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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-03-02 · 9 (2.3.1928) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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bildet, daß es eine Gruppe innerhalb des (liberalen Judentums darftellt. Ideologisch und historisch gehören sie zusammen. Tie Ueberzeugu:^ vom Wesen des Judentums, insbesondere auch die Bewertung des prophetischen Judentums, die Anerkennung der Berechtigung des Individualismus in der Religion, die Anwendung des Entwicklungsprinzips auch aus religiösem Gebiet und die Auffassung vom ulniversalen Charakter unserer Gemeinschaft - all das eint uns. Gewiß ist das Resormjudentum nur eine Richtung im liberalen Judentum, gewiß gibt >es in den liberalen Reihen auch solche, die vieles vom Reformjudentum trennt, das darf aber keinen wahrhaft Liberalen hindern, unbeirrt trotz aller „taktischen Erwägungen" das we,entliehe Gemeinsame zu erkennen. Tie Feststellung, daß das Wort, die jüdische Reform bewegung sei nur ein „jüoisch frisierter Protestantismus", ein albernes Schlagwort ist, ist von den Organisationen des liberalen Judentums bereits getroffen worden. Im Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum und im Vorstand des liberalen Weltverbandes ist die jüdische Re sormgcmeinde vertreten, auch im Liberalen Rabbineroerband. Taß die Reformgememdc in ihren Mitgliedern den W.llcn zu jüdischer Arbeit zu erhalten und zu pflegen vermag, das kann heute eigentlich nur noch von Bösivilligen bestritten werden. Ans der Franlsilrier Hauvlvrrfammluug der Vereinigung für das liberale Judentum wurde die Forderung einer neuen Gestaltung des jüdischen Gottesdienstes von den verschiedensten Sciien erhoben. Es waren Menschen, die wußten, wie sehr sich die sretifche Struktur des jüdischen Teutschen in den letzten zehn Jahren geändert hat, Menschen, die ans Heister Liebe zum Judentum es schmerzlich empfinden, daß immer weitere Kreise der Judenheit durch den Gottesdienst der Gegenwart keine religiöse Weihe, keine seelische Erbauung empjfaingen. Es waren Menschen, die voller Bangen umi die Zukunst des Judentums sehen, daß vornehmlich in den Schichten der jüdischen Intelligenz und in den Schichten der jüdischen Jugend .'der Gottese.ienst der Gegenwart als micht mehr dem Geist der Zeit entsprechend empfunden wird. Das kam auch in dem angenommenen Antrag zum Ausdruck, der lautet: „Ter jüdische Gottesdienst muß in Form uno Fu statt jo bestallet lL'ccDen, Dajj er mit bein reii'.'iiöjeu >iiupjinbnt und den fldjiiflen Bedürfnissen der deutschen Juden, inSdewndere oee Fugend, in Einklang gebracht lvird. Der Vorstand >oird beauftragt, für diese drnmlichste Ausgabe der Bereinistibng tür das liberale Judentum alle Kräfte einnisetzen." Tie Mehrheit der Teilnehmer an jener Hauptversamm lung beseelte die Ueberzeugung, daß der jüdische iGottesdienst aus der Erstarrung, aus der Schablonisiernng gelöst werden müsse. Teshalb hieß es in dem .einleitenden Bericht dieser Zeitung: „Nicht alle Wünsche aller Liberalen ivaren aus gleicher Linie. Aber die Vereinigung für dar liberale Judentum lvird sie alle erfüllen können und erfüllen müssen. Sie wird den Mittelgcmeinden das liberale Einheitsgebetbuch, der Jugend ihren Gottesdienst, den Geisti-gen Erfüllung ihrer religiösen Sehnsucht geben müssen. Sic kann nicht allen das Gleiche, aber