Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 21 (24.5.1928)
- Date
- 1928-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SCHOKOLADE PRALINEN Das auserwählte Volk Zum Schowuausfest. Von Rabbiner Dr. Norden, Elberfeld. Ein kleiner, unscheinbarer Berg, der an Höhe von vielen andern Bergen der Welt weit überragt wird. Und am Fuße dieses kleinen, unscheinbaren Berges ein kleines, unscheinbares Volt, das an Größe von vielen andern Völkern der Erde weit übertroffen wird. Aber am Fuße des kleinen, unscheinbaren Berges empfängt das kleine, unscheinbare Volk eine göttliche Botschaft. Und durch diese göttliche Botschaft erhält auf einmal der kleine, unscheinbare Berg eine Berühmtheit ohnegleichen, und sein Name wird genannt mehr als die Namen aller andern Berge. Und das Volk, an das die göttliche Botschaft sich gerichtet/ wird plötzlich: airS^emenr" kleinen unscheinbaren Volk zu einem Volk, dessen Name? mehr genannt wird als die Namen aller andern Völker. Es wird zu einem Volk, auf dessen Sttrn der Stempel der Unsterblichkeit aufgedrückt ist. Wie lautet die göttliche Botschaft, die das kleine, unscheinbare Volk Israel am Fuße des kleinen unscheinbaren Sinaiberges empfangen hat? Wie lautet die Botschaft, die den Sinai hinaushob über alle Berge der Welt und das Volk Israel über alle Völker der Erde? Die Botschaft lautet: „Wenn ihr ernstlich auf meine Stimme hören und meinen Bund bewahren wollet, dann sollet ihr mir ein Kleinod sein unter allen Völkern, wiewohl mir die ganze Erde gehört. Ihr sollet mir ein Reich von Priestern sein, ein heiliges Volk." So lautet die göttliche Botschaft, die am Schowuausfest, am Fest der Offenbarung, zu uns herübertönt aus jenen uralten Tagen, da unsre Ahnen in der Wüste am Fuße des Sinai lagerten. Was ist das für eine merkwürdige Botschaft? Ein Kleinod sollen wir sein? Ein Reich von Priestern sollen hvir fein? Ein heiliges Volk sollen wir sein? Und diese Botschaft, am Sinai zum ersten Male ergangen, kehrt in der Thora und in den Prophetenbüchern mit ähnlichen Worten immer wieder. Immer wieder wird verkündet: „Dich hat der Ewige, dein Gott, auserkoren unter allen Völkern der Erde, daß du ihm ein Kleinodsvolk sein sollsü" Was ist das für eine merkwürdige Botschaft? Müssen die, an welche sie ergangen ist, nicht in den Fehler verfallen, mit Stolz und Hochmut und Geringschätzung auf alle andern herabzublicken? Und muß dieser Stolz nicht bei den andern wieder Gefühle des Hasses und der Feindschaft auslösen? In seinem „Nathan der Weife" läßt Lessing den Tempelherren die Frage an Nathan richten: „Doch kennt ihr auch das Volk, das diese Menschenmäkelei zuerst getrieben? Wißt ihr, Nathan, welches Volk zuerst das auserwählte Volk sich nannte? Der Fragesteller wirft es also dem jüdischen Volk als eine Anmaßung vor, daß es sich als auserwählt bezeichnet, er erblickt darin „Menschenmäkelei". In Wirklichkeit kann nur Mißverständnis uns einen Vorwurf daraus machen, daß Mose jene göttliche Botschaft an sein Volk gerichtet hat. Was heißt denn Auserwählung? Heißt das, daß wir in jeder Beziehung und auf allen Gebieten die andern zu überragen glauben? Ist es uns jemals in den Sinn gekommen zu bestreiten, daß andere Völker auf den verschiedensten Gebieten Großes, Hervorragendes, Vorbildliches geleistet haben? Haben wir die Leistungen anderer Völker in Kunst und Wissenschaft, in Entdeckungen und Erfindungen nicht stets freudig und rückhaltlos anerkannt? Haben wir jemals