Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613947-2613970--2743-2620249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
T schichtlicher uiU> eschatologischer Messianismus"; Rabbiner Dr. Gottschalk-Franksurt a. M.: „Die Anfänge der deutschen Gebetsübersetzungen"; Rabbiner Dr. Wiener-Berlin: „Der Messiasgedanke in der Tradition"; Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg: „Gutachten, erstattet an die bayerische Regierung in Sachen der „Richtlinien"; Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin: „Wandlungen des Liberalismus"; Rabbiner Dr. Galliner- Berlin: „Häusliche Andacht"; Rabbiner Dr. Samuel-Essen: „Unser Glaubensbesitz"; Rabbiner Dr. Tienemann-Ofsenbach: „Die Ueberwindung der „Erbsünde" im Judentum"; Rabbiner Dr. Levi-Mainz: „Maharils Stellung zu überlieferten Gebettexten"; Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig: „Liberalismus und Gesetz"; Rabbiner Dr. Vogelstein-Breslau: Thema noch nicht bekannt; Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen: „Jeschiba und liberales Judentum"; Professor Dr. Elbogen-Berlin: „Reform auf geschichtlicher Grundlage — eine Studie"; Direktor Holzmann-Berlin: „Ein auf die Septuaginta zurückgchender Ueberfetzungsfehler"; Erich Bayer-Breslau: „Hiob — oder die Befreiung des Gottesbegrifses von oem Problem des Leides"; Landgerichtsrat Dr. Lilienthal-Berlin: „Tie jüdischen Gemeinden und der Staat"; Paula Ollenoorf-Breslau: „Jüdisch-soziale Hilfsarbeit"; Rechtsanwalt Heinrich Stern- Berlrn: „Weg oder Umweg"; Justizrat Tr. Blau Frankfurt a. M.: „Jüdischkeit". Ehrenmitgliedschast Der Borstand der Bereinigung für das liberale Judentum hat einmütig beschlossen, Herrn C. G. Montefiore anläßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied zu ernennen. Die Ehrenurkunde wird Herrn Montefiore hier rn Berlin in der Eröffnungssitzung der Weltkonserenz überreicht werden.: sie bringt u. a. zum Ausdruck, daß Montefiore sich nicht nur durch seine hervorragenden organisatorischen Leistungen um das errglische Judentum und um den Liberalismus in England verdient gemacht hat, sondern durch feine grundlegenden Schriften dem Liberalismus aller Länder und daher auch dem liberalen Judentum in Deutschland Unendliches geleistet hat. Rousseau und Voltaire Dem Gedächtnis zweier Menschenfreunde. Bon Pros. Dr. Walter Kinkel. Jean Jacques Rousseau und Francois Marie Arouet, genannt Boitaire, haben beide im Jahre 1878 das Zeitliche gesegnet. So gegensätzlich sie in ihrer ganzen Art und Natur waren, und jo fremd sie sich im Leben blieben, so sind sie doch verbunden durch ihren gemeinsamen Kampf gegen alle Ungerechtigkeit und Engherzigkeit, die den Menschen das Leben verbittert. Auf den ersten Anblick scheinen sie sich freilich als Repräsentanten zweier einander feindlicher Weltalter und Kulturkreise gegenüberzustehen. Voltaire, der Vertreter der Aufklärung, ein Mensch von schärfster begrifflicher Klarheit, immer bereit, an den Verstand und das nüchterne Denken zu appellieren, Rousseau ganz Gefühlsmensch, der dern Instinkt des Gewissens und der Stimme des Gemütes vertraut, und der mit dem Haß der Romantiker auf alle bloß verstandesmäßige Bildung herabsieht; Voltaire, ein Angehöriger der privilegierten Stände, in den besten finanziellen Verhältnissen, auf dem Parkett der Salons und in den Vorzimmern der Regierender: