Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8. Jahrgang Nummer 21 1. Beilage 24. IRai 1928 Wische Köpfe Familie Tietz Der zunehmenden Amerikanisierung in Handel und Gewerbe, die, von den Bereinigten Staaten ausgehend, auch in Frankreich und England schon längst Fuß gefaßt hatte tsiche beifprelsweise „Maple" in London, „Louvre", „Printemps" und „Galerie la Fayette" in Paris), hat sich auch Deutschland in den letzten Jahrzehnten nicht erwehren können. Im Gegenteil wie immer, wenn deutsche Organisationskraft und Sachlichkeit sich einer fremden Idee, eines neuen Gedankens bemächtigt, hat es auch auf dem Gebiete der kaufmännischen Kartellpolitik und des gewerblichen Vertrustungswesens die Erfinder und Vorgänger des Warenhaussystemis nicht allein erreicht, sondern überflügelt und aus dem Felde geschlagen. Und dabei waren die Widerstände, die gebrochen werden mußten, nicht nur seitens des Detailhandels, sondern mindestens ebenso seitens des kaufenden Publikums, nichts weniger als gering. Während zumal in Frankreich die Warenhäuser eigentlich konservativ einem bazaräynlichen Charakter auf vorwiegend textiler Grundlage treu blieben, mußte in Deutschland etwas wirklich Neues, gewissermaßen Unerhörtes und Nochniedagewesenes erfunden und geboten werden, um den zähen Widerstand der stumpfen Massen zu besiegen, ja sogar im Sturm zu erobern. Vielleicht erklärt eben der Umstand nämlich, daß zum Triumph des Warenhauswesens in Deutschland nicht nur eine ungeheure Zähigkeit des einmal erfaßten Gedankens, sondern auch eine starke Originalität, man möchte beinahe sagen, Phantasie in der Ausgestaltung dieses Gedankens gehörte, die erstaunliche Tatsache, daß fast alle führenden Warenhausbesitzer Deutschlands, insbesondere aber Berlins, jüdischen Ursprungs sind. Die Magnaten der gewaltigen deutschen Warenhaustruste, die „großkapitalistischen" Feinde eines veralteten Kleinhandels stammen nahezu ausschließlich aus winzigen Landstädten Posens und Schlesiens. So unter anderem auch der klassische Warenhausgründer und Beherrscher Oskar Tietz, dessen Söhne Georg und Martin Tietz, nebst ihrem sehr klugen, nicht nur juristisch ausgebildeten, sondern überaus weltläufigen Schwager, Dr. Hugo Zwillenberg, heute schon in der dritten Generation, aber doch nicht als müßige Enkel und Erben die mächtige Organisation der Tietz'schen Warenhäuser lenken und leiten und mit einem schier unversiegbarem Ideenreichtum speisen. Der Stammvater der Familie, Jacob Tietz, übte in dem Posenschen Weiler Birnbaum a. d. Warthe zu einer Zeit, da Eisenbahnen in einer so weltverlorenen Gegend noch nichts zu suchen hatten, das redliche Gewerbe eines Ueberlandfuhrmanns, verbunden mit einem kleinen Fouragehandel, aus. Jacobs Söhne Oskar und Leonhard, als zwei von fünf Geschwistern, aber auch schon Jacobs Bruder Hermann, sowie Julius und Marcus Tietz hingegm trieb es in den 70er und 80er Jahren aus der kargen Provinz in etwas ersprießlichere Gefilde. SelbstverstäMich wagten sie sich, dank ihren geschäftlich und finanziell nur sehr beschränkten Mitteln, vorerst nicht etwa an die Reichshauptstadt selbst. Die Distanz zwischen Birnbaum und Berlin war, auch rein geschäftlich gesehen, zu groß, als daß man sie mit einem Sprung oder Schwung hätte überbrücken können. Die Tietz ließen sich mithin nicht, wie die meisten Mitbürger Posens und Schlesiens, von der Zauberformel „Berlin" verlocken, sondern sie verstreutm sich über Mittel-, Süd- und Westdeutschland, in deren lebenslustigeren, aber geruhsameren Gebieten die unermüdlichen norddeutschen Arbeiter, speziell die Juden, die nur zwei Begrisie: Arbeit und Familie, kannten, mit Fug einen fruchtbaren Boden wähnten. Sämtliche Tietz hatten Tempo, Temperatur und Temperament in ihrem Blute, wie dergleichen von den behäbigeren, schon etwas saturierten Süddeutschen oder Rheinländern kaum noch empfunden wurden. Dieser stürmischen Dynamik der Arbeit verdankten die Mitglieder der Dynastie Tretz an den verschiedensten Plätzen des Reiches auch rasch ihre