sie must allen das Ihre Das liberale Einheilsgebclbuch, dessen Gestaltung in erster Linie in den Händen von Rabbiner Tr. Cäsar Seligmann «Frankfurt a. M. liegt, ist bereits im Truck und wird in etwa zwei Monaten erscheinen. Ueber das Streben der Jugend nach Gottesdienst-Reform berichtete vor kurzem in diesen: Blatt ausführlich Tr. Ernst Heinrich Seligsohn (vgl. Jahrgang 1927 der I. l. Ztg., Nr. 17). Ter Weg, den die jüdische Resormgemeinde zu gehen beabsichtigt, wird gezeigt durch ihr Gäetbuch, das in Sonderdrucken unserer heutigen Zeitung beigefügt ist. Aus jedem dieser Versuche spricht ernster religiöser Wille und Verantwortungsbewußt sein: jeder von ihnen wird selbstverständlich in liberalen Kreisen neben Anerkennung auch Widerspruch finden, für den, wenn er fruchtbringend ist, gewiß niemand dankbarer sein wird als die Schöpfer der Reformen selbst. Deshalb sollen auch die Spaltet: dieser Zeitung für eine Aussprache über diese bedeutsamen Fragen des liberalen Judentums stets geöffnet sein. Welche Gedankengängc liegen dem neuen Gebetbuch der Jüdischen Reformgemeinde, das von einer unter Vorsitz von Hans Lachmann Mosse stehenden Kommission geschaffen wurde, zugrunde? Für die Resormgemeinde selbst ist das neue Gebetbuch keine grundlegenoe Neuerung. Für sie sind die eingetretenen Aenderungen zum größten Teil das Ergebnis von ZweckmLßigkeitserwägungen. Ueber .sie führt Tr. Joseph Lehmann in den „Mitteilungen der Jüdijchen Reformgemeinde" (Jahrg. 1927, Nr. 1) u. a. aus: „Das Vand, bas unS mit ber Vergangenheit vcrkuüpst, mit der nächsten und mit der fernsten jüdischen Geistes, ist nicht gelockert, sondern durch einige resolute Eingriffe, durch markante Hervorhebung der Höhepunkte des Gottesoienstes nur noch stärker in die Erscheinung getreten. Die Heiligung (Aeduschah), bas Jahrzeitsgebet (Kabdisch) wie die Thoravorlesung sind nicht mehr durch langatmige Gebete vorher und rrachher in ihrem wirkungsvollen Eindruck abgeschwächi. Das Vorbeten langer Gebetabschnitte, das in den letzten Jahrzehnten in unseren Reihen und außerhalb derselben am meisten störend empfunden wurde, und das doch alles eher als eine resormatorische Einrichtung war, da selbst die Texte meist wörtliche Ucbersctzungen der hebräischen Gebete des alten Siödurs öciucjcn sind, haben wir aus ein Minimum beschränkt. Hier werden unter Vcr- »vendunz bekannter Schristwortc die Grundgedanken der alten .Hauptgebete in knapper und klarer Form zum Ansdruck gebracht: Preis der Schöpfung, der Lehre, Israels Aufgabe, Wert der einzelnen Menschcnsiele, Sinn des Einzcllebens, Menschheiisidce und Menschheitsziel im Gottesreiche des Friedens und der Gerechtigkeit. So wurde Zeit gewonnen, denn die Einschränkung des allwöchentlichen Gottesdienstes aus höchstens eine Stunde, um Spannung und Andacht nicht zu lähmen, ist ebenfalls eine Forderung, die der jüdischen Andacht entspricht. „Mache dein Gebet nicht zu einer Bürde!" Es wurde aber noch genug Zeit erübrigt, um Uebersehenes wieder gut zu machen. Tenn Reform heißt auch Reform gegen uns selbst, wenn es gilt, Besseres zu schassen. Das wäre eine schlechte Reform, die nicht den Mut hätte, sich selbst zu korrigieren, und wir würden in diesem Falle den Vorwurf der Zurückrevidierung mit freundlichem Lächeln quittieren. Vor allem ist das Aushcben und Einhebcn der Thora feierlicher gestaltet, soweit die baulichen Verhältnisse der