Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8. Jahrgang Nummer 18 Beilage 4. Mai 1928 jnflfflll* IjHnM Umschau Juden im französischen Parlament. Während beim ersten Wahl gang nur zwei Juden, der Handelsminister Bokanowski und Baron Maurice de Rothschild, Sohn des Barons Edmond de Rothschild, in das französische Parlament gewählt worden pnd, haben die am letzten Sonntag durchgeführten Stichwahlen den Sieg mehrerer jüdischer Kandidaten gebracht Gewählt wurden u. a. die folgenden Juden: der Radikal- Sozialist Baron, der Radikal-Sozialist und frühere Minister Andre Hesse, die Sozialisten Spinas, Morel, Bedouce, Groc, Ury, Grumbach, die Radikal-Sozialisten Berger, Levy Alfanderi, Lerman, Linker, der frühere Minister Leon Mayer, der Demokrat George Mandel, ferner Schuman (radikale Union) u. a. m. Bon prominenten Juden sind unterlegen der sozialistische Führer Leon Blum, der Verteidiger Schwarzbarts .Henri Torres, der Zionist Corcos und der Leiter des Jüdischen Nationalfonds in Frankreich, Mirtil. Friedensarbeit. Durch den Briefwechsel zwischen den Regierungen Frankreichs und der Vereinigten Staaten, von dem Staatssekretär Kellogg vor kurzem den Großmächten zwecks Stellungnahme Kenntnis gab, ist das Problem einer Verständigung der Völker durch Abschluß eines internationalen Paktes zur Aechtung des Krieges wieder in den Mittelpunkt der politischen Diskussion gerückt worden. Die deutsche Regierung hat in einer Note, die der deutsche Außenminister dem Berliner Botschafter der Vereinigten Staaten überreicht hat, „die Eröffnung von Verhandlungen über den Abschluß eines internationalen Paktes zur Aechtung des Krieges auf das wärmste begrüßt" und die Erklärung abgegeben, „daß sie bereit ist, einen Pakt nach dem Vorschlag der Regierung der Vereinigten Staaten abzuschließen, und zu diesem Zwecke in die erforderlichen Verhandlungen mit den beteiligten Regierungen einzutreten". Diese Friedensbestrebungen der Regierungen werden gefördert werden, wenn es gelingt, in den verschiedenen Ländern eine Volksbewegung für den Frieden zu entfachen. Hier haben eine wesentliche Aufgabe die Religionsgemeinschaften zu erfüllen, die nur zu lange Haß statt Liebe predigten und Gewalt statt Recht tolerierten. Der Wille zur Friedensarbeit scheint sich jetzt aber erfreulicherweise bei ihnen durchzufetzen und die Erkenntnis scheint zu wachsen, daß Pazifismus kein ruchloses Verbrechen sondern Erfüllung religiöser Glaubenslehren bedeutet. Die katholische Kirche hat in deii letzten Monaten, unter Führung des Vatikans, einen mnttgen Feldzug gegen den nationalen Chauvinismus in Europa eröffnet und damit wesentlich beigetragen zur Sicherung des europäischen Friedens. Die christlichen, nicht katholischen Kirchen Europas kämpften unter der Führung des Stockholmer Erzbischofs Söderblom gleichfalls für die Verständigung der Völker. Der deutsche Zweig des Weltbundes für Internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen hielt in der vergangenen Woche in Heidelberg seine Jahresversammlung ab, auf der der Führer der deutschen Delegation für die Abrüstungskonferenz, Graf Bernstorff, das einführende Referat zum ersten Punkte der Tagesordnung, der Abrüstungsfrage, erstattete und Willy Hellpach in einer eindrucksvollen Ansprache aus dem Geist der Lehre Christi dem Krieg den Kampf ansagte. Leider legen sich die berufenen Vertreter des Judentums bei der Mitarbeit in der Friedensbewegung noch immer übermäßige Reserve aus. Bei einer Besprechung über diese Dinge, die vor kurzem bei einer jüdischen führenden Persönlichkeit Berlins mit den Prominenten verschiedener jüdischer Organisationen stattfand, ergab sich leider auch kein Resultat. Ja, die Beratungen zeigten, daß sogar für die Stellungnahme führender