Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 16 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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schränkte Judenkolouisation an. Führende Zionisten, führende Blätter und ganze Gruppen verleugnen den Judenstaat als Endziel, sprechen vom kulturellen Zentrum, von einer Kolonie, von einem arabisch-jüdischen, binaiionulen Heimwesen. Damit wird nicht nur innere Zerse;>.ung bewirkt, damit macht mau den Zionismus und die zionistische Politik zum Gegenstände berechtigten Mißtrauens. Diesem Mißtrauen, meint Stricker, gibt nun Wedgewood. der beste und treueste Freund der Zionisten, Ausdruck. Schon vor einem halben Jahre habe Wedgewood in einer Rede seine Diese vom jüdisch-englischer: Dominium ausgestellt. Stricker habe damals gcsorden, das; Wedgewood von leilender Stelle aus Antwort erteilt roerde. Die Antwort: „Nein!" Da.- Ziel b.s Zionismus ist der Jndenstaat, der selbständige, neutrale, den Satzungen des Völkerbundes entsprechend-' Juder.ftant. Ist das Ziel aber ein englisches Dominütm, ein Bestandteil Englands, dann können alle anderen Staaten den Zionismus innerhalb ihrer Grenzen unterdrücken und verbieten, daß Geld und Menschen ips britische Dominium gebracht werden. Große Teile des jüdischen Volkes könnten oder müßten sich dann an Palästina desinteressiert erklären. Denn Palästina kann und darf nur jüdisch, es kann nicht englisch-jüdisch werden. Es kann nicht einer zweiten Macht, es kann nur dein Bunde der Kulturvölker dienen. Stricker sordert die Leitung der zionistischen Organisation dringend aus, diesmal Wedgewood eine unzweideutige Antwort zu erteilen. Er weist ans gewisse Andeutungen Herbert Samuels hin und meint, für Plaudereien und diplomatischneckisches Nersteckenspiel seien Zeit und Anlaß zu ernst. Jetzt heißt es: Farbe bekennen! Professor David Simonsen in Kopenhagen 75 Jahre alt. Ter hervorragende jüdische Gelehrte und frühere Oberrabbiner Dänemarks, Professor David Simonsen, hat am 17. März in Kopenhagen seinen 75. (Geburtstag gefeiert und war aus diesem Aistaß Gegenstand herzlicher Ehrungen seitens der Judenheit Dänemarks und anderer Länder. Die Dänemark- Loge Bnei Brith veranstaltete zu Ehren des Jubilars ein Festbankett, dem zahlreiche jüdische Persönlichkeiten Dänemarks und des Auslandes beiwohnten. Der frühere Logenpräsidcnt William Nathan, der jetzige Präsident Emil Jacob, Dr. Louis Frankel, Oberrabbiner Dr. Friediger und andere Redner würdigten die große Persönlichkeit des Jubilars, der seine reichen Kräfte sein ganzes Leben lang dem Judentum gewidmet bat. In den Reden kam der Stolz der skandinavischen Juden zum Ausdruck, einen Mann in ihrer Mitte zu besitzen, der zu den markantesten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Judentums gehört. Professor David Simonsen, ein Sohn des verstorbenen dänischen Großbankiers Jacob Simonsen, kam nach Absolvierung der Kopenhagener Universität an das Rabbinerseminar in Breslau, wo er ein bevorzugter Schüler von Frankel und Graetz wurde. Nach Beendigung seiner Studien kehrte er in seine Heimat zurück und widmete sich der seelsorgerischen Tätigkeit. 11 Jahre war er Oberrabbiner Dünemarls und wirkte als solcher segensreich auf den Gebieten des religiösen Unterrichts, der Wohltätigkeitsanstalten und der Erhaltung des traditionellen Gottesdienstes. 