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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-05-11 · 19 (11.5.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
19 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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das Arebuth, die unbedingte Solidarität mit allen Juden, mögen sie selber noch so weit abgeirrt sein, ein religiöses Grundgesetz. Ich darf ja nicht einmal indirekt einem sogenannten „liberalen" Juden Beihilfe zum Chillul Schabbos leisten, geschweige denn ihm eine Stelle mit Sabbatentweihung vermitteln-, wie sollte es zulässig sein, eine Stellenvermittlung zu organisieren, von der gläubige, aber schwache oder durch Hunger und Entbehrung zermürbte jüdische Menschen durch den Nachweis von Arbeitsstellen — sofern es an ge eigneten Posten mit freiem Sabbat gebricht -- in den Chillul Schabbos geradezu hineingeführt werden!" Ist diese Auffassung bei der Separatorthodoxie noch verständlich, so ist es doch recht verwunderlich, wenn ein auf dem Boden der Einheitsgemeinde stehender konservativer in das gleiche Horn bläst. Im „Jüdischen Wochenblatt" schreibt Herr Moritz A. Loeb: „Es ist vielleicht zu verstehen, daß jemand den Standpunkt cinnlinml, auch ein jüdischer Arbeitsnachweis müsse heute Stellen vermitteln, die den Arbeitszwang am Sabbat in sich schließen, eine Anschauung, die wir Konser vativen selbstverständlich nicht teilen." Wir wollen abwarten, ob die orthodoxen Bestrebungen zu eitler stärkeren Beobachtung der Sabbatgesetze führen werden und ob die orthodoxen Arbeitsnachweise stärker seinwer - den als die wirtschaftlichen Verhältnisse. Einstweilen wollen wir die orthodoxen Zeitungen nur bitten, sich etwas welliger unl die Liberalen zu besorgen und dafür etwas mehr um ihre ihnen doch sicherlich näher stehenden Zeitungsleser. Im „Israelit" heißt cs: „Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inserate.'teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlicheil Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen." Im Leiborgalr des Herrn Loeb, dem „Indischen Wochenblatt", steht: „Tie Redaltion des „Jüdischen Wochenblattes" übernimmt keinerlei Verantwortung für die religiöse Zulässigkeit der im Anzeigenteil gebrachten Mitteilungell und für die rituell einwandfreie Beschaffenheit der dort angezcigtell Waren." Uns scheint, da können „gläu bige, aber schwache oder durch .Hunger und Entbehrung zermürbte jüdische Menschen", doch nicht nur hungernde, weit eher in das Gebiet der Ueberschreitung des Religionsgesetzes „geradezu hineingesührt werden". Aationaljüdische Politik. Vor kurzem veranstaltete die Gruppe der russischen Zionisten in Berlin einen Tee-Abend, bei dem der Präsident des zionistischen Aktionskomitees und Leiter des Komitees zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten, Leo Motzlin, über die Frage referierte: „Ist eine jüdische Politik möglich, ist eine jüdische Politik notwendig?" Nach dem Bericht der Jüdischen Telegraphen- Agentur beantwortete er die Frage so: „Ohne Betonung der nationalen Idee ist eine jüdische Politik überhaupt nicht zu machen. Sogar die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei Rußlands machen, ohne es sich freilich zuzugestehen, jüdische Politik, welln sie ein jüdisches autonomes Leben in Biro Bidschan erstreben; es ist dies eine Art verfälschter Zionismus. Wilson kam zur Friedenskonferenz mit bestimmten national-ethischen Forderungen, besonders mit bezug auf die Juden. Die anderen Mächte erreichten zunächst die Streichung dieser Forderungen. Erst unter dem Einfluß der Arbeit der jüdischen Delegationen in Paris wurden die Machte gezwungen, die national-ethischen Forderungen der nationalen Minderheiten in die Friedensverträge aufzuneh meu. Tie Geschichtsschreiber werden eS bestätigen, daß die jüdischen Vertreter es waren, die die