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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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f WH'M.'WVPll.-'.'F.! "W ■ J^1 m 1> Vy> . "y^TVTOK'T^TUw^y , t'FF""[71i Salomonski (Berlin), Dr. Samuel (Essen), Dr. Wiener (Berlin), Dr. Wilde (Magdeburg), Dr. W o ls f (Dresden). — Ferner nehmen in ihrer Eigenschaft als BorstandSmitglicder der World Union an der Tagung die folgenden Herren Rabbiner teil: Dr. B a e ck (Berlin), Sr. Lehmann Kerlin), Dr. Selig mann (Frankfurt a. M.) und Dr. Bogelstein (Breslau), sowie ferner Professor Dr. Elbogen (Berlin). Die Delegierten der „Bereinigung für daS liberale Judentum e. B." werden demnächst veröffentlicht werden. Verbandstag der Mischen Handwerker in Hannover ii Die Arbeitssitzungen*) Am Montag, den 4. Juni 1928, eröffnete der Berbandsvorsitzende, Herr Wilhelm Marcus, die Tagung und wiomete warme Worte des Gedenkens dem vor einem halben Jahre verstorbenen Ehrenmitglied Julius Löwen st ein, der dem Verband auch über den Tod hinaus die Treue bewahrt hat durch Stiftung nnes Betrages für die Zwecke eines Erholungsheimes. — Herr Dr. Ollendorf überbrachte die Grüße der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. — Nach Verlesung der eingegangenen Begrüßungsschreiben und -telegramme wurde der Geschäftsbericht über die beiden letzten Jahre erstattet, dem wir u. a. folgendes entnehmen: Der Verband hat sich für den führerlosen gewerblichen und handwerklichen Mittelstand eingesetzt. Auf dem Berbandstag in Breslau vor vier Jahren hat er die Gründung von Darlchnskassen propagiert. Auch die Gründung des jüdischen Kreditvereins für Handel und Gewerbe in Berlin, der im ganzen deutschen Reiche Nachahmung gesunden hat, ist Verdienst des Verbandes. Der Geschäftsführer, Herr S a l i n g e r, ergänzte den Bericht durch Anführung sachlicher Einzelheiten. Hierauf wurde der Bericht ohne längere Debatte kritiklos angenommen. Sodann hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe Hannover, Herr Paul Goldmann, einen Bortrag über das Thema: „Der jüdische Mittelstand." Er legte dem Mittelstand die Faktoren Besitz, Beruf, sozialen Rang und Gemeinschaftsgefühl zugrunde. Bor dem Krieg habe der Mittelstand, und damit auch der jüdische Mittelstand, in durchaus geordneten und teilweise auch gchobenen Verhältnissen gelebt. Durch die Auswirkungen des Krieges und der Inflation aber feien vollkommen veränderte Zustände geschaffen worden. Es werde Jahrzehnte dauern, bis wieder ein materiell gekcäftigter Mittelstand geschaffen sei, der aber zweifellos eine ganz andere Struktur als derjenige der Vorkriegszeit besitzen werde. Außerordentlich erschwerend wirke dabei noch die infolge der Inflation eingetretene Erschütterung des Rechtsbewußtseins im deutschen Volke. Der Verband vertrete den Standpunkt, daß die Not der Erwerbslosen nicht durch Almosen, sondern in erster Lime durch Arbeitsbeschaffung gemindert werden könne. In der Erkenntnis, daß der Mittelstand nicht der Wohlfahrtspflege zur Last fallen dürfe, habe der Verband feine Darlehnskassen ins Leben gerufen. Innerhalb des deutschen Wirtschaftslebens sei eine ausreichende jüdische Sozialpolitik zu betreiben, ohne daß dabei natürlich irgendwelche Sonderstellungen erstrebt werden sollten. Die jüdische Handwerkerschaft wolle nichts anderes, als den kommenden Generationen in der deutschen Wirtschaft wieder den Platz erobern, der dem jüdischen