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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-24 · 21 (24.5.1928) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«WWWWWWW Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch- * liberaler Zugendvereine Deutschlands Monatliche Beilage zur Jüdisch-liberalen Zeitung Verantwortlicher Schriftleiter: Werner van der Zyl Berlin NW 87. Brückenallee 5. Il Zur Frage des Hebräischen. Von Ellen Littmann -Berlin. Wenn man die beiden Aufsätze der vorigen Nummer unserer Zeitung miteinander vergleicht, so wird der unbedingte Anhänger des Hebräischen mit einer gewissen Freude die Uebereinstimmung feststellen, die in der theoretischen Stellungnahme zum Hebräisch-Lernen der jüdischen Jugend zum Ausdruck kommt. Beiden ist die Anschauung gemeinsam, daß es das Ideal auch für unsere Jli-Jugend wäre, auf unseren Bibelabenden der Besprechung den hebräischen Urtext zugrunde zu legen. Den vielen Gründen, die der erste Artikel von „S'neh" anführt, seien hier noch zwei hinzugefügt: Wir jungen Menschen im Jli, die wir zum allergrößten Leit die höhere Schule besuchen, sind oft so stolz auf unsere Sprachkenntnisse im Lateinischen und Griechischen, im Französischen und Englischen usw., müßten und sollten wir es nicht als eine Schande empfinden, daß wir die Literaturdenkmäler so vieler Völker in ihrer Ursprache zu lesen vermögen, nur nicht unser Buch, unsere Bibel, die das Kulturgut der gesamten Menschheit geworden ist? Der Klang so vieler fremder Sprachen klingt neben unserer Muttersprache an unser Ohr, nur nicht das Hebräische, die Sprache unserer Väter, die doch zu allen Zeiten trotz allen Eindringens der jeweiligen Landessprache die Sprache unseres Gottesdienstes gewesen und auch im liberalen Gottesdienst geblieben ist! Müßten wir nicht alles dazu tun, um in uns die Empfänglichkeit für den Klang des Hebräischen zu wecken, zu erhalten und zu neuem Leben zu gestalten? Wir sind uns alle darüber einig, daß eine Uebersetzung niemals den Urtext ersetzen kann. Wenn das ganz allgemein für alle Literatur und alle Sprachen zutrifft, so hat es für das Hebräische und vor allem für die Bibel noch seinen besonderen Sinn. Wir wissen c* * alle, daß Bibellesen nicht leicht ist. Die Bibel will uns mehr sein als nur ein Buch neben vielen anderen Büchern; die Bibel will uns ein Buch sein, das uns nicht nur von oer Vergangenheit Israels berichtet, nein, sie will und muß zu uns sprechen können, als etwas Gegenwärtiges, das jeden von uns noch heute an geht. Die Gefahr des Drüberhinweglesens — über die sachlichen Schwierigkeiten wie über den tieferen religiösen Sinn, der im Bibelwort selbst liegt —, diese Gefahr droht uns viel stärker, wenn wir eine „glatte" deutsche Uebersetzung zur Hand nehmen, als wenn wir uns selbst auch um den Text bemühen müssen. Allerdings — das gebe ich gerne zu — darf diese Bemühung um den Text nicht nur im rein philologischen Sinne verstanden werden. Nicht um die genaue grammatische Analyse kann es sich hier handeln, sondern um das Erfassen.all dessen, was im hebräischen Bibelwort an gefühlsschaffenden Werten mitschwingt. Nicht um Uebersetzenkönnen geht es hier, sondern um Lesen, um Erfassen. Darum ist es vielleicht notwendig, eine Bibelstelle, nachdem die philologisch genaue Uebersetzung gelungen ist, wieder und wieder laut zu lesen, damit der Rhythmus und der Klang der Sprache auf uns wirken kann, und so die Basis für das tiefere Verständnis gewonnen wird. Es ist