Kanzel und des Almemmors in unserem Gotteshause es gestatten. Neue Gesänge umrahmen diese feierlichen Akte, und das Einheitsbekenntnis, herausgenommen ans seiner bisherigen Stelle und hineingesetzt m den Moment der Aushebung, unter Hinzufügung bisher übergangener, aber doch höchst wichtiger und wesentlicher Satze des sich anschließenden Schriftwortes, hat nicht nur den Akt der Aushebung selbst, sondern auch den Eindruck dieser bedeutsamen Worte feierlicher gestaltet. Sodann wurde ein zweites Versäumnis nachgeholt, das uns schon schwer aus der Seele lag. War die Vorlesung eines Absatzes auS den Prophetenschristen (Haftarah) auch bei der ursprünglichen Einsetzung nur als „Ersatz" gedacht, so liegt doch für uns nicht nur kein Grund vor, diesen „Ersatz", wie es bisher geschah, unbeachtet zu lassen, sondern im Gegenteil ist es für uns, die ivir das prophetische Judentum in seiner Reinheit darzustellen suchen, eine unumgängliche Notwendigkeit, das Prophetenwort in unserem Gottesdienst zu: vollen Geltung kommen zu lassen. Taß wir an Stelle des wechselnden Chorales das allbekannte Lied gesetzt haben, in dem die Sabbatidee gefeiert lvird, in der Ausführung, die >vir der schönen Hagadah von Cäsar Seligmann entnommen haben, tuirb man uns wohl auch nicht als verdächtige Neuerung anrechnen. Uns leitete auch hier einzig die Absicht, den Gemeindegcsang zu heben und, wie ivir stets gewünscht haben, die Teilnahme de: Gemeinde am Gottesdienst zu steigern. Diese Absicht kam im besonderen Maße bei der musikalischen Ansgestaltung des ttzottesdienstes zur Geltung. Wertvolle, alte, allen vertraute Melodien kamen überall zur Verwendung, damit auch das Ohr uns ferner stehender Glaubensgenossen beim Betreten unseres Gotteshauses sofort anheimelnd berührt lvird. _ Hcrvorheben wollen wir noch, daß die Predigt in ihrer jetzigen Stellung als Abschluß den Gottesdienst krönen soll, damit das lebendige Wort in seiner Wirkung keine Abschwächung erfahre und de» von ihm innerlich Erfaßten begleite in den Gottesdienst des Lebens." Tas alles ist gesagt für die Sonntags-Liturgie, gilt aber natürlich entsprechend für die Gottesdienste der verschiedenen Feste. Wer aber nicht zu dein engeren Kreis der Mitglieder der Reformgemeinde gehört, der muß, selbst wenn ihm die Wege, die hier begangen werden, ungewohnt sind oder gar Irrwege zn sein scheinen, als btsonoees e.srenlich feststellen, daß dieses Gebetbuch aus vertiefter Anfsafsnnf jüdischer Religiosilät. aus dem Willen zum Judentum entstanden ist. In der Predigt zur Einführung der neuen Liturgie führte Dr. Karl Rosenlhtl deshalb mit vollem Recht aus:' „Klar und entschieden sei cs ausgesprochen: Nicht trennen soll uns die neue Liturgie von unseren anseren Glaubcnsbrüdern, sondern uns enger an sie binden. Wie sch: immer ihre Form und ihr Inhalt von der Ueberlieferung abwcichen, das religiöse Ziel bleibt uns die Weckung echt jüdischer Frömmigkeit." Das kann nach der Auffassung der Resormgemeinde nicht erreich! werden durch Gebete in hebräischer Sprache, durch Gebete, deren Inhalt unserem religiö en Sehnen nicht mehr entspricht, die zu sprechen aber „vorgeschrieben" ist, durch einell Gottesdienst, der infolge des Mangels der Gebetsprache und des Inhalts zahlreicher Gebete sowie durch seine Länge oft Lippenbelennin.s statt Herzeusandacht ist. Tic Resormgemeinde vertritt die Anschauung, daß die Sprache unseres