Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 8 (1928)
- Issue
- 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mitteilungen der Arbeiksgemeinschafk jüdisch- * liberaler Zugendvereine Deutschlands * JU Monatliche Beilage zur Jüdisch-liberalen Zeitung Verantwortlicher Schriftleiter: Hilde Hamburger Berlin-Dahlem, Sachsallee S Einige Gedanken zum Pazifismus Von Joseph Wein fast-Chemnitz. In diesen Blättern wird zur Zeit über das „Problem" des Pazifismus geschrieben. Welche Begriffe sind nun eigentlich Probleme? Doch offenbar nur solche, über deren Sinn oder Nichtsinn, Gut oder Schlecht man überhaupt streiten kann. Aber wir dürfen heute wohl überzeugt sein, daß der Fricken unter Menschen und Völkern unbedingt als gut und sinnvoll allgemein anerkannt wird. Der Waffenstreit mag nicht immer und bei allen Völkern als zerstörend und unsinnig aufgefaßt worden sein, die Wilden, selbst die unter europäischen Kulturvölkern lebenden, befürworten ja noch immer jene Art roher Kampfeslust in brutalen unmenschlichen Formen. Aber niemand wird bestreiten, daß der Frieden der bessere Teil eines vernunftgemäßen Daseins ist. Das Problem ist also heute eigentlich nicht mehr der Friedensgedanke, sondern die Beseitigung des 'Kriegsübels. Pazifismus ist zu einer Forderung geworden, die nicht mehr widerlegt werden kann, hat also ausgehört Problem zu sein. Soweit ist man bereits. Die Fragestellung ist nicht mehr abstrakt-theoretisch, kein Leckerbissen mehr für Salonphilosophen, Problemfüchse und literarische Zirkel, sondern eine ganz praktisch-nüchterne und lautet: Wie ist das fatale Kriegsübel, das Hindernis eines kulturfördernden Dauerfri^ens, zu beseitigen, wie bringt man die Masse zum zähen Widerstand gegen ein etwaiges neues 1914? Als ein Mittel wird der organisierte Massenstreik im gegebenen Moment empfohlen. Ich glaube nicht an seine Wirkung, einmal, weil die Energien der kriegswilligen Mächte stets stärker sein und, mit neuvorgespiegelten Idealen, die Massenseele schließlich doch gewinnen würden (man befrage raufend „Männer aus dem Volke" nach ihrer Gesinnung gegenüber Frankreich). Aber das ist nicht das Wichtigste. Es scheint mir hier um seelische Dinge zu gehen, um die Wertung des eigenen Lebens schlechthin. Ern bedeutender Nationalökonom, Roscher, prägte den Satz: „Ausgangs- und Zielpunkt all unserer Wissenschaft ist der Mensch." Kultur, sei es Kunst, Bildung, Industrie, Technik, Spott, hat ein Recht auf Bewertung nur, soweit sie dem Menschen dient, soweit sie imstande ist, eine Vielheit von Menschen geistig, seelisch, körperlich höher zu bringen, möglichst vielen das Leben immer mehr lebenswert, sie immer lebensfroher, „glücklicher" zu machen. Der „glückliche" Mensch liebt das Leben, er hängt daran, weil er es in seinem tiefen sittlichen Ernst, bewußt oder unbewußt, zu erkennen vermag. Er wird sich gegen all das stemmen, was dem Leben feind ist. Der „Unglückliche" wird neben dem Leben hergehen, es ist ihm im Grunde gleichgültig (das widerspricht nicht dem rein physischen Hang am Leben). Er wird auch nur mangelnde Widerstandskraft gegen lebensseindliche Mächte aufbttngen. Welches aber find die Grundvoraussetzungen zu jenem „Glück"? — Das Recht auf Arbeit, das Recht auf Bildung, das Recht auf Freude. Es scheint mir, als gehe man allgemein bei pazifistischen Bestrebungen von falschen Gesichtspunkten aus, indem man glaubt, bei unverändettem Lauf der Lebensgestaltung den uralten Faktor Krieg einfach ausschalten zu können. Man muH aber bedenken, daß unser heutiger Kultur- und Wirtschaftsaufbau, besonders letzterer, noch ganz auf kriegerische Verwicklungen zugeschnitten ist. Die Arbeit einer Befriedung der Völker hat nicht mit Friedensdekreten, mit der Sammlung von Unterschriften für Kriegsdienstverweigerung und mit noch so wohlgemeinten