Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-04-20 · 16 (20.4.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
16 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613963--2679-2620178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

V 8. Jahrgang Nummer IS Beilage 20. April 1928 Umschau Die Pfändung der Synagogen-Eemetnde Göttingen. Auf unsere früheren Veröffentlichungen ist uns vom Vorstand der Shnagogen-Gemeinde Hildesheim folgendes Schreiben vom 10. April zugegangen: „In Nr. 13 und 14 Ihrer Zeitung bringen Sie zwei Artikel unter den Ueberschriften „Die Göttinger Synagogengemcinde vor der Pfändung" und „Eine gepfändete Gemeinde", deren Inhalt ein unrichtiges Bild von der Sachlage gibt, sodaß wir anheimgeben, zur Aufklärung folgendes richtig zu stellen: Die Gemeinde Göttingen hat schon seit Jahren durch alle Instanzen gegen die gesetzlich für das ehemalige Königreich Hannover bestehende Landrabbinatsverfassung angekämpft mit dem Ziele, aus dem Landrabbinatsbezirke Hildesheim entlassen zu werden. Da die Regierung, welche die geringen Beiträge der einzelnen zum Landrabbinat gehörenden Gemeinden festsetzt und einzieht, nach den zurzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen den Austritt ablehnen mußte, versucht nunmehr der Vorstand der Gemeinde Göttingen, es zum gewaltsamen Bruch kommen zu lassen und hat öffentlich erklärt, die Synagogengemeinde Göttingen werde die von der Regierung ihr auferlegten Beiträge nicht mehr zahlen, lasse sich vielmehr pfänden, sodaß sich die Regierung bei der unbegründeten Weigerung der Synagogengemeinde Göttingen zur zwangsweisen Einziehung veranlaßt gesehen hat. Wenn der Artikelschreiber der ersten Veröffentlichung sein Bedauern darüber ausdrückt, daß wahrscheinlich dieser Skandal in die breite Öffentlichkeit dringen wird, dann hat er es durch seine Artikel gewollt und erreicht: wir werden uns an weiteren Veröffentlichungen nicht beteiligen. Ter Vorstand der Synagogengemeinde Hildesheim. I. Berg. Alex Rehfeld. Wir versagen es uns einstweilen, trotzdem das vielleicht eine ganz zweckmäßige Illustration wäre, im Zusammenhang mit dem Göttinger Fall auf die in vielen Bezirken völlig sinnlos gewordene Institution der Landrabbiner einzugehen. Das vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ver- «bfchiedete Judengesetz wird auch auf diesem Gebiete hoffentlich recht bald Wandel schaffen. Deshalb nur einige Worte zu dem Hildesheimer Schreiben. Die Erwiderung der Herren Vorsteher der Synagogengemeinde Hildesheim bestreitet nicht den nackten Tatbestand, der freilich völlig klar liegt, sondern bestätigt ihn. Nur schiebt sie die Schuld an der Pfändung dem Regierungspräsidenten in Hildesheim und dem Vorstand der Göttinger Gemeinde zu. Die Hildesheimer Gemeinde habe mit der Göttinger Gemeinde an sich nicht das allergeringste zu tun. Sie wolle von ihr bloß Geld. Es ist natürlich ganz ausgeschlossen, daß der Regierungspräsident, der ftoh sein würde, wenn man ihn mit der häßlichen t Angelegenheit verschont ließe, aus freien Stücken die unsinnig gewordene Gesetzesbestimmung von 1842 anwendet, lediglich, um der Hildesheimer Gemeinde einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Er wird vielmehr von ihr vermittels ihres Rabbiners dazu gedrängt. Der Regierungspräsident hat die Pfändung nur deshalb vornehmen lassen, weil die Hildesheimer Gemeinde auf ihrem längst vergilbten Schein von 1842 besteht. Es mag geschäftstüchtig sein, von einer weit schwächeren Gemeinde Geld herauszuholen auf Grund eines Gesetzes, das als Wohltat für sie gedacht war, nicht 'aber als eine Entlastung für die finanziell doppelt