Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch- * liberaler Zugendvereine Deutschlands * Monatliche Beilage zur Zirdisch-Nberalen Zeitung Verantwortlicher Schriftleiter: Hilde Hamburger Berlin-Dahlem, Sachsallee 6 Hebräisch lernen im 31»? I 3a? Nein? Warum ja? Was? Wie? Wann? Das ist gleich ein ganzes Bündel von Fragen, die sich an das Problem dieses Stückes Jli-Arbeit anknüpfen. Es mutz zu I allererst einmal eingeräumt werden, daß w i r uns diese Frage recht spät stellen, spät im Vergleich zu anderen Jugendbünden und Arbeitsgemeinschaften. Warum wir erst jetzt, seitdem wir einige Jahre existieren, zu ihr kommen, bleibe diesmal ununtersucht. Wir wundern uns, wie es möglich ist, daß wir in unfern Gruppcnprogrammen und -Berichten von Bibel, Genesis, Gesetz, Deuteronomium, Propheten, Psalmen, Messianismus, Gottesdienst u. ä. lesen, wo doch die welligsten von Ulls ein Wort Hebräisch verstehen. (Wir wundern uns aber auch, daß man sich in einer Gruppe des Ber« lincr Jli mit platvliischer Philosophie beschäftigt hat, wo doch die humanistischen Gymnasiasten bedauerlicherweise geradezu aussterben.) Also kurz und gut, das g e h t ja alles, wenn man will, aber frag' mich nur nicht, wie? Alan kann natürlich alte diese schönen und interessanteil Dinge treiben, ohne daß man die Ursprache kennt, aber man wird immer trotz bester Uebersetzungen an der Peripherie bleiben. Gerade die guten Uebersetzungen zeigen uns, wie sehr wiir auf das Original angewiesen sind: Die Buber-Rosenzweigsche Bibel Übersetzung beispielsweise ist ihrer Absicht uad) nur verstand lich, wenn mall den hebräischen Text mitbenutzt: erst roeuu man ihn neben der Uebersetzung liegen hat, merkt man (we nigstens in sehr vielen Fällen), was B. und R. „meinen'' und sagcil wollen. Aber es soll hier ja keine Theorie des UebersetzenS ge geben werden. Bezüglich des Verhältnisses eines fremd sprachigen Dichterwerks zu seiner Uebersetzung scheüit der Verdeutscher Homers, Graf Stolberg, das letzte Wort ge sprachen zu haben, das dann auch Rosenzwcig in seinen „.Hymnen des Jehuda Haleoi" wieder aufgreift: „Lerne Grie chisch, lieber Leser, und wirs meine Uebersetzungen ins Feuer." Also warum sollen, wollen, müssen wir .Hebräisch ler neu? Wenn Jli Arbeit, d. h. Arbeit junger Juden am Juden tum, positives Mitschassen und bewußtes Weiterarbeiten (gibt es das überhaupt?) einen Sinn haben soll, wenn die Ent Wicklung als .Hauptsaktor unseres jüdischen Seins weiterschas send und weiterwirt'end lebendig sein, lebendig bleiben soll, bann müssen wir erst einmal zurück zu den Quellen, aus denen diese Entwicklung fließt. Wir müssen heran an die Ausgangspunkte, die Keimzellen unseres geistigen Lebens, denn nur von hier aus, nicht von einem willkürlich angenommenen Punkte auf dem Wege, können wir Werden und Vergehen, Entstehen und Weiterwirken erkennen und verstehen. Wir können nicht jüdische Geschichte vom Jahre 70 ab treiben, wir können nicht das Geistesleben der deutschen. Juden seil Mendelssohn untersuchen, können nicht die Re formbestrebungen des 19. Jahrhunderts für sich alleine betrachten. Und sollte unsere ganze programmatische Arbeit auf öni Kops gestellt werden, müßte einmal für ein oder zlvei Jahre alle sogen. „Gegenwartsarbcit" ruhen und müßten wir uns auch einmal uneingeschränkt der Vergangenheit zuwenden, - nur auf «dieser Grundlage ist Verständnis unseres Hier und Heute möglich, nur so können wir den Mut haben, mit Hand anzulcgen an die Gestaltung des Anderswo und Morgen. - Aber warum deswegen Hebräisch? Tul's nicht eine gute deutsche Bibel auch, haben wir nicht brauchbare Ausgaben der wichtigsten Quellen jüdischer Geschichte, können wir nicht jüdische Literatur, wenn wir nicht schon die Literaturgeschichte zur Hand nehmen, ans den Uebersetzungen, Proben und Anthologien kennen lernen? Gewiß können wir, aber es