1902 legte er sein Amt nieder, um sich ganz der wissenschaftlichen Forschung und der gemeinnützigen Tätigkeit zu widmen. Er hat aber nicht ausgehört, der geistige Führer der dänischen Juden beit zu sein. Seit 1909 ist er Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung der mittelalterlichen jüdischen Literatur „Mekize Nirdnmim". Er besitzt eine der großartigsten Bibliotheken auf jüdischem Gebiet. Professor David Simonsen hat in seinem Leben sehr oft die stille Forscher- und Gelehrtcn-Tätigkeit verlassen müssen, um mannhaft für die Ehre und die Interessen des Judentums einzutrcren, wo diese von den Judengegnern angegriffen worden sind. Sehr viel hat er für die leidenden Judett aus den Ostländern getan, als nach den russischen Pogromen vom .Herbst 1905 Scharen russischer Inden aus dem Wege nach Amerika durch Dänemark zogen, von denen einige Tausend auch in Dänemark verblieben sind. Ihm und dem verstorbenen Vorsteher der Kopenhagener jüdischen Gemeinde, Moses Melchior, ist eS gelungen, durch Vermittlung König.Friedrich VIII. von Dänemark, eines Onkels des Zaren Nikolaus II., den Juden Rußlands im Frühjahr 1907 drohende Pogrome abzuwenden. Als während des Krieges die Hauptstadt des neutralen Dänemark zum Mittelpunkt jüdischer .Hilfsarbeit wurde, stand Professor Simonsen an der Spitze dieser Arbeit. Er ist der zionistischen Organisation nach Uebersiedlung ihres Zentralbüros von Berlin nach Kopenhagen mit Rat und Tat zur Seite gestanden und hat auch viel für den Keren Hajessod getan. Er tst einer der Begründer der Jüdischen Welthilsskonferenz und war deren erster Präsident. Jubiläum des Hilfsvereins für die jüdischen Taubstummen in Deutschland Aus der Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Bergmann: „Willst du deinem Gotte dienen, so sei hilfreich und barmherzig, wie dein Gott hilfreich und barmherzig ist." Der „Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland" blickt nunmehr auf fünfundzwanzig Jahre zurück, die gänzlich mit solchem „tätigen Gottesdienst" ausgefüllt waren; da scheint berechtigt, daß er, seine Freunde und seine Schützlinge das Vereinsjubiläum durch einen öffentlichen Festakt im großen Logentempel, Kleiststraße, begingen. Umrahmt war die Feier von musikalischen Vorträgen: Alexander Weinbaum am Harmonium und als Leiter seines trefflich geschulten Chores eröffnete mit Glucks „Gebet" und schloß mit Berneckers „Ich hebe meine Augen aus"; Oberkantor Wilhelm Friedmann brachte Beethovens „Ehre Gottes aus der Natur" und Behms „Weihegesang" mit gewohnter Meisterschaft zu Gehör und löste besonders mit dem letztgenannten Gcsangstück eine andächtige Stimmung bei der zahlreichen Zuhörerschaft aus. Rabbiner Dr. Bergmann legte in der Festrede dar, wie hoch im Judentum allezeit die tätige Menschenliebe bewertet worden ist. Die Vorsitzende des Hilfsvcreins, Frau Johanna Löwenberg, wies — nachdem sie die Vertreter der Stadt Berlin, der Jüdischen Gemeinde und der Gemeinde Adaß Jisroel, des Berliner Rabbinats und verschiedener Organisationen begrüßt hatte — darauf hin, daß der Hilfsverein bisher jugendliche Taubstumme erzogen und betreut, alle und arbeitsunfähige Taubstumme versorgt hätte, daß er aber nun sein zweites Vicrteljahrhundert mit der Schaffung eines Arbeitshauses f ü r Taub st u m m e beginnen wolle. Wenn auch den. Taubstummen der Lebenskampf erschwert sei, so seien sie doch keineswegs außerstande, ihn zu führen; noch jüngst habe wieder ein Taubstummer sein Abiturium gemacht, und bekannt sei die Tüchtigkeit der taubstummen Handwerker. All diesen Arbeitsfähigen und Arbeitswilligen soll eine Stätte der Arbeit geschaffen werden. Sie dankte den zahlreichen Freunder; und .Helfern des Vereins und rief zu ineilerer Mithilfe ans. - Obcrregierungsrat