Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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vom Lebenswerk Bernhard Breslauers ,emacht. Er war in diesen Kreisen so bekannt, daß er noch Zahre nach Aufgabe des Amtes zahlreiche Unterstützungsge- Bernhard Breslauers Lebenswerk ist in diesen Blättern bereits von berufener Seite mit trefflichen Worten und in leuchtenden Farben gewürdigt worden, deren Verwendung dem Sohne verwehrt ist. Trotzdem sei es vergönnt, für den Kreis der Leser, die der Persönlichkeit des Verstorbenen Interesse entgcgrnbririgen, einiges nachzutragen, insbesondere eine Uebersicht über Bernhard Breslauers mannigfache Tätigkeit und seine in Zeitschriften und Zeitungen verstreute, privat aber ziemlich sorgfältig gesammelte literarische Produktion. Bor Jahren sind die Schriften einer anderen im jüdischen Gemeindeleben bekannt gewordenen Persönlichkeit, Emil Lehmanns-Dresden, von seinem Sohn, Johannes Lehmann, in einem Sonderdruck herausgegeben worden: das hat meinem Vater ganz besonders gefallen. Wenn ich Lehmanns Beispiel auch nicht nachahmen kann, so erscheint mir doch, diese Zusammenstellung in demjenigen Publikationsorgan geboten, dem und dessen Zielen der Verstorbene besonders nahegestanden hat. Sollte trotz der Vergänglichkeit des Menschenwerks eine seiner Arbeiten irgendwann noch gebraucht werden, so kann sie hier ausgefunden und von mir zur Verfügung gestellt werden. Um den Menschen zu beurteilen, ist es von Wert, zu wissen, aus welchem Kreise er hervorgegangen ist. In dieser Hinsicht muß eine in diesen Blättern niedergelegte irrige Meinung berichtigt werden. Wohl stammte Bernhard Breslauer aus bewußt jüdischem Elternhause, nicht aber — wie es hier hieß — aus „streng gesetzestreuer" Umgebung. Im Gegenteil war die liberale wie auch die deutsch-jüdische Note für ihn schon Erbteil, das er sich freilich erworben hat, um es zu besitzen. Sein Großvater, den er selbst wohl nicht mehr gekallnt hat, war aus Rawitsch nach der Stadt Posen eingewandert. Er war Lehrer und unterhielt eine Schule, und zwar nach der — von mir nicht nachprüfbaren — Uebcrliefcrung die erste deutsche Schule unter den Posener Juden. Bernhard Breslauers Vater, Michaelis Breslauer, von Berus Holzhändler, war offenbar eine vielseitig regsame Natur. Sein Interesse gehörte zum großen Teil dem öffentlichen Leben. Im „tollen Jahr" mußte er, vor polnischen! Haß, von Posen flüchten, er wandte sich nach einem der kleinen Warthestädtchen, Schwerin o. dgl., wo er der Familiensage nach begeistert empfangen wurde und zum Bürgermeister gewählt werden sollte. In seiner Heimatstadt Posen brachte er es dann später zum Stadtrat und spielte im Gemeindeleben eine erhebliche Rolle - er war auch Besitzer einer Tageszeitung, der „Ostdeutschen Zeitung", und in einer Fcstnummer dieses Blattes, die 1865 zu seiner Silberhochzeit erschien, wurde ihm nachgesagt, daß er an Wahltagen in sämtlichen Droschken Posens agitierend umherfahre — allzuviele werden es nicht gewesen sein. Anfang der 70 er Jahre schlug er sich bei einem Konflikt zwischen dem Oberbürgermeister und dem Polizeipräsidenten aus die Seite des letzteren, und ich besitze noch ein Handschreiben des Oberbürgermeisters an meinen damals bereits nach Berlin verzogenen anderen