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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-04-13 · 15 (13.4.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
15 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Leopold Vadl Zum 70. Geburtstage 14. April 1928. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut." Das ist das Lebensmotto unseres lieben Freundes Leopold Badt jederzeit gewesen. Wer die Bestätigung hierfür hören und sehen will, der besuche die Insassen des Hospitals der jüdischen Gemeinde und eine der drei Berliner Alter-Versorgungsanstalten. Die alten Männer und Frauen strahlen vor Freude, wenn sie den Namen „B a d t" vernehmen. Seit zwei Jahrzehnten ist er chr treuer Berater und Freund. Er hat für alle ihre Nöte ein williges Ohr, er kennt alle chre Wünsche und erfüllt sie, er betreut sie wie ein Vater, der für seine Kinder sorgt. Leopold Badt besucht täglich eine der Wohltätigkeitsanstalten und kümmert sich um alles, was dort vorgeht. Er ist sür Jeden und für Alle besorgt und bedacht. Was aber noch mehr ist und was nicht genug gerühmt werden kann, Leopold Badt schafft persönlich die Mittel heran, um einen großen Teil der Bedürfnisse der Anstalten zu decken. Er ist der größte Wohltäter aller dieser Institutionen unserer Gemeinde. Die kaufmännische Karriere Leopold Badt's ist glänzend gewesen. In Rawitsch geboren, zog er, 14 Jahre alt, aus seinem Elternhaus, reich an Hoffnungen mrd arm an Mitteln. In Breslau absolvierte er seine Lehrzeit in einem Getreidegeschäft und mußte sich schwer durchringen. Erst nachdem er nach Berlin gekommen war, zeigten sich seine großen kaufmännischen Fähigkeiten. Er stteg schnell von Stufe zu Stufe, er wurde Prokurist in dem Getreide-Jmport-Geschäft von Hermann Jacoby, der als Stadtrat von Berlin einen hochgeachteten Namen hatte. - Badt leitete dies Geschäft mit überraschendem Erfolge und wurde an der Produktenbörse wegen seines weiten Blickes und wegen seiner seltenen Fähigkeiten hochgeachtet. Nachdem er Teilhaber der Firma Hermann Jacoby geworden war, wurde Badt in die höchsten Ehrenstellen an der Berliner Börse berufen. In den Vorstand der Börse gewählt, wurde Badt Vorsitzender der Produkten- Börse und gleichzeitig erster Leiter des Vereins der Berliner Getreide- und Produkten-Händler, sowie des Börsen-Schiedsgerichts. Auch als Mitglied der Berliner Handelskammer genießt Leopold Badt das höchste Ansehen in allen kaufmännischen Kreisen. Sein Rat wird hochgeschätzt und sein Urteil ist maßgebend in allen Fragen der Produkten-Börse. Oft genug hat die Regierung sich an Badt gewandt, um seine Meinung zu befragen. Durch sein leutseliges Wesen und durch seine gewinnende Persönlichkeit ist Badt heute nicht nur einer der einflußreichsten, sondern auch einer der beliebtesten Männer an der Berliner Börse geworden, der sich der allergrößten Hochschätzung und Verehrung bei allen seinen Berufsgenossen erfreut. In seiner schlichten Art wehrt er alle Anerkennung ab, und er ist glücklich, wenn es ihm gelingt, sür seine Pflegebefohlenen im Hospital oder den Alter-Versorgungsanstalten reichliche Beiträge zu erhalten, was ihm auch oft genug gelingt. Im Jahre 1905 wurde Leopold Badt in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt und übernahm die Dezernate über das Hospital und die Alter-Versorgungsanstalten. Sein zielbewußtes und energisches Wesen, sein kluger Rat in allen Fragen, die unsere jüdische Gemeinde bewegten, verschafften ihm bald in allen Kreisen der Verwaltung das höchste Ansehen. Er wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und trat mit seinem warmen Herzen überall für die Interessen unserer Glaubensgenossen ein. Leopold Badt ist streng liberal in seinem Denken und Handeln. Das aber hat ihn nicht gehindert, seiner eigenen Meinung zu folgen, wenn