Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 14 (6.4.1928)
- Date
- 1928-04-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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W’r- 1 *• darauf versessen, Pillen zu drehen und Mixturen zu mischen. Er sagt von sich selbst: „Ich glaube, ich habe Verse gemacht, che ich schreiben und lesen konnte. Als Elfjähriger dichtete ich Tierfabeln, verdiente mit knapp 16 Jahren m der'Woche 3,— Mark, indem ich — in ängstlicher Heimlichkeit vor Eltern und Geschwistern für den Komiker eines Lübecker Zirkusvarietes regelmäßig die letzten lokalen und politischen Aktualitäten in seine Couplets hineinwob, und verfaßte als Sekundaner das übliche Gymnasiastendrama in fünf, aus je mindestens drei Vorhangsszenen, bestehenden Akten in fünffüßigen Jamben mit gereimten Kraftstellen und Aktschlüssen. Es hieß „Juguttha".... Mit 17 Jahren flog ich aus dein Lübecker Katharineum heraus, weil ich dem Direktor und einigen Lehrern in anonymen Berichten an die sozialdemokratische Zeitung bloßgestellt hatte/" Nach einjährigem Besuch des Gymnasiums in Parchim in die Vaterstadt zurückgekehrt, wurde er Lehrling in einer Apotheke und schrieb an einem Tage für die Erhaltung einer anderen Apotheke als eines Kunstwerkes für fünf Lübeckische Zeitungen Artikel, die großen Erfolg hatten, nur nicht bei seinem Lehrherrn. Er ißachte auch hier schon die Bekanntschaft von Maximilian Harden, der zu einem Vortrage erschienen war, und dem er eine warmherzige Verteidigungsschrift noch viele Jahre später widmete. Kurzum: er geriet unwillkürlich in die Boheme und suchte sich über sie auch in einem Aufsatz, den Karl Kraus in der „Fackel"" veröffentlichte, theoretisch klar zu werden. Für ihn war die Boheme die gesellschaftliche Absonderung künstlerischer Naturen, denen die Bürdung an Konventionen und die Einfügung in allgemeine Normen der Moral und der öffentlichen Ordnung nicht entspreche. Weder Armut, noch Unstetigkeit sei ein entscheidendes Kriterium für die Boheme, sondern Freiheitsdrang, der den Mut findet, gesellschaftliche Bindungen zu durchbrechen und sich die Lebensformel zu schaffen, die der eigenen inneren Entwicklung die geringsten Widerstände entgegensetze. Heute findet er von der Boheme, wie er sie verstanden hat, bis auf wenige Ausnahmen fast nichts. Er nennt Mynona, Lotte Pritzel, Max Hermann-Neiße, Else L a s k e r - S ch ü t e r. Mit Bewunderung dagegen denkt er zurück an P e t e r H i l l e, Franziska v. R e v e n t l o w und einige von der ,,'N e u - en Gemeinschaft"", auch Martin Buber nicht zu vergessen. An dem Schlachtender Heim der „Neuen Gesellschaft"" hat er sich nur kurze Zeit beteiligt. Ruch P a u l S ch e rb a r t spielt in seinen Erinnerungen eine hervorragende Rolle. Selbstverständlich wird Siegfried Jacobs oh ns mit Bewunderung gedacht. Als die „Kommenden"" zeitweise ihr Stelldichein vom „Kaffee Größenwahn'" nach dem „N o l - l c n d o r f - K a s in o"" verlegt hatten, verbrüderten sie sich auch mir Rudolph Steiner, dem späteren Thwsophen und Anlroposophen, der damals seinen Beruf noch nicht ent deckt hatte. Tann kamen die romantischen Wanderjahre mit der Glanzperiode der „Elf Scharfrichter"" in München und der Entdeckung A s k o n a s. Erich Mühsam hatte »vie gewöhnlich kein Geld und wandte sich an gute Freunde und getreue Nachbarn. Einer, der Berliner Stadtverordnete Tr. Raffael F r i e d e b e r g , schickte ihm merkwürdigerweise rricht aus Berlin, sondern aus Askona 50 Lire an den Lago Maggiore. „Tort"", schrieb er dazu, „habe er ein Häuschen erstanden, und wenn wir in die Nähe kämen, sollten wir ja nicht versäumen, ihn zu besuchen."" Wir sahen uns an und lachtert. Vor knapp einer Woche waren wir zu Fuß den Lago Maggiore hinabwandernd, durch ASkona durchgekommen, ohne Ahnung davon, daß wir uns in unmittelbarer Nähe eines guten alten Bekannten aus dem Kreise der „Neuen Gemeinschaft"" und dazu des hilssfreudigsten Menschen unter der Sonne befanden. Lange vor uns hatten deutsche Lebensresormer die schöne Stätte entdeckt und dort tzlitten gebaut, die sich allmählich sogar zu Häuschen ausgebaut hatten. Vegetarier mit teils ernsten Lebensauffassungen, teils höchst spleenigen Erlösungsideen, hatten sich an den Abhängen des Lago angcsiedelt, bauten.Obst, lebten von Rohkost, lobten den.Herrn oder fick selbst. Ich habe im Jahre 1905 eine Schrift veröffentlicht, die cen Titel führte „Ascona"", eine Broschüre, .tari!! habe ich eine ganze Reihe der merkwürdigen Siedler zu porträtieren, die Atmosphäre Askonas und den Zusammenvon Natur und Menschen aufzuklären versucht. Ta habe ich auch erzählt, ivie nach und nach aus dem Refugium einiger Jndividnaiethiler als Tependance ein ethisches Kollektivernblissemeut hervorwuchs, die .Heil- und Erholungsanstalt „Monte Berit ä"", für die ich, da man dort mit nichts als rohem Obst und ungekochtem Gemüse gefüttert wurde, den Nameil „S a la t o rin m"" in Umlauf brachte. Ueber die Gäste, die matt in diesem geschäftlich wohlflorierendeüt Unternehmen antraf, habe ich mich recht mißmutig geäußert, ich nannte sie die ethischen Wegelagerer mit ihren spiritistischen, theosophischen, okkultistischen oder potenziert vegetarischen Sparrn, die schmachtängigen Blaßgerichter, die von morgens früh bis abends spät nur öefCiffeu sin), in untadligem Lebenswandel Leib und Seele im Gleichgewicht zu halten. Tr. Friedeberg aber fand, daß mir eine konsequente Kur aus dem „Monte Beritu"" sehr nützlich sein werde. So wurde ich zu den Rohköstlern gesteckt und mir eine Lufthütte als Behausung zugewich'en. Von früh bis spät kaute ich nun Aepfel, Pflaumen, Bananen, Feigen, Wal-, Erd- und Kokosnüsse. Es war schauderhast, und ich fühlte meine Kraft schwinden. Vierzehn Tage hielt ich es aus, dann ging ich zum Tirektor und klagte ihm, daß ich dabei zugrunde gehen müsse. ..Oh"", sagte der, „das ist nur die Krise, die muß jeder durchs machen."" Aber, meinte 'ich, wenn ich nun die Krisis nicht übersiehe, wenn ich dabei nun aus der Strecke bleibe? Herr Oedenkoven sah mich strenge an: „das kann ja sein, dann ist aber gar nichts an Ihnen verloren."" Ta ging ich ins Torf hinunter, setzte mich, in eine solide Osteria, ließ mir ein Beefsteak geben, trank einen halben Liter Wein dazu mib rauchte danach eine große dicke Zigarre. Nie hat mir eine Mahlzeit so geschmeckt, nie mich eine so gekräftigt und dein Leben gewonnen. Friedeberg ergötzte sich sehr, als ich ihm Bericht erstattete und bezahlte willrg die selbstverordnete Salatormmskur. In diesem Ton erzählt