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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-24 · 21 (24.5.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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waren-Grossist niedergelassen hatte. Zuerst als junger Mann tätig, wurde er später Reisender und bereiste Pommern, Mecklenburg, Rügen und Brandenburg, meist mit Pferdsuni) Wagen. Tiefe Tätigkeit nahm die Tage voll in Anspruch, aber die späten Abendstunden nutzte er trotzdem aus, um sich weiter zu bilden. Er verschlang geradezu die Bücher, und namentlich waren es die wirtschaftlichen und teilweise auch politischen Probleme, die ihn beschäftigten. Ueber jede neue Erfindung, jede technische Neuerung mußte er gelesen haben. Ter heutigen Jugend dürste es geradezu als ern Rätsel erscheinen, wann er eigentlich Zeit zum Essen und Schlafen fand. Später wurde ihm in Berlin eine „glänzende" Stellung als junger Mann angeboten, und zwar in einem Engros Geschäft, wo er 80 Mark verdiente. Tie Seligkeit war groß, der Laden wurde erst um 8 Uhr geöffnet, - ihm etwas Unverständliches - und so konnte er schon vor Geschäftsbeginn arbeiten, und ebenso glücklich war er, nach Geschäftsschluß ab 8 Uhr abends wieder Zeit zu seiner eigenen Verfügung zu haben. In späteren Jahren schilderte er gern diese Tätigkeit und erzählte, wie er zuerst stets pünktlich" um 8 Uhr anwesend war, während seine übrigen Kollegen nie vor 0 Uhr kamen, der Chef um 10 Uhr. Er versuchte dann später, auch seine Zeit entsprechend zu benutzen, und machte es ebenso wie die anderen. Aber bald regte sich in ihm das Gewissen, er befürchtete bei dieser Art der Tätigkeit zu verbummelir und bat seinen O n k e l H e r - in au«, ihm doch eine andere Stellung zu beschaffen. Das geschah aber nicht, denn der Onkel hatte mit dem Neffen andere Absichten. Er eröffnete mit ihm gemeinsam, wie wir schon dargestellt haben, unter der Firma Hermann Tietz in Ö)crct und nachmals auch in Weimar ein kleines Kurz-, Weiß und Wollwarengeschäft. Oskar Tietz war gerade 2 1 I a h r e a l t geworden. Schon nach kurzer Zeit trat Onkel Hermann aus dem Geschäft aus, denn der junge Neffe uut seinen revolutionären Anschauungen ließ die Befürchtung nicht einschlasen, daß die Weißwarenfirma zugrunde gehen müsse. Die Zukunft von Oskar Tietz hat der Kurzsichtigkeit seines Onkels Hermann Unrecht gegeben. Wenn auch seine Zeitgenossen über die Neuerungen dieses vermeintlichen geschäftlichen Revolutionärs in tiefster Besorgnis waren (denn etwas derartiges hatte inan bis dahin im deutschen 0) e - s ch ä f t s l c b e n noch nicht gekannt,) so dünkt uns alles das, was Oskar Tietz wollte und durchführte, heutzutage eigentlich selbstverständlich. Direkter Bezug vom Fabrikanten, fester Preis gegenüber der Kundschaft, so billig wie möglich, nur Barverkäufe, keinen Kredit an die Kundschaft. Daß diese Grundsätze, die damals aufrührerisch gewirkt haben mögen, aufrecht erhalten wurden, war ein Glück für das Unternehmen. Tie Kundschaft hatte sich schnell daran gewöhnt, gut, billig und reell zu kaufen, sie verlangte immer neue Artikel und so entwickelte sich das kleine Geschäft immer mehr, bis der Weg vom Kaufhaus zum Warenhaus freigegeben war. Hermann Tietz nahm zeitlebens regsten tätigen Anteil an dem Gedeihen des Unternehmens und unter st ü tz t e den Neffen nach jeder Richtung hin, so weit er dies vermochte. Oft bezeichnete Oskar Tietz es als wichtigsten Aufgabe und als Kriterium der Tüchtigkeit eines Großunternehmers, daß er es verstände, die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu setzen, selbst aber von sämtlichen Kleinarbeiten und Einzelheiten verschont zu bleiben. Der Blick des Großunternehmers müsse aus das Ganze gerichtet sein, behauptete er. Und wer Gelegenheit hatte, diesen einfachen klugen Kaufmann persönlich kennen zu lernen, konnte sich des Eindruckes nicht erwehren, ihn als Geschäftsmann großen Stiles zu werten, der alle Eigenschaften des