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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-24 · 8 (24.2.1928) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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$. Jahrgang Nummer 8 Beilage 24. Februar 1928 »F U -- AA. MM M Berliner_ In der Repräsentanteiiversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde vom 16. Februar gedachte zu Beginn der Vorsitzende des Ablebens des liberalen Führers Justizrat Breslauers. Eine Ansrage der liberalen Fraktion über Maßnahmen für eine geordnete Vermietung der Synagogenplätze, die von Herrn Marcus begründet wurde, soll im Kommission-swoge noch eingehend beraten werden. Die von der Berliner Jüdischen Gemeinde geplante Bibelübersetzung wird voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinen können. Eine ausführliche Aussprache knüpfte sich noch an eine Abfrage über die zu ergreifenden Maßnahmen zur besseren Beschäftigung jüdischer Angestellter in Handel und Gewerbe. Auf diese werden wir in unserer nächsten Nummer noch zurückkommcn. Der nachstehende Artikel gibt ein Bild von dem wichtigsten Beratungsgegenstand der Versammlung, dein Vorschlag eines jüdischen Dezernenten für das Kultusministerium. Die Abwesenden. Tiefe Repräsentantenversammlung begann die Abrechnung der Liberalen mit der herrschenden Blockmehrheit. Ta war es typisch, daß die beiden „Führer" der Gemeinde, die in dem zur Besprechung stehenden Fall ihre Mockgenossen zur Zeche eingeladen halten, bei der Abrechnung den besseren Teil der Tapferkeit bevorzugten. Tr. Jsmar Freund und Kommerzienrat Gerson Simon — sie glänzten durch Abwesenheit! Weshalb? Aus triftigsten Gründen freilich... Simon hatte unbedingt am Morgen des Tages, dessen Abend für die Erörterung der unbequemen Interpellation der Liberalen über die Brüskieruna des Preußischen Landesverbandes durch den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde bestimmt war, einen Erholungsurlaub antreten müssen. Und feinem Freund war das Erscheinen ganz unmöglich, da er an diesem Abend — einen Vortrag zu halten hatte. Simon und Freund glänzten durch ihre Abwesenheit... Wollte man chren Wunsch respektieren, unsichtbar zu sein, so müßte es mit der Feststellung genug sein, daß sie die Wahrnehmung ihrer Interessen vertrauensvoll in die Hände der Rechtsanwälte Klee und Kollenscher gelegt hatten. Woraus sich nach dem Grurcksatz „Eine Hand wäscht die andere" wenigstens für die nächste Zeit eine Schwächung des Blocks ganz gewiß nicht ergeben wird. Wir wollen das Kind beim rechten Namen nennen; deshalb müssen wir die Tarnkappen der Herren Simon und Freund ein wenig lüften. Nur die Wahrheit, nur die ehrliche Sprache, wenn sie oft auch unangenehm sein mag, vermag wieder eine Atmosphäre in der Gemeinde zu schaffen, in der gedeihliche, dem Ganzen dienende Arbeit geleistet werden kann- Jsmar Freund. Um ihn geht die Debatte. Tas Preußische Kultusministerium hat die zweckmäßige und lobenswerte Einrichtung zweier jüdischer Berater geschaffen; der eine ist der orthodoxe Rabbiner Tr. Munk, der andere war der leider vor kürzem verstorbene Justizrat Lilienthal, ein Liberaler. Für ihn muß„ so gut es geht, Ersatz geschaffen werden. Hierfür hält sich nach seiner felsenfesten Ueberzeugung Tr. Jsmar Freund allein für geeignet. Er ist nicht liberal, gewiß; aber dann ist eben die Ansicht der Liberalen, daß neben dem orthodoxen Sachverständigen als Nachfolger des liberalen Lilienthal zweckmäßigerweise' wieder die Wahl eines Liberalen dem Ministerium vorgeschlagen wird, zumal doch die Mehrheit der Juden in Preußen, wie das Ergebnis der Landesverbandswahlen zeigt, unbestreitbar auf dem Boden des liberalen Judentums steht — dann ist eben diese Ansicht falsch. Tie Mehrheit im Rat des Preußischen Landesverbandes meint, daß auch einige Charakterzü<;e des Herrn Tr. Freund ihn für die Stellung im Ministerium nicht eben geeignet erscheinen lassen. Tja, meint der Frenndblock, dieser Einwand ist unangenehm, zumal, da er von der prominentesten Persönlichkeit des gesamten deutschen Judentums kommt; doch schließlich erzählt er uns immer wieder statt eines Eingehens auf den erhobenen Vorwurf mit naiver Unschuldsmiene, Herr