Erich Mühsam, ein ausgezeichnet er Plauderer, von anderen Irrfahrten, bis er glücklich oder unglücklich in München landete und hier seinem Schicksal nicht entging. Auch, auf der Festung ist es ihm miserabel genug gegangen. Obwohl er die Zeit dazu hatte, tonnte er sich nicht überwinden dort politische oder unpolitische Erinnerungen zu schreiben. Erst in Berlin fand er die Ruhe zu einer Sammlung poetischer Werke aus den Jahren 1898 bis 1928, die in diesen Tagen im Berlage I. M. S pa.e t h erscheinen tverden. An Streitschriften freilich hat er es auch in der Zwischenzeit nicht schien lassen. So über das „St and recht in Bayern", über „Gerechtigkeit für Max Hölz"" und sogar eine Monats» Gott Weil hinter allem Sein und Werden Tu UnfirWar tief verborgen stehst, Drum bete ich Dich Unbekannten an Als den wahrhaften Gott. Wärst Tu mir Gott, wenn ich Dich Nicht als unergründliches Geheimnis ahnte. Dick nicht als Ewig-Namenloses fühlt Jenseits des Schleiers unsrer Jrdischkeit? Was wärest Tu, meint ich mit meinen Sinnen Greifbar-deutlich Dich erschaute und Tn Geformt wie ein Gebild, das wandelbar. Bor meinem Blick erstündst? — Was Form ist und sich Hülle gibt. Was zum Gefäße ward, darin die Seele Ihren Inhalt findet und den Namen» Das kündet unabwendbar nur von Jrdischkeit Und ehernem Gesetz, danach es handelnd Sich erließt in dieses Daseins Fülle. Doch Tu bist ohne Anfang, ohne Ende: ewig-namenlos. Und weil ich weiß, daß ich Dich niemals fassen kann. Das Maß nie kenne, Tich zu messen In Deines Wesens fernster Unbegreiflichkeit, Trum heiße stammelnd, suchend ich Tich: Gott. Hugo Gabriel schrist „Fanal"" gibt er seit etwa zwei Jahren heraus. Im Selbstverlag. Viel Leser scheint sie nicht zu finden. Dp-- gegen wird von seinen früheren größeren Werken am 6. April als seinem 5 0. Geburtstag das Drama „Judas" auf der P is c a t o r b ü h n e aufgeführt. Leute, die den Schwärmer verehren, trotz seiner wunderlichen Verirrungen, wünschen ihm einen finanziellen Erfolg schon deshalb, weil er die während seiner Festungshaft erlangte Erbschaft seines Vaters vollständig eingebüßt hat. Und doch bedarf er heute nicht nur des Beifalls seiner politischen Parteigänger, sondern auch der wirtschaftlichen Unterlagen für einen neu auszubauenden Haushalt. Wer weiß, ob nicht dann der gärende Most immer noch einen guten Wein gibt, zumal da es dem TW er an Schwung und Gestaltungskraft nicht fehlt und nur der Wunsch berechtigt bleibt, daß er seine großen Fähigkeiten in den Dienst einer guten und reiflich überlegten Sache stelle. * Aus den Gemeinden Berlin. (2 o n b c r t a g u n g.) Der Verein der Leiter und Leitertitucu jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands hielt am 19. März d. I. im Anschluß an die jüdisch-soziale Schulungslvochc der Zentralwcchl fahrtsstelle in Berlin in der Aula des Auerbachschen Waisenhauses eine zahlreich besuchte Sondcrtagung ab. Die Sitzung begann mit zwei öffentlichen Vorträgen, zu der auch viele Teilnehmer der Schulungslvochc erschienen waren. Als Erster sprach Waisenhausdirektor Dr. Rothschild-Dinslaken in äußerst instruktiver und aufschlußreicher Weise über das Thema: „Was können wir aus der Erziehungs- Weise der Landerziehungsheimc für unsere Anstaltserziehung verwenden?"" - Dem