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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-24 · 21 (24.5.1928) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
21 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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♦ Aus den Gemeinden * Bebra. (Jahresversammlung der jüdischen Lehrer Hessens.) Am Himmcjsahrtstage fand im Hotel Schlüter die von etwa 40 jüdischen Lehrern besuchte 56. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonscrenz Hessens statt. Der Vorsitzende, Lehrer Schaumberg, Ncukirchen, machte in seiner Begrüßungsansprache darauf aufmerksam, daß der Verein im Oktober auf sein <J0 jähriges Bestehen zurückblicke. Lehrer Wetzler, Frielendorf, behandelte das Thema: „Grundlegende Fragen der Erziehung unserer jüdischen Jugend" und fand mit seinen anregenden Ausführungen das lebhafte Interesse seiner Zuhörer. Eine recht ergiebige Aussprache bewies die Mannigfaltigkeit der Probleme und die Schwierigkeit ihrer Lösung, so daß der Vorschlag, durch einen weiteren Vortrag, den Lehrer Bacher, Kassel, übernahm, im nächsten Jahre die Frage zu erörtern, lebhafte Zustimmung fand. Nach den Berichten der Lehrer Jäckel, Kassel, über die Hilfskassc „Esra" und Rosenbusch, Bebra, über die Kassenverhältnisse des Vereins trat eine Mittagspause ein. Der Vorsitzende gab dann im Jahresbericht einen Rückblick auf bedeutsame Vorgänge im verflossenen Vereinsjahr und von der Veränderung in der Leitung des Kasseler Bezirksvereins, an dessen Spitze Seminarlehrer Moses, Kassel, getreten ist, Kenntnis gegeben. Die nach München entsandten Vertreter, Gans, Nicderaula, und Rosenbusch, Bebra, berichteten über die Tagungen des Preußischen und Reichsverbandes, und die Anschlußsrage wurde im Zusammenhang damit in ihrer ganzen Weitläufigkeit und Schwere aufgerollt. Eine endgültige Stellungnahme zu den Konsequenzen, die sich nach der Forderung eines Teils der Mitglieder aus den nicht restlos erfüllten Kautelen bezüglich des Anschlusses an den Verband ergeben sollen, wurde bis zur nächsten, zum gleichen Termin 1929 in Kassel stattfindenden Versammlung vertagt. Den Rest der Beratungen füllten Anträge und Mitteilungen aus. Gegen 5 Uhr nachmittags schloß der Vorsitzende mit Dankesworten die Tagung. Berlin. (Jubiläum.) Am 1. Juni 1928 sind 25 Jahre verflossen, seitdem die weitbekannte Spezialbuchhandlung für jüdische Literatur, Louis Lamm, Berlin C. 2, Neue Friedrichstraße 61-63, besteht. Die Firma hat es verstanden, sich einen Namen in der jüdischen Welt zu verschaffen und das Geschäftslokal in der Neuen Friedrichstraße wurde bald nach der Eröffnung der Treffpunkt jüdischer Gelehrter aus aller Herren Länder. Die Firma Lamm hat einen nennenswerten Buchverlag und ein sehr bedeutendes jüdisches Antiquariat. 28 teils sehr umfangreiche Antiquariatskataloge legen Zeugnis über diesen Zweig der Firma ab. Auf Veranlassung des Jubilars hat seiner Zeit Albert Wolfs- Dresden seine herrliche Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin geschenkt und dadurch den Grundstock zu einem jüdischen Museum gelegt. Der Inhaber der Firma »st vielfach journalistisch und wissenschaftlich tätig. Er ist Mitarbeiter bei vielen Zeitschriften und Verfasser einer Anzahl historischer Werke. Im Buchhandel ist er besonders durch sein mannhaftes Austreten gegen antisemitische Angriffe, die öfters im Fachorgan Vorkommen, bekannt, geschätzt und von manchem gefürchtet. Wir sprechen dem Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Berlin. (Paul