ein richtiges und schwerwiegendes Gegenargument, „daß dazu auch eine sehr gründliche Beherrschung der Sprache notwendig ist, die man sich keineswegs im Handumdrehen aneignen kann". Aber ich sehe in Bezug auf die praktische Durchführbarkeit auch auf Grund eigener Erfahrung nicht so pessimistisch wie L. Lewin; zudem messe "ich auch einer teilweisen Lösung der nicht leichten Aufgabe einen tieferen Sinn zu als L. Lewin. Ich glaube, daß ein junger Mensch bei einer einigermaßen vernünftigen Methode ohne allzuviel Zeitaufwand innerhalb von 3—4 Jahren soviel hebräisch lernen kann, daß er leichte Bibelstellen, auch Prophctenabschnitte und Psalmen mit Hilfe eines Lexikons durchaus bewältigen kann. Und wenn er dann auch sicher noch nicht imstande sein wird, das gesamte biblische Schrifttum in seiner Ursprache zu beherrschen, so glaube ich doch an folgenden Gewinn: Wir werden zu den Kapiteln der Bibel, die wir im Urtext beherrschen, ein absolut anderes, viel tieferes Verhältnis haben als zu denen, die uns nur in der Uebersetzung zugänglich sind. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß, wenn wir uns — um ein Beispiel Herauszugreisen aus dem Jesaia nur das Berufungskapitel, das Lied vom Weinberg und die messianischen Stellen im hebräischen Original nahegebracht haben, daß wir dann der deutschen Uebersetzung der übrigen Kapitel ein viel tieferes Verständnis entgegenbringen werden; so wird dann die Gestalt des Propheten in einer höheren Einheit vor uns erstehen. (Ich habe einmal absichtlich von den Maximalforderungen, die im ersten Artikel aufgestellt worden sind, abgesehen; nicht, weil ich es nicht auch für ein erstrebenswertes Ziel vielte, einen Einblick in das gesamte hebräische Schrifttum, einschließlich der modernen neuhebräischen Literatur, zu gewinnen, sondern weil ich meine, daß von uns im Jli, die -vir uns am intensivsten mit der Bibel und ihrer religiösen Problematik beschäftigen, schon ein gut Stück jüdischer Arbeit nnt der Bewältigung des biblischen Hebräisch geleistet würde.) 2m übrigen scheint mir auch für ein tieferes Eindringen „Wesen des Judentums" oder in Hermann Cohens ^^^Uten Kenntnis des Hebräischen von hohem Wert zu sein. muß trotz allem mit einem ethischen Imperativ tommen und ganz prinzipiell gegen die Anschauung von L. Lewrn sagen: Wenn junge jüdische Menschen theoretisch die .loüwendrgkett des Hebräischlernens einsehen, dann darf es der Zeitfrage scheitern, dann muß und kann esich rm Ernzelfalle nur um ein Mehr oder Weniger bandeln. Wenn junge jüdische Menschen e r n st h a f t w o l l e n, dann finden sie auch Mittel und Wege. Und wenn :?,ir Schulzeit, vor allem noch vor der Prima, den Grundstock unseres hebräischen Wissens legen, dann werden wir auch spater no$ manche Stunde für das Hebräische o umwrr wissen. Gerade auch über die Zeitsrage müßten oie Jüngeren sich hier einmal äußern! . Konsvsuenz sollten nun die Jlis und -besondere der Berliner Jli daraus ziehen? Meiner Meinung nach sollten unsere Führer — auch diejenigen, die Koretisch bejahend zu dieser Frage stehen, ohne daß & ÖU^ Elchen Gründen auch immer, hebräisch ge- .^rnt haben, unsere Jungen und Mädel im Jli von der Das In-Programm Jli-Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Sonnabend, den 26. Mai: Psingstfahrt nach Mecklenburg. Führung: Werner Basch. Treffen: Am Stettiner Bahnhof um 15 Uhr pünktlich. Rückkehr am Pfingstmontag um halb elf Uhr abends. Wer an der Fahrt noch teilnehmen will, mutz sich umgehend an Werner Basch, Schöneberg, Rosenheimer-Stratze 31, wenden. Kosten etwa 10,— Mark. Sonnabend, den 26. Mai: Psingstfahrt in den Fläming. Führung: Hans Rosenberger. Treffen um viertel zwei Uhr vor dem Bahnhof Charlottenburg (Stuttgarter Platz). Wer nicht so früh fahren kann, fährt mit Fritz Michaelis nach. Treffen ebenda um (pünktlich!) 