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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-24 · 8 (24.2.1928) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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. k Bogelstein mrd Freudenthal, und erster Borsitzciwcr der leider jetzt Hingeschiedene Justizrat Bernhard Breslauer war. Die Versammlung der liberalen Bereinigung am 5. Juni 1910 in Nürnberg wählte eine Kommission von 7 Rabbinern und 8 Laien mit der Aufgabe, Vorarbeiten für ein Programm des religiösen Liberalismus vorzunehmen. Diese erledigte den Auftrag in 7 Sitzungen und beauftragte ihre rabbinischen Mitglieder, die endgültige Fassung der vereinbarten Grundlagen vorzunehmen. Nach mehrfachen Beratungen wurden am 2. September 1912 in einer von etwa 50 Rabbinern besuchten Versammlung in Frankfurt a. M. die „R i ch t - linien zu einen: Programm für das liberale Judentum" einstimmig angenommen. Eine große Delegiertenversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum trat bald darauf in Posen zusammen. Sie begrüßte die Richtlinien als bedeutsame Tat und hervorragenden Fortschritt, als geeignete Grundlage für die liberale Weiterentwickelung und versprach, sie als Stützpunkt ihrer Arbeit für den Liberalismus zu betrachten. Für diese Weiterentwickelung wurde von der nächsten Versammlung in Hamburg die Ausarbeitung eines liberalen Gebetbuches beschlossen und hierzu eine Kommission eingesetzt. Aber der Krieg störte die Absichten, erst mehrere Jahre nach demselben, nach Gründung des „Landesverbands der preußischen Juden", konnte die Arbeit wieder ausgenommen werden und ist jetzt zu Ende geführt worden. Möge sie ein Werk zur Ehre Gottes und zum Segen für uns werden! Die Verdienste des Liberalismus um die Erhaltung des Judentums Bon Tistriktsrabbiner Tr. Sigfrid Behrens, Fürth. Tie Inden Teutschlands und der westlichen Länder haben sich im letzten Jahrhundert für den liberalen Gedanken entschiede. Daran haben alle Wandlungen des geschichtlichen Schicksals und alle Stimmungen, die dem Wechsel unterworfen sind, nichts geändert. Dem liberalen Judentum wachsen immer neue Scharen zu, selbst wenn sie organisatorisch nicht unmittelbar erfaßt werden. Das liegt im Wesen aller Entwicklung, die an den Pforten der Religion nicht Halt machen kann. Tie Einflüsse, die nun einmal von den vorwärtstreibendrn Ideen ausgchen, find überall ersichtlich, auch dort, wo man sich vermeintlich jeder Einwirkung durch die Mächte andersgerichteten Geistes verschließt. Was in vergangenen Zeitläuften die Gemeinden zu erschüttern und zu zerspalten geeignet war, ist ein Menschenalter später in die gewohnte und selbst verständliche Uebung eingeströmt. Das Gefühl der Trennung ist verblaßt. Das Gesetz der Evolution ist im Judentum stärker ausgeprägt als der konservative Geist, der ihm gern nachgerühmt wird. Wir sind längst in die Epoche der gegenseitigen Verständigung eingetrelen, gehorchen dem natürlichen Gefühl der Respektierung, das in den wirklich religiös gebildeten Krei'en immer gewürdigt worden ist. Auf der Frankfurter Hauptver'ammlung hat der Vorsitzende der Frankfurter Israelitischen Gemeinde I. R. Tr. Blau ein bemerkenswertes Wort des verewigten Rabbiners Tr. N. A. Nobel mitgeteilt, das uns viel zu denken gegeben hat. „Ich b in nichtungebildet genug, umdieLiberalennicht zu verstehen." Ter Prozeß der geruhigen Entwicklung des Gemeindelebens wurde unter