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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-18 · 20 (18.5.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
20 (18.5.1928)
Date
1928-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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einer aufsteigenden Linie bewigen, zeigen die rein jüdischen Eheschließungen aus Gründen, die in keinem Zusammenhang stehen mit der Tendenz zu Mischehen, dauernde Senkung. Um so weniger ist eine einfache Gegenüberstellung der eheschließenden Personen in den rein jüdischen und Mischehen in bezug aus die letzten Jahre zulässig; denn beide Bergleichsreihen, die der Mischehen und die der rein jüdischen Ehen, müssen sich notgedrungen in völlig verschiedenen Richtungen und mit einem völlig verschiedenen Tempo bewegen.! Die Zahl der rein jüdischen Eheschließungen muß unter dem Einfluß der wirtschaftlichen Depression des Landes sehr viel erheblicher sinken als die Zahl der Mischehen, die ja in der Regel hauptsächlich unter den höherstehenden, bemittelteren Klassen geschlossen werden. Die dauernde Verringerung der Anzahl der rein jüdischen Eheschließungen wird daher mechanisch ein Ansteigen des Prozentsatzes der Mischehen bewirken, obwohl es keinen inneren Zusammenhang gibt zwischen vcn beiden Erscheinungen. Wollen wir diese Verhältnisse durch ein Beispiel aus einem anderen Gebiete erläutern. Denken wir uns den Fall, daß innerhalb irgendeiner Bevölkerungsgruppe die Sterblichkeit an akuten Infektionskrankheiten dauernd sinkt, die Sterblichkeit an Tuberkulose dagegen dauernd aus derselben .Höhe bleibt. Es belaufe sich beispielsweise die Gcsamtsterblichteit dieser Bevölrerungsgruppe für das Jahr 1900 auf 10 000, die Sterblichkeit an Tuberkulose auf 1000, d. h. auf 10 Prozent der Gesamtsterblichkeit. Im Jahre 1910 betrage die Gesamtsterblichkeit infolge des Nachlassens der Epidemien nur noch 8000, die Sterblichkeit an Tuberkulose dagegen bleibe ebenso hoch wie vordem und belaufe sich also auf 1000, was einen Sterblichkeitsanteil der Tuberkulose an der Gesamtsterblichkeit in Höhe von 12,5 Prozent ergeben würde. Es wäre sicher ° falsch, aus diesen statistischen Daten zu schließen, die Tuberkulosesterblichkeit habe von 1900 bis 1910 zugenommen. Ebenso falsch aber ist es auch von einem Anwachsen der Mischehen, nur auf Grund ihres numerischen Verhältnisses zu den rein jüdischen Ehen, zu sprechen. Ein klares und unverfälschtes Bild gewinnen wir erst dann, wenn wir das Verhältnis der Mischehen zur jüdischen Gesamtbevölkerung des Landes berechnen und die Bewegungen der rein jüdischen und der Mischehen getrennt vergleichen. Bedienen wir uns dieses Verfahrens, so ermitteln wir folgende Werte. Die Zahl der jüdischen Personen, die Mischehen eingingen, betrugen in ganz Deutschland.' Iah: in absoluten Zahlen auf je 1000 der jiib. Bevölkerung 1901 658 1,1 1905 819 1,4 1910 1003 1,6 1914 1344 2,2 1925 1413 2,5 1920 1315 2,3 1926 entfällt auf je 1000 der jüdischen Bevölkerung genau dieselbe Zahl Mischehen eingehender Juden wie im Jahre 1914 und nur doppelt soviel wie Anfang des heutigen Jahrhunderts." Dieser Abschnitt der eingehenden Untersuchungen Koralniks, die hier natürlich nur in einem kleinen Ausschnitt! wiedergegeben werden können, schließt: „Im Lichte der erörterten Statistiken und nach ihrer Interpretation vermittels eines konsequenten und logisch einwandfreien Verfahrens wird es offenkundig, daß das Gerede von der „Mischehenepidemie", von dem Ueberhandnehmen der Mischehen usw., das in der deutsch-jüdischen Presse nicht still werden will, vages Hirngespinst und haltlose Phantasie ist. Es ist bedauerlich, daß namhafte statistische Kapazitäten durch ihre nach alter Routine und überlieferten Methoden gemachten Feststellungen wesentlich dazu beitragen, daß das phantastische Märchen von dem grauenhaften Anschwellen der Mischehengefahr sich in alle Welt ausbreitete, die öffentliche Meinung beunruhigte uub die