Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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«eil bcn Spiegel vor die Seele. Wenn sie doch sehen wollte! Oder gilt auch für unsere Zeit das Wort Gottes an Israel: „Sie sehen alles, aber sie bleiben bei ihrer Torheit?" Eltern, die ihre Kinder lieben, wevden den .rechten Weg phen, um chnen das Beste zu erhalten: den Halt in (der Familie und im Bekenntnis. Und nur zu solchen Eltern »eben diese Zeilen. Die Numerus Llausus-Vorlage vom - Ungarischen Parlament angenommen Im Abgeordnetenhaus wurde die Generaldebatte über den Numerus clausus beendet und die Abstimmung vorge- «ommen. Tie Abstimmung, die mit Namensaufruf erfolgte, ergab, daß von 245 Mitgliedern des Hauses 171 anwesend waren, demnach 74 Abgeordnete, also fast ein Drittel, fehlten. Für die Annahme der Regierungsvorlage stimmten 139, dagegen 32 Abgeordnete. Tie meisten Mitglieder der Regivrungspartei stimmte,: für die Revision, während die Rechtstiberalen und die Mitglieder der christlichen Wirtschastspartei gemeinsam mit der Opposition dagegen stimmten. Tie Ab- Kimmung ging unter lärmenden Äußerlichkeiten vor sich. Tie abstimmenden Abgeordneten wurden je nach ihrer Parteistellung von den Gegnern mit höhnischen Zurufen begrüßt. Ueber die vorangegangene Diskussion ist noch zu melden: Zn seiner Rede gegen den Numerus clausus im ungarischen Parlament erklärte der jüdisch-liberale Deputierte Paul Sandor, daß die ungarische Regierung die zionistische Organisation in Ungarn gegen den Willen der offiziellen Vertreter der Ungarischen Judcnheit anerkannt hat, nur um eine Handhabe zu gewinnen, die ungarischen Juden auf Grund der zionistischen Tätigkeit als Nation und nicht als eine religiöse Gemeinschaft, die sie sind, zu behandeln. Warum sonst, fragte Sandor, hat die Regierung die Statuten der zionistischen Landesorganisation anerkannt, obwohl er und seine Freunde es an Mahnungen und Warnungen nicht haben fehlen lassen? Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wies Paul Sander an Hand geschichtlichen Quellenmaterials darauf hin, daß König Ärpad, der erste Nationalkönig Ungarns, eine Tochter des Königs der Chasaren, der mit seinem Volke zum Judentum übergctreten war, zur Gattin nahm, und daß auch die Mutter König Arpabs dem jüdischen Glauben huldigte. Als letzier in der Debatte ergriff Kultusminister Graf Klebelsberg das Worr und präzisierte den Standpunkt der Regierung wie folgt: Ter Entwurf ist in erster Reche ein sozialpolitischer Entwurf. Jeder Hinweis auf konfessionelle «nd rassenpolitische Gesichtspunkte fehlt in ihm. Das ungarische Corpus juris erblickt in den Ungarn jüdischer Religion «ichts anderes als eine Konfession und keinesfalls eine Rasse oder Nationalität. Ich will mich nicht in Prophezeiungen einlassen, aber eines will ich sagen: Von 1915 bis 1919 hat sich die Geburtenziffer stark verringert. Infolge dieser Verringerung wird sich in den Jahren 1933 bis 1937 eine derartige Verringerung der Zahl der Hochschüler ergeben, daß sich ganz automatisch ein gewisser Ausgleich ergeben wird. Ich will nicht eine weitere Revision des Numerua Claudus an gewisse Termine knüpfen, die Zukunft liegt in Gottes Hand, und alles hängt von den Verhältnissen ab. Wir müssen dagegen Verwahrung einlegen, als ob uns ausschließlich Erwägungen außenpolitischer Natur geleitet hätten. Ter Völkerbund hat uns in seinem vor zwei Jahren gefaßten Beschluß keinerlei Weisungen erteilt, sondern er hat nur einer gewissen Hoffnung bezüglich der Revision des Numerus clausus-Gesetzes Ausdruck verliehen, und daraus ergibt sich, daß dieser Völkerbundßbeschluß für uns keinerlei Obligo enthält. Es gibt auch eine:: Numerus clausus der Armut, und dieser macht sich bei den Christen geltend, die in vielen Fällen aus materiellen Gründen nicht imstande find, ihre Studien fortzusetzen. Durch die Verteilung von einer Million Pengö für Studienzwecke helfen wir der ungarischen christlichen Mittelklasse, ihre Söhne studieren zu lassen. Ich weiß, daß die ungarische Judenschaft mü der Vorlage nicht zufrieden ist. Sie kann auch mü ihr nicht zufrieden sein. Tie