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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-06-15 · 24 (15.6.1928) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
24 (15.6.1928)
Date
1928-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrgang Die Tagung des Zugendverbandes in Dresden , Die 7. Ordentliche Telegicrtentagung des Verbandes ocr jüdischen Jugendvereine Deutschlands, über oie wir schon kurz berichteten, hat in allen Kreisen des deutschen Judentums große Beachtung gesunden. Es war nicht nur der geistige Gehalt, aus den wir in folgendem näher eingchen werden, sondern vor allen Dingen der stark spürbare menschliche Zusammenhang, welcher diese große Zusammenkunft jüdischer Jugend zu einem besonderen Ereignis gestaltete. In der von künstlerischen Darbietungen umrahmten Eröffnungsfeier sprach Rabbiner Dr. Albert Wolf, Dresden Worte der Weihe. Nach Begrüßungsworten des Verbandsvorsitzenden Dr. Klein, Düsseldorf entboten Rechtsanwalt Salinger, Dresden namens des Gemeindeverbandes Sachsen, Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin namens der Großloge U.O.A.B., Dr. Ludwig Dich, Berlin für den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände und Heinrich Guttmann, Chemnitz namens des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Jugendvereine der Tagung herzliche Grüße und Wünsche. Rabbiner Dr. Max Wiener, Berlin sprach sodann über „Die Verwirklichung der Persönlichkeit in der sachlichen Arbeit". Er gmg von der Feststellung aus, daß die jüdische Religion über alle Besonderheiten parteimäßig getrennter Auffassungen hinweg das Leben von innen nach außen betrachte und Verwirklichung einer Gesinnung, den Willen zur Ausführung und WirNichkeitsgestaltung verlangt. Die Folge der Erziehung der jüdischen Religion sei, daß der Jude im Leben besonders aktiv werde. Man könne heute keinen Dualismus mehr zwischen Wirklichkeit und Idee anerkennen. Es gebe keine Wahrheit chne Wirklichkeit, das heißt Wirksamkeit. Aus dieser Erkenntnis müsse man die notwendigen Folgerungen ziehen, es gelte Klarheit zu gewinnen über das, was ist, um sich entscheiden zu können, und das scheine ihm auch als die Ausgabe, die sich aus der Tendenz des Verbandes ergebe. Unsere Neutralität sei einmal der Ausdruck von Besonnenheit, die vor dem Urteilen lernen will, dann aber vor allem Frucht des Glaubens, daß es ein wurzelhast Jüdisches gibt, ein Positives als die Voraussetzung des K'läl. Was wir in unserem Bunde wollen, sei, uns zu dem Gedanken der Einheit der jüdischen Weltgemeinde zu bekennen und uns selber zu erziehen. Aus innerer Ueberzeugung heraus wollen wir die Zelle zur Bildung eines einheitlichen Judentums sein, wollen lernen und uns bilden, aber vor allem, um wirken zu können. Herbert Felsenthal, Düsseldorf forderte in seinem Referat „Die Arbeit in den Bünden" die Festsetzung eines Erzichungsmindestprogramms aus der Erkenntnis, daß der Verband und seine Bünde ein einheitliches Gebilde seien, das eine einheitliche Erziehungslinie verlangt. Das Erzichungsmindestprogramm müsse von der Voraussetzung ausgehen, daß jedes Bundesmitglied während seiner aktiven Zeit mit allen der jüdischen Gemeinschaft imanenten Fragen in Berührung kommt. Das Minimalprogramm soll zum Mindesten das Verständnis jüdischer Gegenwart und das Gesühl der unlösbaren Verbundenheit mit allen Erscheinungsformen des jüdischen Lebens bringen. Als unerläßliche Punkte dieses Programms erscheinen ihm: der Gottesdienst, das Fest, das Haus, die Gemeinde, die Parteien, die Organisationen der Juden in Deutschland, die jüdische Heimstätte in Palästina, das jüdische Volkstum außerhalb Deutschlands, ebenso wie die nicht nur jüdischen Fragen: Staat, Erziehung, Wirtschaft. Weiter forderte er die Einrichtung von