Judeii zu weltbewegenden Problemen der Gegenwart nicht die religiöse Ueberzeugung sondern Rücksichtnahme auf antisemitische Einwände oder jüdisch-politische Bedenken ausschlaggebend' sind. Der Deutsche Rabbinerverband hat zwar im Jahre 1921 bereits einen Antrag zur Friedensarbeit einstimniig angenommen, seine Ausführung aber im Schoß einer Kommission vergessen. Dieser Antrag des inzwischen verstorbenen Rabbiners Dr. I. Goldschmidt, Ofsenbach, lautete: „In Anbetracht dessen, 1. daß das Judentum eine geschichtliche Sendung darin erblickt, den Glauben an einen Gott zum Gemeingut der Menschen zu machen und in dein Glauben an den gemeinsamen Vater die Menschen zu verbrüdern; 2. baß die Propheten Israels das „Messianische Reich", das Reich des Völkerfriedens als aas Ziel der Geschichte der Menschheit verkündet haben; 3. daß das Judentum in der Zerstreuung Israels unter allen Völkern eine providentielle Förderung seiner Aufgabe im Dienste der Menschheit erblickt; 4. daß der letzte Krieg gezeigt hat, wie weit die Menschheit von dem Ziele der Völkerverbrüderung entfernt ist und dadurch die Sehnsucht nach dem ewigen Frieden in Millionen Herzen der besten Menschen entflammt hat; 5. daß der Wilson'sche „Völkerbund", wenn auch nicht die letzte Lösung dieses höchsten Problems der Menschheit, so doch die Einführung dieses hohen Ideals in die politische Realität bedeutet, — beantrage ich, zu beschließen, daß der Deutsche Rabbinerverband in Verbindung trete a) mit den Rabbiner-Verbänden und den führenden Rabbinern der ganzen Welt, b) mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, dem Central-Verein, den Zionisten-Führern, der orthodoxen Freien- Vercinigung, dem Verband der deutschen Juden usw., cj mit den verschiedenen außerdeutschen jüdischen Organisationen, um zu erklären: daß das Judentum der Gegenwart als Religion in erster Linie die Pflicht hat, sich in den Dienst der „Völkerbund"-Jdee zu stellen: und zu beschließen: Einen Wcltverein der Israeliten zur Propaganda für einen Völkerbund zu begründen. Es ist höchste Zeit, daß sich bas Judentum der Gegenwart als Religion auf feine geschichtliche Sendung wieder besinne und mit schöpferischer Begeisterung positive Arbeit dafür leiste. Das Judentum wachse mit seinen alten, höheren Zwecken. Wenn die anderen Religionen ebenfalls als Religionen ihre ungleich reicheren Kräfte und Mittel der Verbrüderung der Menschen direkt widmen wollen, wird es unsere Religionen mit Dankbarkeit im Namen der Menschheit begrüßen. Das Judentum leidet am meisten unter der Zerrissenheit der Völker und glaubt darum, als Religion das traurige Vorrecht zu haben, im Dienste des Völkersricdens die Initiative zu ergreifen." Das Thema der Ende dieses Monats stattfindenden Hauptversammlung des Rabbinerverbandes lautet: „Tie Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentlichen Lebens." Hoffentlich wird dabei auch die Frieden Zarbeit nicht vergessen und hoffentlich werden dabei nicht nur Reden gehalten sondern auch Maßnahmen beschlossen, die nicht nur einer Kommission übertragen sondern auch durchgeführt werden. Rettungslos oerjudet. Baron von Hüneseld, der Besitzer des Flugzeuges „Bremen", der mit Baron von Köhl und Fitzmaurice den ersten gelungenen Ost-West-Flug von Europa nach Amerika unternommen hat, empfing nach seiner Ankunft in New Aork, wo ihm und seinen Flngcollegen ein begeisterter Empfang bereitet worden ist, den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der ihm mitteilte, daß die deutschen antisemitischen Verbände den grandiosen Flug-Erfolg der „Bremen" zu einer rassenantisemitischen Propaganda ausnutzen. Baron von Hüneseld sagte, er mißbillige es durchaus, daß man versuche, den Flug der „Bremen" zu rassenantisemitischen und