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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-02-17 · 7 (17.2.1928) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
8 (1928)
Issue
7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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T-em Werke war ursprünglich der Titel „Meine philosophische Schriften" zugedacht, es wurde aber dann durch Arbeiten größeren Umfanges erheblich erweüert. Philosophen und Mathematiker, Aesthetiker, Kulturhistoriker und Politiker, wie alle Freunde tiefer, lebengestaltender Gedanken werden die vom Akademie-Verlag erlesen ausgestatteten Bände als wertvolle Bereicherung begrüßen. Ter jüdischen Welt im Besonderen werden sie als Gegenstück zu den drei Bänden „Jüdische Schriften" willkommen sein." (Wir behalten uns eine eingehende Würdigung der Werkes vor.) Umstellen! Bon Rabbiner Tr. M. Salomo n s k i. In voriger Nummer veröffentlichten wir einen Bericht über' die in Wilmersdorf geschaffene Einrichtung der regelmäßigen Freitagabend-Gottesdienste mit Chor, Orgel und Predigt nach dem liberalen Ritus der Synagoge Norden. Angesichts der hohen Bedeutung, die diese Gottesdienste in der kurzen Zeit ihres Bestehens gewonnen haben, veröffentlichen wir - - entgegen unserer sonstigen redaktionellen Gepflogenheit -- nachstehend - die beim Gottesdienst am 27. Januar von Herrn Rabbiner Tr. Salomonski gehaltene Festansprache. Tie Schrvftleitung. Aegypten, Plagen, Auszug Israels! Dieser Inhalt der heutigen Schriftvorlesung führt leicht zu Betrachtungen, die erst dem im Frühling nahenden Pessach gebühren. Ter Schlußakt im Drama zweier Völker vermittle uns die zeitgemäßere und in der Gegenwart bewiesene Erkenntnis, daß im Kampf zwischen den Nationen die Führerpersönlich^- keiten oft eine besondere. Triebkraft bedeuten. In ipich'erj Auffassung heißt die Lehre unseres Thoraabschnittes nicht so sehr: Israel gegen Aegypten, vielmehr: Mose gegen Pharao. Man täte dem Könige Unrecht, und es wäre Verkennung, in ihm den Typ der Hohlheit zu sehen. Wer Verständnis für die Feindesseele hat, muß ihn bewundern! Neunmal hat Pharao gegen das Unsaßliche der Plagen angekämpft, erst als der Tod die Seinen dahinrafft, ergibt er sich mit den Worten: „nlchu, uwerachtem gam außi, — gehet und betet auch für mich!" Diese Kapitulation des Trotzes ist rührend, sie läßt das Recht anderer gelten und den unbekannten Gott. Solche Wandlungen bedeutender Menschen erschüttern uns auch heute, mögm sie selbst in der Ferne geschehen, und haben Anspruch auf Glaubhaftigkeit. Leider kommen sie meistens sehr spät, haben aber oft dann noch ihr Gutes. Ja, es ist eine Tatsache, daß dieselbe Ergebung am Kriegsende unfern Feinden den Stachel aus der Seele nahm. So wird häufig der seelische Verzicht oder die neue Anschauung eine wahre Befreiung, und nur das Niemals ist ein Fluch. Wie viele haben im Innern mit der alten Auf-" fassung gebrochen, aber äußerlich halten sie an chr fest. Und wie viele haben sich zwar äußerlich bekehrt, bleiben aber im Herzen beim Alten. Dieser unleidliche Zustand der Haltlosigkeit ist der tragische Zwiespalt unseres Lebens. Daß solches Unvoröereitetsein auch Israel nicht fehlte und schon in alter Zeit gefährdete, beweist die lehrreiche Bemerkung der Schrift: „wgam zedo lau ossu lohem, — sie hatten keine Zehrung vorbereitet." Lange Zeit hatten sie sich für den Auszug gerüstet, als die Befreiungsstunde kam, fehlte das Wichtigste — das Brot. Noch dringlicher als damals das Brot für die Wanderung in der Wüste ist bei uns die Vorbereitung von seelischer Speise. Denn darin hat Pharao schließlich auch mit bestem Willen Unrecht behalten: Es ist unmöglich, für andere zu beten, man muß sich selbst zum Gebet einstellen. Deshalb wollen wir damit beginnen, für uns zu beten, und darum kommen wir hierher. Eine Interpellation der Liberalen über das Vorgehen beim Kultusministerium Tie liberale Fraktion hat in der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde folgende Interpellation eingebracht, die in der Repräsentantenversammlung am 16. er. zur Erörterung gelangen wird: 1. Warum hat sich der Gemeindevorstand über den Landesverband hinweg direkt an das Ministerium gewandt, um Dr. Freund zum Sachverständigen vorzuschlagen? 