Großvater, dessen Spitze sich deutlich gegen Michaelis Breslauer richtet. Der und seine Freunde wollten ihm — dem Bürgermeister — schaden „durch Berliner Gazetten", wogegen Gegenmaßnahmen erbeten wurden. Dieser Michaelis Breslauer also, dessen Erbgut das politische Interesse geworden ist, war auch lebhaft interessiert am jüdischen Gemeindeleben. Er spielte eine Rolle in der liberalen „Brüdergemeinde", der Posener — freilich weniger radikalen — Parallele zur Berliner Reform. Bernhard Breslauer wußte von ihm zu berichten, wie er einst mit Hilfe der ihm aus irgendwelchen Gründen ergebenen jüdischen Schlächtergesellen eine orthodoxe Gemeindewählerversammlung gesprengt habe, indem die Schlächter einfach den Saal mit Faustgewalt räumten — man kann sagen, daß die Neigung zu solchen Streichen heutzutage mehr bei anderen gemeindepolitischen Richtungen besteht als gerade bei den Liberalen. Bernhard Breslauer wußte aber auch z. B. zu erzählen vom Sederabend im elterlichen Haus - freilich auch hier im Zusammenhang mit liberaler Ausdeutung des Gesetzes, indem sein Vater den Sederabend aus Abneigung gegen die zweiten Feiertage nur einmal abhielt, am zweiten Abend aber gleich mit den Worten begann: „Omein, bringt das Essen herein." Hatte das Elternhaus Bernhard Breslauers ihm geistig die Richtung gewiesen, so brachten es die Verhältnisse mit sich, daß er sich wirtschaftlich ganz auf eigene Füße stellen mußte, als er sich am 1. Februar 1880 als Anwalt in Berlin niederließ. Freilich kam ihm zustatten, daß seine Eltern ihre acht Heranwachsenden Kinder auch in guten Tagen durchaus einfach erzogen hatten und sie angewiesen hatten, sich im Leben selbst voranzuhelsen. Seine erste Reise hatte Bernhard Breslauer als Primaner aus den Erträgnissen von Nachhilfestunden machen müssen. In den ersten Jahren seiner Anwallstätigkeit nahm ihn daher die Praxis intensiv iw Anspruch; erst gegen Ende des Jahrzehnts trat er in stärkerem Maße in das öffentliche Leben ein. Bis dahin sprach er wohl gelegentlich in einem Bezirksverein (Vortrag über „Lasker" 1884) und befaßte sich auch in seinen Mußestunden viel mit dichterischen Entwürfen. Er blieb durch Jahrzehnte der gegebene Familiendichter für alle Hochzeiten und sonstigen Fami ienfeste und hat mit mehreren hierfür verfaßten, launigen Theaterstücken mehr Erfolg geerntet, als mit gelegentlichen vergebenen Versuchen, die Werke seiner Muße auf den öffentlichen Bühnen aufgeRhrt zu sehen. Außerdem dichtete er für die Veranstaltungen des „Vereins der Freimütigen", eines ehemals blühenden Geselligkeitsvereins, in dem „ehrsame Rechtsanwälte und Lederfabrikanten" — um mit Georg Hermann zu reden — mit der Künstlerschaft wetteiferten. Als sich dann die Möglichkeit ergab, in weiterem Umfange für die Oefsentlichkeit zu wirken — freilich lange Zeit unter Inanspruchnahme einer Tagesarbeit bis zu 14 Stunden — waren es vor allem drei Interessengebiete, denen Bernhard Breslauer sich widmete, dem der Wohlfahrtspflege — der jüdischen zumal —, dem jüdisch-politischen und dem jüdisch-religiösen. Das Interesse für die Aufgaben aller drei Betätigungsfelder blieb zeitlebens erhalten, aber das Schwergewicht der Arbeit verschob sich zeitlich von dem erstgenannten zu dem zweiten und dann dem letzten genannten Tätigkeitsgebiet. In