zu Hause, den Ruhm seiner schriftstellerischen Tätigkeit in vollen Zügen trinkend, endlich als Großgrundbesitzer in einem friedlichen Idyll seine letzten Lebensjahre verbringend — Rousseau dagegen der arme Uhrmacherssohn aus Genf, sein ganzes Leben lang gehetzt und verfolgt und vom Schicksal hin und her geworfen, entweder als stellenloser Vagant die Welt durcheilend oder in den subalternsten Stellungen als Kammerdiener, Erzieher usw. fein Leben kümmerlich fristend — kann man sich größere Gegensätze denken? Und doch gibt es so viel Gemeinsames zwischen diesen großen Geistern. Wenn die Schriften. Rousseaus uns dadurch heute noch gewinnen, daß sie auf den Grundton der Menschenliebe gestimmt und von dem Affekt edelster Humanität erfüllt sind, so hat cs doch auch Voltaire wahrlich nicht an Leidenschaft für das Gute gefehlt. Es genügt, an fein inutiges Eintreten für den zu Unrecht Hingerichteten Jean Calas, für die Familie Sirven usw. zu erinnern. Zudem wenn Rousseau von Seitcii des Gefühls, Voltaire aber als Verstandesmensch die Probleme des Lebens angriff, so dienten sie doch im Grunde genommen derselben Sache der Menschlichkeit. Ja, man kann sagen, daß keiner von beiden den Erfolg Tagung der Gesellschafi;ur Förderung der Wissenschaft des Judentums Iw Rahmen der anläßlich der Pressa am Rhein statt» findenden jüdischen Kulturwoche hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am Montag abend im prächtigen Kongreßsaal der Ausstellung ihre Mitgliederversammlung ab. Das Präsidium dieser angesehenen Organisation, die nunmehr bereits 25 Jahre lang in vorbiwlicher Weise die Wissenschaft des Judentums ausbaut und der Oeffentlichkeit die Ergebnisse ihres Forschens durch wert volle Publikationen mitteilt, hatte eine große Anzahl von Gästen eingeladen, unter denen sich hervorragende Vertreter der Wissenschaft befanden. Der Vorsitzende Legationsrat Prof. Dr. Sobernheim, begrüßte die Erschienenen, darunter insbesondere den Vertreter des Oberbürgermeisters, den Beigeordneten Dr. Merfeld, den Vertreter des Rektors der Kölner Universität, Pros. Schroer, den Vertreter der Bonner Univer sität, den Orientalisten Prof. Kahl sowie die Spitzen jüdischer Verbände und Genreinden. Nachdem diese Herren für die Begrüßung gedankt batten, sprach Rabbiner Dr. B a e ck einige tiefgründige Worte über das Verhältnis zwischen dem Judentum und der Wissenschaft. Die Wissenschaft sei der Lebensstil'des Judentums, Inhalt seiner Kultur. Das vergangene Jahrhundert stellt die Geschichte des Berlierens der Kultur dar. Es gibt aber im Bereiche der Kultur eine Wiedergeburt. Sie herbeizuführen, sei Ausgabe der jüdischen Wissenschaft. Prof. E l b o g e n verbreitete sich dann über Ziel und Arbeitsmethoden der Gesellschaft. Sie sei nicht Trägerin einer Massenbewegung, aber auch kein Klub von Gelehrten. Es zählten zu ihren Mitgliedern Freunde aus allen Weltteilen. Bon den Publikationen der Gesellschaft hob Redner hervor die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, von der im Jahre 1931 75 Bände vorliegen werden: ferner das bereits in 4. Auflage vorliegende Baecksche Werk Wer das Wesen des Judentums, Hermann Cohens „Ethik und Religionsphilosopbie in ihrem Zusammenhänge" sowie die hätte erzielen können, den er in der Befreiung der Menschheit wirklich erzielt hat, wenn er nicht in dem anderen den Mitstreiter