Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-24 · 8 (24.2.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613947-2613955--2612-2620103
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

4 Die Liberalen. Es ist dankenswert, daß die Liberalen sich bemühten, der Blockmehrheit bei der Aufklärung all der Mißverständnisse behilflich zu fein. Die Interpellation der liberalen Fraktion in der Repräsentantenversammlung lautete: 1. Warum hat sich der Gemeindevorstand über den Landesverband hinweg direkt an das Ministerium gewandt, um Dr. Freund zum Sachverständigen vorzuschlagen? 2. Warum hat der Vorstand die schriftliche Bitte des Landesverbandes, davon abzusehen, mißachtet? 3. Ist es zutreffend, daß der Brief des Landesverbandes zurückgehalten worden ist und dadurch dem Vorsitzenden; des Gemeindevorstandes nicht rechtzeitig zur Kenntnis kam? Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich zu machen? i ■ * .Heinrich Stern begründete die Interpellation. Er gilt als der maßvollste Sprecher der liberalen Fraktion, sein vermittelndes Wesen ist bei allen Richtungen bekannt. Das aber verleiht seinen Feststellungen besonderes Gewicht. Er hat das Ohr der Versammlung, als er betont: „Herr Dr. Freund hat seine eigene Kandidatur nicht nur angemeldet, sondern auch in der ihm eigenen nachdrücklicheil Form betrieben." Da Stern der Präsident des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes ist, findet die Mahnung am Schluß seiner Ausführungen besondere Beachtung: „Wir hatten einmal eine Einigkeit im deutschell Judentum, als der Reichsverband gegründet werden sollte. Wir haben noch nicht daS Gedächtnis dafür verloren, wie damals .Herr Dr. Freund durch das Vorschiebcn des D.J.G.B. die Tinge erschwerte. Wollen wir es erleben, daß derselbe Mann nun auch das, was wir gemeinsam mit großen Opfern begründet haben, um seines persönlichen Ehrgeizes willen gefährdet? Soll sich die große Berliner Jüdische Gemeinde dazu hergeben, wegen der verletzten persönlichen Eitelkeit eines einzigen Mannes die Dinge zu schieben, wie er sie geschoben wissen will? Lassen wir uns nicht gegeneinander treiben; lassen wir nicht die Gemeinde gegen den Landesverband treiben!" In der Debatte spricht Professor D r. Türk, der Vorsitzende der liberalen Repräsentantenfraklion. Vernichtend für Dr. Freund, auf den er das Dichterwort anwendet: Verstand ist ein zweischneidig Schwert, Von hartem Stahl, von scharfem Schliss. Charakter ist daran der Griff, Und ohne Griff ist es nichts wert. Doch nicht nur für Dr. Freund ist seine Rede vernichtend. „Es kann gar kein Zweifel darüber herrschen, daß der Gemeindevorstand völlig unter dem Einfluß des Herrn Dr. Freund gestanden hat." Und deshalb wird seine Anklage zu einer Anklage des Gemeindevorstandes. Hart und scharf klingen die Worte; daß er offen ausspricht, was ist, wird sicherlich zur Befriedung der Gemeinde mehr beitragen als ewiges Versteckspielen. ,^Jm Gemeindevorstand herrscht eine Atmosphäre der Unwahrhaftigkeit. Und deshalb wird kein Friede in diesem Saale sein, bis die Atmosphäre gereinigt ist. Das habe ich Ihnen zu sagen. Und nun tun Sie, was Sie wollen." Starker Beifall der Liberalen dankt ihm für dieses offene Aussprechen. Zum Schluß der Aussprache noch kurze Ausführungen von Dr. Julius L. Seligsohu. Er betont noch einmal die Berechtigung der Forderung nach einem liberalen Sachverständigen im Kultusministerium. Und Dr. Klee, der überaus empfindlich ist, seitdem das Blockregiment der Kritik der liberalen Opposition ausgesctzt ist, muß noch in einer sehr feinen Nebenbemerkung eine Beschwerde über seinen Herrn Sohn entgegennehmen, der sich vor kurzem erst in einer liberalen Versammlung durch Vornehmheit des Tones und Stichhaltigkeit der Argumentation rühmlichst als großer Sohn des großer: Vaters hervortat. * Die Verteidiger. Wir wollen ihr Bemühen anerkennen. Für sie alle gilt, was Türk