4.1v Uhr. Zug nach Belzig. Rückkunft Montag Nacht um 11—12 Uhr. Kosten etwa 5—6 Mark. Das Fahrgeld ist umgehend an Hans Rosenberger, Steglitz, Friedrichsruher Straße 56, einzusenden; 3,50 Mark für Hin- und Rückfahrt; für Nachzügler 2,— Mark nur für die Rückfahrt. Sonntag, den 17. Juni: Fahrt nach Strauhberg (Blnmental). Anmeldungen umgehend an Walter Simon, Charlottenburg 9, Tannenbergallee 8—12. Wenn genügend Teilnehmer Zusammenkommen, ist eine Anderthalbtagesfahrt beabsichtigt. Nachkommen am Sonntag früh möglich. Jtt „Abraham Geiger", Breslau. Vorsitzender: Rabbiner Dr. Haipersohn, Breslau 13, Moritzftratze 50. Sonntag, den 27. Mai (Pfingsten): Wanderung über die Hohe Eule nach Charlottenbrunn (bei ungünstigem Wetter zunächst direkte Fahrt nach Charlottenbrunn). Abfahrt 5 Uhr 46 Min. früh Hauptbahnhof Bahnsteig 5. Treffpunkt 5 Uhr 15 Min. vor dem Nordhvtel. Svnntagsfahrkarte 4. Klaffe bis Wüstewaltersdorf (Mk. 4,—) bitten wir selbst zu lösen. Nähere Auskunft erteilen: Ludwig Freund, Neudorfstratze 37, Fernsprecher 33320; Alfred Berger, Augustastratze 67, Fernsprecher 37754. Rege Beteiligung und Einführung von Gästen erbeten. Unsere weiteren Veranstaltungen sind aus dem Bersammlungskalender zu ersehen. Mitteilungen für die nächste Nummer der Ili-Zeitung bis spätestens 20. Juni an Werner van der Zyl, Berlin NW. 87, Btückenallee 5II, zu senden. Notwendigkeit des Hebräisch-Lernens zu überzeugen suchen. Von den Jüngeren im Jli müßte man dann aber erwarten können, daß sie den Weg aus der theoretischen Bejahung zur praktischen Verwirklichung gehen. Wie und auf welche Weise? Darüber kann man verschiedener Meinung sein. Sei es, daß man ihnen den Besuch der Religionsschule nahelegt oder den Weg über die lebendige Sprache in der Sprachschule empfiehlt, oder daß man — last not least — diese wichtige Arbeit innerhalb unserer Gruppen (vielleicht durch eine besondere Gruppe nur für Hebräisch) selber leistet. Wichtiger als alle Diskussion ist der ernsthafte praktische Versuch. Und es wäre nicht das erste Mal, daß der Berliner Jli diese Diskussion mit der Praxis positiv zu beantworten sucht; freilich müßte der Wiederaufnahme des Hebräischen in unser Programm eine intensivere und dauerndere Form verliehen werden, als es bei den bisherigen Versuchen geschah. Die Schrift, zu verdeutschen unternommen von Marti« Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Nachdem das Pentateuch in 5 Büchern erschienen ist, liegen nun schon Band VI Das Buch Jehoschua und Band VII Das Buch Richter vor. Berlin, Lambert Schneider. Aus dem Debora-Liede: Da Kriegslocken sich lockten in Jisrael, da ein Volk sich willig hergab, segnet Ihn! Höret, Könige, lauschet. Erlauchte, ich will Ihm, ich, singen, saitenspielen Ihm, Jisraels Gott. Du, als du ausfuhrst von Sse'ir, schrittest von Edoms Gefild, bebte die Erde, und die Himmel troffen, und die Wolken zertroffen zu Wasser, die Berge wankten vor Ihm, — ein Ssinai dieser vor Ihm, Jisraels Gott. In den Tagen Schamgars Sohns Anats, in den Tagen Jaels stockten die Wanderzüge, die Straßengänger gingen krumme Wanderpsade, das Bauerntum, es stockte in Jisrael, stockte bis