Schlesinger (Sling) gestorben.) Paul Schlesinger, der unter dem Namen Sling sehr populäre Schriftsteller und Dramatiker, der blendende Humorist und Gerichtssaal- Satiriker der „Vossischen Zeitung", ist in der vergangenen Nacht nach kurzem Leiden an den Folgen einer Herzgewebszerstörung kurz nach Vollendung seines 50. Lebensjahres gestorben. Als mutiger Gerichtssaal-Berichterstatter, der vielfache Mißstände in der Rechtspflege, der Gcrichtssaal-Praxis und dem Strafvollzug aufgedeckt hat, l>at er sich um die deutsche Justiz sehr verdient gemacht. Der preußische Justizminister Dr. Schmidt hat der „Vossischen Zeitung" zum Tode von Sling sein aufrichtiges Beileid ausgesprochen. Berlin. (Die jüdischen Sportvereine un Stafette n l a u f Potsdam — Berlin.) Am 10. Juni wird auf der klassischen Rennstrecke Potsdam—Berlin der gleichnamige Stasettenlauf zum 20. Male ausgetragen. Diese Konkurrenz ist die bedeutsamste leichtathletische Prüfung in ganz Deutschland. In diesem Jahre werden auch zwei jüdische Vereine an ihr teilnehmen. Außer dem Turn- und Sportverein Bar Kochba, Berlin, der seit der Gründung des Groß-Staffellaufs vor 20 Jahren in jedem Jahre mitlief, läuft in diesem Jahre zum ersten Male die Großgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, in der Klasse für Nichtvcrbandsvereine. Im vergangenen Jahr konnte Bar Kochba — damals noch in der B-Klasse — Klassensieger werden, und im Gcsamtklassement sah man die weiße Vereinsfahne mit dem Davidsstern an zehnter Stelle am Siegermaste flattern. Im vergangenen Winter und Frühjahr haben die Staffelmannschaften des Bar Kochba nun eine wesentliche Formverbesserung bewiesen, so daß man im Rennen Potsdam—Berlin mit einer weit besseren Placierung des Bar Kochba rechnet. Auch die Sportgruppe des R.J.F. geht wohlgerüstct in den Kämpf. Man ist mit den erzielten Trainingsleistungen zufrieden. Berlin. (Vorführung des M a c c a b i - W c r b e f i l m s.) Bor einem geladenen Publikum zeigte der jüdische Boxclub Maccabi, Berlin, am Sonntag seinen Werbefilm. In einleitenden Worten wies Dr. Lewin, Vorsitzender des I. B. C. Maccabi, auf die Notwendigkeit eines jüdischen Boxclubs hin, dann rollte das dreiteilige Filmband ab. Zunächst wurden Freiübungen, Gymnastik wie Bauchmuskelübungen ustv. gezeigt, dann sah man einen interessanten Ausschnitt aus einer Trainingsstunde mit Arbeiten am Sandsack, an der Sandbirne, dem Doppelendball und schließlich Kämpfe mit einem Sparringspartner. Der zweite Teil war dem „Ergänzungssport", wie Gewichtheben, röm. Ringkampf, gewidmet. Ausschnitte aus interessanten Begegnungen mit dem S.E. Heros 03, die auf dem Tiergartensportplatz ausgenommen waren, schlossen sich an. Der letzte Teil brachte Aufnahmen von Boxkämpfen bekannter Maccabileute mit hochwertigen Gegnern. Breslau. (Vom Israelitischen Krankenhaus.) Aus Anlaß des 25 jährigen Jubiläums des Israelitischen Krankenhauses Hohenzollernstraße und der Einweihung des Röntgeninstituts „Nathan Littauer-Stiftung" fand am Sonntag, den 29. April, vormittags 11 Uhr, eine Fcstversammlung in dem schönen Sitzungssaal des Israelitischen Krankenhauses an der Hohenzollernstraße statt. Mit Herrn Sanitätsrat Dr. Arthur Littauer aus Leipzig, dem Vertreter des hochherzigen Stifters der „Nathan Littauer-Stiftung", hatten sich zahlreiche andere Mitglieder der Familie Littauer aus allen Gauen Deutschlands sowie zahlreiche Ehrengäste eingefunden, um gemeinsam mit dem Vorstande des Krankenhauses die Feier der Einweihung dieses schönen