Handwerk gebühre. Herr S. Adler-Rudel, Berlin, Leiter des Arbeüerfürforgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands hielt ein Referat über: „Jüdische Berufswahl und jüdische Arbeitsnachweise". Dem Redner wurden Dank und Beifall für feine vorzügliche Arbeit zuteil. In der anschließenden Debatte gingen alle Redner darin einig, daß darauf Wert zu legen fei, nicht viele, sondern geeignete Knaben dem Handwerk zuzusühren; sie traten deshalb für Eignungsprüfungen und eine Verschärfung der Gesellen- und Meisterprüfungen ein. Die Frage der Schabbosarbeit wurde eingehend besprochen. Immer schwieriger wird es für den jungen Handwerker, sich selbständig zu machen. Die Darlehnskassen wollen hier helfend einspringen. Dabei ist folgendes zu betonen: Wird auf der einen Seite oio Selbständigkeit erstrebt, so ist doch anderseits auch zu berücksichtigen, daß ein hochqualifizierter Arbeitnehmer oftmals ein besseres und gesicherteres Einkommen hat als ein kleiner Handwerkmeister mit seinen Sorgen und Nöten. Die Forderungen, die der Verbandstag nach Anhören der beiden Referate zu stellen hat, wurden in zwei Resolutionen zusammengesaßt. Am Spätnachmittag besuchten die Delegierten und Gäste die Gartenbauschule in Ahlem. Am Dienstag, den 5. Juni, kamen ausschließlich innere Angelegenheiten des Verbandes zur Sprache. Herr Gutheim, Berlin, erstattete den Kassenbericht, Herr Müller, Berlin, den Revifionsbericht. Es folgten die Berichte der angefchlossenen Vereine. Neben vielem Erfreulichen ist bte bedauerliche Tatsache zu vermerken, daß in den Ortsgruppen Leipzig und Hamburg Mitglieder sich abgesplittert und neue Vereine gegründet haben, die dem Verband nicht angehören können. Die Berichte der Frauengruppen gaben ein erfreuliches Bild fleißiger Arbeit. Die Gehilfengruppen gaben dem Verbandstag verschiedene Anregungen. In Hambn rg soll dank der Opserwilligkeit von privater Seite demnächst ein Heim gebaut werden, in dem Lehrlinge und Gehilfen Zusammenkommen können. Laut Beschluß wird die Hauptvorstandssitzung des nächsten Jahres in Beuthen stattfinden, der nächste ordentliche Berbandstag im Jahre 1930 in Köln, dessen Ortsverein gleichzeitig sein 25jähriges Bestehen feiern wird. Hamburg wird 1932 Pen Berbandstag in seinen Mauern beherbergen und die dortige Ortsgruppe damit verbunden ihr silbernes Jubiläum begchen. Damit Absplitterungsbestrebungen künftig verhindert werden, wird beschlossen, zur Beseitigung aller innerhalb des Verbandes oder einzelner Ortsgruppen entstehenden- Differenzen ein Berbandsfchtedsgericht einzufetzen. Der Sejm-'Abgeordnete Herr Rasner wies darauf hin, daß das Judentum in aller Welt mit densewen Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Die Notlage der jüdischen Handwerker m Polen fer groß. Es werbe aber alles versucht, sie zu Überwinden, — Der Vorsitzende wies darauf hin. *) Bgl. auch den Bericht in voriger Nummer. daß der Zentralverband in Zukunft mehr als bisher den Kontakt mrt den nichtdeutschen Organisationen aufnehmenl werde. Zum Schluß wurde der Gesamtvorstand durch Akklamation einstimmig wredergewählt. Für den vakanten Schriftführer- Posten wurde Herr Silberberg, Berlin, neu gewählt. Mit innigen DankeSworten des neugewählten Vorstandes für das ihm bewiesene Vertrauen und solchen der Anerkennung für die hannoverschen Kollegen und herzlichen Schlußworten des Herrn Goldmann, Hannover, fand die Tagung ihr Ende. Es wurden vom Berbandstag folgende