jüdische Gemeinschaft Deutschlands in Verruf brachte." Der Aufsatz sollte von allen im jüdisch-sozialen oder Gemeindeleben Tätigen eingehend gelesen werden, insbesondere auch von den Mitgliedern des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, dessen Ausruf an die jüdische Bevölkerung in ihm als verfehlt erwiesen wird. Fürsorge für schwer erziehbare Kinder Vor kurzem tagte zu Marburg a. L. unter dem Vorsitz des dortigen Provinzialrabbiners Dr. Cohn das vorbereitende Komitee für die Gründung eines israelitischen Erziehungsheimes für schwer erziehbare Kinder. Zu der Sitzung waren außer dem Vorstande und einigen Kuratoren des bisherigen Israelitischen Schüler- und Lehrlingsheimes zu Marburg a. L. Vertreter von Landesverbänden der israelitischen Gemeinden, des Hessischen Logenverbandes und der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden erschienen. Der Vorsitzende verlas die eingegangenen Begrüßungsschreiben und konnte feststellen, daß die Landesverbände der Synagogenge- Versammlungskalender ★ - Sresüra. Jli „Abraham Geiger". Montag, den 21. Mai, abends 8.15 Uhr, zwangloses Beisammensein im Südpark-Restaurant (bei ungünstigem Wetter im Saales. Sonntag, den 27. Mai (Pfingsten): Wanderung über Hohe Eule nach Charlottenbrunn (bei ungünstigem Wetter zunächst direkte Fahrt nach Charlottenbrunn). Abfahrt 5.42 Uhr früh Hauptbahnhof Bahnsteig 5. Treffpunkt 5.15 Uhr früh pünktlich vor dem Nord-Hotel. Sonntagsfahrkarte 4. Klaffe bis Wüstewaltersdorf (Mk. 4,—) bitten wir selbst zu lösen. Nähere Auskunft erteilen: Ludwig Freund, Neudorfstratze 37, Fernsprecher 33320, und Alfred Berger, Augustaftraße 67, Fernsprecher 37754. Rege Beteiligung und Einführung von Gästen bei allen Veranstaltungen erbeten. Dortmund. Laut Borstandsbeschluh wird unsere Ortsgruppe ab Montag, den 21. Mai, 14 tägig zwanglose Mitgliederzusammenlünfte veranstalten. Dieselben finden abends 8.30 Uhr im Römerzimmer des Köln. Hofes statt. — Montag, den 21. Mai, wird Frau Vorreuter ein kurzes Referat halten. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162 a): Freitag, den 18. Mai. abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 19. Mai, morgens 10 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Schowuaus-Gottesdienste: Donnerstag, den 24. Mai, abends 7.15 Uhr: Predigt Hermann Faltenberg. Freitag, den 25. Mai, morgens 10 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 25. Mai, abends 7.15 Uhr: Predigt Professor I. Friedländer. Sonnabend, den 26. Mai, morgens 10 Uhr: Seelenfeier Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 1. Juni, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Berlln-Wilmersdorf-SchSneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nilolsburger Platz): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 18. Mai, Predigt: George Eoetz. Schowuaus-Gottesdienste: Donnerstag, den 24. Mai, 19.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Freitag, den 25. Mai, 19.15 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier. Predigt: Rabbiner Tr. Salomonski. Karlshorst. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Karlshvrst, und Israelitische Vereinigung Karlshorst-Friedcichsselde. Freitag, den 25. Mai, abends 7.30 Uhr, Gottesdienst mit Seelenfeier (Harmonium und Chor) in der Aula des Kant-Realgymnasiums, Karlshorst, Treskowallee 42-43. Predigt: George Goetz. meinden sämtlicher deutschen Länder sowie die Wohlfahrtsverbände die beabsichtigte Neugründung erfreut begrüßen und sich mit namhaften Beträgen an den Kosten beteiligen wollen. Das Kuratorium des Israelitischen Schüler- und Lehrlingsheimcs, das einst von den Herren Provinzialrabbiner Dr. Leo Munk s. A. und Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen s. A. sowie Bankier Hermann Eichelberg begründet worden ist, will sein Haus, das infolge der inzwischen erfolgten Gründung von höheren Schulen an vielen kleinen Plätzen für seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr gebraucht