Gebetes nur die Sprache, in der wir denken und fühlen, die Muttersprache sein kann; daß der Inhalt der Gebete dem eigenen Gefühl, der eigenen Ueberzeugung. der eigenen Wahrheit entsprechen muß; daß die Andacht des modernen Menschen Kürze des Gottesdienstes bedingt. Von allen liberalen Juden sollte dankbar anerkannt werden, daß die jüdische Reformgemeinde auf dem Wege, den. sie für den rechten hält, mit Energie und Takt vorwärts schreitet. Von allen liberalen Juden sollte das neue Gebetbuch der Reformgemeinde begrüßt werden als ein Dokument des Willens zum Aufbau jüdisch-religiösen Lebens. Das Verhalten des deutschen Judentums zur jüdischen Reformbcwegung wird, glaube ich, kein Ruhmesblatt iu den späteren Geschichtswerken des Judentums bilden. Die Erzählung des Nathan von den drei Ringen, die von Juden so gern bei der Erörterung des Verhältnisses zu anderen Konfessionen erwähnt wird, sie sollte auch innerhalb des Judentums nicht vergessen werden. Auch gegenüber der Nesormgemeinde sollte der Richterspruch von allen Juden beherzigt werden: Es eifre jeder seiner unbestochnen. Von Vorurteilen freien Liebe nach! Es strebe von euch jeder um die Wette, Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag . Zn legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut, Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, Mit innigster Ergebenheit in Gott, Zu Hilf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern: So lad' ich über tausend tausend Jahre Sie wiederum vor diesen Stuhl. Ta wird Ein weis'rer Mann auf diesem Stuhle sitzen, Als ich; und sprechen. Bruno Woyda. Ratstagung des preußischen Landesverbandes Amtlich. Berlin, den 27. Februar 1923. Am 26. Februar 1928 fand eine Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt, die sich bis in die späten AibenKunden ausxhnte, und in der fast alle Angelegenheiten der umfangreichen Tagesordnung erledigt werdet: konnten. Es wurde zunächst festgestellt, daß als Nachfolger des in den Rat gewählten Herrn Siegbert Seckelsohn-Berlin Herr R.-A. Tr. Wiener-Berlin in den Berbarrdstaa eintritt. ferner für die Herren Willi Wolfs-Frankfurt a. M. und Willi Dreysuß-Franksurt a. M., die ihr Amt als Abgeordnete des Berbandstages niedergelegt haben, Herr Otto Bonwit-Frankfurt a. M. und Frau Ella Werner-Frankfurt a. M. nachrücken. Zur Frage der Benennung eines Sachverständigen für das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung anstelle "des verstorbenen Herrn Justizrat Lilienthal wurde endgültig Stellung genommen. Tie Verhandlungen mit dem Preußischen Landesverband aesehestreuer Synagogengemeinden, S'tz Halberstadt, zwecks Herbeiführung eines gemeinsamen Entwurfes für ein neues Judengesctz sollen zunächst fortgesetzt werden. Ten Hauptpunkt der Beratung bildete der Haushaltsplan für 1928/29, der von eintm kleinen Aasschuß d s Rates unter Vorsitz des Herrn Direktors Ka.eki entworfen worden war. Nach längerer Besprechung wurde dem Plane im allgemeinen zugestimmt. Bei dieser Gelegenheit wurde erneut darauf hingewiesen, in welchem Mißverhältnis die Zuschüsse der außerpreußischen Landesverbände Für die Rabb:ner-Seminare zu der Bedeutung dieser Anstalten stehen. Es werden demnächst Schritte unternommen werden, um diesen Zustand zu ändern. Als weiterer wichtiger Punkt der Tagesordnung wurde die Frage der Ausbildung und Anstellung der .jüdischen Lchrer, insbesondere auch im Hinblick