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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-03-23 · 12 (23.3.1928) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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kling zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, deshalb als untadliger Ehrenmann dasteht, weil er ja in der Lage ist, das Rechtsgutachten seines Verteidigers dahin beizubringen, daß etwa der von ihm erstrebte Bermögensvorteil kein rechtswidriger im Sinne des Strafgesetzbuches gewesen war. Wäre die Logik des Rechtsanwalts Dr. Klee richtig, so müßte man diese Frage bejahen. Man würde dann sagen, das Gutachten des Verteidigers sei zwar naturgemäß ein subjektives, aber auch die Richter seien nach Klee'scher Auffassung naturgemäß bis zu einem gewissen Grade subjektiv eingestellt. Es liegt also kein Grund dafür vor, dem Angeklagten einen Vorwurf daraus zu machen, daß unglückseligerweise die Richter eine andere Meinung gehabt haben als der von ihm bestellte Verteidiger. Tie Gesellschaft denkt anders. Sie verdammt den wegen ehrlosen Deliktes bestraften Angeklagten, mag ihm auch ein noch so angesehener Verteidiger attestieren, daß feine Handlungsweise sich innerhalb des Rahmens des Gesetzes hält. Alle Moral und alle Rechtsgesinnung im privaten und öffentlichen Leben beruht also darauf, daß man zwischen der Entscheidung des parteiisch gebundenen und zwischen der Entscheidung des unabhängigen Juristen einen scharfen Strich ziehen muß. Sucht man diese Grenze Ku verwischen, indem man erklärt, im Grunde sei jeder Jurist subjektiv, so führt dies zu einer Zerstörung aller Rechtsgesinnung. Beurteilt man von diesem Standpunkt aus das Verhalten des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, so muß noch einmal festgestellt werden: Aus der bloßen Tatsache, daß der Vorstand Gutachten von parteiisch gebundenen Sachverständigen angezogen hat, 'mache ich dem Vorstand keinen Vorwurf. ».Ich habe diese Gutachten in meinem vorigen Artikel als Plädoyers bezeichnet und man wird mir glauben, daß ich als Anwalt den Wert von Plädoyers für eine richtige ^RechtsfsjnLiung nicht gering schätze. Für freventlich aber würde ich es halten, wenn der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde diese Plädoyers als unabhängige Entscheidung hinstellen wollte, wenn er also parteiisch gebundene Gutachter zn Richtern in eigener Sache erheben wollte. Ties wäre ein Verfahren, welches sich mit den Grundsätzen der öffentlichen Moral, mit der Forderung von Lauterkeit und Ehre nicht mehr vereinbaren ließe. Gegenüber Klee sei aber zum Schluß nochmals betont: Ter Gedanke, daß der einzelne Mensch oder eine Gesamtheit bei den zweifelhaftesten und verantwortlichsten Entscheidungen zwischen Recht und Unrecht der einseitigsten, parteiischsten, leidenschaftlichsten Stimme Gehör schenken darf, daß er von vornherein darauf verzichten darf, die Meinung des unbefangenen, freien, wissenschaftlichen Denkers einzuholen - weil alles juristische Erkennen notwendig subjektiv sei — dieser Gedanke ist nichts anderes als die Preisgabe aller Vernunft, aller Ethik, aller Kultur, er ist das teuflische „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft" auf das Gebiet des Rechtslebens übertragen. Gegenüber solcher Irrlehre sei an die Worte erinnert, die Hermann Cohen in seiner „Ethik des reinep Willens" (S. 91) an jene Lessing'sche Parabel knüpft, in welcher der Vater in der einen Hand die Wahrheit, in der anderen das Suchen nach Wahrheit hält: „Wir lassen uns den Wert, den das Suchen nach Wahrheit hat, nicht durch die Skepsis vereiteln, daß es eine Wahrheit anderer Hand gebe. Das Suchen der Wahrheit, das allein ist Wah h:it... Der Methode der Wahrhl.it spricht es Hohn, die Logik und die Wissenschaft verächtlich zu machen, insofern man ihre Notwendigkeit in Zweifel zieht und ihre Reinheit verdunkelt. Alles fromme Gerede vom Stückwerk des menschlichen Wissens ist vom- Uebel. gehört in diejenige Pädagogik, welche Mephisto an