drei Kreisen der Arbeit: den Werbe kreis, den weiteren oder Arbeitskreis und den engeren Kreis oder die Gilde. Der Werbekreis stellt die Verbindung des Vereins mit der Oeffentlichkeit da; der Arbeitskreis dient der Verwirklichung des Erztchungsmindestprogramms; der engere Kreis oder die Gilde dient dem doppelten Zweck des Lehrens und Lernens, das heißt der führerischen Arbeit in weiterem Kreis ohne Begrenzung aus einen bestimmten Bund. Nur durch, eine solche emhettliche Erziehungslinie in den Bünden, beginnend bei der >;unggruppe, die in gleicher Richtung aber mit anderen ^.Eren Mitteln arbeitet, sei im Geiste unserer Idee ein einheunchtS Erziehungsergebnis zu erwarten. . r Herzfeld, Essen ging in seinem Referat „Dre Arbeit der Jugend in der Gemeinde" von der Erwägung aus, daß die Arbeit in den Bünden notwendigerm Mitarbeit in den Gemeinden zur Folge haben ^üsst. Der fügend müsse aber durch die Gemeindegeschgebung die Möglichkeit praktischer Mitarbeit gegeben werden; deshalb str zu fordern, daß in B^ug auf das aktive und passive Wahlrecht nt den Landesverbänden und Gemeinden die weitestgehende Anpassung an die entsprechenden Bestimmungen der Reichsverfassung gesichert werden. In der Frage der Karenzzeit müssen nach Würdigung aller Bedenken ein Zeitraum von 6 Monaten als vollauf genügend angesprochen werden. Erst diese Voraussetzungen machten die praktische Mitwirkung, vor allem auch an den sozialen Aufgaben der Gemeinden seitens der Jugend möglich. An der Schaffung einer auf breitester Grundlage gewählten Gesamtvertretung der deutschen Juden sei die jüdische Jugend aufs lebhafteste interessiert. Ae Schaffung des Die Pressestelle des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden versendet über die Kölner Tagung, über die wir bereits in unserer vorigen Nummer kurz berichteten, folgende Mitteilung: Am 3. Juni ds. IS. traten in Köln die Vertreter der jüdischen Landesverbände und des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes zusammen, um in Fortsetzung der Nürnberger Beratungen vom 4. März 1928 den Entwurf einer Reichsverbandsverfassung weiterzuberaten. Zunächst wurde in Abänderung der Nürnberger Beschlüsse ein Antrag angenommen, wonach jeder Landesverband im Rate des Reichsverbatides mindestens eine Stimme hat. Dann wurde beschlossen, als Organ des Reichsverbandes neben dem Rate die Reichstagung auszunehmen und sie aus Abgeordneten derjenigen Vertreterversammlung der Landesverbände bestehen zu lassen, die aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen sind. Soweit dies nicht der Fall ist, sind die Abgeordneten durch Urwahlen im Wege der Verhältniswahl zu bestimmen. Doch können sie für die erste Wahlperiode bezeichnet werden. Dies würde für den sächsischen und den hessischen Landesverband in Betracht kommen, deren Vertreter eine Bestimmung, wonach bei ihnen sofort Urwahlen vorzunehmen wären, als unannehmbar bezeichnet haben. Ferner wurde beschlossen, daß zwölf Abgeordnete der Reichstagung vom Rate gewählt werden. Es handelt sich dabei um Vertreter der theologischen Lehranstalten, des Lehrers- und des Kantorenverbandes, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und des Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bundes. Die Verfassung sieht ferner vor, daß zur Vorbereitung der Beschlußfassung des Rates oder der Reichstagung Ausschüsse eingesetzt werden können. Reichsverbmdes Auf Antrag von mindestens einem Zehntel der Mitglieder des Rates oder zweier seiner rabbinischen Mitglieder sind Fragen des Kultus und Ritus zur Begutachtung Ausschüssen der beiden religiösen Hauptrichtungen zu überweisen. Ein neuer religiöser Ausschuß ist zu bilden, sofern mindestens ein Fünftel der Mitglieder des Rates oder der Reichstagung dies verlangen. Ein