Instituts zu begehen. Sie wurden von dem Vorsitzenden des Vorstandes des Krankenhauses, Herrn Adolf Danziger, begrüßt. Eröffnet wurde die Feier durch ein Harmonium-Vorspiel des Herrn Organisten Schaffer, dem ein in künstlerischer Vollendung vorgetragener Solo-Gesang von Herrn Oberkantor Borin folgte. Der baulcitende Architekt, Herr Regierungsbaumeistcr a. D. Paul Ehrlich, gab eine Schilderung des Baues, mit dessen Vorarbeiten im Herbst 1926 begonnen wurde und der jetzt glücklich zur Vollendung gebracht worden ist. Zum Schlüsse seiner Ansprackie übergab Herr Regierungsbaumeistcr Ehrlich den Schlüssel der Nathan Littauer- Stiftung in die Hände des Herrn Sanitätsrat Dr. Littauer in Leipzig, den dieser als Vertreter des Stifters cntgegennahm. Der Vorsitzende, Herr Adolf Danziger, verband sodann in einer von tiefem Empfinden getragenen Festrede den Dank der Krankenanstalt an den hochherzigen Stifter mit einer Schilderung dessen Lebensganges. Die Bedeutung des neuen Röntgen-Instituts nicht nur für das Krankenhaus, sondern auch für die Stadt Breslau wurde sodann durch den Vortrag des Leiters des neuen Instituts, Herrn Primärarzt Dr. Carl Fried, allen Festteilnehmern in von wissenschaftlichem Geist getragenen und doch Laien verständlichen Ausführungen über die Entwicklungsgeschichte der Röntgenologie und der Röntgenstrahlen in den letzten 30 Jahren vor Augen geführt. Nach einer großen Anzahl von Begrüßungsansprachen schloß ein weiterer Sologesang des Herrn Obcrkanror Borin, dessen prachtvolle Stimmittel hierbei aufs Neue in die Erscheinung traten und ein Harmonium- Nachspiel des Herrn Organisten Schäfser die schlichte, aber eindrucksvolle Feier. Es folgte sodann eine Besichtigung des neuen Röntgeninstituts unter Führung des Herrn Primärarztes Dr. Fried und alle Teilnehmer waren davon überzeugt, daß durch die Nathan Littauer-Stiftung dem Israelitischen Krankenhause eine hervorragende Stätte ärztlicher Heilkunst und wissenschaftlicher Forschung angegliedert worden ist. Danzig. (Eine wirkungsvolle „O r t" - K u n d g c b u n g.) Zu einer wirkungsvollen Kundgebung für den „Ort"-Gedanken gestaltete sich ein von der Danziger „Ort"-Gesellschaft am 15. Mai 1928 in der überfüllten Aula des Städtischen Gymnasiums veranstalteter Vortragsabend, an dem Herr Dr. Michael T r a u b über „Jüdische Siedlungs- und Aufbauarbeit in Osteuropa" sprach. Der Vorsitzende der Danziger Jüdischen Gemeinde, Herr Justizrat Fabian, eröffnet« den Abend mit einem warmen Appell an die Danziger jüdische Bevölkerung, den „Ort", dessen Bestrebungen in Danzig bereits seit Jahren auf fruchtbaren Boden gefallen sind, nach Kräften zu unterstützen. Dem Vortrag folgte eine anregende Diskussion, in der der Wunsch eines weiteren Ausbaus der „Ort"-Organisation in Danzig zum Ausdruck gebracht wurde. In den neu konstituierten Vorstand und Beirat der Danziger,„Ort"-Gescllschaft wurden n. a. gewählt: Julius Becker, G. Berghold, Dr. Brodnitz, Justizrat Fabian, I. Goldberger, Dr. Grün, Direktor Heidenfeld, I. Kissin, Dr. Landau, Dr. Lewy, Dr. Lichtenstein, G. Masur, Direktor Wemkrany, Tr. Weiß. In der im Anschluß an den Vortrag stattgefundenen Vorstandssitzung wurde der Beschluß gefaßt, die „Ort"-Aktion in Danzig unverzüglich einzuleiten. Der „Ort"-Abend, zu dem mehrere .Hundert Personen erschienen waren, hat auch in der Danziger Presse eine warme Aufnahme gefunden. Essen. (Todesfall.) Unsere Gemeinde hat den Verlust des ersten Vorsitzenden des Vorstandes, Heynemann Freuden berg, zu beklagen. Mit dem