dem ersten von ihnen, Kollenscher, sagte: ,Hch spreche dem Vertreter des Gemeindevorstandes mein aufrichtiges Beileid aus, daß er genötigt war, eine Sache zu verteidigen, für die es Verteidigungsgründe gar nicht gibt. Er war tatsächlich in einer sehr schwierigen Lage." Daß sie nicht das Vorgehen des Gemeindevorstandes als verfehlt zugaben, daß sie es vielmehr noch zu rechtfertigen versuchten, das zeigt vielleicht Parteidisziplin, gewiß aber nicht Wille zum Frieden. Kollenscher brachte zwei Argumente für das Verhalten des Gemeindevorstandes vor. Einmal, das Tezernentenkollegium des Landesverbandes habe nach dem Ableben von Lilienthal einstimmig einen Beschluß gefaßt, der (ohne Namensnennung freilich) Dr. Freund als geeigneten Nachfolger zeichnete, und dann, der Landesverband sei noch zu keinem Entschluß gekommen, deshalb habe der Gcmeindevorstand etwas tun müssen. Und er meint (meint er wirklich?): „Wir haben geglaubt, dem Landesverband einen großen Gefallen zu tun, wenn wir ihm einen klaren Weg zur Lösung zeigten." Nun mißbilligen wir, daß auch Liberale in einem früheren Stadium im Dezernentenkollegium für das Selbstporträt des Herrn Dr. Freund stimmten, mißbilligen auch, wenn Liberale im Landesverband zeitweise für „Enthaltsamkeit" bei der Besetzung der Sachverständigenstelle im Kultusministerium plädierten. Mit umso größerem Recht dürfen wir wohl aber Herrn Kollenscher fragen, was er mit seinen Einwänden sagen wollte. War ihm nicht bekannt, daß auch die Liberalen, die früher für das Freundporträt gestimmt haben, sich inzwischen von der völligen UngeeigEth.:it dieses Vorschlages überzeugt haben? Warum verschwieg er das? Und warum verschwieg er, daß der entscheidende Beschluß des Landesverbandes in der Ratssitzung am 25. Februar gefaßt werden wird? K a r e s k i wiederholte im wesentlichen die Argumente Kollenschers. Für seine Art kennzeichnend ist die Verdächtigung: „Offenbar ist für Sie der springende Punkt folgender: Ist der vorzuschlagenüe Herr ein Liberaler, so kann er so unzulänglich sein wie er will — sie werden ihn akzeptieren. Ist er kein Liberaler, dann kann es der Fähigste, Einwandfreiste, der Gegebenste sein — sie werden ihn ablehnen." Klee soll die Situation retten. Er ist klug. Bezeichnet deshalb die ganze Sache als „Quisquilie", als „Frage 3. und 4. Ranges" — welches waren wohl die Fragen ersten Ranges, die nach seiner Ansicht bis jetzt diese Repräsentantenversammlung beschäftigten? — und redet statt von der Sache Freund und Gemeindevorstand lieber von dem bösen Türk und der noch böseren „Jüdisch-liberalen Zeitung", die Türk „sanktioniert" habe. Versucht so, einen Keil zwischen liberale Fraktion und liberale Zeitung zu treiben, weil ja nach alter Weisheit das „impera" bei vorhergegangenem „divide" so viel leichter ist. Doch das Ablenkungsmanöver glückt ihm nicht. Auch Moritz A. Loeb unter den Verteidigern zu sehen, wirkte an diesem Tage besonders peinlich. * Soweit die Sitzung. Ein Wort „In eigener Sache" sei zur Information des Herrn Dr. Klee und seiner Freunde noch angefügt, damit sie das nächste Mal ihre Bemühung schlauer ansangen können. Diese Zeitung ist das Organ der Vereinigung für das liberale Judentum. Das heißt, daß die Vereinigung das Recht hat, ihre offizielle Ansicht jederzeit zu jeder Frage in ihm zum Ausdruck zu bringen, daß sie die Gesamttendenz des Blattes durch die Auswahl der geeigneten Persönlichkeiten für die Fraktion bestimmt und daß sie diese Zeitung ihren sämtlichen Mitgliedern zustcllt. Das heißt nicht — und bei der Jüdischen Rundschau liegen die Dinge, wie die Beratungen des Erfurter Zionistentages zeigten, ähnlich —, daß nun jedes Wort der Zeitung eine offizielle Aeußeruug der Vereinigung darstellt. Eine Redaktion, die sich zu einer derartigen Unselbständigkeit degradieren würde, ist mit den Begriffen des Journalismus denn wohl doch nicht vereinbar. Völlig selbständig