Beschlüssen zu beginnen, sondern mit jedem kleinsten Wett, das dazu beitragen kann, die Massen mehr und mehr an Wett und Sinn des eigenen Daseins glauben zu machen. Ob ein solcher Weg nun sofott dazu führen wird, jeden künftigen Ktteg unmöglich zu machen, vermag ich nicht zu sagen. Ganz gewiß aber führt jener Weg, der voraussetzungslos die Friedensfrage isoliert behandeln will, niemals zum Ziel. (Ä steht wohl fest, daß die tragenden Mächte der heutigen Wirtschaft das Hauptaugenmerk ihres Schaffens nicht gerade auf eine kulturelle Hebung der Massen richten. Daß die Zukunft in absehbarer Zeit hier rein entwicklungsmäßig gründlichen Wandel schafft, ist kaum anzunehmen. Da aber „Recht auf Arbeit", wenn es einen lebendigen Sinn haben soll, neben dem ausreichenden Ettrag auch sittliche Hebung des ganzen arbeitenden Menschen bedeutet, so werden auf irgend eine Weise Mittel und Wege gesunden werden müssen, um den Gang der Wirtschaft im Sinne Roschers mehr auf den Menschen hin zu beeinflussen. Ob dies rein organisch, evolutionär, möglich sein wird, sei hier nicht untersucht, nur die Notwendigkeit als solche sei hervorgehoben. Die Aufgabe wird eben sein, die Technik nicht zu vergotten, sondern sie wirklich zu einem Segen im Dienste der Menschen zu machen. Der Einzelmensch muß sich als Mensch fühlen können, nicht aber als bloße Zahl. Das erst wäre die wahrhafte Veredlung des heutigen Gemeinschaftsideals. Ob der Klassenkampf das Heilmittel zur Hebung der Massenpsyche ist, bleibe dahingestellt. Die bisherigen Beispiele von Klassenkämpfen haben es nicht bewiesen. Aus der Gestaltung der Wirtschaft, deren Objekte sich unmer mehr in Händen Weniger stauen, folgt zwangsläufig ^^ängigmachung einer immer größeren Anzahl Menschen. Abhängigkeit aber wirkt mehr oder weniger bedrückend. C^e Ausgleich kann nur geschaffen werden im immer größeren Anteil an den Kulturgütern. Es liegt aber nicht m der Sphäre heutiger Wittschaftsführung, diese Kultürtr*eraiJ!rizu geben und allen zugängig zu machen. Der Besitzlose wird es auch heute noch sehr schwer haben, an dw Statten der Bildung und Kunst heranzukommen. Es gwt heute noch ernsthafte Leute, die diesen Zustand für gut befinden. Auch hier bleibt also noch eine Menge zu tun, um den Massen — und sie sind doch sttts das Werkzeug des — klarzumachen, wieviel eigentlich ein Einzelleben wett fern kann. ,drttter Faktor endlich, der den Massenmenschen a ttch selber zweifeln lassen mußte, ist nicht zuletzt jener Bei gottung der Technik zu verdanken. Es ist die Entfremdung vo ÜL<?ö?l.<5cn Lebensgütern, die, auf eine kurze Form Ochern Licht, Luft, Sonne, ©m Mensch, der nebe Fronarbeit, neben dem Mangel an Bildungsmöglick me» auch noch gezwungen ist, sein Leben zwischen Stell Das Ili-Programm ★ JN-Berlin. Gemeinsame Veranstaltungen. Sonnabend/Sonntag, den 25-/26. Februar: Anderthalb-Tagesfahrt nach Lettenbrück. Donnerstag, den 1. März, abends 8 Uhr, Rofenstratze 24, Hilde Bach: „Elückel von Hameln". Donnerstag, den 29. Marz: Ort und Thema werden noch belanntgegeben. Ili-Breslau „Abraham Geiger". Briefadresse: Alfred Berger, Breslau 13, Augustastratze 67. Montag, den 27. Februar: Bottrag des Herrn Rabbiner Dr. Sänger: „Die Stellungnahme des religiösen Liberalismus zu den Ereignissen der Zeit." Das Rärzprogramm ist noch nicht eingelaufen. Jli-Magdeburg „Heimat". Jugendgruppe. 25. Februar: Heimnachmittag; Referat und Thema ist aus dem Wochenblatt ersichtlich. 