Idee von Recht und Schutz der Minderheiten als erste aufwarfen und sie durchkämpften. Tie führenden Politiker der anderen Nationen verstehen die jüdische Arbeit aus internationalem Boden nicht anders denn als nationale Arbeit. Sie begreifen nicht, daß man für jüdische Rechte kämpfen könne, ohne Zionist zu sein. Unter den Juden aber gibt es Gruppen, bei denen die so einfache Idee, daß die Juden zum Schutze ihrer Interessen einer einheitlichen Vertretung bedürfen, stärksten Widerstand findet. Unsere Situation gegenüber dem Völkerbund ist darum ungefcftigt: der einzige legale Erfolg, auf den wir hinzuweisen haben, ist das Palästinamandat. Durch die Erkämpsung und Anerkennung des Mandates haben wir Juden aber der Welt einen Wechsel ausgestellt. Ormsby Gore, der Vertreter Englands im Völkerbund, hat den Aufbau des jüdischen Nationalheims auf 10 Jahre befristet. Wenn wir diesen Wechsel nicht einlösen, dann wird unser Mund verstummen, dann werden unsere Freunde zu unseren Feinden werden. Wenn wir aber wollen, werden wir daö Werk glücklich zu Ende führen." < An der Veranstaltung nahmen u. a. auch Tr. Martin Rosenblüth und Tr. Alfred Klee teil. Sie traten aber nicht etwa den Gedankengängen MotzkinS entgegen, die ja Nichtzionisten gegenüber als nationaljüdische Ziele in Deutschland so gern bestritten werden, sondern stimmten begeistert in den Chor derer ein, die aus dem Tee-Abend eine nachträgliche Huldigung anläßlich des 60. Geburtstages MotzkinS zu machen versuchten. Tr. Klee führte, immer nach dem Jta Bericht, in einer Ansprache sogar aus: „Der zu gründende Reichsvcrband der deutschen Juden wird eine Etappe zum Weltverband sein, dann wird hinter den gerechten jüdischen Forderungen ein wirklicher Machtfaktor stehen." Nach einer amtlichen Mitteilung, die in den letzten Tagen auSgegeben wurde, hat eine von den zuständigen Reichs¬ und Staatsressorts eingesetzte Studienkommission dem preußischen Staatsministerium Vorschläge für eine Regelung der Rechte der Minderheitsvölker in Deutschland gemacht und einen bis ins einzelne gehenden Entwurf einer Regelung des Minderheitsschulwesens unterbreitet. Der Entwurf geht von dem Grundsatz aus, „daß das Bekenntnis zur Minderheit in die freie Entschließung des Einzelnen gestellt wird, und daß der Minderheit jeder angehört, der ihr zugcrechneh zu werden wünscht." Falls der Entwurf zum Gesetz wird, wird die Stellungnahme der deutschen Zionisten nicht ohne Interesse sein. Wir zweifeln nicht, daß dann die Herren Klee, Kollenscher, Rosenblüth usw. wieder eine Theorie verfechten werden, nach der für die jüdisch-nationale Minderheit in Deutschland eine Beanspruchung der gewährten Rechte nicht gefordert werden kann. Jüdische Kulturvorschristen auf der Ausstellung „Die Ernährung". Am 5. Mai d. Js. wurde in den Berliner Ausstellungshallen am Kaiserdamm eine Schau „Die Ernährung" eröffnet, die für die Dauer von 100 Tagen '.(bis 12. August) berechnet und dem Verständnis des Laien wie des Fachmannes angepaßt ist. In einem der Ausstellungsräume werden auch die besonderen rituellen Ernährungsvovs schriften illustriert und eine Darstellung des jüdischen Speiserituals gegeben. In der alten Automobilhalle, in welcher die gesamte „Wissenschaft der Ernährung" untergebracht ist, findet man in der Gruppe „Ernährungsregelung" einen weißen Leinwandfries und darauf eine bildliche Darstellung der „Spei- Dersammlungskalender Breslau. Jli „Abraham Geiger". Unser nächstes zwangloses Beisammensein findet Montag, den 21. Mai, abends 8.15 Uhr, im ELdpark- Restanrant (bei ungünstigem Wetter im Saale) statt. Rege Beteiligung und Einführung von Kästen erwünscht. Sonntag, den 27. Mai (Pfingsten), Wanderung über Hohe Eule nach Charlottenbrunn. j * j Gottesdienste jj* j Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (tm Auerdachschen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 