ist unsere Zeitung - und wir legen Wert darauf, das mit aller Entschiedenheit zu betonen — gegenüber den liberalen Fraktionen in den einzelnen Gemeindcstubcn, Landesverbänden usw. Deshalb ist es unsinnig, wenn die Jüdische Rundschau meint, unser Blatt sei „in der öffentlichen Sitzung der Repräsentantenvcrsammlung von den Führern der liberalen Fraktion der Berliner Gemeinde desavouiert" worden. Vielmehr ist die Erklärung Türks gegen die Angriffe von Klee in vollem Einvernehmen mit" dem leitenden Redakteur dieses Blattes abgegeben worden, die feststellt: „Die Zeitung besitzt die volle Freiheit der Kritik und die Fraktion überläßt es der Redaktion, die Dinge so darzuftellen, wie sie es für richtig hält." Gerade in der letzten Zeit aber, das sei den Herren der Volkspartei noch gesagt, ist selbstverständlich unsere Behandlung der Berliner Gemeindeangelegenheiten mit Rücksicht auf die krisenhaften Zustände im engsten Einvernehmen m it u n s eren liberalen Freunden in der Repräsentanz geführt worden. Das haben wohl auch alle, die mit unvoreingenommenen Ohren zu hören verstehen, wiederholt sestzustelleu vermocht. Das kam in den letzten Tagen erst wieder zum Ausdruck in einem Vortrag, den Herr Professor Türk zu Beginn dieser Woche hielt. Zur Sache aber sei noch bemerkt: Unsere Zeitung will Wahrheit und Klarheit in der Berliner Jüdischen Gemeinde. Wir sind überzeugt, daß diese nur erreicht wird, wenn in voller Offenheit eine Katze eine Katze genannt wird. Herr Tr. Klee denke bei seinen Beschwerden auch einmal an das, daß hier noch nie di? Tinge gestanden haben, die zur Agitation gewiß sehr geeignet wären, die aber in erster Reihe persönliche und nicht sachliche Schönheitsfehler darstelten. Dann wird er die Tendenz unserer Zeitung gewiß auch in Zukunft nicht zu billigen vermögen — worauf wir auch keinen besonderen Wert legen — wird ihr aber zugestehen müssen ihr ehrliches Streben für ihr Ideal. B. W. Die ersten Juden am Rhein*) „... Das Land Baden besteht in seiner heutigen Gestalt im wesentlichen erst seit dem Jahre 1805. Vordem herrschte über das jetzige badische Staatsgebiet eine Reihe weltlicher und geistlicher Fürsten. In fast allen diesen Hoheitsgebieten wohnte Juden. Zahlreiche Judengemeinden befanden sich in den vormals österreichischen Gebieten, im Fürstentum Fürstenberg, in den Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Turlach, im Bistum Speyer, in der Kurpsalz und in der den Bistümern Mainz und Würzburg, der Grafschaft Wertheim und einigen Reichsritterschasten zugehörenden Gegend des Baulandes und Taubergrundes. Wann sich die ersten Juden in Baden, überhaupt am Rhein, niedergelassen haben, konnte bis jetzt noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Wohl aber ist das eine sicher, daß sie schon mit den Römern in Germanien einwanderten und sich nach deren Verdrängung aus dem nördlichen Deutschland im Zehntland, ganz besonders an den Ufern des Rheins, ansiedelten. In Worms soll, wie die Sage meldet, schon zur Zeit Esras eine Iudengemeinde gewesen sein, und 1477 sollen die Juden in Regensburg Kaiser Friedrich III. Beweise dafür vorgelegt haben, daß ihre Vorfahren sich schon vor Christi Geburt hier aufgehalten hätten. Nach Ansicht des badischen Geschichtsschreibers Mone, die auch von anderen Heimatforschern übernommen wurde, seien die ersten Juden mit der 22. römischm Legion nach Germanien gekommen. Diese wäre nach der Zerstörung Jerusalems mit jüdischen Sklaven aus Palästina als Besatzung nach den Römerniederlassungen am Rhein verlegt worden, wo sie viele Jahre blieb. Tie erste urkundliche Nachricht über die Anwesenheit von Juden am Rhein stammt aus dem Anfänge des vierten Jahrhunderts und bezieht sich auf die Stadt Köln, wo schon seit langer Zeit eine stattliche Iudengemeinde gewesen sein mag. Die Juden waren dort vollgültige römische Bürger und konnten bei ungehinderter Religionsübung jedes