Resolutionen angenommen: I. In Anerkennung der Tatsachen, daß sich in verschiedenen Handwerksberufen bereits em Mangel an qualifizierten Arbeitern und Lehrlingen bemerkbar macht, hält der Berbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands es für notwendig, darauf hinzuweisen, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für eine Normalisierung der jüdischen Berufsgliederung durch eine Förderung des handwerklichen Nachwuchses besonders geeignet ist. Der Berbandstag beschließt deshalb: 1. Das deutsche Judentum, besonders aber die verantwortlichen Körperschaften auf diesen Umstand hinzuweisen und die Errichtung von Berufsberatungsstellen zu fordern, da eine sinnvolle Umgestaltung der Berufsgliederung der deutschen Juden nur auf dem Wege einer systematischen Berufsberatung möglich ist. 2. Dort, wo die Errichtung selbständiger jüdischer Berufsberatungen sich nicht ermöglichen läßt, soll versucht werden, die Berufsberatung der jüdischen Jugendlichen bei den städtischen Berufsämtern durchzuführen. 3. »rdert der Berbandstag von den Gemeinde- und Landesverbanden die Einsetzung von Etatsmitteln zur Förderung jener Kreise der jüdischen Jugend, die sich den handwerklichen Berufen zi .nden. Diese Mittel sollen sowohl für die Errichtung von Leyrlingsheimen, wie auch für Lehrzuschüsse für Minderbemittelte, sowie Erganzungsausbildungen bereitgestellt werden. 4. Im engsten Zusammenhang mit der Berufsberatung müssen in allen größeren Gemeinden Lehrstellenvermittlungen errichtet werden, da Berufsberatung ohne Lehrstellenvermittlung keine wesentlichen Erfolge erzielen kann. 6. Der Berbandstag fordert alle angeschlossenen Vereine und Mitglieder auf, die Berufsberatungs- und Lehrstellenvermittlungsstellen nach Kräften zu fördern und sich in ihren Dienst zu stellen. Jnsbesonders soll darauf geachtet werden, daß die Ausbildung der Lehrlinge eine gründliche ist, da es nicht nur im allgemein-jüdischen, sondern auch im Interesse des Handwerkerstandes liegt, daß ein gut qualifizierter Handwerkernachwuchs herangebildet wird. 6. Der Berbandstag verpflichtet sämtliche Mitglieder, sich mit allen Kräften in den Dienst der Arbeitsnachweis-Bewegung zu stellen, insbesondere aber bei den Gemeinde- und Landesverbänden für die Förderung der Nachweise einzutreten. II. Die wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit hat den jüdischen Mittelstand besonders hart getroffen. Die zunehmende Verarmung breiter Kreise des jüdischen Mittelstandes vernichtet immer mehr Existenzen. Der 8. Berbandstag sieht in der Schaffung jüdischer Darlehnskassen und Kreditgenossenschaften eines der Mittel, diesem Berelendungsprozeß entgegenzuwirken. Der Berbandstag fordert deshalb von den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden: 1. Die Gründung von Darlehns- und Kreditkassen umgehend in die Wege zu leiten; falls solche nicht bestehen, Neugründungen vorzunehmen, einesteils, um den jüdischen Mittelstand vor weiterer Verelendung zu schützen, andererseits zum Existenzaus- und Ausbau. 2. Der Berbandstag protestiert auf das entschiedenste gegen die immer häufiger werdende Ausschaltung jüdischer Handwerker, sowie gegen die Verdrängung jüdischer Arbeitsnehmer von den Arbeitsplätzen. Der Berbandstag sieht in den jüdischen Arbeitsnachweisen eines der besten Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit der Juden. 