so starke Hildesheimer Gemeinde, die von der preußischen Regierung nicht als zuschußbedürftig erachtet wurde. Ist jedoch dies Verhalten einer Religionsgemeinde würdig? Was sollte der Vorstand der Göttinger Synagogengemeinde tun? Er kann nicht aus eigener Tasche die 1500 Mark zahlen. Sie mögen für die Hildesheimer Gemeinde ein „geringer Betrag" sein, sind es aber nicht für die Göttinger Gemeinde. Das Geld von den Göttinger Gemeindemitgliedern zu erheben, war nicht möglich. Sie waren entschlossen, auf keinen Fall den „Tribut" an die Hildesheimer Gemeinde zu entrichten. Einen Zwang, so sprechen sie, würden sie mit dem Austritt aus dem Judentum beantworten. Die Erregung war groß und ist seitdem gestiegen. Wie würde der Vorstand der Hildesheimer Gemeinde in dieser Lage gehandelt haben? Nicht erst durch die Artikel in der Jüdisch-liberalen Zeitung wurde der Skandal der Pfändung einer Synagogengemeinde der hiesigen Stadtbevölterung bekannt. Das traurige Ereignis rief vor dem Erscheinen der Zeitungsaufsätze in der Bürgerschaft größtes Befremden hervor. Angesehene Persönlichkeiten behaupteten, es sei eine Ungeheuerlichkeit, daß sich eine Kirchengemeinde einer ärmeren Schwestergemeinde gegenüber auf ein fast 90 Jahre altes Gesetz beriefe, nur um daraus einen Nutzen -zu ziehen. Daß sich der Vorstand der Hildesheimer Synagogengemeinde an weiteren Veröffentlichungen nicht beteiligen will, mag „klug" sein, wie ja auch seine ganze Erklärung „diplomatisch" ist. Doch wehe der deutschen Judenheit, wenn sich diese Klugheit und Diplomatie stärker erwiesen als die Wahrheit. Die verbotenen „Freunde Israels". In der vorigen Woche veröffentlichten wir die Nachricht, daß die Gesellschaft der „Freunde Israels" vom Heiligen Stuhl verboten worden ist. Nunmehr wird von hoher kirchlicher Seite der Wortlaut des in der Acta apostolicae sedis veröffentlichten Dekrets zur Kongregation des heiligen Offiziums für die Aufhebung der Vereinigung Freunde Israels mitgeteilt. In diesem Dekret heißt es: „Die katholische Kirche war dem jüdischen Volke immer günstig gesinnt. Die katholische Kirche war stets gewohnt, für das jüdische Volk, dem Gott die Versicherung der Erscheinung Jesu Christi auf Erden gegeben hat, zu beten, trotz und gerade wegen der Verblendung Israels. Ganz im Geiste dieser Liebe zu Israel hat der Apostolische Stuhl das jüdische Volk gegen ungerechte Bedrückung geschützt und ebensosehr, wie er jeden Haß und jede Feindschaft unter den Völkern verwirft, so verwirft der Heilige Stuhl auf das schärfste den Haß gegen das erkorene Volk Gottes, den Haß, der 'in dem Antisemitismus in Erscheinung tritt. Da die Vereinigung Freunde Israels, der früher nicht allein kine Anzahl von Gläubigen und Priestern angehörte, sondern mit der auch ziemlich viel Bischöfe und Kardinäle sympathisierten, in ihrem Handeln und Denken von dem Geist der Kirche, der Meinung des Heiligen Vaters und von der heiligen Liturgie selbst abgewichen ist, haben die ehrwürdigen Väter, nachdem sie das Urteil der Konsultoren gchört haben, die Aufhebung der Vereinigung der Freunde Israels verfügt. In einer Audienz, die der Heilige Vater Pius XI. dem Assessor des heiligen Offiziums gewährt hat, wurde der Beschluß der ehrwürdigen Väter gutgeheißen und die Veröffentlichung des Dekrets des heiligen Offiziums verfügt." Wedgewood fordert die Umwandlung Palästinas in eine« Teilstaat des britischen Imperiums. „Gott schütze uns vor unseren Freunden." Dieses Wort werden nächstens die Zionisten auf ihre nichtjüdischen Propagandisten anwenden können. Jetzt ist im Verlage der englischen Arbeiterpartei unter dem Titel „Das siebente Dominium" ein