er sich auch damit mit der liberalen Fraktion 'mal in Widerspruch setzte. So ist es gekommen, daß Leopold Badt in den Vorstand nicht wieder gewählt worden ist und die liberale Fraktion hat dadurch den größeren Schaden gehabt. Erst nach seinem Ausscheiden merkte man, wie Badt sich unentbehrlich gemacht hatte und so riefen ihn die Liberalen wieder zurück und wollten ihn an die erste Stelle im Vorstand setzen. Sie machten die Rechnung ohne die Mittelpartei, die nicht genug Badt loben konnte, und sich trotzdem mit der Volkspartei verbündeten, um einen anderen Vorsteher zu wählen. Wenn wir heute zum siebzigsten Geburtstage Leopold Badt's diese Vorkommnisse beleuchten, so geschieht es, um mutig, ehrlich und vorurteilsfrei uns Juden gegenüber einstellt, wie Coudenhove-Kalergi es tut. Ihren Ausgang finden seine Betrachtungen beim Rassenproblem; innerhalb all der europäischen Mischrassen haben sich verhältnismäßig — von einer absoluten Rassenreinheit kann selbstverständlich nirgends die Rede sein - am reinsten die Juden und die feudale Kaste erhalten, auf der einen Seite (bei den Feudalen) durch dünkelhaftes Abschließen vom Volk, auf der anderen Seite (bei den Juden) durch Ghetto-Absperrung. Der Militarismus, die letzte, zugespitzte Konsequenz der feudalen Kaste, hat mit dem Weltkrieg seinen Zusammenbruch erlebt. Die Juden, durch vielhundertjährige Verfolgungen zusammengeschweißt, im Mittelalter massenhaft von Indifferenten, die, durch äußere Umstände veranlaßt, zu Apostaten wurden, gereinigt, bilden heute nicht nur eine Schicksals-, sondern eine bewußte Bekennergemeinschaft, und eine Generation nach der andern fand die Bestätigung ihres Bekenntnisses immer wieder im Studium der heiligen Schrift. So — folgert Coudenhove-Kalergi — ist es dem Judentum heute Vorbehalten, die europäische Menschheit von innen her zu erneuern. Die erste große Weltbewegung, die das Judentum aus sich heraus geboren hat, das Christentum, hat die Waffen strecken müssen vor der Seele Europas, weil die unter seiner südlichen Sonne gewordene Auslegung der Worte Christi statt einer sozialistischen, lebenbejahenden eine asketische, lebenverneinende wurde, und weil der europäische, lebenskampfgewohnte Mensch keine Lehre der Entpersönlichung, der gänzlichen Kampflosigkeit in sich Hineinpflanzen konnte. Das falsch interpretierte Christentum hat im Gegenteil seine Seele vergiftet, well es ihm die Naivität nahm, im Gefühl der Reinheit und Selbstverständlichkeit das aus sich herauszuleben, was Kraft und Natur in chm verlangten. Coudenhove-Kalergis eigene Worte sind (S. 61): „All dies ergibt, daß die Geschichte des europäischen Christentums ein Mißverständnis war." Denn der Glaube des von einem falschverstairdenen Christentums unbeschwerten Menschens ebenso wie der Glaube des Juden geht ja dahin, sich in diese Welt versetzt zu fühlen, nicht um sie als sündig zu negieren, sondern um sich in chr zu veredeln, um Gutes, Großes, Reines zu vollbringen und so, jeder für sich, das Messiasveich verwirklichen zu helfen. *! Versammlungskalender Breslau. Montag, den 16. April 1928, 29.39 Uhr, im kleine« Saal der Gesellschaft der Frennde, Graupenstratze, Bortrag: „Krifenvorgänge im deutsch-jüdischen Gemeindeleben", Referent: Georg« Goetz (Berlin), Eeneralselretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. L. Breslau. Jli „Abraham Geiger". Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halpersohn, Breslau 13, Moritzstratze 50. Der Beitrag für das 2. Quartal in Höhe von Mk. 2,50 ist seit 1. April fällig. Wir bitten um baldgefl. Einzahlung auf Postscheck-Konto Breslau 17443. Alfred Berger, Breslau 13, Augustastraße 67. Ab 29. April erfolgt Einziehung aller rückständigen Beiträge durch Postnachnahme._ Duisburg. Dienstag, den 17. April 1928, abends 8.39 Uhr, im oberen Saal der städtischen Tonhalle: Berfammlung. Liegnih. Mittwoch, den 18. April 1928, abends 8.30 Uhr, in der Silrfia- Loge, Vortrag: „Ideen- oder Stammesgemeinfchaft", Referent: George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B. Im Anschluß an deu Vortrag findet die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des ersten Vorsitzenden, 2. Kassenbericht der Kassiererin, 3. Entlastung des Vorstandes, 4. Neuwahl des Vorstandes, 5. Verschiedenes. SEL WWE »^ BONN A RH * BE OXIN HAMBURG' MARKE DIE ALTE Wwc.' [Filialen in allen Stadtteilen Ratibor. Dienstag, den 17. April 1928, 20 Uhr, in Brucks Hotel, Bortrag: „Krisenvorgänge im deutsch-jüdischen Gemeindeleben", Referent: George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B. * :: Gottesdienste $ Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachfchen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 13. April, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonsii. Sonnabend, de« 14. April, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 20. April, Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wttmersdorf-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Eäcilienschule, Nikolsbucger Platz): Jeden Freitag abend liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 7.15 Uhr pünktlich. Freitag, deu 13. April, Predigt: Rabbiner Dr. Bogelstein-Breslau. EaHHRHHHBnHBHEBSaaBraiBiHnaHEXiaBanuaKaaaaBni^HHU ihm zu beweisen, wie sehr wir ihn verehren und hochschätzen. Wir freuen uns, daß er abseits der heftigen Känrpfe, die in unserer Gemeinde jetzt toben, seine Kräfte sich erhält für seine verehrte Gattin, die Jahrzehnte hindurch an seiner Seite Freude und Leid mit chm geteilt hat, für seine Kinder und für seine Freunde. Möge Leopold Badt ein recht glücklicher Lebensabend beschieden sein und möge er noch lange wirken als Zierde unserer Berliner Kaufmannschaft und als treuer Beschützer unserer jüdischen alten Männer und Frauen, denen er den Lebensabend verschönt und erhellt. Benas Levy. Aus deu Gemeinden Berlin. (6 0. Geburtstag.) Herr Heinrich Stahl, Direktor der Victoria-Versicherung, vollendet am 13. April sein 60. Lebensjahr. Er begeht diesen Tag, um sich den Glückwünschen seiner zahlreichen Freunde zu entziehen, fern von Berlin. Umsomehr liegt uns daran, dem verdienten Philanthropen für seine bedeutsamen Leistungen im Dienste der jüdischen Allgemeinheit eine Anerkennung anszusprechen, die zwar seinem bescheidenen Sinn nicht entspricht, aber ihm in hohem Maße gebührt. Heinrich Stahl hat sich um das Gedeihen des jüdischen Beamtenstandes ganz besonders dadurch verdient gemacht, daß er die Beziehungen der Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung und des D.J.G.B. Und das Judentum schenkte der Menschheit die zweite große Weltbewegung: den Sozialismus durch Marx. Wieder versuchte es ein Jude, den Geist der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit in die europäische Menschheit zu pflanzen. Mit schärfster Eindringlichkeit und Unzweideutigkeit weist hier Coudenhove-Kalergi dem Judentum Weg und Aufgabe zu, ausgehend von der gerechten Erkenntnis, daß die geistige und schöpferische Eigenart des jüdischen Menschen nicht zu einer trennenden Zweiheit innerhalb der Volkskörper führen müsse, sondern im Gegenteil zu einem befruchtenden, gesunden Miteinanderarbeiten: „Auch ohne christlichen Glauben sind heute die Juden in Europa Träger der christlichen Ethik, Vorkämpfer der Menschlichkeit, der Brüderlichkeit, des Friedens und der Gerechtigkeit. Wie die Nachkommen und Nachfolger der europäischen Ritterschaft die heroische Ethik Hochhalten sollen, — ist die soziale Ethik und deren Pflege die große Mission des Judentums. Denn dessen Aufgabe liegt nicht darin, eine kleine asiatische Republik zu gründen und zu den zahlreichen Nationalismen