bewahrter, besonnener und wohkberatener Füh nng mit sicherem Schrick vvrtvärls strömen, wenn nicht die Leidenschaften immer aufs neue aufgewühlt wücken von den Krersen unruhiger Stürmer und Dränger. Die Psychose, die nun einmal unser Zeitalter beherrscht, versucht auch, sich im Kampf der Parteien auszuprägen die gerade im Begriffe sind, sich auf dem Boden gemeinsamer Aufgaben zu gemeinsamer, fruchtbarer Arbeit zu finden. Tie tortet gibt bestenfalls das Schlagwort har zu zwecklosem treit und zu vergebenem persönlichen Angriff. Ein großer Mystismus jft unverkennbar bei den jugendlichen Heißspornen, die die Trennungslinien zwischen den religiösen Gruppen gar nicht scharf genug ziehen können. Das alles geschieht in einen: Zeitalter, in dem sich der alte Trennungsgeist, wie ihn S.R. Hirsch vertrat, aus geschichtlichen Gründen längst überlebt hat und die Gemeinden sich ernstlich bemühen, den berechtigten Forderungen der geschichtlich gewachsenen religiösen Gruppen vollauf Rechnung zu tragen. Das geschieht um des Friedens und des Ansehens des deutscher: Judentums willen. .Hat nicht aber auch der Frieden und der Friedenswille seine klaren und deutlichen Grenzen?Hat nicht gerade der Liberalismus ans guler Ueber'iesernng sich immer bemüht, dem jüdischen Leben seine vielgestaltige Auswägung in der Gemeinde, in ihren Schöpfungen, in ihren wzillm und wissenschaftlichen Einrichtungen zu geben? Alle' S'llchwwille aber bedarf des Antii.'bes nnd der Resonanz, deren Versagen nur lähmend wirken kann. Wenn im WettriD' mit anderen Richtungen der Libe a.ismus in gesunden Wc D •. rü trat, so schadet das ebensowenig, wie es einem natürlichen Lebensgefer entspricht. Tie Geschichte er seist es hini'iu glich daß das SllillsG des deutschen Judentums durch ein I n;.hundert in de:'. 'luden des Liberalismus seine sorg' :::rst? Pflege gesunder: »u'a bei einerr ßcn Re h b e t e u tenderPers ö n - licl)fc; : e n wohl geborgen war. Weil er über eine größere Weite des Denkens und über eine ungewöhnliche Weilherzigleit der?ö. :?rro; jüdischer, großzügiger Schöpfungen vecsügle als die au c : i Gruppen, die. allzu ängstlich und besorgt, vorwllv.cnd un. die eigenen Anliegen nnd weniger nur die u m s a | s i u d c u jüdischen Werke bemüht sind, darum Lunte d.r Lide alismns das Wegmal seiner Taten ries in die Gcftllch.e der jüdischen Gemeinden ein graben. Er ist keines rvegs bei ein.m ein ei iz n ToLrinarlsmus stehen geblieben, sondern hat Einsicht genug bewiesen, um sich den sich beständig wandelnden Forde r ngen der Zelt, den Wandlungen der Probleme und der psychologischen Erscheinungen anzu schmiegen. Wir erfahren cs immer wieder, daß Dunk keine Tn gend des öffentlichen Lebens ist und daß dem edelsten Willen die unbegreiflichsten Mo.i e zugewiesen werden. Wir sind es gewchrll, darüber zur Tagcsrrdnung überzngehen. Tie Parteien, die das als zum Kamps erforderlich erachten, werden mit Notwendigkeit einmal von diesem Irrtum abrücken, da sie auf die Druer ohne Ritterlichkeit nicht fechten können. Jede Partei muß Urbeclierrungen h rausbilden, die das Licht des Tages nicht scheuen und muß sich Grundsätze der Vornehmheit verschaffen. T e jüdischen Gemeinden sind zu wertvolle Gebilde, als daß sie sich die Formen des politischen Kampfes zu eigen machen können. Dies Argument nebmen wir auch für uns selbst in vollem Maße in Anspruch. W:r wollen damit aus sprechen, daß wir für unser liberales Judentum in jedem