Verbandsbeschluß in Fragen des Kultus oder Ritus ist nicht möglich, sofern einer der beiden Ausschüsse Einspruch, und zwar nur aus religiösen Bedenken dagegen erhebt. Für die Zeit, tn der die Reichstagung nicht versammelt ist, übt ein ständiger Ausschuß von 15 Mitgliedern deren Rechte aus. Von Bedeutung ist schließlich die Vorschrift, wonach die Ausgaben des Reichsverbandes, soweit sie nicht durch andere Einnahmen gedeckt sind, aus die Landesverbände nach deren Seelenzahl umgelegt werden. Endlich wurde für den neuen Verband der Name: „Reichsverband der deutschen Juden" gewählt. Nachdem sämtliche Paragraphen einzeln durchberaten waren, wurde die Verfassung im ganzen mit großer Mehrheit der beteiligten Verbände angenommen. Der Leiter der Versammlung, Herr Kammergerichtsrat Wolfs-Berlin, dankte dem Berichterstatter, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer-München, für seine hingebende Tätigkeit bei der Vorbereitung und Durchberatung des Entwurfs. Zum Schluß sprach Herr Prof. Dr. Stein-Karlsruhe dem Vorsitzenden für die geschickte und erfolgreiche Leitung der Verhandlungen den Dank Aller aus. Es wird nunmehr Sache der einzelnen Landesverbände sein, zu dem von ihren Vertretern beschlossenen Entwürfe endgültig I Stellung zu nehmen. In einer viertelstündigen Debatte wurden die Anregungen und Forderungen der Referate, wie auch die Wege der bisherigen Bundesarbeit einer eingehenden Kritik unterzogen. Hinsichtlich der Erziehungsarbeit des Verbandes kam der Wunsch nach Intensivierung und Ausbau allseitig zum Ausdruck. In Bezug aus die Stellung des Verbandes zu den Fragen der Jugendgesetzgebung gelangte sollender Antrag Felsenthal / de Jonge mit Stimmenmehrheit zur Annahme: „1. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden wolle in dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen, unverzüglich folgende Entschließungen aufnehmen: a) Die Wahlfähigkeit beginnt mit dem vollendeten 20. Lebensjahre. b) Die Wahlfähigkeit und Wählbarkeit dürfen nicht von einer Karenzzeit abhängig gemacht werden. 2. Die vcichtpreußischen Landesverbände wollen dafür Sorge tragen, daß die Bestimmungen der Judengesetze in den einzelnen Ländern einem modernen Jugendwahlrecht entsprechen, insbesondere die Wahlfähigkeit mit dem 20. Lebensjahre beginnen lassen, sowie Zensus und Karenzzeit abschaffen. 3. Falls die geforderten Aenderungen von den zuständigen Landesverbänden nicht durchgeführt werden, wird von den Synagogengemeinden gefordert, daß sie ihnen freigestellte Verschärfungen der Bestimmungen über Wahlalter, Karenzzeit usw. nicht durchführen. Im Falle, daß das Gemeindestatut Bestimmungen enthält, die den Forderungen des Verbandes widersprechen, wird von den Gemeinden gefordert, daß sie unverzüglich eine Satzungsänderung vornehmen. 4. Der V.J.J.D. erwartet von sämtlichen Parteien der Landesverbände und Gemeinden, a) daß sie ihren ganzen Einfluß für eine Neuregelung im Sinne der Forderungen des V.J.J.D. einsetzen, b) daß sie bei der Aufstellung von Kandidatenlisten für Landesverbände und Gemeinden Vertreter der Jugend an aussichtsreicher Stelle nominieren. 5., Der V.J.J.D. spricht die Erwartung aus, daß die jüdischen Körperschaften, die die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden vorbereiten, alles daran setzen werden, um in kürzester Zeit eine demokratische Gesamtvertretung der deutschen Juden zu erreichen." In der geschlossenen Delegiertentagung wurde die neue Satzung des Verbandes beraten. Der neu gefaßte Tendenzparagraph: „Der Verband der jüdischen Jugenovereine Deutschlands erzieht auf der Grundlage einer umfassenden Neutralität die in ihm vereinigte Jugend zu bewußtem Judentum tn gefarntjüdischem Denken und Wollen und im Geiste staatsbürgerlicher Gesinnung" wurde einstimmig