Buch über den Zionismus erschienen, dessen Verfasser der bekannte Zionistenfreund Wedgewood, der Arbeiterführer und Ministerim Macdonaldi ist. Wedgewood stellt vor allem fest, daß England als Träger des Palästina-Mandates verpflichtet ist, den Aufbau des jüdischen Palästina materiell und moralisch zu fördern. Die englische Verwaltung darf nicht, wie bisher, untätig mitansehen, wie sich die Juden unter den schwersten Verhältnissen abrackern und englische Beamte chnen noch Hindernisse bereiten. England als Mandatarmacht hat die Pflicht, seine Macht, seinen Einfluß und seinen Kredit in den Dienst der Sache des Aufbaus zu stellen. So legt Wedgewood die Pflicht Englands fest. Dann aber spricht er vom Rechte Englands und wirft die Frage auf: Soll England das jüdische Palästina aufbauen aus die Gefahr hin, daß dieses mit seiner Hilfe geschaffene politische Gebilde vo« dritter Seite benützt werden kann, um England in seinen Stellungen in Asien und Afrika zu bedrohen? Wie kann eine Garantie geschaffen werden, daß dieses jüdische Palästina, auf einem für das britische Reich so lebenswichtigen Punkte gelegen, nicht in den Dienst der Feinde gerät oder sich in diesen Dienst begibt? Wedgewood gibt dazu die Antwort: Palästina muß ein Bestandteil des britischen Reiches werden, ein Teilstaat des britischen Imperiums, das siebente Dominium. Der radikal-zionistische Führer Oberbaurat Robert Stricker veröffentlicht in der von chm herausgegebenen Wochenschrift „Neue Welt" unter der Ueberschrist „Farbe bekennen!" Bemerkungen zu dem Buche Wedgewoods. Er spricht zunächst von der zersetzenden Wirkung dtzr Verhüllung und Herabsetzung des Endzieles, die bereits innerlich und äußerlich in die Erscheinung getreten ist. Die zionistische Bewegung, der treibenden revolutionären Idee vom Judenstaat beraubt, nimmt immer mehr den Charakter einer Geldsammlung für eine be- Verein für Feuerbestattung In Berlin von 1874, e. Y. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lfitzowstraße 44, Telephon: Lfitzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 Malerarbeiten jeder Art Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Fassaden etc. Robert Gutheim W50, Knlmbacherstr. 7, Fernspr.: Lützow 6260 Kostenanschläge gratis Darmstadter und Natlonalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Bilanz per 31. Dezember 1037 Aktiva Kaffe, fremde Geldsorten, Kupons und Guthaben bei Noten» um» AbrechmuiqS- (Ckearing»)8anken. Wechsel und unverzinslich« Schatzanweisungen . Noßrogulbaben bei Banken und Bankfirmen . Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere. Borschüsse auf Waren u. Warender» _,schisfmmen . »igene Wertpapiere.. Konsortialbeteiligungen. «westtbe Beteiligungen bei endeten Danken und Lankfirmen. Debitoren in laufender Rechnung . . . Bankgebüude . . ' " Summa der Aktiva «. 66367 786*10 407 710 409,67 317 656 628,84 109 607361,96 190 68? 936,50 23 214 781,90 26 941 666,92 21 401 676,82 707 395 270,38 26 000 000,— 1771972674,39 Passiva Aktienkapital ... Reserven . . , . r.' Akzepte.. Penfions-FondS für Beamte . ... >. Sonstige Passiva.«... Gewinn-Saldo.. . . Summa der Passiva Gewinn- und Vorhut-Konto p M. 60 000 000,— 50 600 000,— 1563 908 407,62 72 504 766,71 3 000 000,— 6 228 947,08 16 270 553,08 ,17^1972674,39 ro 1927 Soll BerwattnnKlosten ........ Steuern.. ... . Gewinn-Saldo ■; . t r t . M. » 128 043,67 9 386 968,98 16 370 663.08 *»786 066,66 Haben Provißonen. Wechsel mtb Zinsen einschließlich M SewinneS auf Kupons «hi# Sorten . . Kiekten, mtb Sonsortiöl-Tewknne. . . «ewinn-vortravon 1608 ...... M. 49 Ml 6»,S8 93 345 98622 6600 000,— 2877 950.09 80 786 656,63 Lehrer der in der Lage ist, den Kantor zu vertreten, wird kür die Religionsschule gesucht. Gehalt entsprechend d. Gruppe IVa d. Reichsbesoldungsordnung. Meldungen bis 1. Mai 1928 an das Gemeinde-Sekretariat Große Schulstraße 2 c. Der Vorstand d. Synagog.