Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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und vor allem die Errichtung eines Mütter- und Säugling- Heimes sowie die Schaffung einer Mütterberatungsstelle ins Äuge, lauter Zickle, die sie vermöge ihrer mit Herzensgüte gepaarten Tatkraft und unter dem Beistände edler Menschen« freunde und begeisterter Mitarbeiter allesamt erfüllte. Am 1. Februar 1913 eröffnete der Frauenverein im Seitenflügel des Grundstücks Brunnenstraße 41 ein bescheidenes Heim mit je 6 Betten für Mütter und Kinder. Schon wenige Monate später mußte eine weitere Wohnung freigemacht werden, um mehr Raum zu schaffen. »Tank der Opserwilligkeit des Bruderbundes konnte im März 1914 der Grundstein zu einem eigenen Mütter- und Säuglingsheim gelegt werden, das am 15. November desselben Jahres — im Kriege — eröffnet ward. Mit dem 1. April 1917 richtete Minna Schwarz im Heim Lehrgänge für Säuglings- und Wochenpflege ein, die sich mit der Zeit zu einer Säuglingspflegeschule auswuchsen. Am 1. Mai 1926 erteilte der Minister für Volkswohlfahrt dieser Anstalt, an der in kaum einem Jahrzehnt 96 Schülerinnen ausgebildet wurden, die staatliche Anerkennung. Je 12 junge Mädchen machen hier einen zweijährigen Kursus durch, während sie gleichzeitig im Krankenhause Am Friedrichshain in der Betreuung kranker Pfleglinge ausgebildet werden. Tie Schülerimlen unterstehen im Heim einer Oberin und 5 staatlich geprüftes Schwestern; dirigierender Arzt ist Herr Dr. Steinharter. Für Minna Schwarz ist die Fürsorge für das Mütter- und Säuglingsheim Lebensaufgabe. Bescheiden tritt sie hinter chrem Werk zurück, nur glücklich, wenn „ihre" Kinder gut gedeihen. Ta ein hoher Prozentsatz der im Heim Geborenen unchelich ist, so läßt es sich diese gütige Frau angelegen sein, sie nach etwa einem Jahre in wohlhabenden jüdischen Kreisen unterzubringen; bis Ende 1927 wurden 39 Kinder aus dem Heim adoptiert. Es verdient besondere Anerkennung — in einem Zeitalter religiöser Toleranz wäre dies einfach selbstverständlich — daß das Mütter- und Säuglingsheim nach Maßgabe des verfügbaren Raumes auch nichtjüdischen Hilfsbedürftigen offensteht. Segensreich wirkte der Frauenverein in den vier Jahrzehnten seines Bestehens. Mancherlei Klippen galt es zu umschiffen, um das Schifflein dem ruhigere Hasen gedeihlicher Liebestätigkeit entgegenzuführen; und wenn es gelang, alle die Schwierigkeiten — auch wirtschaftlicher Art, während der Kriegs- und Nachkriegszeit — zu überwinden und den Verein zu einem Juwel im Ehrenkranze jüdischer Charitas zu gestalten, so ist dieser Erfolg nicht zum wenigsten der liebevollen, umsichtigen und tatkräftigen Leitung durch Minna Schwarz zu danken. „Ihre Kinder stehen auf und nennen lie einen Segen." (Spr. 31,28.) Hebbel und das Judentum Von A. Kaplan. i Ter typische Vertreter des nordisch-niederdeutschen Wesens, der grüblerische Dithmarsche Friedrich Hebbel, steht während seines ganzen Lebens im magischen Banne des Judentums. Tas Alte Testament wird ihn: frühestes Erlebnis der Kindheit; seine erste dichterische Gestalt, die ihn aus dem namenlosen Chaos der Zeitgenossen zur ersten Höhe emporträgt, ist die dämonische Judith; seine verschlossene Seele öffnet sich in langjähriger Freundschaft den beidjen Juden Kuh und Engländer. Tiefe Beispiele lassen sich beträchtlich vermchren: man denke an seine jüdischen Gestalten der „Genoveva" und in „Herödes und Mariamne", von denen Arthur Sackheim mit Recht schrieb, daß sie die tiefste Erfassung des jüdischen Geistes in der Weltliteratur darftelten; man denke ferner an sein liebevolles Verständnis für eine so problematische Gestalt wie den jüdischen Humoristen Saphir und an sein Eintreten für die Emanzipation» der Juden in Wien nach den Revolutionsjahren. Eine oberflächliche Betrachtungsweise erklärt diese gesamten Erscheinungen als eine Reihe von Zufällen; aber auch die diskutablere These, daß Hebbel von dem zu seinem germanischen Wesen in Gegensatz stehenden Judentum wie von einem Gegenpol angezogen war, vermag uns nicht zu befriedigen. Und zwar solange nicht, als man den germanischst Versammlungskalender * Breslau. Jlt „Adrahaak Geiger". Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halpersohn, Breslau 13, Moritzsttatze SV. Sonnabend, den 17. März, adends 8 Uhr, im großen Saal der Leffingloge, Agnesstrahe 5, Purim-Ball. Eintritt 1,7V Mk. incl. Steuer im Borverlaul bei H. Roth, Papierhandlung, Gartenstraße 31. An der Abendkasse 2,5V Ml. incl. Steuer. Im Bereinslokal: Loge „Eerhart Hauptmann", SchIeidnitzer Stadtgraben 91. Montag, den 19. März, Vortrag des Herrn I. Wolfsohn: Symbolismus und Symbole im Allgemeinen und im Religiösen mit besonderer Berücksichtigung des Judentums. (2. Abend.) Rege Beteiligung erbeten und Einführung von Gasten erwünscht. Dortmund. Donnerstag, abends 8.3V Uhr, in der Wohnung von Frau Borreuter, Ostwall 41/2, Beginn des Kursus zur Erlernung der Feier des Sederabends. Köln. Montag, 19. MSr; 1928, abends 20.30 Uhr, im großen Saal der Rheinlandloge, Vortrag: „Krisenvorgänge im deutsch-jüdischen Gemeindeleben", Referent: George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. v. Rheydt. Sonnabend, 17. März 1928, im Saal des Restaurants Wilh. Vits, Markt 1, Bortrag: „Das Lebensrecht des liberalen Judentums" Referent: George Goetz (Berlin), Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum e. B. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachfchen Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 16. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonsti. Sonnabend, den 17. März, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Freitag, den 23. Mürz, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst mit Predigt. Sonnabend, den 24. März, vormittags 10 Uhr, Gottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdorf-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nikolsburger Platz): Liberaler Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn 7.15 Uhr pünttiich. Am Freitag, den 16. März, Predigt: Prediger Gillis. Am Freitag, den 23. März, Predigt: Raboiner Dr. Salomonski. deutschen Geist in konträren Gegensatz zum Judentum setzt, ohne üarüber nachzuüenten, daß, die monumemale Gestaltung dieses Geistes im „Faust" in so enger Verwandtschaft mit der klassischen Prägung der alttestamenilichen See.e im „Hiob" steht. Um die Beziehungen Hebbels zum Judentum zu klären, ist es notwendig, in diejenige Schicht seines Wesens herabzusteigm, die die Sphäre seiner Religiosität bckoet, um von da aus den irrationalen Zusammenhang mit dem Judentum zu begreifen. Wie erlebt Hebbel das Göttliche? Seine Religiosität finden wir als Niederschlag in seinem