3. Der Berbandstag fordert von den Gemeinden und Landesverbänden, sowie von allen jüdischen Organisationen, daß sie der Frage des Ausbaues der jüdischen Arbeitsnachweise größte Aufmerksamkeit widmen. Der Berbandstag hält die Einheitlichkeit der jüdischen Arbeitsnachweis-Bewegung für unerläßlich und spricht sich deshalb gegen jede Sondergründung aus, die eine Zersplitterung der Arbeitsnachweise bewirken könnte. Umschau Ehrungen für Claude G. Montesiore. Am Mittwoch, den 6. Juni, erschien in der Wohnung von Claude G. Montesiore, dem Präsidenten der Weltvereinigung für das liberale Judentum, der an diesem Tage sein 70. Lebensjahr vollendet hat, eine aus den Herren Basil L,. &. Henriques, Lionel Jacob und Philip Waley bestehende Abordnung, um ihm im Namen von 639 Freunden Glück zu wünschen und ihm ein Geschenk zu überreichen. Außer dem Geschenk wurde ihm ein Scheck über £ 2.683.8 s. 2 d. nebst einer Liste aller jener, die zu dieser Summe beigetragen haben, mit der Be^ stimmung überreicht, daß der Jubilar selbst bestimmen möge, welchen Wohlfahrts- und Erziehungszwecken die Summe dienstbar gemacht werden soll. In der Liste waren Männer und Frauen aus fast allen Ländern der Welt — so namentlich aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden, Australien, Indien, Palästina und die Vereinigten Staaten von Amerika — verzeichnet. An der Aufbringung der Summe haben sich auch die Kinder der Evelina-Schulen zu Jerusalem, die Jews' Jnfant Schools in London und die Religionsklassen der Liberalen Jüdischen Synagoge zu London beteiligt. Die lange Namensliste war von einem Glückwunschschreiben eingeleitet, das von Frau Leopold de Rothschild abgefaßt war und der uneingeschränkten Bewunderung für die große Persönlichkeit Montefiores, seine grenzenlose Opferwillrgkert und Selbstlosigkeit, die beispielgebend für alle sein sollten, Ausdruck gab. Monteftore, heißt es weiter darin, habe sich nie geschont, wo es galt, für Juden und Judentum eickzutreten; ferne Schriften zeugen von großer Begabung und unerschütterlichem Suchen nach der Wahrheit. Diese Eigenschaften hätten Montesiore die hohe Achtung seitens Juden und Nichtjuden eingebracht. Umwandlung der palSstiuenfischM Unioerfftät. Als Staatsrat Cohn, Dessau, und R.-Ä. Dr. Bruno Weil, Berlin, vor etwa Jahresfrist über die Eindrücke ihrer Palästinareise berichteten und dabei betonten, daß die hebräische Universität in Jerusalem vorläufig ihren Wert vornehmlich als zionistisches Propagandamittel erwiesen habe und mit dem, was man bei uns unter einer Universität verstehe, kaum etwas gemein habe, überbot sich die zionistische Presse in „Feststellungen" und Beschimpfungen. Wie berechtigt aber die damaligen Ausführungen waren, das mögen die nachstehenden Sätze zeigen, die ein wörtliches Zitat aus dem Leitartikel per letzten Nummer der Jüdischen Rundschau (Nr. 45, 8. Jum 1928) parstellen. Da heißt es: * „In diesen Tagen findet in London auch eine Konferenz des Kuratoriums der hebräischen Universität Jerusalem statt. Die Anfänge der Universität bestehen jetzt drei Jahre und die verantwortlichen Körperschaften werden sich Rechenschaft abzulegen haben, ob sie mit der Entwicklung des Institutes zufrieden sind. Wir haben seinerzeit anläßlich der großen Eröffnungsfeierlichkeiten darauf hingewiesen, daß eigentlich noch keine Universität vorhanden ist, sondern nur der Wille, eine Universität zu schaffen. In den ersten drei Jahren wurden manche Versuche unternommen, eine Reihe von Instituten begann eine vielversprechende