Verewigten verliert die Gemeinde einen ihrer angesehensten Mitbürger. H. Freudenberg war seit mehr als 30 Jahren erster Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes für Groß- Essen, langjähriger Handelsrichter und Vorstandsmilglied der Industrie- und Handelskammer. Die Trauerfeier, d'ie am 15. Mai in der Synagoge zu Essen stattfand, legte ein beredtes Zeugnis für die Beliebtheit des Dahingeschiedenen in unserer Stadt ab. Die große Synagoge vermochte die überaus stattliche Trauerversammlung, in deren Mitte sich die Vertreter der Behörden, vieler Verbände und Vereine, und als Vertreter der Stadt Beigeordneter Dr. Meuer befanden, kaum zu fassen. Die Trauer-Rede hielt Rabbiner Tr. Hahn, der den Heimgegangenen als Haupt seines Famitienkreiscs, als Führer in seinem Berufsstand und als Vorsteher der Gemeinde in eindringlicher Weise schilderte. Rektor Abraham überbrachte den letzten Dank der Gemeindevertretung und der verschiedenen jüdischen Organisationen, denen der Verewigte in führender Stellung angehörte. Nachdem auf dem Friedhof die Vertreter der weltlichen Verbände zu Worte gekommen lvaren, fand die Tranerfeier mit einer Ansprache von Rabbiner Dr. Samuel ihr Ende. Frankfurt a. M. (Diamantene H o ch z e i t.) Der seit 15 Jahren in Frankfurt a. M. lebende und aus Offenbach gebürtige Eduard Homburg er und Frau Klara, geb. Koch, feierten am Freitag, den 25. Mai, das Fest der diamantenen Hochzeit. .Herr Hamburger, der lange Zeit ein Porteseuillergeschäft betrieb, und über 25 Jahre bei der Firma Adolf Hartre tätig war, feierte dieses seltene Jubelfest bei voller Gesundheit und Rüstigkeit. Eenthin. (G r u n d st e i n l e g u n g eines neuen Gotteshauses.) Am 16. Mai fand hier die Grundsteinlegung zum Ban eines neuen Gotteshauses statt. Die Feier nahm einen sichtlich erhebenden Verlauf. Die Ansprache hielt Dr. Spanier-Magdeburg. Die erste Synagoge, die vor 3 Jahren dem Untergang anheim siel, war von Moritz Birnbaum s. A. gestiftet worden. Die Erben dieses edlen Mannes, Frau Landgerichtsrat Birnbaum an der Spitze, die auch bei der Grundsteinlegung mit den Ihrigen zugegen war, haben einen beträchtlichen Beitrag für den neuen Bau beigcsteuert, so daß es als Akt der Dankbarkeit erscheint, dem neuen Gotteshaus den Namen Birnbaum-Synagoge beizulen. Man hofft, sie bereits Anfang September einweihen zu können. Es ist geradezu als bewundernslvert und vorbildlich zu bezeichnen, daß diese kleine Gemeinde, die nur aus 30 Seelen besteht, in diesen Zeitläuften eine neue Synagoge baut. Dank und Anerkennung gebührt hierfür vor allem dem ersten Vorsteher Herrn Hugo Magnus, der verständnisvoll, umsichtig, eifrig und zielbewußt sich dieser Aufgabe gewidmet hat. Die Geldmittel sind noch nicht völlig aufgebracht. Es ist die Ehrenpflicht größerer Gemeinden und Verbände, kleinen Gemeinden hilfreich zur Seite zu stehen. Karlsruhe. (K o n f e s s i o n e l l e E h e s ch e i d u n g s z i f s c r n.) Die badische Statistik für 1927 gibt interessante Aufschlüsse über den Anteil der Konfessionen an der Ehescheidung. Das Scheidungsverbot der katholischen Kirche macht es ohne weiteres erklärlich, daß auf je 10 000 Katholiken in Baden nur 2,4 Scheidungen kamen, während die entsprechende Ziffer für die Evangelischen 4,4 beträgt. Noch geringer aber als der Anteil der Katholiken war der der Juden, bei denen sich die Ziffer auf 1,7 belief. Dabei ist zu bedenken, daß die Juden hauptsächlich ein städtisches Element darstellcn und daß die Gesamtzahl der Ehescheidungen säst nur