-Gemeinde _Magdeburg Abitur, Obersefcunda Vormittags-Abendschule Private Vorbereitungsanstalt Direktor Danziger Berlin, Alte Jakobstraße 125 Hier fehlt ihr das Programm der 12 Attraktionen 12 Näheres siehe am Säulenring. Sonnt ag 2 Vorstellungen 2 330 und 8 Uhr. 330 kleine Preise. Inserat Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Bilanz. abgeschlossen am 31. Dezember 1927 AKTIVA Kasse, fremde Geldsorten, Zinsscheine und Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken . Wechsel. Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen . Reports und Lombards geg. börsengängige Wertpapiere. Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen . Eigene Wertpapiere. Konsortialbeteiligungen. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen. Debitoren in laufender Rechnung . . . Bankgebäude . Sonstige Immobilien. RM 48 873 944,84 235 574 091,74 152 063549,05 116 456133,19 120702073,96 17 400912,32 12415 334,01 6414529,13 531 583 017.12 23 500 000,— 2 500 000.— 1 267 488 635,36 PASSIVA Aktienkapital.. . . . Reservefonds I.. Reservefonds II.«... Kreditoren. Akzente und Schecks. Dividenden-Rückstände ....... Gewinn.. RM 60 000 000,— 31 620000,— 2 500 000,— I 107 759 244,66 55 361 216,81 39706^0 10 208 467,69 1 267 488 633^6 uewinn» and Verlust-Rechnung für das 58. Geschäftsjahr abgeschlossen am 3L Dezember 1927 VERLUST Handlungs-Unkosten. Steuern und Abgaben. Gewinn ... RM 43926303,10 7664 860,89 10 208 467,69 61 799 631,68 GEWINN Gewinnvortrag von 1926 . Zinsen, Wechsel, Sorten und Zinsscheine Provisionen. RM 1517 807,15 27 680 750,48 32601 074/15 61799 631/W Kraftvoll — wie ein großer teurer Wagen YY^> SM zu erstaunlich niedrigem Preis — mit zahlreichen modernen Verbesserungen Tausende in den Straßen der Großstadt zollen ihm begeisterte Bewunderung — dem neuen Chevrolet 1928. Ina llen Teilen ein großer Wagen, schnell, kraftvoll und doch zu niedrigem Preise j^EGEISTERT aufgenommen in aller Welt, bei vielen Tausenden — dieser neue, farbenfrohe Chevrolet für 1928 mit den wesentlichen Eigenschaften großer Luxuswagen. Er verfügt jetzt über eine Unmenge öeuer technischer Verbesserungen einen tieferen, schmäleren Kühler, thermosta* tische Wasserkontrolle . . . Und wieviel mehr Raum für 5 Erwachsene durch den 10 cm verlängerten Radstand. Auf den eigens konstruierten Federn verspüren Sie auch nicht die leiseste Erschütterung mehr. Wenn Sie die kugelgelagerte Lenkung versuchen, merken Sie erst, wie spielend leicht der Wagen zu regieren ist. Der berühmt starke Motor mit Ventilen im CHEVROLET GENERAL MOTORS G m b h BERLIN*BORSIGWALDE Autorisierter General Motors-Händler für Chevrolet Zylinderkopf hatdiebestimmendenEigen* schäften kostspieliger Maschinen. Lassen Sie sich kt-inesfalls den Vorteil entgehen, die weseo liehen Vorzüge großer, eleganter Limousinen für so geringen Preis zu erwerben Macher Sie eine Probefahrt. Ihr Chevrolet*Händler erklärt Ihnen auch die bequemen Zahlungsbedingungen. Ermäßigte Preise Touring, 5 Sitzcr.. . . . M 3725 Coach, 5 Sitzer. 4250 Sedan, 5 Sitzer. 4625 ImperiahLandau Sedan.. , . 4920 SportsCoup6, 4 Sitze. 4650 V^tsLieferwagensChassis ....... 2895 172*t*Lastwagen*Chassis. 3795 Preis* ab Berlin, 5 Reifen lei Personenwagen. Ferner fahrbereite Schnell-Llefertmd Lastwagen auf Chan* roletmCnassh. Auskunft und Beratung durch amen Händler. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.