und Helfer gefunden hätte. Wenn Voltaire durch den beißenden Spott seiner Ironie die Engherzigkeit intoleranter Pfaffen geißelt und damit beengende Formen des Geistes zerbricht, so macht er ja eben dadurch erst den Platz frei m den Herzen für die Aufnahme der Gefühlsreligion Rousseaus. Gegen die Intoleranz auf allen Gebieten des Lebens haben beide vereint immer angekämpft. Was zunächst die Religion angeht, so sind beide Deisten und Anhänger der Naturreligion. Freilich muß man sagen, daß Voltaire, entsprechend seiner kühleren Einstellung gegenüber der Welt, selbst den Lehren der Naturreligion gegenüber sich recht skeptisch verhält; so darf man stark daran zweifeln, daß er an eine persönliche Unsterblichkeit geglaubt hat. Für Rousseau dagegen steht im Geiste der Naturreligion nicht nur das Dasein Gottes, sondern auch die Fortexistenz der Seele nach dem Tode fest. Dagegen begegnen sich beide Denker in der Forderung toleranter Anerkennung fremder Glaubensbekenntnisse und Religionen. Insbesondere hat hier Rousseau große Verdienste. In dem „Glaubensbekenntnis des savoyardischen Vikars", das er seinem Erziehungsroman „Emile" eingefügt hat, bekennt er sich zu weitgehendster Toleranz. Insbesondere erscheint ihm der Versuch, einen Menschen dem Glauben seiner Väter abtrünnig zu machen, verwerflich und sündhaft. Die Disputationen und Traktate, in denen orthodoxe christliche Gelehrte leichte Scheinsiege über die jüdischen Rabbinen davontrugen, machten auf ihn keinen Eindruck. Wir wollen eine Stelle aus dem Emile zum Beweis hier anführen. „Kennen Sie viele Christen, welche sich die Mühe gegeben haben, das, was das Judentum gegen ftc vorbringt, einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen? Wenn einigen davon etwas bekannt geworden ist, so haben sie es in den Büchern der Christen gelesen. Eine herrliche Art und Weise, sich über die Gründe ihrer Gegner zu unterrichten! Allem, was läßt sich da anfangen? Wollte irgend jemand das Wagestück unternehmen, unter uns Schriften zu veröffentlichen, in denen das Judentum offene Begünstigung fände, so würden wrr Verfasser, Herausgeber und Buchdrucker zur Strafe ziehen. Dieses polizeiliche Verfahren ist bequem und sicher, um stets recht zu haben. Es muß in der Tat em Vergnügen sein, Leute zu widerlegen, die nicht zu sprechen wagen." „In Sorbonne ist es so klar wie der Tag, daß sich die messianischcn Weissagungen auf Jesum Christum beziehen, bn den Rabbinern m Amsterdam gilt es für ganz ebenso klar, daß sie nicht den geringsten Bezug auf ihn haben. Ich werde mir me eine vollständige Kenntnis der Gründe der Juden zutranen, solange sie nicht einen freien Staat, nicht Schulen und Universitäten haben, in denen sie ohne Gefahr reden und disputieren können." Wie also beide Denker religiös tolerant gesonnen sind, so richten sie auch m der Politik ihre Angriffe gegen jede Art des nationalen Chauvinismus. Wenn Rousseau z. B seinen Emile, sobald er das Jünglingsalter erreicht hat, aus Reisen schicken will, so hat das den Zweck, daß er sich durch das Kennenlernen fremder Länder und Leute von nationalen Vorurteilen frei macht. Er soll erkennen lernen, daß man über all auf reines Menschentum stößt, und daß die Sehnsucht zum Guten den Völkern gemeinsam ist. Ans ähnlichen Erwägungen heraus ist Voltaire zum Feind des Krieges geworden. „Für jene