dem Schüler ausübt. Die Wahrheit besteht in der Anerkennung der wissenschaftlichen Vernunft. Sie beruht auf ihr." * Aus den Gemeinden Berlin. (8 0. Geburtstag.) Ihren 80. Geburtstag feierte die frühere Leiterin der Waisen-Erziehungsanstalt des Frauenvereins von 1833, Fräulein Jda Hirschfeld, in voller körperlicher und geistiger Frische. Ehemalige und auch jetzige Zöglmge des Waisenhauses, das seit 1026 sein Heim in Bcrlin-Hermsdorf (Albrechtstraße 10) hat, erschienen als Gratulanten und wünschten der alten Dame noch viele frohe Tage eines geruhigen Lebens. Wir schließen uns diesem Wunsche von Herzen an. Berlin. (4 0 Jahre Frauenvercin der Berliner B n e i - B r i t h - L o g e n.) Anläßlich des 40 jährigen Bestehens veranstaltete der Frauenvercin der Berliner Logen U.O.B.B. eine Feier und daran anschließend eine Besichtigung seines Mütter- und Säuglingsheims in der Brunnenstraßc 41. Zahlreiche Vertreter staatlicher und städtischer Behörden und befreundeter Organisationen waren erschienen. Für den Polizeipräsidenten war Medizinalrat Lustig anwesend, ferner sah man Gehcimrat Pütter von der Charite, Obermagistratsrat Knauth und andere. Der dirigierende Arzt des Heims, Dr. Stephan Steinharter, gab einen historischen Rückblick auf die Entlvicklung des Frauenvercins seit 40 Jahren. Zunächst war dieser Verein gegründet als ein soziales Hilfswerk, im Laufe der Zeit gaben neue Ausgaben Anstoß und Erweiterung des Wirkungskreises. So wurde ein Wöchnerinnenheim in der Elsässer-Straße geschaffen und das Mütter- und Säuglingsheim in der Brunnenstraße 41, das im Februar 1913 mit nur sechs Betten für Mütter und Kinder in einem Seitenflügel des jetzigen Hauses eröffnet wurde und sich aus jenen bescheidenen Anfängen zu einer Musteranstalt entwickelt hat, in der 75 Säuglinge und 25 Mütter verpflegt werden. Der Grundstein zu dem jetzigen Bau wurde im März 1914 gelegt, im November des gleichen Jahres wurde das Heim seiner Bestimmung übergeben. Seit 1926 ist eine staatlich anerkannte Säuglingspflegcschule der Anstalt angegliedert. — Dr. Joseph Hirsch, dirigierender Arzt des Wöchnerinnenheims, betonte die Bedeutung der Frauen aus dem Gebiete der charitativen Arbeit und schilderte das Wirken des Frauenvercins im Dienste der Wöchnerinnen- und Säuglingspflege. Frau Minna Schwarz, seit 1897 erste Vorsitzende des Vereins, sprach ihrem Mitarbeitcrkreis den Dank aus. Der Rundgang durch das Heim gab Gelegenheit, die mustergültige Einrichtung des Heims kennen zu lernen. Seit neun Jahren steht die Anstalt unter Leitung der Oberin Hannah Jafse. Berlin. (R. j. F. Berlin.) Der Bezirk Ost des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, veranstaltete am 8. März d. I. in ven Alhambra-Festsälen eine Gefallenenkundgebung, die sich bei starker Beteiligung in eindrucksvoller Weise vollzog. Vertreter des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold, der Polizei und zahlreicher jüdischer Verbände nahmen an der Gedächtnisfeier für die im Kriege gefallenen jüdischen Kameraden teil. Nachdem die umflorte Bundessahne unter den Klängen einer Trauerweise Ausstellung nahm, ergriff der stellvertr. Bezirksleiter, Kam. Georg Marcus, das Wort. Er begrüßte die anwesenden Vertreter der verschiedenen Organisationen und ging dann mit ergreifenden Worten auf die Veranlassung für die Veranstaltung der heutigen Gedenkfeier ein. Das Gefühl der Dankbarkeit gegen die toten Kameraden und besonders gegen die im Weltkriege in treuer Pflichterfüllung gestorbenen jüdischen Kameraden ist es, das es dem Bezirk Ost Versammlungskalender ★ vrerlav. Jli „Abraham Geiger", Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halperfohii, Breslau 13, Moritzstraße 50. verein-lokal: Loge „Gerharl Kauplmann", Schweidnitzer Etüdtgraben 91. Montag, den 26. März, abends 8.15 Uhr, Bortrag des Herrn Kantor Wartenberger: Die Entwicklung des Synagvgen-Gefanges mit Erläuterungen am Harmonium. Wir bitten um rege Beteiligung und um Einführung von Gästen. Frankfurt. Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft. 27. Mär;: Sitzungszimmer der Synagoge Känigsteinerstraßr: Frau Dr. Edinger: Werfels Paulus unter den Juden. Anschließend Aussprache. — 31. März: Jugendgruppe: Sitzungszimmer der Synagoge Königsteinerstraße: Mar Gundersheim: Was bedeutet uns heute das Prffachfest? Liegnih. Liberaler Verein der Synagogen - Gemeinde. Montag, den 26. März, abends 8.15 Uhr, Silefia-Loge: Lilli Liebrecht fingt „Lieder zur Laute". Gäste willkommen. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachfchen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 23. März, abends 7.15 Ahr, Gottesdienst mit Predigt. Sonnabend, den 24. März, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 39. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 31. März, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Berlin-Wilmersdorf-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilieuschule, Rikvlsburger Platz): Liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 7.15 Uhr pünktlich. Am Freitag, den 23. März, Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Am Freitag, den 30. März, Predigt: Robert Hirschfeld. zur Pflicht machte, der teuren Toten im Rahmen dieser ernsten Feier zu gedenken. Herr Oberkantor Wilhelm Fried m a n n sang hierauf den „Weihegesang" von Bchm. Anschließend sprach Kam. Prediger Dr. Karl Rosenthal mahnende Geleitworte. In der Erinnerung an die Gefallenen betonte er, daß es Pflicht der Lebenden sei, ihrer stets in Brüdergcsinnung zu gedenken. An einen weiteren GcsangSvortrag des Herrn Oberkantor Wilhelm Friedmann schloß sich ein Lichlbildervortrag, in dem Herr Margraf, Leiter der Werbeabtcilung des Volksbundes „Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge" an vielen Lichtbildern die Arbeit des Volksbundes auf den Soldatenfriedhösen in den ehemals feindlichen Ländern zeigte. Hierauf erhob sich die Versammlung zu einem kurzen stillen Gedenken der Gefallenen. Gemeinsamer Gesang von „Ich hatt' einen Kameraden" beendete die Veranstaltung. Dresden. (Aus dem G emcin d ep arlam en t.) In der letzten Gemeinderatssitzung, die vom geschäftssührenden Vorsteher Rechtsanwalt Paul Saling er geleitet wurde, wird aus Antrag des Gemeindeverordneten Direktor Hirsch beschlossen, in Zukunft sämtlichen Mitgliedern des Kollegiums von den Sitzungsprotokollen des Gemeinderats Abschriften zustellen zu lassen. Nach Eintritt in die Tagesordnung nimmt das Kollegium Kenntnis von dem Dankschreiben des Schächters G. Weiner für Zubilligung der Pensionsberechtigung. Die Zuwahl des Herrn Max E st r e i ch e r, der zugleich das Ehrenamt des Schatzmeisters der Beerdigungsbrüderschaft bekleidet, in den Friedhofsausschuß, wird einstimmig bestätigt. Die Neuwahl der Ausschußmitglieder zum Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband wird von der Tagesordnung abgesetzt. Der übrige Teil der Sitzung gilt der Beschlußfassung über den Entwurf des Haushaltsplanes für das Kalenderjahr 1928. Der Vorstand hat darüber in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Finanz-Ausschuß eingehende Vorberatungen abgehalten und den Entwurf den Mitgliedern des Kollegiums zugestellt. Aus dem Bericht des Vorstehers P i o n k o w s k i über die Finanz- und Steuerverhältnisse der Gemeinde geht hervor, daß der Haushaltsplan in Einnahme und Ausgabe gleichlautend mit 290 000 Mk. abschlicßt. In der Aussprache plädierte Dr. John L e v y für Erfüllung der Wünsche und Anregungen, die seitens der Jüdischen Bolkspartei zum Etat vorgebracht werden. Rechtsanwalt S a l i n g e r gibt in der darauffolgenden Erwiderung der Hoffnung Ausdruck, daß die Zusammenarbeit des Gemeinderates trotz aller weltanschaulichen Gegensätze sich weiterhin so ersprießlich wie bisher gestalten möge. Gemäß dem Vorschläge des Finanzdezerncnten Pionkowski, den Haushaltplan für 1928 nach der Vorlage anzunchmen, wird der Haushaltplan einstimmig auf die 'Summe von 290 000 Mk. festgesetzt und — ebenfalls einstimmig - die Erhebung einer Gemeindesteuer in