Betracht sich auswirkendcs Daseinsrecht in Anspruch nehmen. Wir überlassen es den anderen Gruppen, sich ganz nach eigenem Ermessen ihr Leben eir^urichten biß an jene Grenze, die ein friedliches Zusammenleben, eine fruchtbare gemeinsame Arbeit erfordert im Dienste der Erhaltung der Einheit der Gemeinden. Wenn sich in den letzten Jahrzehnten gewisse Ueberschreitungen und Uebersteigerungen in den Gruppen rechts von uns hrrausgebildet haben, so überlassen wir die Auseinandersetzung mit ihnen ihren berufenen Führern, aber wir wehren uns dagegen, daß sie auf unser religiöses Denken irgendwie Einfluß gewinnen. Wir wünschen keine Verdunkelung unserer klaren Erkenntnis und keine Verschiebung der klaren Linie unserer Entwicklung. Ob hier die östliche Einflußsphäre wirksam ivard, untersuchen wir nicht. Aber wir möchten ernstlich meinen, daß wir uns gegen die aus solchen Einflüssen resultierenden Einwirkungen nachdrücklichst zur Wehr setzen sollten. Je weniger diese Gefahr hinreichend erkannt wird, die uns umfängt, umso wirksamer müffcn wir dazu aufrufen, die uns aufgedrungene Defensive auszunehmen. Wir reden niemals der Unduldsamkeit das Wort, aber wir lehnen auch die Unduldsamkeit, die gegen uns geübt wird, als den: Geiste des Judentums widersprechend ab. Wir beklagen es, daß selbst die „Achduth", die doch den Gedanken der Einheitsgemeinde vertritt, von uns als den „irrenden Brüdern" redet nnd uns damit gewollt oder ungewollt die Anssticktigkeit und den Ernst unseres jüdischen Willens und unserer jüdisch.en Ueberzeugung abspricht. Hier beginnt die Scheidung der Geister, die leider auch bis tief in wie (Reihen der Liberalen Verwirrung und Unheil anrichtet nnd sie an den besten Ueberlieserungen irre werden läßt, und man muß ernstlich die Frage auswerfen, ob in der Leidenschaft des Kampfes der Gedanke tragbar ist, daß die Liberalen als Träger der jüdischen Schöpfungen wohl als ebenbürtig zu betrachten sind, aber als männliche, mutige Vertreter eigener jüdischer Ueberzeugung, eigener jüdischer Frömmig reit als „die irrenden Brüder" stigmatisiert werden. Hier klafft ein Widerspruch, der untragbar ist, hier tritt eine Ungerechtigkeit zu Tage, die einmal in öffentlicher Aussprache geklärt werden und dartun muß. daß im jüdischen Gemeindeleben nicht die Macht entscheiden kann, sondern die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit im Denken und im Handeln. die Gerechtigkeit, die in liberalen Gemeinden den Konservativen gibt, was billig ist und in konservativen Gemeinden frommer Wunsch - den Liberalen, was dem Gedanken der Gleichberechtigung entspricht. „Und der Kundige wird es einsehen." Liberaler Wahlsieg in Danzig Tie Ergänzungswahlen von: 19. Februar, in denen die Hälfte der Tanziger Reprä'entantenversammlnng neu gewühlt wurde, haben mit einem Siege des Blocks der vereinigten Liberalen und Orthodoxen über die Jüdische Volkspartei geendet. Von etwa 1109 wahlberechtigten Gemeindemitgliedern haben 857, also fast 80 Prozent, ihre Stimme abgegeben. Hiervon haben 525 für die Licke Becker (Liberale Orthodoxe) rrnd 328 für die Liste Lewy (Volkspartei) gestimmt. Somit erhalten von den acht zu wählenden Repräsentanten die vereinigten Liberalen und Orthodoxen 5 Mandate, die Volkspartei 3 Mandate, außerdem beide Gruppen je 2 Stellvertreter. Soweit das zahlenmäßige Ergebnis. Wie ist es zu bewerten? Tie Wahl vom 19. Februar sollte ein Prüfstein sein für das beiderseitige