Gesetze", sagt er, „die hunderttausend Menschen gestatten von rechtswegen andere hunderttausend Menschen umzubringen, danke ich." „Die Hungersnot, die Seuche (Syphilis) und der Krieg sind die drei greulichsten Dinge himeden. Rousseau wurde zum Reformator der Pädagogik. Er lehrte die Mütter wieder Mütter sein und suchte oen Sinn für das Familienleben wieder herzustellen. Der oberflächlichen Bildung seiner Zeit, dem äußerlichen Formelkram stellte er den Ruf: zurück zur Natur! entgegen. Auf dem Land soll sein Zögling auswachsen, abgehärtet gegen die Einflüsse der Witterung und mit offenen Augen für die Schönheiten der Natur. Er soll in der werktätigen Arbeit den Wert des Lebens erkennen. Hier nun freilich wandelt Rousseau ans anderen Bahnen wie Voltaire, der, wir sagten es früher schon, in dieser Hinsicht ein echtes Kind seiner Zeit war. Aber wenn Rousseau die Erziehung des einzelnen Menschen m natürliche Bahnen lenken will, — hat nicht Voltaire in gewissem Sinne dasselbe für das ganze Menschengeschlecht angestrebt, wenn er so mutig gegen die Vorurteile des Standes und der Religion ankämpfte? Gewiß, wir find all im Grunde genommen Nutznießer ihrer Arbeit. ersten Veröffentlichungen zur Germania judaica und das geplante corpus tanaiticum. Ten Hauptvortrag hielt Dr. Bamberger über die geistige Gestalt Moses Mendelssohns. In einer feinsinnigen Analyse zeigte der Redner auf, wie uneinheitlich die Geistesbaltung Mendelssohns gewesen fei, wie aber seine Persönlichkeit doch eine Einheit hergestellt habe. Dabei sei ihm eine starke Naivität im Verknüpfen heterogener Geisteselemente eigen gewesen. Der Vortrag atmete strengste Wissenschaftlichkeit und zeugte von dem Geist, in dem die Gesellschaft arbeite!. Vielleicht wäre für diesen Kreis der Zuhörer mehr Volkstümlichkeit zu empfehlen gewesen. Tr. Baeck dankte dem Vortragenden für seine Arbeit; dann schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Gäste blieben noch eine Weile im Kölner Saal des Messehofs gemütlich zusammen. Unsterblichkeit Psalm 16.! Von Dr. M. Spanier , Berlin. | Behüte mich Gott, j denn ich berge mich bei D i r.! Ich spreche zu Gott: mein Herr bist Tu, i mein Glück ist nicht außer Dir.! Die Heiligen, die im Lande sind, i und die Herrlichen — all meine Lust sind sie.! Es mehren ihr Leid, die Fremdes erkaufen.! Nicht spend' ich ihre Trankopfec von Blut, — nicht nehm ich ihren Namen auf meine Lippen. Gott ist mein eigen Teil und mein Kelch: j D u erhältst mein Los. , Die Meßschnur fiel mir aufs Liebliche,! ja, das Erbe gefällt mir gar wohl. Ich preise Gott, der mich beraten; j auch nachts mahnt mich mein Inneres. I Ich stelle Gott vor mich beständig, Es ist keiner unter uns, der nicht in der freieren Atmosphäre, in der wir atmen, die Früchte ihres Strebens und Wirkens kostete. Es ist daher nicht mehr als recht und billig, daß auch rn diesen Blättern dem Genius ihrer Menschenliebe ein Opfer der Erinnerung gebracht wurde. 