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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-04-20 · 16 (20.4.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
16 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zur Anthropologie der Juden Bon Professor Dr. Hans Friedenthal, Letter der Arbeitsstätte für Menschheitsknnde an der Universität Berlin. (Schluß.) Wenn man sagt, daß die Inden der semitischen Rasse angehören als Unterabteilung der weißen Rasse, so ist das nur so zu verstehen, daß ein Teil der heutigen Juden diejenigen Merkmale zeigt, welche heute als Rassenmerkmale der Semiten ausgestellt werden. Wir wissen aber ans der Geschichte, daß das jüdische Volk in alter Zeit sich aus Componenten gebildet hat, welche durchaus nicht den Forderungen entsprachen, welche man anlegen müßte, um semitische Rasse zu diagnostizieren. Die für die Juden besonders charakteristische große gebogene Nase mit schwacher Wulstung der Nasenflügel ist ein Erbmerkmal eines westasiatischen Volkes (Hetiter genannt), von dem die Anthropologen nicht mit Sicherheit sagen können, daß sie einer semitischen Rasse zuzurechnen seien. Ferner wurde Kanaan zur Zeit seiner Eroberung durch die Juden von einem Volksstamm bewohnt (Amoriter genannt), von denen ebenfalls nicht mit Sicherheit zu sagen ist, daß seine Angehörigen einer semitischen Rasse angehört hätten. Meist wird freilich auf Grund ungenügender historischer Kenntnisse das Gegenteil angenommen und die Amoriter als Arier teilweise bezeichnet. Wer die heutigen Juden anthropologisch untersucht in Schulen, beim Militär, bei Grenzübergängen, oder wo man sonst Gelegenheit findet, große Mengen von Menschen jüdischen Glaubens wissenschaftlich zu untersuchen, sinder man, daß es kein europäisches Merkmal gibt, welches den Juden fehlt und keines, welches als charakteristisch bezeichnet werden könnte für Juden. Es ist nicht richtig zu sagen, die Juden besitzen eine krumme Nase, sondern es ist richtig zu sagen, viele Juden besitzen eine krumme Nase. Es ist aber ebenso richtig zu betonen, daß viele Nichtjuden eine krumme Nase besitzen, so daß die Krummnasigkeit unmöglich als jüdisches Rassemerkmal bezeichnet werden kann. Es muß hier betont werden, daß es überhaupt keine jüdischen Rassemerkmale, sondern nur für einzelne jüdische Bevölkerungen (Populationen) durchschnittlich körperliche und geistige Vorzüge und Fehler gibt. Das ist ganz etwas anderes als Rasscmerkmale. In manchen Gegenden sind die gradnasigen Individuen bei der jüdischen Bevölkerung in der Minderzahl, bei der nichtjüdischen in der Mehrzahl. Großen Wert pflegten die Anthropologen der alten Schule darauf zu legen, ob eine Rasse langköpfig oder kurzköpfig sei. Die Juden sind weder eine langköpfige noch eine kurzköpsige Rasse, sondern von recht extremer Langköpfigkeit bis zu sehr ausgesprochener Kurzköpfigkeit finden sich alle Uebergänge unter den heutigen europäischen Juden und es gelingt nicht einmal zu sagen, welcher Kopfindex denn durchschnittlich einer jüdischen Bevölkerung eigentümlich sei, wenn man sich nicht auf ganz kleine Populationskreise beschränkt. Manchen anthropologischen Beobachtern ist ausgefallen, daß die Juden kurzköpfig sind, wo sie unter langköpfiger Bevölkerung leben. Das ist zwar statistisch in einzelnen Fällen richtig, aber in keiner Weise zu verwerten, da die Fälle, wo die Juden kurzköpfig unter kurzköpfiger Bevölkerung und langköpfig unter langköpfiger Bevölkerung sind, ebenso häufig sind, nur daß die Fälle, wo Juden eine andere Kopfbeschaffenheit haben, auffällig sind, während diejenigen, wo sie übereinstimmen, der Beobachtung entgangen sind. Es ist nicht einmal richtig, daß die Juden kleiner find in