ihnen zusagende Gewerbe ergreifen. Es gab unter ihnen Grundbesitzer, die als solche verpflichtet waren, sich ehrenamtlich an der städtischen Verwaltung (Kurie) zu beteiligen. Ein Dekret des Kaisers Konstantin (um 330) erwähnt die Schulen der Kölner Juden. Mit großer Wahrscheinlichkeit darf angenommen werden, daß in anderen Römerniederlassungen, auch in solchen auf badischem Boden, che sie von den hereindrängenden Alemannen zerstör: wurden (Osterburken, Ladenburg, Heiligenberg, Michelsberg, Pforzheim, Baden-Baden, Breisach, Konstanz u. a.), sich damals ebenfalls Juden befanden." Stefan Zweig-Porträt Von Max Spanier. . In 5 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" veröffentlichte ich einen Aufsatz über Stefan Zweigs Persönlichkeit und sein dichterisches Werl. Inzwischen ist mir ein kleines Büchlein von Richard Specht „Stefan Zweig" zugegangen, das neben *) Aus der Heimatgeschichte der badischen Juden von Berthold Rosen thal (Bühl-Ärden). des Dichters Werk auch sein äußeres Format schildert. Zur Ergänzung meiner Arbeit, zur Rundung des Gesagten halte ich diese Angaben für so wesentlich, daß ich sie nicht verheimlichen möchte. Es sei noch bemerkt, daß Richard Spechts Büchlein als Privatdruck erschienen ist, seine Ausführungen bilden die Einleitung der russischen Gesamtausgabe von Stefan Zweigs Werk, die im Verlag Wremja in Leningrad mit einer Vorrede von Maxim Gorki erschienen ist. Mit besonderer Erlaubnis des Insel-Verlags entnehme ich: „Ueber den lässig abfallenden Schultern eines schlanken, immer wieder von innen gestrafften, immer wieder zur Bequemlichkeit entspannten Körpers ein schmales, feines — fast möchte man sagen: ein wohlerzogenes Gesicht, mit schlicht gescheiteltem dunklen Haar, klugen, sanften, fragenden Augen, einer leicht gebogenen, neugierigen, witternden Nase zwischen engen Wangen, die ironisch geschweifte Linie des Mundes unter dem kurz gestützten Schnurrbart; dazu schmale, feine, beredsame Hände und ein Gang, in dem ein fortwährendes heftiges Vorwärtsgestoßenwerden immer wieder gezügelt zu werden scheint — das ist ungefähr der äußere Eindruck dieses fast rabiaten Willensmenschen. Der Eindruck eines gesitteten Ministerialbcamten oder eines höflichen Bankprokuristen; besonders wenn man ihn in irgend einem gleichgültigen Gespräch beobachtet; so ruhig und artig gemessen fließen die Worte, die diese leicht verschleierte, angenehm gleichmäßige Stimme formt.Auch diese Stimme, mit der er so viel geistig Gültiges, Erlebtes, blendend Formuliertes zu sagen weiß mrd es so formvoll und unaufdringlich sagt, scheint gebändigt, wie der ganze Mensch, der nicht auffallen will und nichts mehr haßt als sich zu plakatieren und in Szene zu setzen. Wenn wirklich der Geist den Körper formt, war hier neben diesem Geist eine Energie ohnegleichen am Werk, um alles, was sonst so oft im Gehaben und im Aussehen der Künstler suspekt und aufreizend wirken möchte, wieder ins unauffällig Kultuvierte zurückzudrängen.Wenn man ihn mit seiner stillen, gleichsam bittenden und doch immer in Enthusiasmus oder Verachtung vibrierenden Stimme über all die Dinge, die seine eigentliche Existenz bestimmen, in seiner äußerlich so wohlgeordneten, sanft eindringlichen Art reden hört, geht einem erst der ganze Kontrast und der zwingende Reiz seines Wesens auf, dessen innerer Widerspruch durch zähe Selbstzucht zur Einheit geschmiedet worden ist: äußerste Maßlosigkeit des Erlebens und äußerstes Maß der Lebens- und Kunstgestaltung." Specht findet die Uebereinstimmurtg von Mensch und Werk und warum Stefan Zweig der übernationale Westeuropäer gerade in dem nationalen Rußland soviel Liebe und Verstehen findet: „.... weil er in jene Tiefen getaucht und zu jenen Höhen emporgestiegen ist, in denen das elenrentar Menschliche und das elementar Geistige daheim und nicht mehr dem Trennenden der Sprache unterworfen sind. Weil Enthusiasmus und