Juden leiden nicht nur als Juden, sondern auch als Ungarn: Als Söhne Trianon-Ungarns. Tie ungarische Judenschaft darf nicht aus der großen Solidarität der ungarischen Nation ausgeschaltet werden. Als letzter Redner sprach der Führer der Sozialdemokraten, Peidl, gegen die Vorlage, worauf die Abstimmung rwfolgte. Die Wirkung des letzten Erdbebens in Palästina Ter am Mittwoch, den 22. Februar, 7.50 Uhr abends erfolgte zweite Erdstoß hat außer in Jerusalem, Jericho und Tel Aviv auch in den Städten Hebron, Haifa, Afuleh, Acco, Ludd, Tiberias, Nazareth. Nablus, Ramleh und in anderen Orten großen Schaden verursacht; überall wurden mehrere Wohnhäuser sowie Regierungs- und Magistratsgebäude mehr oder weniger schwer beschädigt und unbewohnbar gemacht In zahlreichen Orter: verbrachten Araber wie Juden die Nacht vom 22. zum 23. Februar im Freien, da sie teine Wiederholung der Erdstöße und einen Einsturz der Häuser befürchteten. Tie Telephonoerbindungen sind an vielen Stellen des Landes gestört. Menschenleben sind nirgends zu beklagen, ^.as in der Renovierung befindliche, seit dem Erdbeben im -vZun: unbenutzte Regierungsgebäude auf dem Oelberg wurde abermals beschädigt. ' (JtaK Werbt neue Mitglieder! * Versammlungskalender * Breslau. Jli „Abraham Geiger". Vorsitzender: Rabbiner Dr. Halpersohn, Breslau 13, Moritzstraße 50. Montag, den 5. Marz, abends pünktlich 8.45 Uhr, im Saale der Loge „Gerhart Hauptmann", SLweidnitzer Straße 9, Bereinsabend. Thema: „Was ist uns Purim?" Einleitende Worte: Rabbiner Dr. Halpersohu. Anschließend zwangloses Beisammensein. Rege Beteiligung erbeten und Einführung von Gästen erwünscht. _ Liegnitz. Liberaler Verein der Synagogen-Gemeinde. Unser nächster Bereinsabend findet am Montag» den 5. März, abends 8.3V Uhr, in den Räumen der Silesia-Loge statt, und zwar in Form einer Rezitationsabends, veranstaltet von Frau Anna Wolfsdorf-Wolfenbüttel. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Gäste willkommen. Nürnberg. Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum. Am Dienstag, den 6. März 1928, abends 8 Uhr, im Künstlerhaus, wird Herr Professor Dr. Elbogen über: „Was ist uns liberales Judentum?" sprechen. \ * | Gottesdienste j * j Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden (im Auerbachschrn Waisenhaus, Schönhauser Allee 162): Freitag, den 2. März, abends 7.15 Uhr, Gottesdienst verbunden mit Gefallenen-Eedächinisfeier. P.edigt Rabbiner Dr. Salomonsti. Sonnabend, den 3. März, vormittags 10 Uhr. Gottesdienst. Montag, den 5. März, abends 7.15 Uhr, Purim-Eottesdienst. Predigt Rabbiner Dr. Salomonsii. Freitag, den 9. März, Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Berlin-Wilmersdors-Schöneberg. Liberale Synagoge Wilmersdorf (in der Aula der Cäcilienschule, Nikolsburger Platz): Jeden Freitag abend Dcra'er Gottesdienst mit Chor und Predigt. Beginn abends 7.15 Uhr pünktlich. Annahme von Bestellungen auf die Züdlfchliberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands iiiuiiiiiiuiiiuitiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiitiiimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiuHiiiiiiiiii Die konfessionelle Schichtung der Landkreisbevölkerung in Preußen Das Statistische Amt des Landkreistages veröffentlicht eine Statistik der konfessionellen Schichtung der Landkreisbevölkerung in Preußen nach den Ergebnissen der .letzten Volkszählung. Von der preußischen Kreisbevölkerung, die nach der lchten Volkszählung 22 895 601 Einwohner ausmachte, waren 64,45 Prozent --- 14 757 492 Personen Angehörige der evangelischen Landeskirche, 33,11 Prozent 7 581231 Einwohner Angehörige der römisch-katholischen Kirche. Andere Christen, unter denen sich Anhänger evangelischer Freikirchen und sonstiger evangelischer Religionsgemeinschaften befinden, gab es bei der gesamten Kreisbevölkerung in Preußen nur 0,99 Prozent. Israeliten waren in einer Stärke von 77193 0,34 Prozent vertreten. Angehörige nichtchristlicher Religionsgescllschaslen und ohne Angabe überhaupt wurden 252 209 1,11 Prozent im ganzen gezählt. Line spanische Esther Novelle von Hedwig Ries. Der Ritter Gonzalo hatte den Gipfel des Glückes erreicht: er war der erklärte Günstling König Alfonso's des XI. Ja, er war mehr. Er war der wahre Herrscher in Kastilien, denn der wankelmütige Alfonso ließ sich in seinen Handlungen stets von demjenigen Ratgeber leiten, dessen Persönlichkeit augenblicklich im Vordergrund stand, und der ihm kraft eben dieser Persönlichkeit seinen Wi len aufzwang. Wie hatte Gonza’o, ein Ritter aus unbedeutendem und armem Geschlecht, diese Höhe erklommen? Wer hatte ihn auf seinen Schultern hinaufgetragen? Wem verdankte er sein schier unfaßbares G.