Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613967--2712-2620215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

schließlich Württembergischer Landlagsabgeordneter, sogar nach der Revolution kurze Zeit Innenminister. (). Hugo Heimann, Mitinhaber des bekannten juristischen Berlages, langjähriger Stadtverordneter und seit seinem 70. Geburtstage im vorigen Jahre Ehrenbürger von Berlin. 7. Hugo Hernemann, Rechtsanwalt und Syndikus des Vorwärts, nach dem Umschwung Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Reichsjusiizamts er starb bereits 1919. Auch der Finanzminister im „liberalen Musterländle" Baden, schon im kaiserlichen Deutschland der 80er und 90er Jahre, Eilst älter, ein glaubenstreuer Jude, im Parlament ein schlagfertiger Debatteur, darf nicht unerwähnt bleiben. E., vielseitig gebildet und kenntnisreich auf den verschiedensten Gebieten, war aus dem Banksach hervorgegangen. In dem damals so feudalen Preußen hat es ebenfalls einige Minister jüdischer Herkunft gegeben. Freilich waren es Tausjuden bezw. Neuchristen. Es waren dies der Justizminister Tr. Friedberg und der landwirtschaftliche Minister Dr. F r i e d e n t h a l. Elfterer war aus Märkisch-Friedland gebürtig, vormals einem jüdischen Zentrum Westpreußens. Daher der bei uns Juden so häufig vorkommende Name Fried län der. Ein Jurist dieses Namens, Stadlrichter in Breslau. Ein Bruder von Max F., dem Gründer der „Neuen Freien Presse" in Wien und Vetter Lassalles, aber konvertit, war Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses in der Äonfliktszeit und noch in den 90er Jahren „freisinniger" Reichstagsabgeordneter für einen schlesischen Wahlkreis. Aus Schlesien stammte gleichfalls der Minister für Landwirtschaft in den 70 er Jahren Dr. Friedenthal-Gießmannsdorf, national-liberal, während der Justizminister Friedberg, der am 22. März 1848 beim Umritt des Königs Friedrich Wilhelm IV. die schwarz-rot-goldene Fahne schwenkend voranging - der Assessor Friedberg war damals in aller Mund - aus einem lauwarmen „Konstitutionellen" sich allmählich zu einem waschechten Konservativen und wahrscheinlich auch gläubigen Christen entwickelte. Bei dem Namen Friedberg fällt uns eine Unterlassungssünde ein. Wir hatten vergessen, den .Hallenser Professor für Staatswissenschaft Dr. Robert Friedberg, Sohn eines Berliner Seiden- und Modenwarenhändlers, zu erwähnen. Bon Anhänglichkeit an den alten Glauben besaß Friedberg keine Spur. Früh wandte er sich, um mit David Friedrich Strauß zu sprechen, dem neuen Glauben zu. Gleichwohl soll er, der lange Zeit hindurch Führer der natiivnalliberalen Partei im preußischen Abgeordnetenhause, von 1893 bis 1898 auch Reichstagsabgeordneter für Bernburg war, nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Seine Tochter, Frau Regierungsrat Garnich, natürlich evangelisch-lutherische Christin, gehörte dem Parlament zusammen mit ihrem Mann als Mitglied der Deutschen Volkspartei an. Nach der Revolution entdeckte Robert Friedberg plötzlich.sein demokratisches Herz: vorübergehend war er Reichsminister. Um mit einer erfreulicheren Erscheinung die Liste der jüdischen Abgeordneten abzuschließen, nennen wir den Hamburger Großkaufmann Markus Wolf H i n r i ch s e n , Vertreter seiner Vaterstadt im norddeutschen Reichstag. Er war ein prachtvoller Mensch, zugleich lebte er streng religiös, sodaß bei parlamentarischen und Hof-Diners für ihn ein koscheres Menü zubereilet wurde. Schließlich haben wir für Hessen infolge von «Unzulänglichkeit der zugrundeliegenden Quellen noch einige kleine Unstimmigkeiten festzustellen: a) Hirschhorn, Mitglied der 2. Hessischen Kammer