parteipolitischen Zwecken auszubeuten; der von den antisemitischen Gruppen verbreitete Bericht, daß er auf der Liste der Deutschnationalen Volkspartei, die ja ein antisemitisches Programm hat, zum Reichstag kandidiere, stimme in keiner Weise mit den Tatsachen überein; er erkläre sich gegen jegliche Ausnutzung des Flugerfolges zu politischtm Zwecken. Im weiteren Verlaus des Gespräches, bestätigte Baron von Hüneseld, daß seine Mutter eine geborene Lachmann, Tochter des Eisenacher jüdischen Bürgers Marcus Lachmann, ist. Marti« Bubers Bibelübersetzung im Lichte der Freidenker. Es ist äußerst interessant und reizvoll, Stimmen aus freidenkerischen Kreisen über diesen Gegenstand zu vernehmen. Wir registrieren hier eine aus sozusagen christlichem und eine aus jüdischem Lager. Beide finden wir im 13. Jahrgang der Monistischen Monatshefte, März und April 1928 (Hamburger Verlag G.m.b.H., Hamburg 36, Iflintonhnfllinhn Cn sufdsm Malerarbeiten jeder Art WinSClIallllGltti ff Lande Rennviernnir von Wohnungen. Wolfratshausen i. Isartal. 580 tu. flu M. (Gründung des Jüd. Frauenbundes Ortsgruppe München.) bildet junge Mädchen aus zu tUchtigenHauzf rauen und schafft die Grundlage zum Wirtschaftsbaruf, zum Sozialberuf und —- zum Lehrberuf. JYvUVvIvl UU^ vvll Ir VXlllllll^Vll^ Geschäftslokalen, Fassaden etc. Robert Gutheim W50, Kulmbacherstr. 7, Fernspr.: Lötzow 6260 Kostenanschläge gratis Die Schule wird streng rituell geführt. - Prospekte und Auskünfte durch die Leitung der Schule: Hannah Bodenheimer, Wolfratshausen; Frau Recha Stark, München, Rauchstr. 12/1. Anmeldungen für das kommende Schuljahr schon jetzt erbeten ■ Sehriftenrefhe i Vereinigung >. i lib. Judentum E. f. ■ Bejj np j Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. Y. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W LS, Lützowstraße 44, Telephon: Lfitzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstraße, Telephon: Stcinplatz 1835 ■ Die Grundsätze des jüdisch- ■ religiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin ■ Preis 0.50 Mk. Bestehungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ » Berlin SW 48, Wilhelmstraße 147 Moorbad p, . Pommertche Schwefel _ _ 10 Kuranstalten lunnilte,: Moor-, Stahl-, Fichten- HLÄ Auskuntt: Badeverwaltung, nadel-, kohlensaure, elektrische B&der gegen Rheumatismus, Gicht, Ischias, Frauen-, Nerven-u.Herzleiden. mumwtm_ Glanzende Heilerfolge - Reich an Naturschtf nhelten -B.lllgePrelsel OLZ1N Israelitischer Gottesdienst in Irariksurt/Ai. Liberaler Ritus: Hauptfynagogc. Freitag, d. 4. 5., aods. 7, Jugeudgottesdienst, Rabb. Dr. Salzberger. Sonnabend, d. 5. 5., morg. 9, nachm. 4, Sabbat-Ausg. 8.40. Wvchengottesdünst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Königstciner Straße. sFreitag, d. 4. 5., abds. 7, Predigt: Rabb. Dr. Lazarus. Sonnabend, d. 5. 5., morg. 9. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 4. 5., abds. 7.20. Sonnabend, d. 5. 5., Frühgottesdienst 6.30, morg. 8, nachm. 4.30, Vortrag: Rabb. Dr. Hoffmann: „Die Grundlehren des Judentums im Anschluß an Maimonides". Sabbat-Ausg. 8.40. Wochengottcsdienst: morg. 6.15, nachm. 7. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 4. 5., abds. 7.25. Sonnabend, d. 5. 5., morg. 8.45, Bortrag: Rabb. Dr. Horowitz, nachm. 4, Sabbat-Ausg. 8.40. Wochengottesdienst: morg. 6.30. Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 4. 6., abds. 7.20. Sonnabend, d. 5. 5., morg. 8, nachm. 4. Bad Tölz Kurarzt Dr. Levi Inserieren bringt Gewinn! Die Erste Weltkonferenz liberaler Zuden (Reden, Diskussion, Beschlüsse) Gründungsversammlung der World Union for Progressive Judaism London, 10.—12. Juli 1926 ★ Preis: im Buchhandel M. 1.80 für Mitglieder d. 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