die Wohlfahrtspflege trat Bernhard Breslauer zunächst dadurch ein, daß er den Vorsitz des „Vereins der Posener" übernahm, den er 25 Jahre beibehielt. Unzählige Recherchen hat er bei aus Posen zugezogenen Hilfsbedürftigen suche empfmg und weiterleiten mußte. Als 1888 eine Ueberschwemmung weite Gebiete Preußens verheert hatte, wurde er infolge seiner Tätigkeit für den „Verein der Posener" als Vertreter der Provinz Posen in das zur Bekämpfung der entstandenen Ueberschwemmungsschäden gebildete Hilfskomitee berufen. Dieses Komitee stand unter dem Protektorat der damaligen Kaiserin Viktoria, bei der das Komitee wiederholt „zum Vortrag" erschien. Diese Tätigkeit hat die in den liberalen, so auch den jüdischen Kreisen überhaupt vorhandene Zuneigung zu dem Kaiserpaar Friedrich bei ihm noch besonders gesteigert, zumal er zu beobachten Gelegenheit fand, welche Schwierigkeiten jedem Wirken der Kaiserin Viktoria von der konservativen Beamtenschaft bereitet wurden. (Hierzu der Aufsatz: „Das Regime ist vorübergehend.") Ende der 80 er Jahre trat er dann zum ersten Male in die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde ein, kurze Zeit als Repräsentant, dann bis 1804 als Vorstandsmitglied — bis ihn Ueberarbeitung zwang, das Amt niederzulegen, das er dann in den Jahren 1911 bis 1917 - inzwischen durch berufliche Assoziation entlastet — zum zweiten Mal übernahm. Auch in dieser Stellung hat er sich vor allem der Wohlfahrtspflege gewidmet, in seiner ersten Wahlperiode durch Vorsitz in der Armcnkommission und durch seine Stellung im Kuratorium des zweiten Waisenhauses, die er auch nach seiner ersten Amtsniederlegung lanae Jahre beibehielt, in seiner zweiten Amtszeit durch' Vorsitz in der Fürsorgekommission und ab 1914 in der Kriegshilfstommission. Aus der Armenkommission war seine liebste Erinnerung die, das; auch die Vertreter der Orthodoxie, die seinem Vorsitz erst widerstrebt hatten, sein Wirken alsbald anerkannten und würdigten. Seine Tätigkeit für das Waisenhaus in Pankow hat Hermann Falkenberg, der ihm nächst dem langjährigen Leiter, Dir. Grunwald, besonders nahestand, hier bereits geschildert. Er fühlte sich mit dem Pankower .Heim und seinen Leitern so verbunden, daß er mich von Falkenberg unterrichten und außerdem mit den Knaben des Hauses Turnunterricht nehmen ließ. Die Kriegshilsskommission hat er in kürzester Zeit aufgebaut und zu umfassender Hilsstäkigkeit geführt. Bernhard Breslauers Werk ist schließlich die Zusammenfassung der indischen Wohlsahrtsorganisationen im Verbände für jüdische Wohlfahrtspflege, deren Leitung er bei Gründung, Mitte der 90 er Jahre, übernahm und gut zwei Jahrzehnte beibehielt. In dem Glückivunschschreiben dieses Verbandes zu seinem 70. Geburtstage wurde das Leitmotiv seiner Tätigkeit auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege hervorgehoben, das er öffentlich und privat unzählige Male betont hat: „Nicht geben, sondern helfen." Während Bernhard Breslauers erster Arbeitszeit im Gemeindevorslande rm Jahre 1891 wurde Deutschland überschwemmt von fast 200 000 russischen Juden, die infolge der Judenversolgungen in Rußland eine neue Heimat in Amerika suchten. Zur Leitung dieser Wanderung und zur Unterstützung der notleidenden Wanderer wurde ein Komitee gebildet. Dieses