folgte ein Vortrag von Dr. Georg Lubinski-Berlin über: „Die schulentlassene Jugend"" mit einer ausgezeichneten Analyse des Seelenlebens und der neuzeitlichen Bestrebungen junger jüdischer Menschen. — Nach einer Panse gelangten in einer geschlossenen Sitzung interne Berufs- und Standesfragen zur Behandlung. Es konnte erfreulicher Weise festgestellt werden, daß der Verein in freundschaftlichen Konnex zur Zentralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden, mit der ihn viele gemeinsame Interessen verbinden, getreten ist. Herrn Direktor Peritz, dem ersten Vorsitzenden des Vereins, der sich um den Aufbau der jungen Organisation große Verdienste erivorben hat, ivurde herzlicher Dank ausgesprochen; er und die übrigen Vorstandsmitglieder: Direktor Dr. Feist-Berlin, Oberlehrer Rothschild-Eßlingen, Direktor Silberbcrg-Ahlem wurden wiedergcwählt, außerdem neu in dcil Vorstand Anstaltslciterin Fräulein Ficgel-Franksnrt a. M. — Tie Diskussionen, die sich mit den Zielen und Ausgaben der jüdischen Erziehungsanstalten beschäftigten, umfaßten Fragen über Zentralisation und Dezentralisation, Sonderausgaben einzelner Anstalten, Lektüre und sonstige lebenswichtige pädagogische Probleme. Eine Reihe vor: lvertvollen Anregungen für die weitere Ausgestaltung des Vereins und seine Zukunftsaufgabcn wurden gegeben. Als nächster Ort der Bereiustagung wurde Hamburg in Aussicht genommen. Berlin. (Professor Mar Z v n d c k 60 Jahre alt.) Am M. März feierte der Berliner Chirurg und Urologe Prof. Max Zondek, der älteste der fünf in Berlin lebenden jüdischen Medizin-Professoren Zondek, seinen 60. Geburtstag. Er ist ebenso wie seine drei Neffen, die alle der Berliner medizinische!! Fakultät angehören, in Wronke geboren. Nach Erlangung der Approbation war er Assistent an den chirurgischen Universitätskliniken in Straßburg und Breslau und dann noch mehrere Jahre am jüdischen Krankenhausc zu Berlin unter James Israel. Er hat zu fast allen Gebieten der Chirurgie Beiträge geliefert. Sein Buch „Die chirurgische Erkrankung der Niere und des Harnleiters"" hat große Anerkennung und weite Verbreitung gesunden. Zondek hat zunächst mit dem Physiologen Rdu Bois-Reymond über Amputationen gearbeitet und dann in einer Reihe seiner Experimente gezeigt, tuic sich das innere Gefüge des Knochens vom Beginn der Bruchhcilung bis zu deren Vollendung gesetzmäßig gestaltet. In Verbindung hiermit stand auch seine Beschäftigung mit Unfallheilkunde. Während des Krieges leitete Max Zondek die chirurgische Abteilung des Augusta-Hospitals und eine gleichartige im Barackenlazarett aus dem Tempekhoser Felde. Zugleich war er konsultierender Urologe des Gardckorps. Eine gleiche Tätigkeit übt er noch jetzt in mehreren Berliner Krankenhäusern ans. — Prof. Max Zondek ist Vorsitzender der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „Ose"" in Deutschland und Mitarbeiter der „Osc-Rundschau". Berlin. (Hauptversammlung des R. j. F.) Ter Reichsbuird jüdischer Frontsoldaten hat am Sonntag, den 1. April, und Montag, den 2. April 1928, seine außerordentliche Hauptversammlung im Logenhaus, Berlin, Klciststraßc 10, abgehalten. Die Tagung beschäftigte sich mit den Problemen, die die Hauptaufgabe des Bundes bilden: Siedlungstätigkcit, Aufrechterhaltung der