wird, für das neue Erziehungsheim zur Verfügung stellen. Der Vorsitzende dankte allen denen, die sich schon vor dem (\Cr nannten Tage um die Sache bemüht hatten, und unter ihnen ganz besonders Herrn Rabbiner Dr. H o r o v i tz in Frankfurt a. M., der die Gründung eines solchen Heimes schon seit vielen Jahren anstrebt und mit Eifer verfolgte. Ihm war es in erster Reihe gelungen, den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin für die Sache zu interessieren und zur Bewilligung von 10 000 Rm. zu den Kosten des Umbaues und 5000 Rm. für den Haushalt des ersten Jahres zu bestimmen. Inzwischen haben auch der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden in Halberstadt und andere Landesverbände größere Summen bewilligt, sodaß die Versammlung der Ansicht ist, daß die Anstalt nunmehr gesichert ist und mit dem Umbau alsbald nach den Feiertagen begonnen werden kann, zumal nicht daran zu zweifeln ist, daß die Anstalt, mit deren Gründung eine seit langem schwer empfundene Lücke in der Reihe der jüdischen sozialen Einrichtungen der deutschen Juden ausgefüllt werden wird, sehr bald eine große Zahl von Gönnern auch aus den Kreisen unserer Privaten oft bewährte Wohltäter finden wird. Endlich sei noch erwähnt, daß auch der Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik dem Plane seine volle Sympathie entgegenbringt und der neu zu gründenden Erziehungsanstalt seine Unterstützung zugesagt hat. So wünschen wir dem Unternehmen ein volles Gelingen. V ' ». wX, V ▼» SCHO KOLA D E P R A LI N E N Jüdische Parlamentarier (Nachwort) Bet der Uebersütte des Stoffes, der vom Schreiber dieser Zeilen zum ersten Mal zujammengestellt worden ist, wenigstens hat er trotz aller Nachforschungen in jüdischen sowie politischen Zeitungen und Zeitschriften keine Vorgänger, nicht einmal Vorarbeiten gefunden, höchstens nach den einzelnen Wahlen konfessionelle Registrierungen — ist die eine oder die andere Lücke erklärlich. Deshalb sind der Vollständigkeit halber noch folgende dem Ursvrung nach jüdische Persönlichkeiten, die im politischen Leben als Parlamentarier sich betätigten oder sich noch betätigen, nachzutragen. 1. Durch ein bedauerliches Versehen ist Hugo Haase weggelassen worden. Erst in feinem Geburtsort Königsberg, den er lange Jahre rm Reichstag vertrat, Rechtsanwalt, siedelte er später nach Berlin über. Er war nach Bebels und Singers Hingang Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei, in deren Namen er für 111 Mitglieder in der ewig denkwürdigen Sitzung vom 4. August 1914 die Zustimmung zu den Kriegskrediten verlas. Noch während oes Krieges begründete er die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei". Er blieb zeitlebens ein guter, glaubenstreuer Jude, nach jernem Tode erst setzte sich in seiner Fraktion die religionsfeindliche Richtung durch. Einer der 6 „Volksbeauftragten", zeitweilig mit Ebert Leiter des Staates, ein durch und durch selbstloser Charakter, wurde aus dem Wege zu einer Reichstagssitzung an der Seite seiner Gattin meuchlings ermordet. 2. Sein Schwager war Justizrat Dr. Lichtenstein ui Königsberg, um die Weiide des Jahrhunoerts fortschrittlicher Landtagsabgeordneter für Ostpreußens Hauptstadt. Gleichzeitig mit ihm war fein Fraktionsgenosse 8. Dr. Hugo Gerschel, der bereits verstorbene Mitinhaber der bekannten Berliner Luxuspapierfabrik von Hagelberg. 4. Frau Clara W e y l, geb. Haase, Witwe des verstorbenen Dr. Hermann Weyl, seit der Revolution von 1918 sozialdemokratische Landtagsabgeordnete und Berliner Stadträtin. Sie ist aus der Handlungsgehilfinnen-Bewegung hervorgegangen, die sie schon im Anfang der 90er Jahre ins Leben rief. 5. Berthold Heymanii, ebenfalls ursprünglich Berliner Handlungsgehilfe (in der Wollfirma Bornstein & Bütow), dann Redakteur des Witzblattes „Wahrer Jacob" in Stuttgart:, \S Ö HERRENSTOFF-MANTEL, a sehr gute Qualität- und Verarbeiteng,ganz auf Kunstseide, auch in großen Weiten . 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