Erfolge. Leonhard Tietz etablierte sich in Köln (zuvörderst nur in Köln), Julius in Nürnberg, Marcus in Bamberg, aber das alles erst, nachdem Hermann Tretz gelegentlich eines mehrjährigen Aufenthaltes in Amerika moderne Geschästsmethoden kennen gelernt und fein N e f f e O sk a r versucht hatte, die vom Onkel gesammelten Erfahrungen aus dem deutschen Markt zu verwerten. Den Kenner der heutigen Welthäuser Tietz mutet es eigentümlich genug an, in welch' schüchterner und kleinbürgerlicher Art diese ersten Versuche angestellt wurden. Und doch sollten es die ersten Schritte auf einer „via triumphalis" ohnegleichen sein. Das Stammhaus der Firma Hermann Tietz wurde im Jahre 18 82 in dem thüringischen Städtchen Gera als kleines Weißwarengeschäft errichtet, hinter besten Ladentisch derOnkelHermann und der Neffe Oskar nebst einer einzigen Verkäuferin die Kundschaft persönlich bedienten. Weißwaren, Posamenten und ähnliche Artikel wurden feilgehalten. Von Ansätzen zu einem Warenhaus war nicht das Geringste zu spüren. Nur in Gehirnen der Geschäftsinhaber spukten die neuen Ideen der neuen Welt, nämlich, daß man durch niedrige Preise und große Auswahl die eingesessene Konkurrenz am wirksamsten 'bekämpfen könnte. Und wenn man auch zuerst durch uneigennützigen Verzicht auf alle Zwifchengewinne, sowie durch billigen V e r kauf, der durch besonders billigen Einkauf, tunlichst beim Fabrikanten selbst, paralysiert werden mußte diese Methode im kleinsten Ausmaß zu verwirklichen trachtete, so konnte man auf die Dauer doch weder den Zwischenhandel ausschalten, noch große Umsätze ermöglichen. Ein kleines, ziemlich anonymes Weißwarengeschäft vermochte nicht so umfangreiche Aufträge zu erteilen, daß die Fabrikanten sich zur direkten Lieferung verstanden. Infolgedessen veranlaßten nunmchr Hermann und Oskar Tietz die Firmen ihrer Verwandten, ihren Bedarf zufammenzulegen, und bestellten fortab für die ganze Familie gemeinsam. Um den Umsatz zu erweitern, wurden Filialen in verschiedenen Städten eröffnet. Und somit — il n'y a que le Premier par qui coute — war die erste Etappe zum Kaufhaus zurückgelegt, das zuvörderst in München, in den ehemaligen Räumen des Cafe Imperial erstand. Dieses, an seinen heutigen Nachfolgern gemessene Miniatur-Kaufhaus umfaßte neben Textilwaren aller Art immerhin schon Schuhe, Porzellan, Glas, Möbel, Korb- und Spielwaren. Eine geschickte Propaganda wußte die ungewohnte Neuerung dem Publikum alsbald mundgerecht zu machen. .Die Frauen konnten dort ohne Kaufzwang „shopping gehen" und die meisten, die nur als Neugierige das Kaufhaus betreten hatten, verließen es doch mit irgend einem mehr oder weniger nützlichen Gegenstand, der sie während des müßigen Promenierend angelockt hatte. Dank dieser geschickten Psychologie, die gleichsam um die Seele des Käufers warb, ungefähr nach dem Prinzip: „Ich lasse dich nicht, es sei denn, du kaufft etwas der mir", wurden die ersten großen Erfolge erzielt, so daß binnen kurzem in München der erste wirkliche Warenhauspalast der Firma Hermann Tietz, andere Zweiggeschäfte in Karlsruhe, Straßburg und Freiburg erstehen konnten. Und jetzt, nachdem die neuen Methoden Fuß gefaßt und Volkstümlichkeit erlangt hatten, konnte der Tietzkonzern ungefähr gleichzeitig mit der Firma A. Wertheim nach Berlin, außerdem aber auch nach Hamburg mit grandiosen Warenhausgründungen vorstoßen. Allem in Berlin wurden drei monumentale Warenhäuser in der Leipziger st raße, am Alexanderplatz und in Frankfurter-Allee errichtet. Jetzt sah Oskar Tietz, umso mehr als sein Onkel Hermann aus der nach ihm benannten Firma ausgeschieden war, die Früchte feiner praktischen Lebensarbeit, der er schon im Kindesalter hatte fröhnen müssen, vor sich. Mit der dankbaren Freude des „Erfolggekrönten" sprachOskar Tietznoch in spätem Mannesalter von den Erfahrungen seiner Jugend. Mit 13 Jahren hatte der Knabe das Elternhaus verlassen müssen, um bei seinen Verwandten in Prenzlau in die Lehre zu kommen. Dort hatte er Gelegenheit gchabt, das Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäst zu erlernen. Daneben war auch noch ein Produktengeschäft betrieben worden, in dem er besonders Gelegenheit gefunden hatte, sich die Kmntnis von Rohstoffen der Textilbranche, von Metallen und anderem anzueignen. Begeistert sprach der Mann von dieser Zeit, m der er spielend so außerordentlich reiche Warenkmntnisso erworben hatte. Von dort aus kam er in das Geschäft seines älteren Bruders, der sich inzwischen in Stralsund als Kurzzilslerarbeiten jeder Art Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Fassaden etc. Robert Gutheim W50, Kulmbacherstr. 