inneren Neutralität und damit Entgiftung des politischen Lebens, starke Zusammenfassung aller am Weltkriege beteiligten Kameraden und Behandlung der sozialen Fragen. Der Bundesvorsitzende, Hauptmann a. D. Tr. Löwenstein, hielt ein umfassendes Referat über die politische Lage und die mit den kommenden Wahlen für den Bund im Rahmen seiner Neutralität zusammenhängenden politischen Notwendigkeiten. Die Tagung war aus allen Gauen Deutschlands zahlreich besucht. Wie der Vorsitzende in seiner Begrüßungsansprache seststellen konnte, hat der Bund im vergangenen Jahre eine erfreuliche Ausdehnung genommen. Er zählt über 500 Ortsgruppen im ganzen deutschen Reich. Einen großen Teil der Beratungen nahm die Besprechung der inneren Fragen des Bundes in Anspruch. Berlin. (Gesamtvorstandssitzung der Zentralwohlfahrtsstell« der deutschen Juden.) Ant Sonntag, den 29. April 1928, vormittags 9 Uhr, findet in Berlin, Oranienburger Straße 29, Rcpräsentantensitzungssaal, die Gesamtvorstands-» sitzung der Zentralwohlsahrtsftelle statt. Die Tagesordnung enthält neben dem Geschäfts- und Finanzbericht ein Referat von Bankdirektor Wilhelm Kleemanu-Berlin über: „Gesichtspunkte, ivelche für die Errichtung der seit einiger Zeit in Berlin bestehenden jüdischen Kreditgenossenschaft maßgebend gewesen sind."" Die Zentralwohlfahrtsstelle hat in diesen Tagen an alle zur Gesamtvorstandssitzung vertretungsberechtigten Gemeindeverbände, sonstigen Verbände und Organisationen Einladungen versandt und sie gebeten, die Vertreter alsbald zu bestimmen und zu benennen. Es werden zahlreiche Teilnehmer aus allen Teilen des Reiches erwartet. Breslau. (Repräsentantensitzung.) Die Sitzung der Gemeindevertretung am 28. März war von nur kurzer Dauer. Die Etatsberatung und Besoldungsreform mußten neben mancher anderen Vorlage zurückgestellt werden, da sie wegen der Landesversammlung nicht ausreichend hatten vorgenommen werden können. Dagegen mußte die Festsetzung der Kultussteuer für das neue Rechnungsjahr noch vor dem 1. April erfolgen. Der Berichterstatter, Gemeindevertreter Gins, wies darauf hin, daß 10 o/o ausreichend wären, um den neuen Etat zu erfüllen. Das Wirtschaftsjahr 1927/28 habe sich günstiger gestaltet, als erwartet worden sei. Der Etat sei nach sorgfältiger Prüfung ^ausgestellt worden. Man könne mit 10 o/o durchhalten, ohne den Betriebsfonds angreisen zu müssen. Die Versammlung beschloß in diesem Sinne. Nach Anerkennung der Dringlichkeit wurde der Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine einmalige Beihilfe won 1000,— Mark zur Deckung der Kosten für die Herstellung der Statistik der jüdischen Bevölkerung bewilligt. Daran schloß sich noch eine kurze geheime Sitzung. Brieg. (Jüdische Arbeitsgemeinschaft.) Eine Einrichtung, die geeignet ist, das Interesse sür jüdische Dinge zu beleben, lvurde in unserer Gemeinde geschaffen. Zu Beginn des Winters gründete Lehrer Wolfs eine jüdische Arbeitsgemeinschaft, die sich aus den verschiedensten Kreisen und Altersstufen unserer Gemeinde zusammensctzte. Die Arbeitsgemeinschaft sollte nach den Worten des Gründers den Zweck haben, aktuelle jüdische Geschehnisse durch anregende Vorträge der Mitglieder der Gemeinschaft zu behandeln. Dieser Grundsatz ivurde im Laufe des Winters auch