der Landstände, war nicht Kaufmann, sondern Rechtsanwalt in Gießen. b) Nicht Bankdirektor Otto Wolfskehl in Darmstadt war Urheber des Vermächtnisses über den Fermat'schen Satz, sondern dessen Bruder, Privatdozent für Mathematik an der dortigen technischen Hochschule Dr. Paul W o l f s k e h l. c) Nicht Buchhändler Philipp Langenbach, sondern Fabrikant Wilhelm Langenbach war kurze Zeit Abgeordneter der hessischen Kammer. Dr. Oskar S i n c e r u s, Charlottenburg. Line Zuschrift Berlin-Schöneberg, den 15. Mai 1928. Bozener Straße 18. An die Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung Berlin S.W. 48. Sehr geehrte Redaktion! Der meine Person behandelnde Abschnitt des Artikels „Jüdische Parlamentarier in Deutschland" in Ihrer Nummer vom 11. dS. enthält einige Jrrtümer, die ich gern richtigstellen möchte. Erstens ist es nicht ganz richtig, daß ich von meiner Partei „dieses Mal nicht wieder aufgestellt worden" bin. Ich bin vielmehr, obwohl die sozialdemokratische Organisation deS bisher von mir vertretenen Wahlkreises Teltow-Becskow beschlossen hatte, mich wieder als ihren Kandidaten vorzuschlagen, freiwillig von der Kandidatur zurückgetreten, um in Anbetracht meines vorgerückten Alters, ivie aicch andere bejahrte Genossen, jüngeren Kräften der Partei den Weg frei zu machen. Zweitens ist es ein Irrtum, daß ich, als ich den „Unabhängigen", angehörte, mich „dem Ukas der Parteileitung fügte und „religionslos" wurde". Einen „Ukas", der den Parteimitgliedern vorschricb, aus ihrer Religionsgemeinschaft auszutreten, hat keine sozialdemokratische Parteileitung je beschlossen. Er würde dem Grundsatz des sozialdemokratischen Programms „Erklärung der Religion zur Partcisacbe" ins Gesicht geschlagen haben. Ich bin im Jahre 1877, als noch kein Mensch in der Sozialdemokratie an eine Unabhängigcnbewegung dachte, im Anschluß an eine Agitation für den Austritt aus der Landeskirche, die der damaligen sozialdemokratischen Parteileitung durchaus nicht angenehm war, ails der jüdischen KulluSgemeinschafi ausgetreten. Drittens und schließlich habe ich zwar einige Male in Versammlungen der Poale Zion, denen ich bciwühnte, das Wort genommen und die Berechtigung ihrer Agitation bestimmten Tendenzen gegenüber sowie andere Verdienste ihrer Arbeit gern anerkannt, ihr aber, wie ich jedesmal betonte, nie als Mitglied angchört und daher auch nie für sie als Beivegung so vorbehaltlos Partei genommen, daß ich aus das Prädikat „aufs kräftigste unterstützt" Ansvrnch erheben durfte. So muß ich cs denn dem geehrten Verfasser überlassen darzulegen, in welchem Punkt meines Verhaltens er einen „Zwiespalt der Narur" entdeckt zu haben glaubt. Eduard Bernstein. * I Aus der Bewegung Liegnitz. (Liberaler Verein der S h n a g o g e n gemeinde zu L i e g n i tz.) Wie alljährlich, hat der „Liberale Verein der Synagogengemeinde zu Liegnitz" bei Abschluß des Winterhalbjahres 1927/28 einen Jahresbericht vorgelegt. Der Bericht zeugt von außerordentlicher Rührigkeit und Lebendigkeit unserer Liegnitzer Freunde. Es haben nicht weniger als 22 Veranstaltungen stattgesunden, von denen die wichtigsten hier aufgezählt seien: 4. 4. 1927: Vortragsabend, Rednerin: Frau Paula Ollendorsf-Breslau, Thema: „Judentum in Amerika". 7. 11. 1927: Vortragsabend, Rednerin: Fräulein Lotte Rosenthal-Breslau, Thema: „Plaudereien über Prag". 18. 11. 1927: Freitagabcndfeier, anschließend Referat von Ludwig Lewin-Berlin über: „Gabriel Ricßer". 5. 12. 1927: Vortragsabend, Redner: Rabbiner Dr. Iwan Grün-Frankfurt a. O., Thema: „Das Judentum als Entwicklungs-Religion". 19. 12. 1927: Chanukah- Feier. 14. 1. 