Einspruch dagegen erhoben, wenn andere Völker betonten, sie seien auf dem einen oder dem andern Gebiet vorbildlich und tonangebend? Warum sollen denn nicht auch wir das Recht besitzen, uns als a u s e r w ä h l t, d. h. als vorbildlich, ü b e r - ragend, tonangebend zu bezeichnen auf einem Gebiet, von dem wir fühlen und wissen, daß auf ihm unsere ganze Kraft beruht? Wenn wir uns das auserwählte Volk nennen, mit dem Gott am Sinai seinen Bund geschlossen, wenn wir uns das heilige Volk nennen, wenn wir uns das Volk des Ewigen nennen: Was bedeutet das denn anders, als daß unser Volk von Urbeginn an bis auf den heutigen Tag eine besondere, hervorragende! Ergebung besessen hat für alles, was mit den Fragen der Religion und der Gesittung zusammenhängt? Was bedeutet es anders, als daß aus unsern Reihen dieleidenschaftlich st enKämpferhervor gegangen sind für den Gottesglauben, die Gotteserkenntnis, die Gottes Verehrung, die Gottesliebe, die-leidenschaftlich st en Kämpfer für Menichenverbrüderung und Menschenbeglükk u n g? Und dessen sollten wir uns nicht freuen dürfen? Und dessen sollten wir uns nicht rühmen dürfen? Wir dürften es auch dann, wenn die Welt diese unsere besondere Begabung leugnen würde. Aber die Welt leugnet sie ja gar nicht; alle vorurteilsfrei Denkenden erkennen unsere spezifische Begabung ohne weiters an. Und kein Geringerer als Friedrich Nietzsche hat auf uns Juden das Wort geprägt, wir seien „das ethische Genie unter den Völker n". Ein Sprichwort, das in aller Munde ist, lautet: „Man muß die Menschen nehmen, wie sie sind, und nicht, wie sie sein solle n." An der Hand dieses Sprichwortes läßt sich erkennen, was es mit den Juden als dem ethischen Genie unter den Völkern für eine Bewandtnis hat. Das Judentum nämlich bäumt sich mit aller Entschiedenheit und Leidenschaftlich k e i t gegen die Anerkennung eines Wortes, das dazu angetan ist, das ethische Gewissen der Menschen einzuschläfern und abzustumpfen. W:c? wir sollen die Menschen nehmen, wie sie sind, sollen sie lnnnehmen und sie gewähren lassen und sollen uns einverstanden erklären mit allen ihren Fehlern uird Schwächen, mit allen ihren Bosheiten und Niederträchtigkeiten, mit aller ihrer Unehrlichkeit und Unwahrhaftigkeit, mit aller ihrer Hartherzigkeit und Lieblosigkeit? Das alles sollen wir gutherßen, weil die Menschen angeblich doch nicht zu ändern sind, weil alle Besserungsversuche ja doch vergebliche Liebesmühe sein würden? Nein, ruft das Judentum. Nein, ruft es aus dem Mund seiner größten, edelsten, heiligsten Vertreter. Nein, ruft es aus dem Mund seiner Seher und Propheten. Nein, ruft es aus dem Mund seiner Denker Sie alle verkünden: Nie mrd nimmermehr dürfen wir die Menschen nehmen, wie sie sind; wir müssen ftc nehmen und müssen ihnen zeigen, wie sie sein sollen, wie sie sein sollen nach den unverbrüchlichen, unwandelbaren Geboten der Religion und der Sittlichkeit. Da kommen nun freilich die andern und spotten und höhnen: „Ihr habt euch da eine Aufgabe gestellt, die nichts weniger als beneidenswert ist. Seid ihr denn so weltfremd, daß ihr nicht sehet, wie ihr mit euren elhrschenForderungennichtdurchdrin genkönnet? Sehet ihr das denn nicht, ihr unverbesserlichen Weltverbesserer mit eurem unverbesserlichen Idealismus und Optimismus? Nun, mögen sie spotten und höhnen: unsere Pflicht ist es, unserer Aufgabe treu zu bleiben, ohne nach* Zustimmung und Anerkennung von anderer Seite zu geizen. Wehe uns, wenn wir unsere