durchgesührt. Nur einmal gestatteten »vir uns den Luxus eines ansivärtigen Redners, des redegelvandten Bezirkslehrers Czollak-Breslau, mit dem Vortrage: „Wirkung des Weltbildes aus religiös-veranlagte Menschen"". Andere bemerkenswerte Vorträge hielten: der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Lehrer Wolfs, über: „Judenverfolgungen einst und jetzt""; Rechtsanwalt Dr. Boehm über: „Religion und Kultus""; sind, theol. Hans Zucker über: „Sind »vir Juden nur eine Religionsgemeinschaft?" - - Den meisten Vorträgen schlossen sich lebhafte Debatten an, die Zeugnis von dem brennenden Interesse der Teilnehmer ablcgten, die das geräumige Sitzungszimmer der Gemeinde stets bis auf den letzten Platz füllten. Coswig. (Zur Ehrung Hermann Cohens.) Anläßlich des 10. Todestages Hermann Cohens, ain 10. April 1928, hat die Bürgerschaft seiner Heimatstadt Coswig beschlossen, ihn durch Anbringung einer Gedächtnislafel an seinem Geburtsl^aus zu ehren. Dresden. (Aus dem G c in c i n d c l c b e ».) Tic von der Israelitischen Religionsgemeinde unlängst übernommene Bücherei des um die jüdische Wissenschaft hochverdienten Orientalisten Prof. Dr. August Wünsche, ehemaligen langjährigen Oberlehrers an der hiesigen Altstädter höheren Mädchenschule, »vurde Anfang dieses Jahres der öffentlichen Benutzung übergeben. Der Gcmeindcvorstand, der größten Wert daraus legt, die bedeutsame Bibliothek »veitestcn Kreisen zugängig zu machen, hat sich in dankcnsivertcr Weise entschlossen, auch außerhalb Dresdens wohnende Interessenten zur Bücherentnahme zuzulassen. Der etwa 8000 Nummern umfassende Katalog »vird auf Wunsch leihweise versandt. — In der letzten außerordentlichen Generalversammlung des Israelitischen Frauenvercins e. B. »vurde aus Antrag von Frau Elli Lesser beschlossen, eine Aenderung der Satzungen vorzunehmcn. Die dazu nötigen Vorarbeiten »vurden einem Ausschuß übertragen. In der gleichen Sitzung trat Frau Grace Winter, die Gattin des Rabbiners Prof. Dr. Winter, nach 37 jähriger Vereinstätigkeit von den bisher innegehabten Vorstandsämtern zurück. Sie wurde unter Ueberreichung einer künstlerisch ausgesührten Urkunde, die der mit Aufopferu»rg für die Kranken und Bedürftigen geleisteten Arbeit gedachte, zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Auf Grund des Ergebnisses der Ersatztvahl hat Frau Etli Lesser den Vereinsvorsitz übernommen. .< Duisburg-Ruhrort. (Todcsfal l.) Nach nur vierwöchiger Tätigkeit als Vorsitzender, aber vicljährigcr ersprießlicher Zugehörigkeit als Mitglied des Repräscntanten-Kollegiums ist Herr Karl Herz einem schweren Leiden erlegen. Der Vorstand und das Repräsentantcn-Kollegium »vidmcn dem um die Gemeindeinteressen verdienten Manne ehrende Worte dankbarer Anerkennung und heben sein großes Pslichtbeivußtsein und sein liebeiisivürdiges Wesen hervor. Frankfurt a. M. (Erfolgreiche „O r t" - A k t i o n.) Der Frankfurter Aktions-Ausschuß der „Ort"" Gesellschaft zur Förderung des .tzandlverks und der Landwirtschast unter den Inden, Abteilung Deutschland, veranstaltete im großen Saal der Frankfurt-Loge einen Vortrag des Generalsekretärs der „Ort""-Gesetlschast, Dr. Michael Traub, über: „Jüdische Siedlung»- und Aufbauarbeit in Osteuropa"". 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