Dr. Kobra sprach für den verhinderten Oberbürgermeister Boeß im Namen der Stadt Berlin dem Verein wärinstc Glückwünsche aus. Die Stadt allein sei trotz all ihrer Hilfsquellen nicht in der Lage, alles Elend zu lindern, daher sehe sie in jed«« Wohlsahrtsverein einen Helfer und Weggenossen. Dr. Kobra faßte seinen Glückwunsch in den Ausspruch des Psalmisten zusammen: „Heil dem, der sich der Bedürftigen annimmt!" — Für die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden sprach Obermagistratsrat Dr. O l l e n d o r s s, für eine Reihe anderer Organisationen nahmen die Herren Willy Oppenheim, Direktor Reich und Brecher, sowie die Damen Frau K armrnsky und Frau Minna S ch w a r z das Wort. — Für die zahlreich erschienener; Taubstummer; wurden alle Reden von einer unermüdlichen .Helferin in die Zeichensprache übertragen. Die Bibel in 605 Sprachen Das mit einem Kostenauswande von 17 000 Pfund in Jerusalem errichtete Bibelhaus wurde am 10. April feierlich eröffnet. Der anglikanische Bischof von Jerusalem, Rennie Me. Jnncs, leitete die Wcihezercmorrie. Rev. Ritson, der Sekretär der Britischen und Auswärtigen Bibelgesellschaft, teilte mit, daß die Bibel gegenwärtig in 605 Sprachen von der Gesellschaft verbreitet wird. Es sprachen noch Lady Plurrrer für den wegen Krankheit abwesenden Lord Plurner urrd der Präsident d es Internationalen Missionsrates, Dr. Mott. (Jta.) ST3 Offener Brief an Herrn Zustizrat Lhodziesner Berlin, den lü. April A928. Sehr geehrter .Herr Justizrat! In Nr. 15 dieses Blattes richten Sie einen „Mahnruf" an die „Blockmehrheit" der Repräsentantenversammlung, der darin gipfelt, sic möge den Bogen nicht überspanncn, sonst drohe eine Spaltung der Gemeinde. Als einer der elf Teilnehmer an dieser sogenannten Blockmehrheit, der den Vorzug genießt, mit Ihnen, sehr geehrter .Herr Jnsiizrat, aus anderen Gebieten innerhalb der jüdischen Interessensphäre seit Jahren gemeinsam tätig zu sein, gestatte ich mir auf ihre Ausführungen — mit freundlicher Erlaubnis der Redaktiorr der Jüdisch-liberalen Zeitung — an gleicher Stelle zu erwidern. An die Spitze Ihrer Ausführungen stellen Sie die Behauptung, irr der Vergangenheit habe es sich nur um einen Kamps der beiden religiösen Richtungen gehandelt und dieser habe in 60 Jahren nie zu leidenschaftlichen Kämpfen geführt. So schörr das klingt, stimmt es mit der historischen Wahrheit leider nicht überein. Meine persönlichen Erinnerungen auf diesem Gebiet reichen beinahe 20 Jahre zurück. Als ich begann, an dem öffentlichen Leben der Jüdischen Gemeinde teilzunehmen, hatten die Liberalen dank des Pluralwahlrechts in Repräsentanz und Vorstand die unumschränkte Herrschaft, die ihnen durch die Anwesenheit der wenigen sehr gemäßigten Konservativen, denen ein Vorstandsmandat stets versagt blieb, nicht im geringsten verkümmert wurde. Wichtige religiöse Wünsche und Forderungen der Konservativer! z. B. auf dem Gebiete der Schule und des Kultus blieben unerfüllt, und mit Unwillen und Erbitterung mußten wir es geschehen lassen, daß unsere Eingaben und Petitionen irr den Papierkorb rvanderten. Ich erinnere hierbei nur an die Vorgänge, die sich an die Einbringung der Novelle zum Judengesetz von 18-17 betreffs Erhöhung der Zahl der Revräsentanten urrd Vorsteher der Berliner Gemeinde anschlossen. Erst die 1920 unter der Nachwirkung der Revolution erfolgte Einführung des Proporzwahlrcchtes führte zu einem Umschwung. Es konnten nunmehr eine Anzahl wirklich konservativer Vertreter neben Anhängern der Mittelpartei ihren Einzug in die