auf die Kleingemeinden besprochen. Dem Rate wurden zahlenmäßige Unterlagen gegeben, die ein Bild über dm voraussichtlichen Bedarf an Lehrern für die nächsten Jahre ermöglichen sollen. Man war sich der außerordentlichen Schwierigkeiten bewußt, die einerseits in der ungenügenden Beschäftigung auf dem Lande, andererseits in der dadurch ungesicherten Besoldung besteht. Ueber die in der Aussprache aufgeworfene Frage, pb die Schüler der Schächterschule des Landesverbandes auch als Religionslchrer auszubiloen seien, konnte Einverständnis nicht erziell werden. Ferner wurde beschlossen, in die Verfassung des Landesverbandes eine Bestimmung eirtzufügen, wonach die Wahlperiode des am 1. Februar 1925 gewählten Berbandstages am 30. November d. Js. ablaufen soll. Tie nächsten Wahlen würden danach in den ersten Monaten des Jahres 1929 stattsind en müssen. Zum Schluß wurde der zurzeit dem Preußischen Landtag vorliegende Entwurf eines Gesetzes betr. die Israelitische Rel:g:vnsgescllschaft Frankfurt a. M. besprochen. Der Gesetzentwurf ist in staatsmrd kirchenrechtlicher Hinsicht und u: bezug auf die komme:ü>e Aendprnna des 'Gesetzes von 1847 recht bemerkenswert. Erft kurz vor 8 Uhr abends konnte der Vorsitzende die arbeitsreiche Sitzung schließen.; (Wir begnügen uns zunächst mit dem Abdruck dieses offiziellen Berichtes und iverden auf einzelne Beschlüsse der Sitzung nocy zurückkmnmen. Tie von privater Seite verbreitete Meldung, daß Tr. Jsmar Freund auf Grund eines einstimmigen Beschlusses dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst ui:d Volksbildung als Sachverständiger vom Landesverband benannt worden ist. gibt von dem tatsächlich gefaßten Beschluß ein unvollständiges und nicht zutreffendes Bild. Die Red.) Die Zuden in Ostasien Ueber die Juden in Ostasien sprach am 27. Februar Landgerichlsrat Tr. Stern (Berlin) auf Grund seiner Reiseemdrücke an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Nach einer kurzen Uebersicht über die chinesische Kulturrevolution. der durch sie bedingten großen Auseinandersetzung zwischen Ost und West führte der Vortragende cu:s, daß es seit den letzten 50 Jahren keine chinesischen Indien in dem Sinne wie früher gäbe, als sie noch nach Aussehnnd Lebensweise den Chinesen glichen. Ihr Mittelpunkt :var die Gemeinde in K a i - f o n g - s u am gelben Fluß. Schon um Christ: Geburt waren Juden, wahrscheinlich auf den großen Karawanenstraßen über Persien und Indien, nach China gekommen; es gibt Berichte über sie von mittelalterlichen Reisenden und von Jesuitenmissionaren. Nach diesen glichen die Juden in Kai fong-fu Aussehen und Kleidung nach völlig den Chinesen. Japanische Juden hat es wohl niemals gegeben. Tie Juden, die jetzt in diesen Ländern loben, müssen toie die übrigen fremden Ansiedler betrachtet werden. Ihre Zahl beläuft sich gegenwärtig auf höchstens 2030—3000, ihr Wohnsitz sind die Städte Nagasaki. Tokio, Aokohama. In China gibt es erheblich mehr, in Charbin allein leben wohl 10 009; sie sind dorthin meist infolge der politischen Umwälzung in Rußland verschlagen worden. In Shanghai nnd Hongkong haben es namentlich die aus England und aus J:ll>ien stammenden Juden zu hohen Staatsstellungen gebracht, wie es beim Gouverneur Nathan der Fall war. Tie übrigen sind zum großen Teile Kaufleute, auch Handwerker, sie leben häufig, besonders in Japan, in dürftigen Verhältnissen. Beide Länder