bleibt ein Rest in der Rechnung, für den es keinen rationalen Nachweis gibt. .Hier ist es aus mit allen klüglicheu Erwägungen, hier hört philosophische Sorgfalt und tcxtkritische Emsigkeit auf, hier sängt ganz einfach das Erlebnis au. Hier ist die Grenze zwischen Verständnis und Einsühlen,i zwischen Begreifen und Erfassen; diesseits dieser Grenze ist das Wort und seine Bedeutung bestenfalls ein Aequivalent in unserer Muttersprache, jenseits fein Sinn, fein Gehalt: jenseits dieser Grenze schwingt all das Schicksalhafte und Rätselvolle unserer Existenz mit: Die „fremde" Sprache wird zur g e h e i nt ni s voll-h eime -lig h e i m ischen, sie wird uns Heimat, in ihr liegt all das umschlossen, was unsere Väter und Ahnen in sie hineingebetet, -geklagt, geweint, hineingcjauchzt und -gejubelt, aber auch hineingedacht, -gedeutet. gegrübelt, -geklügclt und -geheimnist haben. Brauche ich zu schreiben und zu schildern, was alles aus den verschiedensten Bezirken unseres sinnlich-anschaulichen, unseres geistigen und seelischen Lebens in diese Sprache hineinge slossetl ist, kann ein Mensch überhaupt all das wieder ausgraben und heben, was Jahrtausende und was Landschaften, was jeweils Zeit und Raum in sie hineingelegt haben? Und wir sollten draußen vor der Pforte bleiben wollen, sollten nicht wenigstens versuchen hindurchzublicken, wenn wir sckwn nicht hindurchgehen, hinein in dies Wunderland unserer ^Geschichte und unseres Volksgeistes? Wenn man diese Tinge einmal ganz objektiv und ohne ngend eine Parteibrille betrachtet - leider Gottes muß diese letzte Bemerkung auch gemacht werden, denn Hebräisch lerne:( wird^ heute noch von manchen als ein Reservat von v,u'-mucn, Ostjuden oder Orthodoxen angesehen - dann gibt bitzentlich gar keine Möglichkeit, sich unter irgendeinem sadenschermgen Vorwand von der Verpflichtung, Hebräisch •'’u. leimen,- zu drücken. Ich habe vorhin schon angedeutet, daß es erforderlich ist, gründliche, quellenmäßige Arbeit zu teuren - oder aber gar keine. - Damit ist auch die Frage nach dem „Was" beantwortet, oder jedenfalls beinahe beantlvonet. Htstortsche Quellen für unsere gegenwärtige (nicht anderes als Bibel, Nachbiblisches, Schrifttum, Geschichte, Gottesdienst und was sich darum gruppiert. Ueber die hebr. Bwel brauchen wir wohl nicht erst zu reden. Wenn wir uns überhaupt nnt ibr beschäftigen, dann kann und darf es ja nur hebräisch geschehen. Ta sie der Ausgangspunkt unserer Kultur ist, muß sie auch der Ausgangspunkt unserer Arbeit 'ein. An fie hätte sich dann -- das ist gar nicht so schwerunter Umständen viel leichter als gewisse Partien der Bibel eine Auswahl aus Midrasch und vielleicht auch Mischnah •VJ. knüpfen, und wenn wir dabei sind, dann kommen wir bald zur mittelalterlichen Literatur. Es gibt eine ganze Reibe geschichtlicher, biographischer, geographischer Schriften * § Das Ili-Programm § * Jli-Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Sonntag, den 22. April: Fahrt nach Oranienburg. Treffen um > -9 Ahr am Stettiner Vorortdahnhof. Donnerstag, den 26. April: Generalversammlung in der Rosenstraße 2-4. Das Erscheinen der Mitglieder ist dringend erforderlich. Wer sich für eine Psingstfahrt (wahrscheinlich in den Flämings interessiert, wird gebeten, umgehend Hans Rosenberger, Stegliy, Friedrichsrnherstraße 56, zu benachrichtigen. Jli-Franlsmt a. M. 27. April, 20 Ahr: Gottesdienst im Empsangssaal der Synagoge Königsteiner Straße. Anschließend Freitag-Abend-Feier. 27. April, 17. Ahr: Iugendgruppe: Arbeitsgem.: „Kunstgeschichte". 27. April, 17 Uhr: Iugendgruppe: Lesezirkel: „Der kleine Prophet". 30. April, 20.30 Ahr: 'Arbeitsgemeinschaft: „Antisemitismus". Niedenan 37 II. 1. Mai, 20.45 Uhr: S'hungsftmmer der Synagoge Königsteiner Straße: Aktuelle Tagesfrägen. 5. Mai, 16 Uhr: Iugendgruppe: Arbeitsgem.: Religiöse Fragen. 