Städtebcwohner betreffen; unter der ländlichen Bevölkerung ist der Anieis an den Ehescheidungen nicht viel größer als ein Neuntel der Durchschnittsziffcr. Kassel. (G c m c i n d e w a h l e n.) Der mit Rücksicht auf die Parlamentswahlen zuerst für den Monat Juni geplante Termin für die Gemeindewahlen ist wegen der schon im Juni einfetzenden Reisezeit nunmehr auf den 9. September dieses Jahres bestimmt worden. Leipzig. (Jüdisches Krankenhaus.) Mit Hilfe einer Stiftung der Familie Ch. Eitingen ist es möglich geworden, in den letzten zwei Jahren ein jüdisches Krankenhaus zu erbauen, das nunmehr in Betrieb genommen werden kann. Der Hauptzweck der Anstalt ist, jüdischen Kranken bei ritueller Verpflegung eine sachgemäße Behandlung zuteil werden zu lassen. Daneben sollen aber auch Angehörige anderer Bekenntnisse Aufnahme finden. Am Mittwoch fand eine Besichtigung für Pressevertreter statt. Als Krankenanstalt liegt das Gebäude sehr günstig am Rande des Roscntales (in der Verlängerung der Straße An der alten Elster)., rings von prächtigen Bäumen umgeben. Erfreulicherweise hat man bei der Anstalt die unangenehme Massenunterbringung vermieden, der größte Saal ist für sieben Betten bestimmt. Die Kranken können in drei Klaffen Unterkunft finden, in der ersten mit acht Betten, der zweiten mit 27 Betten und in der dritten mit 44 Betten. Aufnahme finden nur Kranke, die in nicht zu langer Zeit geheilt werden können, dagegen nicht Sieche und an chronischen Leiden Erkrankte. An medizinischen Abteilungen gibt es eine chirurgische, eine für innere Krankheiten und eine Station für Lungenkranke. Durch das Eingangsportal betritt man den Korridor im Erdgeschoß des dreistöckigen Gebäudes, an dessen Seiten Warte- und Auskleidezimmer, Untersuchungs-, Röntgen- und Bestrahlungsräume liegen. Die technischen Apparate sind selbstredend von modernster Konstruktion, besonders erwähnenswert der Apparat für Röntgendiagnostik und der Diathermie-Apparat. Im ersten Stock befindet sich ein Konferenzsaal, im zweiten Stock die Operationsfäle, ein Borbereitungsraum für Narkosen, ein septischer und ein aseptischer Saal. In den Obergeschossen sind außerdem die Krankenräume für die drei Klaffen untergebracht mit Tagesräumen für Männer und Frauen, sowie die Räume für das Pflegepersonal. Die Wirtschafts- und Maschinenanlagcn, Wäscherei, Plätterei und Desinfektionsanlage haben im Keller ihren Platz gefunden. Ein Fahrstuhl verbindet die Etagenküchen mit dem Wirtfchastskeller. Den Bau haben Stadtrat Pflaume und Architekt Naumann ausgeführt. Mainz. (Erweiterung des i s r a e l i t i s ch e n Krankenhauses.) Der neue, nach Westen angebaute Seitenflügel, ocr einem dringenden Bedürfnis nach weiteren Räumen entsprechend notwendig geworden war, ist jetzt im Rohbau fertiggestellt. Er ist im gleichen Stil gehalten ivie der Hauptbau und verlängert die Gesamtsassade um ca. 13 Meter, welches Maß er auch in der Tiefe hat. Das Gebäude schließt nach oben mit einer großen Terrasse ab, die zum Teil überdacht und zu Licht-, Luft und Sonnenbädern benutzt werden soll. Bon dieser Terrasse aus genießt man eine schöne Aussicht über den Krankenhausgarten und die anstoßenden Gartenanlagen. Die Gesamträume werden noch im Lausedes Sommers ihrer Bestimmung übergeben werden. ....