Kräfteverhältnis. Bisher war das Verhältnis 5:3. und der von liberaler Seite vor Beginn des Kampfes gemachte Vorschlag ging dahin, es beim status guo zu belassen. Das lehnten die Nationaljuden ab, mit der Begründung, daß die hinter ihnen stehenden Kreise den Liberalen und Orthodoxen an Zahl mindestens gleich, wenn nicht überlegen seien, und daß deshalb ein Mandatsverhältnis 1:4 das mindeste sei, was sie verlangen könnten. ^Die Wahlen haben den Liberalen recht gegeben. Von beiden Seiten wurde der letzte Mann an die Wahlurne gebracht, und das Resultat, das also nicht als Zufallsmajorität bezeichnet werden kann, bestätigte die liberale Ueberlegenheit in einer Weise, wie es auch aus liberaler Seite viele nicht erwartet hatten. Es ist selbstverständlich, daß inan auf zionistischer Seite sich nach einer Erklärung für diese nicht erwartete Niederlage umsieht. Tie Nächstliegende Erklärung, daß man mit einer so starken Wahlbeteiligung vei den „lauen ' Liberalen nicht gerechnet hat, ist so unerfreulich und so entgegengesetzt allem, was man im Wahlkampf seinen Anhängern von der Uninteressiertheit der Liberalen an jüdischen Dingen erzählt hat. daß man sich nach einer anderen Begründung für den Mißerfolg umsehen muß. Und so hat man denn gefunden, dag „Hunderte" von Nationaljuden nicht in der Wahlliste gestanden hätten, und daß infolgedessen die Wahl ein ganz verfälschtes r ist richtla, doxie die Front der vereinigten Liberalen und Orthodoxen eher gestärkt als geschwächt haben mag. Infolge der Zurückhaltung der Liberalen gestaltete sich die kurze Diskussion nach oem Vortrage von Klee zu einer internen Auseinandersetzunß zwischen den verschiedenen nationaljüdischen Gruppen, mit dein Ergebnis, daß die jiddisch-sozialistische Gruppe der Volkspartei die Gefolgschaft kündigte und Wahlenthaltung proklamierte. Alles in allem genommen hat der Klee-Aberck, s« hübsch die Rü>e vom rhetorisch-schauspielerischen Standpunk aus war, d er Sache der Vvlkspartei eher geschadet als genützt, wie das Wahlergebnis am nächsten Tage zeigte. Es ist klar, daß der Mißerfolg des 19. Februar die Jüdische Volkspartei anspornen wird, nach drei Jahren die erlittene Scharte auszuwetzen und die Macht in der Tanziger Geineinde zu erringe::. Wie in drei Jahren die Situation sein tvird, wissen wir nicht. Sicher ist, daß gegenüber den Jahren 1923 21 die Zahl der Nationaljuden in Danzig zurückgegangen ist. da sich ein großer Teil von ihnen nur vorübergehend in Danzig aufhielt, ehe er nach Palästina, Amerika oder anderen Ländern auswanderte. Aus der anderen Seite erleiden auch die deutschen Juden in Danzig Verluste durch Wegzug nach Deutschlcnck, während der Zuzug deutscher Jwden aus Posen und Westpreußen als abgeschlossen gelten kann. Als dritter Faktor ist der Umstand zu berücksichtigen, daß die in Danzig eingebürgerten Ostjuden sich zum Teil sehr schneK den deutschen Juden assimilieren. Alle diese schwer berechenbaren Vorgänge machen es so gut wie unmöglich, auch nur aus drei Jahre das Schicksal der Tanziger Geineinde vorauszusagen. Das eine ist sicher: Tie Liberalen dürfen trotz« alles berechtigten Stolzes auf den in härtester Arbeit errungenen Wahlsieg sich in den kommenden Jahren nie und nimmer beruhigt auf ein Faulbett legen, sondern müssen auch heute ansangen, die nächsten Wähler: vorzubereiten, das heißt das Fcner, das dieser Wahlkampf entfacht hat, ehe es verglimmt, dazu nutzen, Leben und Bewegung