ück? König Alfonso hatte einen jüdischen Mann zu seinem Ratgeber und Freund erwählt und ihm das Amt des Schatzmeisters anvertraut. Der jugendliche Herrscher liebte an ihm die dem spanischen Juden eigene Verbindung von weltlicher Klugheit, Kunstsinn und Geist, von edlen Umgangsformen und 1.ebenswürdigem Wesen. Er genoß in diesem Menschen die Nachblüte spanischjüdischer Kultur, die die großen Jahrhunderte vor ihm geschaffen hatten. Kein anderer als dieser Gewaltige am kastilischen Hofe, Don Joseph Benveniste, war es, der den Ritter Gonzalo zum Lichte königlicher Gunst emporgehoben hatte. Und wie lohnte es ihm der Ritter? Selbst bis zum Posten eines Ministers des königlichen Hauses und zum Großmeister eines hohen Ordens aufgestiegen, schmiedete Gonza o seine finsteren Pläne ... IC H O und erbat eine dringende Unterredung mit seinem Fürsten. „Es wolle meinem Herrn und König gefallen, mich anzuhören, ehe Unheil über unser herrliches Kastilien kommt.“ „Sprich, Gonzalo, welch ein Unheil ist zu verhüten?“ „Mein Herr und König hat den Verderber der Welt zu seinem Ratgeber gemacht, ihm hohe Aemter anvertraut und ihm Freundschaft zuerteilt, königliche Freundschaft, die Sonne der Sonnen.“ „Wer ist der Verderber der Welt, Gonzalo?“ „Juda ist es, das gottverfluchte Volk! Und sein Vertreter am Hofe Don Joseph Benveniste.“ Der König fuhr zurück, erbleichend und erschüttert „Du klagst Don Joseph an? Ihn) der meinen Kronschatz gemehrt, der mit Klugheit und Weltsinn das Staatsruder lenkt und bei dieser schweren Mühe nicht der schönen Künste ermangelt, die unser Leben veredeln und verschönen? Du ihn? Der Dich mir gebracht, Dich gefördert und erhöht hat, der auch Dir die königliche Freundschaft, die Sonne der Sonnen, verschafft hat?“ Gonzalo verneigte sich tief. „Wie ehrt es doch meinen Herrn und König, der Verdienste auch eines Juden zu gedenken, und wie müßte es mich beschämen, einem solchen verdienstvollen Mann, der mir obendrein Gutes erwies, mit Undank zu lohnen. Aber mein Herr und König möge wissen: höher, als der Dank für mir persönlich geleistete Dienste, steht das Wohl des erhabenen kastilischen Thrones und meines kastilischen Volkes, das seinem edlen König anhängt und vertraut. Um diesen hohen Preis gelte Undank als höchste Tugend.“ Gonzalo hielt inne und beobachtete das Mienenspie! des Königs. Dann fuhr er fort: „Ich sehe den Kampf im Antlitz meines Herrn und Königs. Möge der Kampf zum Siege des Guten führen!“ „Was tat Don Joseph Böses?“ „Er sog das Volk aus...“ „Wenn er das tat, tat er es für mich und meinen Hof!“ Gonzalo mit hämischem Lachen: „Und auch für sich! Man sieht ihn auf stolz gesattelten und edelsteingeschmückten Rossen, kostbarer* als die des Königs, meines Herrn. Seine Karossen und Prunkgewänder überbieten die des königlichen Herrn, sein Hofstaat entfaltet mehr als königlichen Glanz, und die gesamte Judenschaft Kastiliens prangt im Reichtum! Woher denn nahmen sie ihn? Durch Lug und Trug und Wucherzinsen, aus den Taschen und Knochen unseres edlen kastilischen Volkes. Und das Volk sieht es und murrt. Will mein Herr und König warten, bis es, zur Empörung getrieben, Aufruhr treibt, auch gegen seinen erhabenen Herrscher?“ „Schweres hast Du gesprochen, Honzalo. Laß mich allein, daß ichs überlege.“ Das Gift, das Gonzalo in die Seele des Königs geträufelt hatte, tat seine Wirkung. Er gab Gonzalo den Befehl, den gefahrbringenden Juden Don Joseph, IREB § .. S «jf tnSSi I «sfc E 4* | /smr s w 1!*■ 4* CRHCBIUIM i i—A4, y t Bald wird es Frühling! Bringen Sie schon iefzf ihre Kleidern. Anzüge