*..!l*ij Aus der Bewegung Dortmund. (Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) Am 7. März sprach unser Vereinsnutglied Herr Emannel Goldfchmidt, Mitglied des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden, über die letzte Sitzung desselben. — In überaus fesselnder Weise sprach er von den Arbeiten desselben und wußte die Anregung zu einer überaus regen Diskussion zu geben. — Trotz der geringen Hörerschar war die Aussprache eine besonders ergiebige. Königsberg i. Pr. (Ortsgruppe der Ve r e i n ig u n g für das liberale Judentum.) In der Generalversammlung der „Vereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Königsberg i. Pr.", vom 1. Mai ds. Js., die sich eines guten Besuches erfreuen durfte, gedachte zunächst der stellvertretende Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Holz der im vergangenen Jahre dahingeschiedenen treuen Milgieder Bennheim und Glade, zu deren Ehren die Anwesenden sich von den Sitzen erhoben. Dann erstattete Dr. Holz den Jahresbericht. Er erwähnte einige Themen der Versammlungsabendc, den Vortrag von Goetz-Berlin über „Den Jüdischen Liberalismus und die Parteien im deutschen Judentum", von Rechtsanwalt Dr. Leß „über Justiz", von Justizrat Dr. Lichtenstein über „Die Interessen der Jüdischen Wähler an den Stadtverordneten-Wahlen", von Dr. Hotz über „Vorkommnisse in der Repräsentantenversammlung", von Dr. Erwin Lichtenstein-Danzig über „die Jugend betreffende Fragen", von Bruno Woyda-Berlin über „Verlaus und Lehren des Zionistenkongresses". Nach dem darauf von Frau Borkon gegebenen Kassenbericht darf trotz starker Belastung durch die Wahlen ein kleines Guthaben festgestellt werden. Zu Vorstandsmitgliedern wiedergewählt wurden: Fabian, Dr. Holz, Eichelbaum, Dr. Lichtenstein, Dr. Wolsfheim, Locwcnthal, Rosenthal, Dr. Rosenhain und die Damen Borkon. Wolfs, Arnsdorfs. In den Propagandaausschuß wurden entsandt: Rechtsanwalt Dr. Lazar, Hans Herrmann, Kaplan und Frau Emniy Neumann. Ten Vortrag des Abends hielt der Vorsitzende Herr Isidor Fabian über das Thema: „Welche Aendernngen verlangen die Liberalen vom Gottesdienst?" Es müsse immer wieder gegenüber den Angrissen aus dem anderen Lager von uns betont werden, daß >v:r an Aenderungcn, die nicht im Rahmen der Entivickclung liegen, kein Interesse haben. Wir achten jede Form und jeden Brauch, sojcrn sie geeignet sind, die Andacht des Beters zu erhöhen. Die auf Anpassung an unser modernes Denken gerichteten Anträge der Liberalen seien stets abgelehnt worden, und zwar mit unsachlichen Gründen, die oft bei den Antragstellern das Mißtrauen hätten aufkommen lassen, daß die Ablehnung nur erfolgt sei, »veil die Anregungen von den Liberalen kamen. Teilweise seien solche liberalen Bestrebungen Jahrzehnte alt. Einem Anträge, vor dem Kaddisch der Leidtragenden, ein deutsches Gebet zu sagen, und einem Wunsche, den verlesenen Thora-Abschnitt dem Inhalte nach deutsch wiederzugeben, sei ausalter Gewohnheit heraus glatte Ablehnung widerfahren. Jetzt aber werde dank der Initiative des Gemeinderabbiners Dr. Leivin, der vor dem Waisen-Kaddisch eindrucksvolle deutsche Worte spreche und nach der Thoraverlesung im Kasualgebet den Inhalt des Abschnitts kurz zeichne, nach Maßgabe dieser Anregungen verfahren. Der Gottes dienst habe zwei Aufgaben: die eine sei objektiv und ethisch-religiöser Natur. Sie solle Erinnerungen an die große Vergangenheit und Hoffnungen für die Zukunft »»ecken, die Kenntnis der jüdischen Rrti gion vertiefen und Trost und Mut spenden, kurzum Dienst an der Gesamtheit sein, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Die andere sei subjektiv und habe die Aufgabe, den einzelnen Beter zu sich selbst zurücksinden zu lassen, daß er Ruhe ftnde, einen Blick in sein Jnnere.