3. März: Heimnachmttlag; Thema: „Amerika und wir". Einsüdrung Hans Erwin Teller. Aeltere und mittlere Gruppe. Dienstag, den 28. Februar: Reserat Hans Rosenberger (Berlins: „Die Religion im Zeitalter der Technik." Dienstag, den 6. März: Fortsetzung der Debatte vom Heimabend am 14. Februar. Einführung Karger. Dienstag, den 13. März: Heimabend für ältere und mittlere Gruppe getrennt; Thema wird noch bekanntgegeben. mauern und Maschinen zu verbringen, kann schließlich dazu kommen, sich zu allen falschen Idealen mißbrauchen zu lassen, eben weil er ohnehin nichts zu verlieren hat. Denn auch vom Wett des Familienlebens kann man hier wohl nicht sprechen. Ich glaube auch im Rahmen der heutigen Wirtschaftsform an eine gewisse Möglichkeit, hier Abhilfe zu schaffen, und denke dabei an die Bodenreform von Damaschke, sowie an teilweise bereits verwirklichte Arbeitergartenstädte. Niemand wird die moderne Entwicklung zurückschrauben können. Die Gefahr liegt, wie bereits angedeutet, nicht in der technischen Entwicklung als Tatsache, sondern in der Verleugnung des Menschen als Einzelwett. Diese Verleugnung steht geradezu im Gegensatz zu einer wirksamen Bekämpfung der Kriege. Hier wird übrigens diese sonst allgemein-menschliche Frage noch zu einer besonderen jüdischen, da das Judentum eine Wettung des Einzelmenschen niemals leugnen kann. Es könnte der Einwand erhoben werden, daß gerade der in spießbürgerlichem Sinne „zufttedene" Mensch sich am leichtesten in Gedankenlosigkeit hüllt und zu allererst an klingende Scheinideen glaubt, ohne die Kraft des Widerstandes aufzubringen. Diese kleinbürgerliche Selbstzufriedenheit ist aber ganz gewiß nicht gemeint, denn sie ist ja gerade der Feind allen Kulturfottschritts. Es handelt sich um das seelische Gleichgewicht und die Harmonie des Menschen, der eben weiß, wofür er lebt. — Aus all dem folgt, daß viele Vorausschungen erfüllt sein müssen, um alle Menschen davor zu bewahren, ihr Leben für sinnlose Ziele preiszugeben. Weder Internationale, noch Völkerbund, noch Paneuropa können dazu führen, wenn nicht „im kleinsten Punkte die größte Kraft" gesammelt wird, wenn man nicht beim Einzelzelmenschen beginnt. Jeder schaffe an seinem Platze, sei es in kleinstem Kreise, Kräfte, die zur Verwirklichung eures jener dre^ Grundrechte beitragen. Anders als heute wird vieles werden müssen, die Wege, auf welchen „Ismus" sie auch lauten mögen, sind gut, sofern sie den Wert des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Zwecklos ist es, mit dem großen Ziel des ewigen Fttedens beginnen zu wollen, ohne an die Voraussetzungen zu denken. Darum schaffen Leute, die das Wott Pazifismus kaum im Munde führen, oftmals mehr dafür, als solche, die es zu einem Schlagwott ihres Sprachschatzes gemacht haben. Der Wett pazifistischer Vereinigungen soll nicht geleugnet werden, die Menschen, die sich da zusammenfinden, haben ja zum Teil die Notwendigkeit solcher Vorausschungen bereits erkannt und arbeiten in diesem Sinne. Der Lebenswille, d. h. hier die Erkenntnis vom Wett des auf Arbeit, Bildung und Freude gestellten Einzellebens, muß bei möglichst Vielen so eisenstark gemacht werden wie die gegenwärtig noch im Sinne des Wortes furchtbar eiserne Tatsache der Riesenarsenale an Geschützen, Panzerkreuzern und anderen Massenmordwerkzeugen. Das aber ist eine Kulturaufgabe, von deren Erfüllung wir noch weit entfernt sind. Und am geringsten geeignet für die Aufgabe ist der „Salonphilosoph", der loyal-aristokratisch von der „Masse" redet. Ueberhaupt wird dieses Wott heute gefährlich mißbraucht. „Masse" muß aufhören, Sonderbegriff zu sein, man bemühe sich, darunter lediglich die Vielheit von Einzelmenschen zu verstehen. Es stelle sich jeder in den Dienst einer Sache, die zum echten Frieden und wahrhaften Glück des Einzelmenschen beiträgt, und er wird der Fttedensidee einen ungeahnten Dienst leisten. konsequenter Pazifismus? Von Paul Heinrichsdorfs. Es sei im voraus gejagt, daß es nicht die Absicht dieses Aufsatzes ist, Grundsätzliches gegen die Idee des Pazifismus zu sagen, sondern vielmehr einige Fragen zu wiederholen, bei deren Lösung der Pazifismus auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, die