5. Mai, 17 Uhr: Iugendgruppe: Sitzungszimmer der Synagoge Konigstriner Straße: Kurt Dillenberg: Reise an die Riviera. 6. Mai: Tressahrt mit drin Jüdischen Iugendr.erein Worms an dir Bergstraße: Zwinqenberg—Felsenmeer—Bcnsheim. Anschließend gemütliches Beisammensein mit Borträgen. Treffpunkt 8.40 Uhr Haupteingang Hauptbahnhos. 7. Mai, 20.30 Uhr: Arbeitsgem.: „Antisemitismus". Niedrnau 37 II. 7. Mai: Arbeitsgemeinschaft: „Judentum und Christentum", Bockenheimer Anlage 49II. 12. Mai, 17 Uhr: Führung durch die Altstadt. Dr. Hosfmann. 14. Mai, 20.30 Uhr: Arbeitsgem.: „Antisemitismus". Riedenau 37 11. 15. Mai: Heimabend: Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiner Straße: Frau Rose Hofsmann: „Das jüdische Kind". 19. Mai, 16 Uhr: Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiner Straße: Iugendgruppe: Arbeitsgemeinschaft: „Religiöse Fragen". 19. Mai, 17 Uhr: Iugendgruppe: Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiuer Straße: Mar Gundersheim: „Das Wochenfest in Bergängenhcit und Gegenwart". Jli „Abraham Geiger", Breslau. Vorsitzender: Rabbiner Dr. Haipersohn, Breslau 13, Moritzstr. 50. Briesadresfe: Aisred Berger, Breslau 13, Augustastr. 67, Fernsprecher Stephan 37754. Der Ortsausschuß der jüdischen Jugendverbände Breslau lädt uns zu einer Veranstaltung am Sonnabend, den 28. April, 20.15 Uhr, in den Saal der Lessingloge, Agnesstraße, ein. Thema: Central-Verein mnd jüdische Jugend. Referenten: Georg Mecklenburg-Chemnitz und Rechtsanwalt Dr. Förder-Bresiau. Wir bitten unsere ^Mitglieder, an diesem Abend vollzählig zu erscheinen. Montag, den 7. Mai, abends 8.15 Uhr, zwangloses Beisammensein im Südpart-Restaurant (bei ungünstigem Wetter im Saales. Ort und Zeit unserer Zusammenkünfte sind bis auf weiteres aus dem Verfammlungslalender der Jüdisch-liberalen Zeitung zu ersehen. Jli-Ratibor. Mittwoch, den 2. Mai, Zusammenlunft aller Anhänger des Jli, Referat: „Erlebnisse und Erfahrungen im Abwehrkampf". Redner: Dr. Felir Heiman«. Anschließend Aussprache. Mitteilungen für die nächste Nummer der Jli-Zeitung bis zum 15. Mai an Werner van der Zyl, Berlin NW 87, Brückenallee 5, bei Marcufe, zu senden. aus dieser Zeit, die sehr leicht zugänglich sind und die infolge ihrer inhaltlichen Verständlichkeit auch sprachlich viel weniger Schwierigkeiten bereiten, als etwa die gesetzliche, philosophische oder poetische Literatur dieser Zeit. Die letztere würde allerdings unser Hochziel sein und bleiben, genau so wie die poetischen und prophetischen Teile der Bibel. Die Kernstücke der Liturgie sowie die sich um sie herumrankenden Pintim (dichterische Einschaltungen) lassen sich in diesen Rahmen einsügen. Wie überall kann auch hier die Arbeit in der Gruppe (wenn sie, worüber noch zu reden sein wird, in ihr erfolgt) nur Anregungen und Attleitungen bieten, niemals Endgültiges. Das Ideal wäre natürlich eine völlige Erfassung des gesamten jüdischen Sprachgutes, einschli eßlich der modernen ncuhebräischen Literatur. Aber das wird wohl nur ein Ideal bleiben, wenigstens für die Gesamtheit des Bundes: für den einzelnen ist es nach mehrjähriger regelmäßiger Arbeit durchaus möglich, nicht bloß das Alte zu verstehen, sondern auch der zeitgenössischen Produktion folgen zu können. Wie diese Arbeit geschieht, richtet sich nach den Borkennt-' nisten der Lernenden und nach der Methode des Lehrenden. Da jene praktisch meistens gleich null sind, müßte man sich nur über Weg und Ziel einigen. Bor Jahren schon diskutierte man in Jugendbünden darüber, ob Ziel des Hebräischlernens die oben von mir skizzierte Erfassung des hebräischen Kulturgutes sei, oder ob man sich erforderlichenfalls auf hebräisch „wenn man Hunger habe, ein Butterbrot mit Käse bestellen" könnet! müsse. Die Meinungen gingen begreiflicherweise auseinander: die Neigungen und Absichten waren zu verschieden. Wenn ich hier das kulturelle Ziel