angenommen. , Die Schaffung eines Kulturamtes wurde beschlossen und dre Richtlimen für die Junggruppenleitung genehmigt. Der Kassenbericht und der neue Etat sind nach längerer Debatte angenommen worden. Dem scheidenden Berbandsvorstatch wurde per Akklamation Entlastung erteilt. Die Neuwahlen des Vorstandes und des Beirates hatten folgendes Ergebnis: Leitung: Dr. Hugo Hahn, Essen (1. Vorsitzender); Assessor Herbert Felsenthal, Düsseldorf (2. Vorsitzender); Fritz Schwarzschild, Düsseldorf (geschäftsführender Vorsitzender); Karl Goeritz, Chemnitz (Schatzmeister); Dr. Klein, Düsseldorf (Schriftleiter des „Jugendbund"); Waldemar Strauß, Berlin. Vorstand: Elsbcth Capell, Düren; Assessor Dr. Einstein, Stuttgart; Hans Friedberg, Karlsruhe; Jrvin Eppstein, Saarbrücken; Referendar Aribert de Jonge, Duisburg; Alice Kovacs, München; Referendar Dr. Hans Karger, Görlitz: Rechtsanwalt Dr. Hermann Lehmann, Bremen; Lehrer Jaques Raphael, Beckum. Landes- und Bezirksverbandsvorsitzende: Baden: Lutz Themal, Pforzheim. Bayern: Dr. Rülf, Bamberg. Grenzmark: Dr. Rosenzweig, SchneidemLhl. Groß- Berlin: Ernst Popper, Berlin. Hessen: Dr. Josef Spier, Höchst. Mitteldeutschland: Referendar Eugen Roth, Cöthen. Nordwestdeutschland: Alfred Bönnien, Bielefeld. Pfalz-Saar: Dr. Ernst Jacob, Saarbrücken. Rheinland-Westfalen: Alfred Heymann, Gelsenkirchen. Sachsen: Heinrich Guttmann, Chemnitz. Westdeutschland: Studienrat Levy Wolfs, Köln. Württemberg: Dr. Julius Cohn, Stuttgart. Im Vorstand vertretene Organisationen: Großloge U.O.B.B.: Dr. Benno Walter, Berlin. Rabbinerverband: Dr. Max Wiener, Berlin. Lehrerverband: Prediger Rülf, Detmold. Frauenbund: Mine Meyer, Düsseldorf. Beirat: Dr. Gustav Löffler, Frankfurt; Dr. Cora Berliner, Berlin; Fritz Hagelberg, Konstanz; Elsa Hirsch«!, Dresden; Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt; Rechtsanwalt Dr. Krombach, Essen; Kommerzienrat Stein. Berlin; Rabbiner Dr. Lazarus, Wiesbaden; Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München; Dina Schüftan, Erfurt; Lehrer Spier, Haigerloch; Lehrer Steinhardt, Magdeburg; Lehrer Weinberg, Wunstorf. Unter der begeisterten Zustimmung der Versammlung überreichte der neue 1. Vorsitzende Dr. Hahn, Essen, dem bisherigen Berbandsvorsitzenden Dr. Klein, Düsseldorf, als äußeres Zeichen der Dankbarkeit für die hingebungsvolle Aufbauarbeit eine künstlerische Plakette. Als Abschluß der Tagung sprach Rabbiner Dr. Hahn über „Die jüdische Jugend tm Weltjugendbund". Beste jüdische Ueberlieserung fordere von den jüdischen Menschen die Mitwirkung an allen Werken der Zusammenarbeit der Menschheit. Der Jugend falle die Aufgabe zu, zur Sicherung des Friedens jüdische Werte im Weltjugendbund zu verwirklichen und den Weg zur Versachlichung der Friedensarbekt zu finden. Die jüdische Jugend müsse den Weg über die eigene Problematik hinaus in dem Zusammenwirken und im Zusammengehen mit anders gearteter Jugend suchen, um dort ihre Idee der Brüderlichkeit der Menschen zu verwirklichen. Der Düsseldorfer Sprechchor sprach „Stimmen der Jugend" von Bröger und mit herzlichen Dankesworten an alle Helfer "der Tagung, besonders an Kurt und Elsa Hirschel, schloß öer Vorsitzende diese bedeutsame Tagung jüdischer Jugend. Deutsche Rabbiner als Delegierte für die Jüdisch-liberale Deltkonferenz Zu der vom 18.—20. August in Berlin stattfindenden Tagung der „World Union for Progressive Judaism (Weltverband für religiös-liberales Judentum)" hat die „Bereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" insgesamt 10 Delegierte zu ernennen. Als solche sind gewählt worden: Dr. Blumenthal (Berlin), Dr. Dienemann (Offenbach), Dr. Galliner (Berlin), Dr. Italiener (Hamburg), Dr. Norden (Elberfeld), Dr.

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