1928: Jli-Ball (Kostümfest), Motto: „Im Eircusfoyer". 30. 1. 1928: Vortragsabend, Redner: Rechtsanwalt Dr. Scheyer-Liegnitz, Thema: „Ein kleiner Prophet", von Edmond Fleg. 10. 2. 1928: Freitagabendfeier, anschließend Referat von Fräulein Dr. Ellen Littmann-Berlin über: „Herder und die Bibel". 22. 2. 1928: Vortragsabend, Redner: Dr. N. Birnbaum-Berlin, Thema: „Der Weg des Judentums in der Weltgeschichte". 26. 3. 1928: Musikabend Lilli Liebrecht: „Lieder zur Laute". 18. 4. 1928: Vortragsabend, Redner: Pr. N. Birnbaum-Berlin, Thema: „Der Weg des Judentums in der Weltgeschichte". 26. 3. 1928: Musikabend Lilli Liebrecht: „Lieder zur Laute". 18. 4. 1928: Vortragsabend, Redner: George Goetz-Berlin (Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum e. B.), Thema: „Ideen- und Stammesgemeinschaft". Geschäftliches. „25000 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren können sich an unserem Kinder-Weltbewerb beteiligen." Unter diesem Motto kündigte das bekannte Schuhwarcnhauk' Carl Stiller einen Kinder-Wettbewerb an, der wegen der interessanten Aufgabe, wegen seiner' neuartigen und originellen Aufmachung und der wertvollen in Aussicht gestellten Prämien bei der ganzen Berliner Jugend größten Jubel hervorgerufen und in weitesten Kreisen leb- Hasteste Beachtung gefunden hat. Der Rhythmus unserer Zeit läßt im allgemeinen ein Wettbewerbausschreiüen als etwas selbstverständliches erscheinen, wenn eS sich, >vie es bisher üblich war, um die Lösung von Rätseln oder die Abfassung von Werbeversen handelte. Hier ist endlich mal etwas »virklich Neues geschaffen. Mit feinem Verständnis ist aus die Psychologie und die Wünsche des Kindes eingegangcn. Die Kinder brauchen Anregung, sie wollen etwas Neues, sie wollen sich so gern mit jugendlichem Tatendrang hervortun. Wenn es gar gilt, ein Paddelboot zu erringen oder ein Fahrrad, dann werden sic sich bei der Lösung der gestellten Ausgabe ganz besondere Mühe geben und einen heiligen Eifer entwickeln, einander zu übertrcsfeu. Ein bis ins kleinste ausgearbeiteter künstlerischer Modellierbogen ist zusammenzusetzen. TaS reizt die Jugend. Sie ivill nicht nur spielen, sondern ivill auch beim Spielen zum Nachdenken angeregt sein und will probieren, basteln und erfinden. Da kann man es wohl verstehen, daß ein förmlicher Ansturm der Berliner Jugenv aus die Stiller Geschäfte eingesetzt hat. Wer mit offenen Augen durch die Siadt geht, wird beobachten können, wie überall aus den Straßen, in der Untergrundbahn, aus den Straßenbahnen die kleinen Träger der großen Wettbewerbsausgabe mit frohen und erwartungsvollcn Gesichtern die Modellierbogen nach Hause tragen. Aus den <?higin taiin man lesen, daß jedes Kind sich dessen gewiß ist, das Paddelboot, oder ivenigstens eines der 10 Fahrräder oder einen Photoapparat zu erringen. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Großzügigkeit decmoderncn KausmannSgeistes, daß hier ein neuer Weg geschaffen ist, den zum Spielerischen neigenden kindlichen Sinn in einer Heben?- würdigen, gefälligen Weise zu einer selbständigen Arbeit anzuregen, die nicht nur einen Bildungswert hat, londern auch ein richtiges kleines Kunstwerk darftellt. Nach schwerer Krankheit ist unsere teure Freundin und liebe Mitarbeiterin Frau Henriette May von uns und aus unserem Arbeitskreise genommen worden, dem sie als Mitbegründerin unserer Organisation und als Mitglied unseresVorstandes und unserer Geschäftsführung, bis zuletzt in unermüdlicher Tätigkeit, zugehörte. Die immer und überall zur Hilfe Bereite, allen großen Gedanken Offene, die Gütige und Versöhnende steht in der Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit ihres