in den Vordergrund gerückt habe, jo deswegen, weil ich es für das dem Jli gemäße halte: es ist natürlich durchaus diskutabel, auf dem anderen Wege, der heute von sehr vielen Methodikern des hebräischen Unterrichts empfohlen und beschritten wird, allmählich zu dem gleichen Ergebnis zu gelangen. Man'könnte ferner darüber reden, ob das Lernen in den Gruppen erfolgen soll, oder ob man die Leute einfach in die hebräische Sprachschule schickt und deren Leistungen nachher in der Grnppenarbeit verwendet. Beides hat feine Vorzüge und Nachteile, aus die hier im Einzelnen nicht eingegangen werden soll. (Nur soviel sei für heute gesagt: die sephardische Aussprache, in der die Sprachschule unterrichtet, ist kein Hindernis für Leute, die nicht die Absicht haben, Konversation zu treiben. Man kann sehr schnell und leicht umlernen, man kann sogar beide Aussprachen beherrschen — wenn's auch oft schwer fällt - und je nach Gelegenheit anwenden.) Zum Schlüsse noch die eine Frage: Wann sollen wir lernen? Daraus gibt es nur die eine Antwort : „Besser heute als morgen!" - Nach Ansicht unserer Ueberlieferung beginnt der eigentliche Text der Peßach-Haggadah mit der Schilderung der Erlebnisse unserer Stammväter in Aram, Kanaan und Aegypten; die Worte, die sie dort spricht, gelten nach wie vor für uns alle. Sie heißen: Zö u'selmad, gehe hin und lerne? — S' ne h. . . . oder nicht Hebräisch lernen? Diese Frage hat uns im Berliner Jli ja schon öfter bei Diskusstor.cn. beschäftigt, sie wurde besonders dann akut, wenn von der Ausgestaltung der Gottesdienste die Rede war. Im Grunde haben wir die Frage theoretisch immer anders beantwortet als durch unser praktrsches Tun. Wenn der vorhergehende Artikel, in dem sich der Schreiber für das Hebräisch-lernen einsetzt, eben diese theoretische Antwort war, so soll hier die Seite der Wirklichkeit und der Jli-Praxis behandelt werden. Es muß gerade das besonders betont werden, denn alle Gründe, die hier ins Feld geführt werden, lästert sich theoretisch leicht und ethisch sogar erst recht widerlegen. Tenn darüber besteht unter uns gewiß keine Meinungsnungsverschiedenheit, daß Uebersetzungen me an das Original hcranreichen, daß für uns bei unserer Einstellung zur Bibel es stets das Ideal ist, sic in der Ursprache zu lesen, zu verstehen und zu erfassen. Und zweifellos ist die Mühe, die zur Erlernung und Ueberwindung der sprachlichen Schwicrigleitcn ansgewandt werden muß, reich belohnt, wenn man die Propheten oder den Pentateuch eben im Original lesen kann. Es sei allerdings gleich hinzugefügt, daß dazu auch eine sehr gründliche Beherrschung der Sprache notwendig ist, die man sich keineswegs im Handumdrehen aneignen kann. Im glaube in der Frage des Hebräisch-lernens für den Gottesdienst besteht unter uns nicht dieselbe Einhelligkeit in der theoretischen Bejahung. Denn dem Gefühlsmoment der Verbundenheit mit vergangener unv gegenwärtiger Judenbeit beim Beten in Hebräisch stehen die tiefen inneren Schwingungen gegenüber, die man nur in der Muttersprache empfinden und äußern kann. Und bie traditionelle oder pietätvolle Seite, die von anderen für das Beten in hebräischer Sprache angeführt wird, läßt sich auch für den deutschen Gottesdienst erzielen unc» ausbilden. Doch möge in der Theorie nicht deneit unter uns das Recht bestritten sein, die eine solche Vertiefung in das Hebräische fordern, daß es eben die zweite Sprache wird und daß man darin wirklich beten kann. Aber das bedeutet auch eine sehr gründliche Ausbildung m der Sprache. - .Hebräisch lernen nur soweit, um dem gentäßigt liberalen Gottesdienst (etwa in der Synagoge Fasanenstraße) folgen zu können obne bei jedem Wort des Vorbetcrs die Uebersetzung des Gebetbuches zu benutzen, oder um den Freitagabend-Segensspruch sprechen zu können, das kann ich für metnc Person allerdings in der Theorie nicht