heilige Aufgabe aus den Augen verlieren würden; dann wären wir selbst, dann wäre unser Judentum verloren. Allein ein weiterer Einwand wird gegen uns erhoben; und der rst allerdings bitter ernst zu nehmen. Man hält uns entgegen: „Ihr wollet Weltverbesserer sein, wollet uns den Weg weisen, den wir gehen müssen, um vor dem göttlichen Richterstuhl bestehen zu können, vor dem Richterstuhl der Religion und der Gesittung? Habt ihr denn schon vor eurer eigenen Tür gefegt? Habt ihr, die ihr Anstoß nehmet an dem Splitter in unfern Augen, habt ihr denn schon an dem Balken in euren eigenen Augen Anstoß genommen? Mit diesem Einwand haben unsere Kritiker einen sehr wunden Punkt berührt. Der Einwand läßt sich kurz auf folgende Formel bringen: Das jüdische Geistesleben steht aus vorbildlicher Höhe; diese Anerkennung will und kann man uns nicht versagen. Aber das jüdische Wirtschaftsleben hält mit dem Geistesleben nicht gleichen Schritt; und das werden wir ehrlicherweise nicht leugnen können. Dieser Widerspruch zwischen Geistesleben mrd Wirtschaftsleben muß uns am Fest der Offenbarung besonders scharf auf der Seele brennen. Ruft das Fest doch in Erinnerung, daß das am Sinai die Aufgabe geworden, ein „auserwähltes Volk" zu fern, ein „heiliges Volk", ein „Volk des Ewigen", „das ethische Genie unter den Völkern", das Volk der Weltverbesserung. Eins dürfen wir ja sagen: Alle unsere Großen sind der Aufgabe zu allen Zeiten in vollem Umfang gerecht geworden, sie haben mit leidenschaftlicher Glut für den sittlichen Ausstieg der Menschheit gekämpft. Aber es genügt eben nicht, daß nur b ie Auserwählten des auserwählten Volkes es immer getan haben und es bis zum heutigen Tage tun. Wir alle, die wir uns rühmen, Glieder des auserwählten Volkes zu sein, wir alle haben die unabweisliche Pflicht, unter Einsetzung unserer ganzen Kraft an der hohen Volksausgabe mitzuarbeiten. Untadlig und vorbildlich, wie unser hochstehendes jüdisches Geistesleben, soll unser tägliches Beten sein, unser Berufsleben, unser'Wirtschaftsleben. Es Ml getragen, durchtränkt und durchglüht sein von reinster Gesinnung und höchster Gesittung. Tann dürfen wir uns ohne Ueberyebung den Sittenlehrmeister der Menschheit nennen und uns der Sinaibotschast freuen: „Ihr sollt mir em Kleinod sein unter allen Völkern." Die jüdische AbkKlung der Pressa Im Obergeschoß der Westhalle haben eine Reihe von jüdischen Organisationen und Verlagen ihre Schriften und Zeitungen nachbarlich nebeneinander ausgestellt. Am wirkungsvollsten unstreitig der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der — seinen Tendenzen entsprechend — in der „Jsop" lediglich durch eine kunssbolle Vitrine vertreten ist und das Schwergewicht seiner Ausstellung in die allgemeine deutsche Schau verlegt hat. Herr Israel von der Firma L. Tietz A.-G. schmückte die Wand des C. V.-Standes wirkungsvoll und sinnentsprechend aus. Ein breites Band mit zweckverdeutlichender Inschrift durchzieht, leicht geschwungen, die Bilder einer Kirche, einer Fabrik, einer Schule, eines Parlamentes und eines Hochhauses. So trägt der C. V. Aufklärung in alle Schichten des Volkes, um das Vomrteil zu vernichten. — In den glasbedeckten Tischen reihen sich wertvolle Handschriften aus der Entstehuugszeit des C. B. (1893), Geschäftsberichte, Bände der Allg. Zeitung des Judentums und des Vorläufers der C. V.