11. Mai, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 12. Mai, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 13. Mai, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonsti. Berliu-Wilmersdorf-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Eäcilieuschule, Nitolsbnrger Plah): Jeden Freitagabend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 19.15 Uhr pünttlich. severlwte" der Aegyptcr, Juden, Mohammedaner, Pythagoräer und der katholischen Kirche (Laien- und Mönchsorden). Bei den Juden wird durch farbige Zeichnung erläutert, daß nur der Genuß des Fleisches von „Wiederkäuern mit gespat tenen Hufen erlaubt", hingegen von „Blut und Fleisch gefallener Tiere" verboten sei. Die zweite Abteilung des genannten Frieses ist dem „Fasten" gewidmet. Christen (griechisch-katholische und römisch katholische Kirche), Juden, Mohammedaner und Buddhisten sehen im Fasten eine Religionsübung. Bei den Juden sind als Fastenzeit genannt: die 24 Stunden des Versöhnungstages, der Tag der Zerstörung des Tempels vom Morgen bis zum Abend, verschiedene Tage des Unglücks und des (Bedenkens. die Montage und Donnerstage der Woche vom Morgen bis zum Mittag. In der Abteilung „Geschichte der Ernährung" hängt ein alter Kupferstich „JewS at a luncheon (Or a peep iuto Dukes Place(", eine Rowlandson Karikatur aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, die eine vorhanden fein sollende Gü früßigkeit der Juden illustriert: eine Karikatur von Juden unter 100 Kupferstichen von Andersgläubigen. Diese Abteilung hat mit großer Sorgfalt Dr. Neustütter, der frühere Direktor der geschichtlichen Abteilung des Hygiene Museums in Dresden, zusammengestellt. Dr. Neustätter hat bereits 1922 für „Ose" die Ausstellung „Hygiene der Juden" und später aus der „Gesolei" zu Düsseldorf den Pavillon „Hygiene der Juden" eingerichtet. Dem Reichsverband der deutschen Juden entgegen Die Kommission der deutschen Landesverbände zur Schaffung des Reichsverbandes, ebenso wie die in Nürnberg geschaffene Arbeitskommission der deutschen Landesverbände werden am 3. Juni in Köln zusammentreten. Am 4. Juni wird dann in Köln auch der Große Rat des Preußischen Landesverbandes seine Sitzung abhalten. Die Tagung wird in Köln gemäß einer Einladung der jüdischen Gemeinde Köln abgehallen. Die Teilnehmer werden die Gelegenheit ergreifen, die jüdische Sonderschau auf der Internationalen re'sseausstellung „Pressa" zu besichtigen. Es wird erwartet, daß die Tagung der Reichsverbandkommission die Vorarbeiten zur Schaffung des Reichsverbandes aus der Kölner Konferenz beendet. Verblödete Friedhofsschänder Die beiden Ackergehilfen Peter Schänder und Heinrich Ecken, die im Dezember 1926 aus dem israelitischen Fried Hof bei Kerpen bei Düren Grabsteine umgeworsen sowie Marmorverzierungen und Einfriedigungen der Grabmale beschädigten, wurden vom Kölner Schöffengericht trotz dieser eingestandenen Grabschändung auf Grund des 8 51 freigesprochen, da sie nach dem Urteil des medizinischen Sachverständigen vollkommen verblödet seien und kaum über die geistigen Fähigkeiten eines sechsjährigen Kindes verfügen. Konstituierung der »Union demokratischer Juden Polnisch-Schlefiens" Massenkundgebung für religiösen Liberalismus. Wie wir bereits in No. 17. unseres Blattes vom 27. April d. Js. meldeten, rst in Bielitz die auf r e l i g i ö s liberalem Boden stehende „Union demokratischer Juoen Polnisch-Tchlesiens" gegründet worden. Die konstituierende Generalversammlung fand am 28. April statt und fand im In- und Auslande ein lebhaftes Echo. Außer der „Per erurgung für das liberale Judentum", aus deren Glückwunschschreiben wir die markantesten Sätze bereits veröffentlicht haben, waren Glückwunsch- und Sympathiekundgebungen eingegangen von dem Präsidenten der „World Union f o r Progressive I u d a i s m" (Weltverband für religiös-liberales