Liebcswerk hat begreiflicherweise sichtbare Spuren seines Wirkens nicht hinterlassen. Kaum wird sich heute noch objektiv entscheiden lassen, ob das Komitee seiner Aufgabe voll gerecht geworden ist. Bernhard Breslauer, der der Schriftführer dieses Hilfskomitees war, war jedenfalls dieser Ansicht; auf keine andere Tätigkeit hat er mit gleicher Befriedigung zurückgeblickt, als aus diese maßgebende Mitwirkung an der Förderung von 191 000 armer verfolgter durchwandernder Juden. (Vergl. hierzu: „Er hat sich „ümgedreht", J.-l. Ztg. vom 14. 7. 1922 und „Allerlei Beamte, allerlei Volk". J.-l. Ztg. vom 8. 12. 1922.) Ein kleiner Ausläufer der geschilderten Wohlfahrtsarbcit war schließlich, daß Bernhard Breslauer als Vertreter der jüdischen Wohlfahrtspflege in die „Wohltäligkeitszentrale der Berliner Kaufmannschaft" delegiert wurde. Er^betrat daher gewissermaßen altgewohntes Arbeitsgebiet, als er bei Kriegsausbruch mit seiner schon erwähnten Leitung der Kriegshilsskommission der Gemeinde die Mitgliedschaft in der alsbald zusammcittceteuden „Unterstützungskommission für hilfsbedürftige Russen" verband. Von seiner Arbeit im Wohlfahrtswcsen zeugen folgende Arbeiten: „Außergewöhnliche Unglücksfälle", erschienen in Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung. Verwaltung und Volkswirtschaft, 1897, Seite 33 ff; „Tkc jüdische Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege in Deutschland", erschienen im „Archiv für Bolkswohlfahrt", 11. 11. 08: „Tie Liebestätigkeit der jüdischen Religionsgemeinschaft während des Krieges", Vortrag 1915 gehalten vor einer interkonfessionellen Versammlung mit einem evangelischen (Prof. Nähling) und einem katholischen Redner; „Neue Aufgaben der sozialen Fürsorge im neuen Staat", Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde vom 12.12.19; „Seelsorge", Jahrbuch der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, Jahrgang 1919. Auf dem Gebiet der Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden ist Bernhard Breslauer schon vor Gründung des „Verbandes der deutschen Juden" publizistisch gelegentlich tätig gewesen, so durch seinen Aufsatz „Jüdische Geschworene" in der Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 22. 5. 1891 und seinen in den „Mitteilungen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" vom April 1901 abgedruckten Vortrag „lieber die letzten Judendebatten im Abgeordnetenhaus". Seine Hauptarbeit auf diesem Gebiete ist aber für diesen Verband geleistet worden, dessen Gründung auf seine Anregung eines allgemeinen deutschen „Jsraelitentages" zurückgeht. Es hat ihn öfters geschmerzt, daß diese, seine maßgebende Beteiligung an der Gründung des Verbandes zuweilen nicht anerkannt wurde, obwohl sie urkundlich verbrieft ist in einem noch vorhandenen Briese Martin Philippsohns vom 4.—5.6.1909, in dem es heißt: Berlin NW, Lessingstr. 