Tr. Freund sei doch ein Talent. Vom Landesverband wird Jsmar Freund nicht vorgeschlagen werden. Also veranlaßt er den von ihm gezimmerten Block des Berliner Gemcindevorstandes, dem Kultusministerium selbst den Vorschlag Freund zu unterbreiten. Im Gemeindevorstand ist er Dezernent für diese Angelegenheit, die beste Gewähr, daß nichts schief gehen wird. Ta bittet der Rat des Landesverbandes den Vorstand der Berliner Gemeinde schriftlich, von seinem Sondervorgehen abzusehen zu wollen. Unangenehm, denkt Tr. Freund, der Referent in eigener Sache, nimmt also den Brief zu den Akten und vergißt, ihn dem Gemeinvevorsitzenden zu zeigen. Was sich schließlich herausstellt, als von liberaler Seite dem Gemeindevorsitzenden Gerson Simon Vorhaltungen gemacht werden, daß er in dieser doch die gesamte preußische Judenheit angehenden Frage die Bitte des Preußischen Landesverbandes jüdi scher Gemeinden ignoriert habe. Unglückselige Zufälle. Gerson Simon. Ein Wort des Mitgefühls zwar. Er ist der von dem Block bestimmte Führer der Gemeinde. Mü vier gegen drei Stimmen soll er regieren. Noch dazu mü vier Stimmen, die weltanschaulich gewiß weiter voneinander entfernt sind, als beispielsweise seine eigene Lebensgewohnheü von der der Liberalen. Er hat das Amt des Gemeindevvrfitzenden übernommen, das er bei den jetzigen schwierigen Gemeind«verhältnissen einem in Gemeind eangelegenhTtcn Erfahreneren hätte überlassen sollen, nun muß er sich auch der Krüik unterstellen. Gerson Simon hat den Brief des Gemeiudevorstandes mit dem Vorschlag Freund an das Kultusministerium abgesandt. Als chm von liberaler Seite Vorhaltungen gemacht werden, holt er chn schnurstracks wieder zurück. Das verdient Anerkennung. Und doch bleibt ein peinlicher Geschmack; denn dieses Vorkommnis, das das Anschen der Berliner Jüdischen Gemeinde im Kultusministerium gewiß nicht wahren dürfte, zeigt doch zu deutlich seine Unerfahrenheit, seine Unkenntnis der handelnden Personen. Er mußte wissen, wes Geistes Kind Tr. Jsmar Freund ist, er mußte wissen, welchen Verlauf die Beratungen im Rat des Landesverbandes genommen haben, er mußte wissen, daß sein Brief an das Kultus-. Ministerium ein Eingriff in die Kompetenzen des Preußischen Landesverbandes darstellte. Taß chm die schriftliche Bitte des Landesverbandes, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen, nicht vorgelegt wurde, ist für Tr. Freund charakteristisch, für sein eigenes Verhalten jedoch keine hinreichende Entschuldigung. Zumal wenn das zu trifft, was Vorstandsmitglieder verschiedener Richtungen behaupten, was wir aber einstweilen noch als irrig annchmen möchten, daß sie vor der Aüsendung des Briefes an das Kultusministerium, mittelbar nach der Ratssitzung des Laredesverbandes, Herr Gerson Simon über den Verlauf dieser Sitzung eingehend» informiert haben. Von der Blockmehrheit wurden Gerson Simon offensichtlich Vorhaltungen gemacht, daß er den Brief mit dem Vorschlag Freund aus dem Kultusministerium zurückgehott habe. 9hm kommt der widerliche Abschluß des Satyrspiels. Tie Frage nach dem Verbleib des Briefes wird durch mystischen Nebel statt durch Klarheit und Wahrheit beantwortet. Zweideutigkeiten werden so zahlreich gebraucht, daß nach einer Vorstandssitzung, in der über die Tinge gesprochen wird, die liberalen Vorstandsmitglieder die Ueberzeugung haben, der Brief befände sich in den Akten des Ministeriums; daß. in der Repräsentantenversammlung Herr Kollenscher auf die liberalen Zurufe, wo sich denn nun eigentlich der Brief befinde;, (etwas verlegen) antwortet: im Kultusministerium. Während er sich tatsächlich längst wieder bei der Jüdischen Gemeinde befand. Sicherlich nur Mißverständnisse. mneraBataorasiM G General Motort ist die bei weitem größte Auto* mobilproduktionsfirma der Welt. Ihre Fabrik• anlagen lind über die ganze Welt hin verteilt. ENER AL MOTORS biete mehr für weniger Geld wenn Sie ein ^Automobil kaufen General Motors baut Auto. mobile »für jede Börse und jeden Zweck«. Jeder General Motors* Wagen ist höchster Wert zu niedrig. Stern Preise. General Motors ist die größte Auto, mobilfirma der Welt mit 250 000 An* gestellten und Arbeitern. 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