mattglasscheiben mit hellgeschliffenem Rand bricht mildes Licht. Der ganze Raum hat nichts Starres an sich, sondern er sott in seiner ganzen freundlich und doch würdig gehaltenen Art die Leidtragenden erheben und hoffnungssroh machen, so wie es der jüdische Glaube vorschreibt. Nach einer Ansprache von Simon Schocken und einer Weiherede von Rabbiner Dr. Elsaß schloß dieser mit einem Gebet die eindrucksvolle Feier der Einweihung der Friedhofshalle. Erwähnt sei noch, daß die Zeichnungen zu diesem architektonisch interessanten Bau in dem Baubüro des Warenhauses Simon Schocken- Zwickau hergestellt wurden. Ausgeführt wurde er von der Firma Paul Wiedmann unter Leitung des Architekten Max Huhn in Landsberg (Warthe.) Lüneburg. (Ein Nationalsozialistenführer als Anstifter der Friedhossschändung.) In Lüneburg wurde im November vorigen Jahres die Synagoge von Nationalsozialisten beschmiert und beschmutzt. Die Täter, junge Nationalsozialisten, waren yor kurzem vom Schöffengericht verurteilt worden. Diese und auch der Staatsanwalt hatten Berufung eingelegt. In der Berufungsverhandlung ergab sich, daß der Vorsitzende der Nationalsozialisten in Lüneburg der Anstifter jener Tat war. Er hatte außerdem während der Tat aufgepaßt, daß seine Freunde von der Polizei nicht überrascht wurden. Es wurden Straft» in Höhe bis zu sieben Monaten ausgesprochen. Mannheim. (7 0. Geburtstag von Hermann Ascher.) Am 1. Juni feierte Herr Apotheker Hermann Ascher, einer der verdientesten Kämpen der hiesigen liberalen Sache, ftinen 70. Geburtstag. Herr A. war Mitgründer der hiesigen liberal-jüdischen Bereinigung, ist seit langen Jahren Mitglied des Vorstands derselben und hat einige Jahre hindurch die Geschicke, der Bereinigung als erster Vorsitzender geleitet. Cr ist langjähriges Mitgliü) der Gemeindevertretung (Repräsentantenversammlung) und seit dem vorigen Jahr deren erster Vorsitzender. An seinem Geburtstag versammelten sich im Hause des Jubilars die Vertreter des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, der Gemeindevertretung, der hiesigen Bne Briß-Loge, der liberal-jüdischen Bereinigung, um den Jubilar ob seiner verdienstvollen Betätigung innerhalb dieser. Gremien durch Ansprachen und Ueberreichung von Geschenken zu chren. Wir hoffen, daß Hermann Ascher unserer liberälen Sache als treuer Mentor noch lange erhalten bleibe.