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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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seinem vorzüglichen Werke: Das Judentum und seine Umwelt, 4. Abschn. S. 6« st. (Proselyten . . . Proselytismus! dargelegt. Wenn übrigens Herr Dr. Merzbach durch Prüfung der dort angesührten Originaltexte (insbes. S. 78/79) sich davon überzeugt haben wird, wie weit sein Standpunkt von der „brüderlichen Proselytenfreundlichkeit "des echten Judentums »ich entfernt hat, dann bitten wir ihn noch, in dem gleichen Buche die eindringliche Erläuterung zu der auch von ihm als Grundstelle für die Reinheit der jüdischen Familie angeführten Bibelworte (5. B. M 23, 2—9) nachzulesen. Wir teilen insoweit die Meinung der gesamten Tradition, daß an jener Stelle gewissen Gruppen die Ehegemeinschaft mit Juden verwehrt oder erschwert werden sollte. Wer in diesem Zusammenhänge aber der „Mamzer" sei (ein Wort, das nur hier und Sacharchia 9, 6 vorkommt) ist sprachlich völlig dunkel und wurde nur volksmäßig zum Ausdruck für jeden Abkömmling aus verbotener ehelicher Verbindung (nolad bibeila assura) gestempelt. Wenn Dr. M. nun vor einer „Mamzcr-Generation" warnt, es aber wie er betont, die Abkömmlinge selbst nicht entgelten lassen will, die sa an ihrem Dasein völlig unschuldig sind, so hat sein Warnruf nur einen Sinn, wenn er die Eingehung verbotener ehelicher Verbindungen bekämpfen will. Er wendet sich dann aber an die salfche Adresse! Wo immer sich liberale Rabbiner entschließen, einen Scheidebrief ohne das letzte Tüpfelchen der Schreib- (nicht der Schrift-) regeln zuzulassen-, und wo ferner Proselytinnen von ihnen in das Judentum ausgenommen sind — beidemale sind sie nicht nur in gutem Glauben, sondern in vollem Recht. Sie werden es daher nickt dulden, daß man jüdische Ehen bemäkelt; sie treten dafür ein. daß jedem Juden und jeder Jüdin der Adel reiner Geburt besonders in sittlicher Beziehung zusteht und unantastbar bis zum klaren Beweise des Gegenteils verbleibt. Will die Orthodoxie sich etwa dazu hergeben, schwarze Listen anzulegen, um Juden von Juden zu trennen? Ist es Herrn Dr. M. nicht bekannt, daß ein rabbinischer Bann darauf ruht, gegen dieGeltung eine Keinmal gegebenen r:ch erbeb rieses auszu treten? Warum beunruhigt er in seinem Eifer jüdische Ehen, die mindestens in bestem Glauben geschlossen und? Wie nicht anders zu erwarten, begründet Dr. M. mit unserm freieren Standpunkt im Gebiete des Familienrechtes die völlige Trennung seiner Gesinnungsgenossen vom „Liberalismus". Wer sich absondern will, findet immer Gründe und Vorwände. Trennungsorthodoxie wird immer mehr zur Sekte. Vorwärtsschreitendes Judentum voll Kraft und Leben verbürgt allein der Liberalismus. „Das unbekannte Heiligtum" Ein Wort gegen die PaMöre-Verhimmelung. Von Hugo S p i e g l e r. Es ist gewiß für das Judentum sehr schmeichelhaft, wenn sich zu seinen Grundsätzen und seiner Poesie ein Christ bekennt. Noch dazu, wenn dieser Bekenner kein Durchschnittschrist ist, der vielleicht von seiner eigenen Religion zu wenig weiß, um gegen den Zauber eines anderen Ritus, in dessen Bann er zufällig irgendwie gerät, gewappnet zu sein, sondern ein Mann, der, zum katholischen Pfarrer bestimmt, katholische Theologie studiert, sich aber auch im Protestantentum umgesehen hat und eine Zeit lang in dessen extremster Form, der Heilsarmee, aktiv hervorgetreten ist, dem Christentum also in dessen mannigfaltigsten Formen einigermaßen auf den Grund gegangen ist. Man kann es daher weiten jüdischen Kreisen, die durch Lobsprüche Andersgläubiger auf das Judentum nicht allzuverwöhnt sind, wahrlich nicht verargen, wenn sie das bekannte, im Heine-Bund verlegte Buch Pallieres als ein beredtes Zeugnis für die gewaltige Bekehrungskraft des Judentums bejubeln. In Wirklichkeit ist es aber nichts weniger. Ich will nicht davon sprechen, daß der Autor die äußere Konsequenz seiner angeblich inneren Ueberzeugung n i e gezogen hat. Wir haben volles Verständnis für die Tragödie des Marranentums, das sich äußerlich zu einem anderen Glauben bekennen mußte als zu dem im Innern umso inbrünstiger festgehaltenen Judentum. Warum sollten wir also gegen einen Mann, der niemals zuvor dem Judentum angehört hat, unduldsamer sein? Man darf aber, wie es seltsamer Weise fast allgemein geschieht, nicht übersehen, daß das Christentum für Palliere durchaus nicht zu einer äußeren Hülle verdünnt erscheint, sondern z u t iefst in seinem Innern verankert bleibt. Ein Beweis für viele: Dieser „Gesinnungsjude" fährt nach Italien, um mit einem dortigen Rabbiner die letzten Schritte seines Eintritts ins Judentum