Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 15 (13.4.1928)
- Date
- 1928-04-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Karbvrg. (Gemeindesitzung.) In der Gemeindeversammlung, di« am Sonntag, den 1. April, stattfand, waren 2 turnus-- zemüß ausschcidende Repräsentanten sowie der erste Vorsteher der Synagogen-Gemeinde neu zu wählen. Die bisherigen Repräsentanten Herr Martin Blättner und Herr Greif sowie Herr Ludwig Fließ als erster Vorsteher wurden mit großer Mehrheit wiedergewählt. Kassel. (Der neue Polizeipräsident.) Obcrregierungsrat Dr. Hohenstein, der bisher vertretungsweise mit der Verwaltung des hiesigen Polizeipräsidiums beauftragt war, ist laut Amtlichem Preußischen Pressedienst vom 31. März zum Polizeipräsidenten von Kassel ernannt worden. Polizeipräsident Dr. Hohenstein ist in den Polizeipräsidien von Berlin und Elberfeld beschäftigt gewesen und nach der Pensionierung des inzwischen verstorbenen Polizeipräsidenten Freiherr v. Korff an die Spitze der Kasseler Polizei-Verwaltung berufen worden. Kassel. (Lehrerkonferenz.) Der Bezirksverein Kassel der israelitischen Lehrer Hessens hielt am 3. April in Kassel eine Versammlung ab. Lehrer Perlstein, Gudensburg, gedachte in seiner Begrüßungsansprache der bedeutsamen Ereignisse während der letzten Monate. Den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden kenn- -eichnete er als den Retter in der Not, da es seiner Anregung mit den zu Gebote stehenden Staatsmitteln zu danken sei, wenn zahlreiche kleinere Gemeinden mehr als früher den religiösen Einrichtungen Interesse und Verständnis für ihre Erhaltung entgegenbrächtcn, die finanzielle Not der leistungsschwachen Gemeinden erfahre dadurch eine wesentliche Erleichterung, die dankbar anerkannt werden müsse. Aus der Versammlung wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß die Subventionen nicht nur der Steuersenkung, sondern auch der Erhaltung und Ausgestaltung des Religionsunterrichts und anderer in Frage kommender religiöser Belange zu dienen hätten. Lehrer Rosenbusch, Bebra, beleuchtete den Stand der Vergütung für den Vorsängerdienst, der in Hessen nicht einheitlich gewertet ist, sondern nach dem Entgegenkommen der Gemeinden zivischen staatlich anerkannten Minimalsätzen und den von verschiedenen Gemeinden freiwillig gezahlten höheren Beträgen schwankt. In Eingaben an die bestehenden Gemeindeverbände ist auf die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung hingewiesen worden. Lehrer Moses, Kassel, machte in einer kurzen Besprechung des Buches „Deutsche Rassenangst" von Dr. Müller-Claudius auf den sozial-psychologisch wertvollen Inhalt der Abhandlung aufmerksam und zeigte namentlich, wie die Kennzeichnung des Antisemitismus als deutsche Gefahr bei den bevorstehenden Reichstagswahlcn und den damit verbundenen judenseindlichen Angriffen erhöhtes Interesse beanspruche, wie aber auch der Inhalt des dritten Kapitels „Tragödie zwischen Kind und Rasse" den jüdischen und nichtjüdjschen Lesern vieles zu sagen habe. Da Lehrer Perlstein infolge seiner Pensionierung den Vorsitz niederlegtc, trat nach dem aus der Versammlung gemachten Vorschlag Lehrer Moses, Kassel, an seine Stelle. Kassel. (Persönliches.) In Berlin-Wilmersdorf starb, 82 Jahre alt, Frau Hermine Heine, die langjährige Leiterin eines Müdchenpcnsionats, das bis vor etwa zehn Jahren hier bestand und der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ausbildung jüdischer junger Damen aus dem Hesscnlande und übrigen Teilen Deutschlands wertvolle Dienste leistete. Länger als drei Jahrzehnte hat die Verstorbene ihre schlvierigc Ausgabe mit großer Nachsicht und Hingabe zu lösen verstanden und durch persönliche Liebenstvürdigkeit den Weg vom Herzen zum .Herzen der ihr anvertrauten Jugend gesunden. Dasür solgt ihr der Dank vieler, die von ihrem .Heimgang mit inniger