Höhe von 250 000 Mk. beschlossen. Die Entlastung des Vorstandes für die Geschäfts- und Kassenführung des Kalenderjahres 1927 erfolgt ohne Widerspruch. Entsprechend dem Anträge des Vorstandes und des Finanz-Ausschusses ist das Kollegium damit einverstanden, für das Kalenderjahr 1928 eine Gemeindesteuervorauszahlung erheben zn lassen. Diese wird auf 50 o/g der für das Kalenderjahr 1927 zu Gesamtgemeindesteuer festgesetzt und der Zahlungstermin laut § 3 der Steuerverordnung vom 25. September 1922 vom Gemeindevorstand bestimmt werden. Düsseldorf. (Generalversammlung.) Am 18. März 1928 fand die Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Handwerke und techn. Berussarten unter den Inden e. V., Düsseldorf, statt. Der Verein hat die Aufgabe, vorwiegend unbemittelte jüdische junge Leute dem Handwerk zuzusühren. Er nimmt sie zu diesem Zweck aus allen Teilen Deutschlands in das von ihm, Düsseldorf, Bilkerstraße 25, eingerichtete Heim auf und bringt sie in passende Lehrstellen unter. Das Heim ist zurzeit mit 12 Lehrlingen belegt. Im letzten Jahr bestanden 2 Lehrlinge die Gesellenprüfung, daruuntcr einer mit Auszeichnung. Die Versammlung war gut besucht. Elbing. (25jähriges Jubiläum.) Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur beging am Sonntag nachmittag im Gemeindesaal seine 2 5 - I a h r - F e i e r in der für wissenschaftliche Vereine gegebenen Form: durch eine Festsitzung. Die Vereinsmitglieder waren wohl vollzählig zur Stelle, außerdem eine Anzahl Gäste und Vertreter anderer jüdischer Vereine. In seinen einleitenden Worten warf der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. N e u f e l d auf die Vereinsgeschichte einen Blick, in jene Zeit, da die betr. Vereine vor dreieinhalb Jahrzehnten im Werden begriffen, waren. Dr. Karpeles- Berlin war es, der für den Gedanken warb mit solchem Eifer, daß ihm die Kenntnis und Verbreitung jüdischer Geschichte wertvoller erschien als das Dasein der ganzen Berliner Gemeinde. Der Vereinsgedanke gewann Boden. Bor einem Vierteljahrhundert konnte nach einem Vortrag von Dr. Karpeles der Elbinger Verein gegründet werden, und heute ist kaum eine Mittelstadt ohne Geschichtsverein. Mit 44 Mitgliedern trat der Elbinger Verein unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Silberstein ins Leben, und in den verflossenen Jahren hat er manchen namhaften Redner in seinen Sitzungen gehört. Ruhte die Vereinstätigkeit in den Kriegs- und Währungsverfallsjahren, so setzte sie danach wieder um so lebhafter ein. Den Festvortrag hielt Herr Rabbiner Dr. L e w i n - Königsberg über den Wert jüdischer Geschichtskenntnis, in dem er weit ausholte, mit großer Beredsamkeit seine Ansichten begründete und das jüdische Volk als den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht bezeichnete, über Zeit und 'PIIUDIMMW m I WM«WWWW»WMWWW»»WMWW I c h ö o 1 o E p ft A LIN EN Raum erhaben. Völker kamen und vergingen, Staaten und Reiche stürzten, Umwälzungen mannigfacher Art erfolgten, das jüdische Volk überwand alles. Die Annahme wäre falsch, so sagte der Vortragende, daß die Israeliten in den Jahrhunderten und Jahrtausenden unangefochten blieben. Im Gegenteil: furchtbare Trauerspiele, die Zeichen des Verfalls blieben ihnen nicht erspart. Wie groß aber auch die Heimsuchungen waren, das jüdische Volk überwand sie und steht heute gefestigt da. - In dem B e g l ü ck w ü n s ch un g s a k t ergriffen die Herren Kommerzienrat Löwenstein für die Gemeinde, Meyersohn für den Beerdigungsverein, Dr. Weisbrem für die jüdische Loge, Wyrsch für die jüdischen Frontsoldaten, Frau Neumann für den jüdischen Frauenverein, Herr Meyer und Herr Dr. Lauter für andere Vereine das Wort. Seinen Dank verband der Vorsitzende mit der Bekanntgabe, daß der Verein die Anschaffung einer Bücherei erstrebt. Es genüge nicht, daß der Verein alle paar Wochen zu einem Vortragsabend zusammenkomme, das Vereinsmitglied müsse auch in der Lage sein, sich in Mußestunden in ein gutes jüdisches Buch zu vertiefen. Frau Heymann