22. Delegiertenkag der Zionistischen Vereinigung in Breslau (Fortsetzung des Berichts aus voriger Nummer.) Referat Blumenfeld: „Zionistische Arbeit in Deutschland." .. . Blumenseld geht von den antizionistischen Strömungen aus, die sich hauptsächlich im „C. B." verkörpern. Diesen gegenüber müsse unbedingt die Einheitsfront des gesamten deutschen Zionismus aufrecht erhalten werden. Das Ziel müsse sein verstärkte Propaganda und weiteres Wachstum. Deshalb vor allem Weiterentwicklung von Palästina, auch mit materieller Hilfe von Nichtzionistcn, durch Keren h a j e s s o d. Die jüdische Welt nimmt den Zionismus nur unter dem Druck von Palästina. Die heutige Eröffnungssitzung habe gezeigt, daß die Gegner lernen. Der Zionismus hat angekurbelt, unb die andern gleiten hinein. Die Bewegung muß aber eindeutiger Zionismus bleiben, das Galwth muß völlig und entschieden verneint werden. Nur eine Zentrale: Pal ä st i n a! Bei der Entstehung des Galuths war das Judentum in versiegelten Fässern ausbewahrt. Im heutigen Galuth sind diesa geöffnet und das Judentum ist atomisiert. Den Juden im Galuth muß die Erkenntnis beigebracht werden, daß sie mit den anderen (Andersgläubigen) nicht auf einer Ebene leben. Die Stagnation kann nicht durch eine größere Menge Zionisten allein überwunden werden. Bor allem darf sich der Zionismus im Galuth nicht auf Gebiete wagen, für die er nicht zuständig ist. Bei der zionistischen Jugend ist es wie bei den Aelteren; sie sucht die Schuld an der Stag-, Nation bei andern. Jüdischer Sozialismus ist in Palästina immer Zionismus und bleibt es. Das nichtzionistische jüdische Individuum muß erst zum Volksgefühl gebracht werden. Unbedingter Kampf gegen Assimilation, die Atomisierung d. i. Vereinzelung bedeutet. Der Keren Hajessod wird sehr unterschätzt; man weiß nicht, wieviel zionistische Arbeit er leistet. (!) Beste Hilfsmittel sind jüdische Volksschule und Lehrerseminar, Volkshochschule usw: Tann werden die „alten Sehnsüchte" erfüllt werden. A o l s f s b e r g (Misrachi) bedauert, daß der Zionismus in Deutschland zu salonmäßig geworden ist. Man arbeitet zuviel mit Reflexionen. Erwähnt Broschüre Briefwechsel Blumenfeld—Dr. Jacobsohn. (Diese scheint eine nicht unwichtige Rolle zu spielen, ist aber nicht aufzutreiben.) Verlangt Vertiefung des religiös-historischen Charakters, befürchtet sonst ein Dahinschwinden des Zionismus. _ Fortbestand der Z.V.s.D. nur unter der Bedingung, daß Verbesserungen eingeführt werden. Blumenfelds eigenwillige kulturpolitische Einstellung erwecke Unzufriedenheit. Tr. Schachtel, Breslau: Der Zionismus hat in Deutschland nicht die erwartete Ausdehnung gefunden. Das deutsche Judentum hat sich aber seine Gedankengängc zu eigen gemacht. Der „alte" Liberalismus sei wenig mit dem Judentum verwandt gewesen; dagegen sei der „junge" positiv jüdischer. Kameraden, Dr. Goldmann, Förder-Breslau! Polemisiert gegen Mangel an jüdischem Religionsgefühl bei Zionisten. Gegen „C. V.", der trotz des großen Ge-> schreies die Wahlen verschlechtert habe. Notabeln und Klikenwirtschaft im Gemeindeleben! Fühlung mit den andern, unbewußten Zionisten suchen und ihnen den Weg in den Zionismus erleichtern. Zur Erneuerung ist Palästina das wichtigste. Tr. Samuel, Breslau (Hitachduth): Große Unzufriedenheit mit der Leitung der Z.V.s.D.! Wünscht weitgehende Demokratisierung. Es geht dem deutschen Zionismus nicht gut! Es ist nicht dessen Hauptaufgabe, den „C. V." zu bekämpfen. Man muß beweisen, daß der sozialistische Zionist kein schlechterer Sozialist ist, wie der deutsche, der viel sozialer werden muß.' Die Politisierung ist zu stark in den Hintergrund getreten. Die Ortsgruppen zeigen Aengstlichkeit; das linke Zentrum habe viel verschuldet. Dr. Nahum Gold mann ist nicht für