-Zeitung, der Monatsschrift „Im deutschen Reich" in chronologischer Ordnung aneinander. Gekrönt wird das Ganze durch die Auslage der Werke des P hilov erlag es, die würdig die geisttgen Energien der mächtigsten deutsch-jüdischen Organisation repräsentieren. Die Vereinigung für das liberale Judentum und ihr Organ, die Jüdisch-liberale Zeitung, die als Künderinnen eines rein religiösen Prinzips ihre Idee nicht so sinnlich-anschaubar darstellen können, haben eine Reche von Schriften liberaler Führer und eine Anzahl besonders gehaltvoller Nummern ihres Blattes ausgelegt. Das Material wird in allernächster Zeit hier und auch in der Jsop ergänzt werden. Das Hamburger Jsr. Familienblatt, über dessen Koje in der Jsop wir bereits berichteten, wiederholt in der Westhalle in kleinerem Ausmaß das Prinzip seiner Ausstellungstendenz. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten durchsetzt das rein Schriftmäßige seiner Erzeugnisse mit bildlichen Darstellungen und statistischen Zeichnungen. Wer das Material auf diesem Tisch überblickt, dem kommen die Kriegsjahre wieder nahe, und manch bekannter Name von jüdischen Soldaten weckt Reminiszenzen wehmütiger Art. Der Verband nationaldeutscher Juden gruppiert um die Wandinschrift, die uns sein Ziel kündet, eine Reihe von Nummern seiner Zeitung und von Kampsbroschüren. Schließlich sei auch aus die Berliner Reformgem ein de hingewiesen, deren Gebetbuch und Mitteilungsblatt uns ihren Sinn künden. Und wenn zum guten Ende noch die Jüdische Rundschau ihren bis zu diesem Tage leer gebliebenen Tisch gedeckt haben wird, dann mag der Ausstellungsbesucher mit freundlicher Geneigtheit in diesem Raum weilen und die Vielfalt der jüdisch-geistigen Strömungen auf sich wirken lassen. Verschiebung der jüdischen Tuberkuloselotterie Besonderes Entgegenkommen des Herrn Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt hat es ermöglicht, daß die Ziehung der Wohlsahrtslotterie zur Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben vom 5. Juni endgültig aus den 26. September hinausgeschoben wurde. Die hohe Bedeutung des Liebeswerkes und die Fülle der Gewinne (u. a. Perlenkette im Werte von RM. 15 000,—, Wohnungseinrichtung. Auto, Silberkasten, silberne Chanukahleuchter und Sedecschüssel usw.) werden gewiß viele veranlassen, diese günstige Gelegenheit zum Bezüge von Losen noch zu ergreifen; sie sind erhältlich bei der Geschäftsstelle Holzgraben 2, Frankfurt a. M. Die Rechtsgutachten des Jüdischen Gemeindevorftandes Den Schluß des in der vorigen Woche begonnenen Artikels von R.-A. Dr. Ernst Emil Schweitzer können wir infolge von Raummangel erst in der nächsten Nummer veröffentlichen. I Für das Pfingstfest! 1 Ad Animum9 20 Coronas ffnas besonders fein und preiswert! (Sumatra - Sandblatt in hellen Farben). ln Kisten zu 50 Stuck. Cbid&iSHeenicfoe. ifiäS GS ... ' ' — ~ .. ~ Weitere Spitzenleistungen: Hausmarke, Coronitas, 10lj3 cm . . . 12 Pf. Monumcnto, Sultanes, 12 cm . . . .25 Pf. Fachperle, Aromas, 12 cm.15 Pf. Intenso, Eminentes, Sandblatt, 13 cm . 30 Pf. Stegesgötter, Triunfales (Sandbl.) 11 cm 20 Pf. Simpatica, Ideales finos, Sandbl., 13:tiK cm SO Pf!*1 Sämtlich in Kisten zu 50 Stück. Milde, unübertreffliche Sumatra-Qualitäten. Außerordentlich preiswert und vorteilhaft! Rabatt bei Barbezug von Originalkisten, von 500 Stück an 6"/o- Portofreie Zusendung innerhalb Deutschlands von M. 20.— an. i u Pä fraazSsische Str.ll ♦ hass ata Zoo * Haptischer Platz 9 * höchste 59 » tnerteiä * XSaigsterg L Pr. * Cefpzlg w*mm w* WW Merkur 5741—*2, 4160 Budapester Str. 9a Ecke