du aufstandst, Debora, aufstanbst, eine Mutter in Jisrael! * Will Gott sich Neue erwählen? Streit schon vor den Toren! Doch ward Schild da ersehn und Lanze unter vierzig Tausenden Jisraels? Mein Herz den Führern Jisraels zu, den sich Willigenden im Volk! Segnet Ihn! Die ihr lichtgescheckte Estinnen reitet, die ihr auf Prachtröcken sitzet, die ihr auf dem Heimweg geht, erzählts euch! Horch, Taktschlagende zwischen den Tränken! dort wechselsagen sie Seine Bewährungen, Bewahrungen an seiner Bauernschaft in Jisrael. Schon stiegen sic zu den Toren herab. Sein Bottl Erwach, erwach, Debora erwach/ erwach, du beredim Gesang! W. v. d. Z. Zur Frage des Hebräisch-Lernens Von Walter Simon, Berlin. Nachdem durch Aufsätze von S'neh und Ludwig Lewin die Frage der Pflege der hebräischen Sprache aufgeworfen ist, haben wir uns auf einem Heimabend mit diesem Thema beschäftigt. Da dieser Aufsatz infolge persönlicher Stellungnahme den Charakter eines Gruppenberichts ohnehin verliert, übergehe ich den eigentlichen Weg, den wir zur Behandlung des Stoffes einschlugen und gebe von vornherein die vier Gesichtspunkte wieder, die uns ganz allgemein als Voraussetzung zur Beschäftigung mit der hebräischen Sprache erschienen. Es sind die vier Gründe: Verständigungsmöglichkeit (S'neh's Beispiel von Brot und Butter!), wissenschaftliches Interesse, volkliches Interesse, religiöses Interesse. Die Auseinandersetzung mit jedem dieser vier allgemeinen Gesichtspunkte erfolgte natürlich aus dem Standpunkt, den wir im Jli gewöhnlich einnehmen, dem eines jungen, liberalen Juden, der nicht ein geistliches Studium betreibt, also in diesem Sinne Laie ist. Damit fällt für uns der erste Punkt der genannten Gründe fort, da wir nicht Zionisten sind, und kein Interesse daran haben, etwa in Palästina mit dortigen Glaubensgenossen Hebräisch als Verkehrssprache zu benutzen. Ferner ist der zweite Grund nicht zutreffend, da wir Laien sind und im allgemeinen nicht die Zeit und die Gelegenheit haben, aus Gründen der Forschung Hebräisch zu lernen. An dieser Stelle muß ich S'neh den Vorwurf machen, daß er seinerseits zu sehr vom Standpunkt des Predigers (um nicht zu sagen: Fachmanns) an das Thema herangeht. Der dritte Punkt scheint auf den ersten Blick für uns ebenfalls nicht zutreffend zu sein; wenn man sich allerdings kurz die Kriterien eines Volkes klar macht und auf uns Juden anwendet, so kann man ihn nicht ohne weiteres übergehen. Ich halte für Kennzeichen der Volkszusammengehörigkeit hauptsächlich: Sprache, gemeinsame Heimat, Kultur- und Schicksalsgemeinschaft. Dafür fallen für uns Sprache und Heimat fort, dagegen ist Kultur- und Schicksalsgemeinschaft nur bedingt zu verneinen. Ein Volk sind wir bestimmt nicht mehr; aber gewisse Zusammenhänge lassen sich nicht leugnen; sie sind vor allem begründet in der gemeinsamen Religionsidee, dann in der Vergangenheit. Nun ist die Stellung zur Vergangenheit (die zur Religion wird vorläufig weggelassen), um später behandelt zu werden) \ ehr von persönlichem Gefühl abhängig. Ich denke an das, was S'neh ausdrückt, wenn er von der Wandlung oer hebräischen, fremden — zur heimischen Sprache der Väter spricht. Ich kann diese persönliche Stellungnahme sehr gut verstehen, — muß aber entschieden ablehnen, daß aus ihr nun allgemeine Schlüsse gezogen werden, wie der, daß es jetzt keinen „fadenscheinigen" Vorwand mehr gibt, sich vor dem Hebräischlernen zu drücken. Entscheidungen des Gefühls können durchaus nicht immer vom Verstand