kennen ursprünglich keinen Antisemitismus, wenn neuerdings Strömungen dieser Art vorhanden sind, so sind sie auf über Sibirien eingeführte Hetzschriften zurückzuführen, die den Bolschewismus als jüdisches Geistesprodukt hinstellen. Wie der Vortragende zum Schluß bemerkte, müssen die Juden eingedenk ihrer eigenen Leidensgeschichte im Sinne wahrer Humanität bei den Kämpfen Chinas gygen die Ketten der ungleichen Verträge seine Partei ergreisin. Lin österreichisches Pro-Palästina-Komitee Nun ist auch Oesterreich dieser Tage mit einem „Pro- P a l ä st i n a - K o m i t e e" beglückt worden. Es hat lange gedauert, bis es dazu kam — die Konstituierung des deutschen Komitees erfolgte bekanntlich vor mehr als einem Jahre — und die Gründung scheint auch im zionistischen Lager auf große Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Denn erst hieß es am letzten zionistischen Parteitag Oesterreichs, W e i z m a n n selbst werde zur Konstituierung nach Wien kommen, und nun mußten wir uns auf einmal mit Sokolow begnügen. Die Entsendung dieses immerhin prominenten Führers der Zionisten beweist aber zugleich die Unmöglichkeit seiner eigenen Worte, die in einem Interview mit ihm in der an der Angelegenheit schon durch ihren Herausgeber und Chefredakteur Dr. Ernst Benedikt interessierten Wiener „Neuen Freien Presse" enthalten waren. Sokolow sagte bort: „Ueberakl ist die Anregung zur Gründung solcher Komitees nicht aus zionistischen Kreisen ausgegangen, sondern diese haben sich erst später, als die Bewegung bereits im Gange war, um die Durchführung bekümmert." Wenn dies, was zu bezweifeln ist, „überall" so war — beim deutschen Pro-Palästina-Komitee war gewiß das Gegenteil der Fall —, in Oesterreich dürfte die Sache doch etwas anders gewesen sein. Dies beweisen die seit dem oben erwähnten Parteitag im Gange gewesenen unermüdlichen Bestrebungen unserer Zionisten um Gewinnung von prom i n e n 1 e n N i ch 1 j u d e n für ihre Zwecke, dies beweist nicht zuletzt die große Anzahl führender Jüdischnationaler in diesem Komitee, es fiiib ihrer nicht weniger als mindestens zehn. Und nun die Nichtjuden?! Aus der mit großem Applomb in zionistischen Blättern angekündigten Gewinnung „führender Persönlichkeiten auf allen Gebieten des politischen Lebens" scheint es auch nichts geworder: zu sein. Es figuriert im Komitee auch nicht ein prominenter sozialdemokratischer Politiker, es fehlen auch zum Unterschied vom deutschen Komitee völlig Männer der deutsHnatio-- n a l e n Couleur. Dafür erscheinen in unserem Komitee einige Prominente der ch r i st l i ch s o z i a l e n Partei, so Vizekanzler a. D. Dr. B r e i s k y und Bundesminister a. D. Nationalrat Dr. H c i n l. Besonders dieser ist sehr interessant, er ist eines der angesehensten Mitglieder dieser Partei, die sich den Kampf gegen die „Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses" zur Aufgabe gemacht hat. Auch der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, der Führer dieser Partei, sagte in einem Briese an Sokolow seine Förderung zu. Dann figurieren noch einige Männer der Wissenschaft im Komitee, so der Rektor der Wiener Technik, Prof. Dr. O erley, der neuestens den demokratischen sozialistischen Hochschülern das Anschlagsrecht an der Technik entziehen will, weil sie ihre politischen Tendenzen in ihren Bereinsnamen

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