hatte die Festsitzung mit dem Liedervortrag „Herr, den ich tief im Herzen trage" begonnen und beschloß mit einem anderen Sang die Festsitzung. Frankfurt a. M. (Wichtiges aus der Gemeindevertretung.) In der letzten Sitzung beantragte Herr Dr. Geiger namens der liberalen Fraktion die Frage der Anleiheablösung und der Ausnahme einer neuen Anleihe in nichtöffentlicher Sitzung zu behandeln. Diesem Antrag wurde einstimmig von der Gemeindevertretung stattgegeben. Einer Subvention für die Jeschiwah des Rabbiner Dr. Hoffmann in Höhe von 2 0 0 0 Mart wurde gleichfalls von allen Parteien zugestimmt. Dann verlas der Vorsitzende Herr Dr. Merzbach ein Schreiben von Frl. Berta Pappen heim, in dem diese dem Gemeindevorstand davon Mitteilung macht, daß von einer Seite, die nicht genannt zu werden wünscht, der Israelitischen Gemeinde 10 000 Mk. zur U n t e r st ü tz u n g jüdischer Mütter zur Verfügung gestellt werden, wenn folgende Zusatzbedingungen erfüllt werden: Es bildet sich ein bevölkerungspolitischer Ausschuß, dem sämtliche Frauen des Vorstandes und der Gemeindevertretung angchören, sowie je ein Vertreter des Pflegeamts des israelitischen Krankenhauses, der Fürsorgetässe der Israelitischen Religionsgesellschaft, der Bnei-Brith-Loge Frankfurt, sowie deren Frauenkommission, der Kinderschutzkommission der weiblichen Fürsorge, des Kinderheims in Neu-Isenburg, sowie verschiedener anderer jüdischer Vereinigungen, außerdem der jeweilige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt. Dieser Ausschuß soll das Recht haben, andere Vereinigungen auszufordern, auch ihrerseits Vertreter zu delegieren. Grundsätzlich soll an jede jüdische Mutter in Frankfurt unmittelbar nach ihrer zweiten oder folgenden Niederkunft ein Betrag von 50 bis 100 Mark überwiesen werden, desgleichen an jede uneheliche jüdische Mutter; bei letzteren auch schon anläßlich der ersten Geburt. Es sollen nicht nur die Zinsen, sondern im Bedarfsfälle auch das Kapital in Anspruch genommen werden, wobei zu bemerken ist, daß diese Maßnahme eine bevölkerungspolitische ist und nicht vom Standpunkte der Wohltätigkeit ausgeübt werden darf. Der Betrag soll den Müttern zusammen mit einem Glückwunschschreiben des Gemeindevorstandes überreicht werden. Herr Dr. Freimann (Kons.) will die Bedingungen, die an die hochherzige Spende geknüpft sind, im sozialpolitischen Ausschuß noch einmal genau durchsprechen lassen. Herr Dr. Geiger (Lib.) ist für vollständige Annahme der Stiftung; seltsam sei es nur, daß die männlichen Mitglieder des Vorstandes und der Gemeindevertretung in diesem Ausschuß nicht vertreten sein sollen. Auch Herr Simon (Volksp.) tritt für Annahme ein. Dem Antrag Dr. Geiger entsprechend wird dann die Zuweisung einstimmig angenommen. In nichtöffentlicher Sitzung beschließt dann die Gemeindevertretung die Aufnahme einer neuen Anleihe. Wie wir schon vor kurzem mitteilten, hat bekanntlich die Gemeinde die vor einigen Jahren ausgenommene 10 v/oige Anleihe gekündigt. Um die Ungewißheit eines Zwischenkredits zu vermeiden, trat der Gemeindevorstand mit dem bisherigen Konsortium zwecks Erreichung einer festen Anleihe in Verbindung. Unter den verschiedenen Angeboten wurde die Offerte der Discontogesellschaft als die günstigste acceptiert. Die Laufzeit der 7 °/o igen Anleihe beträgt 2 0 Jahre und kann nach 5 Jahren bei 90 o/<,iger Anleiheaufnahme zu pari gekündigt werden. Erstaunlich bleibt bei der sonst durchaus erfreulichen Angelegenheit nur, daß es der Gemeindevorstand als richtig erachtete, für die Beratung der Gemeindevertretung nur einen einzigen Tag Zeit zur Verfügung zu stellen. Wie uns mitgeteilt wird, ist dieses merkwürdige Verhallen des Gemeindevorstandes auch von dem liberalen Redner in der nichtöffentlichen Sitzung unter dem einstimmigen Beifall aller Parteien genügend gekennzeichnet worden. Frankfurt a. M. (7 0. G e b u r t s t a g.) Am 20. März feierte Herr Julius Goldschmidt, der Senior der weit über Frankfurt

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