Deutschland als der Durchschnitt der Bevölkerung, unter der sie leben. Nehmen wir die Kinder der wohlhabenden jüdischen Familien, so sind diese sehr häufig im Durchschnitt größer und schwerer als die Kinder der minderbemittelten sonstigen Bevölkerung, nur ist es richtig, daß Europa in früheren Zeiten, wo die Bevölkerung noch nicht derartig gemischt war, wie es heute der Fall ist, von einer Bevölkerung besiedelt war, die im Durchschnitt an Gewicht und Körperlänge schlecht genährte heutige Juden bedeutend übertraf. Man muß nun freilich nicht denken, als ob durch gutes Essen allein die Erbanlage inbezug auf die Erreichung einer definitiven Körperlänge umgeändert werden könnte. Wir müssen hier wieder unterscheiden zwischen der Körperlichkeit und der Erbanlage. Durch Umweltseinflüsse, wie z. B. durch das Studieren, wird die Körperlänge größer als bei Landarbeit, während es sicher ist, daß selbst durch Generationen hin durch fortgesetzte Berufe nicht ohne weiteres die Erbanlage selber sich verändert. Die Erbanlage denkt sich die Wissenschaft in der gleichen Weise unveränderlich durch die Umweltseinflüsse wie in früherer Zeit die Chemiker sich die chemischen Elemente als unveränderlich dachten, bis gezeigt werden konnte, daß auch die chemischen Elemente sich teilweise zerlegen lassen und ineinander umgewandelt werden können. So wird auch in der Erblehre die Zett kommen, wo der Glaube an die absolute Unveränderlichkeit des Keimplasmas durch äußere Umstände fallen gelassen wird. Es wird aber als richtig bestehen bleiben die Ansicht, daß wir in vielen Fällen richtige Resultate erzielen, wenn wir annehmen, die Erbanlage wäre unveränderlich. Wenn wir also beobachten, daß bei den in der Stadt lebenden Juden unter günstigen Verhältnissen einzelne Individuen außerordentliche Körperlängen und Körpergewichte erreichen, so haben wir diese Tatsache nicht als etwas neu Erstandenes, durch die städtische Lebensweise erst Hervorgerufenes zu betrachten, sondern es hat schon immer im jüdischen Volke Riefen gegeben, wie überhaupt in der Menschheit die Möglichkeit des Riesenwuchses im menschlichen Erbgut enthalten ist selbst bei denjenigen Rassen, welche im Durchschnitt erblich kleine Jndivttruen zu erzeugen pflegen, die wir also mit Recht als kleine Menschenrassen bezeichnen würden. Würden in Europa, besonders in Zentraleuropa, die kleinwüchsigen Menschen von der Fortpflanzung ausgeschlossen bei den Christen, so würde selbstverständlich in Kürze die christliche Bevölkerung an Größe dre jüdische Bevölkerung, wenn bei dieser nicht die gleiche Auswahl getroffen wird, sehr bedeutend übertreffen. Wir können nicht verkennen, daß innerhalb Deutschlands viele Familien starke, große und schwere Individuen bei der Gattenwahl bevorzugen entsprechend den materiellen Neigungen vieler Mitteleuropäer, während in jüdischen Familien häufig die entgegengesetzte Tendenz sich bemerklich macht, wenigstens beim männlichen Geschlecht, einen schlanken durchgeistigten Typus bei der Gattenwahl zu bevorzugen. Daß w vielen jüdischen Familien die Frauen fetter werden als es dem durchschntttlichen mitteleuropäischen Geschmack entspricht, und daß derartig gemästete Individuen als schön angesehen werden, kann uns doch nicht veranlassen, etwa leichte Mastfähigkett für ein Rassemerkmal der Juden zu hatten. Derartige Unsitten sind Gottseidank nicht erblich Versammlungskalender Berlin. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin L. v., Bezirksgruppe Norden. Generalversammlung Dienstag, 24. April, abends 7.15 Uhr, Schönhauser Alle« 162. Tagesordnung: Bericht, Entlastung, Borstandswahl, Anträge. — Anschließend Gemeinde-Abend s. u. Liberale Synagoge Norde«. Generalversammlung Dienstag. 