in den Tanziger Liberalismus zu bringen. Tann erst wird von einem Wahlsieg wahrhaft die Rede sein können. Tr. Erwin L : ch t e n st e i n , Tanzig. Die Staatszuschüsse für die jüdischen Gemeinden. Ter Hauptausschuß des Preußischen Landtages, der gegenwärtig über der: Etat des Unterrichtsministeriums berät, hat in seiner letzten Sitzung der: Antrag der kommunistische« Fraktion, die Position in Kapitel 182 Titel 90 betreffend die Auszahlung von 109 000 Mark zugunsten leistungsschwacher Synagogengemeinden zu streichen, abgelehnt, so daß diese Position als ständige bestehen bleibt. Dagegen beschloß der Hauptansschuß, die Position in Kapitel 193 Titel 123 a betreffend Auszahlung von 209 000 Mark (widerrufliches Bedürfnis) als Zuschüsse an die Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner, zur Verso gung der Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen der Rabbiner zu streichen. Tie Kommunisten und die Teutschnationalen stimmte« in beiden Fälle« gegen die jüdischen Positionen. Die Sozialdemokraten übten bei der Abstimmung über die zweite Position Stimmenthattung. Ter Beschluß des Haup:ausschusses ist selbstverständlich kein endgültiger. Es ist schon wieoe.holt vorgekommen, daß der Hauptar^schuß sich gegen jüdische Posüionen aussprach, die dann vom Plenum des Landtages angenommen worden sind. Mrlschaflsprobleme der deutschen Juden Vortrag des Herrn Staatssekretär a. D. Tr. Julius Hirsch auf der Hauptversammlung des Centralvereins. Im Anschluß an unfern in voriger Woche veröffentlichten Bericht über die Hauptversammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bringen wir nachstehend eine Inhaltsangabe des bedeutungsvollen Vortrages von Prof. Tr. .Hirsch. Ter Referent wollte mit seinem Vortrag, wie er selbst sagt, nicht so sehr einen wissenschaftlichen Bericht über die Lage der Juden in wirtschaftlicher Hinsicht geben, sondern er wollte vielmehr unsere jüdische Jugend, die vom Pessil mismus erfüllt, ausrufen zur tätigen Wirtschaftsarbeil im j Wirtschasiskörpcr unseres deutschen Volkes. Er ging dabei aus , die Situation ein, die unsere jüdische Jugend zum Nationalist! n:us geführt habe; seine Einstellung zu der Frage des Zionis-! MUS ist die. daß es nicht in der Linie der allgemeinen Mensch-! Inckts und Wirtschafts.Entwicklung liegen könne, noch ein I kleines Nationchen, noch eine Sondereristenz in ivirtschastlicher , .Hinsicht zu schassen. Die gewollte Ävsch-ießuna, die in der! Vorstellungswelt der indischen Jugend zum Teil zum Ausdruck komme, sei zu bekämpfen. Tie Jugend müsse sich auf die Realität einstellen und erkenne:-, daß in der deutsche« Wirtschaft für sie der Platz sei. im Dienst der Allgemeinheit tätig zu sein. Das sei nicht nur ein jüdisches Ziel, sondern auch ein deutsches Zien llnacnnm: a: gäbe sich das deutsche Volk durch das Schwere per letzten Jahre Hindurchgerunge« und sei Wirtschaft.ich im Rahmen der europäischen und Weltwirtschaft wieder zu einen: bedeutenden Faktor geivorden. Bild ergeben habe. Wie ist es damit? Es ist richtig, da, die Wahlliste nicht vollständig!var. Es zeigte sich am Wahl . _ * . tag. daß so mancher Wähler sein Wahlrecht nicht auSüben! L'UKl *c,UTm' )Cl ',l1 konnte, weil sein Name in der Wahlliste nickst enthalten war. j Bon dieicm Mißgeschick wurden jedoch beide Serien betroffen, j Nickt nur neu nach Danzig eingewanderte Nationaljuden j fehlten in der Wahlliste, 'sondern auch alte liberale Tanziger j Juden waren durch irgendwelche technische Versehe:: nicht J ausgenommen. T-.