2. Warum hat der Vorstand die schriftliche Bitte des Landesverbandes, davon abzusehen, mißachtet? 3. Ist es zutreffend, daß der Brief des Landesverbandes zurückgehälten worden ist und dadurch dem Vorsitzenden des Gemeindevorstandes nicht rechtzeitig zur Kenntnis kam? Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich zu machen? Wir werden in unserer nächsten Nummer über die Beratungen der Repräsentantenversammlung ausführlich berichten und dann nochmals auf die zuerst in unserem Blatte behandelte Angelegenheit zurückkommen. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist der Brief, den die Berliner Gemeinde an das Kultusministerium gesandt hatte, tatsächlich vom Kultusministerium wieder in die Jüdische Gemeinde zurückgeholt worden, was den liberalen Vorstandsmitgliedern der Jüdischen Gemeinde noch nicht einmal nach der in der vorigen Woche abgehaltenen Vorstaudssitzung, in der ausführlich über die Angelegenheit geredet wurde, bekannt war. Die jetzige öffentliche Erörterung der Angelegenheit dürste endlich die erforderliche Klärung über das völlig unverständliche und der jüdischen Würde hohnsprechende Verhalten der Berliner Jüdischen Gemeinde bringen. In der erwähnten Repräsentantenversammlung wird auch die Wahl eines neuen Mitgliedes des Gemeindevorstandes anstelle des infolge der Vergewaltigung seitens der Blockparteien ausgeschiedenen Herrn Fuchs erfolgen. Herr Fuchs hat eine Wiederwahl abgelehnt, falls ihm von der Blockmehrheit nicht weiter wie bisher das Waisenhausdezernat überlassen bleibt. Ta das bei der jetzigen Zusammensetzung des Ge. meindevorstandes nicht zu erreichen war, muß die Gemeinde nunmehr auf die Mitarbeit des Herrn Fuchs verzichten. Wie verlautet, wird in den Gemeindevorstand Herr Dir. Kleemann gewählt werden, der ihm bisher als Stellvertreter, angehörte. Die Ersatzwahl für den hierdurch freiwerdenden Stellvertreterposten im Gemeindevorstand wird demnächst erfolgen. Eine Stiftung znm 70. Geburtstag von Claude INonkeftore Im Juni d. Js. wird Claude G. Montesiore, der Führer des liberalen Judentums in England, 70 Jahre alt. Ein aus Marie de Rothschild als Präsidentin und den Herren Leonard Cohen, Michael A. Green, Basil L. Q. Henriques, Lionel Jacob und Philip S. Waley bestehendes Komitee hat sich zur Ausgabe gesetzt, zu Ehren von Claude >G. Montesiore eine Stiftung ins Leben zu rufen. Tas Komitee hat einen Aufruf erlassen, in welchem es u. a. heißt: Die Freunde und Bewunderer der großen Persönlichkeit Claude G. Montesiores wollen eine Stiftung errichten, die einem von Montesiore selbst zu bestimmenden Zwecke, der sozialen Fürsorge, der Wissenschaft oder der Erziehung gewidmet sein soll. Beträchtliche Summen sind bereits geleistet worden. Es soll aber allen, die Montesiore verehren, Gelegenheit gegeben werden, chren Beitrag für den Montefiore-Fonds (Adresse: N. M. Rothschild aird Sons in New Court, St. Swinthin's Lane) zu leisten. Die Liste der Spender wird dem Jubilar in einer noch zu wählenden Form überreicht werden. Werbt neue Mitglieder! Am 11. Februar 1927 verschied an den Folgen eines Unfalls der Ehrenvorsitzende uns. Vereinigung, Herr Justizrat Bernhard Breslauer Die Vereinigung für das liberale Judentum verliert in ihm ihren Gründer und langjährigen Vorsitzenden, das deutsche liberale Judentum seine stärkste Führerpersönlichkeit. Innerlich