Großunternehmers in sich vereinigte. Der Kreis seiner Tätigkeit ward allgemach nahezu unbegrenzt. Die Reichs- und Landesbehörden wußten ihn zu finden, und in den Tagen der höchsten Not, während des Krieges, hat er allenthalben mitgearbeitet und seine Erfahrungen in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Einen besonderen Stolz setzte Oskar Tietz darein, die Umsatzsteuer ins Leben gerufen zu haben, die noch heute eine der Grundlagen der Reichsfinanzen bildet. Oskar Tietz war ein stolzer und aufrechter Jude, der sich seines Glaubens und feiner Bäte r gerne rühmte. Er war nicht nur ein Erkenner, er war auch ein Bekenner. Im Repräsentant nkollegium der jüdischen Gemeinde Berlin, deren liberaler Fraktion er angehörte, wurde er als moralische und wirtschaftliche Autorität betrachtet und geachtet, die die Verwaltung dieses großen Gemeinwesens sehr stark beeinflußte und der Gemeinde Wege bahnte und Richtung gab. Nicht anders seine Söhne, die Herren Georg und Martin Tietz, und sein Schwiegersohn, Dr. Hugo Zwillenberg. Alle drei Herren sind nicht nur aus Pietät, soiiderli sondern aus kraftvoller Ueberzeugung von der Mission des Judentums erfüllt und haben ei ne stets offene Hand, wenn es sich um Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde zu Berlin oder um arme Glaubensgenossen handelt. Herr Georg Tietz hat in der letzten Zeit mehrfach mit Rücksicht auf das starke Anwachsen der Zionisten in der Berliner jüdischen Gemeinde dreGründung einer „Deutsch-jüdischen Gemeinde" zur Erwägung gestellt. Es ist bedauerlich, daß man in diesem engen Rahmen nicht näher auf den Kampf um das Warenhaus, aus die Geschichte deutscher Waren- und Kaufhäuser im allgemeinen, sowie des Warenhauses Tietz im besonderen, auf die Entwicklungsprobleme des Warenhauses, auf die Stellung des Warenhauses zum Konsumenten, sowie aus das Warenhaus in seinem Verhältnis zu Großhandel und Industrie, geschweige denn auf die noch immer brennende Frage „Warenhaus und Spezialgeschäft" näher eingchen kann. Wir nannten den Vater der heutigen Generation Tietz, Herrn Oskar Tietz, bereits den „klassischen" Vertreter des W arenhaussystems. Klassisch im Gegensatz zu der heutigen modernen Richtung des Warenhauswesens, wie sie besonders durch das Haus Karstadt zum Ausdruck gebracht wird. Die Herren Tich neigen, dank Ueberlieserung und Erfahrung, mehr der horizontalen Richtung des Warenhauswesens zu, indem ste für Fusionen bisher selbständiger Warenhauskonzerne sind, aber nach wie vor, mit Ausnahme nur weniger Artikel, ihre Waren vom einschlägigen Fabrikanten beziehen. Daher wird auch durch die Firma Hermann Tietz die von Zola in seinem Warenhausroman „Zum Paradies der Damen" so eindringlich geschilderte Gefahr der Erdrosselung aller Spezialgeschäfte aus das Niveau einer fesselnden Dichtung zurückgesührt, ohne drohende Wirklichkeit zu werden. Wohingegen der jüngste Grundsatz der horizontalen und vertikalen Berj Versammlungskalender Duisburg. Mittwoch, den 30. Mai 1926, abends 8.45 Uhr, im kleinen Festsaal des Burgackers, Köhnenstraße 9, Vortrag: „Das Lebensrecht des liberalen Judentums", Referent: George Goetz (Berlin). Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B. * Gottesdienste :* j Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162 a-: Schowuaus-Gottesdimste: Donnerstag, de« 24. Mai, abends 7.15 Uhr: Predigt Hermann FaUenberg. Freitag, den 25. Mai, morgens 10 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 25. Mai, abends 7.15 Uhr: Predigt Professor I. Friedländer. Sonnabend, den 26. Mai, morgens 10 Uhr: Seelenseier Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 1. Jnni, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Beclin-Wilmersdors-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienfchule, Rikolsourger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Schowuaus-Gottesdienste: Donnerstag, den 24. Mai, 19.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomvnfti. Freitag, den 25. Mai, 19.15 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Karlshorst. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirksgruppe Karlshorst, und Israelitische Bereinigung Karlshorst-Friedrichsfelde. Freitag, de» 25. Mai, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier (Harmonium und Chor) in der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Tresloivallee 42-43. Predigt: George Goetz. trustuttg des Warenhaussystems, wie das HauS Karstadt ihn anstrebt, d. h. neben der Angliederung selbständiger Warenhauskonzerne, die Eigenproduktion aller Waren vom Rohstoff bis zum raffiniertesten Fertigprodukt, eher geeignet ist, dem Zolaschen Schein zum Schein zu verhelfen. Das Warenhaus hat seine eigene Psychologie, feine eigene Phantastik, seine eigene Poesie. Es kann den Dichter, den Feuilletonisten, den bildenden Künstler begeistern und ihm neue Anregungen schenken. In seiner architektonischen Ausgestaltung, in seiner Schaufensterkultur und in den immer wechjelnden Motiven der inneren Schaustellung — man denke bloß an die „Weiße Woche" mit ihrer häufig bestechenden Aefthetit oder an Modenschauen, Ausverkäufen sowie die Ausstellungen einzelner Artikel in einem künstlerischen Ensemble - kann das Warenhaus selbst der Kunst und Künstler nicht entraten. Und es ehrt die Firma Tietz, daß gerade ihre künstlerischen Darbietungen sich meistens durch ein Höchstmaß kultivierten Geschmacks und ingeniöser Einfälle auszeichnen. Die Herren Georg und Martin Tietz und Tr. Hugo Zwillenberg, die so gute Juden sind, daß sie an den hohen Feiertagen ihre Geschäftshäuser schließen und sich einen unmeßbaren Verdienst entgehen lassen, dürfen mit Stolz von sich sagen, daß sie als Bannerträger deutschen Handels in der Welt diesseits und jenseits des Ozeans rühmlichst gekannt und genannt werden. Von Birnbaum bis Berlin hat ein langer und gewiß nicht immer ebener Weg geführt. Aber das Ziel hat die steinige und hindernisreiche Straße wohl 'verlohnt. Der heutige Tletz-Konzern, der insgesamt 17 Warenhäuser, davon neun palastartige Bauten allein in der Reichshauptstadt umfaßt, bildet eine Welt für sich, in der nationalökonomische Probleme scheinbar spielend gelöst werden, eine Welt, die die W i s s e n s ch a s t d e r W i r t s ch a s t aus einen ganz neuen Boden gestellt hat; die ihren eigenen Rhythmus besitzt und eine suggestive Anziehungskraft auf die Menschen ausübt. Das Warenhaus, wie es im Rahmen des Tietz-Konzernes verkörpert ist, bedeutet viel mehr als Zolas fiktives „Paradies der Damen". Es gleicht weit eher einem labyrinthischen Zaubergarten, in dessen klug angelegten Jrrgängen man Aladins Wunderlampe zu bedürfen scheint. Denn nicht allein die Dame muß dem ungeheueren Anreiz dieser tausendfältigen Darbietungen erliegen, sondern selbst der Mann, der werktätige, beruflich ermüdete und ernüchterte Mann muß angesichts dieser planmäßig angelegten Landschaft von Waren plötzlich wieder das Kind in sich entdecken. Das Warenhaus, das so mannigfaltige Visionen und Gesichte vermittelt; das an seinen großen Tagen Tanz, Schauspiel, Musik, Film und Radio in seinen Dienst stellt; das aus einladenden Restaurants mit schmucken „Tischlein deck' Dich", blühenden Dachgärten mit bequemen Liegestühlen, durch sausende Fahrstühle, Rollbahnen, Paternosterauszüge mit schweigenden Ruheräumen und würdigen Konferenzsälen verbunden wird und das am Abend in einem leuchtenden Flammenmeer elektrischer Lichtreklamen erstrahlt; eben dieses Warenhaus appelliert an eine der gewaltigsten motorischen Kräfte des Lebens, an den Spieltrieb der Menschheit, an die Illusion als eines der wenigen Postulate menschlicher Glückseligkeit. Darum aber darf auch der Ersindungsgeist geborener Warenhausherrscher niemals ruhen noch rasten. Stillstand im Warenhausbetrieb heißt Rückschritt. Das Warenhaus hat seine Kunden schon so verwöhnt, daß sie immer etwas Neues, etwas Anderes in den ihnen vertrauten Räumen zu sehen und zu erfahren begehren. „Variatio