4-5.6.1900. Hochgeehrter Herr Justizrat! In den letzten Wochen sind an den Ausschuß des Gemeindebundes von den verschiedensten Seiten Klagen gelangt, die die Lagesder Juden in den kleineren Städten als unerträglich schildern, die stete Ausdehnung des Antisemitismus und seiner vergiftenden Wirkungen konstatieren und grundsätzliche Abhilfeversuche in größerem Sille fordern. Seinen Statuten wie seiner ganzen Bestimmung gemäß kann der Gemeindebund sich dieser Aufgabe nicht widmen. Wohl aber müßte sich uns allen tzdie Ueberzeugung aufdrängen, daß die Deutschen jüdischen Glaubens hier mithin einschreiten müßten und nicht abwarten dürften, bis ihnen das gleiche Schicksal wie in . Oesterreich usnd! Frankreich bereitet werde. Nach eingehender Beratung mit Herrn Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz, dem BorsitzendjM des „Centralvereins", kommen dieser und ich zu der Ansicht, daß hier nichts angemessener wäre, als Ihre Idee, sehr geehrter Herr Justizrat, eines allgemeinen deutschen Jsraelitentages zu verwirklichen. Wir beschlossen zu dessen schleuniger Vorbereitung — die Versammlung soll in der zweiten Hälfte des kommenden Oktobers stattfinden — ein kleines Komitee von 6 bis 7 Mitgliedern zu bilden und dazu Sie, sehr geehrter Herr, einzuladen. Es soll sich um eine große, feierliche und mutige Kundgebung handeln nicht um eine Petition of rights, sondern um eine declaration os rights. Ich bitte Sie recht inständig, mir umgehend Ihre so wichtige und schätzenswerte Mithilfe zu versprechen und zugleich mit mitzuteilen, an welchem der nächsten Abende (nur für nächsten Dienstag bin ich verhindert) Me zu einer ersten Bereinigung unseres kleinen Komitees frei wären. Ges. durchaus diskret! Ihrer gütigen Antwort entgegensehend, begrüße ich Sie aufrichtigst als Ihr ganz ergebener M. Philippson. Allgemein anerkannt war jedenfalls seine Tätigkeit für den Verband, den ec in den Jahren 1901-1912 als dessen 1. Schriftführer, von 1912-1917 als sein stellvertretender Vorsitzender leitete. Sie gipfelte in den drei auf Hauptversammlungen des Verbandes vorgclegten und vom Verband in dessen Tätigkeit bei Regierung uno Parlamenten verwerteten Denkschriften („Im Aufträge des Verbandes deutscher Juden vorgelegt von Bernhard Breslauer"): „Tie Zurücksetzung der Juden im Justizdicnst" Berlin 1907 (auch: Allgemeine Zeitung des Judentums, Jahrgang 1907, S. 593 f., 527 f.); „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen" Berlin 1909: „Tie Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutsch lands" Berlin 1911. Folgende kleinere Arbeiten fallen in den gleichen Wirkungskreis: „Der Ossiziersmangel" (1901); „Tie gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland" (1906); „Mehr Würde" (Allgemeine Zeitung des Judentums 11. 12. 1903. betr. oen Fall „Mugdan"); „Glaube unb Heimat" (Bossische Zeitung 20. I. 1913 anonym): „Unser Kamps ums Recht" (1912): „Rede zur Emanzipationsfeier." (1912): „Religion und Staat" (Liberales Judentum 19191; „Der jüdische Anwalt" (E. V.-Zeitung 23. 3. 23). Daß «Bernhard Breslauer der liberalen Richtung im Judentum anhing, war niemals zweifelhaft gewesen. Als die Organisierung der Parteien in den jüdischen Gemeinden begann, zählte er zu den Begründern des „Liberalen Vereins". Einige Jahre später übernahm er dessen »Vorsitz, den er erst abgab, als 1903 unter seinem Vorsitz und seiner intensivsten Mitarbeit „Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" gegründet wurde. Deren Vorsitz behielt 'er, bis er 1917 aus Gesundheitsrücksichten alle öffentlichen Aemter niederlegte. Tie liberale Sache hat ihn bis zu seinem Ende am meisten am Herzen gelegen, und seine ans zielbewußte, unbeirrte, wenn man will „radikale" Verfechtung der Ziele des liberalen Judentums gerichtete Anschauung findet sich niedergelegt in unzähligen kleinen Aussätzen umdi Vorträgen, die in sich bis in die allerjüngste Zeit eine ein heitliche Linie verfolgen: Es seien erwähnt: „Bortrag im Liberalen Verein zur Affäre Emil Cohn" (190?); „Rede im Wahlkampf" (1910); „Krisis?" (J.