aber in unserer Diskussion noch nicht beachtet wurden. Eine solche Schwiettgkeit ergibt sich zunächst bei der Frage, zu welchen Konsequenzen man durch die Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung gezwungen ist. Der Kriegsdienstverweigerung liegt die Anschauung zu Grunde, daß politische Konflikte auf dem Wege der Rechtsprechung und nicht auf dem der Gewalt gelöst werden sollen, und daß man deswegen die Teilnahme an einer gewaltsamen Aktion ablehnt. Da ja von diesem Gesichtspunkt aus das Menschliche über dem Nationalen steht, würde also ein Individuum, das mit solcher Abelhnung dem Staat den Gehorsam verweigerte, nicht mit seiner Pflicht gegen die Gemeinschaft in Konflikt kommen — die Frage aber wird schwierig, wenn man die Konsequenz bedenkt, die aus solchem Standpunkt für das Verhältnis Individuum zueinander gezogen werden muß. Die notwendige Konsequenz wäre, die Notwehr als Verteidigungsmittel bei persönlichem Angriff abzulehnen. Man ist deswegen dazu gezwungen, weil man das leitende Prinzip der Gewaltlosigkeit nicht für die Gemeinschaft annehmen und für den Teil der Gemeinschaft ablehnen kann. Ist es aber wirklich im Sinne der Gerechtigkeit gehandelt, wenn man die Notwehr ablehnt? Ergibt sich nicht vielmehr damit die Gefahr, daß oft wettvolle Kräfte der Gemeinschaft brutalen zum Opfer fallen, ohne daß ihr Opfer — wie es im Falle der * Kriegsdienstverweigerung wäre — die Gemeinschaft fördern würde? Solange man andererseits die Notwehr als berechtigtes Mittel anerkennt, kann man die Kriegsdienstverweigerung nicht mehr halten. Auch eine Gemeinschaft, sei sie Nation oder soziale Klasse, kann in eine Situation kommen, sowohl aus Gründen des Rechts wie um ihrer eigenen Existenz und Entwicklung willen, sich mit Gewalt wehren zu müssen. Das Beispiel unterdrückter Kolonialvölker wirft die 'Frage auf, ob sie denn Recht daran tun, ihre Leiden um der Idee des Friedens willen zu ertragen und sich zu bemühen, nur auf dem Weg des Ueberzeugens ihre Freiheit zu erlangen. Entspttcht es dem Prinzip der Gerechtigkeit, eine Politik zu treiben, die den Frieden um jeden Preis erhalten will? Der passive Widerstand würde wohl hier eine Scheinlösung sein, denn kein Generalstreik ist denkbar und durchführbar ohne Blutvergießen. Von solchem Standpunkt aus darf dann der Einzelne sein Schicksal von dem seines Staates nicht mehr trennen. Geben wir die Kriegsdienstverweigerung also aus Gründen der Konsequenz auf, dann machen wir aber den Pazifismus zu einer hohlen Theorie, die durch den Zwiespall der Lächerlichkeit preisgegeben sein muß. — Ich wiederhole meine Absicht; es sollten hier nur die Fragen und Zweifel aufgeworfen werden. Es ist jetzt die Aufgabe unserer konsequenten Pazifisten, Lösungen dafür zu geben. Jli-Berliit. Festabend des Berliner IN. In diesem Winter knüpfte man an die Tradition des Jlisestes vor drei Jahren an, da man auch die Eltern geladen hatte und etwas ausführtc. Es ist nicht leicht in Berlin, wo die Jlimitglieder so weit auseinander wohnen, und wo intensiv in den Gruppen gearbeitet wird, Zeit und Leute zu finden zum Einstudieren und Proben einer Aufführung. Darum hatte man sich in den letzten beiden Jahren mit einem Tanzabend als Jli-Fest begnügt. In diesem Jahr aber wollte man den Eltern etwas bieten, und so wurde — auch in Rücksicht auf nichttanzende Jli-Leutc (oder noch-nichttanzende) — beschlossen, ein Programm zusammenzustellen. Im November schon begannen die Vorbereitungen, die Proben, von denen die Beteiligten wichtig und geheimnisvoll erzählten. Auch an Miesmachern fehlte es nicht, die den sicheren Mißerfolg voraussagten. So zog man denn gespannt und neugierig am 29. Januar in die Jüdische Mädchenschule, in deren Aula das Fest gefeiert werden sollte. Nachdem Hans Rosenberger, der Vorsitzende, die Eltern und