tragischen Weltbild,: die Einzelpersönlichkeit steht ewig in einer Urschutd zum Göttlichen. Mtt dem Ausdruck Ur,chuld ist nicht eut ethisches, sondern ein tragisches Verhältnis gemeint. Die Einzelpersönlichteit hat sich durch das Myilenum der Geburt rosge>agt, vereinzelt, verselbständigt. Sie wirkt und handelt aus den Motiven der Selbsterhaltung und des Machlstrevens und gerät dadurch in Konflttt mit dem Weltwillen, dem Göttlichen; aus diesem Gegensatz zum Absoluten ist sie notwendig zum Untergang verdammt überall da, wo ihre Größe und Dämonie zum Zusammenstoß mtt der Umwelt führt. Dieser hier kurz angedeutete Ausschnitt aus Hebbels Weltbild ist nach des Dichters eigenem Zeugnis die rationale ICH OL A Prägung für eine lange Reihe von persönlichen Erlebnissen: das tragische Weltbild hat sich ans seinem religiösen Gefühlsleben herauskristallisiert und hat unter dem Einfluß der Schelling-Hegelschen Philosophie diese Form erhalten. Tiefer Form liegt zugrunde das Schaudern vor dem Heiligen und Absoluten in Hebbels Innern, das Bewußtsein der Nichtigkeit der Kreatur vor Gott, die religiöse Ehrfurcht im Sinna Goethes, kurz derjenige religiöse, allgemeinmenschliche Erlebniskomplex, für den der Marburger Religionsphiilosoph Otto den Ausdruck des „Mysterium tremendum" geprägt hat. Tiefes religiöse Element des Erschauerns vor der Heiligkeit Gottes im Alten Testament ist das magische Zentrum, das Hebbel mit zauberhafter Gewalt während seines ganzen Lebens festhält. Tie klassische Prägung des Alten Testamentefür das Gotteserlebnis im Sinne des Mysterium tremendum ist von Otto in genialer Weise geklärt worden. Wenn da- Alte Testament von einem Gott der Schlachten spricht, we°kn Moses von einem Gott des Schreckens redet, wenn die Propheten von einem Gott des Zornes künden, so liegt hiev keineswegs eine primitive mythologische Gottesvorstellung vor. Sondern alle diese Bezeichnungen und Umschreibungen de- Göttlicher: sind Sprachsymbole für das religiöse Gefühl de- Schauderns, der Ehrfurcht und der Demut. Sprachliche Bilder, die die unaussprechliche Ergriffenheit des Gotteserlebnisses andeuten wollen, jenen Zustand der menschlichen Seele, von der Goethe singt: „Tas Schaudern ist der Menschheit bestes Teils, , Wie auch die Welt ihm das Gefühl verteure. Ergriffen fühlt er tief das Ungeheure." macht ihn übermenschlich stark. Er bleibt — nach ergreifendem Wechselgespräch mit Agnes. „Geh den Weg, den Gott gebot." (Agnes.) Tas Kind stirbt. Agnes lebt der Erinnerung. Aber Brand will — scheinbar hart — von dieser Erinnerung nichts wissen. Es hat so sein m ü ssen. Das Leben aber weist auf Pflichten hin. „Ich steh' in dem heil'gen Kriege, gleichviel, ob ich falle oder siege, steh als unerschrockne Wacht — sei's bei Tage, sei's bei Nacht — auf des Tempels heil'gen Stufen. Deine Aufgabe ist, der Liebe kühlen Labetrunk zu bringen, dem Verdurstenden zu reichen..." Aber Agnes findet nirgends Ruhe. „Selbst die Kirche engt mich ein." Brand greift das Wort auf.und nimmt es vorläufig wörtlich. Er will eine größere Kirche bauen. Er will der Gattin jeden Kummer ersparen. „Gerne trag für zwei den Schmerz ich — 0, mit ihr nur sei barmherzig." Aber im ent-! scheidenden 'Augenblick muß er wieder seine Idee zum Siege führen. Ein armes Weib brttet um Sachen für ihr Kind. Brand verlangt, daß Agnes alles hergebe, was