Judentum), Herrn Claude G. Montesiore in London sowie von einer Anzahl deutscher, österreichischer und polnischer Organisationen. Ueber den Verlaus der konstituierenden Generalversammlung ersah ren wir, daß sie ein lokalpolitisches Ereignis ersten Ranges gewesen ist, welches auch m der Tagespresse aufs lebhafteste erörtert worden ist. So schreibt die „Schlesische Zeitung". „Das totgesagte liberal-demokratische Bielitzer Judentum ist auserstanden, der absterbende Zweig eines ausgehöhlten Baumes, wie man die hiesige Judenschaft alten Schlages vielfach spöttisch nannte, hat kräftige Beweise seines unverwüstlichen Daseins geliefert." Der Festsaal der Kultusgemeinde erwies sich als zu Nein, um die zu Hunderten Zuströmenden zu fassen; es konnten nur 340 Besucher, sämtlich wahlberechtigte Männer, Einlaß finden. Der erste Redner Tr. Ludwig Heilpern zeichnete in markanten Worten die Zwecke und Ziele der „Union", die für Demokratie, Liberalismus, für weltbürgerliche Einstellung unseres Judentums und für ein verständnisvolles Zusammenwirken zwischen Juden und Nichtjuden auf allen Gebieten des sozialen, kulturellen und öffentlichen Lebens eintreten wolle. Aus diesen Grundtendenzen ergäbe sich von selbst die Ablehnung des politischen Zionismus, des rasjentheoretischen Nationalismus und die Betonung der Juoenschaft als religiös-ethischer Gemeinschaft. Der Versuch, die Pflege der Religion als einzigen Lebenselementes des Judentums durch die nationalen und politisch-zionistischen Irrlehren zu ersetzen, sei fürs Judentum verhängnisvoll. Es gelte, die liberal-demokratischen Traditionen unserer Vorfahren sowie die hochstehenden religiösen und sozialen Institutionen unserer jüdischen Religionsgemeinschaft vor dem Ansturm neuer Richtungen, die die Welt bisher noch keinesfalls zu beglücken vermochten, zu bewahren. Der Redner wandte sich mit bewegten Worten gegen die Hebraisierung und Politisierung der Jugend, gegen den Mißbrauch der hebräischen Sprache als nationalem Demonstrationsmittel für kaum vierjährige Kinder in den hebräischen Kindergärten und betonte die Notwendigkeit der Erlernung des Hebräischen allerdings erst in einem späteren Alter und aus religiösen Gründen, um in den Geist unseres heiligen Schrifttums einzudringen und dem Gottesdienste mit Verständnis folgen zu können. Die Ethik der jüdischen Religion, Familiensinn und Hilfsbereitschaft )creu die Fundamente des Jusentums. Tic Entwicklung, wie sie die Z i o n i st e n in den l e tzt e n Jahren hier anstrebcn, in ü s s e z w a n g s l ä u s i g zur Errichtung einer chinesischen Mauer zwischen Jude ii u n d W t d) t j u b c ii u it b zur Rückkehr i n ein neues Ghetto führen. Unter lebhafter allgemeiner Zustimmung sprach sich Redner auch gegen die Ausnützung der charitativen Bereitwilligkeit der Bielitzer Judenschaft zu Geldsannnlungen für uns scrnliegeude Zwecke (Keren Hajessod) aus, während die einheimischen Wohlsahrtseinrichtungen bitterste Not leiden. Reichlicher Beifall lohnte die Ausführungen des Referenten. Ter zweite Referent, Herr Prof. Feuerstein, gab in fefsclilden Worten einen UcbeilUrl über die Entwicklung bev Verhältnisses zwischen der zionistischen und liberal-demo kratischen Judenschaft in Bielitz in den letzten Jahren. Der Redner mußte zugeben, daß man hier durch eine unangebrachte und zu weitgehende Nachgiebig keil, die die Gegner immer mehr als ein Zeichen der S ch w a ch e d e u t e t e n, gesündigt habe. Von stürmischem Applaus immer wieder unterbrochen, geißelte Pros- Feuerstein die t e r r o r ist i s ch e und entartete Kampsa i t der hiesigen Zionisten, die jedem Gegner glatt die Moral und Ehre absprechen und in der Verunglimpfung und Besudelung der Jusen anderer Parteirichtnngen es ruhig mit den wüstesten Aiitisemiten ausnehmen könnten. Die allgemeine Empörung über die vom Redner geschilderte Verwilderung der Kampsmethoden