Teilnahme Kenntnis nahmen, als letzter Abschiedsgruß nach. Königsberg. (Festabend zu Ehren I u st i z r a t Holz.) Zu Ehren des 40 jährigen Vorstandsjubiläums von Justizrat Eduard H o l z .veranstalteten der Vorstand und die Repräsentanz der Synagogengemeinde ein Festessen sür die Mitglieder der Gemeinde, an dem neben den Vertretern der jüdischen öffentlichen Körperschaften und Organisationen auch Vertreter der Behörden teilnahmen. Namens des Vorstandes tvidmetc Geheimrat Prof. Dr. F a l k e n h e i m dem Jubilar herzliche Worte, der allen Bestrebungen, die der Förderung des Judentums dienten, sowie allen Bitdungs- und Fürsorgesragen sein besonderes Interesse zugewandt habe. Wenn es gelungen sei, die Synagogengemeinde Königsberg als eine Einheitsgcmcindc wieder herzustcllen, so sei das das Verdienst von Holz. Der Redner gab bekannt, daß die Gcmeindekörpcrschasten einstimmig beschlossen haben, Justizrat Holz zum Ehrenvorsitzenden der Synagogengemeinde zu ernennen. Namens der Repräscntantenversammiung übcrbrachte Professor Dr. Rudolf Cohn die Glückwünsche. Holz sei die lebende Geschichte der Gemeinde Königsberg im letzten halben Jahrhundert. Gemcinderabbiner Dr. Lewin überbrachtc die Glücklvünsche der Beamtenschaft der Synagogengemeinde Königsberg und der übrigen Gemeinden Ostpreußens, während Großtaufmann Arthur Cohn für den Verband der ostprcußischcn Synagogcngemeinden sprach und als Erinnerungszeichen einen Chanutkalcuchter überreichte. Für den Oberpräsidenten sprach Regierungsasscssvr Lippert und sür die städtischen Körperschaften Bürgermeister Dr. Goerdeler, der besonders auf die Verdienste Eduard .Holz' für die Kommune Königsberg hinwies. Namens des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gratulierte dessen Bicepräsidcnt Moritz A. Loeb-Berlin, während Bankdirektor Marx sür die Filialgemeinde Adas; Jisroel sprach. Justizrat .Holz dankte den Rednern und stellte zn seiner besonderen Genugtuung fest, daß an seinem Ehrenabend Mitglieder aller Parteischattierungen teilgenommen hätten. Er habe stets danach gestrebt, als Vorsteher der Gemeinde über den Parteien zu stehen. Weitere Glückwünsche überbrachten: die Repräsentantin Frau Maria Bor ko n sür die Frauen der Gemeinde, Dr. med. Willy Wolfsheim sür den Reichsbnnd jüdischer Frontsotdalen, Rechtsanwalt Dr. Arthur E h r l i ch - Tilsit sür den Ausschuß des Lynagvgenverbaiides Ostpreußen und Bücherrevisor Oskar Eichelbaum. Das Bcntschen übernahm erster Kantor Dr. Pick, der auch einige Lieder und Arien vortrug. Marburg. (Persönliches.) Professor Dr. A. Fränlel, der an der hiesigen Universität als nichtbeamtelcr außerordentlicher Professor wirkte, hat einen Ruf als Mathematik-Professor an der Universität Kiel erhalten und wird demselben sichere!» Vernehmen nach auch Folge leisten. Die Marburger Gemeinde lvürde das Scheiden des Gelehrten, der auch am religiösen Leben hervorragenden Anteil nahm und in der Misrachi-Bewcgung führend tätig war, hcrzlichst bedauern. Stadtoldendorf. (Jubiläum.) Ans eine sünszigjährige Tätigkeit im Amte blickt am 15. April Herr Lehrer und Kantor S. Braun zurück. Der Jubilar, der sich erfreulicher Weise in den 35 Jahren seiner Wirksamkeit in Stadtoldendorf an jüdischen und nichtjüdischcn Schulen mit großem Erfolge betätigen konnte und daher bei allen Bewohnern des Ortes hohes Ansehen genießt, übt heute noch in . körperlicher und geistiger Frische die Funktionen des Religionslchrers und Kantors in der Gemeinde aus und dürste daher an seinem Ehren-" tage Gegenstand mannigfacher Aufmerksamkeiten und Fremidschastsbeweise sein. ———M—— BÜCHERSCHAU * Jüdische« Jahrbuch für Groß-Berlin, Jahrgang 1928. Verlag Fritz Scherbel & Teilh., Berlin SW 19. Zum zweiten Mal erscheint dieser Wegweiser durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins, der von dem Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden herausgegeben ist. Das über 300 Seiten starke Buch weist gegenüber dem vorjährigen Band erhebliche Fortschritte auf und stellt jetzt einen vortrefflichen Querschnitt durch das jüdische Leben Berlins dar, der von den in ihm Tätigen nicht entbehrt werden kann und den Abseitsstehenden ejnen interessanten Ueberblick gewährt. Wenn so oft geklagt wird, es geschehe in Berlin auf jüdischem Gebiet nicht genug, so zeigt das Verzeichnis der jüdischen Vereine Berlins, daß vielleicht schon zu viel des Guten geschieht und daß eine „Rationalisierung des jüdischen Vereinslebens“ ganz zweckmäßig sein dürfte. Der literarische Teil des Buches enthält zahlreiche Aufsätze von Vertretern der verschiedenen jüdischen Richtungen, vornehmlich über aktuelle jüdische Fragen. Da es sich hier um einen — erfreulicherweise geglückten — ersten Versuch handelt, sind die einzelnen Abhandlungen noch nicht ganz miteinander abgestimmt. Der umfangreichste Beitrag stammt aus der Feder des bekannten Zionisten R.-A. Dr. Max Kollenscher und gibt „Gedanken zur Erneuerung der Gemeindesatzung“ wieder. Auch der überzeugte Nichtzionist, der der Auffassung Kollenschers nicht beizupflichten vermag, daß „w erktätige Mitarbeit am Aufbau Palästinas die Krönung der Gemeindearbeit ist1*, wird in der Mehrzahl despotischen Forderungen dem Autor zustimmen können. Als besonders erfreulich sei der Satz hervorgehoben: „Jede historisch gewordene religiöse Richtung, die sich auf dem Boden des Judentums praktisch durchgesetzt hat, kann Anspruch darauf erheben, daß die von ihr für notwendig erachteten Institutionen vorhanden sind und in ihrem Sinne durchgeführt werden.“ Die Eingemeindung der an der Peripherie des jetzigen Groß-Berlin vorhandenen Kleingemeinden lehnt der Verfasser, wenn nicht ganz besondere örtliche Gründe dafür sprechen, aus allgemeinen Gründen ab. Auf seine Ausführungen über Gemeindeautonomie und Parochialsystem, denen wir beipflichten, kann hier nur verwiesen werden. Seine Forderungen auf dem Gebiet der Jüdischen Schule werden erst nach der Verabschiedung eines Reichsschulgesetzes zur Diskussion stehen. Die Vorschläge für den inneren Ausbau der Organe der Berliner Gemeindeverwaltung entsprechen zum großen Teil Wünschen, die auch von liberaler Seite bereits geäußert worden sind. Insbesondere halten .wir bei den jetzigen Verhältnissen auch „die Einführung des Rechtes der Repräsentantenversammlung auf Mißtrauensvotum gegenüber dem gesamten Vorstand, dessen Annahme zur Demission des Gesamtvorstandes führen muß“, für zweckmäßig. Es zeugt allerdings nicht gerade von hoher Achtung der irn jüdischen Gemeindelchen Mitwirkenden und demokratischer Grundsatzfestigkeit, wenn Kollenscher hierbei Einführung einer qualifizierten Mehrheit verlange und Kautelen dafür, „daß dieses weitgehende Recht nicht durch Anwendung in Bagatellsachen mißbraucht wird". Zum Schluß sei noch die j Frage gestattet, worin denn nun nach Kollenschers Ansicht | eigentlich die speziellen Forderungen der Volkspartei zu er- } blicken sind. Kollenscher sagt: „Der Begriff der Volksgemeinde hat sich inzwischen völlig erübrigt.“ Hat sieh dann j aber nicht vielleicht auch die Jüdische Volkspartei „in- I zwischen völlig erübrigt“? Merkwürdig mutet es an, wenn I gerade Herr Kollenscher, dessen Poscner Buch wir leider J noch nicht vergessen können, und dem das Verhalten seines J Kollegen Oscar Cohn und der Zionistischen Vereinigung wähj rend der Beratung der Weimarer Verfassung doch sicherlich | bekannt ist, schreibt: „Mit aller Entschiedenheit und Bestimmtheit muß festgestellt werden, daß auch von National- I juden nie und nimmer die Forderung nach nationaler Autonomie in Deutschland aufgestellt ist.