Repräsentantenversammlung halten. Aber auch in der Zeit von 1920 bis 1926 kam es noch zu scharfer; Auseinandersetzungen, da uns von liberaler Seite auf wichtigen Gebieten Konzessionen nur mangelhaft urrd zögernd cingeräumt wurden. So war es erklärlich, das; bei dem Wahlkampf von 1926 alle nichtliberalen Richtungen sich in dem Wunsche vereinigten, die bisherige knappe liberale Mehrheit zu I5eseitigcri. Das gelang. Aber der von liberaler Seite eingelegte Protest verzögerte die Auswirkung des klaren Wahlresrütates um nahezu 1>/s Jahre. War es ein Wunder, daß unter der Nachwirkung dieses Protestes die Mehrheit beschloß, einen der ihrigen auf den Präsidenterrsrtz zu entsenden? Damals siel zuerst das Wort von den Blockparteien. Es war damals so falsch wie heute. Man verrät kein Geheimnis, wenn man sagt, daß die bald nach der Konstituierung der neuen Repräsentantenversammlung erfolgende Wahl her Gemeindevorsteher den Wünschen der Volkspartei so wenig entsprach, wie das angeschlossene Uebereinkommen betreffs der alternierenden Führung des Vorsitzes im Gemeindevorstand. Seitdem haben innerhalb der Repräsentantenversammlung eine ganze Reihe von Abstimmungen stattgefunden, bei denen sich eine Blockmehrheit hätte zeigen müssen — wenn sie existierte. Ich erinnere nur an die Ersatzwahl für den Rat des Landesverbandes. Der Vorschlag des Gemeindevorstandes, der die Liberalen überging, wurde abgelehnt und ein liberaler Kandidat gewählt. In der letzten nichtöffentlichen Sitzung der Rcpräsentanterrversammlurrg wurde eine sehr wichtige Vorlage des Gemeindevorstandes von den Liberalen unter meiner Mitwirkung abgelehnt. Wenn cs also bedauerlicherweise zutreffen sollte, was Sie, sehr geehrter Herr Justizrat, qnsühren, daß immer wieder Stimmen laut werden, die nach Trennung rufen, so kann man sich dabei auf die Existenz eines Blockes in Wahrheit nicht berufen. Ihr Urteil über die Volkspartei zu kritisieren, liegt außerhalb meiner Aufgabe, nur soviel darf ich vielleicht bemerken: wenn rund 16 000 Wähler der Jüdischen Gemeinde es für richtig halten, Männer und Frauen ihrer Anschauung in die Repräsentanz zu entsenden, so entspricht es nt.- E. den Anforderungen des Liberalismus, eine solche Willensmeinung zu respektieren. Auch die Fragen der Mandatsdauer und des Mandatsbeginns sind wahrlich nicht tiefgehend genug, als daß sie eine Trennung rechtfertigen, zumal sie vorläufig doch nichts weniger als aktuell sind. Alles irr allem: die Blockmehrheit ist ein Phantom. Für die Vertreter der Mittelpartei wie für mich darf ich sagen, daß uns jede irrrparitätische Behandlung der liberalen Richtung sernliegt, daß wir aber die auf religiösem Gebiete vielfach vorhandene Uebereinstimmung mit der Volkspartei weder verleugnen wollen noch können. Tie Gefahr, daß sich aus dieser gelegentlichen Zusammenarbeit „ein jüdisches Staatswesen mir jüdischer Kultur urrd hebräischer Sprache ergibt", scheint mir ziemlich gering. Diese Neubildung erhoffen wir von jener Zeit, von der der letzte der Propheten spricht, wenn er das Wiedcre,rscheincn des von Ihnen zitierten Propheten Eiijahus ankündigt. Hoffentlich kann man bis dahin von der Berliner Gemeinde stets sagen: „Und sie bilden alle eine Gemeinde". Morr tz A. L o e b. Offene Antwort an Herrn Moritz A. Loeb Sehr geehrter Herr Loeb! Eine Offenheit erfordert die andere. Aus Ihren offenen Brief meine offene Antwort: Es besteht also nach Ihrer Darstellung in der Berliner Jüdischen Gemeinde kein Block gegen die Liberalen, und jedem nichtliberalen Repräsentanten oder