bejahen, obwohl es praktisch am leichtesten durchzuführen ist und obwohl darauf vielfach der hebräische Unterricht in den Religionsstunden erngestellt ist oder war. Denn hier liegt die Gefahr eines .Halbwissens, eines Halbverstehens und — wenn ich es sagen dar," — einer Gefühlsduselei zu nahe. Wie steht es nun nnt der Durchführung des gründlichen uttd eingehenden Hebräisch-lernens? Wir brauchten m der Schule (» Jahre mit einer reichen Zahl von Wochenstunden um Griechisch zu lernen, fodaß wir gerade im Stande waren Homer zn lesen, auch dann nicht ohne Hilfe. Wieviel Zeit bedarf es um Hebräisch zu lernen? Im Geiste höre ich schon die Antwort ctnes begeisterten Fürsprechers: „Die Zeit kann man sich schon nehmen, eine halbe Stunde täglich usw." Natürlich es sollte, dürste eigentlich nicht an der Zeitsrage scheitern, aber lctder zeigen mir meine Beobachtungen bisher, daß es an der Zeit scheitert. Diese Wahrheit müssen wir uns eingestehen. Aber wichtiger ist noch ein anderes Argument: Ich finde, die meisten jungen jüdischen Menschen haben ein — höflich ausgedrückt - ruckst sehr größes Wissen um die Bibel, um das Judentum, um sctn Weten und um seine Geschichte. Was nützt es mir, wenn ntt junger Mensch den Segensspruch an der Thora verfekt .Hebräisch vorsprechen und übersetzen kann, aber von der Bedeutung eines? Jeremia keine Ahnung hat? Was nützt es mir, wenn er mit reichlicher Hilfe die Geschichte vom Weinberg hebräisch lesen und auch übersetzen kann und den Jesata selber nicht kennt? Sollte es da nicht doch eine sehr sehr ernste Frage sein, für uns im Jli, aber auch allgemein gesprochen für jeden jungen jüdischen Menschen überhaupt, ob er teilte Zeit zunächst nicht darauf verwenden soll, die Btbcl ttt der Uebersetzung gründlich kennen zu lernen, stch mit jüdtscber Geschichte und jüdischer Religions- Philosophie zu beschäftigen so gut er es mit Uebersetzungen eben kann, ob er es beginnen soll, Hebräisch zu lernen, das meist nicht bis zu Ende geführt werden kann und die Zeit nimmt für eben das Andere, Wichtigere! Wir sprechen ja hier nicht vom Standpunkt des werdenden ooer gewordenen Theologen, sonoern eben als Laien in religiösen Dingen, die auch Laien bleiben, aber doch innerlich den festen Zusammenhalt und die Verwurzelung mit dem überlieferten Geistesgut gewinnen wollen. Ich komme da nicht von der Borstellung los ~~ wohl aus eigener Erfahrung daß matt doch emc große Verantwortung auf sich lädt, wenn man einem jungen Menschen, dessen freie Zeit doch nicht ewig währt — denn auch die Schul- und Studienjahre vergehen! rät, hebräisch zu lernen und darauf die Zeit zu verwenden, in der er sonst an Hand eines gutertKommentars die Bibel tu ihrem Werden verfolgt oder sich in das „Wesen des Judentums" oder in Aussätze von Herrmann Cohen vertteft haben könnte. Denn die freie Zeit und auch die Bereitwilligkeit zu solchen Dingen kommen bei den meisten Menschen nicht wieder, und bei denen sie wiederkehren, gepaart mit Energie, die werden auch danach noch Hebräisch lernen können, erst recht getrieben von den Kenntnissen, die sie sich schon angeeignet haben. Wie die Dinge heute liegen, haben wir genug zu tun, den leider so lückenhaften Religionsunterricht durch eigene Beschästtgung mit Mischen Dingen auszubessern. Und wir können sehr froh sein, wenn uns nur das einigermaßen in der Jli-Arbeit gelingt. Auch hier gilt das Wort: Besser einen Sperling in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ich glaube, die hier angeführten Gründe wider das Hebräisch-lernen, sind nicht fadenscheinig, sind nicht mit einer Handbcwegung abzutun, oder mit einem ethisch gefärbten Imperativ! Ich bemerke ausdrücklich, daß meine Anschauung nicht im Unterbewußtsein vom Gedanken der Unbequemlichkeit gebildet wird, die das Lernen des Hebräischen bereiten könnte. Tenn ich glaube, ernsthafte Beschäftigung