24. April, abends 7.45 Uhr, Schönhauser Allee 162. Tagesordnung: Bericht, Entlastung, Borstandswahl, Anträge. — Anschließend Eemeinde-Abend s. u. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirlsgruppe Norden und Liberale Synagoge Norde«. Dienstag, 24. April, abends 8.15 Uhr, Schönhauser Allee 162: Vortrag des Herrn Justizrat Ehodziesner, 1. Vorsitzender des Liberalen Vereins, „Stimmungsbilder aus der Gemeinde". Anschließend freie Anssprache. Für den zweiten Teil des Abends sind künstlerische Darbietungen der Konzertsängerin Fräulein Frost und des Herrn Oberkantor Ahlbeck vorgesehen. Gottesdienste Berliu-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachschen Waisenhaus, Schön-' Hauser Allee 162): Freitag, den 20. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 21. April, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 27. April, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdors-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nilvlsburger Platz): Jeden Freitag adend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 7.15 Uhr pünktlich. Freitag, den 20. April, Predigt: Rabbinatskandidat Fritz Graupe. Freitag, den 27. April, Predigt: Rabbiner Dr. Gallincr. Freitag, den 4. Mai, Predigt: Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal. und wenn es auch Tatsache ist, daß viele Juden durch Unmäßigkeit im Essen, weit seltener im Trinken, sich materiell überentwickeln und in chrer Geistigkeit beeinträchtigen, so ist diese Unsitte doch nicht erblich und geht daher nicht direkt auf die Nachkommenschaft über. Wenn die Anthropologen eine ganze Reihe von Fehlern und Mißbildungen bei der jüdischen Bevölkerung in etwas höherem Prozentsätze feststellen als bei der übrigen europäischen Bevölkerung, z. B. das Stottern, Schweißfüße, O-Beine, Nervosität, Geisteskrankheit, so liegt dies an der mangelnden Auswahl bei der Gattenwahl bei den Juden, da ohne die oben berührte besonders starke soziale Fürsorge bei den Juden ein rasches Aussterben der so unhygienisch Lebenden die Folge gewesen wäre. Es geht nicht an, daß, wenn wir häufig finden, daß Juden mit Zungenfehlern, Stottern, behaftet sind, wir diese Zungenfehler und dieses Stottern als ein rassiges jüdisches Merkmal bezeichnen, obwohl es natürlich der Menschheit ein leichtes wäre, eine rassige Bevölkerung zu erzeugen, bei der sämtliche Individuen stottern, lispeln, krumme Beine haben und Schweißfüße besitzen. In der jüdischen Bevölkerung macht sich in letzter Zeit ebenso wie in der nichtjüdischen die Tendenz geltend, den Vermehrungszuwachs einzuschränken. Wie bei der übrigen europäischen Bevölkerung sterben die meisten nur in der Stadt lebenden Familien aus und ergänzen sich durch Zuzug vom Lande, bei welchem ein solches Aussterben nicht zu bemerken ist. Die Tendenz zur Ehelosigkeit und Kinderlosigkeit ist bei den Juden durch die gleichen Umstände bedingt wie bei der übrigen nichtjüdischen Bevölkerung, denn es zeigt sich, daß die reichen städtischen Familien diese Tendenz entwickeln, die ärmere ländliche Bevölkerung die entgegengesetzte Tendenz. Auch hier bedingt die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben selbstverständlich keine anthropologische Verschiedenheit in dem Verhalten. Eins der besten anthropologischen Merkmale, die Haare, versagt vollständig, wenn wir sie auf die Juden anwenden wollen. Wir finden in manchen Gegenden häufiger Juden mit lockigen und kraushaarigen, sogar bis zu mulattenhaft kraushaarigen Haaren, als in der übrigen Bevölkerung. Es gibt aber so viele Juden mit schwachlockigen, schlichten und sogar straffen Haaren, daß wir unmöglich irgend eine Haarsorm als für eine jüdische Rasse maßgebend