für allgemeingültig erklärt werden. Das gilt nun ganz besonders für die Bibellektüre. Für den einen wird die hebräische Sprache immer die Fremdsprache bleiben; einem anderen wird sie vielleicht der Weg zu den tiefsten Fragen der Menschheit werden; — ich fürchte, daß jene Stellung zur hebräischen Sprache die häufigere ist. Keineswegs ist es aber allgemein richtig, zu behaupten, daß ein Werk in der Ursprache mehr bietet, die dem Leser fremd oder zumindest nicht die Muttersprache ist, als in einer guten, und, wie in diesem Falle, durch Zeit und Kultur mit seiner Gedankenwelt verwachsenen Uebersetzung. Ich hüte mich auch hier davor, eine allgemeingültige Entschewung zu treffen, da sie ja von der Stellung zur hebräischen als Fremdsprache oder Sprache der Väter abhängig ist, die durchaus gefühlsmäßig bestimmt wird, — möchte aber an einem Beispiel zeigen, welche Konsequenzen S'neh seinem Standpunkt zufolge im allgemeinen ziehen müßte. Genau so, wie er das Studium der Bibel in der Ursprache verlangt, müßte er auch in anderen Wissenschaften zur Quelle zurückgehen; also ist es seine Pflicht, sämtliche mathematischen Beweise noch einmal selbständig zu finden, die im Laufe der Entwicklung dieser Wissenschaft erdacht worden sind; — er muß sämtliche philosophischen Systeme noch einmal entwickeln, statt auf ihnen Neues aufzubauen — kurz und gut: er muß die ganze Entwicklung der Menschheit vom Anfang bis zur Gegenwart noch einmal durchleben. Wir sind uns wohl klar, daß das »eine Utopie ist. Denn wenn jeder noch einmal von vorn anfängt, anstatt auf der Grundlage des Erreichten Neues zu suchen: — wäre es mit dem Fortschritt zu Ende. Ich glaube, daß diese Folgerung, auf die Frage des Hebräischlernens angewandt, auch noch zu Recht besteht; die Zeit, die darauf verwandt wird, die hebräische Bibel zu verstehen, geht verloren für die Erkenntnis und Erfassung der Lehre. Ich möchte dabei noch einmal betonen, daß diese Behauptung kein Recht auf Allgemeingültigkeit hat, denn mancher könnte mir, für seine Person ohne Zweifel, einwenden, daß er aus der hebräischen Sprache soviel Klarheit gewinnt, daß ihn die Lektüre der hebräischen Bibel für alle Mühen des mehrjährigen Studiums entschädige — trotzdem bin ich der Ueberzeugung, daß auch Menschen, die die gefühlsmäßige Verbindung mit der Vergangenheit des Judentums noch empsinden, die Erlernung der hebräischen Sprache aus diesen, eben behandelten Gründen ablehnen. — Für sie (und ich rechne mich auch zu ihnen) gibt es noch eine andere Möglichkeit, diese Verbundenheit zu betonen: in der Gestaltung desi Gottesdienstes. Wenn ich nun die Auftastung vertrete, daß ich Hebräisch immer als Fremdsprache, oder, gelinder ausgedrückt, nicht als Muttersprache empfinde, so ist es klar, daß im Gottesdienst die Muttersprache, also Deutsch, die Hauptrolle spielen muß. Das gilt von der Predigt, von den Hauptgebeten: von allen den Stellen, die den inneren Menschen angchen; dagegen können die Hauptsprüche wie das Sch'ma und das Kodausch hebräisch bleiben; ja, iöh würde sie deutsch gar nicht einmal als schön empfinden. Weiter mochte ich über den Gottesdienst in dieser Hinsicht nichts sagen, da seine Gestaltung mir viel zu problematisch erscheint, als daß man aus feinem Boden die Frage nach der Erlernung der hebräischen Sprache entscheiden könnte. Zusammenaefaßt, lehne ich irgendeine allgemeine Verpflichtung, die hebräische Sprache zu erlernen, ab; denn man

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