einen neuen hinzuzufügen, — sondern gestützt auf seine große Tradition, die von Moses und den Propheten über Christus und Spinoza zum modernen Sozialismus führt, zum sozialen Gewissen der europäischen Kultur zu werden. Denn mit dem Schwinden des christlichen Glaubens droht Europa die Gefahr einer neuen barbarischen Epoche, deren Anfänge wir leicht erkennen können. Die christlichen Instinkte der Europäer sind zu schwach, um die christliche Religion ersetzen zu können. Darum bilden die europäischen Juden mit ihren sozialen Instinkten eine so glückliche Ergänzung dieses Mangels und ein wesentliches Element der Kultur, auf das Europa ohne Lebensgefahr nicht verzichten kann." (S. 1.) * In diesen Worten finden wir deutschbewußte Juden die schönste Bestätigung der Arbeit, die wir uns vorgezeichnet haben: Nicht unsere Gedanken, unsere Arbeitskraft darauf zu konzentrieren, dem Araberhaß und einer unwirksamen Natur den Boden für eine neue Nation zu entreißen, sondern dem Mutterlande, dem wir entstammen, in Gemeinschaftsarbeit durch unsere Eigenart kulturelle und wirtschaftliche Ergänzung zu sein. Well das Europa, das in schwerem Kampfe steht, heute keine positive, schaffende Kraft entbehren kann! Edith Falk. zu seiner Versicherung aufs selbstloseste wahrgenommen hat und einem immer größeren Kreise auch in schwerster Zeit die Sicherheiten und Bürgschaften einer Lebensversicherung ermöglichte. Seiner Initiative und von keiner anderen Seite erreichten Gebefreudigkeit ist es auch zu danken, wenn das jüdische Altersheim für die Provinz Brandenburg und Grenzmark errichtet werden konnte und als modernes Musterinstitut hohe Segnungen verbreitet. Seine Tatkraft und sein Edelmut bürgen dafür, daß dieses Haus, wachsend und in immer stärkerem Maße den unschuldig darbenden Alten, die keine Unterkunft und Heimat finden, offen stehen tvird und emc glückliche Ruhestätte bietet. Schließlich sei nicht vergessen, wenigstens zu erwähnen, daß die deutsche Regierung schon in den schweren Zeiten des Versailler Vertrages sich seines weisen Rates und seiner Tatkraft bediente und auch jetzt immer wieder seine Mitarbeit erbittet, wenn schwierige und internationale Fragen oder Regelungen von hoher Bedeutung das Verhandlungsgeschick eines Fachmanns höchster Qualität bedingen. Wir wünschen dem aufrechten Manne, dem guten Juden, daß er noch lange in der Vollkraft des Schaffens stehen möge, und umgeben von seiner treuen Lebensgefährtin, von Kindern und Enkeln, die Befriedigung empfinde, die gute Werke redlichen Herzen bereiten. Berlin. (5 0. Geburtstag.) Am 14. April feiert Herr Otto I. Kraft, Lichtenberg, Möllendorfstraße 9, seinen 50. Geburtstag. Herr Kraft, der in Berlin als opferfreudiger und mutiger Vorkämpfer sür Deutschtum und Judentum bekannt ist, steht dem Liberalen Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung und wir sind stolz, ihn zu den unsrigen zählen zu dürfen. Sein jüdisches Herz betätigt sich in dem engeren Bezirk Lichtenberg in der jüdischen Wohlfahrtspflege. Manche Träne hat er getrocknet und viele Glaubensgenossen haben dank seiner Tatkraft und Opferwilligkeit neuen Lebensmut geschöpft. Der Synagogenverein Lichtenberg ist ihm zu vielem Dackk verpflichtet, hat er doch anläßlich des kürzlichen Jubiläums mit offener Hand zur Verschönerung des Gotteshauses beigetragen. Bei der städtischen Verwaltung arbeitet er als Bezirksverordneter in den verschiedensten Kommissionen an hervorragender Stelle mit bestem Erfolge. Als Handelsrichter hat er oft genug Gelegenheit, seine hervorragenden Geistesgaben in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Wir wünschen dem Jubilar, daß er noch recht lange in voller körperlicher und geistiger Frische seine ideale Lebensauffassung zum Wohle des Judentums betätigt. Berlin. (Repräsentantenwechsel.) Infolge Arbeitsüberlastung hat das Mitglied der liberalen Repräsentantenfraktion, R.