bezeichnen können. Wir können nur sagen, daß die Variationsbreite der Kopfbehaarung bei den Juden genau die gleiche ist wie die der gesamten europäischen Bevölkerung überhaupt. Genau das Gleiche gilt für den Konstitutionstypus, der ja ebenfalls als eminent erblich angesehen wird. Wir können weder sagen, daß die Juden einem schlanken Menschentypus angehören, noch einem plumpen, sondern wir müssen auch hier konstatieren, daß die Variattonsbreite der Wuchsform bei den europäischen Juden genau die gleiche ist wie bei der übrigen nichtjüdischen Bevölkerung. Was nun die rassenmäßige Begabung der Juden betrifft, so ist feftzustellen, daß die Variationsbreite der Begabung nicht zahlenmäßig feststellbar von der übrigen Bevölkerung abweicht. Wenn hervorgehoben wird, daß die großen Menschheitsgenies in der Mehrzahl Nichtjuden gewesen sind, was richtig ist, so entspricht dies durchaus nur der statistischen Wahrscheinlichkeit, falls die Begabung der jüdischen Bevölkerung und der nichtjüdifchen genau die gleiche wäre, da es überall in Europa immer so sehr viel weniger Juden wie Nichtjuden gegeben hat. Es muß hier betont werden, daß überhaupt große geniale Leistung und ihre Bewertung ein anthropologisch schwer faßbarer Begriff ist und es sehr unwahrscheinlich ist, daß wir in dieser Beziehung bei der heutigen Menschheit rassenmäßige Differenzen schon jetzt feststellen könnten. Wohl aber gibt es natürlich Differenzen bei den einzelnen Populationen und entsprechend den einzelnen Kulturkreisen, da ja von der Kultur aus und nicht von den anthropologischen Merkmalen aus der Begriff der Genialität definiert und festgestellt wird. Verfasser hält es für falsch, wenn viele Beobachter der Juden annchmen, daß diese ganz besonders begabt seien für den Beruf als Aerzte und Rechtsanwälte oder überhaupt für rein geistige Berufe. Verfasser hält diese angeblich größere Begabung für durch Umwelt und Kulturkreis bedingt, aber nicht für anchropologisch gegeben. Wenn wir uns die Elemente klarmachen, aus welchen das jüdische Volk in früherer Zeit sich zusammensetzte und dann noch hinzunehmen dre Elemente, die in historischer Zett dem jüdischen Volke sich angeschlossen haben, so werden wir nichts anderes erwarten können als das, was wir tatsächlich beschrieben haben: daß nämlich von höherer Warte aus geschen der jüdische und europäische Durchschnitt nicht A SELWWE BONN A'KH B E RAIN HAMBURG Filialen in allen Stadtteilen merklich verschieden sind. Dieselben Elemente setzen die westasiatische Menschheit und die europäische Menschheit zusammen und wenn an einzelnen Stellen Europas oder auch nach Religionsgemeinschaft verschieden die eine oder andere europäische Eigenschaft überwiegen sollte, so sind diese Differenzen nicht als prinzipiell zu betrachten, sondern als solche, welche dem menschlichen Willen unterworfen, wenn nötig abgeändett werden könnten. Immerhin macht sich in der Menschheit die Ueberzeugung gelteiw, daß die planlose Aufzucht von Jedermann aufhören müsse und daß es an der Zeit sei, vernünftige Forderungen für die Aufzucht der zukünftigen Menschheit zu stellen. Das gilt natürlich für die Juden ebenso wie für die Nichtjuden. Sollte nach Religionsgemeinschaft gesondert die eine oder andere Religionsgemeinschaft die Initiative in dieser Frage ergreifen, dann aber, auch erst dann würden die Angehörigen einer Religionsgemeinschaft in Zukunft erheblich mit denen der anderen anthropologisch bevorzugt erscheinen, denn es würde diejenige Religionsgemeinschaft die beste Rasse erzeugen, welche nach den vernünftigsten Grundsätzen verfahren würde. Die Menschheit bedarf durchaus nicht erst neuer Züchtungsprinzipien. Die Gesetze der Vererbung sind den Eugenikern