sie von ihrem verstorbenen Jungen besitzt, alles. Ne tut es, aber sic criennt, wie schon einmal: „Ter stirbt, wer Jehova schaute." Entweder soll'Brand sie leben lassen, wie sie früher lebte, oder jenes Wort erfüllt sich. Brand gibt nicht nach, umsoweniger, als ihn Agnes selbst an die „tausend Seelen" erinnert, die „aus deine Hilfe zählen, welche Gott dir anbesähl." Brand entscheidet sich mit dem berühmten Wort: „Ewig bleibt uns nur Verlorenes." Tie neue Kirche ist erbaut und soll eingeweiht werden. Aber nun sie fertig ist, gefällt sie Brand — der inzwischen Agnes verloren hat — keineswegs. „Gleicht sie jenem Tempelbild, herrlich wie das Himmelszelt, wie des Lebens frischer Baum?" Seine Stimmung wird durch die Worte des Probstes nicht verbessert. „Zu wenig legtet ihr Gewicht auf Sitt und Brauch, es muß sich rächen. Tenn Sitt und Brauch sind doch das Nächste, wenn auch gerade nicht das Höchste. Ter Fehler war — erlaubt mir — grob. In Massen wägt man nur den Mob. Kämmt alle mit demselben Kamm. Sie sind ja doch vom selben Stamm. Weshalb ist der Turm von Babel nicht geglückt? Weil man nicht gemeinsam gearbeitet hat." „Ein jeder grölte seinen Sang. Sie wurden auch — Persönlichkeiten. — Wen Gott vernichten will, den macht er zum Individuum, und dann lacht er. — Nur selten wird ihm des Elias Geschick, nein öfter des Urias". Wer wäre dann der Turm öum Himmel gekommen, fragt Brand. Wer deshalb linö sie ja gescheitert, entgegnet der Vogt, weil sie zum Himmel wollten. Doch Brand: „Zum Himmel ging doch Jakobs Leiter, und unsre Sehnsucht geht noch weiter." Ter Probst kann nicht folgen. „Leben, Glauben muß man trennen." Brand ist entrüstet. „Auf deiner Stirn das Kainszeichen — es schreiet laut: seht ihn, der 'wellklug des Herzens Abel auf dem Feld schlug." Und als der Probst fort ist, bricht er aus: „Nein, und nochmals nein, nur nicht gefunken! Tie Seele kann ich euch nicht geben." Statt die Kirche zu weihn, bekennt er vor allem Volk, daß sie nicht genügen kann für sein „alles oder nicht s." „Und ich hört und atmet schwer, stand wie David stand vor Nathan: Volk, ein feiger Pakt ist Satan." Und nun zeigt ihr ihnen, wie sie bisher gelebt: „Seele geht in Alltagskleidern. Und das heilige Buchtdes Lebens ruht vergessen i n d e r Lade. Doch das darf nicht sein. „Nicht bloß Glauben, Lehre — nein. Alles, dem von Gott ein Leben und das Recht dazu gegeben —" sollten sich in der Kirche firiZen. Aber dazu reicht sie nicht, dazu fehlen noch die Menschen. Und so soll die Welt s e l bst das Gotteshaus sein, die neue Kirche. „Alle M enschen werden Priester, aufgehellt wird;edes Tüster, neu geprägt der matte Stempel, und die Erde Gottes Tempel." Er zieht mit dem Volke fort — aber nur eine Weile hält die Begeisterung an. Bald können sie nicht mehr mit, und der Zweifel beginnt und das Fragen. Herrlich sind die Antworten, aber umsonst. „Wie lang bas Streiten w ä h ren wird? Bis jeder Zweifel schwindet. Nichts euch trennt vom: alles oder nichts. Und eure Opfer? Alle Götzen, die euch den ew'gen Gott ersetzen. Ter Siegespreis? Des Willens Einheit, des Glaubens Schwung, der Seelen Reinheit, die Freudigkeit, die euch durchschauert, die alles opfert, überdauert. „Ja einzig 'durch des Opfers Wüsten geht es zu unserm K a n a a n." Doch besser als ihm gelingt es Probst und Vogt, die Leute zu ge* winnen. Ter Vogt