-l. Ztg. 2. 6. 22 — gegen den Zionismus): „Offener Brief an Herrn Rabbiner Tr. Tienemann" (J.-l. Ztg. 20. 10. 22); „Akiba Redivivus" (J.-l. Ztg. 11. 7. 24); „Zum neuen Jahre" (J.-l. Ztg. 23. 4. 21); „Für die liberalen Listen" (J.-l. Ztg. 23. 1. 25); „Schlußfolgerungen" (Zur Landesverbandswahl — J.-l. Ztg. 6. 2. 25); Laienpredigt gegen die Herren Rabbiner (J.-l. Ztg. 20. 2. 25): „Tie'Bedeutung der Londoner Tagung" (J.-l. Ztg. 2. 7. 26); „Wahrheit" (J.-l. Ztg. 6. 5. 27 und 17. 2. 28). Diese Liste ist sicher unvollständig. Neben diesen drei entscheidenden Wirkungsgebieten hat sich Bernhard Breslauer, praktischer Jurist Vvu Beruf und praktischer Berwaltungsmann, durch seine Gemeindetätigkeit publizistisch auch aus dem Gebiet der Rechts- und der Go meindeverwaltung wiederholt betätigt. Hier sind zu nennen: a) allgemein-rechtlicher und juristisch-politischer Natur: „Das Duell, eine rechtsvergleichende Untersuchung"*): „Zur Stellung des Rechtsanwalts" (Vortrag im Berliner Anwalt verein*); „Außergerichtliche Zwangsrergleiche" (Vossische Zeitung 19. 5. 03); „Reform der Gerichtsorganisation (1906); „Richter und Anwälte (1809); „Reserve-Offiziere" (ein Sprechstundenerlebnis — Vossische Ztg. 10. 9. 1912); „Die Rechts anwallschast am Reichsgericht" (Vossische Ztg., Recht und Leben 22. 7. 28 — anonym). b) betr. jüdisches Recht und seine Beziehungen zum deutschen Recht: „Zur Einführung in das B.G.B." (Allgemeine Zeitung des Judentums 17. 2. 99); „Parallelen zwischen jüdischem und deutschem Recht" (Vortrag 8. 2. 05); „Recht und Rechtspflege" in „Soziale Ethik im Judentum!" S. 38 sf. (herausgcgeben vom Verband der deutschen Juden anläßjlich seiner 5. Hauptversammlung zu Hamburg 1913, Verlag Kausfmann 1913). Ter Vortrag über „Namensänderung" (1891) behandelte besonders jüdische Familienname»! und mag daher hier angefügt werden. c) Aus der Verwaltungstätigkeit: „Das Zusammenwirken der Verwaltungskommissionen der Jüdischen Gemeinde" (Mitteilungen des Liberalen Vereins, Februar 1893); „Ansprache bei der Einweihung der Synagoge Levetzowstraße" (7. 4. 1914); „Zur Amtseinführung des Herrn Rabbiner Tr. Galliner" (20. 4. 1917); „Amtsverschwiegenheit" (Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde 7. 12. 1917). Keinen literarischen Niederschlag hat die Tätigkeit als Vorsitzender des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, 1911—17, gefunden. Bernhard Breslauers Verhältnis zu seinen Nächsten kommt für ldie Oefsentlichkeit nicht in Betracht. Dokumente ,der Freundschaft aber hat er des öfteren niebergelegt, wie er andererseits auch seiner Ablehnung, wo es geboten schien, deutlichen Ausdruck gab; vgl. seine Streitschrift: „Warum Isidor wieder in seine Heimat zurückkehrte" in der Zeitschrift „Tie Jüdische Gemeinde" vom 15. 11. 26 (anonym). *) Diese beiden Arbeiten liegen zeitlich weit zurück, es war mir nicht möglich, die Daten sestzustellen, obwohl die Manuskripte Vorlieben.