delertat" muß demnach die Devise des Warenhausbesitzers und feines Stabes von Mitarbeitern sein. Man hat als Kuriosum von dem Londoner Warenhausmonarchen Maple des öfteren berichtet, daß er aus Wunsch seiner Kundschaft eine vollständige Gesellschaft — souper, diner, rout oder ähnliche Veranstaltungen — vollständig, mit allem Zubehör, Essen, Service, Porzellan, Taselsilber, Dienerschaft, nebst einer beliebigen Anzahl von Gästen jeder sozialen Rangstufe in das Haus des Auftraggebers liefere, und daß diese quasi „gestellten" Gesellschaften in vollkommener Korrektheit durchaus würdig und vergnüglich verliefen. Wir wissen nicht, ob es sich in diesem Falle nicht um einen amüsanten Reporterscherz, eine übertriebene Zeitungsnachricht handelt, oder ob die Erfindung der Wahrheit nur vorausgeeilt ist. Jedenfalls aber vermögen wir uns, wenn wir mit den Sensationen im Betrieb unserer hiesigen Warenhäuser — allen voran die Firma Tietz — Schritt zu halten trachten, uns auch vorzustellen, daß das Reich eines ingeniös geleiteten Warenhauses ein „Land der unbegrenzten Möglichkeiten" umfaßt. Man gewinnt einen oberflächlichen Eiiüiruck vom Tempo und Rhythmus unserer Zeit, wenn man morgens in nebelgrauer Winterfrühe oder an einem köstlichen Maienabend die Tausende von Warenhausangestellten durch die Portale ihrer Arbeitsstätte ein- oder ausschwärmen sieht. Wie die Hierarchie dieser Warenhausangcstellten sich gliedert, wie Spezialschulen für Verkäuferinnen im Dienste des Warenhauses gegründet und betrieben werden, in denen die Verkäuferinnen vor allem die Psychologie des Käufers zu studieren haben, wie das weitverzweigte Detettivsystem im Warenhaus durchgeführt wird, das alles kann an dieser Stelle nicht hinlänglich gewürdigt werden, weil es dazu einer gründlichen Vertiefung tn die Wissenschaft des Warenhauses — eine der nicht zu verachtenden Wissenschaften unserer Zeit — bedürfte. Wir sehen die auffteigende Entwicklungskurve in den Wecken der Herren Georg und Mattin Tietz und ihres Schwagers, Dr. Hugo Zwillenberg. Wir bewundern sie, lassen uns von ihnen Anregung schenken, aber stehen doch wie vor jeder großen Schöpfung §m Ende in schweigender Ehrfurcht ihnen gegenüber. Wir wissen, daß nur ein großer Dichter, dessen Phantasie der Phantastik des Gegenstandes ebenbürtig wäre, ihres Wesens Wunder zu enthülle,! vermöchte. Was aber die soziale Seite der Warenhausunternehmungeu und besonderer Unternehmer, wie die Inhaber der Firma Hermann Tietz, anbetrifft, jo haben wir die vermoderten Vorurteile gegen den vermeintlichen menschensresserischen Großkapitalismus dieser Unternehmungen längst ad acta gelegt. Es ist uns bekannt, daß die Inhaber der Weltfirma Hermann Tietz es sich zur Ehre anrechnen, nicht nur in dem Ausbau des Warenhaussystems, sondern auch in sozialer Fürsorge und Humanität allzeit die Tete zu halten. Ueberzeugte und pietätvolle Juden, die sich durch Tradition der Vergangenheit noch eng verbunden fühlen, huldigen sie, die längstens angesehene Weltbürger geworden sind, aber darum den Druck, unter dem ihre Vorväter leiden mußten, keineswegs vergessen haben, in allen Fragen dem Grundsatz der Großmut und Weither z i g k e i 1. Sie wissen, daß Menschlichkeit die einzige Brücke zur Menschheit ist. In diesem edlen Streben erkannt, werden die Inhaber des länderbeherrschenden Warenhauskonzerns Hermann Tietz darum von all ihren Mitbürgern, ohne Ansehen der Konfession, geachtet und geehrt. Wir aber dürfen uns freuen und rühmen, daß diese Magnaten des deutschen Großhandels unserer Glaubensgemeinschaft besonders nahestehcn: daß sie junge, aber ehrerbietige Brüder und Vertreter des Alten Bundes sind. Ihnen hat — fürwahr — der Segen der Väter Häuser gebaut. Toris W i t t u e r. Hebräische rilufikliterakur im Berliner Rundfunk Am Montag, den 21. Mai, fand im Berliner Rundfunk ein Konzertabend aus der hebräischen Musikliteratur statt. Die Vorbereitungen dazu sind bereits vor Monaten von dem inzwischen auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Chordirigenten der Neuen Synagoge, Herrn Albert Kellermann, getroffen worden, der auch das Programm des Abends entworfen hatte. Die erläuternden Worte, die mit Rücksicht auf das zahlreiche nichtjüdische Rundfunkpublikum erforderlich waren, aber auch den jüdischen Hörern manche wissenswerte Einzelheit über die hebräische Mnsikliteratur vermittelten, waren ebenfalls von Albert Kellermann verfaßt und wurden von seinem Sohn Leopold Kellermann vorgetragen. Leider konnte Leo Gollanin, der berufenste Interpret der jüdischen Gesänge, einer starken Heiserkeit wegen nicht singen; er beschränkte sich auf die Leitung des sehr schön klingenden, gut einftudierten Chores der Neuen Synagoge. In dankenswerter Weise hatte Oberkantor Magnus Davidsohn den Ausfall des ganzen Konzertes verhindert, indem er für seinen erkrankten Kollegen einsprang und mit einem ebenso vollsaftigen wie leuchtenden Bariton unsere jüdischen Gebete in vollendeter Weise zum Vortrag brachte. — Die Behinderung Gollanins hatte leider einige Programmänderungen zur Folge, die sicherlich nicht im Sinne des verstorbenen Initiators waren, sich aber, wenn nicht die ganze Veranstaltung auf unbestimmte Zeit verschoben werden sollte, nicht vermeiden ließen. So bekamen wir die auch dem jüdischen Publikum Berlins größtenteils unbekannten Kompositionen von S u l z e r sowie die sephard i s ch e n Gesänge leider nicht zu hören. Sie würden gezeigt haben, was sich nach ihrem Fortfall nur noch aus dem an katholische Kirchengesänge erinnernden „Adon Olain" des Italieners S. Rossi entnehmen ließ: daß die jüdisch-religiöse Musik in keiner Weise eine volkstümliche Einheitlichkeit ausweist. Interessant war in diesem Betracht auch ein Vergleich des ostjüdischen, melancholischen „Raw's Nigen" (Violine: Maurits van den Berg; Harfe: Hildegard Roscher) mit dem spanischen herb-stolzen „Kol Nidre". — Besonders erwähnenswert war daS Musikstück „Ruth und Noemi" von Albert Kellermann nach einer Melodie von Naumbourg bearbeitet und von Frieda Wolf (Sopran) und M .v. d. Berg (Violine) mit großer Künstlerschaft vorgetragen. Arthur Z e p k e und Richard A l t m a n n teilten sich in die Orgelbegleitung der einzelnen Stücke und verdienten sich hohes Lob. — Gebetkompositionen von Lewandowski und Kellermann standen im Mittelpunkt des Konzettes. Ob die Veranstaltung dazu beigetragen hat, das nichtjüdische Publikum einen Blick in die jüdische Seele und in jüdisches Kulturschasfen tun zu lassen? — Dieses halbe Dutzend Gesänge in fremdartiger Musik und in der der Allgemeinheit fremden hebräischen Sprache hat dazu sicherlich nicht ausgereicht. L i l i G o e vereinsnachrichlen Die Gesellschaft zur Förderung der Wiffeuschaft des Judentums E. B. hält im Rahmen der von der „Pressa" veranstalteten Kulturwochen ihre diesjährige Hauptversammlung am Montag, dem 4. Juni, I81/4 Uhr, im Kongreßsaal der Ausstellungshallen in Köln-Deutz ab. An den geschäftlichen Teil schließt sich um 19 Uhr ein allgv« meiner Teil. Herr Pros. Dr. Elbogen-Berlin wird über die Msgaben und Arbeiten der Gesellschaft sprechen. Darauf wird Herr Dr. Fritz Bamberger-Berlin einen Bortrag über das Thema: „Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns" halten. Die auch für eineu weiteren Kreis sehr interessante Tagesordnung wird sicher eine große Zahl von Zuhörern herbeiziehen. Gäste können eingeführt werden. Jüdischer Tornoereiu Berlin 1905. Geschäftsstelle R. 54, Sophienstraße 23. Turnzeiten: Männer und Jugend Mittwoch 8—10 Uhr, Große Hamburger Straße 27. Damen und weibliche Jugeud Montag 8—10 Uhr, Große Hamburger Straße 27, Mittwoch 8—10 Uhr, Hinter der Garnisonkirche. Schülerinnen Mittwochs, ü—8 Uhr, Hinter der Garnisonkirche. Donnerstag von 6 Uhr für alle Abteilungen Sportplatz „An der einsamen Pappel", Cantianstraße. Sonntags von 3 Uhr ab im Treptower Park, Spielwiese 7. Spiel und Leichtathletik. Gäste willkommen.

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