löste immer wierer stürmischen Beifall für die Worte Pros. Feuersteins ans. Als Dritter sprach noch .Herr Kultuspräsident Simachowicz, der die Spaltung innerhalb des Judentums vom Standpunkte oes allgemeinen Wohles tief bedauerte, aber gleichfalls die Unmöglichkeit einer weiteren Verkleisterung der offenbar bestehenden Gegensätze zugab. Auf den Inhalt der diversen Referate sowie auf die Details des Programmes der „Union" w-ro in der demnächst erscheinenden Wochenschrift der neuen Partei noch zurückgegriffen werden. Es folgte die Wahl des Vorstandes, von der an dieser Stelle lediglich mitgeteiit werden kann, daß zum Präsidenten .Herr Heinrich Braun, zu Vizepräsidenten die .Herren Dr. Ludwig Herl Peru und Isidor Huppert, zum Kassierer Herr Moritz Huppert, zum Schriftführer Herr Dr. Senget gewählt wurde. Das Sekretariat hat Herr Dr. Fritz S e i f t e r ehrenamtlich übernommen. Die Konstituierung der neuen Partei stellt eine überaus wichtige Neuorientierung dar, die über ihren gegenwärtig noch lokalpolitischen Rahmen hinaus sich in Bälde auch aus Ostoberschlesien ausdehnen wird. Man plant schon demnächst die Gründung einer Landesverbandes für ganz Polnisch-Schlesien. Daß gerade in Bielitz der Boden für eine derartige Bewegung sehr günstig ist, beweisen die vielen Beitrittserklärungen neuer Mitglieder, die bald nach der Generalversammlung knapp 300 erreichten und heute sich schon dem vierten .Hundert nähern. Es ist charakteristisch, daß unter den neuen Mitgliedern der „Union" sich eine ganz beträchtliche Anzahl solcher befindet, die bisher jahrelang dem zionistischen Verein „Haschachar" angehörtcn. Die Konstituierung der „Union" wird einen Umschwung in den bisherigen mißlichen Verhältnissen bringen. Es wird noch berichtet, daß die Gegenseite zu gleicher Zeit im „Karferhos" eine mit plumpen Mitteln inszenierte „Konkurrenz"-Versammlung abgehalten habe, zu der hauptsächlich halbwüchsige Burschen, Mädchen, Frauen aus Biala, Lipnit und der weiteren Umgebung erschienen waren: man hatte die „Gasse" mobilisiert. Hermann Cohen — der Philosoph des jüdischen Monotheismus Von Dr. Leo Rosen zweig. Für dir am Sonntag, den 13. Mai, 12 Uhr mittags, im großen Saale des Logenhauses, Klerstftr. 10, stattsindende Hermann Cohen-Gedcnkscier der Akademie für die Wissenschaft des Judentums haben Leo G o l l a n i n und Arno Nadel ihre Mitwirkung zugesagt. Gollantti wird eine dem Gedächtnis Cohens gewidmete Komposition Nadcls zu Gehör bringen und am Schluß „El mole rachamim" in Eduard Birnbaums Vertonung singen. Am Harmonium: Arno Nadel. Einleitende Worte zum Gedächtnis Cohens spricht Sanitätsrat Tr. G. Bradt namens der Akademie. Tie Gedenkrede (Thema: „Nach 10 Jahren"- bälr Professor Tr. Albert G ö r l a n d - Hamburg. Ter Gedenkfeier geht um l 1 Uhr die Jahresversammlung der Akademie voraus. Ter nachfolgende Aufsah, der eine Fortsetzung des in unserer Ausgabe vom 13. April veröffentlichten Artikels darftellt, wird bei unseren Lesern als Vorbereitung auf die Akademie-Feier sicher besonderem Interesse begegnen. Um den jüdischen Monotheismus in seiner wahren Größe und Tiefe richtig verstehen, würdigen zu können, muß man sich in die Zeit zurückversetzen, in die der Anfang, die Dämmerung aller Kultur fällt, in die Zeit des Mythos. Denn in der Bekämpfung des Mythos, so sagt einmal Hermann Cohen, erschaffen die Propheten die neue Art von Religion, den jüdischen Monotheismus. Der Mythos ist eben der erste Versuch des Menschen, sich über sein Verhältnis zur Welt und zum Leben klar zu werden. Aber dieser erste Versuch kann und darf noch nicht als ein regelrechtes, planmäßiges Denken betrachtet werden, weil der mythische Mensch noch kein Sichunterscheiden von der Natur kennt, weil er sich selbst noch als ein Stück Natur betrachtet. Sein ganzes Denken und

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