zu besprechen. Und auf dieser Reise nimmt er Audienz beim Papst und erfleht dessen Segen für seine Mutter!! Solch ein Vorgehen, das auf jeden feinfühligen Leser ohnehin äußerst peinlich wirken muß, wäre doch ein ganz schamloses Gaukelspiel, wenn der Autor innerlich an die Kraft des päpstlichen Segens nicht mehr glaubte! Was Palliere wirklich glaubt und was er nicht glaubt, das finde ich in seinem Satze formuliert: „Nicht gegen die Gebräuche und die Sakramente lehnte ich mich auf, denn ich liebte und v e r st a n d ihre Sprache, sondern gegen die Materialisierung des Göttlichen in einem exklusiven und endgültigen System." Was hier „die Sprache der Sakramente" genannt wird, ist das mystische Element der Religion. Dieses behält Palliere lieb beim Christentum und gewinnt er lieb beim Judentum. Das ist seine ganze „Bekehrung"! So erklärt sich auch das scheinbare Paradoxon, daß er, der selbst nie restlos im Judentum aufgegangen ist und bestenfalls bei einem verschwommenen „Noachismus" landete, für die Juden den religiösen Liberalismus ablehnt und nur die Orthodoxie anerkennt! Bei jemandem, der sich nur zum M y st e r i u m des Z e r e m o n i a l s hingezogen fühlt, ist das ganz selbstverständlich. Für das rein ethische Moment im Judentum zeigt Palliere kein Verständnis. Sagt er doch ausdrücklich, daß das Moralische im Christentum schöner und besser verwirklicht erscheint. Es hat keinen Sinn, hierüber zu streiten, aber den Verkünder solcher Ueberzeugungen kann man doch nicht als Glaubenszeugen für das Judentum gelten lassen! Was an seinem Buche ungetrübten Genuß verschafft, sind die literarischen Kabinettstücke, in denen er Stimmungen aus dem jüdischen Gottesdienst und Familienleben gibt. Die Poesie des Jaum Kippurs, des Freitagabends kann niemand vollendeter schildern. Wer aber diese k ü n st l e r i s ch e Tat mit einer religiösen verwechselt und ihvethalbsn Palliere für einen Juden hält, der muß de^elben Logik zufolge Liebermann für einen Christen erklären, weil der große Maler in einzelnen Jugendwerken christliche Motive meisterhaft gestaltet hat. Jeder Künstler fühlt sich durch das Stimmungsvolle, durch das die Religion - nicht bloß die eigene — zum menschlichen Gemüt spricht, angezogen. Ueber das reine Stimmungsmoment hinaus aber ist das Judentum auch für Palliere leider nur geblieben: ein unbekanntes Heiligtum... Toleranz-Parolen an deutschen Universitäten Wie aus Würzburg gemeldet wird, hat sich — dem Beispiel des Rektors der Universität Köln folgend — nun auch der Rektor der Universität Würzburg, der katholische Theologe Dr. Hehn, in seiner Rektoratsrede an seine Studenten mit dem Appell gewandt, sich jeder Ueberheblichkeit zu enthalten, die darin liege, daß eine studentische Gruppö der anderen die vaterländische Gesinnung abspricht. Er mißbilligte scharf den Ausschluß jüdischer Korporationen bei Universitätsfeierlichkeiten, wie sie z. B. auf dem letzten Würzburger Studententag erfolgt ist. Die demokratische Presse hofft, daß auch an anderen Universitäten führende Mitglieder des Lehrkörpers Toleranzparolen ausgeben werden. (Jta) Vom Lebenswerk Bernhard Breslauers An die Redaktion Berlin, den 7. Mai 1928. der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Berlin SW 48 Wilhelmstraße 147 Sie haben ut Ihrer Nummer vom 23. März meinen Ansführungen „Vom Lebenswerk Bernhard Breslauers" Platz gewährt. Ich werde daraus aufmerksam gemacht, daß in diesen Aussübrungcn noch verschiedene Lücken enthalten sind, die mich bei der Vielseitigkeit der Tätigkeit des Verstorbenen jrellich nicht überraschen. So ist der Tätigkeit Bernhard Breslauers im Russen- Komitee von l89l bereits die Mitwirkung m einem gleichen Komitee rm Jahre 1882 voraufgegangen. Schon damals war infolge von Pogromen eine Durchwanderung Tausender russischer Juden durch Deutschland erfolgt, die von dem Komitee unterstützt und geregelt wurde. Außer sür das zweite Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Pankow ist Bernhard Breslauer auch im Vorstand, zeitweilig als Vorsitzender, des Mädchenhauses Pankow tätig gewesen, m dem jüdische junge Mädchen zu Hausangestellten erzogen werden. Unter den Dokumenten der Freundschaft fehlt das Gedenkblatt, das der Verstorbene Hermann Makower gewidmet hat, seinem allzeit verehrten väterlichen Freunde, mit dem er auch in den oben angeführten Organisationen gemeinsam gearbeitet hat und der, als Bernhard Breslauer in das Gemeindelcbeu eintrat, Vorsteher der Repräsentantenversamm- Billige Pfinqsi Angebote Enorm billig Lido - Sandalen weiss und beige Leinen mit farbigem Lederbesatz 50 Unser Schlager! 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