Gemeindevorsteher liegt „jede imparitätische Behandlung der liberalen Richtung" fern. Lassen wir die Tatsachen sprechen. Die erste Handlung der neuen Repräsentantcnversammlung war ihre Konstituierung. Nach altem parlamentarischem Brauch hatte die stärkste Fraktion Anspruch auf Nominierung des Vorsitzenden. Mit den 11 Stimmen der Nichtliberalen gegen die 10 Stimmend er Liberalen wurde die Durchführung dieser parlamentarischen Selbstverständlichkeit verhindert. Zum Wohle der Gemeinde? Im Interesse der Verhandlungen in der Repräsentanz? Ich vermute, Ihre Antwort auf diese Frage wird von der meinen nicht sehr abweichen. Es folgte die Wahl in den Gemeindevorstand. Von liberaler Seite wurde hierbei 'Herr Leopold Badt in Vorschlag gebracht, ein Mann, dessen Verdienste um das Judentum Ihnen ebenso bekannt sind wie mir. Ein Mann, dessen früheres Ausscheiden aus dem Gemeirrdevorstand während des Wahlkampfes in Flugblättern der Mittelpartei irr ihren Versammlungen mehrfach bedauert wurde, eine Persönlichkeit, die durch ihr vermittelndes Wesen für die Leitung der Gemeinde bei den jetzigen Verhältnissen prädestiniert gewesen wäre. Es folgte die Abstimmung. Mit 11 gegen 10 Stimmen wurde die Wahl des .Herrn Badt abgelehnt. Durch das Ableben unseres Freundes Leo Lilienthal war die Stelle eines jüdischen Sachverständigen im Kultusministerium zu besetzen. Eine Angelegenheit, die das ganze preußische Judentum anging, urrd die deshalb den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden beschäftigte. Weil im Landesverband ein Vorschlag Dr. Freund keine Aussicht aus Erfolg hatte, schlug die Berliner Gemeinde während der schwebenden Beratungen im Landesverband von sich aus Herrn Dr. Freund dem Kultusministerium vor. Die Liberalen protestierten dagegen, daß die Berliner Gemeinde in dieser Angelegenheit dem Preußischen Landesverband Vorgriff, eine Beschwerde, deren Berechtigung schlechterdings von jedem ei«- sichtigen Gemeindcpolitiker anerkannt werden muß. . W s aber war auch nur einer von den 11, der den liberalen Protest unterstützt hätte? Die Frage der Mandatsdauer und des Mandatsbcginns ist strittig. Die Liberalen beantragen eine Klärung. Der Gemeirrdevorstand holt Gutachten ihm nahestehender Juristen ein, die entsprechend der jeweiligen Partcieinstellung ausfallen. Die Liberalen beantragen Einholung eines schiedsrichterlichen Gutachtens von einem der Gemeindepolitik fernstehenden, von allen Parteien anerkannten Juristen. Mit 11 gegen 10 Stimmen wird der Antrag abgclehnt. Mit 11 .fl egen 10 Stimmen. Und dennoch soll es keinen Block geben? Sic sagen, es „habe innerhalb der Repräsentantenversammlung eine ganze Reihe von Abstimmungen stattgesunden, bei denen sich eine Blockmehrheit hätte zeigen müssen— wenn sie existierte." Ich glaube, die wenigen Beispiele, die ich vorstehend angeführt habe, beweisen, daß eine ganze Reihe von Abstimmungen stattgesunden hat, bei denen sich eine Blockmehrheit klar gezeigt hat. Und: wenn die angeführten Beispiele noch nicht genügen, so wären die letzten Zweifel geschwunden durch das sonst ganz unverständliche Verhalten von Herrn Dr. Oskar Cohn, der in einer* Sitzung der Repräsentantenversammlung mit den Liberalen gegen eine vom Vorstand vorgeschlagene Gehaltserhöhung für Herrn Dr. Freund stimmte, weil auch ihm diese Erhöhung bei weitem zu hoch schien, und der dann, als vom Vorstand diese Angelegenheit nochmals in die Repräsentanz kam, bei der gleichen Vorlage in einer langen Rede erklärte, er sei zwar grundsätzlich auch jetzt noch gegen die Erhöhung, aber