-A. Dr. Julius L. Seligsohn, sein Mandat niedergelegt. Hierdurch rückt der bisherige stellvertretende Repräsentant Stadtrat Herzberg zum Vollrepräsentanten auf. Von der liberalen Liste tritt als stellvertretender Repräsentant neu Fräulein R.-A. Dr. Margarete Berent in die Versammlung ein. Berlin. (Sitzung der Unterrichtsausschüsse des Preußischen Landesverbandes.) Amtlich. Während der Verbandstagung traten u. a. der Konservative und der Liberale Unterrichts-Ausschuß sowie der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zusammen. In der Sitzung des Großen Rates wurde beschlossen, der vorläufigen Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände, die in Nürnberg am 4. 3. 1928 mit dem Ziel der Schaffung einer Reichsorganisation gegründet wurde, beizutreten. Auf der Tagesordnung der beiden Unterrichtsausschüsse stand: 1. Herstellung eines Verzeichnisses von Lehrmitteln für den jüdischen Religionsunterricht zwecks Einreichung bei dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. 2. Die Frage der Pädagogischen Akademie. 3. Die Ausbildung von Schächterschütern als Religionslehrer. Nachdem die beiden Ausschüsse zunächst getrennt beraten hatten, fand sodann eine gemeinsame Sitzung statt, in der die 3 Punkte der Tagesordnung eingehend erörtert wurden. Berlin. (E r n e n n u n g.) Der Privatdozent sür Chirurgie Dr. Arthur Israel, ein Sohn des verstoroenen Chirurgen James Israel, ist zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt worden. Elbing. (Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Ostpreußen.) Der Verband der ostpreußischen Literaturvereine erstattet den 3. Jahresbericht nach der Wiederaufnahme der Verbandstätigkcit. Dem Verband, der von Rabbiner Dr. Neufeld-Elbing als Vorsitzendem und Rabbiner, Professor Dr. Perles-Königsberg als Stellvertreter geleitet wird, gehören folgende 11 Vereine an: Allenstein, Braunsberg, Danzig, Deutsch-Eylau, Elbing, Königsberg, Lyck, Memel, Osterode, Rastcnburg, Tilsit. In diesen Vereinen wurden insgesamt 60, im Vorjahre 52 Vorträge gehalten. Trotz der Abschnürung durch den Korridor und trotz der großen Entfernung ist es gelungen, 7 Redner aus dem Reiche (im Vorjahre 3) zu Rundreisen zu gewinnen. Auch wurde der Wohlfahrtsfilm „Ein Freitagabend" in einigen Vereinen gezeigt. Einige Rundreisen wurden durch Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Ostpreußen, Pommern und der Grenzmark ermöglicht. Es soll versucht werden, die Arbeit in dieser Weise zu erweitern und zu erleichtern. Dem Ausbau der Bibliotheken wurde lebhafte Beachtung geschenkt. Auf Wunsch kleiner Vereine soll auch eine Wanderbibliothek eingerichtet werden. Infolge der erhöhten Tätigkeit ist ein stärkeres geistiges Interesse, namentlich in den kleineren jüdischen Gemeinden, unverkennbar. Der Verband der Literaturvereine im Deutschen Reiche wird, wie zu hoffen ist, feine Tätigkeit erweitern und Bezirksverbände analog dem ostpreußischen Verband in anderen Gegenden einrichten. Frankfurt a. d. Oder. (Amtseinführung.) Vor kurzem fand die feierliche .Einführung des von Bingen a. Rh. hierherberufenen Rabbiners statt. Unter Orgelklängen wurde Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m von 2 Vertretern des Vorstandes in die festlich geschmückte Synagoge geführt, wo der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Justizrat Jacvbi, den Rabbiner mit einer Ansprache empfing, die auf seinen neuen Aufgabenkreis Bezug nahm Und mit der Ber-« pflichtung durch Handschlag auf sein neues Amt schloß.' Darauf bestieg Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m die Kanzel und hielt die Predigt, in der er sein religiöses Programm entwickelte.

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