-.s ist natürlich außerordentlich zu bedauern, aber es reizt doch auch, daß von einer absichtlich,en Benachteiligung gerade ostjüdischer Kreise keine Rede sein kann. Im Germreil: Das Fehlen von Juden, die erst kurze .Zeit in Danzig sind und bisweilen aus ihre Eintragung in Steuer- und Einwrhnerliste gar nicht großes Gewicht, ge legt haben, lässt sich rein büromäßig noch eher entschuldigen als die Forllassung von Leuten, die seit 20 Jahren in Tanzig ihre Stenern zahlen. Wieviele im ganzen Weise‘ ihr Wahlrecht verloren haben, ist schwer st Sicher ist, daß ihce Anzahl von zionistischer Seile ohne jeden Beweis maßlos hoch angegeben wird. Im übrigen hatte jeder Wähler die Möglichkeit, nachzuprüsen, ob er in der Wählerliste stand, da durch öffentliche Aufsordernng jedermann hierauf hingewiesen worden war. Wer von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht hat, muß sich, gleichviel, in welchem Lager er steht, den Verlust seines Wahlrechts selbst zuschreiben. Auf die letzte Woche vor den Wahlen nochmals ausführlich zurückzukommen, dürfte Hute unangebracht fein. Beide Parteien hatten noch große Versammlungen einberufen, in denen die Wogen der Erregung hoch gingen. Für die vereinigten Liberalen und Orthodoxen sprachen die Herren Rechtsanwalt Tr. Mayer-Berlin über „Religionsgemeinde oder Volks-gemeinde", Syrckikus Artur Schweriner-Berlin über unsere Stellung zum Nationalsudentum. Oberregierungsrat Bereut über „Tie Arbeit der Gemeindeverwaltung in den letzten Jahren" u:ü> Tr. Erwin Lichtenstcin über „Tanzig als Brücke von Ost nach West". Tie Jüdische Volkspartei hatte sich für den Vorabend der Wahl Tr. Klee-Berlin verschrieben, jedoch durch seine scharfe Stellungnahme gegen die Ortho- Wir deutschen Juden, die wie mit Gedei'.) und Verderben mit der Entwicklung der deutsche:: Wirtschaft verbunden sind, müßte-: uns vetei igen an ihrer Arbeit mit unseren besondere« jüdischen Fähigkeiten. Der Referent stellt kick; noch die Frage der Entwicklungstendenz der deutschen Wistschaft unter besonderer Beleuchtung auf di'se! der Ausgabe der deutschen Juden. Wenn auch einige An ^'lst--ll"N! Zeichen zur Ausschaltung des sinll-clnm E.erneutes gegeben seien, ' 'so dürfe unsere jüdische'Jugend sich die Hoffnung nicht rauben lassen, denn unsere besondere geistige Fädigkeit versetzt uns in die Lage, die komolizierieu Fuuiiivueu moderner Wirtschastsarbeit mehr denn je zu erfüllen. Das Erfordernis sei also: höchste Dienstleistung iu^ber freien Wirtschaft, beim von der Behauptung unserer Stellung im Wirtschaftskörper unseres Vaterlandes ist nach der Ansicht des Referenten im wesentlichen soziale und politische Schicksatsgestaltung des deutschen Judentums abhängig. Tie große Entwicklung, die den Wirtschastskörver Europas kennzeichnet, müsse im Gegenteil die jungen Menschen gerade zu hosfnungsfreudiger Tätigkeit ausrufen. Die neue Wirtschaft braucht aktive Arbeit. Seien wir nicht verzweifelt; Helsen wir mit, ein bedeutsamer Faktor in dieser großen Linie irr Entwicklung zu sein; laßt uns zu kühnen Gestalten der Wirtschaft unseres Volkes werden, mit dem wir in unserem Bewußtsein und durch unser Schicksal seit Jahrtausenden verbunden sind. Ein lang anhaltender begeisterter Beifall bewies dem Redner, daß sein Mahnruf auf fruchtbarem Boden gefallen ist.

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