und Rassenhygienikern durchaus bekannt und vertraut, was einzig und allein fehlt ist bisher noch die Anwendung in der Praxis. Zum Schluß möchte Verfasser noch einige Bemerkungen, machen über die weit verbreitete Auffassung, die wir in Rassebüchern vertreten finden, daß die Juden als Westasiaten anthropologisch ein europäisch fremdes Element darstellen, welches inbezug auf Rassigkeit allen Europäern weit ferner gegenüberstände als die Europäer untereinander. Dem gegenüber hat Verfasser in dieser Arbeit betont, daß dieselben anthropologischen Elemente bei den Westasiaten wie bei den Europäern derartig gemischt Vorkommen, daß wir wohl von einer Verschiedenartigkeit von Populationen, nicht aber von rassigen Verschiedenheiten von Europäern und Westasiaten sprechen können. Dem Verfasser ist kein einziges Merkmal bekannt, welches bei Westasiaten gefunden, bei Europäern vermißt würde. Wir kommen, wie gesagt, nur zu einer anthropologischen Verschiedenhett der Juden von der nichtjüdischen Bevölkerung, wenn wir Populationsdurchschnitte nehmen und dann können wir Unterschiede von gleicher Größe zwischen einzelnen benachbatten Orten innerhalb Europas und zwischen Angehörigen verschiedener Berufe desselben Volkes feststttlen. Verfasser würde es mit Freude begrüßen, wenn innerhalb der heutigen Religionsgemeinschaft die neuen Ergebnisse der Rassenlehre und der Eugenik Anwendung fänden. Dann würde es möglich sein, alle diejenigen Unterschiede zu besettigen, welche heute das Leben vieler Juden erschwere» und manchem Juden das Sicheinfinden und Einleben in die nichtjüdische Bevölkerung verlangsamen. Mit der Darlegung, daß es bisher keine jüdische Rasse gibt und geben konnte, fallen auch alle Folgerungen, welche Rassefanatiker aufgestellt haben über Vorzüge und Fehler der einzelnen Menschenrassen. Die Rassenlehre der Zukunft wird als ein die Menschheit nicht trennender und zerreißender, sondern in höchstem Grade verbindender Teil der Wissenschaft zu gelten haben, wenn vernünftige Hände und Köpfe versuchen, die Forderungen der Wissenschaft in die Praxis umzusetzen. Jüdische Kulturdenkmäler in Franken Die Frankenlande zählen mit zu den von Juden am frühesten besiedelten Landstrichen Deutschlands. Der Chronist berichtet, daß es bereits im 13. Jahrhundert zahlreiche jüdische Gemeinden in Franken gegeben hat. Ihre aus den vormittelalterlichen Zeitverhältnissen und der Psyche des Volkes erklärliche politisch und bürgerlich rechtlose Lage wird in dem Nürnberger „Memorbuch", das als eine Martyriologie der fränkischen Juden angesprochen werden kann, drastisch illustriert. Im Pestjahr 1349 kam es im Nürnberger Ghetto zu neuerlichen Verfolgungen. Das Jahr 1498 sah den endgültigen „Exodus" der Nürnberger Juden, als Kaiser Maximilian unter dem Druck der Volksmeinung die Vertreibung guthieß und gestattete. Die Vermögen wurden als kaiserliches Kammergut eingezogen. Willibald Pirkheim er fungierte als städtischer Vertreter beim Verkauf der den Juden gehörenden Liegenschaften. Und sein Zeitgenosse Veit Stoß wird als Käufer eines Judenhauses aufgeführt. Die Vertriebenen durften sich nicht in der unmittelbaren Umgebung von Nürnberg ansässig machen. Zum Teil fanden sie Zuflucht in dem Wttwensitz der Kurfürstin Anna zu Neustadt a./Aisch, wo sie nach Annas Tod 1515 neuerdings zum Wanderstab greifen mußten. Viele gingen ins Ausland. Wem bekannt, daß diese verhältnismäßig kurze vormittelatterliche Zeitepoche die Geschichte der Juden in Fransen ttlustriert und — wenigstens für Nürnberg — auch abschließt> wird sich nicht wundern, daß die jüdischen Kultyrdenkmäler, die sich erhalten haben, lediglich aus im

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