«- zu tun, sich selbst zu prüfen und im Gebet mit seinem Gott zu sprechen. Und für dies« ztveite Aufgabe versage nach Ansicht der Liberalen der heutige Gottesdienst leider sehr oft. Von dem Schach rith, mit seinen in eine begrenzte Zeit hineingepreßten Wiederholungen, könne man sagen, daß nicht das Gebet die Stunde regiere, sondern die Stunde das Gebet. Hat doch ein gewiß auch den Nichtliberaleir uirverdächtiger Mann »vie der den Mittelparteien nahestehende Pro fessor Dr. Eugen Wölb« in dem „Israelitischen Familienblatt" sickfür Kürzung und Vermeidung von Wiederholungen der Gebete und b< sonders des heiligen Kaddisch ausgesprochen. Solche Kürzung kam: erreicht werden vor allem durch Abschaffung der vielen Wiederholungen, des Kaddisch-Gcbctes, das viel zu oft gesagt werde und durch diesen Mißbrauch seine in seinem heiligen Wortlaut begründete Eindrucks-' kraft vielfach verloren hat. Ferner soll eine Kürzung der Thora Vorlesung enttvcder durch Einführung eines dreijährigen Zyklus oder durch Verteilung der Abschnitte auf Sabbat-Nachmittag, Montag und Donnerstag hcrbeigesührt werden. - Ein weiteres dringendes Erfordernis sei, den Beginn des Freitag-Abend-Gottesdienstes für das ganze Jahr auf eine bestimmte Stunde festzulegen (Abschaffung des S'man) und noch verschiedenes Andere. Genügen nicht einige Töne beim Schofarblasen? Bei dem oft naturgemäßen Kräftemangel de: Bläser könne man sagen, vom Erhabenen zum Lächerlichen sei nur ein Schritt. Das alles sehe die rechte Seite zum Teil durchaus ein, praktisch aber sei sie doch gegen jede Aenderung. Es erben sich Minhag und Din wie eine ewige Krankheit fort. Aber man solle an die Ju gend denken, deren Seele nicht mitsch»vinge und die nicht finde, »vasfie suche. Dr. Holz dankt dem Redner und stellt fest, daß die Befürchtung, die Liberalen seien revolutionär, sich in nichts aufgelöst habe. Aus» der schwärzeste Orthodoxe habe im Laufe der Zeiten Aenderungcn cingeführt. An der Aussprache beteiligten sich die Gemeindemitglicder Lesser Hirsch und Feinstein (Mitte), Eichelbaum, Kantor Wollheim, Dr. Lichtenstcin, Gemeinderchbbiner Dr. Lewin, Dr. Grumach, Dr. Holz. Dr. Lewin betont das Gemeinschaftsgefühl im Gottesdienst und die Verbindung der Gegenwart mit der Vergangenheit. Der Gottesdienst sei organisch ertvachsen. Ziel sei das Ideal, das auch dem Durä> schnitt der jüdischen Gegenwart entspreche. Ob nach seiner Ansicht dieses Ziel erreicht ist iKer Mängel im Sinne des Vortrages vorhanden sind, »var zwar nicht sestzustellen. In jedem Falle versuchte der Redner eine Brücke zwischen den widerstrebenden Richtungen zu finden. In dem Schlußwort konnte Herr Fabian daraus Hinweisen, daß die Anregung des Herrn Hirsch, sich einmal freundschaftlich zusammenzusetzen, um herauszufinden, was einer Acnderuirg bedürfe, sich ganz mit dem Wunsche der Liberalen decke. Er betont nochmals mit Nachdruck die Notwendigkeit, der Einstellung des Menschen unserer Zeit mehr gerecht zu »verden. Berichtigung In unserer vorigen Nummer veröffentlichten wir eine Zuschrift von Eduard Bernstein, die zu unserem Bedauern einen sinnentstellenden Druckfehler enthielt. Es steht da vom Grundsatz des sozialdemokratischen Programms zur Religionsfrage: „Erklärung der Religion zur Parteisache", während der Satz tatsächlich lautet: „Erklärung der Religion zur Privatsach e". Verlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. B-, Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner Qt Co., Berlin-Mariendorf.

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