einen Dachverband unter dem die einzelnen Fraktionen selbständige Politik treiben. Man habe mit solchem in Polen sehr schlechte Erfahrungen ^gemacht. G. tritt scharf gegen Schachtel auf, dessen Politik mit einer glatten Niederlage enden müsse. Im Gegenteil, völlige Trennung von allen Nichtzionisten! Schärfste Offensive gegen „C. V." Trennung vom „Ort"! Trennung in der Gemeindepolitik! Gegen Blockpolitik in Berlin! Keine Bündnisse und Kompronkisse! Wo nicht Majorität aus eigener Kraft, da lieber auf Mitarbeit verzichten! Das Vereinsorgan (Rundschau) ist zwar verbesserungsbedürftig, aber immer noch viel besser als andere prozionistische Blätter! Misrachi ist insofern nachzugeben, wie das „!Ärnen" usw. zu einer neuen hebräischen Kultur führt. Jugendpolitik: es muß dieser klar gemacht werden, daß vorerst niemand ein Recht hat, in Palästina zu leben und dort glücklich zu werden, daß es aber doch Pflicht eines Juden sei, für ein nationales Palästina zu arbeiten! Zum Schluß nochmaliger Aufruf zur energischen Differenzierung von den anderen Richtungen im Judentum. Völlige Galuthverneinung! Di. Sali Hirsch (zionistische Mitte): stimmt in manchem Dr. Goldmann zu, meint aber, daß in Deutschland der Kampf doch etwas anders geführt werden müsse. Will im Gegenteil die „Keren hajessod"-Pflicht erfüllt sehen, i Glaubt nicht an die Gewinnung denn er ist zu meiner Rechten, — nicht wank' ich. Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Seele, auch mein Leib wird sicher ruhen. Denn du überlässest nicht meine Seele der Unterwelt, nicht gibst du zu, daß dein Frommer die Grube schaue. Du tust mir kund den Weg zum Leben, Der Freuden Fülle ist bei deinem Angesichte, Liebliches in deiner Rechten immerdar. Dieser Psalm gleicht einer Blume, die auf Gräbern sprießt, ein Duft wie vom „Hause der Ewigkeit" umweht ihn. Das empfindet besonders, wer von Jugend auf diese Worte an den Stätten der Trauer gehört hat. Erinnerungen werden wach. Wie oft hat man die schmerzerfüllten Gesichter gesehen. Laute der Klage und des Jammers gehört; ckber dann Uang dieses Wort vom innigsten Vertrauen darein und träufelte Beruhigung auf das erregte Gemüt. Wie mit magischen Kräften der Belebung erfüllt, erschien besonders jener vordringende Gedanke: ach b'ssori jischkaun lowetach, und wie sänftigend wirkte der Klang des letzten Wortes. Zn diesem wetach liegt ja auch als Ursinn der Wurzel das ruhige Sichausstrecken als sinnlicher Grund der Vertrauensbedeutung. Und dann klingt das Ganze aus wie in einen Jubelton" ewiger Freuden, in einen himmelstürmenden Glauben: Der Tod wird überwunden! Und leise wagt sich in unserm Herzen die Hoffnung hervor, daß es kein Ende gibt, kein Scheiden auf ewig!- Fast alle modernen Erklärer sind freilich der Meinung, daß in diesem Psalm gar nicht die Rede sei von ewigen Dingen oder gar von Unsterblichkeit. Das befriedete Gemüt einer Persönlichkeit, die glücklich eine Krankheit überwunden hat oder irgend einer Gefahr entronnen ist, freut sichs des angenehmen Besitzes und des göttlichen Schutzes und wünscht nur von Herzen, daß das Leben sich immer heiter gestalte, dieses irdische Leben, das kein vorzeitiger Tod kürzen möge. Wenn man nüchternen Sinnes jeden Satz auf den engsten Gedanken entkleiden will, vielleicht auch die üppige Ausdrucksweise des Orients mit in Rechnung zieht, mag man geneigt