Wesens heute und allezeit vor uns. Wir gedenken in Dankbarkeit ihrer großen und segensreichen Arbeit. Berlin, 16. Mai 1928 Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden IM INNERN FRIEDEN Wählt DAS WILL DIE DEUTSCHE Der Jüdische Frauenbund hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Seine Mitbegründerin Frau Heiriette mag ist nach schwerer Krankheit am 14. Mai sanlt entschlafen. Sie war Vorbild in ihrer unermüdlichen treuen Pflichterfüllung,ihrer stets gleichbleibenden, Menschen verbindenden und Gegensätze ausgleichende Güte und in ihrer unendlichen Bescheidenheit. Die Lücke, die ihr Scheiden hinterläßt, wird in den Reihen desBundesunausgefülltbleiben. Henriette May wird in unserer Arbeit und in unserem Kreise fortleben. Jüdischer Frauenbund für Deutschland und Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes Israelitischer Gottesdienst in Arankstrrt/2N. Liberaler Ritus: Hanptsynagoge. Freitag, d. 18. abds. 7. Sonnabend, d. 19. 5., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Salzberger, nachm. 4, Sabbat-AnSg. 9.06. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Königsteiner Straße. Freitag, d. 18. 5., abds. 7.35. Sonnabend, d. 19. 5., FrühgotteSdienst 6.30, morg. 8, nachm. 4.30, Vortrag des .Herrn Rabb. Dr. Hoffmann für junge Leute: „Tie Grundlehren des Judentums im Anschluß an MaimonideS": abdS. 8, Bortrag des Herrn Dr. Eschwege: „Schowuausgedonkcn": Sabbat-Ausg. 9.05. Wochengottcsdienst: morg. 6.15, abds. 7.15. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, den 18. 5., abds. 7, Predigt Rabb. Dr. Seligmann. Sonnabend, d. 19. 5.. morg. 9. Wochengottesdienst: morg, 7.30, abds. 7. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 18. 5., abds. 7.30. Sonnabend, d. 19. 5., morg. 8.45, Nvrtrag des Herrn Rabb. Dr. Horovitz, nachm. 4, Sabbat-Ausg. 9.05. Wochengottesdienst: morg. 6.30. Israel. Krankenhaus Gagerustr. 36. Freitag, b. 18. 5., abb§. 7.35. Sonnabend, d. 19. 5., morg. 8, nachm. 4. i In der hiesigen jüdischen Gemeinde soll die Stelle eines zweiten Rabbiners alsbald besetzt werden. Als Bewerber erwünscht sind junge Rabbiner, die neben der Eignung zum Kanzelredner und Seelsorger besondere Fähigkeiten als Religionslehrer besitzen und imstande sind, der Jugend Freund und Führer zu sein. Anlangstixum zirka 6000,- M. Einstufung in die entsprech. Besoldungsgruppe sowie Pensionsberechtigung erfolgen nach Staatsgrundsätzen. Bewerbungen sind zu richten an d. Vorsitzenden d. Vors'andes. der Spa ogen-üemeinde Die Erste Weltkonferenz liberaler Juden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressiv!. Iudaism London, 10.—12. Juli 192t: Preis: im Buchhandel M. 1.8fr für Mitglieder d. Vereinigung, die bei uns direkt bestellen M. 1.— Vereinigung für das liberale Judentum E.V< '■Berlin SW 48. A i-belmsfiaße 147 Hier fehlt ihr Inserat Malerarbeiten jeder Art Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Fassaden etc. Robert Gutheim W50, Kulmbacherstr. 7, Fernspr.: Lützow 6260 Kostenanschläge gratis Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lützow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 Moorbad Pommertche Schwebt 10 Kuranstalten _ _Auskunft: Badeverwaltuno, Rarmittel: Moor-, Stahl-, Fichtenn&del-, kohlensaure, elektrische Bfcder gegen Rheumatismus, Rieht, Ischias,Frauen-, Nerven-u.Herzleiden. _ Glanzende Heilerfolge - Reich an N aturachönh eiten - B, III gePrelaat F OLZIN Verlag: Bereinigung f-ür das liberale Judentum e. V., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NW- 23. — Druck: Hermann Wegner üe Co., Berldv-Mariendors.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.