Leidenschaft, selbstvergessene Liebe, Zorn gegen alle Gewalt, Hingabe ans Hohe mrd Niedere sich verständlich machen.... Kürzer gesagt: weil hier ein ganzer Mensch da ist. Weil hier ein Dichter, unbekümmert um verstorbene Sittengesetze, demütig vor jeder Fährnis des Lebens, des Rechts jeder Erscheinung bewußt, ein unpharisäisches, liebreiches Neues im Alten verkündigt.... Ein ganzer Mensch, einer der in jedem fremden Blick die Augen des ewigen Bruders erkennt. Und der deshalb von jedem auch als Bruder empfunden und geliebt wird." ★ BÜCHERSCHAU Kurt Münzer: „Jucke ans Kreuz", Roman. R. Löwit Verlag, Wien und Leipzig. ,,Ein Buch für ...? nicht allein für Juden, nicht allein für Judengegner; denn alle sind darin und alle haben ihr Recht und einer wird hier vom andern und für den andern lernen!" — so preist der Verlag das Buch an. Nun, der Judengegner dürfte das Buch ob seiner dick aufgetragenen Tendenz ablehnen und selbst der Glaubensgenosse, der in Zeiten der antisemitischen Hochflut keine großen Forderungen an Abwehrschriften glaubte stellen zu müssen, wird zu einer Ablehnung kommen. Schon rein äußerlich verletzt das Buch in seiner Aufmachung. Der Titel in schreiendem Rot auf dem äußeren Einbanddeckel täuscht eine antisemitische Schrift vor und verletzt den ahnungslosen Glaubensgenossen, reizt den Gegner auf. — Aber auch der, welcher das bisher Erschienene des Verfassers — etwa sein „Kinder der Stadt" mit großem Genuß gelesen hat, wird von Schwächen der verschiedenen Milieuschilderungen, und darin sollte die Stärke des Buches liegen, enttäuscht. Rudolf A p t, Hannover. „Lebensbilder berühmter Kantoren" (nebst einem Anhang „Zur Geschichte des jüdischen Kantorats: Der Vorbeter"). III. Band. Herausgegeben von Musikdirektor Oberkanlor Aaron Friedmann. — Im Selbstverläge der „HUfskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland", S. Rochelsohn, Berlin, Hoher Steimveg 15. Musikdirektor Aaron Fried mann hat seinen früher erschienenen 2 Bänden „Lebensbilder berühmter Kantoren" einen III. Band folgen lassen. Der Senior der Berliner Kantoren, seit einigen Jahren im Ruhestand, aber desto eifriger in seinem Wirken um die Anerkennung seines Standes in der breiteren Oeffentlichkeit bemüht, hat mit der Herausgabe seines neuesten Opus diesem Streben einen neuen Markstein gesetzt. Nur geringe Kunde vom Schaffen einst berühmter Männer des Kantorenfaches ist bisher über die engen Grenzen der Fachkollegen hinaus in weitere Kreise gedrungen. „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze." Um so bedeutsamer ist die Arbeit Friedmanns zu werten, der nicht nur die Gestalten der in Deutschland wirkenden Kantoren, sondern die fast der gesamten Welt ins hellste Licht rückt. Und sie haben es nicht zu scheuen. Männer, die innerhalb ihrer Gemeinde und weit darüber hinaus im gesamten Judentum hohes Ansehen genossen, Sänger, Künstler, Gelehrte und . Menschen von hehrer Gestalt Scheluche hazibbur, Abgesandte der Gemeinde, treten durch die packende Schilderung Friedmann’s lebendig vor unser geistiges Auge, als weilten sie noch unter uns. Kaum einer fehlt. Aber anderen wird es Vorbehalten sein, das Werk nach einer Richtung hin zu ergänzen. Die Person Friedmanns selbst ist zu zeichnen, der durch eine unerhörte Fülle von Arbeit mit eisernem Fleiß in nie ermüdender Schaffenskraft dies Buch geschrieben und damit Einblick in ein bisher unbekanntes Gebiet verschafft hat. — Wie wir hören, ist die Herausgabe des Buches und die Verwendung des Erlöses aus dem Verkauf für die Hilfskasse der Kantoren erst dadurch möglich geworden, daß eine in dem ursprünglichen Subkriptionsplan plötzlich entstandene Lücke ausgefüllt wurde durch den namhaften Betrag eines bekannten im Berliner Gemeindeleben stehenden Bankdirektors, welcher in der dem Buche vorgedruckten Subkriptionsliste nicht genannt ist —h.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.