Gäste begrüßt und um nachsichtige Beurteilung des Programms gebeten hatte, trat ein Gesangschor aus Jli-Mitgliedern auf unter Leitung eines musikkundigen Führers. Neben lustigen und ernsten Liedern und > Kanons sang man „Um ftoh zu sein, bedarf es wenig...", das Motto, unter dem das Fest stand. Nachdem auch Klavier und Geige sich hatten hören lassen, wurde die Aula verdunkelt und im dämmerigen roten Schein einer Projektionslampe rollten auf der Bühne die letzten Scenen aus Zweigs „Jeremias" ab, Jeremias, Einzelstimmen und ein Sprechchor als Volk. Mil Hingebung wurde gesprochen, so packten uns die Worte des Propheten, die Klage, das Zagen und das Sich-Aufraffcn des Volkes. Es folgten wieder einige Lieder des Gesangschors. Dann wurden Lichtbilder gezeigt, Aufnahmen von Jli-Fahrten und Gautagen, begleitet von einem frischen Wanderlied und Erklärungen von Hilde Deutschland. Die Bilder, gestellte Gruppenaufnahmen, Landschaftsbilder und — besonders reizvoll — Momentaufnahmen von lustigen Augenblicken, riefen die Erinnerung an manche Fahrt wach, sollten den Eltern einen Begriff von der Schönheit des Manderns geben. Auch die Jugendherbergen wurden nicht vergessen, weder in Wort noch in Bild. Noch ein Lied und damit schloß das Programm. Rechtsanwalt Heinrich Stern sprach als „ältestes anwesendes Jli-Mitglied" im Namen der Gäste herzlichen Dank und Lob für die Darbietungen aus, und knüpfte daran den Wunsch, die Beziehungen und Verbindungen zu den Aelteren aufrecht zu erhalten und zu pflegen, wofür auch die Aelteren sich durch Anteilnahme und Förderung erkenntlich zeigen werden. Dann wurde Raum geschaffen für Tanzspiele und Volkstänze, die in buntem Wechsel den geselligen Teil des Abends ausfüllten. So verlief das Jlisest bis zum Schluß in froher Stimmung. Da kein gedrucktes Programm die Namen der Hauptdarsteller nennt, so seien sie hier der Nachwelt überliefert: Walter Simon hatte Gesangschor und Sprechchor einstudiert und dirigiert, Werner van den Zyl sprach den Jeremias, Gruppe Hermsdorf war wohl zahlenmäßig am stärksten im Chor vertreten, aber auch andere Gruppen haben wacker mitgewirkt. L. L. .. >' Aus der IlllArbeit Wandergruppe. Am Sonntag, den 12. Februar, versammelte sich eine kleine Gruppe -- der Kern der Wandergruppe - am Bahnhof Charlottenburg. Wir fuhren nach Waunsee und liefen dann unter Führung von Walter Simon nach Neubabelsberg. Wie in Berlin, fehlte es o* hier nicht an göttlichem Matsch. Der Himmel war sehr trübe, ^nd es schien, als ob Regen und Schnee unsere Begleiter sein wollten. Trotzdem freuten wir uns über den herrlichen Anblick, den schneebedeckte Bäume und Felder gewährten. Einige von uns schritten forsch zu; Bummelei war aber auch vorhanden. Der Führer, der dank der „Saison" eine Nacht von li/^ Stunden hinter sich hatte, ttottete in einem Tempo zum Einschlafen mit den Uebrigen hinterher. Von einer Wandergruppe war leider nicht viel zu merken, daher wurde der schöne Name „Schleichgruppe" geprägt. Schließlich erreichten wir Jagdhaus Stern. Nun fand eine große Beratung statt, ob man einkehren sollte. Da entdeckten wir einen sehr schönen Backofen; wir erinnerten uns an „Hänsel und Gretel" und wollten die Hexe verbrennen, was wir aber dann doch lieber unterließen. Nun erfolgte ein Dauerlauf, der uns ein wenig erwärmte. (Hierbei beteiligte sich sogar der Führer!) Nach weiterem Marsch erreichten wir den Bahnhof Babelsberg und fuhren von hier mit nassen Stteseln aber guter Laune nach Hause. Hilde Jarecki. JK-Breskav. Am 9. Januar sprach unser Mitglied Herr Dr. Ernst Fränkel über das Thema: „Jüdisches bei Walther Rathenau." Der Herr Referent entrollte uns zunächst in feinsinniger Form ein Bild der Peftönlichkeit Walter Rathenaus. Für Rathenau war Religion nicht Privat-, sondern Mcnschheitssache. Die volle Wertung seines veli-