7, Fernspr.: Lützow 6260 Kostenanschläge gratis Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfitzowstraße 44, Telephon: Lfitzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 I SchFiftenpeihe i Vereinigung k. d. 11h. Jndentnm E, Y. Die Grundsätze des Jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0:50 Mk. Bestellungen beim Verlag der „Jfidisch-liberalen Zeitung" Berlin SW 48, Wilhelmstraße 147 Hier lehn ihr Inserat Hotel-RestaarastLRinger Blanken bergue, Digue94 Eröffnung zu Schowuaus Israelitischer Gottesdienst in Frankfurt/M. Liberaler Ritus: Haaptsqn-goge. Donnerstag, d. 24. 5., Schowuaus, abds. 7. Freitag, d. 25. 5., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Salzberger, abds. 7. Sonnabend, d. 26. 5., morg. 9, nachm. 4, Ausgang 9.15. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Königsteiner Straße. Donnerstag, d. 24. 5., Schowuaus, abds. 7, Predigt Rabb. Dr. Seligmann. Freitag, d. 25. 5., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Lazarus, abtä. 7, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Gottschalk. Sonnabend, d. 26. 5., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. ^^berger, Mädcheneinsegnung. Wochengottesdienst: morg. 7.30, Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Donnerstag, d. 24. 5., Schowuaus, Vorabend, 8.20. Freitag, m f. n .1" ^a9 Schowuaus, Frühgottesdienst 6.15, morg. Predigt 7.45, abds. 7.45. Sonnabend, d. 26. 5., 2. Tag Schowuaus, Frühgottesdienst 6.15, morg. 7.45, nachm. 4.30. 9.15. Wochengottesdienst: morg. 6.15, nachm. 7.15. Synagoge Bockenheim. Donnerstag, d. 24. 5., Schowuaus, abds. 7.45. Freitag, d. 25. 5., morg. Predigt 8.45, abds. 7.30. Sonnabend, d. 26. 5., morg. 8.45, nachm. 4, Ausgang 9.15. Wochengottesdienst: morg. 6.30. B Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Donnerstag, d. 24. 5., Schowuaus, abds. 8.20 25. 5., morg. 8, abds. 7.45. Sonnabend, d. 26 nachm. 4. Freitag, d. 5., morg. 8, Die Erste Weltkonferenz liberaler Zuden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 ★ Preis: im Buchhandel M. 1.86 für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen M. 1.— Vereinigung für das llberale Judentum E.V. Berlin SW 48, WNH-Imstmß-147 Mehr denn je ein großer, starker Wagen Tausende zollen ihm Beifall und Anerkennung Überall in der Welt haben Tausende den Chevrolet für 1928 mit Ent* husiasmus aufgenommen. Er ist mehr denn je ein großer Wagen. Der Radstand wurde um 10 cm verlängert Der starke Motor mit Ventilen im Zylinder* köpf gibt Kraft her, wie sie bei großen, kostspieligen Maschinen üblich ist Sie werden überdies bald merken, um wie vieles leichter dieser neue Chevrolet mit der verläßlichen Vierradbremse, der kugelgelagerten Lenkung und der thermostati* sehen Wasserkontrolle zu fahren ist Die kräftige, mit stoßdämpfender Sonder* Vorrichtung konstruierte Federung schützt Sie angenehm vor lästigen Stößen. Dieser elegante Chevrolet ist ein großer, schöner Wagen. Allein General Motors konnte diesen niedrigen Preis möglich machen. Sie müssen ihn auf einer ausgedehnten Probefahrt genau kennen lernen. Günstige Zahlungsbedingungen. Sofort lieferbar Touring, 5 Sitzer.. . M 3725 Coach, 5 Sitzer. 4250 Sedan, 5 Sitzer. 4625 ImperiahLandau Sedan ........ 4920 Sport*Coup6, 4 Sitze 4650 1/2*t*Lieferwagen*Chassis .. 2895 Vh't*Lastwagen*Chassis.. 3795 Preise ab Berlin, 5 Reifen bei Personenwagen. 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