zu tiefst erfüllt vom Stolz auf die Väterreligion und vom Glauben an ihre Zukunft, sah er seine Lebensaufgabe in der Verwirklichung des Ideals individueller Freiheit und religiöser Wahrheit im Judentum. Wie er die Organisation des religiösen Liberalismus schuf, war er, getreu dem Gemeinschaftswillen liberaler Juden, auch der erste Anreger und Förderer einer Gesamtorganisation des deutschen Judentums. Fest und unbeugsam im Streben nach dem Ideal, das er im Herzen trug, abhold jeder Gesinnungsverklitterung, war er doch voll Achtung für jeden ehrlichen Gegner, ein ritterlicher Kämpfer, ein frohgemuter, liebenswürdiger Mensch, den Freunden unverbrüchlich ergeben. Sein Bild, sein Name und Beispiel werden unser Gewissen schärfen und uns Ansporn sein, im Geist der Wahrheit für unsere Sache zu leben u. zu arbeiten. Vereinigung für das liberale Judentum [Heinrich Stern, R. A. Vorsitzender JUdllcties Jahrbuch für Groß-Berlin Herausgegeben von Dr. Jacob Jacobson ist Februar 1928 erfchienen Mit Beiträgen von Dr. Bertha Bäht- Strauß, Redakt. Georg Davidsohn, Salli Kirschstein, R.-Anwalt Dr. Max Kollenscher, Redakt. Leo Kreindler, Dr. Georg Lubinski. R.-Anwalf Heinr. Stern, Chefredakteur Bruno Woyda Zahlreiche Tabellen, interessante Abbildungen. Gehört als Wegweiser durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins ln jede südliche Familie Inhalt: ca. 42.0 Seiten, gefchmackvoll gebunden. Preis M. 4.50. Verbände und Vereine Rabatt nach Vereinbarung Früz Scherbel & Teilh. -Verlag Berlin SW19, Beulhllraße 19 Telephon: Merkur öQ9ö Ein Beitragzur Geschichte der Juden in Deutschland ist das neue Werk 58. Rosenthal Heimakgeschichke der badischen Inden Seit ihrem erste,, Auftreten bis zur Gegenwart nach gedruckten u. ungedruckten Quellen bearbeitet. Nnifang 5,4» Seiten mit Bildbeilagen, einer faksimilierten Urkunde und einer Geschichtskarte von Baden. Ganzleiiicnband 10 Mark. Konkordia A.-G. für Druck und Verlag. Bühl/Baden Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. Y. Kostenlose Feuerbestattung Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Ecke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 Sehrlltenreitie d. Vereinigung I. d.llh. Judentum E. V. Hell Hr. 1 Die Grundsätze des fttdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0.50 Mk. Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ Berlin SW 48, Wilhelmstraße 147 Malerarbeiten jeder Art Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Fassaden etc. Robert Gutheim W50, Kulmbacherstr. 7, Fernspr.: Lützow 6260 Kostenanschläge gratis Israelitischer Gottesdienst in Frankfurt/Al. Liberaler Ritus: Hauptsynagoge. Freitag, d. 17. 2., abds. 5.30. Sonnabend, d. 18. 2., morg 9, Predigt Rabb. Dr. Gottschalk, nachm. 4, Sabbat-Ausgang 6.35. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Kövigsteiner Straße. Freitag, d. 17. 2., abds. 6.30, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Lazarus. Sonnabend, d. 18. 2., morg. 9.30, Sabbat-Ausgang 6.35. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds.?. Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitag, d. 17. 2., abds. 5.20. Sonnabend, d. 18. 2., Frühgottesdienst 6.50, morg. 8.15, Predigt, nachm. 4, nachm. 5.30, Vortrag des Herrn Dr. Ernst Simon: „Moses und Esra", Sabbat-Ausg. 6.35. Wochengottesdienst: morg. 6.45, nachm. 5.15. Synagoge Bockenheim. Freitag, d. 17. 2., abds. 5.20, Schluß-Vortrag §crr Rabb. Dr. May. Sonnabend, d. 18. 2., morg. 8.45, nachm. 4, Sabbat- Ausgang 6.35. Wochcngottesdienst: morg. 7.15. Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 17. 2., abds. 5.20. Sonnabend, d. 18. 2., morg. 8,15. nachm. 4. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands Halb so teuer wie andere ale chwertiqe Tafelwasser. 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