erdichtet einen Häringshaufen, der nach Millionen zählt. Er habe sich in den Fjord verlaufen. Sie Hetzen das Volk gegen Brand auf und — man wirft mit Steinen nach ihm und läßt ihn allein. Er flüchtet ins Gebirge. Im Geist sieht er Weib und Kind, hört den Mahnruf, sein Wahlwort „alles oder nichts" aufzugeben und lehnt wieder ab. Er will von vorn beginnen. „Nicht um eigenen Lohn ich litt, nicht für eigenen Sieg ich strttt. — Einer auch kann vielen Leuchten. — Starker Wille zwinget viel. "„Denk, daß aus dem Paradies", mahnt Agnes, „Gott dm Menschen zornig stieß." „Wohl, so blleibt ums Sehnsucht, Hoffen," entgegnet Brand. Aber auch das bleibt ihm nicht. Eben ist noch eine Wandlung in ihm vorgegangen. Ganz oben auf der Eidkirche ist er weich geworden, merkt er, daß er „weinen, knien, beten" kannverspricht^ daß. sich 'seines „Lebens Festgedicht" „warm und reich" entfalten soll — da ereilt ihn die Lawine. Seine letzte Frage! lautet: „Sag mir Gott im Todesgraus: reicht (nicht zur Errettung aus Mamieswillens quantum satis?" Urw eine Stimme antwortet: „Gott ist deus caritatis. — — . Man weiß, daß Ibsen in seinem Drama gar kein religiöses Problem lösen wollte, sondern eine Antwort auf die Frage versuchen: ist das Prinzip „alles oder nichts" überhaupt im Leben berechtigt? Und diese Antwort wurde aber gerade an der religiösen Frage versucht. So kann uns niemand hindern, diese Konflikte für sich äuf uns wirken zu lasten und das erwähnte Prinzip nicht auch noch für andere Gebiete zu erwägen. Es blelbt denn auch eine hinreißende Wirkung in uns zurück. Wir glauben, die .biblische Welt «zu durchleben, ein Jeremias, ein Elia, ein Mose werden lebendig in ihrer glühenden Gottesschnsucht, in ihrer unerbittlichen Wahrheitsliebe, in ihrem .Kampf mit der Maste, dem Volk, in ihrem unübertrefflichem Opferwillen, der selbst das Leben preisgeben mochte. Aber auch die Gegenwart steht vor uns auf mit ihren kleinen .und kleinlichen „Helden", mit den Männern des Pakts und des Vertrages, den Leuten der Taktik und Schlauheit und Ränke. Aber vor allem wird die Frage der Zukunft lebendig. Gewiß ist „alles oder nichts" immer übertrieben, weil immer falsch gesehen. Das Gleichmachen, das man dem andern vorwirst, soll man auch für sich selbst nicht wollen. Gott ist „deus caritatis". Aber für die, für die es sich lohnt, für die, die uns hören wollen, für die, die auf den religiösen Sturm warten wie andere auf das neue Jerusalem, für die soll man endlich mit dem Feuer Brands, mit dem Einsatz der ganzen Persönlichkeit, unter Zurückdrängnng persönlicher Wünsche — Brands Uebertreibungen sind ja nicht der Entscheidende, sondern sein Opfer Wille, von dem er immer und immer rttret — „alles" erstreben und jedes weniger als „alles" für „nichts" betrachten. Gerade weil wir in unserm Kreis, ja auch in unserm, den Kampf gegen das „Individuum Brand", .die „Persönlichkeit Brand" kennen, müssen wir chn durchfechten — um der Sache, um „Gottes" willen^ Tenn darum geht es für Tausende heut, das ist in Wahrheit die Frage des Tages, die jüdische, wichtiger als ganz Palästina: wie reden wir den neuen Menschen von „Gott", wie gründen wir auf das „Göttliche" unsere Re-, ligron? Denn — um mtt Brand zu schließen — „nach, bloßem Neuen streb' ich nicht, aufs Ew'ge nur leg' ich Gewicht". Und der Tempel der Weilt, er ruft auch nach uns.