“ Trügt hier das Gedächtnis oder soll der Satz — und deshalb vielleicht „mit aller Entschiedenheit“ oder „nie und nimmer" — der Beschwichtigung des eigenen Gewissens dienen? Wie dem auch sei, der Poscner Kollenscher scheint uns der konsequentere Nationaljude gewesen zu sein. Die anderen Beiträge seien nur kurz gestreift. Geber „Die Berliner Jüdische Gemeinde im Jahre 1927" schreibt Leo Kreindlcr; seine Ausführungen sind leider entsprechend der von ihm geleiteten Berliner Chronik des Israelitischen Familienblatts zionistisch gefärbt. Rechtsanwalt Heinrich Stern hat einen Beitrag „Zur Reform der preußischen Judengesetzgebung“ beigesteuert, der in klarer und sachlicher Weise den Gesetzentwurf des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden (vor der inzwischen beschlossenen Kompromißfassung) behandelt. Einen interessanten und leider viel zu wenig bekannten Einblick in das arbeitende jüdische Berlin gibt Georg Davidsohn in seinem Artikel „Jüdische Schwer- und Schwerstarbeitc-r in Berlin". Der Geschäftsführer des Reichsausschusses der jüdischen jugendverbände, Dr. Georg Lubinski, gewährt eine Uebersicht über „Die jüdische Jugendbewegung in Deutschland“, ich desgleichen über „Die jüdische Presse". Sally Kirschstein behandelt die Frage „Wie hindern wir den Untergang aller jüdischer Kulturgüter?“ und Dr. Bertha Badt-Strauß schließlich „Judenprobieme in zeitgenössischer Literatur“. So ist das Jahrbuch von seltener Mannigfaltigkeit. Die schöne Ausstattung und die Beigabe von Illustrationen vermehren noch seinen Wert. Mag reiche Verbreitung des Jahrbuchs das Werk lohnen. Bruno W o y d a. Liberale Blätter, Frankfurter Organ für jüdisch-liberale Interessen. Herausgegeben von der .Jüdisch-liberalen Jugendgemeinschäft (Hi)“, Frankfurt a. M. Nun liegt bereits das dritte Heft dieser Monatsschrift vor, die der Frankfurter Ili unter der redaktionellen Führung seines Vorsitzenden Dr. Hugo Hoffmann herausgibt. Die in so vielen Fällen bewährte Energie und Zähigkeit unseres Freundes Hoffmann hat ihm auch hier wieder einen vollen und schönen Erfolg eingebracht: eine Zeitschrift liegt vor, die der Sache des liberalen Judentums zur Ehre gereicht und die Zeugnis ablegt nicht nur von dem echten Sehnen, sondern auch vom Können, von dem jüdischen Leben unserer Frankfurter liberalen Freunde. Von der Jugend, aber keineswegs nur für die Jugend wird das Blatt fierausgegeben. Es ist zunächst das Nachrichtenorgan der vielen m Frankfurt bestehenden liberalen Vereine, bringt Ankündigungen und Berichte über Vereinsveranstaltungen, darüber hinaus aber auch grundsätzliche Artikel über den religiösen Liberalismus, wie über aktuelle Zeitfragen. In den der ersten Nummer vorangegebenen Leitsätzen „Unser Ziel“ ist ausgeführt, daß das Blatt nicht bloßer Polemik dienen will, die sich im Kampf gegen andere Richtungen erschöpft, sondern daß es vielmehr den Zusammenschluß der Liberalen von Frankfurt und den Nachbargemeinden zu positiver Betätigung im religiös-liberalen Sinne anstrebt und insbesondere die Fernstehenden zurückgewinnen will. Die drei vorliegenden Hefte zeigen denn auch in der Tat solche positive Haltung; die einzelnen Aufsätze beweisen allerdings auch wieder, daß bereits in der Bejahung und vertieften Darstellung der eigenen Ziele mit aller wünschenswerten Deutlichkeit die Kritik an den entgegenstehenden Anschauungen enthalten ist. Unter den Mitarbeitern finden wir eine Reihe klangvoller Namen: Rabbiner Dr. Qottschalk, dessen Sprache uns wie Feueratem berührt, setzt sich für die Jugend und ihre seelische Not, für Geistesfreiheit und Religion ein; Rabbiner Dr. Vogelstein spricht von der Verinnerlichung des religiösen Liberalismus; der Altmeister unserer Bewegung, Seligmann, widmet dem Blatt ein warmes Geleitwort; Hermann Falkenberg plaudert über Peßachbräuche; Alex Jacobsohn und Erwin Bär sprechen über Probleme der Praxis: der Erziehung, Berufswahl, Frauenbewegung, der liberalen und der deutsch-jüdischen Jugend. Viele Fragen