Arbeit, aber auch heute sich noch kaum die Konturen der Entwicklung zu einer wirklichen Universüät zu erkennen. Drei Jahre sind freilich eine kurze Zeit, besonders für ein armes und Unerfahrenes Volk wie wrr, und es wäre ungerecht mit Ungeduld und weitgehenden Forderungen zu drängen, solange die Bedingungen für den Ausbau nicht reis sind. Ebenso, unrichtig aber wäre es, das Problem nicht zu sehen, das Anlaß zu berechtigter Unzufriedenheit bietet. Der Verband der Studenten an der Universüät Jerusalem sendet uns zur Veröffentlichung ein Memorandum, das er dem Kuratorium zu seiner Sitzung überreicht har. Darin wird Klage geführt, daß die Universität ihrem eigentlichen Ziel noch nicht nähergekommen sei: Die Universität hat nur eine Keine Zahl von Studenten, und auch diese find mit ihr nicht recht verbunden, sie sehen keine Perspektiven und keinen Weg einer wirklichen Vollendung der Studien. Infolgedessen haben viele Studenten die Universität wieder verlassen, und auch die verbliebenen werden dazu gezwungen sein, wenn nicht die nötigen Reformen durchgeführt werden. Als die zwei Grundübel bezeichnet das Memorandum den Mangel Lines Lehrplans und den Mangel oon Lehrstühlen für wichtigste Fächer. Bis heute weiß man mcht, worin der Lehrkursus der einzelnen Institute besteht, wie lange er dauert, wie er abgeschlossen wird usw. An der sudaistischen Fakultät fehlen bis heute die Lehrstühle für Bibel, hebräische Sprache, jüdische G^chichte und jüdische Philosophie. Ohne diese ist jedoch eine judaistische Ausbildung völlig undenkbar. Auch arc dem chemischen und mathematischen Institut fehlen noch wichtige Fächer. Der Studentenverband appelliert an das Kuratorium, eine Lösung dieser wichtigen Probleme zu finden." Uns scheint diese Kritik der Jüdischen Rundschau noch einige Schritte weiter zu gehen als die der Herren Cohn und WeÜ. Daß es so wie bisher nicht weitergehen konnte, zeigt, daß der Direktoren-Ausschuß und der Akademische Rat der hebräischen Universität zu Jerusalem in ihrer soeben in London beendeten Tagung den Beschluß gefaßt haben, daß die Universität allmählich in eine Lehrhochschule, die chren Absolventen akademische 'Grade verleiht, umgewandelt werde. Weshalb also die gehässigen Bemerkungen über Cohn und Weü? Dürfen Nichtzionisten nicht die Wahrheit über Palästina ausfprechen? ii Aus deu Gemeinden ü* Berlin. (Generalversammlung der Hochschule für die Wissenschaft des I Sfntuml.) Am 31. Mai 1928 fand die Generalversammlung der Hochschule für die Wifsenschaft des Judentums in der Aula Artilleriestraße 14 statt. Aus dem von dem Vorsitzenden Herrn Justiziar Seligsohn erstatteten Jahresbericht ersehen mir, daß der Dozent für jüdische Geschichte, ^Herr f rofessor Dr. Jsmar E l b o g e n im Jahre 1927 seine 25 jährigs ugehörigkeit zur Hochschule feiern konnte. Kuratorium, Lehrerkollegium, Beamte, Hörerschaft und ehemalige Hörer der Hochschule versammelten sich zu einer Feier. Dieses Fest brachte dxn Beweis dafür, welche Dankbarkeit ihm das Kuratorium für die hervorragenden Dienste, die der Jubilar sich um die Anstalt erworben hat, darbringt, und welch große Verehrung und Anhänglichkeit seine Schüler ihm zollen. Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß sich im Berichtsjahre die Härerzahl abermals gesteigert hat, so daß jetzt über 100 Studierende der Hochschule angehören. Das Vermögen der Anstattwurde durch Erhöhung einiger Stiftungen vermehrt. Landesverbände und Gemeinden haben zur Erhaltung der Hochschule beigetragen; durch eifrige Propaganda sind der Hochschule Spenden zugeflossen, aber trotz aller Opferwilligkeit reichen die zugeführten Mittel nicht aus, der Rechnungsbericht schließt wieder mit einem Defizit. Durch die im Herbst erfolgte Erhöhung der Gehälter, durch die erforderliche Weiterentwiälung der Anstalt werden sich im Jahr: 1928 die Ausgaben sicher noch steigern. Eine Stärkung der wirtschaftlichen Grundlage ist notwendig, um die Hochschule in ihrer wissenschaftlichen Arbeit nicht zu hemmen. Durch das Ableben des stellvertretenden Vorsitzenden und früheren Schriftführers, Herrn Justizrat Leo LilLenthal, hat das Kuratorium der Hochschule einen Mitarbeiter von seltener Arbeitssreudigkeit, Erfahrung und Liebe zur Sache verloren. Die ausscheideuden Mitglieder Herr Rechtsanwalt Dr. Einrich Veit-Simon, Herr Professor Dr. Gotthold Weil, Herr Polizeivicepräsident Dr. Bernhard Weiß wurden wiedcrgewählt, neu hinzugewählt wurden die Herren Simon Braun, Willy Dreyfus, Direktor Heinrich Stahl. Berlin. (Tätigkeit der Jüdischen A l t e r s h i l f e.) Die Jüdische Altershilfe Groß-Berlin E. B. hatte zu ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung, die erste feit ihrer Gründung, zum 7. Juni d. I. in die Räume der Loge eingeladen. Bor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Borsitzende, Herr Maurice Glogau, in bewegten Worten des Verlustes, den der Vorstand durch Hinscheiden des um die Arbeit der Altershilfe sehr verdienten Herrn Bruno Galewski s. A. erlitten hat. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Die Erfahrungen des ersten Jahres fanden ihren Niederschlag in einigen Abänderungen der Statuten, welche einstimmig genehmigt wurden. Danach tritt neben den Vorstand als ein weiteres Organ ein Arbeitsausschuß, dessen Aufgabe darin liegt, bestimmte Tätigkeitsgebiete zu bearbeiten und eine Entlastung des Vorstandes herbeizusühren. Herr Glogau erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß die Jüdische Altershilfe Groß-Berlin neben einmaligen oder lausenden materiellen Unterstützungen ihr besonderes Augenmerk darauf richtet» die Personen, die sich Hilfe- und ratsuchend an sie wenden, nach jeder Richtung zu betreuen. Aerzte, Anwälte, Wirtschaftsberater sind neben einem großen Stab von Helferinnen und Helfer für die Altershilfe ehrenamtlich tätig. Di: Zuweisung einer lausenden Einnahmequelle, die Durchführung von Aufwertungs- und Entschädigungsangelegenheiten, Beschaffung von Renten, Verhandlungen mit Hauswirten, Gläubigern, Behörden und, wenn nötig, auch mit Verwandten, Zuschüsse zur Krankenhaus- und Heimpflegebehandlung, Nachweisung von passenden Wohnungen und Untermietern, Lebensmittellieferungen und Bereitstellung von hochwertigen Medikamenten gehören u. a. zu den fürsorgerischen Tätigkeüen der J^A.G. Die individuellen, vorsichtigen Methoden und die Schonung der Persönlichkeit bei jeder Hilfeleistung, wird von dem Petentenkreis rühmend hervorgehoben. Mit den Institutionen der öffentlichen und gemeindlichen Wohlfahrtspflege besteht ein guter Kontakt, der jeden Mißbrauch ausschließt. Herr Glogau gab ferner einen Ueberblick über den Stand der Verhandlungen zur Errichtung eines eigenen Heims. Der Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters, Herrn Adolf Ähoyer, wurde zur Kenntnis genommen und dem Borstand einstimmig Entlastung erteilt.

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