öffentlichen Wohlfahrt u. dgl. werden erörtert; auch Buchkritiken und aktuelle Berichte fehlen natürlich nicht. Eine Fülle von Vereinsanzeigen und Berichten aus dem Vereinsleben zeigt, wie beneidenswert reich die Gemeinde Frankfurt an jüdischen Kräften, jüdischem Leben ist. — Nicht nur unsere Frankfurter Gesinnungsfreunde, da? gesamte liberale Judentum sieht mit Dank und Stolz auf dieses sein jüngstes Kind, unter dessen Paten wir, laut einer Veröffentlichung in Heft 1, Lily Montagu, London, die Schriftführerin der World Union for Progressive Judaism, und Heinrich Stern, Berlin, den Vorsitzenden der Vereinigung für das liberale Judentum, gewahren. Möge der Zusammenhang mit dem deutschen und mit dem Gesamtliberalismus in vielen, vielen Jahrgängen des neuen Blattes immer fester und inniger werden! —tz. Rosenthal, Berthold. Heimatgeschichte der badischen Juden seit ihrem geschichtlichen Auftreten bis zur Gegenwart. Konkordia-Verlag. Bühl/Baden. 1927. Das mit großem Fleiß verfaßte Werk verdient alle Anerkennung, in einer leicht lesbaren Darstellungsweise vermittelt der Verfasser dem Leser nicht einen Ausschnitt mir aus der Geschichte der badischen Juden, sondern er gibt eine überaus fesselnde Darstellung der deutscher; Gemeinden seit 1600 Jahren. Die Verknüpfungen in der politischen und wirtschaftlichen Lage der Juden waren s» eng, daß eine geschickte Behandlung die inneren Zusammenhänge in immer wieder reizvoller Weise aufzeigt. Dieses Bemühen ist R. vorzüglich gelungen. Ob er von den Verhältnissen im Mittelalter spricht, ob er die Kämpfe um dir Durchführung der (. i 1c ich n e rech tigung im 19. Jahrhundert schildert, oh er die Entwicklung und die Aufgaben der Gemeinden in der Gegenwart behandelt, stets fesselt sein Buch. Es ist selbstverständlich, daß auch dem Kampfe der religiöse» Richtungen und der Durchsetzung der Reformen in Synagoge, Schule und Haus der gebührende Platz in der Schilderung eingeräumt wird. Daß das Werk von einer vornehmer, Objektivität erfüllt ist, braucht nicht erwähnt zu werden. Mit seinen vielen Vorzügen bietet das Buch in der Reichhaltigkeit seines Inhalts nicht nur dem mit Baden Verknüpften, sondern jedem geschichtlich interessierten viel det Fesselnden, Belehrenden und Anregenden. Rabbiner Dr. Steinthal. Josef Kaplan. Im Siebenten Himmel und andere Skizze*. M. W. Kaufmann-Verlag, Leipzig. In einer Sammlung ostjüdischer Skizzen zieht Heiteres und Ernstes aus jüdischem Erleben an uns vorüber. Da scheint noch manches anfängerhaft, aufsat/rnäßig; doch spricht aus Allein eine große Kenntnis ostjüdischer Psyche und jüdischen Lebens. Ausgezeichnet sind die Skizzen aus dem Erleben eines in Deutschland eingewanderten Glaubensgenossen, so z. B. die Erzählung „Der Paß“. Die Not eines Menschen ohne Paß schildernd. „Könnt Ihr Euch vorsteilen, was es heißt: ein Mensch, ein jiddischer Mensch, ein polnisch-jiddischer Mensch — und kein Paß." Von den ernste« Schilderungen scheint mir die Skizze „Der Tod des Tscherkessengenerals" recht wertvoll. Alles in Allem ein unterhaltendes Buch, aber auch nicht mehr. Rudolf A p t , Hannover. Werbt neue Mitglieder! Kalendarium s. die Zeit v. 14. 4. b. 21. 4.2$ April 1928 Nissan 5838 Sonnabend 14. 24. Neumondweihe Wochenabschnitl: Sch'mini Haslarah: II. Samue: Kap. 6,1.23; Kap- 7,1 — 17 Sabbal-Ausaang: 7.44 Uhr (Sonntag 15. 25. j i Montag 16. 26. Dienstag 17. 27. Mittwoch 18. 28. Donnerstag 19. 29.! Freitag 20. 30. 1. Tag Rosch Chod' I Jjar 5683 Sonnabend 21. 1. 2. Tag Rosch Chod' 1 Wochenabschnitt: Tasria und Mezanro» Haslarah: Jesaia 66,1—25 1! Sabbat-Ausgang: 7.58 Uhr | i 1 natürliche Heilquellen * * V*°’ vg®'*3' ßmfywftßwnn metMsM. Beigmonr Kerlag: Vereinigung für bas liberale Judentum e. Berlin SW.48. - Verantwortlicher Bedattenr: Dipl^Jng. Bruno Wotzda. Berlin NW. 23. - Druck: Hermann Wegner & €»., Berlm-M«riendors.